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Texte du-projet de règlement grand-ducal
Projet de règlement grand-ducal portant classement comme patrimoine culturel national de biens
immeubles figurant à l’inventaire du patrimoine architectural de la commune de Lorentzweiler
Nous Henri, Grand-Duc de Luxembourg, Duc de Nassau,
Vu la loi du 25 février 2022 relative au patrimoine culturel ;
Vu l’avis de la Commission pour le patrimoine culturel du 1er et 22 mars 2023 ;
Vu l’avis émis par le conseil communal de la commune de Lorentzweiler le 23 avril 2024 après
enquête publique ;
Vu la fiche financière ;
Le Conseil d’État entendu ;
Sur le rapport du Ministre de la Culture, et après délibération du Gouvernement en conseil ;
Arrêtons :
Art. 1er. Sont classés patrimoine culturel national les biens immeubles se situant sur le territoire de la
commune de Lorentzweiler suivants :
Description
Adresse ou lieu-dit
Numéro cadastre
Ferme
1, Aasselscheierhaff,
764/2694, 764/2695
ASSELSCHEUER
Croix de chemin
Rue de Blaschette, sans numéro,
758/2879
ASSELSCHEUER
Croix de chemin
Langenweg, sans numéro,
653/2713
ASSELSCHEUER
Ferme
18, rue de l’Ecole,
85/581
BLASCHETTE
Ferme
23, rue de l’Ecole,
73/419
BLASCHETTE
1
Ensemble église et
cimetière (détails sur plan
annexé)
12A, rue de Fischbach,
30/1709
Rue de Fischbach, sans numéro,
30/1710, 30/408
BLASCHETTE
Ferme, bildstock, stèle
Raashaff, sans nunéro,
951/2534
BLASCHETTE
Maison d’habitation
26, rue de Wormeldange,
36/478
BLASCHETTE
Chapelle
Rue de Wormeldange, sans
numéro,
951/2500
BLASCHETTE
Étable
In der Bergwies, sans numéro,
271/415, 271/416
BLASCHETTE
Lavoir
In Prevent, sans numéro,
366/0
BLASCHETTE
Réservoir d’eau et station
de pompage
Beim Rashof, sans numéro,
Maison d’habitation
152, route de Luxembourg,
949/1614
BLASCHETTE
1120/1209
BOFFERDANGE
Site mixte château de
Bofferdange
154, route de Luxembourg,
Croix de chemin
162, route de Luxembourg,
1171/672, 1171/2853
BOFFERDANGE
1287/1832
BOFFERDANGE
Maison d’habitation
193, route de Luxembourg,
1063/1246
BOFFERDANGE
Ensemble église et
mémoriaux
Route de Luxembourg, sans
numéro,
1116/2759, 1116/2760
BOFFERDANGE
Croix de chemin
5, rue de Helmdange,
328/2243
HELMDANGE
Maison d’habitation
117, route de Luxembourg,
343/2008
HELMDANGE
Maison d’habitation
137, route de Luxembourg,
340/1733
2
HELMDANGE
Ecole
142-144, route de Luxembourg,
178/2974
HELMDANGE
Site mixte niche Fautelfiels
Auf Kohlent, sans numéro,
512/893
HELMDANGE
Cimetière (détails sur plan
annexé)
Rue du Cimetière, sans numéro
Croix de chemin
Rue du Cimetière, sans numéro
544/962
HUNSDORF
LUREF : 77300E 84289N
HUNSDORF
Maison d’habitation
8, Am Haff,
348/1402
HUNSDORF
Ancienne école
2, rue de Prettange,
353/965
HUNSDORF
Église
40, rue de Steinsel,
360/1397, 360/1398
HUNSDORF
Maison d’habitation
55, rue de Steinsel,
365/1125
HUNSDORF
Croix de chemin
Maximeinerbüsch, sans numéro,
824/800
HUNSDORF
Pavillon de chasse
Maximeinerbüsch, sans numéro,
822/806
HUNSDORF
Ferme
45, rue de Gruenewald,
787/2603
KLINGELSCHEUER
Croix de chemin
Am Neuenweg, sans numéro,
582/1487
KLINGELSCHEUER
Maison d’habitation
37, rue Belle-Vue,
637/0
LORENTZWEILER
Monument mémorial
Place Ferdinand Dostert, sans
numéro,
731/3227
LORENTZWEILER
Ensemble ferme, chapelle
et croix de chemin
26, rue St. Laurent,
151/2924
LORENTZWEILER
3
Maison d’habitation
32, rue St. Laurent,
159/2162
LORENTZWEILER
Croix de chemin
Rue St. Laurent, sans numéro,
147/2657
LORENTZWEILER
Ensemble église et
cimetière (détails sur plan
annexé)
Rue St. Laurent, sans numéro,
57/3046, 57/3047, 56/1675
LORENTZWEILER
741/2378
Maison d’habitation
67A, route de Luxembourg,
730/2026
LORENTZWEILER
Gare
82, route de Luxembourg,
211/1359
LORENTZWEILER
Maison d’habitation
109, route de Luxembourg,
202/2141
LORENTZWEILER
Chapelle
Rue des Martyrs, sans numéro,
735/1991
LORENTZWEILER
Dépôt
Im Jungen Bandels, sans numéro,
955/1193
LORENTZWEILER
Art. 2. Le ministre ayant la Culture dans ses attributions est chargé de l’exécution du présent
règlement qui sera publié au Journal officiel du Grand-Duché de Luxembourg.
Le Ministre de la Culture
4
Annexe 1 : Inventaire du patrimoine architectural de la commune de Lorentzweiler
Wissenschaftliches Inventar der gebauten Kulturgüter
Die Gemeinde Lorentzweiler
Die Gemeinde Lorentzweiler liegt im Kanton Mersch und damit im geografischen Zentrum des
Großherzogtums Luxemburg. Die heutige Gemeinde wurde am 2. Oktober 1823 durch den
Zusammenschluss der damaligen Gemeinden Lorentzweiler und Hunsdorf gebildet.1 Sie umfasst eine
Grundfläche von 1.745 Hektar und zählte zu Beginn des Jahres 2022 insgesamt 4.437 Einwohner. 2
Nach den Gemeinden Mersch und Helperknapp weist Lorentzweiler damit die dritthöchste
Bevölkerungszahl im Kanton Mersch auf.3 Die gemeindeeigene Waldfläche umfasst 299 Hektar, das
im Besitz der Kommune befindliche Grün- und Ackerland beträgt sieben Hektar.4 Zur Gemeinde
gehören neben dem Hauptort Lorentzweiler die Dörfer Blaschette, Bofferdange, Helmdange und
Hunsdorf sowie die Weiler Asselscheuer und Klingelscheuer. Ganz im Süden des Kantons Mersch
gelegen, grenzt die Gemeinde Lorentzweiler nur an drei der neun anderen Gemeinden dieses Kantons
an: Mersch im Nordwesten, Lintgen im Norden und Fischbach im Nordosten. Im Osten trifft
Lorentzweiler auf die Nachbargemeinde Junglinster (Kanton Grevenmacher), im Süden auf die
Gemeinde Steinsel (Kanton Luxembourg) und schließlich im Westen auf die Gemeinden Kehlen und
Kopstal, die beide zum Kanton Capellen gehören.
Geologisch betrachtet zählt das Territorium der Gemeinde Lorentzweiler zum Gutland. In dieser
Region ist die für das Zentrum Luxemburgs typische „Stufenlandschaft“ zu finden, bei der sich im Laufe
der Jahrtausende zahlreiche Wasserläufe durch den anstehenden Luxemburger Sandstein bis in die
weicheren Mergelschichten gearbeitet haben, was zur Entstehung von weiten Tälern und
Hochplateaus geführt hat.5 Das durch ausgedehnte Felder und Wälder charakterisierte Gutland gehört
zu den landwirtschaftlich ertragreichsten Landstrichen des Großherzogtums, was insbesondere diesen
1
Vgl. Gemeng Luerenzweiler, Histoire de la Commune et de la Région, lorentzweiler.lu/histoire-de-la-communeet-de-la-region.html (15.03.2022); Fanfare de Helmdange, 25me anniversaire avec Inauguration d’un Nouveau
Drapeau. 1928-1953. Fêtes du 19 au 26 juillet 1953, [Broschüre], Luxemburg, o. J., S. 35, Anm. 3 und S. 54.
2
Gemeng Luerenzweiler, La Commune en chiffres, lorentzweiler.lu/la-commune-en-chiffres.html (15.03.2022).
Vgl.
Le
portail
des
statistiques.
Grand-Duché
de
Luxembourg,
Population
par
canton
et
commune
1821-2021,
statistiques.public.lu/stat/TableViewer/tableView.aspx?ReportId=12861&IF_
Language=fra&MainTheme=2&FldrName=1 (15.03.2022).
3
Le portail des statistiques. Grand-Duché de Luxembourg, Population par canton et commune 1821-2021,
statistiques.public.lu/stat/TableViewer/tableView.aspx?ReportId=12861&IF_Language=fra&MainTheme=2&Fl
drName=1 (15.03.2022).
4
Gemeng Luerenzweiler, La Commune en chiffres, lorentzweiler.lu/la-commune-en-chiffres.html (15.03.2022).
5
Lucius, M., ,Tektonik und Oberflächenformen des Gutlandes‘, in: ders., Vue d’ensemble sur l’aire de
sédimentation luxembourgeoise, o. O., o. J., S. 49-53, hier S. 49f. Vgl. Lucius, M., ‚Geologische Grundlagen der
Landschaftsformen von Mersch‘, in: Les Cahiers Luxembourgeois, Jahrgang 21, Heft 1, 1949, S. 7-16, hier S. 7f.
1
fruchtbaren Flusstälern geschuldet ist.6 In Kombination mit den leicht zugänglichen
Sandsteinvorkommen führte dies zur Entstehung großer landwirtschaftlicher Anwesen, die auch als
Gutlandhöfe bezeichnet werden. 7 Das landschaftliche Antlitz der Gemeinde Lorentzweiler ist
besonders charakterisiert durch das hier vergleichsweise breite Tal der Alzette, die von weiten
Grünflächen und bewaldeten Hängen flankiert wird. Mit Ausnahme der sich östlich dieses
landschaftsprägenden Flusses auf einem Hochplateau befindenden Siedlungen Blaschette,
Asselscheuer und Klingelscheuer haben sich alle anderen zur Gemeinde gehörenden Dörfer in der
Ebene und an den Hängen rechts und links der Alzette entwickelt. Schon früh wurde diese geologisch
und klimatisch begünstigte Gegend besiedelt: Archäologische Untersuchungen im betreffenden
Gebiet brachten Fundstücke zutage, die auf eine Anwesenheit des Menschen bereits im 3. und
4. vorchristlichen Jahrhundert schließen lassen.8
Die wohl spätestens im 9. nachchristlichen Jahrhundert geläufige Benennung des gleichnamigen
Hauptortes der Gemeinde Lorentzweiler verweist auf die enge Verbindung zum lokalen Schutzpatron,
dem Heiligen Laurentius.9 Auch das Wappen der Gemeinde offenbart den engen Bezug zu diesem
christlichen Blutzeugen: Der die Diagonale des Wappens bestimmende Rost ist als Sinnbild des
Martyriums anzusehen, das dem Heiligen Laurentius widerfahren sein soll.10 Die lange
zurückreichende Geschichte des Gebiets lässt sich indes nur noch bruchstückhaft anhand der bis in
die Gegenwart überdauerten Bausubstanz nachvollziehen: Das älteste Objekt, das im Zuge der
Inventarisierung in der Gemeinde aufgenommen und analysiert werden konnte, ist ein steinernes
Wegkreuz aus dem Jahr 1557, das in einer später errichteten, zu einem gleichsam bemerkenswerten
historischen Bauernhof gehörenden Wegkapelle aufgestellt ist (26, rue Saint Laurent in
Lorentzweiler).11
Mit Blick auf die infrastrukturelle Evolution der Ortschaft Lorentzweiler und der unmittelbar
angrenzenden Siedlungen ist der Anschluss an die Zugstrecke Luxemburg–Ettelbruck um die Mitte des
19. Jahrhunderts hervorzuheben. Hinsichtlich der Entwicklungen in der jüngsten Vergangenheit kann
konstatiert werden, dass die Bevölkerungszahl in der Gemeinde ab der zweiten Hälfte des
6
Meyers, Joseph, Studien zur Siedlungsgeschichte Luxemburgs. Mit 19 Karten und 5 Tabellen, 3. Aufl.,
Echternach, 1976, S. 7f.
7
Calteux, Georges, D’Lëtzebuerger Bauerenhaus, Band 1/3, Foetz, 1997, S. 220ff.
8
Vgl. u. a. Malget, Jean, Hünsdorf im Spiegel der Geschichte, Luxemburg, 1966, S. 3f.; Haffner, Alfred, ‚Das
Grabhügelfeld von Lorentzweiler-Blaschette. Zur Hallstattzeit in Luxemburg‘, in: Hémecht, Jahrgang 25, Heft 1,
Luxemburg, 1973, S. 401-417, hier S. 401.
9
Vgl. Heiderscheid, André, ‚Besinnliches von damals‘, in: Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler (Hrsg.),
Cinquantenaire de la Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler. 1934-1984, Luxemburg, 1984, S. 115-128, hier S. 117;
Heiderscheid, André, Lorentzweiler im Laufe der Jahrhunderte, Luxemburg, 1954, S. 5f. und 15f.; Noppeney,
Marcel, Le pentapole de Laurentvillers. Aperçu historique sur les localités alizontiennes de Lorentzweiler –
Bofferdange – Helmdange – Hunsdorf – Blaschette, Luxemburg, 1953, S. 6; Weiler, Charles, ‚1100 Jahre unter
dem Schutz des hl. Laurentius‘, in: Comité d’Organisation des Solennités du XIe Centenaire (Hrsg.), 1100 Joer
Luerentzwöller. 857-1967, Luxemburg, 1967, S. 10-12, hier S. 11; Fanfare de Helmdange, 25me anniversaire avec
Inauguration d’un Nouveau Drapeau. 1928-1953. Fêtes du 19 au 26 juillet 1953, [Broschüre], Luxemburg, o. J.,
S. 30; Heiderscheid, André, ‚Lorentzweiler – Luerentzwëller‘, in: nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur.
Numéro spécial „Kanton Miersch“, Jahrgang 34, Heft 3/4, Luxemburg, 2013, S. 179-193, hier S. 181.
10
Gemeng Luerenzweiler, Armoirie, lorentzweiler.lu/origine-et-signification-des-armoiries-de-la-commune-delorentzweiler.html (15.03.2022): Die anderen in das Wappen integrierten Symbole sowie die grundlegenden
Farben verweisen auf die verschiedenen Herrschaften, die im Laufe der Zeiten Güter im Bereich der heutigen
Gemeinde Lorentzweiler besaßen.
11
Maurer, Gilbert, ‚Die Kreuze am Wegrand zeugen aus der Vergangenheit!‘, in: Chorale Sainte-Cécile
Lorentzweiler (Hrsg.), Cinquantenaire de la Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler. 1934-1984, Luxemburg, 1984, S.
89-107, hier S. 101.
2
20. Jahrhunderts rasant zugenommen hat: Waren im Jahr 1970 noch 1.788 Einwohner gemeldet, so
waren dies zu Beginn des Jahres 2022 bereits 4.437.12 Dieses beträchtliche Wachstum lässt sich unter
anderem sicherlich mit der Nähe zur Stadt Luxemburg sowie der guten allgemeinen
Verkehrsanbindung der betreffenden Siedlungen erklären. Die gestiegene Einwohnerzahl zeigt sich
auch in veränderten Ortsbildern: Fast alle zur Gemeinde gehörenden Dörfer wuchsen in den letzten
fünf Dekaden merklich an, insbesondere jene im Tal, die nahe der Hauptachse in Richtung Hauptstadt
respektive Autobahnzufahrt (A 7) liegen. Die Folge dieser Entwicklung ist eine bemerkenswerte Zahl
an zum Teil sehr groß dimensionierten Wohnhausbauten, die insbesondere das heutige Bild der die
Orte Lorentzweiler, Helmdange und Bofferdange durchlaufenden Route de Luxembourg maßgeblich
prägen. Indes sind einst ansässige Betriebe, die vor allem dem Gewerbe- und Dienstleistungssektor
angehörten, fast in Gänze verschwunden, neue kamen kaum hinzu.
Inventarisierung
Schützenswerte Baukulturgüter sind mit ihren Veränderungen, die sie über die Zeit erfahren haben,
Geschichtsdokumente. In der Gemeinde Lorentzweiler sind derartige Objekte aus einer Zeitspanne
vom 16. bis zum 20. Jahrhundert zu finden. Für viele von diesen sind jedoch nur wenige Schriftquellen
vorhanden. Weil nicht nur einzelne Großbauten, sondern auch – und dies mehrheitlich – einfachere
und typisch ländliche Gebäude inventarisiert wurden, ist der vorliegende Band nicht nur ein
grundlegender Beitrag zur Architekturgeschichte im Speziellen, sondern auch zur allgemeinen
Luxemburger Kultur- und Geschichtswissenschaft. Primär richtet sich dieses Inventar der Gemeinde
Lorentzweiler an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, an Personen aus den Bereichen
Architektur und Planungswesen sowie an Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger der
Gemeinde, die über den Umgang mit schutzwürdigen Baukulturgütern mitentscheiden.
Die Inventarisierung ist ein mehrstufiger Prozess: Sie beginnt mit der Begutachtung aller Objekte, die
bis 1990 geschaffen wurden. Historische Quellen aus institutionellen wie privaten Archiven,
Sammlungen und Bibliotheken werden für jede Gemeinde gesichtet und ausgewertet. Es folgt die
systematische Erfassung einzelner Bauten und Stätten vor Ort. Konstruktionen, Materialien und
Verarbeitungen werden beschrieben und ihre etwaigen Veränderungen über die Zeit festgehalten.
Idealerweise erfolgen eine Innenbesichtigung der Gebäude und ein Gespräch mit den
Hausbewohnern, aus dem sich nicht selten wertvolle Hinweise auf die Baugeschichte ergeben. Die
anschließende Vertiefung der Quellenrecherche und die damit einhergehenden Analysen helfen
dabei, die vor Ort gemachten Beobachtungen zu überprüfen und bestenfalls zu stärken: Die daraus
gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen die adäquate Einordnung eines Objekts, auch im nationalen
Vergleich. Die Bewertung einzelner Bauwerke und Stätten als nationale Kulturgüter erfolgt unter
Berücksichtigung verbindlicher und gesetzlich verankerter Kriterien, die im nächsten Kapitel des
vorliegenden Inventars aufgelistet und erläutert werden.
Der Aufbau des vorliegenden Inventarbands ist dabei standardisiert: Nach einer kurzen Einleitung zur
jeweiligen Ortschaft werden zu Beginn die sich in den Gemarkungen befindenden Gebäude und
Denkmäler vorgestellt und anschließend in alphabetischer Reihenfolge die jeweiligen Straßen und
Plätze mit den dort erhaltenswerten Bauten und Stätten präsentiert. Jedes berücksichtigte Objekt
wird anhand von Fotos, verfügbaren Karten und eines wissenschaftlichen Texts erläutert. Je nach
12
Gemeng Luerenzweiler, La Commune en chiffres, lorentzweiler.lu/la-commune-en-chiffres.html (15.03.2022).
Vgl.
Le
portail
des
statistiques.
Grand-Duché
de
Luxembourg,
Population
par
canton
et
commune
1821-2021,
statistiques.public.lu/stat/TableViewer/tableView.aspx?ReportId=12861&IF_
Language=fra&MainTheme=2&FldrName=1 (15.03.2022).
3
Quellenlage werden historische Fotos und Pläne zur weiteren Dokumentation und Veranschaulichung
miteinbezogen.
Auswertung der Inventarisierung
In der Gemeinde Lorentzweiler wurden insgesamt 107 Objekte inventarisiert. In rund 40 % der Fälle
konnten die aufgenommenen Gebäude auch von innen besichtigt werden. 24 der inventarisierten
Objekte sind Kleindenkmäler, mehrheitlich Wegkreuze, aber auch Grabmale, eine Grotte und ein
Waschbrunnen sowie mehrere Mahnmale befinden sich darunter. Von den 83 Gebäuden und den
24 Kleindenkmälern, die genau analysiert wurden, sind letztlich insgesamt 71 Objekte als national
schutzwürdig zu bewerten. Darunter fallen alle inventarisierten Kleindenkmäler – eine Kategorie, die
demnach etwa ein Drittel der erhaltenswerten gebauten Kulturgüter in der Gemeinde Lorentzweiler
darstellt.
Mit Blick auf die ursprüngliche Nutzung der für die Zukunft zu bewahrenden Gebäude fällt auf, dass
religiöse Bauwerke und Stätten, hierunter fallen beispielsweise Kirchen, Friedhöfe, Bildstöcke,
Wegkreuze und -kapellen, rund 39 % aller schützenswerten Objekte ausmachen. Die Gattung der
Wohnbauten ist mit einem Anteil von 20 % noch recht stark vertreten. Landwirtschaftliche Strukturen
liegen mit einem Anteil von 15 % immerhin noch an dritter Stelle der denkmalwürdigen Kulturgüter.
Trotz der weit zurückreichenden Geschichte der Gemeinde Lorentzweiler machen die Bauwerke mit
einer Entstehungszeit vor 1700 nur 5 % des schützenswerten Bestands aus. Aus der Zeit zwischen 1701
und 1780 stammen ebenfalls 5 % der überlieferten Objekte, die allesamt dem Barock zuzurechnen
sind. Objekte, die zwischen 1781 und 1825 geschaffen wurden, stellen ungefähr 10 % des zu
schützenden Bestands dar. Mit rund 27 % sind die zwischen 1826 und 1900 errichteten Bauten und
Stätten vertreten, die dem Klassizismus und dem Historismus zuzuordnen sind. Mit etwa 31 %
markieren die zwischen 1901 und 1940 errichteten Bauten und Stätten den größten Anteil am
erhaltenswerten Kulturerbe der Gemeinde Lorentzweiler. Zeitlich folgen hierauf jene Bauwerke, die
von 1941 bis 1990 geschaffen wurden und die mit circa 22 % vertreten sind: Der Anteil der jüngeren
Gebäude fällt im Vergleich mit anderen Gemeinden demnach relativ hoch aus.
Die kulturgeschichtliche Entwicklung der Gemeinde Lorentzweiler spiegelt sich in ihren
schützenswerten Bauten wider. Insgesamt ist in den meisten Orten der Gemeinde ein beständiges
Wachstum festzustellen, wobei dieses in den letzten 50 Jahren deutlich an Intensität zugenommen
hat. Viele Gebäude, die bereits auf historischen Karten verzeichnet sind, wurden zwischenzeitlich
niedergelegt oder so stark verändert, dass sie für eine Aufnahme in das Inventar des gebauten
Kulturerbes nicht mehr in Frage kamen. Dies verdeutlicht, dass die Gemeinde einen hohen baulichen
Austausch erlebt hat, womit ein großer Verbrauch an Ressourcen einherging, der nicht nur
denkmalpflegerisch bedenklich ist. Besonders in den Baualterskategorien von vor 1700 bis 1825 weist
die Gemeinde im nationalen Vergleich eine unterdurchschnittliche Dichte an erhaltenswerter
Substanz auf. Fast die Hälfte der für die Zukunft zu bewahrenden Bausubstanz stammt aus dem 20.
Jahrhundert, sogar die Mehrheit der überlieferten Kirchen, Kapellen und Friedhöfe ist in dieser Epoche
entstanden. Auch unabhängig von der Entstehungszeit offenbart die Gemeinde insgesamt eine
unterdurchschnittliche Dichte an schützenswerten Objekten, die Zeugnis von der Kulturgeschichte
und der Entwicklung der einzelnen Ortschaften geben. Durch die Anerkennung und Bewahrung des
gegenwärtig noch existenten baulichen Erbes wird die Bedeutung dieser besonderen Kulturlandschaft
im geografischen Zentrum des Landes angemessen gewürdigt und für die kommenden Generationen
gesichert.
4
Kriterien für die nationale Unterschutzstellung von gebauten und natürlichen Kulturgütern
Grundsätzlich gilt: Ein erhaltenswertes Kulturgut muss „aus vergangener Zeit“ sein und aus einer
abgeschlossenen Epoche stammen. Generell gilt nahezu europaweit der Grundsatz, dass eine
Generationenspanne (also mindestens 25 Jahre) zwischen Entstehung eines Bauwerks und seiner
Inventarisierung und der damit verbundenen Beurteilung liegen soll. Somit sind auch authentisch
überlieferte, herausragende Beispiele der Baukultur bis in die 1980er-Jahre als erhaltenswerte
Kulturgüter einzustufen. Die Zeitspanne der Inventarisierung umfasst daher für die vorliegende
Gemeinde sämtliche Bauwerke, die bis 1990 errichtet wurden.
Neben der geschichtlichen Dimension an sich, die sich grundsätzlich in der bauzeitlichen Substanz
manifestiert, muss ein Objekt zudem durch einen Zeugniswert charakterisiert sein, der sich durch eine
klare Sicht- und Erkennbarkeit der jeweiligen historischen Aussage auszeichnet und somit anhand
spezifischer Kriterien definieren lässt. Während ein Schloss, eine Burg oder eine Kirche aller Regel nach
von der gesellschaftlichen Mehrheit als historische Objekte mit Zeugniswert, die für die Zukunft
erhalten werden sollen, verstanden werden, sieht dies bei weniger prominenten Bauten,
insbesondere auch welchen der jüngeren Vergangenheit, oft anders aus. Zur möglichst objektiven
Beurteilung der erhaltenswerten Baukulturgüter braucht es daher letztlich die wissenschaftliche
Analyse und Einschätzung von dafür ausgebildeten Spezialisten der Inventarisierung.
Die Inventarisierung ist eine mehrstufige Angelegenheit: Sie beginnt mit der Sichtung und Auswertung
historischer Quellen aus institutionellen wie privaten Archiven, Sammlungen und Bibliotheken. Es
folgt die Begutachtung der Bausubstanz vor Ort. Hier werden Konstruktionen, Materialien und
Verarbeitungen erfasst und analysiert, auch deren Veränderung über die Zeit wird festgehalten.
Ergebnisse des Studiums von Quellen, sofern vorhanden und zugänglich, unterstützen die zeitliche
und qualitative Einordnung des jeweiligen Objekts. Um eine allgemein verständliche und
nachvollziehbare Bewertung der betreffenden Objekte vornehmen zu können, bedarf es festgelegter
Kriterien, die eine einheitliche und differenzierte Beurteilung garantieren. Bereits 2005 wurden im
Service des sites et monuments nationaux (Vorgängerbehörde des Institut national du patrimoine
architectural) derartige Leitmerkmale erarbeitet, nach denen die Inventarisation des Kantons
Echternach (2005 bis 2009) durchgeführt wurde. Weil auch Inventarisierungsmaßnahmen selbst in
historische Prozesse eingebunden sind und sich Einschätzungen im Laufe der Zeit ändern, wurden
diese Kriterien anlässlich der Wiederaufnahme der nationalen Inventarisierung im Mai 2016
überarbeitet, entsprechend angepasst und in leicht modifizierter Form in das Gesetz zum Kulturschutz
vom 25. Februar 2022 integriert.
Um die nun folgende Auflistung der grundlegenden Definitionen und Kriterien verständlicher zu
machen, wurden die einzelnen Begriffe jeweils mit kurzen Erläuterungstexten versehen. Es gilt
generell: Zusätzlich zur Authentizität muss mindestens ein weiteres dieser Kriterien vorliegen, um ein
Objekt als erhaltenswertes Kulturgut auszeichnen zu können. Eine Kumulation mehrerer Kriterien ist
nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich. Das einzige Kriterium, das obligatorisch ist und stets
gegeben sein muss, ist jenes der Authentizität, da nur authentisch überlieferte Bausubstanz ein
bedeutsamer Informationsträger mit historischem Zeugniswert sein kann.
Definitionen
1. Erhaltenswerte gebaute und natürliche Kulturgüter:
Als erhaltenswerte Kulturgüter werden gebaute oder natürliche, bewegliche oder unbewegliche
Sachen, Fragmente einer Sache und Sachgemeinschaften bezeichnet, an deren Erhaltung ein
5
öffentliches Interesse besteht (nachfolgend „Objekte und Stätten“ genannt). Das öffentliche Interesse
resultiert aus der Bedeutung respektive dem Zeugniswert dieser Objekte und Stätten für die
Geschichte von Menschen, Siedlungen und Städten. Die kulturhistorische Relevanz eines Objekts oder
einer Stätte wird anhand der nachfolgenden Kriterien markiert und definiert. Die Einordnung eines
Objekts oder einer Stätte als bedeutsam erfolgt dabei nach objektiven Gesichtspunkten und
unabhängig vom heutigen ästhetischen Urteil.
Als architektonisches Ensemble wird eine Gruppe von Objekten (Sachgemeinschaft) bezeichnet, die
eine räumliche Nähe und/oder mindestens ein inhaltlich verbindendes Element aufweisen – zum
Beispiel die Bauzeit, eine geschichtliche Entwicklung, eine ideelle Grundlage oder eine gemeinsame
Nutzung. Das architektonische Ensemble ist – mit fokussiertem Blick auf seine geschichtliche,
funktionelle oder sozial-anthropologische Bedeutung – charakterisiert durch eine bemerkenswerte
Kohärenz, die eine klar erkennbare räumliche Abgrenzung der betreffenden Sachgemeinschaft zur
Umgebung zulässt.
Auch ein mehrteiliger Gebäudekomplex – wie etwa ein Bauernhof oder eine Fabrik –, der sich über
mehrere Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte entwickelt hat und dem immer wieder neue Elemente
hinzugefügt wurden, kann ein Ensemble bilden. Ein Ensemble kann zu einer oder mehreren der
folgenden Kategorien gehören:
Zur geschichtlichen Kategorie zählt jenes Ensemble, an dem die gemeinsame Entstehungszeit
und/oder die geschichtliche Entwicklung bis in die Gegenwart ablesbar bleibt, wie dies etwa beim
Marktplatz in Echternach der Fall ist.
Zur funktionellen oder ideellen Kategorie gehört ein Ensemble, das aus einer unbestimmten Anzahl
an gebauten Strukturen besteht, die die zugrundeliegende Idee ihrer Entstehung bis in die Gegenwart
klar erkennen lassen oder an denen ihre ursprüngliche Funktion bis in die Jetztzeit ablesbar ist. Als
Beispiele hierfür sind ganze Wohnviertel, aber auch spezifische Industrieanlagen anzusehen.
Die sozial-anthropologische Kategorie erfüllt ein Ensemble, an dem eine für einen Teil oder die
Gesamtheit der Bevölkerung wichtige geschichtliche Entwicklung – und dies in ganz unterschiedlichen
gesellschaftlichen Themenfeldern – geknüpft ist, die bis in die Gegenwart nachvollziehbar bleibt. Als
beispielhaft hierfür können etwa authentisch erhaltene Arbeitersiedlungen gelten.
Im Kontext der Definition erhaltenswerter Objekte und Stätten sind auch vom Menschen geprägte
Landschaften, die ein Zusammenspiel von kulturhistorisch bedeutsamen Objekten respektive Stätten
und schützenswerten Naturelementen beziehungsweise -arealen darstellen, zu berücksichtigen. Als
Site mixte werden demnach Objekte und Stätten bezeichnet, die sowohl von Menschenhand
geschaffene als auch natürliche Elemente kombinieren beziehungsweise vereinen. Diese müssen
charakterisiert sein durch einen erkennbaren gestalterischen Willen und eine bemerkenswerte
Kohärenz, die eine erkennbare räumliche Abgrenzung des jeweiligen Site mixte zur Umgebung zulässt.
Auch ganze Gebiete, im Sinne von Landschaften, die von kulturhistorischer Bedeutung sind –
einschließlich archäologischer Stätten – fallen unter diese Schutzkategorie. Kulturlandschaften sind
ein wichtiger Bestandteil der Lebenswelt von gesellschaftlichen Gruppen. Darunter fallen auch Parks
und Gärten sowie Landschaften, deren Wert in religiösen, spirituellen, künstlerischen und
geschichtlichen Assoziationen liegt, die Menschen mit ihnen verbinden. Um kulturhistorisch geprägte
Naturstätten in Verbindung mit dem erhaltenswerten baulichen Erbe angemessen schützen zu
können, wurde im Kulturschutzgesetz vom 25. Februar 2022 das Instrument des Site mixte als
Flächendenkmalschutz eingeführt.
6
Als Teil des kulturellen Erbes sind historische Ortsbilder beredte und äußerst wertvolle Zeugen der
Geschichte. Ihre dauerhafte Präsenz zeigt wichtige Aspekte der politischen, wirtschaftlichen, sozialen,
handwerklichen, künstlerischen und architektonischen Entwicklung einer Gesellschaft auf und hält
diese in Erinnerung. Historische Ortsbilder haben eine wichtige identitätsstiftende Funktion: Sie
können Menschen dabei helfen, sich zu verorten und sich mit ihrer Umgebung sowie der eigenen
Geschichte zu identifizieren. Dabei sind bedeutsame Ortsbilder oft nicht nur Teil persönlicher
Erinnerungen, sondern sie haben auch Eingang gefunden in das kollektive Gedächtnis. Zu einem
schützenswerten Ortsbild gehören neben Einzelgebäuden und Gebäudegruppen auch Verkehrswege,
Plätze, Gärten, Parks und andere Grünflächen, markante Bäume, ortstypische Elemente und
Kulturland im weitesten Sinne. Um den Schutz nicht nur einzelner bemerkenswerter Bauwerke oder
Objekte, sondern der historisch gewachsenen Struktur einer Siedlung und das Zusammenspiel
zwischen Bebauung und umgebender Landschaft zu garantieren, wurde im Kulturschutzgesetz vom
25. Februar 2022 das Instrument des Secteur protégé eingeführt.
Mithilfe dieses Instruments werden Schutzzonen ausgewiesenen, die Siedlungsbereiche von
nationalem Interesse markieren, um deren Erhalt für die Zukunft zu sichern. Zwar dient das Instrument
des Secteur protégé nicht dem eigentlichen Schutz von Einzelobjekten, Stätten und Ensembles,
sondern in erster Linie dazu, solche Bauten mitsamt ihrer räumlichen Umgebung zu erhalten. Dennoch
gilt grundsätzlich, dass ein Secteur protégé nur dann ausgewiesen werden kann, wenn sich in der
betreffenden Zone mindestens ein national geschütztes Bauwerk befindet. Betontes Ziel von
Schutzzonen, die als Secteur protégé definiert werden, ist es, die topografischen, strukturellen,
räumlichen wie architekturhistorischen Charakteristika und Qualitäten eines schutzwürdigen
Ortsbildes nicht nur zu erhalten, sondern auch zu fördern. Um ein in sich stimmiges Ortsbild zu
bewahren, ist mit Blick auf zukünftige Objekt- und Siedlungsentwicklungen der Schutz historischer
Bauten und Objekte von ebenso großer Wichtigkeit wie die adäquate Gestaltung von Freiflächen und
Neubauten.
2. Kriterien:
Zeitliche Kriterien
1. Unter Authentizität (AUT) versteht man nicht oder kaum veränderte, also in ihren wesentlichen
bauzeitlichen Elementen erhaltene Objekte und Stätten. Je mehr historische Substanz überliefert ist,
desto eher liegt das Kriterium der Authentizität vor. Je jünger die zu beurteilenden Objekte und
Stätten sind, desto authentischer sollten sie überliefert sein.
2. Relevant für die Architektur-, Kunst- oder Ingenieursgeschichte (AKI) sind Objekte und Stätten,
welche eine bestimmte Epoche beispielhaft repräsentieren, deren Höhepunkte oder gerade auch
deren Ausnahmen darstellen.
3. Den Seltenheitswert (SEL) erfüllen einerseits Objekte und Stätten, die in ihrer spezifischen Art (z.
Bsp. Bautypus, Gestaltung, Funktion etc.) relativ selten realisiert wurden, sowie auch jene Objekte und
Stätten, die durch bereits weitreichenden und unwiederbringlichen Verlust ihrer Art mittlerweile als
selten gelten müssen.
4. Mit dem Begriff der Gattungen (GAT) werden verschiedene Bauaufgaben gekennzeichnet, wie zum
Beispiel: Wohnhäuser, Schulen, Bahnhöfe, administrative und infrastrukturelle Gebäude, Kirchen,
Klöster, Krankenhäuser, Molkereien oder Waschbrunnen etc. Historische Objekte und Stätten einer
bestimmten Gattung rufen weiterhin – trotz eventuell veränderter Nutzung – Erinnerungen an die Zeit
wach, in der sie entstanden sind. Solche Objekte sind demnach als beredte Exempel einer spezifischen,
7
funktionell gebundenen Gattung zu erkennen. Indes kann dieses Kriterium nur kumulativ mit anderen
Merkmalen eine Unterschutzstellung begründen.
5. Charakteristisch für ihre Entstehungszeit (CHA) sind beispielhafte Objekte und Stätten, die den Stil
bestimmter Zeiten auf typische Weise widerspiegeln. Dabei müssen betreffende Objekte und Stätten
nicht zwangsläufig von einem großen kunsthistorischen Wert sein, um wichtige und schutzwürdige
Dokumente der Zeitgeschichte darzustellen.
6. Das Kriterium der Technik-, Industrie-, Handwerks- oder Wissenschaftsgeschichte (TIH) erfüllen
Objekte und Stätten, die an den jeweiligen technischen, industriellen, handwerklichen,
wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Entwicklungsstand ihrer jeweiligen Zeit erinnern. Spezifische
Aktivitäten, Leistungen oder Erkenntnisse in wirtschaftlicher, wissenschaftlicher, handwerklicher,
technischer oder industrieller Hinsicht, die mit einzelnen Objekten oder Stätten verbunden sind,
können ganze Orte oder Regionen nachhaltig geprägt haben.
7. Ein Erinnerungsort (ERI) verweist auf eine historische Persönlichkeit und/oder historische
Ereignisse, die aus nationaler Sicht erinnerungswürdig sind.
8. Unter das Kriterium der Sozial- oder Kultusgeschichte (SOK) fallen Objekte, die das gesellschaftliche
Leben und Schaffen in vergangenen Zeiten sowie den religiösen respektive spirituellen Glauben der
Bevölkerung illustrieren.
9. An den Objekten und Stätten der Militärgeschichte (MIL) ist der einstige Verteidigungsstandard wie
auch der technische Status quo der jeweiligen Epoche ablesbar, der durch militärische Entwicklung
bedingt war, selbst wenn diese nur noch in Fragmenten erhalten sind.
10. Als Architekten-, Künstler- oder Ingenieurswerk (AIW) bezeichnet man Bauten oder Objekte, die
von einem Architekten, Künstler oder Ingenieur entworfen wurden, der durch die künstlerische
und/oder technische Qualität seiner Werke ein Œuvre geschaffen hat, das erhalten werden soll.
11. Das Kriterium der politischen und institutionellen Geschichte auf nationaler oder europäischer
Ebene (PIE) umfasst Objekte, welche die Organisation und Machtausübung von politischen
Institutionen darstellen. Mit Blick auf das institutionalisierte Europa etwa kommt Luxemburg, als
Mitgründungsland, eine betont wichtige Aufgabe zu. Generell geht es bei diesem Kriterium um die
Bewahrung von erhaltenswerten Zeugnissen der nationalen und europäischen Geschichte.
Räumliche Kriterien
12. Orts- oder landschaftstypisch (OLT) sind Objekte und Stätten, die charakteristisch für ihre
jeweilige geografische Region sind. Mit dem Begriff Region ist hier eine spezifische geografischgeologische Gegend gemeint, wie beispielsweise das Gutland oder das Ösling mit den jeweiligen
Unterregionen.
13. Das Kriterium der Siedlungs-, Orts- oder Heimatgeschichte (SOH) erfüllen Objekte, die für die
Entwicklung einer Siedlung oder eines Ortes von Bedeutung waren und/oder diese maßgeblich
städtebaulich geprägt haben. Auch fallen unter dieses Kriterium bemerkenswerte, lokal- oder
heimatgeschichtliche Ereignisse und Elemente, die anhand von baulichen Spuren nachvollzogen
werden können. Mit diesem Kriterium werden zudem die sich im Laufe der Geschichte
herauskristallisierten und/oder entwickelten Besonderheiten des jeweiligen Ortes betont und als
erinnerungswürdig
definiert.
8
Räumlich-zeitliche Kriterien
14. Als Bautypus (BTY) bezeichnet man verschiedene Bebauungsformen einer spezifischen Gattung.
So gelten etwa im Bereich landwirtschaftlicher Hofarchitekturen unter anderem der Streckhof, der
Winkelhof oder der Dreikanthof als einzelne Bautypen. Im Kontext des Wohnbaus wären
beispielsweise Ein- und Mehrfamilienhäuser, Bürgerhäuser, Villen oder Bungalows zu nennen. Von
allen Bautypen sollen typische und beredte Exemplare erhalten werden, um die Vielfalt des gebauten
Kulturerbes für die Zukunft und die nachfolgenden Generationen sicherzustellen. Dieses Kriterium
kann nur zusammen mit anderen Kriterien eine Unterschutzstellung begründen.
15. Objekte oder Stätten, die differente Zeitschichten aufweisen, fallen unter das Kriterium der
Entwicklungsgeschichte (ENT), da die betreffenden Objekte und Stätten durch mehrere historische
Epochen, die ihre jeweils typischen Spuren sichtbar an ihnen hinterlassen haben, geprägt sind.
9
Asselscheuer | Aasselscheier
Der Weiler Asselscheuer – im Luxemburgischen Aasselscheier – liegt etwa 1,5 Kilometer südlich von
Blaschette im Südosten der zum Kanton Mersch gehörenden Gemeinde Lorentzweiler, die hier auf
den südwestlichen Ausläufer der gen Osten anschließenden Nachbargemeinde Junglinster trifft. Zum
31. Dezember 2021 zählte der rund zehn Kilometer nordöstlich von Luxemburg-Stadt und circa acht
Kilometer südöstlich von Mersch situierte Ort, der der etwa 5,3 km2 umfassenden Katastersektion
Helmdange-Bofferdange zugerechnet wird, insgesamt 71 Einwohner.1 Lediglich drei Verkehrswege
durchlaufen die von ausgedehnten Grünlandflächen und Wäldern umgebene Ansiedlung. Die Straße
Aaselscheierhaff, die am namensgebenden und leicht abseits der restlichen Dorfbebauung stehenden
historischen Bauernhof vorbeiführt, verbindet die aus Eisenborn kommende Rue de Blaschette mit
der Rue de Gruenewald. Gen Norden verläuft Letztere als CR 125 weiter in Richtung Blaschette, am
südwestlichen Ortsausgang geht sie in den CR 124 über, der teils am Wald entlang in Richtung Heisdorf
führt. Bei dem sich südlich dieser Landstraße befindenden Waldgebiet, das durch Laub- und
Nadelbaumbestand charakterisiert ist, handelt es sich – wie der Name der Straße bereits vermuten
lässt – um den Gréngewald, den größten zusammenhängenden Wald auf luxemburgischem
Staatsgebiet, der sich bis zu den Randgebieten der Hauptstadt erstreckt.
Zur Geschichte des Weilers lässt sich aus den zur Verfügung stehenden Schriftquellen nicht viel
Erhellendes herauslesen. Herkunft und Bedeutung des Namens Asselscheuer, der so bereits auf der
Ferraris-Karte verzeichnet ist, bleibt bis dato offenbar unklar.2 Unter anderem wurde versucht, eine
Verbindung zu verschiedenen Bezeichnungen für „Esel“ und „Ochse“ herzustellen, wobei die
diesbezüglichen Ausführungen ziemlich vage anmuten. 3 Die konkretesten und damit
aufschlussreichsten Informationen lassen sich zum bis in die Gegenwart bewirtschafteten
Asselscheuerhof finden, dessen Ursprünge nach momentanem Wissensstand wohl spätestens im 16.
Jahrhundert liegen.4 Die heute existenten und allesamt schützenswerten Gebäude des imposanten
landwirtschaftlichen Betriebs entstanden zum größten Teil in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts,
geben aber noch einige substantielle Hinweise auf ältere Vorgängerbauten preis.
Zur Zeit der Entstehung der Ferraris-Karte gen Ende des 18. Jahrhunderts umfasste der Weiler
insgesamt drei Gebäude, wovon zwei dem Asselscheuerhof zugehörten; ein langgestrecktes Volumen
war an der heutigen Ecke Rue de Gruenewald–Aasselscheierhaff verzeichnet.5 Ein Vergleich mit dem
1824 datierten Urkataster und auch mit dessen in den Folgedekaden überarbeiteter Version zeigt
lediglich im Bereich des Asselscheuerhofs einen Zuwachs.6 Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ist
1 data.public.lu. La plate-forme de données luxembourgeoise, Population par localité – Population per locality,
data.public.lu/fr/datasets/population-par-localite-population-per-locality/ (08.02.2022).
2 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des PaysBas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009,
Bourglinster 243B.
3 Noppeney, Marcel, Le pentapole de Laurentvillers. Aperçu historique sur les localités alizontiennes de
Lorentzweiler – Bofferdange – Helmdange – Hunsdorf – Blaschette, Luxemburg, 1953, S. 8 und S. 11, Anm. 3:
Noppeney erwähnt in der angegebenen Anmerkung unter anderem die Bezeichnung „la cense
d’Ochselscheuer“.
4 Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.
5 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des PaysBas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009,
Bourglinster 243B.
6 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster.
Lorentzweiler C2 und C3, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion); Administration du cadastre et de la
10
generell nur eine marginale Erweiterung festzustellen.7 Erst seit den 1970er-Jahren kam es zu einer
merklichen Verdichtung an Wohnhausbauten, die indes – mit Ausnahme von zwei kurz vor Eisenborn
stehenden Volumen an der Rue de Blaschette – ausschließlich an der Rue de Gruenewald errichtet
wurden.8 Ein letzter – vergleichsweise deutlicher – Zuwachs, der mehrere Neubauten inkludierte, fand
bis Ende der 1980er-Jahre statt.9 Seither kamen an dem Richtung Blaschette orientierten
Streckenbereich nur noch vereinzelte Häuser hinzu.10
Mit Blick auf die historische Bausubstanz des Dorfs, die auf nationaler Ebene als erhaltenswert zu
gelten hat, sind neben dem mehrere Gebäude umfassenden Asselscheuerhof lediglich zwei
schmiedeeiserne Wegkreuze zu nennen: das sich kurz vor dem Ortseingang von Blaschette befindende
‚Eseber Kräiz‘ aus dem 19. Jahrhundert sowie das südwestlich des Orts in der Gemarkung Am
Langenweg stehende ‚Hienes Kräiz‘, das vermutlich Ende des 19. oder Anfang des 20. Säkulums
geschaffen wurde.11
topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lorentzweiler C2 und C3, 1824ff. (überarbeitete
Version).
7 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Topografische Karte, 1954.
8 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Topografische Karte,
1966 und 1979.
9 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Topografische Karte, 1989.
10 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Topografische Karte,
1989 und 2021.
11 Vgl. Maurer, Gilbert, ‚Die Kreuze am Wegrand zeugen aus der Vergangenheit!‘, in: Chorale Sainte-Cécile
Lorentzweiler (Hrsg.), Cinquantenaire de la Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler. 1934-1984, Luxemburg, 1984, S.
89-107, hier S. 104 und 106; Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992, S. 83.
11
Asselscheuer | 1, Aasselscheierhaff
Südlich von Blaschette und östlich der Ortschaften Bofferdange und Helmdange befindet sich der nur
wenige Häuser zählende Weiler Asselscheuer. Die größte gebaute Struktur stellt hier der
‚Asselscheuerhof‘ respektive ‚Aasselscheierhaff‘ dar, der an der nach ihm benannten Straße steht und
dessen Ursprünge wohl spätestens im 16. Jahrhundert liegen (SEL, SOH, ENT).1 Das imposante
landwirtschaftliche Anwesen, das bis heute als Bauernhof betrieben wird, liegt leicht abseits der
südöstlich an der Rue de Gruenewald stehenden Wohnhäuser und teils erhaltenen Hofstrukturen des
Orts und ist umgeben von Wiesen und Feldern (GAT). Allerdings zählt das Gehöft nicht nur aufgrund
seiner beachtlichen Dimension und der für die jeweilige Bauzeit typischen Architekturen zu den
eindrucksvollsten Vertretern dieser Gattung in der einst vornehmlich durch die Landwirtschaft
geprägten Gemeinde Lorentzweiler, sondern auch zu denjenigen mit der am längsten
zurückreichenden Geschichte (SEL, SOH).
Heutzutage setzt sich der ‚Aasselscheierhaff‘ aus mehreren, allesamt imposanten Volumen
zusammen, wobei der historische Bestand eine Art Dreikantform ausbildet, die einen Innenhof
umrahmt (BTY). Ein Großteil der erhaltenen Gebäude geht dabei auf die erste Hälfte des 20.
Jahrhunderts zurück. Indes sind im Keller des historistischen Wohnhauses, das laut Inschrift im
Türgewände des Hauptzugangs im Jahr 1920 errichtet wurde, noch zwei deutlich ältere Gewölbekeller
erhalten, die auf einen bis dato nicht genau datierbaren Vorgängerbau hinweisen (AUT, CHA).2 Es
könnte sich hierbei durchaus um Überbleibsel gebauter Strukturen handeln, die bereits zu Zeiten des
Urkatasters oder gar der Ferraris-Karte existierten (SOH).3 Auch die östlich an das Wohnhaus
anschließenden respektive diesem gegenüberstehenden betont repräsentativen Ökonomiegebäude,
von denen der eine Teil im Jahr 1933 und der andere Teil 1948 grundlegend umgestaltet wurde,
integrieren laut der vorliegenden Transformationspläne des Luxemburger Architekten Jacques Haal
ältere Bausubstanz (AUT, AKI, SEL, CHA, AIW, ENT).4 Beide Baukörper lassen eine Orientierung sowohl
am traditionalistischen als auch am modernistischen Gestaltungsrepertoire erkennen (AUT, CHA). In
jüngerer Vergangenheit entwickelte sich der Betrieb weiter und es entstanden im Norden und Westen
des bebauten Areals weitere Wirtschaftsgebäude, die indes nicht zur denkmalwürdigen Substanz zu
rechnen ist und daher im weiteren Verlauf unbeachtet bleiben.5
1
Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.
2 Mündliche Auskunft vor Ort, am 20. Juli 2021.
3 Vgl. Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des
Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009,
Bourglinster 243B; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster.
Lorentzweiler C3, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion).
4 Vgl. Haal, Jacques, Umbau für Herrn Leon Schintgen Asselscheuerhof, [Plan], Privatbesitz Schintgen-Hamer,
Grevenmacher, 1933; Haal, Jacques, Umbau für Herrn Léon Schintgen Asselscheuerhof. Grundriss, [Plan],
Privatbesitz Schintgen-Hamer, Grevenmacher, 1933; Haal, Jacques, Propriété de Mr. Léon Schintgen
Asselscheuerhof. Reconstruction et transformation batiment vacherie - porcherie - distellerie, [Plan], Privatbesitz
Schintgen-Hamer, Grevenmacher, 1948; Haal, Jacques, Propriété de Mr. Léon Schintgen Asselscheuerhof.
Reconstruction et transformation batiment vacherie - porcherie - distellerie. Plan du premier étage, [Plan],
Privatbesitz Schintgen-Hamer, Grevenmacher, 1948; Anonym, Propriété de Mr. Leon Schintgen Asselscheuerhof.
Transformation et reconstruction batiment vacherie - porcherie - distillerie. Plan du rez-de-chaussée, [Plan],
Privatbesitz Schintgen-Hamer, o. O., o. J.: Letztgenannter Grundriss ist weder datiert noch signiert; im Vergleich
mit den anderen vorliegenden Plänen kann indes davon ausgegangen werden, dass dieser ebenfalls im Jahr 1948
seitens des Architekten Jacques Haal angefertigt wurde.
5 Mündliche Auskunft vor Ort, am 20. Juli 2021.
12
Ein Blick auf historisches Kartenmaterial verrät, dass der Hof bereits auf der in der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts erstellten Ferraris-Karte verzeichnet ist, wobei das Anwesen damals aus zwei parallel
zueinanderstehenden Gebäuden unterschiedlicher Dimension bestand.6 Ein Vergleich mit dem 1824
datierten Urkataster lässt einen Zuwachs erkennen: Zu dieser Zeit setzte sich das Gehöft bereits aus
drei recht großen Volumen zusammen, die um einen rechteckigen Innenhof angelegt waren.7 Unter
Berücksichtigung der vorliegenden Karten und Katasterauszüge kann konstatiert werden, dass sich die
Situation offenbar erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts grundlegend verändert hat, denn in
dieser Zeit ist eine deutliche Ausdehnung festzustellen. 8 Die damals gewonnene Dreikantform ist bis
heute offensichtlich, wenngleich es im weiteren Verlauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu
Überarbeitungen respektive Umstrukturierungen bestehender Bauten kam und in der jüngeren
Vergangenheit einige Erweiterungsbauten realisiert wurden. 9
Neben dem bereits erörterten Kartenmaterial geben weitere Quellen Auskunft über die lange
zurückreichende Geschichte des Asselscheuerhofs, dessen Existenz sich wohl mindestens bis in die
erste Hälfte des 16. Jahrhunderts nachweisen lässt.10 Vor der Französischen Revolution befand sich
das Anwesen im Besitz der Krone; der landwirtschaftliche Betrieb wurde in dieser Zeit an wechselnde
Bauern verpachtet.11 Mitte des 16. Jahrhunderts soll der Hof im Zuge kriegerischer Handlungen
zerstört worden sein.12 Um das Jahr 1640 wurde der Betrieb von einem Bauern namens Pierre
Elcheroth bewirtschaftet; die Familie führte den Hof bis in die 1770er-Jahre weiter.13 Anfang des 19.
Jahrhunderts kam ein gewisser Nicolas Olinger in den Besitz des Anwesens.14 Diesem folgte sein Sohn
André Olinger, dessen Tochter Suzanne am 21. April 1847 Jean Schintgen, zeitweise Bürgermeister der
6 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-
Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009,
Bourglinster 243B.
7 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lorentzweiler
C3, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion).
8 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster.
Lorentzweiler C3, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion); Administration du cadastre et de la
topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 1165. Asselscheuer. 1, Asselscheierhaff.
764/2695, 1935; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases
croquis. N. 466. Asselscheuer. 1, Asselscheierhaff. 764/2695, 1864.
9 Vgl. Haal, Jacques, Umbau für Herrn Leon Schintgen Asselscheuerhof, [Plan], Privatbesitz Schintgen-Hamer,
Grevenmacher, 1933; Haal, Jacques, Propriété de Mr. Léon Schintgen Asselscheuerhof. Reconstruction et
transformation batiment vacherie - porcherie - distellerie, [Plan], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Grevenmacher,
1948; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 1402.
Asselscheuer. 1, Asselscheierhaff. 764/2695, 1993.
10 Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.
11 Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.
12 Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.
13 Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.
14 Vgl. Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.; Lacoste, J. B. (Jean Baptiste); Olinger,
Nicolas; Secretaire général de la préfecture, Vente de biens nationaux. N° 44, [Urkunde], ANLux, Nr. FD-325-003,
Luxemburg, 04.01.1804: In letztgenannter Schriftquelle ist als Registrierungsdatum „le treize Nivose an douze“
angegeben, was dem seinerzeitigen republikanischen Kalender geschuldet ist; das Datum entspricht dem 4.
Januar 1804. Vgl. konkret hierzu: ANLux, Calendrier républicain, anlux.public.lu/fr/rechercher/outilspratiques/calendrier-republicain.html (11.01.2022).
13
Gemeinde Lorentzweiler, heiratete.15 Die Eheleute hatten zehn gemeinsame Kinder, von denen vier
im Kindesalter starben.16 Nach dem Tod von Jean Schintgen im Jahr 1908 kümmerte sich die Tochter
Pauline um die Hofverwaltung.17 In der zweiten Dekade des 20. Jahrhunderts fiel der Betrieb in die
Hände eines Neffen von Pauline Schintgen: Léopold Schintgen, genannt Léon, der den Hof fortan
zusammen mit seiner Frau Marie-Catherine-Rosalie Mathey leitete.18 Letzterer war der Sohn von Henri
Schintgen, der in Oberfeulen ansässig war und sich für eine Übernahme des Asselscheuerhofs durch
Léon Schintgen einsetzte.19 Ein weiterer Sohn von Henri namens Jean-Edgard übernahm im weiteren
Verlauf das ebenso stattliche landwirtschaftliche Gut in Oberfeulen, das interessanterweise deutliche
gestalterische und dimensionale Parallelen zum Asselscheuerhof erkennen lässt und in Teilen auch auf
Entwürfe des Architekten Jacques Haal zurückgeht.20 Mit Fokus auf den Asselscheuerhof scheint
offenkundig, dass das Antlitz der historischen Gebäude, die allesamt in der Bewirtschaftungszeit des
genannten Léon Schintgen entstanden sind oder umgebaut wurden, in weiten Teilen dessen Wirken
zu verdanken ist.21 Er soll auch eine Großbrennerei auf dem Hof in Betrieb genommen haben, in der
Industriealkohol, vornehmlich für den Export nach Belgien, hergestellt wurde.22 Nach dem Krieg verlor
dieser Wirtschaftszweig an Bedeutung und die Produktion wurde eingestellt.23
Die Hauptzufahrt zum Asselscheuerhof befindet sich an der Südwestecke des zur Straße hin mittels
eines umzäunten Vorgartens getrennten Anwesens (CHA). Die breite Einfahrt kann mit einem
dekorativen zweiflügeligen Schmiedeeisentor geschlossen werden (AUT, CHA). Während der rechte
Torflügel an der Westseite des zweistöckigen Wohnhauses mit schiefergedecktem Dach – auf der
einen Seite als Mansardenwalm- und auf der anderen als Krüppelwalmdach ausgeführt – sowie
15 Vgl. Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.; Weber, Jacques; Schintgen, Jean; Olinger,
Susanne u. a., N° 71. 1847, [Urkunde], ANLux, Nr. FD-325-011, Eich, 10.04.1847; Administration du cadastre et
de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. Asselscheuer. 1, Asselscheierhaff. 764/2695,
1852-1996.
16 Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.
17 Vgl. Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.; Administration du cadastre et de la
topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. Asselscheuer. 1, Asselscheierhaff. 764/2695, 18521996; Fehlen, Jean; Schintgen, Jean; Olinger, Susanne u. a., N° 5370. Donation, [Urkunde], ANLux, Nr. FD-325015, Beringen, 17.10.1898.
18 Vgl. Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.; Administration du cadastre et de la
topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. Asselscheuer. 1, Asselscheierhaff. 764/2695, 18521996.
19 Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.
20 Vgl. Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.; mündliche Auskunft vor Ort, am 20. Juli
2021. Das prachtvolle Hofanwesen, auf das hier vergleichend verwiesen wird, steht in Oberfeulen, 9, route
d’Arlon.
21 Vgl. Thiel-Schintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes
Manuskript], Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.; mündliche Auskunft vor Ort, am 20. Juli
2021.
22 Mündliche Auskunft vor Ort, am 20. Juli 2021.
23 Mündliche Auskunft vor Ort, am 20. Juli 2021.
14
beigefarbener Putzfassade fixiert ist, wurde der gegenüberliegende Torflügel an einem
übermannshohen Pfosten mit pyramidalem Abschluss befestigt (AUT, CHA).24
Die zum Innenhof und damit gen Norden orientierte Eingangsfassade des im historistischen Stil
gestalteten Wohnhauses ist vierachsig gegliedert, wobei die rechte Achse sehr weit nach außen
gerückt wurde (AUT, CHA). Der mittig platzierte Zugang zum Gebäude, der über ein Steinpodest sowie
eine mit einer Metallprägeplatte belegte Schwelle erreichbar ist, präsentiert sich mit einer nach der
Jahrtausendwende überarbeiteten bauzeitlichen Holzhaustür, die eine Vielzahl an Kassettierungen
zeigt, die zum Teil mit Glas gefüllt sind (AUT, CHA).25 Das siebenfach unterteilte Oberlicht fällt hier
besonders ins Auge. Gerahmt wird die Tür mittels eines kantigen Sandsteingewändes mit einem
Anstrich in Beigerosa (AUT, CHA). Der gewählte Farbton, der an allen strukturierenden
Fassadenelementen des Wohnhauses, wie etwa Eckeinfassungen, Gesimsen und Gewänden,
erkennbar ist, bildet einen zarten Kontrast zu dem etwas helleren Kolorit der restlichen Flächen.26
Besonders prägend für das Antlitz des Türrahmens sind die markant abgesetzten Prellsteine, der
deutlich hervortretende, mehrfach profilierte Mittelteil sowie die dekorative Verdachung, die durch
ein reduziert aufgeputztes Supraporta-Motiv mit dem darüberliegenden Fenster visuell verbunden
wird (AUT, CHA). Der obere Abschluss des Türgewändes setzt sich genaugenommen aus einem
gerahmten Putzfeld, in das Rautenmotive integriert wurden, zusammen. Über diesem befindet sich
die eigentliche Verdachung, die hervorkragt und nach unten mehrfach abgetreppt ist. Zudem zeigt sie
im Bereich des an zentraler Stelle platzierten, deutlich abgesetzten Schlusssteins eine Verkröpfung.
Letzterer hat eine trapezförmige, sich nach unten hin verjüngende Gestalt und reicht bis zum Ansatz
der Türöffnung. Zwei Inschriften wurden in den Stein eingearbeitet. Im oberen Teil sind die
Buchstaben ‚S. M.‘ und im unteren die Zahl ‚1920‘ zu lesen, die auf die seinerzeitigen Auftraggeber
und das Entstehungsjahr des Gebäudes verweisen.27
Neben
der
Tür
sind
im
Erdgeschoss
drei
hochrechteckige
Fensteröffnungen
gleichen Formats auszumachen. Sie alle werden durch ausdrucksvolle sandsteinerne Gewände mit
nach unten abgestuft zulaufender Fensterbank und auffälligem Verdachungsmotiv eingefasst (AUT,
CHA). Die geraden Rahmungen offenbaren grundsätzlich eine strenge, an den Klassizismus angelehnte
Formensprache. Besonders die markanten Versprünge und Profilierungen, der glatte trapezförmige
Schlussstein sowie die an diesen anstoßende Verdachung, die sich auf Höhe des unteren der beiden –
parallel über die gesamte Breite der Fassade verlaufenden – gesimsartigen Putzbänder befindet,
charakterisieren deren Erscheinungsbild. Alle Fenstergewände des Erdgeschosses werden mittels
einer Suprafenestra mit den achsial liegenden Fensteröffnungen auf Obergeschossniveau visuell
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Mündliche Auskunft vor Ort, am 20. Juli 2021: Das Dachgeschoss wurde in den 1980er-Jahren zu
Wohnzwecken ausgebaut.
25 Mündliche Auskunft vor Ort, am 20. Juli 2021; vgl. Anonym, Asselscheuer. 1, Asselscheierhaff, Service des sites
et monuments nationaux, subside à la restauration, 2003; Err, Antoine; Dumont, Ferd, Art déco, 5932 195-1384, [Fotografische Aufnahme], Service des sites et monuments nationaux, Türeninventar, Asselscheuer, 2004.
26 Anonym, Asselscheuer. 1, Asselscheierhaff, Service des sites et monuments nationaux, subside à la
restauration, 2003: Im Zuge von Restaurierungsmaßnahmen wurde unter anderem die Fassade des Wohnhauses
neu angestrichen; die hier angegebene Quelle dokumentiert fotografisch die ausgeführten Arbeiten.
27 Die Initialen ‚S. M.‘ verweisen sicherlich auf die Familiennamen der seinerzeitigen Besitzer des Anwesens,
namentlich die Eheleute Léopold (genannt Léon) Schintgen und Marie-Catherine-Rosalie Mathey. Vgl. ThielSchintgen, Bernard-Jacques O.S.B., La famille Schintgen. Arbre généalogique, [Unveröffentlichtes Manuskript],
Privatbesitz Schintgen-Hamer, Dudelange, 1954, o. S.; Administration du cadastre et de la topographie du GrandDuché de Luxembourg, Cases croquis. Asselscheuer. 1, Asselscheierhaff. 764/2695, 1852-1996; mündliche
Auskunft vor Ort, am 20. Juli 2021.
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verbunden (AUT, CHA). Letztere haben das gleiche Format wie jene im Erdgeschoss und werden – mit
Ausnahme der hier fehlenden Verdachung – von ähnlichen Gewänden gerahmt (AUT, CHA).
Die Fassade wird durch einen Putzsockel, in dessen Bereich zwei kleine Kellerfenster zu erkennen sind,
eine aufgeputzte lisenenartige Eckrahmung sowie eine unterhalb des Mansardenwalmdachs
verlaufende profilierte Steintraufe mit zahnfriesartigem Dekor eingefasst (AUT, CHA). In den
Dachaufbau sind vier achsial angeordnete hochrechteckige Öffnungen integriert. Bei dreien handelt
es sich um gerahmte, klassizistisch anmutende Mansardengauben mit kanneliertem Konsolendekor
und mehrfach profiliertem Dreiecksgiebel (AUT, CHA). In der Achse ganz links hat sich ursprünglich
ein sogenannter ‚Männi‘ zum Aufziehen von Lasten befunden: Von diesem ist das Überdach noch
erhalten; die Öffnung selbst wurde nachträglich mit einem Fenster verschlossen (AUT, CHA).28 Die in
englischer Manier ausgeführte Schieferdeckung des Dachs wurde in den 1980er-Jahren erneuert; der
bauzeitliche Dachstuhl blieb davon allerdings weitgehend unberührt (AUT, CHA). 29 Im für diesen
Dachtypus charakteristischen Übergangsbereich der steiler und flacher verlaufenden Dachfläche ist
ein sogenanntes Gesimsbrett auszumachen, das mehrfach profiliert ist (AUT, CHA). Des Weiteren sind
im oberen Dachbereich einige kleine Hebeluken zu s …
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