Kurz gesagt
Dieses Gesetz regelt den Zugang von Polizei-, Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendiensten zum Visa-Informationssystem (VIS). Es legt fest, unter welchen Bedingungen und für welche Zwecke diese Behörden auf die im VIS gespeicherten Daten zugreifen dürfen.
Was es regelt
- Die unmittelbare Anwendbarkeit eines EU-Beschlusses zum Zugang zum Visa-Informationssystem.
- Die Bestimmung der Behörden, die zum Zugang zum VIS berechtigt sind.
- Die Einrichtung zentraler Zugangsstellen für das VIS.
- Die Arten von terroristischen und sonstigen schwerwiegenden Straftaten, für deren Verhütung, Aufdeckung oder Ermittlung ein Zugang gewährt werden kann.
Wen es betrifft
- Polizeibehörden, Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendienste des Bundes und der Länder.
- Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.
Eckpunkte
- Zugang zum VIS ist nur für die Verhütung, Aufdeckung und Ermittlung terroristischer oder sonstiger schwerwiegender Straftaten gestattet.
- Schwerwiegende Straftaten umfassen unter anderem Straftaten nach §§ 129a, 129b StGB und solche, die mit einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren bedroht sind.
- Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat erstellt Listen der zugangsberechtigten Behörden und zentralen Zugangsstellen.
- Jede Abfrage und Übermittlung von Daten aus dem VIS wird protokolliert, einschließlich der persönlichen Kennung der bearbeitenden Personen.
📄 Gesetzestext
VISZGVISZG2009-05-06BGBl I2009, 1034; 2013, 3212VIS-ZugangsgesetzGesetz über den Zugang von Polizei- und Strafverfolgungsbehörden sowie Nachrichtendiensten zum Visa-InformationssystemStandZuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 1 G v. 20.3.2026 I Nr. 95SonstDieses G ist gem. § 6 iVm Bek. v. 8.8.2013 I 3212 mWv 1.9.2013 in Kraft getreten (+++ Textnachweis ab: 1.9.2013 +++) (+++ EU-Vollzitate: vgl. Liste EU-Rechtsakte G v. 20.3.2026 I Nr. 95 +++)
VISZGEingangsformelDer Bundestag hat mit Zustimmung des Bundesrates das folgende Gesetz beschlossen:
VISZG§ 1Unmittelbare AnwendbarkeitDie Bestimmungen des Beschlusses 2008/633/JI des Rates vom 23. Juni 2008 über den Zugang der benannten Behörden der Mitgliedstaaten und von Europol zum Visa-Informationssystem (VIS) für Datenabfragen zum Zwecke der Verhütung, Aufdeckung und Ermittlung terroristischer und sonstiger schwerwiegender Straftaten (ABl. EU Nr. L 218 S. 129) sind anwendbar.
VISZG§ 2Zugangsberechtigte Behörden und zentrale Zugangsstellen(1) Der Bund und die Länder bestimmen die Polizeibehörden, Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendienste, die zum Zwecke der Verhütung, Aufdeckung und Ermittlung von terroristischen Straftaten oder sonstigen schwerwiegenden Straftaten zum Zugang zum Visa-Informationssystem berechtigt sind.
(2) Zentrale Zugangsstellen können beim Bund und bei den Ländern eingerichtet werden.
(3) Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat erstellt in Abstimmung mit den Ländern eine Liste der zentralen Zugangsstellen, eine Liste der zugangsberechtigten Behörden sowie eine Liste der Organisationseinheiten, die innerhalb der zugangsberechtigten Behörden zum Zugang zum Visa-Informationssystem ermächtigt sind. Die Länder teilen die erforderlichen Angaben sowie jede nachträgliche Änderung dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat mit. Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat übermittelt die Listen der zugangsberechtigten Behörden und der zentralen Zugangsstellen sowie jede nachträgliche Änderung an die Europäische Kommission und das Generalsekretariat des Rates der Europäischen Union.
VISZG§ 3Terroristische und sonstige schwerwiegende StraftatenZugang zum Visa-Informationssystem kann nur gewährt werden zum Zwecke der Verhütung, Aufdeckung oder Ermittlung 1.einer Straftat nach den §§ 129a und 129b des Strafgesetzbuches,2.einer in § 129a Abs. 1 Nr. 1 und 2, Abs. 2 Nr. 1 bis 6 des Strafgesetzbuches bezeichneten Straftat, wenn diese bestimmt ist, die Bevölkerung auf erhebliche Weise einzuschüchtern, eine Behörde oder eine internationale Organisation rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt zu nötigen oder die politischen, verfassungsrechtlichen, wirtschaftlichen oder sozialen Grundstrukturen eines Staates oder einer internationalen Organisation zu beseitigen oder erheblich zu beeinträchtigen, und durch die Art ihrer Begehung oder ihre Auswirkungen einen Staat oder eine internationale Organisation erheblich schädigen kann,3.einer Straftat, die darauf gerichtet ist, eine der in Nummer 2 bezeichneten Straftaten anzudrohen,3a.einer Straftat nach den §§ 89a bis 89c und 91 des Strafgesetzbuches,4.einer Straftat im Zusammenhang mit terroristischen Aktivitäten gemäß Artikel 12 der Richtlinie (EU) 2017/541 in der Fassung vom 15. März 2017,4a.einer Straftat nach den §§ 87a, 94 Absatz 2, den §§ 95 bis 97a, 98 Absatz 1, § 99 Absatz 1 und 2, § 100 Absatz 2 und § 100a des Strafgesetzbuches,5.einer Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe im Höchstmaß von mindestens drei Jahren bedroht ist und zu einer der in Artikel 2 Abs. 2 des Rahmenbeschlusses 2002/584/JI des Rates vom 13. Juni 2002 über den Europäischen Haftbefehl und die Übergabeverfahren zwischen den Mitgliedstaaten (ABl. EG Nr. L 190 S. 1) aufgeführten Deliktsgruppen gehört.
VISZG§ 4DatenschutzkontrolleDie Kontrolle der Einhaltung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen obliegt nach § 9 des Bundesdatenschutzgesetzes dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Die datenschutzrechtliche Kontrolle der Verarbeitung von Daten durch eine Landesbehörde richtet sich nach dem Datenschutzgesetz des Landes.
VISZG§ 5ProtokollierungDas Bundesverwaltungsamt protokolliert jede Abfrage und Übermittlung von Daten aus dem Visa-Informationssystem. Dazu gehört auch die persönliche Kennung der Personen, die die Abfrage bearbeiten.
VISZG§ 6InkrafttretenDieses Gesetz tritt an dem Tag in Kraft, ab dem der Beschluss 2008/633/JI nach seinem Artikel 18 Abs. 2 gilt. Das Bundesministerium des Innern gibt den Tag des Inkrafttretens im Bundesgesetzblatt bekannt.
KI-Erklärung auf Basis des amtlichen Gesetzestextes. Orientierend, ersetzt keine Rechtsberatung.