{"html": "<div class=\"lf-doc\"><p class=\"lf-p\">8 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. Dondelange.</p>\n<p class=\"lf-p\">Um Wiesch (réservoir d’eau). 894/2256, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Vgl. Halsdorf, Jos, ‚Wasserversorgung in Keispelt-Meispelt gestern und heute‘, in: Corps des SapeursPompiers Keispelt-Meispelt, Centenaire. Inauguration du nouveau drapeau et fête cantonale. 23 mai 1982, o.</p>\n<p class=\"lf-p\">O., o. J., S. 92; Reiter, Ernest; Scholer, Francois, Syndicat des Eaux du Sud 1908-1983, Esch-sur-Alzette, o. J., S.</p>\n<p class=\"lf-p\">10ff.</p>\n<p class=\"lf-p\">32 et d’Esch-sur-Alzette (heute: Syndicat des Eaux du Sud) gegründet.10 Die Begründer Louis Klein und Pierre Braun sahen unter anderem die Quellfassung ‚Wiesch‘ zur Nutzung ihres innovativen Projekts vor (TIH).11 Der Kauf der Quellen der Gemarkung Im Wiesch, die sich zu dem Zeitpunkt noch im Besitz der Gemeinde Kehlen befanden, blieb jedoch zunächst aus.12 Erst seit 1930 gehören sie zu den zahlreichen Quellen des Syndicat des Eaux du Sud (SES) (TIH).13 Nach der Fertigstellung des Wasserwerks in Dondelange im Jahr 1933 wurden die Ortschaften Nospelt, Kehlen und Olm an das Versorgungssystem des Syndikats angeschlossen, ohne jedoch dem Verband beizutreten.14 Heute ist die gesamte Gemeinde Kehlen an das Netz des SES angebunden.15 Das langgestreckte Gebäude wird von einer für einen Zweckbau aufwendig gestalteten steinsichtigen Blendbogenfassade definiert (AUT, SEL). Die dekorative Gebäudehülle besteht komplett aus bossierten gelben Sandsteinquadern und ist durch eine unterschiedlich erhabene Fassadengestaltung geprägt (AUT, CHA). Die sieben Rundbögen im oberen Bereich erstrecken sich über die gesamte Fassadenbreite. Dabei wird der Bogenrücken am meisten hervorgehoben und liegt auf betonten Kämpfersteinen auf (AUT). Die Steine im Sockelbereich sind etwas stärker bossiert und setzen sich somit visuell vom Rest ab. Durchlaufende Lisenen verdeutlichen die vorhandenen Achsen und verleihen dem Gebäude eine vertikale Ebene (AUT). An zentraler Position der Fassade befindet sich eine rezente Metalltür aus Aluminium. Der Bau schließt an allen Fassaden mit einer prägnanten Attika mit Blechdeckung ab und wird durch umgreifende Ecklisenen gerahmt (AUT, CHA). Das Flachdach ist mit einer Bitumenbahn ausgelegt und besitzt drei Luftauslässe, die zum Druckausgleich und als Belüftung des Wasserhäuschens dienen. Im Inneren führt eine zweiläufige Treppe über jeweils acht Stufen nach unten (AUT). Das Gebäude wurde an die Felswand gebaut und offenbart im Innenraum den Blick auf den anstehenden Sandstein (AUT). Das Grundwasser gelangt aus dem Sandsteinfelsen in die vorgesehenen Sammelbecken und wird von dort aus weitergeleitet. Eine einfache Stahlbetondecke überspannt den kleinen Raum.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das markante Gebäude im Tal des Dondelerbachs repräsentiert den technischen Fortschritt des Großherzogtums im Bereich der Wasserversorgung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Quellfassung ‚Wiesch‘ sowie das Wasserwerk in der Route de Luxembourg zeugen von der Wichtigkeit des Orts für die Entwicklung des Syndicat des Eaux du Sud. Zudem ist die Quelle seit jeher ein wichtiger Bestandteil der Dorfgeschichte von Dondelange. Das Gebäude wurde aus lokalem Sandstein gefertigt und zeigt sich in zeittypischer Formensprache. Die aufwendig gestaltete Fassade unterstreicht zudem die Bedeutsamkeit des Nutzbaus. Die charakteristischen Gestaltungsmerkmale, wie die Blendbogenfassade, die umgreifenden Ecklisenen sowie die ausgeprägte Attika, sind aus der Bauzeit 10 Vgl. Halsdorf, Jos, ‚Wasserversorgung in Keispelt-Meispelt gestern und heute‘, in: Corps des Sapeurs- Pompiers Keispelt-Meispelt, Centenaire. Inauguration du nouveau drapeau et fête cantonale. 23 mai 1982, o.</p>\n<p class=\"lf-p\">O., o. J., S. 92; Administration de l’Environnement Luxembourg (Hrsg.), eist Waasser, [Broschüre], 3. Aufl., Luxemburg, 1991, S. 12f.; Reiter, Ernest; Scholer, Francois, Syndicat des Eaux du Sud 1908-1983, Esch-surAlzette, o. J., S. 11ff.</p>\n<p class=\"lf-p\">11 Reiter, Ernest; Scholer, Francois, Syndicat des Eaux du Sud 1908-1983, Esch-sur-Alzette, o. J., S. 31.</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Reiter, Ernest; Scholer, Francois, Syndicat des Eaux du Sud 1908-1983, Esch-sur-Alzette, o. J., S. 32.</p>\n<p class=\"lf-p\">13 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis.</p>\n<p class=\"lf-p\">Dondelange. Um Wiesch (réservoir d’eau). 894/2256, o. J.; Halsdorf, Jos, ‚Wasserversorgung in KeispeltMeispelt gestern und heute‘, in: Corps des Sapeurs-Pompiers Keispelt-Meispelt, Centenaire. Inauguration du nouveau drapeau et fête cantonale. 23 mai 1982, o. O., o. J., S. 92; mündliche Auskunft vor Ort, am 27. Juli 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">14 Reiter, Ernest; Scholer, Francois, Syndicat des Eaux du Sud 1908-1983, Esch-sur-Alzette, o. J., S. 50; vgl. in diesem Kontext auch das Wasserwerk in 6, route de Luxembourg in Dondelange.</p>\n<p class=\"lf-p\">15 Syndicat des eaux du sud Koerich, Le réseau du SES, ses-eau.lu/online/www/navMain/12/42/FRE/index.html (28.01.2021).</p>\n<p class=\"lf-p\">33 überliefert und zeugen von einem hohen Grad an Authentizität. Allein schon wegen der orts- und heimatgeschichtlichen Relevanz ist die Quellfassung ein wichtiger Zeitzeuge. Insbesondere aber aufgrund seines authentischen Erhaltungszustands und der zeittypischen Ausformung ist das Gebäude als national schützenswert einzustufen und für die Zukunft zu bewahren.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (TIH) Technik-, Industrie-, Handwerks- oder Wissenschaftsgeschichte, (SOH) Siedlungs-, Orts- oder Heimatgeschichte, (BTY) Bautypus 34 Kehlen | Kielen Die Ortschaft Kehlen – im Luxemburgischen Kielen – liegt im nordöstlichen Teil des Kantons Capellen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Sie wies am 30. September 2022 eine Einwohnerzahl von 2.447 Personen auf und ist somit die bei weitem am stärksten besiedelte Ortschaft der nach ihr benannten Gemeinde.1 Die geografische Höhe der Ortsmitte liegt bei annähernd 320 Metern über dem Meeresspiegel und das umliegende Dorfareal mit dem Friedhof auf Schönberg, der Zone d’Activité Economique Kehlen und der Wohnsiedlung Domaine Brameschhof offenbart Höhenlagen zwischen 310 und 370 Metern über Normalnull.2 Um Kehlen herum liegen im Uhrzeigersinn die zur Gemeinde gehörenden Orte Olm, Dondelange, Keispelt und Meispelt sowie die Weiler Quatre-Vents, Direndall und Weidendall. Die Landschaft um Kehlen ist größtenteils von Weide- und Ackerland geprägt. Größere Waldbestände sind östlich und südwestlich von Kehlen auszumachen.3 Nur ein einziges Fließgewässer befindet sich in der Nähe von Kehlen: die im Südwesten verlaufende Kielbaach. Dieser für die Bevölkerung problematische Wassermangel konnte erst Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Gründung des ‚Syndicat des Eaux‘ und der Verlegung von Wasserleitungen behoben werden.4 Die wohl wichtigste Verbindungsstraße von Kehlen verläuft quer durch die Ortsmitte, namentlich die Rue de Mamer, und verbindet das nördlich liegende Mersch mit dem südlich gelegenen Mamer. Olm, Nospelt, Keispelt und Kopstal sind ebenfalls über direkte Verkehrswege mit Kehlen verbunden.</p>\n<p class=\"lf-p\">Wann genau der Ort Kehlen entstanden ist, ist nicht mit Sicherheit zu belegen. Vermutlich gab es hier, wie auch andernorts in Luxemburg, bereits keltische Siedlungen.5 Erste belegbare Spuren einer Siedlungsgeschichte in der näheren Umgebung von Kehlen stammen aus der Römerzeit. 6 Damals wurde der teilweise überlieferte Römerweg, der von Mersch über Schönfels nach Schönberg und durch Kehlen verlief, angelegt.7 Archäologische Funde wie etwa römische Ziegel und Münzen, aber vor allem ein ausgehöhlter Stein mit einer Venusdarstellung und ein Herkulesstein sind wichtige Zeugnisse einer römischen Präsenz in unmittelbarer Nähe von Kehlen.8 Es wird angenommen, dass auch die ursprüngliche Benennung Kehlens als ‚Callidovilla‘ aus der Römerzeit stammt. 9 Eine erste urkundliche Erwähnung fand der Ort um das Jahr 636.10 Aus dem Jahr 1542 gibt es einen schriftlichen Hinweis darauf, dass Kehlen Teil des Besitzes der Abtei St. Maximin in Trier war, die sich vor Ort von 1 data.public.lu. La plate-forme de données luxembourgeoise, Population par localité – Population per locality, data.public.lu/fr/datasets/population-par-localite-population-per-locality/ (30.09.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Luftbild, 2021: Die Höhenangaben werden im Layer „Standortkoordinaten“ angezeigt. Schönberg wird im Luxemburgischen ,Schéimerech‘ genannt.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Luftbild, 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Deitz, A., ,La conduite d’eau intercommunale‘, in: Organisations-Comité der Kantonalfeier in Cap (Hrsg.), Der Kanton Capellen. Festschrift zur Zentenarfeier der Unabhängigkeit Luxemburgs, Luxemburg, 1939, S. 79-81.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Feyereisen, Raymond, ‚Schoenberg ist 2000 Jahre alt‘, in: Fanfare de Kehlen, 1879-1979. Centenaire de la Fanfare de Kehlen avec Inauguration d’un nouveau drapeau, Mersch, o. J., S. 29ff.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Feyereisen, Raymond, ‚Schoenberg ist 2000 Jahre alt‘, in: Fanfare de Kehlen, 1879-1979. Centenaire de la Fanfare de Kehlen avec Inauguration d’un nouveau drapeau, Mersch, o. J., S. 29.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Feyereisen, Raymond, ‚Schoenberg ist 2000 Jahre alt‘, in: Fanfare de Kehlen, 1879-1979. Centenaire de la Fanfare de Kehlen avec Inauguration d’un nouveau drapeau, Mersch, o. J., S. 30.</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Feyereisen, Raymond, ‚Schoenberg ist 2000 Jahre alt‘, in: Fanfare de Kehlen, 1879-1979. Centenaire de la Fanfare de Kehlen avec Inauguration d’un nouveau drapeau, Mersch, o. J., S. 30.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Vgl. Feyereisen, Raymond, ‚Schoenberg ist 2000 Jahre alt‘, in: Fanfare de Kehlen, 1879-1979. Centenaire de la Fanfare de Kehlen avec Inauguration d’un nouveau drapeau, Mersch, o. J., S. 35; Meyers, Joseph, Studien zur Siedlungsgeschichte Luxemburgs. Mit 19 Karten und 5 Tabellen, 3. Aufl., Echternach, 1976, S. 113.</p>\n<p class=\"lf-p\">10 Feyereisen, Raymond, ‚Schoenberg ist 2000 Jahre alt‘, in: Fanfare de Kehlen, 1879-1979. Centenaire de la Fanfare de Kehlen avec Inauguration d’un nouveau drapeau, Mersch, o. J., S. 35.</p>\n<p class=\"lf-p\">35 einem Vogt vertreten ließ.11 Wegen der stetig anwachsenden Einwohnerzahl wurde im 17.</p>\n<p class=\"lf-p\">Jahrhundert – neben der bereits bestehenden Kirche auf Schönberg – im Zentrum von Kehlen eine nicht überlieferte Filialkirche gebaut.12 Die 1778 fertiggestellte Ferraris-Karte gibt Auskunft über die Baudichte im ausgehenden 18. Jahrhundert, die besonders in der Juddegaass, der Rue d’Olm, der Rue du Centre und der Rue de Mamer ausgeprägt war. Die genannten Straßen lassen bereits die heutige Grundstruktur der Ortschaft erkennen.13 Auf dem Urkataster von 1822 ist ein Straßennetz um den Kehlener Ortskern auszumachen, das dem heutigen sehr nahekommt; damit einhergehend dehnte sich auch die Bebauung nach Norden und Westen aus.14 Bis auf einige Wegkreuze und die teilweise überlieferte Kirche auf Schönberg aus dem 17. Jahrhundert sowie vier Bauernhöfe aus dem 18. Jahrhundert stammt der Großteil der überlieferten und national schützenswerten Gebäude von Kehlen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.15 Erwähnt seien hier die 1880 errichtete und von Antoine Hartmann entworfene Pfarrkirche in der Rue de Mamer, einige ehemalige Bauernhöfe in der Rue de Keispelt, die ‚Mëlleschkapell‘ in der Rue d’Olm und ein Streckhof in der Rue de Schoenberg.16 Die ehemalige Molkerei mit angrenzendem Schulgebäude in der Rue de Kopstal, das Gasthaus Poeckes in der Rue de Mamer oder der imposante Bauernhof ‚A Schwértesch‘ in der Rue de Keispelt, um nur einige zu nennen, sind indes leider nicht überliefert.17 Im 20. Jahrhundert weitete sich die Ortschaft Kehlen kontinuierlich aus. Ab den 1970er-Jahren verdichtete sich die Bebauung entlang bestehender Straßenzüge und in den 1990er-Jahren vergrößerte sich die Ortschaft, da neue Wohnsiedlungen im Süden, Westen und Norden entstanden. 18 Neben mehreren über die Ortschaft verteilten Schulgebäuden finden sich in Kehlen verschiedene kommerzielle Angebote und diverse Kultur- und Freizeiteinrichtungen, zu denen ein Brennereimuseum gehört. Abschließend sind zwei Besonderheiten der Ortschaft Kehlen erwähnenswert: Zum einen wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg der Bau einer schmalspurigen Eisenbahnstrecke geplant, die die Hauptstadt mit Noertrange verbinden und über Kehlen führen sollte.19 Als aber in den folgenden Jahrzehnten die Autobusse einen deutlichen Aufschwung erfuhren, wurde das ehrgeizige und bereits begonnene Projekt aufgegeben.20 Zum anderen findet sich am Ortseingang in der Rue de Keispelt das seit kurzem unter nationalem 11 G. M., ‚Blick in die Kehlener Archive. Wertvolle Schriftstücke wurden inventarisiert‘, in: Escher Tageblatt, 14.07.1943, S. 4.</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Weyrich, D., ‚Die Kirche im Laufe der Jahrhunderte‘, in: Sapeurs-Pompiers Kehlen, 75e Anniversaire.</p>\n<p class=\"lf-p\">Inauguration du nouveau drapeau. Fête cantonale des Corps de Sapeurs-Pompiers, Luxemburg, o. J., S. 32ff.</p>\n<p class=\"lf-p\">13 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Sept Fontaines 223B.</p>\n<p class=\"lf-p\">14 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Kehlen A4, ANLux, 1822 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">15 Weyrich, D., ‚Die Kirche im Laufe der Jahrhunderte‘, in: Sapeurs-Pompiers Kehlen, 75e Anniversaire.</p>\n<p class=\"lf-p\">Inauguration du nouveau drapeau. Fête cantonale des Corps de Sapeurs-Pompiers, Luxemburg, o. J., S. 32f.</p>\n<p class=\"lf-p\">16 Hartmann, A. (Antoine), Pfarrkirche für die Pfarrei Kehlen, [Plan], Archives Diocésaines, PA.Kehlen 2, Diekirch, 16.09.1876.</p>\n<p class=\"lf-p\">17 Fanfare Kehlen asbl, Fanfare Kehlen. Kehlen. Erinnerungen, o. O., 1982, o. S.</p>\n<p class=\"lf-p\">18 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Topografische Karte, 1907, 1979 und 2000.</p>\n<p class=\"lf-p\">19 Anonym, ‚Luxemburg-Nördingen. Eine Eisenbahn die nie gebaut wurde‘, in: F. C. Kehlen, F. C. Kehlen. 50e Anniversaire de 1946-1996, o. O., 1996, S. 192-198.</p>\n<p class=\"lf-p\">20 Vgl. Frising, Louis, ‚Von einer Eisenbahn, die nie gebaut wurde‘, in: Organisations-Comité der Kantonalfeier in Cap (Hrsg.), Der Kanton Capellen. Festschrift zur Zentenarfeier der Unabhängigkeit Luxemburgs, Luxemburg, 1939, S. 75; AH, ,Als die Trambahn aus dem Stadtbild verschwand ...‘, in: Luxemburger Wort, 03.07.2014, wort.lu/de/lokales/als-die-trambahn-aus-dem-stadtbild-verschwand-53b4ffe5b9b39887080414ff (22.11.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">36 Denkmalschutz stehende ‚Kanounentiirmchen‘ aus dem späten 19. Jahrhundert; eine Kuriosität, die als Reaktion auf einen Nachbarschaftsstreit errichtet wurde.21 Die bauliche Entwicklung der Ortschaft Kehlen lässt sich schlussfolgernd am deutlichsten seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert belegen. Allerdings sind aus jener von Aufschwung geprägten Zeit nur noch wenige authentische Gebäude – wie beispielsweise die zwei imposanten Bauernhöfe in der Rue d’Olm – erhalten. Bauliche Zeitzeugen aus dem 19. Jahrhundert sind weniger rar, allerdings wurden viele von ihnen umgebaut oder überformt. Um 1900 befanden sich im Ort auch mehrere Gastwirtschaften und Handwerksbetriebe, die das Dorfleben prägten: neun Gastwirtschaften, vier Schnapsbrennereien, ein Kupferschmied, eine Gerberei und drei Kalkbrennereien.22 Von alldem sind nur ein Gasthaus und zwei Schnapsbrennereien überliefert. Im Zuge der Inventarisierung wurden im gesamten Ort Kehlen rund 32 Objekte als schützenswert erkannt.</p>\n<p class=\"lf-p\">21 Friederich, Evy, ,Kuriositäten um Kehlen‘, in: F. C. Kehlen, Inauguration du nouveau terrain de football à Kehlen, Hollerich, 1984, o. S.</p>\n<p class=\"lf-p\">22 Adam, Robert, ‚Gewerbe- und Handelsbetriebe in Kehlen um die Jahrhundertwende‘, in: F. C. Kehlen, F. C.</p>\n<p class=\"lf-p\">Kehlen. 50e Anniversaire de 1946-1996, o. O., o. J., S. 199.</p>\n<p class=\"lf-p\">37 Kehlen |o. N., Fischtenknapp Aus Richtung Kehlen kommend steht am Anfang der Straße Domaine Brameschhof links am Rand eines Feldes das Teilstück eines Grabmals (GAT, SOK). Es wurde auf einem aus unterschiedlichen Steinen und Ziegeln gemauerten Unterbau aufgestellt. Das Grabmal ist erst ab 1989 auf einer topografischen Karte verzeichnet und wurde vermutlich in den 1980er-Jahren im Zusammenhang eines Nachbarschaftsstreits dort aufgestellt. 1 Der ursprüngliche Standort sowie der Entstehungsgrund dieses vermutlich einem Kreuz zugehörigen Fragments sind nicht bekannt (BTY).2 Es könnte sich um eines jener Grabmäler handeln, die einst auf einem der Friedhöfe der Schönberger oder Kehlener Pfarrei standen.3 Der überlieferte Teil des aus Sandstein gefertigten Grabmals präsentiert sich in hochrechteckiger Form und entspricht aufgrund seiner Ausführung der für die Mitte des 19. Jahrhunderts charakteristischen Formensprache (AUT, CHA). 4 Der untere, an drei Seiten überstehende und beschädigte Bereich bildet eine Art Sockel (AUT, CHA). Das erhaltene Relief zeigt eine Figur mit teilweise noch erkennbaren Gesichtszügen, langem Haar und Kopfbedeckung, langem Gewand sowie einem Kreuzstab in der linken und einem Buch in der rechten Hand (AUT, CHA). Die dargestellte Figur ist umgeben von einer rahmenden Pflanzengirlande, die in Form eines flachen Kielbogens zusammenläuft (AUT, CHA). Die oberen eingezogenen Ecken des Steinkreuzfragments sind mit Voluten verziert (AUT, CHA). Darüber erhob sich vermutlich einst ein Kreuz.5 Die schmalen Seitenwände und die Rückwand zeigen keinerlei Dekor und lassen einige Beschädigungen erkennen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das am Eingang in die Straße Domaine Brameschhof aufgerichtete Grabmalfragment folgt einer langen christlichen Tradition und ist Teil der Heimat-, Sozial- und Kultusgeschichte von Kehlen. Auch wenn der einstige Entstehungsgrund des steinernen Zeitzeugen heute nicht mehr nachvollziehbar ist, so erinnert er an eine weitestgehend der Vergangenheit angehörende Volksfrömmigkeit. Seine für die Mitte des 19. Jahrhunderts typische Formensprache sowie die teilweise noch erhaltenen halbplastischen und authentischen Gestaltungsmerkmale zeichnen das Objekt aus. Aus genannten Gründen ist das beschriebene Kreuzfragment als erhaltenswertes Kulturgut unter nationalen Schutz zu stellen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (SOK) Sozial- oder Kultusgeschichte, (BTY) Bautypus 1 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Topografische Karte, 1979 und 1989; mündliche Auskunft vor Ort, am 9. und 14. Juni 2022.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Toussaint, Fernand, Grabkreuze aus dem Pfarrgebiet von Schoenberg-Kehlen, hrsg. von Commission de la Culture de la Commune de Kehlen, Luxemburg, 2011, S. 62f.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Toussaint, Fernand, Grabkreuze aus dem Pfarrgebiet von Schoenberg-Kehlen, hrsg. von Commission de la Culture de la Commune de Kehlen, Luxemburg, 2011, S. 62f.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Toussaint, Fernand, Grabkreuze aus dem Pfarrgebiet von Schoenberg-Kehlen, hrsg. von Commission de la Culture de la Commune de Kehlen, Luxemburg, 2011, S. 62f.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Toussaint, Fernand, Grabkreuze aus dem Pfarrgebiet von Schoenberg-Kehlen, hrsg. von Commission de la Culture de la Commune de Kehlen, Luxemburg, 2011, S. 62f.</p>\n<p class=\"lf-p\">38 Kehlen | 9, rue du Centre In der Rue du Centre befindet sich unweit der Kirche das Wohnhaus ,Nei Houllards‘ (GAT).1 Das beidseitig angebaute historistische Haus, das einen eher urbanen Charakter aufweist, liegt im historischen Ortskern von Kehlen und lässt sich anhand historischer Katasterauszüge erstmals für das Jahr 1912 nachweisen (CHA).2 Das zweistöckige, dreiachsige Wohnhaus ist traufständig zur Straße ausgerichtet. Es erhebt sich über einer aufgeputzten Sockelzone in Quaderoptik, in der jeweils in der rechten und linken Gebäudeachse ein querrechteckiges Kellerfenster mit Sandsteingewände vorzufinden ist (AUT). Das leicht erhöhte Erdgeschoss ist über eine dem Gebäude vorgelagerte sechsstufige Sandsteintreppe mit Podest und metallenem Geländer zu erreichen (AUT, CHA). Die erste Stufe der Treppe wurde rezent erneuert, die übrigen Stufen scheinen bauzeitlich erhalten zu sein. Die Treppe verjüngt sich nach oben zur Haustür hin, was ihr in Verbindung mit den leicht gebogenen Treppenwangen einen dynamischen Schwung verleiht. Die historistische hölzerne Eingangstür mit Oberlicht ist in mehrere Felder gegliedert (AUT, CHA). Über einem am oberen Abschluss profilierten Wetterschenkel befindet sich eine schmale querrechteckige Kassette mit Eierstab und einer kleinen, mittig angebrachten ovalen Schnitzerei ähnlicher Gestalt. Das darüberliegende querrechteckige Feld zeigt Voluten und florale Elemente mit einer zentralen Rosette, die an die Formensprache der Neorenaissance erinnern. Die obere hochrechteckige Kassette verfügt über eine Art Ädikulaform mit einem geschwungenen Giebel, der auf Konsolen ruht. Mittig befindet sich eine Verglasung mit einem vorgelagerten schmiedeeisernen Schutzgitter mit Rankenmotiv und Rosen (AUT, CHA). Umrahmt wird die Haustür von einem gefasten und profilierten Sandsteingewände mit hohen Prellsteinen (AUT, CHA). Das scharrierte Gewände wird mittels einer profilierten Verdachung sowie einem eingezogenen Dreiecksmotiv im Sturzfeld abgeschlossen (AUT, CHA). Flankiert wird die Haustür von jeweils einem Holzfenster mit Sandsteineinfassung, das in gleicher Weise wie jenes der Haustür gestaltet ist (AUT, CHA). Die profilierten Fensterbänke ruhen auf Konsolen mit drei angedeuteten Kanneluren (AUT). Das Obergeschoss wird durch drei Fenster mit Sandsteingewänden gegliedert. Sie sind jenen des Erdgeschosses ähnlich, mit der Abweichung, dass der Bereich zwischen Sturz und Verdachung durch ein trapezförmiges Motiv – und nicht durch ein Dreieck – gebildet wird (AUT, CHA). Die verkröpfte</p>\n<p class=\"lf-p\">Holztraufe ist mit Zierkonsolen verziert (AUT, CHA). Darüber befindet sich ein schiefergedecktes Mansarddach in englischer Deckung mit drei Giebelgauben (AUT, CHA). Die Gestaltung der Giebelfronten greift die Formensprache der Fenstergewände im Erdgeschoss auf; sie zeigen eine profilierte, schlusssteinartige Verzierung über dem Sturz. Das profilierte Giebelfeld wird zudem durch ein zentrales Dreiecksmotiv gegliedert (AUT, CHA). Über den Gauben schließt eine kleinere, profilierte Holztraufe die Mansarde an den restlichen Teil des Daches an.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das Hausinnere sowie die Rückseite konnten im Rahmen der Inventarisierung nicht besichtigt werden.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das Anwesen ,Nei Houllards‘ stellt ein charakteristisches Wohnhaus der ersten Hälfte des 20.</p>\n<p class=\"lf-p\">Jahrhunderts dar, das in seiner klaren Formensprache und seinem dezenten Dekor authentisch erhalten ist. Seine für die Errichtung um 1912 zeittypische Gestaltung mit Mansarddach, geschwungener Treppe und symmetrischer Fassadengestaltung verdeutlicht bis heute den Anspruch der Erbauer, ein modernes und eher urban geprägtes Wohnhaus zu errichten. Viele authentische Details zeugen von der hochwertigen Bauausführung. Hierzu zählen etwa die Gewände mit ihren pro 1 Reuter, Jérôme, Al Haisernimm vun den Uertschaften: Kielen, Ollem, Meespelt (Meester), Privatsammlung Jérôme Reuter, Kehlen, 2019, o. S.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 2209.</p>\n<p class=\"lf-p\">Kehlen. 9, rue du Centre. 1981/4720, 1912.</p>\n<p class=\"lf-p\">39 Stockwerk unterschiedlichen Ausprägungen und die Fronten der Mansardgauben. Auch die historistische Tür mit dem auffallenden und an die Neorenaissance erinnernden Pflanzendekor, ein typisches Zeugnis der Entstehungszeit des Gebäudes, spricht dafür, das Gebäude unter nationalen Denkmalschutz zu stellen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit 40 Kehlen |10, rue du Centre Der im Ortszentrum neben dem Musiksaal von Kehlen gelegene Bauernhof ‚A Jeitzen‘ steht am westlichen Ende der Rue du Centre – auch ‚Broutgaass‘ genannt – und ist das Geburtshaus des Architekten Jean-Pierre Knepper-Gloesener (GAT).1 Der ursprüngliche Parallelhof steht traufständig zur Straße mit einem nach Osten hin anschließenden Ökonomiegebäude sowie einem weiteren, im Hinterhof gelegenen separaten Wirtschaftsgebäude, das nördlich parallel zum Wohnhaus steht (BTY).2 Auf der 1778 fertiggestellten Ferraris-Karte ist bereits ein Gebäude auf besagtem Areal verzeichnet, das allerdings giebelständig zur Straße steht, sodass es sich dabei vermutlich um ein Vorgängergebäude handelt.3 Die Baugeschichte des bis heute überlieferten Anwesens lässt sich partiell mithilfe einer dendrochronologischen Analyse erläutern: Das Wohnhaus wurde im Jahr 1815 errichtet; allerdings wurde beim Bau des Dachstuhls auch von 1703 bis 1723 datiertes Holz verwendet, demzufolge es sich hier um zweitverwendetes Baumaterial zu handeln scheint. 4 Weiterhin ergab die Untersuchung der Holzbalken der angrenzenden Scheune, dass letztere wahrscheinlich zeitgleich mit dem Haus gebaut wurde, wobei auch hier älteres Holz wiederverwendet wurde. 5 Die Originalversion des Urkatasters von 1822 bestätigt diese Erkenntnis und zeigt einen traufständig zur Straße orientierten Streckhof mit Backofen am westlichen Giebel und einem kleineren Gebäude nördlich des Hauptgebäudes.6 Spätere Eintragungen auf dem Urkataster belegen, dass das Anwesen um 1867 vergrößert und zu einem Parallelhof ausgebaut wurde (ENT).7 Es wurde dem Stil der Zeit entsprechend nach klassizistischem Vorbild überarbeitet und errichtet (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Dem zweigeschossigen, dreiachsigen Wohnhaus mit symmetrisch gegliederter Hauptfassade ist ein schmaler Streifen mit Kopfsteinpflaster vorgelegt, der über die gesamte Breite der angrenzenden Scheune reicht (AUT, CHA). Die Sockelzone des Hauses ist in Terrazzo gehalten und zeigt in der rechten und linken Achse je eine mit einem Sandsteingewände gerahmte Kellerluke (AUT, CHA). Die zweiläufige Treppe mit Mittelpodest hat einen Unterbau aus bossiertem Sandstein, Stufen aus Blaustein und ein metallenes Geländer mit geraden und geschwungenen Stäben (AUT, CHA). Die aus den 1930er-Jahren überlieferte Haustür aus Holz zeigt sich mit Fischgrätmuster, rautenförmigem Türfenster, rechteckigem Oberlicht und schmiedeeisernem Dekor (AUT, CHA, ENT). Sie wird von einem schlichten gefasten Sandsteingewände mit Prellsteinen gerahmt (AUT, CHA).8 Die Fenster im 1 Reuter, Jérôme, Al Haisernimm vun den Uertschaften: Kielen, Ollem, Meespelt (Meester), Privatsammlung Jérôme Reuter, Kehlen, 2019, o. S.: Jean-Pierre Knepper-Gloesner lebte von 1851 bis 1929.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Lutgen, Thomas, Kurzbericht, Dendrochronologische Holzaltersbestimmung. Ehem. Gehöft der Familie (...), Kehlen. 10, rue du Centre / L-8282 Kehlen, [Unveröffentlichter Bericht], Institut national pour le patrimoine architectural, Wasserbillig, 2021, S. 3.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Sept Fontaines 223B.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Lutgen, Thomas, Kurzbericht, Dendrochronologische Holzaltersbestimmung. Ehem. Gehöft der Familie (...), Kehlen. 10, rue du Centre / L-8282 Kehlen, [Unveröffentlichter Bericht], Institut national pour le patrimoine architectural, Wasserbillig, 2021, S. 6.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Lutgen, Thomas, Kurzbericht, Dendrochronologische Holzaltersbestimmung. Ehem. Gehöft der Familie (...), Kehlen. 10, rue du Centre / L-8282 Kehlen, [Unveröffentlichter Bericht], Institut national pour le patrimoine architectural, Wasserbillig, 2021, S. 6.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Kehlen A4, ANLux, 1822 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 1087.</p>\n<p class=\"lf-p\">Kehlen. 10, rue du Centre. 1959/6077, 1867.</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Mündliche Auskunft vor Ort, am 14. Oktober 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">41 Erd- und Obergeschoss sind von gefalzten Sandsteingewänden umgeben (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Sandsteinecklisenen gehen in einen glatten Putzstreifen über, der in den Ecken halbrunde Dekormotive zeigt (AUT, CHA). Die profilierte, giebelumgreifende Sandsteintraufe unterliegt dem in englischer Manier gedeckten Krüppelwalmdach (AUT, CHA). Im verputzten Sockel der einachsigen Westfassade ist ein weiteres gefastes und mittels eines Sandsteingewändes gerahmtes Kellerfenster sowie im Erdgeschoss ein nach dem Vorbild der Hauptfassade gestaltetes Fenster zu sehen (AUT, CHA). Einst war im Erdgeschoss dieser Hausseite nach außen hin ein Badezimmer angebaut sowie eine Treppe angebracht, die von der Küche nach draußen führte.9 Entlang eines geteerten Platzes am Westgiebel und durch ein Metallgatter erschließt sich der kopfsteingepflasterte Hinterhof (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Gestaltung der Nordfassade des Hauses ist – bis auf eine Lüftungsluke für die ‚Haascht‘ neben dem Fenster in der rechten Achse im Obergeschoss und einem verputzten Sockel – identisch mit der Südfassade (AUT, CHA). Die ebenfalls aus Sandstein, Blaustein und mit Metallgeländer gestaltete Treppe zum Hintereingang präsentiert sich einläufig (AUT, CHA). Der noch ersichtliche ursprüngliche Verlauf der Sockelzone lässt erahnen, dass die Treppe einst eine andere Formgebung aufwies.</p>\n<p class=\"lf-p\">Unterhalb des neugestalteten Treppenpodests und am Ende einer fünfstufigen Sandsteintreppe findet sich der Zugang zum Keller: Der Eingang zeigt ein überliefertes scharriertes Sandsteingewände; zwei der drei Räume offenbaren Tonnengewölbe (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Im Hausinneren ist die ursprüngliche Bausubstanz noch weitestgehend erhalten: Zweiraumtiefe Geschosse, hintereinanderliegende Stube und Küche, ein zweigeteilter mittiger Hausflur mit in gleicher Flucht liegender Tür zum Hinterhof sowie ein Treppenhaus, das bis ins Dachgeschoss führt und ein Obergeschoss mit Zugang zur ‚Haascht‘ und den Zimmern sind überliefert (AUT, CHA). Der Hausflur zeigt sich im vorderen Teil mit buntgemusterten Steingutfliesen, umlaufendem Stuck mit geometrischer Rosette und kassettierten Türen mit ebenfalls kassettierten breiten Türlaibungen (AUT, CHA). Der Stil dieser Elemente lässt eine Renovierungsphase in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermuten (ENT). 10 Die vier großen Wandmalereien (zwei an jeder Seite) wurden vermutlich um 1940 vom luxemburgischen Maler Michel Stoffel (1903-1963) im Auftrag der damaligen Hausbesitzerin angefertigt (AUT, SEL, AIW).11 Sie zeigen in Öl gemalte Schweizer Landschaften, die der Künstler in expressionistisch anmutender Manier nach Postkartenmotiven gefertigt hat. 12 Eine zweiflügelige kassettierte Holztür mit weißem und buntem Strukturglas, geschwungenen Metallgriffen und einem Oberlicht aus ebenfalls buntem Strukturglas gewährt Zugang zum hinteren Flurabschnitt und könnte aus der oben genannten Renovierungsphase stammen (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Hier präsentieren sich die authentisch gemusterten Steingutfliesen in verschiedenen Grautönen (AUT, CHA). Eine bauzeitliche viertelgewundene Holztreppe mit Zwischenpodest und unterschiedlich langen Treppenschenkeln führt vom Erd- bis ins Dachgeschoss (AUT, CHA).13 Der Antrittspfosten und die Treppenwangen zeigen volutenähnliche Dekorelemente sowie florale Motive und Einkerbungen (AUT, CHA). Der Freiraum unterhalb der Treppe wurde mittels einer Holzwand und einer Holzbrettertür in einen Lagerraum umgewandelt (AUT, CHA). Links vom hinteren Flurabschnitt und nach Norden ausgerichtet liegt die Küche. Auch hier sind Steingutfliesen in verschiedenen Grautönen – wenn auch anders gemustert als im Flur – verlegt worden (AUT, CHA). Weiterhin sind eine kassettierte Holztür 9 Vgl. mündliche Auskunft vor Ort, am 14. Oktober 2021; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 2632. Kehlen. 10, rue du Centre. 1959/6077, 1991.</p>\n<p class=\"lf-p\">10 Diese könnte zeitgleich mit dem Bau des nördlich gelegenen Ökonomiegebäudes stattgefunden haben.</p>\n<p class=\"lf-p\">11 Vgl. mündliche Auskunft vor Ort, am 14. Oktober 2021; Sahl, Nicole, Luxemburger Autorenlexikon by CNL, Michel Stoffel, autorenlexikon.lu/page/author/279/2793/DEU/index.html (04.03.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Mündliche Auskunft vor Ort, am 14. Oktober 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">13 Mündliche Auskunft vor Ort, am 14. Oktober 2021.: Im Erd- und Obergeschoss wurde die Treppe in den 1950er-Jahren mit Linoleum überzogen.</p>\n<p class=\"lf-p\">42 mit zwölf Glasfeldern, ein Wandschrank, eine Stuckrosette an der an den Ecken abgerundeten Decke und ein großer und aufwendig gearbeiteter Küchenschrank aus Holz aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überliefert (AUT, CHA).14 Der bauzeitlich erhaltene Rauchabzug der ‚Haascht‘ ist noch in Betrieb.15 Von der Küche führt eine kassettierte Holztür in das nach Süden gelegene Wohnzimmer – die ‚Stuff‘ – mit dem authentischen und in englischer Manier verlegten Eichenholzfußboden sowie einer Decke mit abgerundeten Ecken (AUT, CHA). Breite Fußleisten mit darüber angebrachter und mit profilierter Holzleiste abschließender Wandverkleidung zieren die Wände des Zimmers (AUT, CHA). An der Mauer, die das Wohnzimmer von der Küche trennt, befindet sich ein charakteristischer Takenschrank (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Rechts vom hinteren Flurabschnitt führt eine kassettierte Holztür in einen weiteren Flur mit umlaufendem profiliertem Stuck an der Decke, nach englischer Manier verlegtem Eichenholzfußboden und einer niedrigen Holzbrettertür am Flurende, die einst in die Scheune und den Stall führte (AUT, CHA). Rechts von diesem Flur führt eine kassettierte Holztür mit breiter Laibung und zwei Glasfeldern in das zur Straße hin liegende ehemalige Wohnzimmer (AUT, CHA). Die Decke zeigt sich hier mit abgerundeten Ecken und geometrischen Stuckmotiven (ENT). Der Fußboden wurde mit Tannenholzbrettern belegt (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Auch in den vier Zimmern im Obergeschoss sind zahlreiche authentische Bauelemente erhalten: kassettierte Holztüren, von denen zwei mit profilierter Verdachung versehen sind, überlieferte Tannenholzdielen, Stuck an den teilweise abgerundeten Decken und eine breite Holzfensterbank in einem der Räume (AUT, CHA). Vermutlich wurde um 1940/45 der nach Süden hin liegende Teil des Flurs durch Einzug einer Holzbretterwand in ein weiteres Schlafzimmer umgebaut (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Aus dem ehemaligen Flur mit umlaufendem profiliertem Stuckband und einer Stuckrosette an der Decke sowie einem Fußboden mit überlieferten breiten Eichenholzdielen wurde somit ein Zwischenpodest, von dem nicht nur alle Zimmer, sondern auch der Zugang zur ‚Haascht‘ abgehen (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Der Dachstuhl aus Eichenholz ist bauzeitlich überliefert und zeigt noch die durchgängigen Abbundzeichen und authentischen Holznägel (AUT, CHA).16 Laut dendrochronologischer Analyse kann angenommen werden, dass das Dachwerk – mit Ausnahme einiger älterer und somit zweitverwendeter Hölzer, die auf die Zeit zwischen 1703 und 1723 datiert werden können – im Jahr 1815 errichtet wurde. 17 Weiterhin sind hier die ‚Haascht‘ mit dem daneben angelegten kleinen Raum zum Nachtrocknen von Schinken erhalten (AUT, CHA). Der Fußboden ist aus Beton, zeigt aber an der Türschwelle noch einen Rest des ursprünglichen Eichenholzfußbodens (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Fassade der nach Osten hin an das Wohnhaus angrenzenden Scheune zeigt eine zweigeschossige, dreiachsige Gliederung mit einem Sockel aus Sandsteinplatten und einer Ecklisene (AUT, CHA). Die linke und rechte Achse sind mit unterschiedlich großen Fenstern ausgestattet, wobei das kleinere in 14 Vgl. mündliche Auskunft vor Ort, am 14. Oktober 2021; Liège université, Michel Gloesener, uliege.be/cms/c_10498808/fr/michel-gloesener (04.03.2022): Dieser Schrank wurde vor über 150 Jahren vom Schreiner Jean Gloesener, dem Neffen von Michel Gloesener (1794-1876, u. a. Professor für Astronomie und Physik an der Universität von Lüttich/Belgien), hergestellt.</p>\n<p class=\"lf-p\">15 Mündliche Auskunft vor Ort, am 14. Oktober 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">16 Lutgen, Thomas, Kurzbericht, Dendrochronologische Holzaltersbestimmung. Ehem. Gehöft der Familie (...), Kehlen. 10, rue du Centre / L-8282 Kehlen, [Unveröffentlichter Bericht], Institut national pour le patrimoine architectural, Wasserbillig, 2021, S. 6.</p>\n<p class=\"lf-p\">17 Lutgen, Thomas, Kurzbericht, Dendrochronologische Holzaltersbestimmung. Ehem. Gehöft der Familie (...), Kehlen. 10, rue du Centre / L-8282 Kehlen, [Unveröffentlichter Bericht], Institut national pour le patrimoine architectural, Wasserbillig, 2021, S. 6.</p>\n<p class=\"lf-p\">43 einem überlieferten Sandsteingewände gefasst ist (AUT, CHA). Am zweiflügeligen Holzbretterscheunentor sind die Prellsteine erhalten und hinter dem eisernen Sturz existiert noch der ursprüngliche Holzsturz (AUT, CHA). Das Obergeschoss zeichnet sich durch zwei hochrechteckige und eine ovale Lüftungsluke aus und schließt mit einer Holztraufe ab (AUT, CHA). Das Satteldach ist mit gewellten Faserzementplatten gedeckt. Der Ostgiebel ist an den Musiksaal angebaut, rau verputzt und zeigt drei hochrechteckige Lüftungsluken im Giebelfeld (AUT, CHA). Der Nordseite dieses Ökonomiegebäudes ist ein kleiner eingeschossiger Bau – vermutlich ein ehemaliger Stall – mit zwei Fenstern und einer Holzbrettertür vorgelegt. Darüber erhebt sich ein offener Schuppen mit weit über die Nordfassade auskragendem Dach und sichtbarer Dachkonstruktion (AUT, CHA). Die dreiachsige, zweigeschossige Nordfassade der Scheune zeigt ein Scheunentor mit Sandsteingewände bis zum Kämpferstein und einem Holzsturzbalken (AUT, CHA).18 Im Obergeschoss finden sich links eine hochrechteckige Lüftungsluke, in der Mitte eine quadratische Öffnung und rechts eine in Sandstein gefasste rechteckige Luke, in welcher der Motor der Dreschmaschine stand (AUT, CHA).19 Im Inneren des Wirtschaftsgebäudes ist der imposante, aus Eichenholz gefertigte Dachstuhl überliefert, der laut dendrochronologischer Analyse vermutlich zeitgleich mit dem Wohnhaus errichtet wurde und der eine Gerberstoß Holzverbindung zur Verlängerung der Balken aufzeigt (AUT, CHA).20 Parallel zum Wohnhaus mit angebauter Scheune steht ein weiteres Ökonomiegebäude, dessen Baustil, das für den Dachstuhl verwendete Nadelholz sowie der Katastereintrag auf eine Entstehung um das Jahr 1867 hindeuten (AUT, CHA, ENT). 21 Der Zugang erfolgt durch das westlich gelegene Einfahrtstor und über den kopfsteingepflasterten Hinterhof (AUT, CHA). Die einzelnen Gebäudeteile wurden zu verschiedenen Zwecken genutzt und sind in ihren Grundformen größtenteils erhalten (AUT, CHA). Im Westen steht die zweigeschossige ehemalige Mühle mit abgeschrägtem Südgiebel und der dort angebrachten Holzschiebetür mit Glasfeldern und einer sich darüber befindenden Ladeluke (AUT, CHA). Im gleichen Gebäudeteil war auch die ehemalige Waschküche untergebracht, deren zweiachsige, zweigeschossige Fassade mit einer Holzbrettertür und zwei übereinander angeordneten Fenstern nach Osten weist (AUT, CHA). Eine Holztraufe bildet den Übergang zum Satteldach. Im rechten Winkel an die Waschküche schließt die traufständige Brennerei an (AUT, CHA). Der Zugang</p>\n<p class=\"lf-p\">erfolgt über eine kassettierte Holztür in der Südfassade (AUT, CHA). Rechts daneben steht ein zweiflügeliges, als Durchgang dienendes Metallschiebetor mit je einem fünffach unterteilten Fenster mit Regenschutz aus Blech im oberen Abschnitt (AUT, CHA). Darüber lässt sich eine zweiflügelige Holzbretterladeluke erkennen (AUT, CHA). Die Nordseite zeigt – wenn auch leicht anders gestaltet – die gleiche Art von Öffnungen (AUT, CHA). Dieser Gebäudeteil schließt mit einer Holztraufe und einem blechgedeckten Krüppelwalmdach ab (CHA). Innen sind ein Eichenholzdachstuhl, Sandsteinmauern und ein trapezförmig zulaufender Kaminschacht überliefert (AUT, CHA). Nach Norden hin wurden in den 1950er-Jahren weitere Ställe, ein Schuppen, eine Garage und zwei Betonsilos angebaut. 22 Hier findet sich auch noch ein überlieferter, mit Betonplatte abgedeckter Brunnen, in dem einst 18 Vermutlich wurde das Scheunentor wegen der immer größer werdenden landwirtschaftlichen Maschinen erhöht.</p>\n<p class=\"lf-p\">19 Mündliche Auskunft vor Ort, am 14. Oktober 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">20 Lutgen, Thomas, Kurzbericht, Dendrochronologische Holzaltersbestimmung. Ehem. Gehöft der Familie (...), Kehlen. 10, rue du Centre / L-8282 Kehlen, [Unveröffentlichter Bericht], Institut national pour le patrimoine architectural, Wasserbillig, 2021, S. 6 und 9.</p>\n<p class=\"lf-p\">21 Vgl. Lutgen, Thomas, Kurzbericht, Dendrochronologische Holzaltersbestimmung. Ehem. Gehöft der Familie (...), Kehlen. 10, rue du Centre / L-8282 Kehlen, [Unveröffentlichter Bericht], Institut national pour le patrimoine architectural, Wasserbillig, 2021, S. 7; Administration du cadastre et de la topographie du GrandDuché de Luxembourg, Cases croquis. Kehlen. 10, rue du Centre. 1959/6077, 1867-1991.</p>\n<p class=\"lf-p\">22 Vgl. mündliche Auskunft vor Ort, am 14. Oktober 2021; Bürgermeister, N. 1889A, [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Kehlen, Kehlen, 13.09.1958: Im Jahr 1958 wurde der Bau des Schuppens genehmigt.</p>\n<p class=\"lf-p\">44 Milchkannen zum Kühlen aufgehängt wurden (AUT, CHA). An das Durchgangsgebäude mit Getreidespeicher schließt der giebelständige, dreiachsige, zweigeschossige Kuh- und Pferdestall mit darüberliegender Scheune an (AUT, CHA). Die Fassadengestaltung zeigt im Erdgeschoss zwei metallene Stallfenster und eine fischgrätgemusterte Holztür mit Ziegelgewände und Segmentbogen (AUT, CHA). In der linken Achse findet sich eine zweiflügelige Holzbretterladeluke über dem Stallfenster (AUT, CHA). Der Giebel schließt mit einer weiteren zweiflügeligen Holzbretterladeluke ab, über der ein in Blech gedeckter Dachvorsprung, ein sogenannter ‚Männi‘, zu sehen ist (AUT, CHA).23 Im Gebäudeinneren sind die Sandsteinmauern, die Holzbalken, der Ziegelboden, die Futtertröge und der Dachstuhl erhalten (AUT, CHA). Eine etwa 2,5 Meter hohe Mauer im Osten trennt das Gelände des Bauernhofs von dem des angebauten Musiksaals ab.</p>\n<p class=\"lf-p\">Der ortsbildprägende ehemalige Parallelhof steht nahe dem Ortskern von Kehlen. Teils um 1815 und teils um 1867 errichtet, ist das Anwesen der klassizistischen Stilepoche zuzuordnen. Die gefasten Sandsteingewände und die Ecklisenen der Hausfassade, aber auch die authentische Raumaufteilung des Wohnhauses mit der ‚Haascht‘ und dem gewölbten Keller verraten nach wie vor seine Entstehungszeit. Ebenso ist die bauzeitliche Ausstattung – wie Takenschrank, dekorative Steingutfliesen, Eichenholztreppe, kassettierte Holztüren mit breiten Laibungen, Stuckdecken sowie eine Trenntür im Flur – größtenteils erhalten. Auch einige schlichtere Zeitspuren, wie die Haustür aus den 1930er-Jahren, sind überliefert. Als einmalig sind die eigens in den 1940er-Jahren für die damalige Hausbesitzerin vom luxemburgischen Maler Michel Stoffel gefertigten Wandmalereien im Hausflur hervorzuheben. Die an das Wohnhaus angrenzende Scheune sowie das dahinterliegende imposante Ökonomiegebäude zeugen sowohl von historischer Bausubstanz – wobei vor allem die beeindruckenden Dachstühle zu nennen sind – als auch von den verschiedenen und typisch zu einem Bauernhof gehörenden Aktivitäten. Aus den genannten Gründen ist der ehemalige Parallelhof als national schützenswert einzustufen und für die Zukunft zu bewahren.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (AIW) Architekten-, Künstler- oder Ingenieurswerk, (BTY) Bautypus, (ENT) Entwicklungsgeschichte 23 Bürgermeister, Autorisation de construire N° 86/97, [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Kehlen, Kehlen, 30.07.1997: Im Jahr 2010 wurde das Dach des nach Norden liegenden Ökonomiegebäudes erneuert.</p>\n<p class=\"lf-p\">45 Kehlen |14, rue du Centre Der freistehende Bauernhof ‚An Hengesch‘ befindet sich in der Rue du Centre, die lange Zeit als ‚Broutgaass‘ bekannt war, im historischen Ortskern von Kehlen und ist durch einen mit Sandsteinpflaster ausgelegten Vorplatz vom Straßenraum getrennt (AUT, GAT, CHA).1 Durch seinen Standort an der Einmündung der Nebenstraße An der Gässel wird der traufständige Streckhof zu einem ortsbildprägenden Objekt (BTY). Nördlich der Parzelle befindet sich eine Wiese, die von einer kniehohen Mauer aus bossierten Sandsteinen mit Abdeckplatten aus Waschbeton eingefasst wird (CHA). Ein integriertes schmiedeeisernes Tor in klarer Formensprache wird von zwei Sandsteinpilastern flankiert und gewährt Zugang zum Garten (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Auf der im Jahr 1778 fertiggestellten Ferraris-Karte ist an dieser Stelle bereits ein Dreikanthof mit gegenüberliegendem Nebengebäude auszumachen, bei dem es sich vermutlich um einen Vorgängerbau des heutigen Streckhofs handelt.2 Vereinzelte spätbarocke Elemente im Inneren des Wohnhauses deuten auf einen möglicherweise überlieferten Kernbau hin, der seitdem stilistisch mehrmals überformt worden ist. In seiner aktuellen Form kann der Streckhof erstmals für das Jahr 1822 auf den Urkatasterplänen nachgewiesen werden.3 Die Ablesbarkeit verschiedener Baustile, die anhand der jeweiligen Formensprache und der typischen Gestaltungsmerkmale klar erkennbar sind, sowie der Vergleich von historischen Karten verdeutlichen eine bewegte, aber nachvollziehbare Entwicklungsgeschichte, die von Umbau- und Renovierungsphasen geprägt ist (ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Der Streckhof setzt sich aus einem Wohnhaus im Süden und einer Scheune im Norden zusammen. An der Rückfassade sowie nördlich des Grundstücks wurden im Laufe der Zeit einige Anbauten und Ökonomiegebäude errichtet, die nicht der denkmalwürdigen Bausubstanz zuzurechnen sind und daher im weiteren Verlauf unbeachtet bleiben. Auch beim Scheunengebäude ist ausschließlich der barocke Kernbau unter Schutz zu stellen; hier konnte ein verbauter Holzbalken mittels dendrochronologischer Analyse in das erste Drittel des 18. Jahrhunderts datiert werden.4 Dieser barocke Baubestand wurde bei einem Brand teilweise zerstört und wieder instandgesetzt: Die Dachstuhlkonstruktion lässt sich folglich auf das ausgehende 19. Jahrhundert datieren und wurde zur Verstärkung mit jüngeren Holzbalken aus dem 20. Jahrhundert versehen (AUT, CHA, ENT). 5 Die zweigeschossige Scheune ist an der südlich orientierten Hauptfassade in drei Achsen gegliedert; mittig befindet sich ein segmentbogiges Tor mit Sandsteingewände, das mit Prell- und Kämpfersteinen sowie einem Schlussstein versehen ist (AUT, CHA). Unter der Traufe befinden sich drei hochrechteckige 1 Vgl. Reuter, Jérôme, Al Haisernimm vun den Uertschaften: Kielen, Ollem, Meespelt (Meester), Privatsammlung Jérôme Reuter, Kehlen, 2019, o. S.; Adam, Robert, Kehlen, [Unveröffentlichtes Manuskript], Kehlen, o. J.;</p>\n<p class=\"lf-p\">Paulus, Cécile, Hausnimm-Kehlen commune, [Unveröffentlichtes Manuskript], Keispelt, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Sept Fontaines 223B.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Kehlen A4, ANLux, 1822 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Lutgen, Thomas, Kurzbericht. Dendrochronologische Holzaltersbestimmung. Historisches Wohngebäude. 14, rue du Centre / L-8282 Kehlen / Commune Helperknapp, [Unveröffentlichter Bericht], Institut national pour le patrimoine architectural, Wasserbillig, 2022, S. 7.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Lutgen, Thomas, Kurzbericht. Dendrochronologische Holzaltersbestimmung. Historisches Wohngebäude. 14, rue du Centre / L-8282 Kehlen / Commune Helperknapp, [Unveröffentlichter Bericht], Institut national pour le patrimoine architectural, Wasserbillig, 2022.</p>\n<p class=\"lf-p\">46 Lüftungsluken (AUT, CHA). In den 1960er-Jahren wurde ein weiterer Scheunenanbau errichtet, der indes nicht zum schutzwürdigen Kulturgut zu zählen ist. 6 Das Wohnhaus ist stilistisch bereits mehrmals überformt worden, wobei die prägnantesten Gestaltungsmerkmale dem historistischen Formenkanon zuzuordnen sind, die von vereinzelten Jugendstil- und Art-Déco-Elementen begleitet werden (ENT). Das teils unterkellerte zweigeschossige Wohnhaus erhebt sich auf einem Sockel aus Beton in Opus-Incertum-Optik und wird von Ecklisenen in Quaderoptik gerahmt (AUT, CHA, ENT). An zentraler Stelle der symmetrisch gegliederten Fassade ist der Haupteingang über eine fünfstufige Treppe mit Podest, die rechts und links von einer geschwungenen Wange flankiert wird, zu erreichen (CHA). Die hölzerne Eingangstür wurde mit historistischen Ornamenten versehen und ist mit einer verglasten Öffnung und einem vorgesetzten schmiedeeisernen Gitter in geschwungenen Formen ausgestattet (AUT, CHA, ENT). Darüber befindet sich ein Oberlicht mit buntem Strukturglaseinsatz, das mit einem Blumenmotiv versehen ist (AUT, CHA, ENT).7 Die Tür wird von einem in Quaderoptik gestalteten Sandsteingewände mit Prellsteinen und aufwendig profilierter Verdachung gerahmt (AUT, CHA). Seitlich des Eingangsbereichs sind jeweils zwei längsrechteckige Kellerluken auszumachen, von denen zwei mit Peststäben versehen sind (AUT, CHA). Alle Fensteröffnungen sind identisch gestaltet und verfügen über schlichte Fenstergewände mit leicht hervortretender Fensterbank sowie einer profilierten Verdachung mit aufgeputzten Konsolen und Quasten (AUT, CHA, ENT). Der Dekor kommt mit aufgeputzten Ranken und Voluten im Jugendstil daher (ENT). Diese Art von Ornamenten ist hierzulande typisch für die 1930er-Jahre und ist im ruralen Kontext eher weniger vorzufinden (SEL). Die Fenstergewände an der nach Westen orientierten Rückfassade sind schlicht gehalten und wurden nicht im Zuge der letzten Renovierungsphase überarbeitet. Über dem Eingangsbereich kragt ein städtisch anmutender Balkon mit schmiedeeisernem Geländer in ornamentvoller Gestaltung aus, der auf zwei geschwungenen Konsolen ruht (AUT, SEL, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Nach oben abgeschlossen wird das Bauwerk von einer einfachen Betontraufe mit darüberliegendem schiefergedecktem Krüppelwalmdach (AUT, CHA, ENT). Letzteres wurde im Jahr 1930 – die Jahreszahl ist im Fenstersturz integriert – durch ein Zwerchhaus mit Satteldach und Dachbekrönung erweitert und hebt die ohnehin schon stark betonte Mittelachse der fünfachsigen Hauptfassade zusätzlich hervor und führt diese bis in die Dachebene fort (AUT, CHA, ENT). Das Zwerchhaus wird an den Seiten von jeweils einer Dachgaube mit Dreiecksgiebel und Dachbekrönung flankiert (AUT, CHA, ENT). Der Dachstuhl des Wohnhauses kann anhand seiner konstruktiven Merkmale – den hölzernen Verbindungsnägeln und den Abbundzeichen – in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts datiert werden (AUT, CHA).8 Eine dendrochronologische Auswertung konnte einen verbauten Tannenholzbalken aus dem Jahr 1861 bestimmen.9 Im Innenbereich des Wohnhauses sind ebenfalls eine Vielzahl an hochwertigen Ausstattungselementen aus unterschiedlichen Bauphasen überliefert, welche seine facettenreiche 6 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 2423.</p>\n<p class=\"lf-p\">Kehlen. 14, rue du Centre. 1969/5310, 1963.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Schriftliche Auskunft von Dr. Annette Jansen-Winkeln, Forschungsstelle für Glasmalerei des 20. Jahrhunderts, am 10. Januar 2023: Diese Glasarbeit könnte vom luxemburgischen Glasmaler Jean-Pierre Koppes gefertigt worden sein.</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Lutgen, Thomas, Kurzbericht. Dendrochronologische Holzaltersbestimmung. Historisches Wohngebäude. 14, rue du Centre / L-8282 Kehlen / Commune Helperknapp, [Unveröffentlichter Bericht], Institut national pour le patrimoine architectural, Wasserbillig, 2022, S. 7.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Lutgen, Thomas, Kurzbericht. Dendrochronologische Holzaltersbestimmung. Historisches Wohngebäude. 14, rue du Centre / L-8282 Kehlen / Commune Helperknapp, [Unveröffentlichter Bericht], Institut national pour le patrimoine architectural, Wasserbillig, 2022.</p>\n<p class=\"lf-p\">47 Entwicklungsgeschichte dokumentieren. Die ältesten überlieferten Elemente können auf das Ende des 18. Jahrhunderts datiert werden.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das Erdgeschoss ist zweiraumtief organisiert und wird über den mittig gelegenen Flur erschlossen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Hier führt eine halbgewundene Eichenholztreppe mit einem schlichten geradlinigen Geländer bis ins Dachgeschoss hinauf (AUT, CHA, ENT). Der rautenförmige Deckenstuck sowie die aufwendig profilierten Stuckleisten können dem historistischen Formenkanon zugeordnet werden (AUT, CHA, ENT). Der Hausflur erfuhr vermutlich in den 1930er-Jahren eine Renovierung; aus dieser Zeit ist insbesondere die hölzerne doppelflügelige Zwischentür zu erwähnen (AUT, CHA, ENT). Deren kunstvoll ausgeführte Bleiverglasungen mit Glaseinsätzen in unterschiedlicher Struktur und Farbe sowie die hochwertig gestalteten Türgriffe im Art-Déco-Stil unterstreichen den repräsentativen Charakter des Wohnhauses (AUT, CHA, ENT).10 Zeittypisch für die 1930er-Jahre sind zudem der mit Marmor belegte Fußboden und die mit demselben Material verkleidete Wand (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Letztere wird von einer Fußleiste in blauem Marmor und einer different marmorierten beigefarbenen Abschlussleiste gerahmt. Die kassettierten Holztüren und ebensolchen Holzlaibungen sind mit metallenen Türgriffen versehen (AUT, CHA, ENT). An dieser Stelle sind überdies die spätbarocken beziehungsweise frühklassizistischen Holztüren mit geschwungener Profilierung zu nennen, die noch authentisch überliefert sind (AUT, CHA). Davon befinden sich manche Exemplare nicht mehr an ihrer ursprünglichen Stelle, sondern wurden innerhalb des Wohnhauses transloziert. Ebenfalls noch existent, aber nicht mehr im Haus verbaut, sind einige dekorative farbige Bleiglasfenster aus dem frühen 20. Jahrhundert. Aufgrund der angenommenen Entstehungszeit und formalen Gestaltung könnten diese Glasarbeiten vom luxemburgischen Glasmaler Jean-Pierre Koppes gefertigt worden sein.11 In den repräsentativeren Räumen des Gebäudes sind vor allem die klassizistischen Stuckdecken zu nennen (AUT, CHA, ENT). Zwischen den Deckenbalken befinden sich Kassettenfelder mit profilierten Stuckleisten, die abwechselnd mit Stuckmedaillons versehen sind. Eine weitere Decke ist mit hochwertig ausgearbeiteten Stuckelementen in den Raumecken versehen; die Elemente weisen ein Medaillon mit einem weiblichen Kopf in Profildarstellung auf, das von floralem Rankenschmuck umgeben ist (AUT, CHA, ENT). Ebenfalls überliefert sind eine Feuerstelle sowie ein Takenschrank mit seiner traditionellen fünftürigen Aufteilung und einem Dekor, der zwischen Spätbarock und frühem Klassizismus angesiedelt ist (AUT, CHA). Dies ist insbesondere an der noch eher barocken Profilierung oberhalb des Kassettenfeldes der oberen Türen auszumachen, während die darüberliegende Verdachung bereits klassizistische Züge aufweist. Der Bodenbelag besteht in den meisten Räumen aus schmalen Eichenholzdielen und stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert (AUT, CHA, ENT). Auch eine zweiflügelige Holztür in geometrischer Ausführung und mit facettierten Glaseinsätzen ist aus dieser Zeit erhalten (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Der im historischen Ortskern von Kehlen gelegene Streckhof gehört zu den ältesten noch erhaltenen Gebäuden in der Rue du Centre und ist aufgrund der authentisch erhaltenen Bestandteile, die für ihre Entstehungszeit charakteristisch sind, ein wichtiger Zeitzeuge. Zu den bemerkenswerten Elementen zählen in diesem Kontext insbesondere die imposanten Stuckdecken, die in unterschiedlicher formaler Gestaltung daherkommen, die Holztüren mit geschwungener Profilierung sowie der Takenschrank.</p>\n<p class=\"lf-p\">Auch die ablesbare Entwicklungsgeschichte des Anwesens und die für den ländlichen Raum eher 10 Schriftliche Auskunft von Dr. Annette Jansen-Winkeln, Forschungsstelle für Glasmalerei des 20.</p>\n<p class=\"lf-p\">Jahrhunderts, am 10. Januar 2023: Die Firma Linster aus Mondorf-les-Bains – heute Vitraux d’Art Bauer &amp; Rathmann – hat identische Werke hergestellt, die nach einer Mustervorlage gefertigt wurden.</p>\n<p class=\"lf-p\">11 Schriftliche Auskunft von Dr. Annette Jansen-Winkeln, Forschungsstelle für Glasmalerei des 20.</p>\n<p class=\"lf-p\">Jahrhunderts, am 10. Januar 2023.</p>\n<p class=\"lf-p\">48 seltene Art-Déco-Überarbeitung, die sich unter anderem durch die doppelflügelige Zwischentür mit farbigen Strukturglaseinsätzen manifestiert, heben das Anwesen von ähnlichen Objekten gleicher Bauzeit ab. Durch den hohen Grad an authentisch erhaltener Substanz aus verschiedenen Bauzeiten sind das Wohnhaus sowie der barocke Kernbau der Scheune als national schützenswert einzustufen und für die Zukunft zu bewahren.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (BTY) Bautypus, (ENT) Entwicklungsgeschichte 49 Kehlen |o. N., rue du Centre Im Ortszentrum von Kehlen steht gegenüber der Kirche auf dem Parkplatz an der Kreuzung der Straßen Rue du Centre, Rue de Mamer, Rue de Kopstal und Rue de Keispelt ein nach Osten orientiertes Kultobjekt in Form eines Wegkreuzes (GAT, SOK, BTY). Dieses aus mehreren Segmenten bestehende ‚Nikloskräiz‘ ist dem Stil des Barock zuzuordnen (AUT, CHA).1 Ein genaues Erschaffungsdatum und der Grund für die Errichtung konnten nicht ermittelt werden. Der ursprüngliche Standort des Wegkreuzes befand sich in einer überdachten Nische am gegenüberliegenden Haus ‚A Franzen‘. 2 Erst als im Jahr 1993 das landwirtschaftliche Anwesen 1, rue du Centre abgerissen wurde und dort ein Parkplatz entstand, fand das Kreuz hier seinen Platz.3 Vermutlich wurde das einst weiß gestrichene Kleindenkmal auch bei dieser Gelegenheit restauriert, wobei u. a. die Farbschicht entfernt und der Aufsatz direkt am Sockel befestigt wurde.4 Das aus gelbem Sandstein gefertigte Wegkreuz erhebt sich über einem blockhaften Sockel (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Dieser ist auf drei Seiten geprägt von einem tiefer liegenden hochrechteckigen, gestockten Feld, das von einem schmalen scharrierten Rand umgeben ist (AUT). Historische Aufnahmen zeigen hier Spuren von eingemeißeltem Text und Befestigungsvorrichtungen in den Ecken, die womöglich zum Anbringen einer Schrifttafel gedacht waren.5 Der Sockel schließt mit einer abgestuften Sandsteinplatte ab, auf der ein vierteiliger Schaft steht. Ein trapezförmiger Block mit liegendem Rautenmotiv im rau behauenen Mittelfeld wird von s-förmig angelegten, scharrierten Voluten flankiert (AUT, CHA). Auf diesem Feld findet sich sodann ein kubischer Stein, der sich an die Gestaltung des unteren Sockels anlehnt.6 An den feiner ausgearbeiteten Schmalseiten wurde das Relief einer Blume hinzugefügt (AUT, CHA). Der dritte Teil des Schafts zeigt einen hochrechteckigen, pfeilerartigen Block, in dessen nahezu glatt geschliffenem Mittelteil das Relief des Heiligen Nikolaus im unteren Bereich auszumachen ist, der auf einer halbkreisförmigen Konsole mit floralem Motiv steht (AUT, CHA). Er ist mit nackten Füßen dargestellt und trägt einen bis zu den Waden reichenden Rock, einen Mantel mit Schnalle und eine Mitra. In der rechten Hand trägt der Heilige ein Buch und in der linken einen Bischofsstab. Auf den Seitenansichten des Steinblocks mit scharriertem Rand erscheint wieder das Motiv der Raute. Der Schaft schließt mit einem kapitellartigen Zwischenstück ab: Dieses zeigt beidseitig Voluten, vegetabile Ornamente und einen konkav gerundeten Sims, auf dem die eigentliche Bildtafel des Wegkreuzes aufsitzt (AUT, CHA). Letztere wurde mit abwechselnd konkav und konvex geschwungenen scharrierten Rändern und profilierter Segmentbogenverdachung mit auskragenden Enden konzipiert (AUT, CHA). Laut Hirsch ist diese Art des Aufsatzes als Nachfolger der strengeren, geradlinigeren Form mit spitzem Giebeldach anzusehen, die im 17. Jahrhundert üblich war (AUT, CHA).7 Diese neue 1 Weins, Norbert, Auf Wegkreuzfahrt durch das Großherzogtum, Band 1/3, Luxemburg, 1982, S. 29.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Vgl. mündliche Auskunft vor Ort, am 27. September 2021; Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Médiathèque Commune de Kehlen, Kehlen, o. J.; Anonym, Kehlen. 4, rue de Keispelt, [Fotografische Aufnahme], Institut national pour le patrimoine architectural, subside à la restauration, 1989; Reuter, Jérôme, Al Haisernimm vun den Uertschaften: Kielen, Ollem, Meespelt (Meester), Privatsammlung Jérôme Reuter, Kehlen, 2019, o. S.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Médiathèque Commune de Kehlen, Kehlen, 1993; Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Médiathèque Commune de Kehlen, Kehlen, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Vgl. Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Médiathèque Commune de Kehlen, Kehlen, o. J.; Anonym, o.</p>\n<p class=\"lf-p\">T., [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung R. Adam, Kehlen, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Vgl. Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Médiathèque Commune de Kehlen, Kehlen, o. J.; Anonym, o.</p>\n<p class=\"lf-p\">T., [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung R. Adam, Kehlen, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Auch hier lassen die oben erwähnten historischen Aufnahmen einen eingemeißelten Text vermuten und zeigen Befestigungsvorrichtungen in den Ecken.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992, S. 21.</p>\n<p class=\"lf-p\">50 Gestaltung setzte sich offenbar schnell durch und wurde bis etwa 1850 beibehalten. 8 Von dem zurückversetzten, glatt gearbeiteten Mittelfeld hebt sich das halbplastische Kreuz mit einer Jesusfigur deutlich ab. Oberhalb des Längsbalkens ist eine schematische Schriftfahne integriert:</p>\n<p class=\"lf-p\">Traditionellerweise trägt eine solche die Aufschrift ‚I.N.R.I.‘, wobei in diesem Fall keine Buchstaben auszumachen sind. Die Skulptur des Gekreuzigten ist vergleichsweise gut erhalten: Details wie die Dornenkrone auf dem Haupt, die langen Haare und der Bart, die Gesichtszüge sowie die Rippen, der Lendenschurz und die übereinandergelegten Füße, die auf einem mit vegetabilen Dekorelementen versehenen, kelchähnlichen Sockel ruhen, sind deutlich zu erkennen. Die Rückseite des Kreuzes ist nicht bearbeitet.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das nahe der Kirche und dem Ortskern von Kehlen aufgerichtete Kultobjekt folgt einer langen christlichen Tradition und ist Teil der Heimat-, Sozial- und Kultusgeschichte von Kehlen. Auch wenn der einstige Entstehungsgrund des steinernen Zeitzeugen nicht nachvollziehbar ist, so erinnert das ‚Nikloskräiz‘ an eine weitestgehend der Vergangenheit angehörende Volksfrömmigkeit. Des Weiteren kann seine bis heute andauernde Existenz als Zeichen der ihm über die Zeiten hinweg entgegengebrachten Wertschätzung verstanden werden. Seine barocke Formensprache mit gut erhaltenen halbplastischen und authentischen Gestaltungsmerkmalen zeichnet es aus. Aus den genannten Gründen ist dieses Wegkreuz als erhaltenswertes Kulturgut unter nationalen Schutz zu stellen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit (SOK) Sozial- oder Kultusgeschichte, (BTY) Bautypus 8 Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992, S. 21.</p>\n<p class=\"lf-p\">51 Kehlen |8, Juddegaass In der Juddegaass, nahe der Ortsmitte von Kehlen, steht das imposante Wohnhaus des ehemaligen Winkelhofs ,A Schëtzen‘ (GAT). 1 Allem Anschein nach ist an der Stelle des einstigen Gehöfts bereits auf der 1778 fertiggestellten Ferraris-Karte ein dem gleichen Bautypus entsprechender Hof verzeichnet.2 Durch seinen umliegenden Garten stand das seinerzeitige Volumen weit zurückversetzt vom öffentlichen Raum. Laut Inschrift auf dem Schlussstein des Haustürgewändes ist eine Datierung des überlieferten Wohnhauses in das Jahr 1812 möglich. 3 Der Urkatasterplan von 1822 bestätigt dies und verdeutlicht darüber hinaus eine bauliche Erweiterung oder Neuerrichtung des Hofs bis fast zum südlich gelegenen Straßenrand.4 An der südöstlichen Parzellengrenze entstand zusätzlich ein kleineres Nebengebäude.5 Um das Jahr 1851 wurde an die südliche Giebelseite des Wohnhauses der gegenwärtig noch partiell existente, niedrigere Baukörper angefügt und zeitgleich das bereits erwähnte Nebengebäude niedergelegt.6 Wie es verschiedene Dekorelemente an der Fassade vermuten lassen, wurde das Haus zu jener Zeit klassizistisch überarbeitet (ENT). Eine Restaurierung des Wohnhauses, der Umbau der Ökonomiegebäude und das Anlegen einer Zufahrt entlang der Westfassade erfolgten im Jahr 2000.7 Der Eingang des giebelständigen Wohnhauses ist über eine Mauer aus Sandsteinquadern mit Sandsteinpfeilern und schmiedeeisernem Tor, einen anschließenden gepflasterten Vorplatz, eine mehrstufige Treppe sowie über einen Vorgartenbereich zu erreichen (AUT, CHA). 8 Unterhalb der linken Hausachse ist ein mannshoher, in Sandsteinquaderoptik gestalteter und mit profiliertem Gesims abschließender Sockel mit Kellerluke auszumachen, der – wenn auch ab der zweiten Achse wesentlich niedriger – über die gesamte Fassadenbreite verläuft (AUT, CHA). Die östlich ausgerichtete Hauptfassade des Wohnhauses präsentiert sich mit fünf Achsen und in klassizistischer Formensprache (AUT, CHA). Mittig der Hauptfassade befindet sich der Zugang zum Gebäudeinneren. Die kassettierte hölzerne Eingangstür ist mit einem hochrechteckigen Glasfeld und schmiedeeiserner Verzierung davor sowie einem verglasten Oberlicht ausgestattet (AUT, CHA).9 Die Sandsteinrahmung mit gekehlten Kanten, Quaderung und Prellsteinen weist im Sturz eine schlusssteinähnliche Auskragung mit dem 1 Reuter, Jérôme, Al Haisernimm vun den Uertschaften: Kielen, Ollem, Meespelt (Meester), Privatsammlung Jérôme Reuter, Kehlen, 2019, o. S.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Sept Fontaines 223B.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Vgl. Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Institut national pour le patrimoine architectural, Archiv INPA, o. J.; Err, Antoine; Dumont, Ferd, Eklektizismus. 5191 179a-112-4, [Fotografische Aufnahme], Institut national pour le patrimoine architectural, Türeninventar, Kehlen, 2004.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Kehlen A4, ANLux, 1822 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Kehlen A4, ANLux, 1822 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 220.</p>\n<p class=\"lf-p\">Kehlen. 8, Juddegaass. 2095/7246, 1851; Besitzer, o. T., [Bauantrag], Gemeindearchiv Kehlen, Pétange, 26.10.1999.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Vgl. Bürgermeister, Autorisation de construire N° 03/2000, [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Kehlen, Kehlen, 26.01.2000; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Luftbild, 2001.</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Luftbild, 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Err, Antoine; Dumont, Ferd, Eklektizismus. 5191 179a-112-4, [Fotografische Aufnahme], Institut national pour le patrimoine architectural, Türeninventar, Kehlen, 2004: Soweit es vom öffentlichen Raum ersichtlich ist, scheint die Tür heute noch die gleiche zu sein. Allerdings macht es den Anschein, als sei sie restauriert worden.</p>\n<p class=\"lf-p\">52 Datum ‚1812‘ und den Initialen ‚HHAI‘ auf (AUT, CHA).10 Darüber ist ein zeittypisch klassizistisches, profiliertes und mehrfach verkröpftes Verdachungsgesims mit Konsolen auszumachen (AUT, CHA).11 Alle Fenster der Hauptfassade weisen die gleichen Gestaltungsmerkmale auf: Sie sind hochrechteckig und haben einen Falz (AUT, CHA). Die Fenstereinfassungen und die Sohlbänke wurden durch profilierten Fassadenstuck ergänzt (AUT, CHA, ENT). Im Verdachungsspiegel, der beidseitig von Zierelementen eingefasst wird, ist jeweils ein geschwungen ausgeführtes florales Dekorrelief integriert (AUT, CHA). Eckeinfassungen aus Sandsteinquadern zieren links und rechts die Fassade (AUT, CHA). Über der profilierten Holztraufe erhebt sich das nach englischer Manier gedeckte Krüppelwalmdach mit drei Giebelgauben (CHA). Der südlich ausgerichteten Giebelfassade ist ein raumhoher Baukörper vorgelagert, der bis zum Jahr 2000 noch aus einem zweigeschossigen Volumen mit einseitigem Krüppelwalmdach bestand. 12 Nur die zwei kleinen querrechteckigen und mit Sandstein umrahmten Fenster an der Westfassade scheinen hier bauzeitlich erhalten zu sein (AUT, CHA).13 Im Giebelfeld der Südfassade des Wohnhauses sind lediglich die in Dreieckskonstellation angeordneten kleinen Fenster mit gefasten Sandsteingewänden bauzeitlich überliefert (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Im Gegensatz zu der klassizistisch gestalteten Hauptfassade präsentiert sich die zweigeschossige Rückfassade mit nur drei Achsen und in barocker Formensprache (AUT, CHA). Im Erdgeschoss findet sich ebenerdig eine Kellerluke mit Sandsteinrahmung links neben der barocken Nageltür mit Sonnenmotiv (AUT, CHA).14 Letztgenannte ist über einen im Jahr 2000 neu angelegten, kopfsteingepflasterten ansteigenden Weg zu erreichen.15 Das abwechselnd konkav und konvex profilierte Sandsteingewände der Tür zeigt Prellsteine und schließt mit einem Sturz ab, in den die Inschrift ‚Pether Hofmahr IHS Margretha Karchichter‘ integriert ist (AUT, CHA).16 Daran anschließend ist ein Oberlicht mit segmentbogigem Abschluss über dem Sturz auszumachen. 17 Alle Fensteröffnungen an der Westseite präsentieren sich mit scharrierter Sandsteineinfassung, mit Falz sowie mit einem segmentbogigen Abschluss über dem Sturz (AUT, CHA). Eine hölzerne Traufe bildet den oberen Abschluss der Westseite des Wohnhauses (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das Hausinnere konnte nicht besichtigt werden. Eine diesen Bereich berücksichtigende Beurteilung des gegenwärtigen Bestands wäre demnach erst nach einer umfassenden Begutachtung möglich. Wie aber mit Blick auf die im Jahr 2000 genehmigten Umbauplänen zu vermuten ist, scheint die Grundstruktur des Wohnhauses größtenteils erhalten zu sein. 18 Des Weiteren ist hier ein 10 Err, Antoine; Dumont, Ferd, Eklektizismus. 5191 179a-112-4, [Fotografische Aufnahme], Institut national pour le patrimoine architectural, Türeninventar, Kehlen, 2004: Soweit es vom öffentlichen Raum ersichtlich ist, scheint die Türrahmung heute noch die gleiche zu sein.</p>\n<p class=\"lf-p\">11 Err, Antoine; Dumont, Ferd, Eklektizismus. 5191 179a-112-4, [Fotografische Aufnahme], Institut national pour le patrimoine architectural, Türeninventar, Kehlen, 2004.</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Vgl. Besitzer, o. T., [Bauantrag], GA KEHL, Pétange, 26.10.1999; Bürgermeister, Autorisation de construire N° 03/2000, [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Kehlen, Kehlen, 26.01.2000; ACT, Luftbild, 2001.</p>\n<p class=\"lf-p\">13 Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung R. Adam, Kehlen, 1990.</p>\n<p class=\"lf-p\">14 Err, Antoine; Dumont, Ferd, Neeldier. 5190 43-8-1, [Fotografische Aufnahme], Institut national pour le patrimoine architectural, Türeninventar, Kehlen, 2004: Soweit es vom öffentlichen Raum ersichtlich ist, scheint die Tür heute noch die gleiche zu sein.</p>\n<p class=\"lf-p\">15 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Luftbild, 1994 und 2001.</p>\n<p class=\"lf-p\">16 Vgl. Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung R. Adam, Kehlen, 1990; Err, Antoine;</p>\n<p class=\"lf-p\">Dumont, Ferd, Neeldier. 5190 43-8-1, [Fotografische Aufnahme], Institut national pour le patrimoine architectural, Türeninventar, Kehlen, 2004.</p>\n<p class=\"lf-p\">17 Err, Antoine; Dumont, Ferd, Neeldier. 5190 43-8-1, [Fotografische Aufnahme], Institut national pour le patrimoine architectural, Türeninventar, Kehlen, 2004.</p>\n<p class=\"lf-p\">18 Bürgermeister, Autorisation de construire N° 03/2000, [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Kehlen, Kehlen, 26.01.2000.</p>\n<p class=\"lf-p\">53 mehrräumiges Kellergeschoss auszumachen und im Erdgeschoss gibt es Hinweise auf eine Feuerstelle, die ebenfalls im strukturell erhaltenen Obergeschoss noch zu existieren scheint.19 Das Wohnhaus des ehemaligen Winkelhofs ,A Schëtzen‘ steht giebelständig nahe der Ortsmitte von Kehlen. Es wurde vermutlich 1812 in barocker Formensprache errichtet, die hauptsächlich an der Westfassade, sprich an der Gestaltung der Tür mit dem typischen Sonnenradmotiv und den Fenstern mit segmentbogigem Abschluss über den Stürzen abzulesen ist. Aber auch die Entwicklungsgeschichte bleibt ablesbar. Dabei ist insbesondere die Umgestaltungsphase um das Jahr 1851 erwähnenswert, in der das Haus klassizistisch überarbeitet wurde. Aus dieser Zeit haben sich die charakteristischen Dekorelemente der Tür- und Fensterrahmungen erhalten. Aufgrund der charakteristischen und authentisch erhaltenen Gestaltungselemente aus verschiedenen Bauzeiten ist das Wohnhaus ‚A Schëtzen‘ als erhaltenswertes Gebäude zu definieren und unter nationalen Schutz zu stellen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (ENT) Entwicklungsgeschichte 19 Bürgermeister, Autorisation de construire N° 03/2000, [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Kehlen, Kehlen, 26.01.2000.</p>\n<p class=\"lf-p\">54 Kehlen |1, rue de Keispelt Das Wohnhaus ‚An Thillen‘ befindet sich in der Rue de Keispelt im historischen Ortskern von Kehlen (GAT). Es steht nahe der Kirche und wurde vermutlich um 1853 errichtet. 1 Im Jahr 1906 kam das Gebäude in den Besitz der Familie Kayser, die dort bis Anfang der 1980er-Jahre eine Schusterwerkstatt geführt hat (SOH).2 Letztgenannte befand sich rechts im Erdgeschoss des Hauses, das mit seiner Flurküche, einem Wohnzimmer, einer Vorratskammer und drei Zimmern klein und bescheiden war.</p>\n<p class=\"lf-p\">Ein niedriger Stall war nördlich an das Wohnhaus angebaut.3 Dieser wurde bei Umgestaltungsarbeiten im Jahr 2018 aufgestockt und zu Wohnzwecken umgebaut. 4 Dem leicht schräg zur Straße stehenden zweigeschossigen, dreiachsigen Wohn haus sind im Osten ein schmaler geteerter Streifen und ein Gehweg vorgelegt (AUT, CHA). Über dem verputzten Sockel erhebt sich die unsymmetrisch angelegte Hauptfassade. Alle Fenster – davon ein Doppelfenster im Erdgeschoss – sowie die Haustür zeigen sich mit Sandsteinrahmungen (AUT, CHA). Die Ostfassade schließt mit einer hölzernen Traufe mit Zahnfriesdekor ab (AUT, CHA, ENT). Darüber erhebt sich das Satteldach mit englischer Schieferdeckung (AUT, CHA). Die nach Süden ausgerichtete Fassade hat nur im Dachgiebel ein kleines Rundbogenfenster mit Sandsteingewände (AUT, CHA). An der zweigeschossigen, zweiachsigen Westfassade sind in der linken Achse des Erdgeschosses eine Luke und im Obergeschoss zwei Fenster integriert, die allesamt von Sandsteingewänden gerahmt werden (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das Hausinnere ist über den Haupteingang in der Ostfassade zu erreichen, dem eine partiell scharrierte Blausteinstufe vorgelegt ist (AUT, CHA). Die ursprüngliche Grundstruktur sowie die Holzbalkendecken des Hauses sind fast vollständig erhalten (AUT, CHA). Vom schmalen Flur, der wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit zum Teil überlieferten bunt gemusterten Jugendstil-Fliesen aus den Ehranger Servais-Werken ausgelegt wurde, gehen zwei Durchgänge ab, die ineinander übergehende Sandsteinrahmungen aufweisen: Durch die rechte Öffnung gelangt man in das zu Wohnzwecken umfunktionierte Schusteratelier (AUT, CHA, ENT). 5 Auch hier sind die ein- und mehrfarbigen Fliesen aus den Servais-Werken zum Teil überliefert (AUT, CHA).6 Die linke Tür führt über drei Sandsteinstufen hinunter in die Vorratskammer, die ‚Spënnchen‘ (AUT, CHA). Sie präsentiert sich mit leicht gedrücktem Tonnengewölbe und querrechteckiger Luke in der Westwand (AUT, SEL, CHA). In der einstigen Flurküche am Ende des Hausgangs im Erdgeschoss sind die Sandsteinrahmung einer nicht überlieferten Takenplatte, die ebenfalls mit Sandsteingewände umgebene Backofenöffnung sowie der ‚Haascht‘-Balken erhalten (AUT, CHA). In der heutigen Küche, dem ehemaligen Wohnzimmer, ist ein vermutlich in den 1950er-Jahren in englischem Verband verlegter Holzfußboden überliefert (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">1 Vgl. Reuter, Jérôme, Al Haisernimm vun den Uertschaften: Kielen, Ollem, Meespelt (Meester), Privatsammlung Jérôme Reuter, Kehlen, 2019, o. S.; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 328. Kehlen. 1, rue de Keispelt. 1953/5951, 1853.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Schriftliche Auskunft von Jérôme Reuter, am 11. Mai 2022: Die Einrichtung der Schusterwerkstatt gehört zur Sammlung von Jean Ney und wird in der Thillenvogtei in Rindschleiden aufbewahrt.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Schriftliche Auskunft von Jérôme Reuter, am 11. Mai 2022.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Bürgermeister Eischen, Félix, Autorisation de construire. N° 135/2018, [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Kehlen, Kehlen, 15.06.2018.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Schriftliche Auskunft von Berthold Lorig, am 26. Januar 2023.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Schriftliche Auskunft von Berthold Lorig, am 26. Januar 2023.</p>\n<p class=\"lf-p\">55 Im Obergeschoss finden sich bauzeitlich überlieferte Fußböden mit breiten Holzdielen sowie zwei Holztüren (AUT, CHA). Im ausgebauten Dachgeschoss ist ein Teil des Dachstuhls erhalten und sichtbar belassen worden (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das im historischen Ortskern von Kehlen gelegene Wohnhaus ‚An Thillen‘ wurde vermutlich um 1853 errichtet und war über mehrere Generationen hinweg im Besitz einer alteingesessenen Kehlener Schusterfamilie. Der authentische Eindruck dieses Wohnhauses bestätigt sich im Inneren. Nicht nur Struktur und Gestalt blieben weitestgehend unverändert. Auch die bauzeitliche Ausstattung, wie Holzböden, Feuerstelle, Ofenöffnung, Sandsteingewände und ‚Haascht‘-Balken, ist größtenteils erhalten.</p>\n<p class=\"lf-p\">Besonders hervorzuheben und selten ist die Vorratskammer mit leicht gedrücktem Tonnengewölbe.</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Entwicklungsgeschichte bleibt an den aus den Ehranger Servais-Werken stammenden Flur- und Atelierfliesen und am Holzfußboden der heutigen Küche ablesbar. Aufgrund seines authentischen Erhaltungszustandes, seiner zeittypischen Gestaltung und als historischer Zeitzeuge der Handwerksgeschichte ist das kleine Wohnhaus mit Schusterwerkstatt seit dem 10. Dezember 2021 als Monument national unter Schutz gestellt. 7 Mit dem Inkrafttreten des Kulturschutzgesetzes vom 25. Februar 2022 änderte sich die bis dahin gültige Statusbezeichnung eines national geschützten Kulturguts. Seither gelten alle unter nationalem Schutz stehenden Gebäude, Stätten und Objekte als Patrimoine culturel national. Vor Inkrafttreten dieses Gesetzes waren geschützte Baukulturgüter entweder als Monument national geführt oder in das Inventaire supplémentaire eingetragen. Die Definition als Patrimoine culturel national erfolgt indes auch bei bereits unter Denkmalschutz stehenden Kulturgütern nicht automatisch. Generell gilt, dass erst ein für die gesamte Gemeinde erstelltes wissenschaftliches Inventar und die damit verbundene Analyse der historischen Bausubstanz Aufschluss darüber geben können, ob ein Gebäude, ein Objekt oder eine Stätte für die weitere Zukunft zu erhalten ist. Nach Abschluss der Inventarisierungsarbeiten in der Gemeinde Kehlen kann bestätigt werden, dass das hier beschriebene Wohnhaus die notwendigen Kriterien erfüllt, um als Patrimoine culturel national zu gelten und entsprechenden Schutz zu genießen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (SOH) Siedlungs-, Orts- oder Heimatsgeschichte, (ENT) Entwicklungsgeschichte 7 Service des sites et monuments nationaux, Kehlen. 1, rue de Keispelt, Institut national pour le patrimoine architectural, Protection juridique, classement comme patrimoine culturel national, 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">56 Kehlen |6, rue de Keispelt Unweit der Kirche von Kehlen befindet sich an der Rue de Keispelt der ‚Thunnen‘ genannte Bauernhof (GAT). 1 Das genaue Erbauungsdatum ist nicht bekannt, jedoch weist eine Sandsteinplatte, die im oberen Bereich der Scheunenfassade platziert ist, auf das Jahr 1812 hin. Das Bauwerk ist zum ersten Mal auf dem Urkatasterplan von 1822 verzeichnet. 2 Zu diesem Zeitpunkt bestand der Bauernhof aus dem Wohngebäude und einem Teil der nördlich angebauten Scheune. Das stilistisch zwischen Spätbarock und Klassizismus einzuordnende Anwesen hat bereits einige Renovierungs- und Erweiterungsphasen hinter sich. Besonders die historistische Überarbeitung Anfang des 20.</p>\n<p class=\"lf-p\">Jahrhunderts prägt das Erscheinungsbild bis heute (ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Der Streckhof gliedert sich in drei Gebäudeteile: Das mittig gelegene Wohnhaus, das an der Südseite durch Stallungen und an der nördlichen Giebelfassade durch eine große, leicht zurückversetzte Scheune flankiert wird (BTY). Das zweigeschossige Wohnhaus steht mit der Traufe zur Straße und ist über einen schmalen, mit Kopfsteinpflaster ausgelegten Platz zu erreichen, der sich nach Norden hin durch die zurückversetzte Scheune zu einem schmalen Hof verbreitert. Die fünfachsige, grob verputzte Hauptfassade weist eine unsymmetrische Gliederung auf und wurde vermutlich Anfang des 20. Jahrhunderts im Stil des Historismus überarbeitet (AUT, CHA, ENT). Das Gebäude erhebt sich über einem Sockel und wird durch eine grob verputzte Eckquaderung, die in ein horizontales Putzband übergeht, gerahmt und schließt mit einer Betontraufe und einem darüber liegenden Krüppelwalmdach in englischer Schieferdeckung ab (AUT, CHA, ENT). Die Fensteröffnungen werden durch verputzte Sandsteingewände gerahmt und zeigen leicht hervorstehende profilierte Fensterbänke mit Konsolen und Verdachungen (AUT, CHA). Letztere sind mit aufgeputzten Kartuschen und Rautenmotiven versehen. Die mittig gelegene schmiedeeiserne Eingangstür mit Struktur- und Drahtglas sowie das Gewände stammen etwa aus der Mitte des 20. Jahrhunderts (AUT, ENT). Die unterschiedlichen Bearbeitungsspuren an den filigranen Metallbändern, die eine symmetrische Komposition vor dem großen Glasfeld bilden, zeugen vom gestalterischen Willen und handwerklichen Können des ausführenden Schmieds. An den Verbindungsstellen von innerem und äußerem Rahmen sowie am Oberlicht bilden goldfarbig geprägte Metallkugeln Akzente an der ansonsten metallgrau gefassten Haustür.</p>\n<p class=\"lf-p\">Durch den leichten Versprung des Scheunenanbaus ist die giebelständige Nordfassade des Wohngebäudes zum Teil sichtbar. Hier ist im Erdgeschoss ein kleines hochrechteckiges Fenster mit reich dekoriertem Sandsteingewände vorzufinden. Der aufgesetzte Schlussstein des Gewändes ist mit verzweigten Ranken und Blüten ausgearbeitet. Da dieses Gewände stilistisch nicht mit den anderen Bauelementen übereinstimmt, handelt es sich vermutlich um eine Spolie, die bei der Abtragung eines imposanten Gehöfts entnommen und an dieser Stelle eingesetzt wurde.</p>\n<p class=\"lf-p\">An der dreiachsigen, symmetrisch gegliederten Rückfassade sind in der linken Achse zwei segmentbogige Sandsteingewände mit geradem Sturz aus der Zeit des Spätbarocks sowie in der rechten Achse zwei einfache hochrechteckige Fenstergewände erhalten, welche die unterschiedlichen Renovierungsphasen aufzeigen (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Im Gebäudeinneren sind viele historische Elemente aus unterschiedlichen Bauzeiten erhalten, wobei die ältesten dem Spätbarock zuzuordnen sind. Das zweiraumtief organisierte Wohnhaus wird über einen zentralen langgestreckten Flur erschlossen, der am Ende mit einer Holztür mit Glasausschnitt 1 Reuter, Jérôme, Al Haisernimm vun den Uertschaften: Kielen, Ollem, Meespelt (Meester), Privatsammlung Jérôme Reuter, Kehlen, 2019, o. S.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Kehlen A4, ANLux, 1822 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">57 abschließt (AUT, CHA). In der Mitte des Hauptflurs zweigt ein weiterer Flur mit Terrazzobelag ab, der den Zutritt zur Scheune sowie zu zwei kleineren, zur Straße orientierten Zimmern gewährleistet (AUT, CHA, ENT). In einem der Zimmer sind dreifarbige Zementfliesen mit geometrischem Muster erhalten, auf denen sich Rautenformen zu stilisierten Blüten zusammensetzen (AUT, CHA). Im hinteren Bereich des Wohnhauses finden sich die repräsentativen Wohnräume. Hier sind ein authentisch erhaltener Eichenholzparkettboden und Deckenstuck aus der historistischen Renovierungsphase überliefert (AUT, CHA, ENT). Das Esszimmer ist mit einem imposanten Takenschrank ausgestattet (AUT, CHA, ENT). Dieser zeigt einen typisch klassizistischen Aufbau mit je zwei Flügeltüren im oberen und unteren Bereich sowie einer horizontalen Klapptür in der Mitte. Obwohl der Schrank erst nach Erbauung des Wohnhauses eingebaut worden sein kann, zeigt die geschwungene Kassettenform einen deutlichen Anklang an spätbarocke Motive. Die Wände des Esszimmers sind zu beiden Seiten des Takenschranks mit einer zeittypischen Faserzementvertäfelung mit floralem Muster verkleidet, die mit ihrem braunen Anstrich eine Holzvertäfelung imitieren soll (AUT, CHA, ENT). Der Stuck, der wandbegleitend linear gearbeitet ist und zu den Wandflächen mit einer Rundung ausformuliert ist, ist deutlich rezenter als der Deckenstuck im Wohnraum. Von der Flurküche, deren Boden mit gelb-schwarzen Fliesen in diagonalem Schachbrettmuster ausgelegt ist, gelangt man über eine Eichenholztreppe mit geschwungenen, spätbarock anmutenden Geländerstäben in das Obergeschoss (AUT, CHA). Aus einer Renovierungsphase zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind noch ein Einbauschrank, eine kassettierte Tür mit Strukturglas sowie ein unter dem Fenster platziertes Spülbecken überliefert (AUT, CHA, ENT). Von der Küche gelangt man über eine weitere Tür in den südlich angebauten Stall, der in einer späteren Bauphase zu Wohnzwecken umgestaltet wurde. In diesen Räumlichkeiten sind die Decken als preußische Kappen ausgeführt (AUT, CHA). Im Obergeschoss sind ebenfalls viele historische Elemente überliefert. Dazu sind die bauzeitlichen Eichenholzdielen und Holzbrettertüren zu zählen sowie die aus der Zeit des Historismus stammenden kassettierten Türen und der schlichte, profilierte Deckenstuck, der sich sowohl als Randstuck wie auch an den Mittelrosetten zeigt (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Aus der Bauzeit ist noch die ‚Haascht‘ erhalten, die sich vom Obergeschoss bis zum Dachgeschoss erstreckt (AUT, CHA). Der Dachstuhl ist in Form eines doppelten Hängewerks ausgeführt und wurde in verschiedenen Bauphasen erneuert. Demzufolge sind neben den bauzeitlichen Eichenholzbalken auch Rundhölzer aus Nadelholz vorzufinden (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">An der nördlichen Giebelfassade des Wohnhauses befindet sich die leicht zurückversetzte zweigeschossige Scheune. Die zur Straße orientierte Hauptfassade wird durch eine unregelmäßige Anordnung von Öffnungen geprägt; darunter Scheunentore, Stalltüren, Atelierfenster und Ladeluken.</p>\n<p class=\"lf-p\">Wie schon erwähnt, ist im oberen Bereich der Fassade eine Sandsteinplatte mit dem Erbauungsdatum ‚1812‘ integriert. Der Dachstuhl wurde im Zuge eines Brandes im Jahr 1946 fast gänzlich zerstört und im selben Jahr wieder neu aufgebaut.3 Der Innenbereich der Scheune ist mit Kopfsteinpflaster ausgelegt.</p>\n<p class=\"lf-p\">Der Streckhof, dessen Gestaltung den für das frühe 19. Jahrhundert typischen Übergang zwischen Spätbarock und Frühklassizismus widerspiegelt, spielt schon allein durch seine Lage im Ortskern von Kehlen eine bedeutende Rolle. Zudem weist er eine ablesbare Entwicklungsgeschichte auf, die bis in die Gegenwart an einzelnen Elementen nachvollziehbar bleibt. Hierzu zählen neben den spätbarocken Bestandteilen, die sich vor allem im Innenbereich des Gebäudes manifestieren – so etwa die geschwungenen Geländerstäbe der Eichenholztreppe und die segmentbogigen Gewände an der rückwärtigen Fassade – auch die historistische Umgestaltungsphase der Hauptfassade, die sich anhand von aufgeputzten Gestaltungselementen offenbart. Das Bauwerk zeichnet sich durch die Vielzahl an authentisch erhaltenen Bauelementen aus, die es zu einem wichtigen Zeitzeugen machen.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Bürgermeister, o. T., [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Kehlen, Kehlen, 1946.</p>\n<p class=\"lf-p\">58 Aufgrund der zuvor dargelegten Merkmale ist dieses Objekt seit dem 5. September 2022 als Patrimoine culturel national unter Schutz gestellt.4 Nach Abschluss der Inventarisierungsarbeiten in der Gemeinde Kehlen kann bestätigt werden, dass das hier beschriebene Anwesen noch immer die notwendigen Kriterien erfüllt, um als Patrimoine culturel national zu gelten und entsprechenden Schutz zu genießen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (BTY) Bautypus, (ENT) Entwicklungsgeschichte 4 Institut national pour le patrimoine architectural, Kehlen. 6, rue de Keispelt, Institut national pour le patrimoine architectural, Protection juridique, classement comme patrimoine culturel national, 2022.</p>\n<p class=\"lf-p\">59 Kehlen |7, rue de Keispelt In unmittelbarer Nähe zum Dorfkern von Kehlen befindet sich der vom Straßenraum durch eine Mauer abgetrennte Streckhof ‚A Knepper‘.1 Das Wohnhaus dieser einstigen Hofanlage wurde 1898 in historistischer Formensprache nach Plänen des damaligen Staatsarchitekten Jean-Pierre Knepper (1851-1929) gebaut (AUT, GAT, CHA, AIW).2 Der nach Osten und zur Straße ausgerichtete Teil des Hauses diente einst als Schuhladen, worauf bis Ende der 1970er-Jahre noch ein an der Ostfassade angebrachtes Schriftfeld hinwies.3 Im Norden schließt die ehemalige Scheune mit deutlich niedrigerer Firsthöhe an das Wohnhaus an. Sie wurde innen komplett zu Wohnzwecken umgebaut und offenbart nur noch sehr wenige authentische Bauelemente, so etwa verschiedene Sandsteingewände um Fenster, Türen, Scheunentor und Lüftungsschlitze in den Ost- und Westfassaden sowie Teile des Dachstuhls im Inneren.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das zweigeschossige, dreiachsige Wohnhaus wird durch einen schmalen, eingefriedeten Vorgartenbereich vom öffentlichen Raum getrennt (AUT, CHA). Die Abgrenzung zur Straße bildet eine hüfthohe Mauer aus bossierten Sandsteinquadern mit einer nach oben abschließenden Sandsteinabdeckung und einem darauf befestigten schmiedeeisernen Zaun (AUT, CHA). An jeder Ecke der Vorgartenmauer steht ein Sandsteinpfeiler mit scharrierten Rändern, Pilastermotiv und abschließendem Diamantquader (AUT, CHA). Die Gestaltung der Pfeiler, des Tors und des Zauns war seitens des Architekten dekorativer und aufwendiger geplant, wurde allerdings einfacher ausgeführt.4 Der Zugang zum Gebäude erfolgt über den gepflasterten Freibereich vor der ehemaligen Scheune und das seitlich des Hauses liegende, authentisch erhaltene schmiedeeiserne Tor (AUT, CHA). In dem aus Sandsteinquadern gebauten Sockel sind rechts und links der zweiläufigen Sandsteintreppe mit überliefertem schmiedeeisernem Geländer je ein Kellerfenster mit stockgefaster Sandsteinrahmung überliefert (AUT, CHA).5 An den Ecken des Hauses geht der steinsichtige Sockel in vergleichbar gestaltete Ecklisenen über (AUT, CHA). Die zweiflügelige kassettierte Haustür aus Holz zeigt sich mit zwei hochrechteckigen Glaseinsätzen mit davorgesetztem schmiedeeisernem Gitter sowie separatem Oberlicht (AUT, CHA). Sie war einst die Eingangstür des Schuhgeschäfts und wird von einem profilierten, gefasten Sandsteingewände mit einer Eckohrung umrahmt (AUT, CHA). Die Sandsteingewände aller Fenster der Ostfassade sind mit Blick auf die Gestaltung demjenigen der Haustür gleich, sind darüber hinaus aber mit einer abgeschrägten Sandsteinfensterbank ausgestattet (AUT, CHA). Die Hauptfassade schließt mit einer Holztraufe ab. Darüber erheben sich das einseitige Krüppelwalmdach mit englischer Schieferdeckung sowie drei Dreiecksgiebelgauben mit Satteldach 1 Reuter, Jérôme, Al Haisernimm vun den Uertschaften: Kielen, Ollem, Meespelt (Meester), Privatsammlung Jérôme Reuter, Kehlen, 2019, o. S.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Knepper-Gloesener, Jean-Pierre, Entwurf zu einem Wohngebäude für Herrn H. Knepper in Kehlen, [Plan], Privatbesitz, Diekirch, 15.02.1898.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Vgl. Knepper-Gloesener, Jean-Pierre, Entwurf zu einem Wohngebäude für Herrn H. Knepper in Kehlen, [Plan], Privatbesitz, Diekirch, 15.02.1898: Auf dem Plan des Architekten Knepper ist dieser Raum mit „Magazin“ bezeichnet; Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatbesitz, Kehlen, 1978.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Vgl. Knepper-Gloesener, Jean-Pierre, Projet d’un mur de cloture avec grillage en (...) M. H. Knepper à Kehlen, [Plan], Privatbesitz, Diekirch, 1898; Knepper-Gloesener, Jean-Pierre, Entwurf zur Herstellung einer Abschlussmauer mit eisernem Thore &amp; Geländer beim Hause des Herrn H. Knepper in Kehlen, II tes Projekt, [Plan], Privatbesitz, Diekirch, 1898: Wie auf den Plänen zu erkennen ist, war das Tor ursprünglich in die hüfthohe Mauer vor dem Haus integriert und wurde von den heutzutage an den Ecken stehenden Pfeilern flankiert. Dies war so noch bis in die 1990er-Jahre, als die Rue de Keispelt erneuert wurde.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Knepper-Gloesener, Jean-Pierre, Entwurf zur Herstellung einer Abschlussmauer mit eisernem Thore &amp; Geländer beim Hause des Herrn H. Knepper in Kehlen, II tes Projekt, [Plan], Privatbesitz, Diekirch, 1898.</p>\n<p class=\"lf-p\">60 und zierender Dachbekrönung (AUT, CHA).6 Der Sockel aus Sandsteinquadern mit den zwei Kellerfenstern und die Ecklisenen der zweiachsigen Giebelfassade sind mit jenen der Hauptfassade vergleichbar (AUT, CHA). Die bis zu Beginn der 1990er-Jahre existente Haustür, die an zentraler Position in der Südfassade saß, wurde entfernt; sie diente einst als Eingang zum Wohnhaus. 7 Alle Fenster in Erd-, Ober- und Dachgeschoss zeigen die gleichen Gestaltungsmerkmale wie jene der Ostfassade (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die nach Westen ausgerichtete Rückfassade zeichnet sich durch einen Mittelrisalit aus, der das Treppenhaus aufnimmt, und zeigt ein hochrechteckiges Doppelfenster im Erdgeschoss, eine hochrechteckige Öffnung im Obergeschoss sowie ein kleines quadratisches Fenster darüber (AUT, CHA). Sie werden alle von einfach ausgeführten und stockgefasten Sandsteingewänden umrahmt (AUT, CHA). Die hochrechteckigen Fenster rechts und links des Risalits wurden in gleicher Manier gestaltet (AUT, CHA). Das hier einst bestehende linke Fenster im Erdgeschoss wurde im Jahr 1988 durch eine Eingangstür ersetzt.8 Die gleichzeitig unterhalb dieser Tür errichtete Sandsteintreppe wurde aus Teilen der früher am Südgiebel existierenden doppelläufigen Treppe errichtet.9 Im Inneren des Wohnhauses ist die ursprüngliche Grundstruktur fast vollständig erhalten (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Der sich über die gesamte Fläche des Hauses erstreckende Keller besteht aus drei Räumen mit bauzeitlich erhaltenen preußischen Kappendecken, Fensteröffnungen und Bodenfliesen (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Über eine Holztreppe gelangt man ins Erdgeschoss, wo der Flur des ehemaligen Seiteneingangs in die rechts und links anschließenden Wohnzimmer integriert wurde, um so einen großen Raum zu bilden.10 Sämtliche Holztüren – eine davon mit zwei hochrechteckigen Glasfeldern – sind kassettiert und werden von Holzzargen umrahmt (AUT, CHA). Überliefert sind weiterhin der Eichenholzboden im heutigen Eingangsbereich, dem ehemaligen Schuhgeschäft (AUT, CHA). Ebenfalls bauzeitlich überliefert ist die kleine hölzerne Durchreiche mit kassettierter Tür, die einst das Wohnzimmer mit dem Laden verbunden hat (AUT, CHA). Im gesamten Erdgeschoss zeugen aufwendig gestaltete umlaufende und zentrale Stuckelemente sowie mehrfarbige Steingutfliesen aus dem einst in TrierEhrang ansässigen Werk Lamberty-Servais &amp; Cie von der Entstehungszeit des Hauses (AUT, CHA).11 Von der ehemaligen Küche führen zwei Sandsteinstufen hinunter in die einstige Waschküche, wo eine preußische Kappendecke, ein Backofen, ein Schieferwaschbecken und ein scharriertes Türgewände aus Sandstein überliefert sind (AUT, CHA). Eine Holztreppe mit Geländer aus gusseisernen Stäben und Holzhandlauf führt ins Obergeschoss (AUT, CHA). Auch hier ist die Grundstruktur bis auf eine nachträglich eingezogene Wand im nördlichen Bereich komplett erhalten (AUT, CHA).12 Ebenso 6 Wie es die Pläne des Architekten Knepper zeigen, war die Scheune in einer ersten Phase wohl nicht geplant, denn das Hausdach ist hier beidseitig als Krüppelwalmdach gezeichnet worden.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Vgl. Bürgermeister, Autorisation de Construire. N. 3/91, [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Kehlen, Kehlen, 04.02.1991; Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatbesitz, Kehlen, 1978; Knepper-Gloesener, JeanPierre, Entwurf zu einem Wohngebäude für Herrn H. Knepper in Kehlen, [Plan], Privatbesitz, Diekirch, 15.02.1898.</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Vgl. Bürgermeister, Autorisation de Construire. 120/88, [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Kehlen, Kehlen, 29.08.1988; Knepper-Gloesener, Jean-Pierre, Entwurf zu einem Wohngebäude für Herrn H. Knepper in Kehlen, [Plan], Privatbesitz, Diekirch, 15.02.1898: Vermutlich wurden hier Teile der einstigen Fensterrahmung wiederverwendet.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Vgl. mündliche Auskunft vor Ort, am 12. Dezember 2022; Knepper-Gloesener, Jean-Pierre, Entwurf zu einem Wohngebäude für Herrn H. Knepper in Kehlen, [Plan], Privatbesitz, Diekirch, 15.02.1898.</p>\n<p class=\"lf-p\">10 Vgl. mündliche Auskunft vor Ort, am 12. Dezember 2022; Knepper-Gloesener, Jean-Pierre, Entwurf zu einem Wohngebäude für Herrn H. Knepper in Kehlen, [Plan], Privatbesitz, Diekirch, 15.02.1898.</p>\n<p class=\"lf-p\">11 Im Keller konnten Reste dieser Fliesen deren Herkunft bestätigen.</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Vgl. mündliche Auskunft vor Ort, am 12. Dezember 2022; Knepper-Gloesener, Jean-Pierre, Entwurf zu einem Wohngebäude für Herrn H. Knepper in Kehlen, [Plan], Privatbesitz, Diekirch, 15.02.1898.</p>\n<p class=\"lf-p\">61 zeugen die kassettierten Holztüren mit teils markanten Türlaibungen, der Holzfußboden sowie die verschiedenartig gestalteten Decken mit Stuckdekor von der Entstehungszeit des Hauses (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das Dachgeschoss wurde teils zu Wohnzwecken umgebaut, wobei Elemente des bauzeitlichen Dachstuhls mit Abbundzeichen erhalten und sichtbar belassen sind (AUT, CHA). Der restliche Bereich des Dachgeschosses ist unverändert. Außer dem erhaltenen Dachstuhl aus Weich- und Hartholz sind hier auch die im Schachbrettmuster verlegten schwarzen und weißen Fliesen, ebenfalls von LambertyServais &amp; Cie, überliefert (AUT, CHA).13 Das Wohnhaus des in unmittelbarer Nähe zum Dorfkern von Kehlen stehenden Streckhofs ‚A Knepper‘ wurde 1898 in historistischer Formensprache nach Plänen des damaligen Staatsarchitekten JeanPierre Knepper gebaut und ist bis heute fast vollständig in dieser Form erhalten. Der authentische Eindruck bestätigt sich nicht nur in der historistischen Fassadengestaltung, sondern vor allem im Inneren. Grundstruktur und Gestalt des Hauses blieben weitestgehend unverändert. Auch die bauzeitliche Ausstattung – wie Holzfußböden, -türen und -treppe, aufwendig gestalteter Deckenstuck, Fliesen aus den Lamberty-Servais-&amp;-Cie-Werken in Trier-Ehrang, ein Backofen und ein Schieferwaschbecken sowie preußische Kappendecken – ist größtenteils erhalten. Aufgrund der Vielzahl an charakteristischen Gestaltungselementen, die authentisch überdauert haben, gilt es, das Wohnhaus des ehemaligen Streckhofs ‚A Knepper‘ als national schützenswert einzustufen und somit für die Zukunft zu bewahren.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (AIW) Architekten-, Künstler- oder Ingenieurswerk 13 Die Herkunft der Fliesen konnte am Stempel der Produktionsfirma, der sich auf der Rückseite befindet, abgelesen werden.</p>\n<p class=\"lf-p\">62 Kehlen |9, rue de Keispelt In unmittelbarer Nähe zum Dorfkern von Kehlen befindet sich das imposante, vom Straßenraum durch eine Mauer abgetrennte Anwesen, das der Überlieferung nach ‚Maison Adam‘, ‚An Hentzes‘ oder auch ‚A Weickesch‘ genannt wird, und das einst wohl für einen wohlhabenden Pferdehändler errichtet wurde.1 Diese Hofanlage ist schon auf dem 1822 datierten Urkataster verzeichnet. 2 Seither hat das Bauwerk einige Veränderungen erlebt. Bereits in den 1970er-Jahren waren die ehemals reich verzierten Gewände des Wohnhauses zerstört worden, Ende der 1990er-Jahre wurde das Anwesen umfassend modernisiert und im Innenbereich komplett umstrukturiert, weshalb die Hofanlage insgesamt heute nicht mehr die Kriterien für eine nationale Unterschutzstellung erfüllt.3 Authentisch erhalten blieb bei diesen Maßnahmen indes das sogenannte ‚Kanounentiirmchen‘, eine gewagte Konstruktion, die 1893 auf dem Dachstuhl eines älteren Stallgebäudes errichtet wurde (AUT, SEL, CHA).4 Das Türmchen, ein Folly, soll von den Junggesellen der Familie Adam gebaut worden sein und zwar als Reaktion auf einen seinerzeitigen Scheunenneubau, der zum Streit mit den Nachbarn (7, rue de Keispelt) geführt hatte (GAT). Um besagte Scheune, die sich direkt auf der Parzellengrenze befindet, zu übertrumpfen, realisierten sie das markante hochaufragende schmale ‚Kanounentiirmchen‘, das den Scheunenbau nicht nur an Höhe deutlich übertraf, sondern die Nachbarn zudem mit einer auf sie gerichteten symbolischen Kanone bedrohte, die als steinernes Dekor das Äußere des eigensinnigen Turms bis heute ziert. 5 Das schlanke Bauwerk gehörte fortan zu den Elementen, die die Ortssilhouette von Kehlen prägten (SOH). So ist der Turm etwa auf Fotos der Jugend-Fußballmannschaften deutlich zu erkennen, die anlässlich eines Vereinsjubiläums 1973 aufgenommen wurden.6 Auf einer Postkarte, die 1902 abgestempelt wurde, ist das Anwesen ‚Maison Adam‘ mit Nebengebäuden und Türmchen sichtbar, die Scheune des Nachbarn wurde allerdings herausretuschiert.7 Der ehemalige Stall, der als Sockel für den Turm dient, bildet die südliche Begrenzung zum Nachbargrundstück. Zur Straße hin ist der zweigeschossige, traufständige Kopfbau nicht durchfenstert, zum Hof hin sind in der giebelständigen Fassade verschiedene Öffnungen in profilierten Sandsteingewänden erhalten (AUT, CHA). Neben dem zweiflügeligen Stalltor ist ein rundes Fenster zu sehen; zwei nach gleicher Bauart ausgeführte Fenster belichten das Obergeschoss. Unter der Giebelspitze lässt eine kleine, dreiteilige Öffnung mit hervorstehender Fensterbank noch die</p>\n<p class=\"lf-p\">ehemalige Nutzung als Taubenschlag erkennen (AUT, CHA). An diesen Kopfbau schließt entlang der Parzellengrenze ein eingeschossiger Stallanbau mit Pultdach an, der bei der jüngsten Umbaumaßnahme zu Wohnzwecken umgenutzt wurde. 8 Im Inneren des Kopfbaus wird im ersten Stockwerk ersichtlich, dass die gesamte Turmkonstruktion auf der hinteren Traufmauer sowie auf 1 Vgl. mündliche Auskunft vor Ort, am 22. April 2021; Friederich, Evy, ,Kuriositäten um Kehlen‘, in: F. C.</p>\n<p class=\"lf-p\">Kehlen, Inauguration du nouveau terrain de football à Kehlen, Hollerich, 1984, o. S.; Reuter, Jérôme, Al Haisernimm vun den Uertschaften: Kielen, Ollem, Meespelt (Meester), Privatsammlung Jérôme Reuter, Kehlen, 2019, o. S.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Kehlen A4, ANLux, 1822 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Vgl. mündliche Auskunft vor Ort, am 22. April 2021; Obertin, Claude, Kehlen. 9, rue de Keispelt, Institut national pour le patrimoine architectural, Inventar der Bauernhäuser, 1997.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Directeur des Travaux publics, Permission de voirie N° 823A, Privatbesitz Joël Adam, Luxemburg, 19. 08. 1898.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Friederich, Evy, ,Kuriositäten um Kehlen‘, in: F. C. Kehlen, Inauguration du nouveau terrain de football à Kehlen, Hollerich, 1984, o. S.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 F. C. Kehlen, Festivités de l’Inauguration du I. drapeau du F. C. Kehlen. 5 août 1973. Semaine du football. 29. juillet – 5 août 1973, o. O., o. J., S. 20, Abbildung.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Anonym, Panorama Kehlen, [Postkarte], hrsg. von Hamper-Pesch, BnL, Nr. 7444, Mamer, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Mündliche Auskunft vor Ort, am 22. April 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">63 Teilen des Dachstuhls aufliegt, was zu statischen Problemen führte, die sich an der Rissbildung des Mauerwerks manifestieren. Das schlanke ‚Kanounentiirmchen‘ ist im Gegensatz zu seinem aus Sandstein-Bruchstein erbauten Sockelgebäude aus leichteren, hellen Zementziegeln erbaut, die für das späte 19. Jahrhundert ein überaus modernes Baumaterial waren (AUT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Von außen präsentiert sich der Turm mit einer dicken Verputzschicht, in die eine regelmäßige Quaderoptik eingeritzt wurde: eine der vielen Anspielungen auf einen mittelalterlichen Wehrturm (AUT, SEL). Oberhalb des Firstniveaus des Kopfbaus befand sich einst ein Umgang aus Holzdielen, die auf überlieferten feingliedrigen Metallkonsolen auflagen. Zum Haupthaus hin ist die Türöffnung sichtbar, die einst auf den einem Wehrgang nachempfundenen Austritt führte. Die schmalen Fensterschlitze, die nach drei Seiten (auch zum Grundstück des Nachbarn!) weisen, sind mit Gewänden aus Putz versehen, die seitliche Ohrungen und giebelförmige Stürze aufweisen (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Ein doppelter Bogenfries ziert das Dachgesims, auf dem die polygonale Dachhaube mit breitem Überstand und Aufschiebling aufsitzt. Eine inzwischen leicht windschiefe Dachbekrönung in Form einer Vase mit floralem Dekor bildet die Spitze der Turmkonstruktion und steht im Kontrast zum übrigen, um mittelalterliche Reminiszenzen bemühten Zierwerk (AUT, CHA). Besonders beachtenswert sind die aufgeputzten Reliefs, die den Turm schmücken. Zum Nachbargrundstück nach Westen ist hier die bereits genannte Kanone zu sehen, die mit drei Kanonenkugeln die wenig freundlichen Absichten der Bauherren dokumentiert. Sie steht auf einer felsartig gestalteten Bodenlinie auf, das Rad und die Kanonenmündung weisen verwitterungsbedingte Schadstellen auf (von einem feindlichen Beschuss der Nachbarn muss hier nicht ausgegangen werden). Zur Straßenseite ist ein von zwei Löwen flankiertes bekröntes Wappen mit dem Datum ‚1576‘ zu sehen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Bei dem mit einer Kugeldarstellung versehenen Wappen scheint es sich um ein Phantasieprodukt zu handeln; auch zum angegebenen Datum konnte bislang keine historische Verbindung hergestellt werden – zumal der Turm ja erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. 9 Zwischen Wappenfeld und Dachgesims ist ein weiteres dreiteiliges Taubenloch zu sehen, das die Formgebung des Fensters am Kopfbau aufnimmt, dessen Gewände allerdings aus Putz gefertigt ist. Ein offensichtlich vorgefertigter Engelskopf aus Stuck mit Konsole schließt direkt an das Bogengesims an (AUT, SEL).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das schlanke Türmchen bietet im Innenraum gerade genug Platz für eine spartanische Spindeltreppe aus rohen Holzbrettern, die entlang der Innenwände mit gekalktem Magerputz bis fast zum Dach führt (AUT). Eine schmale Holzbrettertür mit kleinem Glasfeld zeugt noch vom Zugang zum einstigen ‚Wehrgang‘ (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Bis heute hat sich der ehemalige Stall, der die südliche Begrenzung zum Nachbargrundstück bildet, mitsamt dem später hinzugefügten ‚Kanounentiirmchen‘ als Wahrzeichen Kehlens erhalten. Der Turm ist dabei klar als Folly zu bewerten, also als ein Bauwerk, das zum Zweck der reinen Zierde errichtet wurde und das auf einer exzentrischen Idee basiert oder eine ungewöhnliche Gestaltung zeigt. Auf den Turm in Kehlen treffen all die genannten Charakteristika zu. Als ein solches Folly kommt dem Bauwerk in Luxemburg ein Seltenheitswert zu. Seine authentische Bausubstanz und seine teils für die Bauzeit charakteristischen, teils aber auch seltenen Details zeichnen das schlanke Bauwerk aus. Als einmalig sind dabei die eigens für den Turm entworfenen Putzreliefs hervorzuheben, die die Geschichte des Nachbarschaftsstreits, der zur Erbauung führte, bis heute in Erinnerung halten.</p>\n<p class=\"lf-p\">Aufgrund der zuvor dargelegten Merkmale ist dieses Objekt seit dem 27. Oktober 2022 als Patrimoine 9 Friederich, Evy, ,Kuriositäten um Kehlen‘, in: F. C. Kehlen, Inauguration du nouveau terrain de football à Kehlen, Hollerich, 1984, o. S.</p>\n<p class=\"lf-p\">64 culturel national unter Schutz gestellt.10 Nach Abschluss der Inventarisierungsarbeiten in der Gemeinde Kehlen kann bestätigt werden, dass das hier beschriebene Folly noch immer die notwendigen Kriterien erfüllt, um als Patrimoine culturel national zu gelten und entsprechenden Schutz zu genießen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (SOH) Siedlungs-, Orts- oder Heimatgeschichte 10 Institut national pour le patrimoine architectural, Kehlen, 9, rue de Keispelt, Institut national pour le patrimoine architectural, Protection juridique, classement comme patrimoine culturel national, 2022.</p>\n<p class=\"lf-p\">65 Kehlen |9 + 11, rue du Kiem Südlich des historischen Ortskerns steht an den Ausläufern des Ortes Kehlen und unweit der heutigen Gemeindeverwaltung in der Rue du Kiem der Bauernhof ,A Kiemerten‘ (GAT).1 Das Erbauungsdatum des Streckhofes ist nicht exakt nachvollziehbar (BTY). Historische Katasterauszüge bestätigen indes, dass das Wohnhaus bereits im Jahr 1851 bestanden hat und etwa 1876 um die rechts anschließende Scheune erweitert wurde, an die wiederum 1909 angebaut wurde.2 Da das Gebäude noch nicht auf dem Urkataster verzeichnet ist, kann eine Erbauungszeit im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts angenommen werden.3 Der traufständig zur Straße stehende, langgestreckte Bauernhof besteht aus einem Wohnhaus und einer rechts anschließenden Scheune sowie einem rezenten Erweiterungsbau an der Scheune. Mit Blick auf seine formale Gestaltung ist das Wohnhaus am Übergang von Klassizismus zu Historismus einzuordnen, da die Fassadengliederung klassizistisch geprägt ist, im Dekor der Fenstereinfassungen aber bereits Anklänge des Historismus erkennen lässt (AUT, CHA). Das dreiachsige, zweigeschossige Wohnhaus erhebt sich über einem Kellergeschoss, das sich in der Sockelzone durch aufgeputzte Quader abhebt (AUT). Den seitlichen Abschluss des Wohnhauses bildet je eine Lisene in Quaderoptik, die in die hölzerne Traufe übergeht (AUT, CHA). In der rechten Achse befindet sich auf Kellergeschossniveau ein bis in den Sockelbereich reichender Zugang mit rundbogigem Abschluss, der beidseitig von je einem querrechteckigen Fenster flankiert wird. Die Gewände der Kellertür und der angrenzenden Fenster wurden aus Sandstein hergestellt (AUT). Das Erdgeschoss ist erhöht und über eine frontale Sandsteintreppe in der mittleren Gebäudeachse zu erreichen. Die vermutlich in den 1950er-Jahren erneuerte hölzerne Haustür mit zentraler großflächiger Verglasung aus Strukturglas und Vergitterung sowie einem Oberlicht wird von einem profilierten Sandsteingewände in klassizistischer Formensprache mit Prellsteinen umrahmt (AUT, CHA, ENT).4 Den oberen Abschluss des Gewändes bildet eine Verdachung mit historistisch anmutender Rankenverzierung (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Flankiert wird die Haustür beidseitig von jeweils einem Holzfenster. Umrahmt werden die Fenster von scharrierten Sandsteingewänden, die ähnlich wie jenes der Eingangstür gestaltet sind (AUT, CHA). Den unteren Abschluss der Fenster bildet eine profilierte Fensterbank. Die drei Fenster des Obergeschosses sind vergleichbar gestaltet. Unter den Fensterbänken befindet sich hier je ein Brüstungsfeld mit quastenähnlicher Verzierung und einer rau aufgeputzten Kartusche (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Abschließend findet sich über der Holztraufe ein mit Faserzementziegeln gedecktes einseitiges Krüppelwalmdach.</p>\n<p class=\"lf-p\">Der zugehörige Wirtschaftstrakt des Hofes besteht aus zwei Teilen, wovon lediglich die unmittelbar angebaute Scheune für die Denkmalbewertung eine Rolle spielt. Es handelt sich um ein dreiachsiges, zweigeschossiges Gebäude mit aufgeputztem Sockel und einer mittig gelegenen Holzlattentür.</p>\n<p class=\"lf-p\">Flankiert wird die Tür von jeweils einem querrechteckigen Fenster mit Metallsprossen. Die Fenster und der Eingang verfügen über scharrierte Sandsteingewände mit geradem Sturz (AUT, CHA). Eine rundbogige Ladeluke mit ebensolchem Gewände ist oberhalb der Eingangstür zu sehen (AUT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Unterhalb der hölzernen Traufe finden sich drei kleine hochrechteckige Lüftungsluken mit schlichten aufgeputzten Gewänden (AUT, CHA). An der Scheune ist eine dem Wohnhaus entsprechende Dachdeckung sowie ein einseitiges Krüppelwalmdach vorzufinden.</p>\n<p class=\"lf-p\">1 Reuter, Jérôme, Al Haisernimm vun den Uertschaften: Kielen, Ollem, Meespelt (Meester), Privatsammlung Jérôme Reuter, Kehlen, 2019, o. S.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 221.</p>\n<p class=\"lf-p\">Kehlen. 9, rue du Kiem. 2113/7171, 1851; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases Croquis. N. 1338. Kehlen. 9, rue du Kiem. 2113/7171, 1876.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Kehlen A4, ANLux, 1822 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Anonym, Kehlen. 9, rue du Kiem, [Fotografische Aufnahme], Institut national pour le patrimoine architectural, subside à la restauration, 2012/0404/P, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">66 Der Bauernhof ,A Kiemerten‘ prägt seit rund 150 Jahren den südlichen Ortsteil von Kehlen und ist somit Teil der Geschichte des Dorfes und ein erhaltenswertes Zeugnis der Entwicklung der Ortschaft.</p>\n<p class=\"lf-p\">Besonders hervorzuheben ist seine nahezu unveränderte, authentisch überlieferte Fassadengestaltung in der Formensprache seiner Entstehungszeit. Dabei sind insbesondere die handwerklich gearbeiteten Tür- und Fenstereinfassungen des Wohnhauses mit dem Pflanzendekor hervorzuheben. Aufgrund der authentisch überlieferten Fassadengestaltung und der bauzeitlichen Ausstattungselemente wurde der Streckhof als Monument national am 27. September 2019 unter nationalen Schutz gestellt.5 Mit dem Inkrafttreten des Kulturschutzgesetzes vom 25. Februar 2022 änderte sich die bis dahin gültige Statusbezeichnung eines national geschützten Kulturguts. Seither gelten alle unter nationalem Schutz stehenden Gebäude, Stätten und Objekte als Patrimoine culturel national. Vor Inkrafttreten dieses Gesetzes waren geschützte Baukulturgüter entweder als Monument national geführt oder in das Inventaire supplémentaire eingetragen. Die Definition als Patrimoine culturel national erfolgt indes auch bei bereits unter Denkmalschutz stehenden Kulturgütern nicht automatisch. Generell gilt, dass erst ein für die gesamte Gemeinde erstelltes wissenschaftliches Inventar und die damit verbundene Analyse der historischen Bausubstanz Aufschluss darüber geben können, ob ein Gebäude, ein Objekt oder eine Stätte für die weitere Zukunft zu erhalten ist. Nach Abschluss der Inventarisierungsarbeiten in der Gemeinde Kehlen kann bestätigt werden, dass die Fassade von Wohnhaus und rechts angrenzendem Stall des hier beschriebenen Bauernhofs die notwendigen Kriterien erfüllt, um als Patrimoine culturel national zu gelten und entsprechenden Schutz zu genießen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Cha-rakteristisch für die Entstehungszeit, (BTY) Bautypus, (ENT) Entwicklungsgeschichte 5 Service des sites et monuments nationaux, Kehlen, 9, rue du Kiem, Institut national pour le patrimoine architectural, Protection juridique, classement comme monument national, 2019.</p>\n<p class=\"lf-p\">67 Kehlen |o, N., In der Acker Die Mauer befindet sich an den südlichen Ausläufern des Ortes und erstreckt sich entlang der Rue du Kiem (SEL, GAT). Eine exakte Datierung ist aufgrund fehlender Quellen nicht möglich. Wahrscheinlich steht ihre Erbauung im Zusammenhang mit den bereits auf dem Urkataster von 1822 eingetragenen Höfen in der Rue du Kiem.1 Damals bildete das Objekt die westliche Grenze des südlichen Teils der Ortsbebauung (SOH). Die ursprüngliche Nutzung der Mauer, die Abgrenzung zwischen landwirtschaftlich genutzter Wiese und Straße, ist identisch zur heutigen Funktion (GAT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die durch ein Weidetor in zwei Teile geteilte Mauer folgt dem Verlauf der Rue du Kiem auf einer beachtlichen Länge von rund 86 Metern (SEL). Der nördliche Abschnitt der Mauer beträgt 65 Meter, während der südliche Teil eine Länge von 16 Meter aufweist. Dazwischen liegt das Tor von circa 5 Metern Breite. Die Höhe der Mauer bleibt auf ihrer gesamten Länge relativ konstant. Die aus Bruchsandstein erbaute Trennmauer weist verschiedene Steinformate auf (AUT, CHA). Den oberen Abschluss des Bauwerks bildet eine steinerne Dreiecksabdeckung, für die größere Steine verwendet wurden (AUT, CHA). Etwa auf halber Höhe des nördlichen Abschnitts befindet sich auf der der Wiese zugewandten westlichen Seite ein Stützpfeiler gleicher Bauart. Im Laufe ihrer Standzeit wurde die Mauer mehrmals ausgefugt und überputzt, um Schadstellen auszubessern und das Bauwerk zu stabilisieren. Besonders gut lassen sich die rezenten Verfugungen im südlichen Abschnitt erkennen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Trotz dieser Überarbeitungen zeichnen sich viele kleinere Schadstellen, Verformungen und Ausbauchungen an der Mauer ab. Zudem ist ein Teilstück fast vollständig abgegangen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Die vermutlich mindestens 200 Jahre alte Mauer ist ein Zeugnis der baulichen Entwicklung des südlichen Ortsteils von Kehlen. Solche Bruchsteinmauern waren noch vor einhundert Jahren in vielen Ortschaften üblich, inzwischen ist diese Gattung jedoch selten geworden. Trotz ihrer mehrmaligen Überarbeitung lässt die Mauer ihre traditionelle Bauweise, die charakteristisch für ihre Entstehungszeit ist, deutlich erkennen. Zudem ist die Mauer durch ihre ungewöhnliche Länge ein für ihre Bauzeit und Gattung seltenes Exemplar. Aus diesen Gründen ist sie bereits am 6. Juni 2019 in das Inventaire supplémentaire aufgenommen worden.2 Mit dem Inkrafttreten des Kulturschutzgesetzes vom 25. Februar 2022 änderte sich die bis dahin gültige Statusbezeichnung eines national geschützten Kulturguts. Seither gelten alle unter nationalem Schutz stehenden Gebäude, Stätten und Objekte als Patrimoine culturel national. Vor Inkrafttreten dieses Gesetzes waren geschützte Baukulturgüter entweder als Monument national geführt oder in das Inventaire supplémentaire eingetragen. Die Definition als Patrimoine culturel national erfolgt indes auch bei bereits unter Denkmalschutz stehenden Kulturgütern nicht automatisch. Generell gilt, dass erst ein für die gesamte Gemeinde erstelltes wissenschaftliches Inventar und die damit verbundene Analyse der historischen Bausubstanz Aufschluss darüber geben können, ob ein Gebäude, ein Objekt oder eine Stätte für die weitere Zukunft zu erhalten ist. Nach Abschluss der Inventarisierungsarbeiten in der Gemeinde Kehlen kann bestätigt werden, dass die hier beschriebene Mauer die notwendigen Kriterien erfüllt, um als Patrimoine culturel national zu gelten und entsprechenden Schutz zu genießen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (SOH) Siedlungs-, Orts- oder Heimatgeschichte 1 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Kehlen A4, 1822ff. (überarbeitete Version).</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Service des sites et monuments nationaux, Kehlen, Rue du Kiem (mur), Institut national pour le patrimoine architectural, Protection juridique, inscription à l’inventaire supplémentaire, 2019.</p>\n<p class=\"lf-p\">68 Kehlen |8, rue de Kopstal Vom Ortskern kommend folgt man der Rue de Kopstal bis zur Abzweigung der Rue de Schönberg, wo auf der rechten Seite das kleine Wohnhaus mit Nebengebäude zu finden ist (GAT). Auf der 1778 fertiggestellten Ferraris-Karte ist auf besagtem Areal bereits ein Bauwerk verzeichnet.1 In Anbetracht der abweichenden Form handelt es sich hierbei aber vermutlich um einen Vorgängerbau. Des Weiteren ist auf dem Urkataster von 1822 ein anderer Gebäudeumriss zu erkennen, der wahrscheinlich auf das heute noch vorhandene Nebengebäude an der Ostseite des Wohnhauses zutrifft.2 Die ehemalige Funktion dieses Gebäudes ist an der jetzigen Fassadengestaltung nicht mehr vollständig abzulesen. Infolge der Teilung der Parzelle im Jahr 1861 erfolgte der Bau des heutigen Wohnhauses.3 1866 wurden die separierten Grundstücke wieder zusammengefügt.4 Heute ist außerdem ein Anbau auf der Westseite des Wohnhauses vorzufinden sowie ein rezenter Anbau im Süden. Die beiden Gebäudehälften aus der ersten und zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ergeben nun eine Einheit, wobei die ursprüngliche Innenraumstruktur des Wohnhauses im Gegensatz zum Nebengebäude weitestgehend überliefert ist. Hier sind bis auf einige Sandsteingewände und eine Sandsteintraufe an der Straßenfassade sowie einen Keller mit preußischer Kappendecke und einen bauzeitlichen Dachstuhl keine weiteren historischen Elemente überliefert (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Dem mehrteiligen Gebäudekomplex ist ein schmaler Platz mit Kopfsteinpflaster vorgelagert. Das zweistöckige Wohnhaus sowie das Nebengebäude im Osten befinden sich in derselben Straßenflucht, lediglich der Anbau im Westen steht etwas zurückversetzt. Die einstige frontale Eingangstreppe wurde 1995 bei Straßenerweiterungen entfernt und durch eine zweiläufige Treppe mit Mittelpodest ersetzt. 5 Die ehemaligen Treppenstufen fanden einen neuen Platz an den zwei Kellerzugängen.6 Die mit preußischen Kappendecken ausgestatteten Keller befinden sich jeweils in der rechten Achse des Wohnhauses und des Nebengebäudes (AUT, CHA). Ein farblich abgesetzter Sockel verbindet optisch alle drei Gebäudeteile miteinander. Der Eingang zum Wohnhaus liegt in der linken Achse und wird von einer rezent eingesetzten kassettierten Holztür mit Oberlicht und einem sandsteinernen Gewände mit abgerundeten Innenecken und geradem Sturz definiert (AUT). Die Türschwelle ist mit einer geprägten Metallplatte belegt (AUT, CHA). Des Weiteren wird das einfache zweigeschossige Fassadenbild von großen Fensteröffnungen mit rahmenden Sandsteingewänden mit geradem Sturz markiert, die axial übereinander angeordnet sind (AUT, CHA). Eine karniesförmige Sandsteintraufe, ähnlich zu der des Nebengebäudes, schafft den Übergang zum im englischen Stil mit Schiefer gedeckten Krüppelwalmdach (AUT, CHA). Die Rückfassade offenbart mit Ausnahme zweier Sandsteingewände – ebenfalls mit geradem Sturz – keine weiteren historischen Bauelemente (AUT). Die Fassaden im Osten und im Westen werden aufgrund der Anbauten fast gänzlich verdeckt. Im südlich gelegenen Gartenbereich befindet sich ein aus Sandstein gemauerter Brunnen (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Im Innenraum wurden die drei Gebäudeteile über verschiedene Durchbrüche miteinander verbunden; die Raumstruktur des Wohnhauses ist dabei erhalten geblieben. Der Flurbereich ist mit neuen, 1 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des</p></div>", "next": 239853}