{"html": "<div class=\"lf-doc\"><p class=\"lf-p\">3 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lorentzweiler B1, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Cassaignau-Schmit, Myriam, Blaschette. 7, rue de l’école, Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979: Die Hausnummer wurde in der Zwischenzeit von 7 in 18 geändert.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Luftbild, 2020.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 444.</p>\n<p class=\"lf-p\">Blaschette. 18, rue de l’école. 85/581, 1864.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lorentzweiler B1, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion) .</p>\n<p class=\"lf-p\">33 Das zweigeschossige, fünfachsige Wohnhaus bildet den gestalterischen Höhepunkt der Hofanlage. 8 Die nach Süden, zum Innenhof gewandte Hausfassade ist symmetrisch aufgebaut (AUT, CHA). Die durch die Topografie verursachte leichte Hanglage des Innenhofes lässt den mit einer Steingliederung versehenen, verputzen Sockel an der rechten Fassadenseite deutlich höher zum Vorschein treten (AUT, CHA). Hier ist neben der vierstufigen Treppe, die das langgezogene Treppenpodest vor der Haustür erschließt, ein rechteckiges Kellerfenster sichtbar, das zu einem Gewölbekeller gehört. 9 Oberhalb des Sockels erhebt sich der imposante Putzbau, dessen Fenster- und Türöffnungen an der Hauptfassade allesamt hochrechteckige, klassizistische Gewände mit neoklassizistischen Putzverzierungen aufweisen (AUT, CHA). Diese Putzverzierungen bestehen aus einem das jeweilige Gewände umlaufenden glatten Rahmen, der an den Ecken – einer Ohrung ähnlich – verkröpft ist (AUT, SEL). Einritzungen im eher rauen Fassadenputz erinnern an Sohlbank- und Sturzgesimse (AUT, CHA). Die Ecken des Wohnhauses werden durch aufgeputzte Eckquaderungen betont, die abwechselnd durch raue und glatte, angestrichene Putzfelder gegliedert sind. Unterhalb des aus Sandstein gearbeiteten, mehrfach profilierten Traufgesimses bildet ein Putzfries mit Halbkreismotivik die Verbindung zwischen den beiden Eckquaderungen und vollendet so die historistische Putzzier der Fassade (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Somit ist festzustellen, dass das Wohnhaus, auch wenn es laut Kartenquellen seit dem späten 18.</p>\n<p class=\"lf-p\">Jahrhundert überliefert ist, im 19. Jahrhundert stark überformt oder gar neu aufgebaut wurde (AUT, ENT). Für die letzte These spricht die Inschrift im Türsturz, die ‚J.KEMP 1866‘ lautet. 10 Ob Teile des vorherigen Bauwerks, wie etwa der Keller, beibehalten wurden, konnte ohne Innenbesichtigung nicht recherchiert werden. Eine breite, zweiflügelige Holztür mit Oberlicht, Glasfeldern und Ziergittern befindet sich heute im Türgewände. Hier befand sich 1979 noch die dreibahnige Kassettentür aus der Bauzeit.11 Das Ziergitter des Oberlichts mit seinem geschwungenen Rankenmotiv ist überliefert (AUT, CHA). In den Fensteröffnungen sind unterschiedliche Holzfenster mit weißem Anstrich zu sehen, die aus verschiedenen Zeiten stammen. Ein einseitiges Krüppelwalmdach mit englischer Schieferdeckung schließt das Wohnhaus nach oben ab (AUT, CHA). Der Kamin, der im Krüppelwalm am rechten Fassadenrand emporschaut, könnte zu einer ‚Haascht‘ gehört haben; oder zu einem Backofen – ein kleiner Anbau am Giebel des Wohnhauses, der 1923 entfernt wurde, deutet auf das frühere Bestehen eines solchen hin.12 Die Giebelfassade des Wohnhauses, die nach Osten orientiert ist und die Hofeinfahrt rahmt, ist nur durch die von der Hauptfassade umlaufende Eckquaderung verziert. Diese Giebelseite ist im Erdgeschoss zweifach durchfenstert, die schmalen, hochrechteckigen Öffnungen sind mit Gitterstäben gesichert (AUT). Ob diese Fenster erst nach dem Abriss des – vermutlich einen Backofen umfassenden</p>\n<div class=\"lf-abs\"><span class=\"lf-abs-num\">–</span>Anbaus realisiert wurden, bleibt unklar. Im ersten Obergeschoss ist die Giebelwand geschlossen. Im Bereich des Dachgeschosses belichten und belüften zwei schlanke Lüftungsschlitze den Innenraum (AUT, CHA).</div>\n<p class=\"lf-p\">8 Cassaignau-Schmit, Myriam, Blaschette. 7, rue de l’école, [Fotografische Aufnahme], Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Cassaignau-Schmit, Myriam, Blaschette. 7, rue de l’école, Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979.</p>\n<p class=\"lf-p\">10 Cassaignau-Schmit, Myriam, Blaschette. 7, rue de l’école, Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979.</p>\n<p class=\"lf-p\">11 Cassaignau-Schmit, Myriam, Blaschette. 7, rue de l’école, [Fotografische Aufnahme], Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979.</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 1125.</p>\n<p class=\"lf-p\">Blaschette. 18, rue de l’école. 85/581, 1923.</p>\n<p class=\"lf-p\">34 Die Rückseite des Wohnhauses, die nach Norden zum Dorfkern ausgerichtet ist, ist unregelmäßig durchfenstert. In der Sockelzone, die hier nicht vom übrigen Fassadenputz abgesetzt ist, lässt eine zugemauerte Kellerluke im linken Fassadenteil annehmen, dass der Gewölbekeller die gesamte Haustiefe einnimmt.13 Während im ersten Obergeschoss drei Fenster mit schlichten rechteckigen Gewänden sichtbar sind, von denen das mittlere und rechte etwas kleiner ausfallen und durch Gitterstäbe gesichert sind, ist im Erdgeschoss lediglich in der rechten Fensterachse ein ebensolches Fenster mit Gewände und Gitter vorhanden (AUT, CHA). Zwei deutlich kleinere Öffnungen befinden sich rechts und links hiervon. Das profilierte, eckumgreifende Traufgesims ist wie an der Hauptfassade ausgeführt (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">An das Wohnhaus fügen sich nach Westen die Ställe des Bauernhofes an. Sie sind an die westliche Giebelwand des Wohnhauses angebaut, allerdings fällt ihre Traufhöhe etwas niedriger aus. Zum Innenhof hin sind vom direkt anschließenden Stallgebäude im Erdgeschoss ein segmentbogiges Türgewände und ein kleines Stallfenster überliefert, im Obergeschoss ist ein ebenfalls segmentbogiges Fenstergewände erhalten (AUT, CHA). Diese Bestandteile dürften dem barocken Bauernhof zuzuordnen sein, der bereits auf der Ferraris-Karte verzeichnet ist (AUT, CHA, ENT).14 An der nach Norden weisenden Fassade, die eine Verlängerung der Wohnhausrückseite zu bilden scheint, sind verschiedene unsymmetrisch angeordnete Öffnungen sichtbar. Im Erdgeschoss, das hier nur etwa zur Hälfte aus dem ansteigenden Erdreich herausragt, ist ein längsrechteckiges Stallfenster mit Sandsteingewände erhalten. Links hiervon scheint ein kleineres Fenster mit quadratischer Form später hinzugefügt worden zu sein. Im Obergeschoss ist ein hochrechteckiges Fenster mit Gitterstäben zu erkennen, das den Fenstern an der Rückseite des Wohnhauses gleicht (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Der weitere Stalltrakt umfasst die Ostseite des Innenhofs. Seine Hoffassade ist im Erdgeschoss mit mehreren Stalltüren unterschiedlicher Breite und schmalen Fenstern gegliedert, die auf die Haltung unterschiedlicher Tierarten hindeuten (AUT). Im Obergeschoss sind drei Ladeluken erkennbar; hier wurde wohl das Futter für die jeweiligen Tiere aufbewahrt. Ein profiliertes Traufgesims aus Sandstein ist überliefert (AUT, CHA). Alle Öffnungen des Stalltrakts sind mit segmentbogigen Gewänden aus Sandstein versehen, die leicht eingezogene Ecken aufweisen (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">An den Stall schließt sich im rechten Winkel das große Scheunengebäude an, das den südlichen Abschluss der Anlage formt. Die Hoffassade der Scheune ist durch das imposante Scheunentor geprägt, das im Schlussstein das Datum ‚1882‘ trägt (AUT, CHA). 15 Vier runde Lüftungsluken im Obergeschoss, die mit kleeblattförmigen Öffnungen und Randprofilierungen verziert sind, stammen somit aus der Bauzeit der Scheune (AUT, CHA). Das steinerne Traufgesims übernimmt die Form und Gestaltung des Traufgesimses am Stalltrakt (AUT, CHA). Eine große, hochrechteckige Ladeluke und einige längsrechteckige, großzügig dimensionierte Stallfenster scheinen später hinzugefügt worden zu sein. Ob auch hier ältere Bausubstanz integriert wurde – da die Scheune, wie weite Teile der Hofanlage in ihrer bestehenden Form schon 1778 und 1824 kartografiert wurden – kann nach derzeitiger 13 Cassaignau-Schmit, Myriam, Blaschette. 7, rue de l’école, Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979.</p>\n<p class=\"lf-p\">14 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Bourglinster 243B.</p>\n<p class=\"lf-p\">15 Cassaignau-Schmit, Myriam, Blaschette. 7, rue de l’école, Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979.</p>\n<p class=\"lf-p\">35 Quellenlage und ohne Innenbesichtigung nicht abschließend geklärt werden.16 Der 1864 entstandene Anbau an die Scheune ist vom Innenhof her nicht einsehbar.17 Den Abschluss der Vierkantanlage bildet das Ateliergebäude, das vor 1824 hinzugefügt wurde (ENT).18 Der zweigeschossige Baukörper weist an seiner Nordfassade einen Rücksprung auf. Eine Tür mit segmentbogigem Gewände bietet von hier einen Zugang, ein längsrechteckiges Fenster mit schlichtem Sandsteinrahmen ist an dieser Fassade die einzige weitere Öffnung im Erdgeschoss (AUT). Im Obergeschoss ist ein hochrechteckiges Fenster mit glattem klassizistischem Fenstergewände sichtbar (AUT, CHA). Zur Hofseite präsentiert sich das Bauwerk überwiegend geschlossen. Lediglich das Erdgeschoss ist durchfenstert. Hier flankieren zwei schmale, hohe Atelierfenster eine breitere Tür; alle Öffnungen sind von schmalen, glatten Gewänden gerahmt (ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die imposante Vierkantanlage besticht sowohl durch ihre auf historischen Karten dokumentierte Entwicklungsgeschichte, die seit dem 18. Jahrhundert belegt ist, als auch durch die authentische Bausubstanz des Bauernhofes. Diese manifestiert sich an vielen Stellen, etwa an den Gewänden, der Eckquaderung, dem gepflasterten Innenhof und der charakteristischen Ausformung der landwirtschaftlichen Nebengebäude, die bis heute überliefert sind. Auch wenn eine Innenbesichtigung des Anwesens nicht möglich war, lässt sich bei einer Anlage dieser Größe und Gestalt die historische Bedeutung schon von außen ablesen. Die Vielzahl der erhaltenen Details sowie die Ausprägung der seltenen Vierkantform machen das Anwesen zu einem Zeugnis der Landwirtschaftsgeschichte.</p>\n<p class=\"lf-p\">Aufgrund der imposanten Größe, der raren Vierkantform sowie der zahlreichen qualitätsvollen Details ist die Hofanlage als ein für die Region außergewöhnlicher und herausragender landwirtschaftlicher Nutzbau zu betrachten, der in dieser Form selten und schützenswert ist.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (SOH) Siedlungs-, Orts- oder Heimatgeschichte, (BTY) Bautypus, (ENT) Entwicklungsgeschichte 16 16 Vgl. Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Bourglinster 243B; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lorentzweiler B1, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion) .</p>\n<p class=\"lf-p\">17 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 444.</p>\n<p class=\"lf-p\">Blaschette. 18, rue de l’école. 85/581, 1864; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Luftbild, 2020.</p>\n<p class=\"lf-p\">18 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lorentzweiler B1, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion) .</p>\n<p class=\"lf-p\">36 Blaschette | 23, rue de l’Ecole Eine der ältesten Hofanlagen von Blaschette ist die ‚Lentzenvogtei‘, deren Ursprünge mindestens bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen.1 Der über die Jahrhunderte zu seiner heutigen Gestalt gewachsene Streuhof liegt in der Rue de l’Ecole an der Kreuzung mit der Rue Neuve und markiert den westlichen Ortsrand des Dorfs (SEL, GAT, BTY). Vom Hof aus überblickt man die zugehörigen, leicht abfallenden Felder gen Südwesten in Richtung der Höfe Klingelscheuer und Asselscheuer. Das Vorkommen mehrerer imposanter Bauernhöfe, zu denen in Blaschette auch der Raashaff gehört, ist ein hervorstechendes Merkmal des Dorfs, das mit Blick auf das Ganze bauhistorisch eher unauffällig ist (SOH). Besonders mit dem Raashaff ist die ‚Lentzenvogtei‘ durch die Geschichte der Familien und Besitzverhältnisse über Jahrhunderte hinweg verbunden.2 Die Gegend von Lorentzweiler und Blaschette weist eine sehr lange Siedlungsgeschichte auf. So wurden zwischen den beiden Ortschaften in den 1970er-Jahren eine Reihe von Grabhügeln entdeckt, die der Hallstattzeit (ca. 800 bis 450 v. Chr.) zugerechnet werden.3 Auf den die frühere ‚Lentzenvogtei‘ umgebenden Feldern werden bis heute immer wieder Scherben gefunden, die meist eher der Neuzeit zuzuordnen sind (SOH).4 Erstmals kartografisch erfasst ist die ‚Lentzenvogtei‘ auf der 1778 fertiggestellten Ferraris-Karte; dort ist der Ort Blaschette mit wenigen Bauwerken, Gärten und Feldern verzeichnet.5 Auch der hier zu beschreibende Vogteihof ist mit zwei durch die Straße getrennte Bauvolumen zu erkennen. Tatsächlich führte die Dorfstraße im späten 18. Jahrhundert am langgestreckten Stallgebäude entlang, welches das Hofareal nach Norden begrenzt: Der Pflasterbelag an dieser Stelle erinnert noch heute an die ehemalige Wegführung.6 Wie auf dem 1824 erstellten Urkataster zu sehen ist, war der Streuhof zwischenzeitlich auf vier Baukörper angewachsen, von denen die beiden südlichen parallel zueinander standen.7 Der Straßenlauf hatte sich jedoch zwischenzeitlich verändert und führte schon nicht mehr durch den Hof, sondern um ihn herum.</p>\n<p class=\"lf-p\">Gemäß einem Katasterauszug aus dem Jahr 1848 war zudem ein fünftes, kleines Bauwerk hinzugefügt worden.8 Danach scheinen umfangreiche Umbauarbeiten stattgefunden zu haben, denn bereits 1851 wies der Hof die heutige Form mit nur zwei Baukörpern auf: Der langgestreckte Stall im Norden sowie das große Bauvolumen, das Wohnhaus und Scheune umfasste. 9 Zu diesem Zeitpunkt befand sich 1 Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 6ff.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 6ff.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Haffner, Alfred, ‚Das Grabhügelfeld von Lorentzweiler-Blaschette. Zur Hallstattzeit in Luxemburg‘, in: Hémecht, Jahrgang 25, Heft 1, Luxemburg, 1973, S. 401-417, hier S. 401ff.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Mündliche Auskunft vor Ort, am 10. September 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays- Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Bourglinster 243B.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Mündliche Auskunft vor Ort, am 10. September 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lorentzweiler B1, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion) .</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 206.</p>\n<p class=\"lf-p\">Blaschette. 23, rue de l’école. 73/419, 1848.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 358.</p>\n<p class=\"lf-p\">Blaschette. 23, rue de l’école. 73/419, 1851.</p>\n<p class=\"lf-p\">37 direkt nördlich des Hofs die Blaschetter Kapelle, die im 19. Jahrhunderts abgetragen wurde und die auf der zwischen 1901 und 1909 erstellten Bodenkarte schon nicht mehr verzeichnet ist. 10 Nahezu hundert Jahre blieb die Gestalt der ‚Lentzenvogtei‘ weitgehend unverändert, bis am 18.</p>\n<p class=\"lf-p\">September 1944 ein großer Brand in der Scheune ausbrach, der dazu führte, dass der aus Wohnhaus und Scheune bestehende Gebäuderiegel nahezu komplett abbrannte.11 Von der Gestalt dieses Baukörpers zeugt noch der im Oktober 1944 durch den Architekten Jean Lammar angefertigte Plan:</p>\n<p class=\"lf-p\">Damals hatte das Wohnhaus den südlichen Abschluss des Gebäudes gebildet, die Scheune schloss sich im höher gelegenen Bereich des Hofs nach Norden hin an.12 Der Brand bedingte eine komplette Neuplanung dieses Teils der Hofanlage. An der Stelle der zerstörten Scheune wurde ein Wohnhaus im traditionalistischen Stil errichtet (AUT, CHA, ENT). Das alte Wohnhaus der ‚Lentzenvogtei‘ wurde teilweise abgebrochen, die Grundmauern wurden jedoch in den Neubau eines Stalls und der großen Scheune integriert, die sich noch heute hier befinden (ENT).13 Wie anhand der überlieferten Baupläne nachvollziehbar ist, brachten die Bauherren sich intensiv in das Bauprojekt ein und machten einige Vorgaben und Änderungsvorschläge, besonders was die Gestaltung des Wohnhauses betraf.14 Nach den resultierenden Plänen wurde 1945 der Neubau errichtet (AUT, AIW).</p>\n<p class=\"lf-p\">Heute stellt sich die ‚Lentzenvogtei‘ noch immer als aus zwei Teilen bestehender Streuhof dar, der von einer sehr langen, imposanten Mauer aus Sandsteinbruchquadern eingefasst wird (AUT, SEL, GAT). Auf weiten Teilen des Mauerverlaufs ist die dreiecksförmige Bekrönung erhalten (AUT, CHA). Diese Mauer ist zum Dorf hin mit zwei Öffnungen versehen, die Einlass auf das Areal gewähren. Eine hiervon befindet sich in der Rue Neuve an der nordwestlichen Ecke des langen Stallgebäudes. Sie weist zwei aus Sandstein skulptierte Begrenzungspfosten auf, die aus massiven Quadern gefertigt wurden. Der untere Quader ist als Sockelstein etwas größer und zeigt ein Halbstabprofil als Abschluss. Auch die beiden oberen Quader sind profiliert und formen so eine leicht auskragende Verdachung (AUT, CHA). Einer der beiden Begrenzungspfosten ist heute teilweise in die Mauer des Stallgebäudes integriert. Der zweite Zugang zum Hof geht von der Rue de l’Ecole ab und führt direkt zum Wohnhaus. Die Begrenzungspfosten sind hier identisch zur anderen Zufahrt gestaltet, allerdings sind infolge einer deutlichen Erhöhung des Straßenniveaus die Sockelsteine kaum mehr sichtbar. Von diesem Zugang auf das Hofareal nähert man sich dem Wohnhaus von seiner Rückseite her. Seine rhythmisierte, dreiachsige Gestaltung lässt jedoch eher an eine Hauptfassade denken (AUT, CHA). Lediglich das zwischen den Geschossen befindliche Fenster der mittleren Achse, das die Lage des Treppenhauses andeutet, gibt einen Hinweis darauf, dass dies die rückwärtige Fassade eines traditionalistischen Hauses ist. Der Sockelbereich, der zwei längsrechteckige Kellerfenster aufweist, ist vollständig mit bossierten Sandsteinquadern verkleidet (AUT, CHA). Das in der Mittelachse sichtbare Türgewände, neben dem sich ein kleines Fenster befindet, zeigt schichte Prellsteine, über denen sich das scharrierte Gewände mit segmentbogigem Abschluss und geradem Sturz erhebt. Ein Schlussstein verbindet Segmentbogen und Sturz und stellt eine detailgetreue Kopie eines barocken Türgewändes dar, die für die traditionalistische Architektur des Wiederaufbaus so 10 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Bodenkarte der Sectionen Lorentzweiler &amp; Blascheid. Bodenanalyse, [Karte], Privatbesitz Raashaff, o. O., o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">11 Wolff, Guy, ‚Freiwillige Feuerwehr Blascheid 1932-1992. Chronik‘, in: Sapeurs-Pompiers Blaschette, D’Blaaschenter Pompjeën. 1932-1992, Luxemburg, o. J., S. 33-46, hier S. 41.</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Lammar, Jean, Ferme (...) à Blascheid. Etat avant la destruction, [Plan], Privatbesitz Ferme Degraux, Luxemburg, 10.11.1944.</p>\n<p class=\"lf-p\">13 Lammar, Jean, Reconstruction de la ferme (...). Façade et plans de situation, [Plan], Privatbesitz Ferme Degraux, Luxemburg, 18.12.1944.</p>\n<p class=\"lf-p\">14 Lammar, Jean, Ferme (...) Blascheid. Maison d’habitation, [Plan], Privatbesitz Ferme Degraux, Luxemburg, 13.02.1945: Hier sind unter anderem die Anmerkungen „Schieferdach!“ auf allen Dachflächen sowie „First ohne Blech!“ des Bauherrn zu lesen.</p>\n<p class=\"lf-p\">38 charakteristisch ist (AUT, CHA). Im Erdgeschoss sind die Fenster als Zwillingsfenster ausgeführt. Sie weisen, wie auch die übrigen Fenster der Rückfassade, rechteckige, leicht profilierte Sandsteingewände auf (AUT, CHA). Ein Traufgesims, das wie auch die Gewände aus beigem Sandstein besteht, bildet den Übergang der Fassade zum in englischer Schieferdeckung ausgeführten Satteldach (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Rechts an das Wohnhaus schließt sich der lange Scheunen- und Stallriegel an, der mit deutlich niedrigerem First aufwartet und der noch bauliche Überreste des vorherigen Wohnhauses umfasst (ENT). Hier sind ein großes Schiebetor aus Holz auf Erdgeschossniveau, ein weiteres Tor im tiefer gelegenen Bereich sowie mehrere Lüftungsluken unterhalb der Traufe zu sehen. Da die Scheune eine deutlich größere Bautiefe aufweist als das Wohnhaus, entsteht hier ein Versprung der Fassaden zueinander.</p>\n<p class=\"lf-p\">Ein geschotterter Weg führt an der nördlichen Giebelseite des Wohnhauses vorbei zum Innenhof. Das Haus zeigt am Giebel drei hochrechteckige Fensteröffnungen identischer Größe, die mit Sandsteingewänden versehen sind (AUT, CHA). Im Sockelbereich der Fassade sind Grenzsteine mit den Initialen ‚AP‘ und ‚DP‘ überliefert. Sie bezeugen den Besitz von Antoine Pescatore und Pierre Degraux, denen der Hof im 19. Jahrhundert beziehungsweise seit 1921 gehörte (AUT, SOH).15 Zum Innenhof zeigt das Wohnhaus seine eigentliche zweigeschossige und dreiachsige Hauptfassade.</p>\n<p class=\"lf-p\">Wie auch an der Rückfassade ist der umlaufende, bossierte Sandsteinsockel mit zwei Öffnungen für Kellerfenster versehen (AUT, CHA). Das mittig gelegene Eingangsportal ist hier jedoch breiter und deutlich repräsentativer gestaltet. Eine pyramidale Blockstufentreppe aus Sandstein mit vier Stufen führt zur bauzeitlichen hölzernen Haustür mit großzügigem Verglasungsfeld und schlichtem Metallgitter (AUT, CHA). Das segmentbogig abschließende Türgewände ist, wie es für die traditionalistische Bauzeit typisch ist, sehr plastisch gearbeitet (AUT, CHA). Es ist mehrfach gestuft und weist eine aus verschiedenen Rundstäben und konkaven Rundungen gestaltete Profilierung auf. Der recht große Schlussstein ist an der Vorderseite lediglich gestockt. Ob vorgesehen war, hier noch ein Datum zu integrieren, kann nur vermutet werden. Der hohe Grad an authentischen Details dieser Fassade wird durch eine bauzeitliche schmiedeeiserne Laterne unterstrichen, die sich oberhalb des Türgewändes befindet (AUT, CHA). Die Haustür wird links und rechts von je einem Zwillingsfenster flankiert, die gestalterisch jenen der Rückfassade entsprechen (AUT, CHA). Das Obergeschoss zeigt hier drei schlichte, hochrechteckige Fenster mit profilierten Gewänden aus Sandstein, die von weißen Fensterläden aus Holz mit Lamellen gerahmt werden. Oberhalb der Sandsteintraufe sind im Dachbereich drei Krüppelwalmgauben sichtbar, die die Fassadenachsen bis ins Dachgeschoss verlängern (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Nach links ist der lange, deutlich niedrigere Baukörper von Scheune und Stall angebaut. Ein mit flachem Segmentbogen versehenes Scheunentor direkt neben dem Wohnhaus, ein weiteres, größeres Tor sowie eine Vielzahl schmaler Lüftungsluken prägen das Antlitz des Nutzbaus in Richtung Innenhof (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Durch das gen Süden stetig abfallende Gelände liegt das Kellergeschoss des Wirtschaftsgebäudes an der südlichen Giebelseite frei und lässt den Blick zu auf einige Fenster- und Türöffnungen, die vom früheren Wohnhaus der ‚Lentzenvogtei‘ überliefert sind, die bedingt durch die größere Bautiefe des heutigen Gebäudes zum Teil auch im Inneren liegen (AUT, SOH, ENT). Der Keller des Vorgängerbaus mit rundbogigem Sandsteinportal ist ebenfalls noch vorhanden und vom Hof aus neben dem unteren großen Scheunentor zugänglich (AUT, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Im Inneren des heutigen Wohnhauses ist eine Vielzahl an authentischen und für die Bauzeit charakteristischen Details erhalten. Hier sind etwa Stuckdecken mit abgerundeten Ecken sowie die 15 Mündliche Auskunft vor Ort, am 10. September 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">39 kassettierten Zimmertüren – aus Lärchenholz von einem lokalen Schreiner hergestellt – mit passenden Beschlägen und Laibungen zu nennen, die vom Erdgeschoss bis ins Dachgeschoss noch vorhanden sind (AUT, CHA).16 Gleiches gilt für die charakteristische Treppe, die dem Besucher direkt beim Betreten des Hausflurs auffällt. Ihr zeittypisches Metallgeländer aus Flacheisen verschiedener Breiten wird durch einen ebenfalls aus teils strukturierten Flacheisenelementen zusammengesetzten Treppenanfänger betont (AUT, CHA). Hierfür fertigte der Schmied G. Scholer einen detailreichen Plan, der so auch ausgeführt wurde.17 Der Treppenabschnitt vom Erdgeschoss bis zum Obergeschoss ist mit Solnhofener Kalksteinplatten belegt, die weiteren Abschnitte bis zum Dachgeschoss mit gelb geflammten Fliesen in Cerabati-Optik (AUT, CHA). Aus ebendiesen Fliesen ist im Hausflur mit vier verschiedenen Farben ein eindrucksvolles Muster verlegt worden: braun-gelb geflammte und gelb geflammte Fliesen bilden den Rahmen für ein pfeilförmiges Muster aus gelb geflammten, braun-gelb geflammten und türkisweiß geflammten Kacheln, die von diagonal verlegten türkisen Elementen eingefasst werden (AUT, CHA). In den Wohnstuben im Erdgeschoss, von denen die beiden in der rechten Achsen durch einen Wanddurchbruch miteinander verbunden sind, ist zudem das Eichenholzparkett bauzeitlich überliefert (AUT, CHA). Die Granitfensterbänke stammen, ebenso wie die Solnhofener Platten, aus der Marbrerie Jacquemart.18 Im ausgebauten Dachgeschoss ist der bauzeitliche Dachstuhl noch teilweise sichtbar (AUT). Unterhalb der Treppe im Erdgeschoss führt eine weitere Treppe mit gewalzten Betonstufen zum Kellergeschoss. Hier ist zu sehen, dass das Gebäude noch komplett mit Sandsteinbruchsteinmauerwerk errichtet wurde, die Geschossdecken wurden aus Ortbeton hergestellt (AUT, CHA). Das Wohnhaus ist komplett unterkellert.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das an das Wohnhaus angrenzende landwirtschaftliche Nutzgebäude wird im Erdgeschoss als Scheune genutzt. Das imposante Fachwerk Tragewerk des Dachstuhls ist hier erhalten (AUT, CHA). Darunter befinden sich Stallungen und weitere Keller, die teils noch als Überreste des früheren Wohnhauses überliefert sind (AUT, ENT). Besonders hervorzuheben ist hier der Erdgeschossbereich des Vorgängerwohnhauses, von dem eine gesamte Gebäudeecke noch nachvollziehbar ist. Hier sind neben einem kleinen Fenster in der heutigen Giebelfassade vor allem die Haustür sowie drei Fenstergewände zu erwähnen, die ursprünglich zur Hauptfassade zählten und somit wohl zur ältesten Bausubstanz des Anwesens zu rechnen sind (AUT, SOH, ENT). Im Inneren dieser Gebäudeecke ist ein Spülstein erhalten, der sich jedoch heute im Laufstall für Kühe befindet (AUT). Ebenso verhält es sich mit einer kleinen Nische mit seitlicher Sitzbank, die zum oben beschriebenen alten Giebelfenster gehört und die vermutlich als Beobachtungsplatz genutzt wurde (AUT, SEL). Im heutigen Stallbereich sind auch mehrere tonnengewölbte Kellerräume erhalten, die ebenfalls zu jener Bausubstanz gehören, die 1944 durch den Brand beschädigt wurde (AUT, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Zwischen diesem langgestreckten Komplex, der aus Nutzbau und Wohnhaus besteht, und dem weiter nördlich liegenden Stallgebäude ist noch deutlich der gepflasterte Weg zu erkennen, der den einstigen Straßenverlauf markiert (SOH). Dieser erklärt auch die nach Nordosten weisende stark abgerundete Gebäudeecke, die ursprünglich dem Verlauf des gepflasterten Wegs von Blaschette nach Asselscheuer folgte.19 Zur Rue Neuve hin zeigt sich der Stallbau als schlichtes eingeschossiges Bauvolumen mit zwei Abstufungen im Bereich des Satteldachs: Sowohl jener Teil rechts mit der stark abgerundeten Ecke als 16 Mündliche Auskunft vor Ort, am 10. September 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">17 Scholer, G., Treppengitter, [Plan], Privatbesitz Ferme Degraux, o. O., 27.03.1946.</p>\n<p class=\"lf-p\">18 Mündliche Auskunft vor Ort, am 10. September 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">19 Mündliche Auskunft vor Ort, am 10. September 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">40 auch ein später hinzugefügter Teil am linken Rand weisen eine deutlich niedrigere Trauf- und Firsthöhe auf. Durch den Höhenunterschied von Straße und Hofniveau ist hier nur das Obergeschoss sichtbar. Eine Brücke führt über den Graben, der das Gebäude von der Umfassungsmauer und der höher gelegenen Straße trennt, ein rezentes Tor erschließt das Bauwerk von hier aus. Zwei hochrechteckige Fensteröffnungen mit segmentbogigen Fenstergewänden im Obergeschoss und einige längsrechteckige Stallfenster im Erdgeschoss belichten das Bauwerk von der Nordseite her (AUT, CHA). An der östlichen Giebelseite gelangt man durch die zuvor beschriebene Einfahrt von der Rue Neuve aus auf den Wirtschaftshof. Die Giebelseite des Stallgebäudes ist schlicht gehalten und weist lediglich eine hohe, schmale, mit einer Brettertür verschlossene Öffnung sowie eine doppelte Lüftungsluke im Giebeldreieck auf. Zum Hof hin ist das Bauwerk mit einer Vielzahl an Stallfenstern und -türen sowie breiteren Toren versehen, die seine ursprüngliche Nutzung belegen (AUT, CHA). Im Obergeschoss sind zwischen den schlanken Lüftungsluken drei große runde Fenster überliefert, die für eine bessere Belichtung des Speichers sorgen, der wie zuvor beschrieben von der Rue Neuve aus ebenerdig zugänglich ist (AUT, CHA). Im vom Hof aus betrachtet linken Bauteil ist neben einer Ladeluke im Obergeschoss eine kleine Sandsteinplakette mit der Inschrift ‚PW‘ zu sehen. Dies soll für ‚Prisoner of the Worldwar‘ stehen und an einen aus der Ukraine stammenden Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter erinnern, der hier von 1945 bis 1946 untergebracht war (SOH).20 An der abgerundeten Giebelseite sind hier neben einer Ladeluke im Obergeschoss zudem fünf hochrechteckige Fenstergewände mit segmentbogigem Sturz im Erdgeschoss sichtbar, die eine Werkstatt im Innenraum belichten (AUT, CHA). Vom Innenausbau der Ställe sind Teile der authentischen Strukturen erhalten, wie etwa preußische Kappendecken und ein Tragewerk aus Holzstützen. Zudem ist direkt hinter einem Tor ein sechs Meter tiefer Brunnenschacht überliefert (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Nicht nur durch seine Geschichte als frühere Vogtei ist dieser Streuhof von ortsgeschichtlicher Bedeutung. In der Ortschaft Blaschette, die nur noch wenig schützenswerte Bausubstanz aufweist, kommt dem Hof der früheren ‚Lentzenvogtei‘ als Relikt eines ehemals von der Landwirtschaft geprägten Dorfs ein wichtiger Zeugniswert zu. Historisch bedeutsame Spuren sind hier nicht nur die Überreste des Vorgängerbaus, die in Stall und Scheune eines jüngeren Nutzgebäudes integriert sind, sondern auch der im Laufe der Zeit mehreren Veränderungen unterworfene Stallriegel und das traditionalistische Wohnhaus, das heute als jüngstes Bauwerk das Anwesen dominiert. Das Zusammenspiel von Bauten aus verschiedenen Jahrhunderten, die allesamt authentisch überlieferte Details aufweisen, bezeugt die Entwicklungsgeschichte dieser Hofanlage. Insbesondere das Wohnhaus zeigt sowohl außen als auch innen eine hochwertige Gestaltung auf, die an Elementen wie Gewänden, Stuckdecken, Türen, aber auch Bodenbelägen und der markanten Treppe ablesbar ist. Der 1945 nach einem Brand errichtete Teil der Hofanlage wird nicht nur den strengeren Anforderungen in puncto Authentizität gerecht, die an jüngere Gebäude gestellt werden, er zeigt zudem die ganze Bandbreite an charakteristischen Gestaltungsmerkmalen: Hier tritt die traditionalistische Stilepoche, die für Luxemburg um die Mitte des 20. Jahrhunderts prägend war und deutlich von der baugeschichtlichen Entwicklung in den europäischen Nachbarländern abweicht, deutlich in Erscheinung. Somit ist der historisch gewachsene Streuhof aufgrund einer Vielzahl erfüllter Kriterien als national schützenswert zu definieren und für die kommenden Generationen zu erhalten.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (AIW) Architekten-, Künstler- oder Ingenieurswerk, (SOH) Siedlungs-, Ortsoder Heimatgeschichte, (BTY) Bautypus, (ENT) Entwicklungsgeschichte 20 Mündliche Auskunft vor Ort, am 10. September 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">41 Blaschette | 12A + o. N., rue de Fischbach | Ensemble Im Dorfzentrum von Blaschette befindet sich an der Ecke Rue de Fischbach–Rue de l’Ecole in leicht erhöhter Lage dieses ortsbildprägende historisch gewachsene Bauensemble, das sich aus der im Jahr 1939 errichteten Pfarrkirche St. Hubertus sowie dem nordwestlich angrenzenden Friedhofsareal, das wohl spätestens um die Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt wurde, zusammensetzt (SOK, SOH).1 Die grundsätzlich als einschiffiger Saalbau konzipierte Kirche mit seitlich angefügtem Glockenturm geht auf Entwürfe des Architekten Jean Deitz-Kintzelé zurück und ersetzte seinerzeit einen im August 1938 durch ein verheerendes Feuer zerstörten Vorgängerbau (GAT, SOK, AIW, SOH, BTY).2 Ihr weitgehend authentisch erhaltenes Antlitz lässt eine Orientierung sowohl an der traditionalistischen als auch an der modernistischen Formensprache erkennen (AUT, CHA). Die direkt neben dem gegenwärtigen Kultbau liegende, mittels einer hohen Steinmauer umfriedete Begräbnisstätte bestand bereits zu Zeiten der älteren Hubertuskirche, die in den 1840er-Jahren auf dem gleichen Areal wie der Nachfolger, indes ein wenig weiter nordöstlich, realisiert worden war (GAT, SOK, SOH).3 Mit Blick auf die historischen Grabmäler, die auf dem Friedhof erhalten sind, stechen zahlenmäßig jene aus Blaustein hervor; nur wenige Exemplare aus regionaltypischem Sandstein sind vorzufinden (AUT, SEL, BTY, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Pfarrkirche Sankt Hubertus Spätestens seit dem 16. Jahrhundert gab es in Blaschette ein Gotteshaus, das schon damals dem Heiligen Hubertus von Lüttich, dem Schutzpatron der Jäger, geweiht war.4 Mutmaßlich handelte es sich dabei um das mit einem Kreuz markierte Rechteckvolumen, das noch auf der Ferraris-Karte im südlichen Teil der heutigen Rue de l’Ecole zu sehen ist. 5 Ein Vergleich mit dem 1824 datierten Urkataster und insbesondere mit dessen in den Folgedekaden überarbeiteter Version belegt die 1 Vgl. Langini, Alex, ‚Kirchen im Kanton Mersch‘, in: nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur. Numéro spécial „Kanton Miersch“, Jahrgang 34, Heft 3/4, Luxemburg, 2013, S. 365-396, hier S. 367; Olinger, Rob. (Robert) ‚Blascheid und seine Identität‘, in: Sapeurs-Pompiers Blaschette, D’Blaaschenter Pompjeën. 1932-1992, Luxemburg, o. J., S. 49-51, hier S. 51; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lorentzweiler B1, 1824ff. (überarbeitete Version); Laurent, Johannes Theodor; Föhr, J.</p>\n<p class=\"lf-p\">M. (Jean Michel) et al., Chronik der Pfarrei von Blascheid, Archives diocésaines, PA.Blascheid 6, o. O., 1844-1963, S. 2, 7 und 17; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Topografische Karte, 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Vgl. Langini, Alex, ‚Kirchen im Kanton Mersch‘, in: nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur. Numéro spécial „Kanton Miersch“, Jahrgang 34, Heft 3/4, Luxemburg, 2013, S. 365-396, hier S. 367; Wolff, Guy, ‚Freiwillige Feuerwehr Blascheid 1932-1992. Chronik‘, in: Sapeurs-Pompiers Blaschette, D’Blaaschenter Pompjeën. 1932-1992, Luxemburg, o. J., S. 33-46, hier S. 41.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster.</p>\n<p class=\"lf-p\">Lorentzweiler B1, 1824ff. (überarbeitete Version); Administration du cadastre et de la topographie du GrandDuché de Luxembourg, Topografische Karte, 2021; Zenner, Roby, ‚Aus der Pfarrei Blascheid‘, in: Letzeburger Sonndesblad, Jahrgang 133, Heft 26, Luxemburg, 25. Juni 2000, S. 24; Leuck, Paul, ‚Geschichte und Heimatkunde.</p>\n<p class=\"lf-p\">100 Jahre Pfarrgeschichte Blascheid-Eisenborn. Zur Einweihung der neuen Pfarrkirche (II.)‘, in: Luxemburger Wort, 28./29.10.1939, S. 8; Staud, Richard Maria; Reuter, Joseph, ‚Die kirchlichen Kunstdenkmäler der Diözese Luxemburg‘, in: Ons Hémecht, Jahrgang 40, Heft 2, Luxemburg, Juni 1934, S. 82-96, hier S. 89.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Vgl. Anonym, Blaschette, Archives diocésaines, GV.Pfarrchroniken 31, o. O., o. J.; P. L. (Paul Leuck), ‚Geschichte und Heimatkunde. 100 Jahre Pfarrgeschichte Blascheid-Eisenborn. Zur Einweihung der neuen Pfarrkirche (I.)‘, in: Luxemburger Wort, 27.10.1939, S. 4; Zenner, Roby, ‚Aus der Pfarrei Blascheid‘, in: Letzeburger Sonndesblad, Jahrgang 133, Heft 26, Luxemburg, 25. Juni 2000, S. 24.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Vgl. Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Bourglinster 243B; Anonym, Blaschette, Archives diocésaines, GV.Pfarrchroniken 31, o. O., o. J.; P. L. (Paul Leuck), ‚Geschichte und Heimatkunde. 100 Jahre Pfarrgeschichte Blascheid-Eisenborn. Zur Einweihung der neuen Pfarrkirche (I.)‘, in: Luxemburger Wort, 27.10.1939, S. 4.</p>\n<p class=\"lf-p\">42 Existenz dieses alten Sakralbaus zumindest bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.6 Denn auf letzterer ist auch dessen Anfang der 1840er-Jahre errichteter größerer Nachfolger nebst angrenzendem Friedhofsareal verzeichnet.7 Wohl im Kontext mit der 1844 erfolgten Erhebung der Ortschaft Blaschette zur eigenständigen Pfarrei durch den seinerzeitigen Apostolischen Vikar in Luxemburg, Johannes Theodor Laurent, wurde der damalige Kirchenneubau realisiert.8 Mit dessen Vollendung verlor der ältere Vorgänger seine Funktion und wurde augenscheinlich im weiteren Verlauf des 19.</p>\n<p class=\"lf-p\">Jahrhunderts niedergelegt. Eine zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene Bodenkarte belegt zumindest, dass das alte Gotteshaus zwischenzeitlich verschwunden ist.9 Das in den frühen 1840erJahren fertiggestellte Gotteshaus, das ebenfalls dem Heiligen Hubertus geweiht war, befand sich ungefähr an der Stelle, wo auch das heutige steht. 10 Nachdem ersteres im August 1938 bis auf den Turm und die Grundmauern abgebrannt war, wurde innerhalb eines Jahres der gegenwärtige Kirchenbau errichtet, der im Herbst 1939 eingesegnet wurde.11 Dieser markante Kirchenbau, der nach Plänen des Luxemburger Architekten Jean Deitz-Kintzelé errichtet wurde, ist von der leicht unterhalb verlaufenden Rue de Fischbach über eine mehrstufige Treppe zugänglich (AUT, CHA, AIW).12 Zuerst gelangt man auf einen Parkplatz, von dem alle 6 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster.</p>\n<p class=\"lf-p\">Lorentzweiler B1, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion); Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lorentzweiler B1, 1824ff. (überarbeitete Version).</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lorentzweiler B1, 1824ff. (überarbeitete Version).</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Vgl. Laurent, Johannes Theodor; Föhr, J. M. (Jean Michel) et al., Chronik der Pfarrei von Blascheid, Archives diocésaines, PA.Blascheid 6, o. O., 1844-1963, S. 1; Olinger, Rob. (Robert) ‚Blascheid und seine Identität‘, in:</p>\n<p class=\"lf-p\">Sapeurs-Pompiers Blaschette, D’Blaaschenter Pompjeën. 1932-1992, Luxemburg, o. J., S. 49-51, hier S. 50: Im Zuge dieser Erhebung wurde die bisherige Pfarrei Eisenborn zur Kaplanei herabgesetzt und mit den Weilern Klingelscheuer und Asselscheuer der neuen Pfarrei Blaschette unterstellt. Vgl. überdies in diesem Kontext:</p>\n<p class=\"lf-p\">Zenner, Roby, ‚Aus der Pfarrei Blascheid‘, in: Letzeburger Sonndesblad, Jahrgang 133, Heft 26, Luxemburg, 25.</p>\n<p class=\"lf-p\">Juni 2000, S. 24; Leuck, Paul, ‚Geschichte und Heimatkunde. 100 Jahre Pfarrgeschichte Blascheid-Eisenborn. Zur Einweihung der neuen Pfarrkirche (II.)‘, in: Luxemburger Wort, 28./29.10.1939, S. 8; Staud, Richard Maria;</p>\n<p class=\"lf-p\">Reuter, Joseph, ‚Die kirchlichen Kunstdenkmäler der Diözese Luxemburg‘, in: Ons Hémecht, Jahrgang 40, Heft 2, Luxemburg, Juni 1934, S. 82-96, hier S. 87ff.: Die Angabe des Baujahrs der Kirche variiert in den Quellen zwischen 1842 und 1844.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Bodenkarte der Sectionen Lorentzweiler &amp; Blascheid. Bodenanalyse, [Karte], Privatbesitz Raashaff, o. O., o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">10 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster.</p>\n<p class=\"lf-p\">Lorentzweiler B1, 1824ff. (überarbeitete Version); Administration du cadastre et de la topographie du GrandDuché de Luxembourg, Topografische Karte, 2021; Weber, Edouard, Eglise de Blaschette, [Fotografische Aufnahme], Commission des Archives Lorentzweiler, Blaschette, o. J.; Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatbesitz Raashaff, Blaschette, 1939.</p>\n<p class=\"lf-p\">11 Laurent, Johannes Theodor; Föhr, J. M. (Jean Michel) et al., Chronik der Pfarrei von Blascheid, Archives diocésaines, PA.Blascheid 6, o. O., 1844-1963, S. 7: Die Grundsteinlegung für die neue Kirche fand am 13. März 1939 statt. Vgl. zudem Wolff, Guy, ‚Freiwillige Feuerwehr Blascheid 1932-1992. Chronik‘, in: Sapeurs-Pompiers Blaschette, D’Blaaschenter Pompjeën. 1932-1992, Luxemburg, o. J., S. 33-46, hier S. 41; Olinger, Rob. (Robert) ‚Blascheid und seine Identität‘, in: Sapeurs-Pompiers Blaschette, D’Blaaschenter Pompjeën. 1932-1992, Luxemburg, o. J., S. 49-51, hier S. 51; Weber, Edouard, Eglise de Blaschette, [Fotografische Aufnahme], Commission des Archives Lorentzweiler, Blaschette, o. J.; Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatbesitz Raashaff, Blaschette, 1939.</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Vgl. Service des sites et monuments nationaux, Blaschette. L’église St. Hubert avec le cimetière et la croix de chemin, Service des sites et monuments nationaux, Protection juridique, classement comme monument national, 2017-2021; Langini, Alex, ‚Kirchen im Kanton Mersch‘, in: nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur. Numéro spécial „Kanton Miersch“, Jahrgang 34, Heft 3/4, Luxemburg, 2013, S. 365-396, hier S. 367:</p>\n<p class=\"lf-p\">Langini schreibt gar, dass der Architekt Jean Deitz den Bau „nach den Ideen von Bruder Nother Becker“ ausgeführt hätte. Dies kann bis dato zwar nicht durch weitere Quellen bestätigt werden, aber die ideelle Beteiligung des im Benediktinerkloster Maria Laach in der Osteifel beheimateten Mönchs liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Denn dieser war nachweislich planerisch an Kirchenprojekten – wie etwa der 43 Bestandteile des Ensembles in wenigen Schritten erreichbar sind. Das Volumen besteht dabei grundsätzlich aus einem einschiffigen Saalbau mit südlich angefügtem Eingangsbereich, die beide unter einem steilen, schiefergedeckten Satteldach zusammengefasst sind, sowie einem an die Nordwestecke angefügten Glockenturm, ebenfalls mit Satteldach in englischer Schiefereindeckung (AUT, CHA, BTY). Gen Osten schließt an das Langhaus ein eingezogener Chor an, wobei letzterer an der Südseite ohne Zäsur in ein leicht abgesetzt wirkendes Volumen übergeht, das die Sakristei aufnimmt (AUT, CHA). Die beiden Baukörper werden mittels eines durchgehenden Dachs nach oben hin abgeschlossen, das am Übergang zur Sakristei eine deutliche Abknickung erkennen lässt (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die zur Rue de Fischbach orientierte Hauptfassade des für seine Entstehungszeit bemerkenswert modernistischen Sakralbaus, der durch eine klare, reduzierte Formensprache charakterisiert ist, präsentiert sich zwar durch die spezifische Zusammenfügung von Schiff und Turm zweigeteilt, was aber durch die bündige Fassadengestaltung, die mehr die Einheit der beiden Baukörper betont, wieder ausgeglichen wird (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die westliche Giebelseite des Hauptvolumens zeigt eine dreiachsige Struktur, wobei die zentrale Achse besonders hervorgehoben ist (AUT, CHA). Hier wurde auf Erdgeschossniveau ein dreiteiliges, aus Sandstein gefertigtes Hochrelief angebracht (AUT). Die qualitätsvolle künstlerische Arbeit wurde von dem Bildhauer Aurelio Sabbatini geschaffen (AIW). 13 Dargestellt ist der Heilige Hubertus, der Schutzpatron der Pfarrkirche, der anhand seiner Attribute identifizierbar ist. Während Mitra und Krummstab ihn als Bischof zu erkennen geben, verweist der ruhende Hirsch zu seinen Füßen, zwischen dessen Geweihstangen ein von einem Strahlenkranz umgebener Kruzifixus zu sehen ist, auf eine mit dem Leben des Heiligen verbundene Legende (AUT, CHA). Darüber wird das Giebelfeld des Baukörpers durch ein großes, rundes Bleiglasfenster mit integrierter Kreuzform markiert, die gleich des glatten Gewändes aus Sandstein gearbeitet ist (AUT, CHA).14 Dieses belichtet die dahinterliegende Empore im Kircheninneren. Links des Hubertus-Reliefs ist ein dreigeteiltes Fensterelement, bestehend aus kleinformatigen hochrechteckigen Öffnungen mit Bleiverglasung eingefügt, die mittels einer durchgehenden, nach unten abgeschrägten und scharrierten Sandsteinsohlbank visuell zusammengefasst werden (AUT, CHA).15 Rechts der Bildtafel befindet sich an der südwestlichen Ecke des Langhauses ein angefügter überdachter Vorbereich, von dem aus sich der Haupteingang zum Gotteshaus bietet (AUT). Dieser ist über mehrere Stufen und durch zwei spitzbogige Öffnungen – einmal von Westen und einmal von Süden aus – zugänglich. Letztere werden durch die unregelmäßig gezahnte, aus Sandsteinquadern bestehende Rahmung betont und setzen sich dadurch kontrastierend von der beige verputzten Fassade ab (AUT, CHA). Diese Aussage trifft ebenso auf weitere strukturierende Gestaltungselemente zu, die sich im Außenbereich erkennen lassen – so etwa den umlaufenden Sandsteinsockel und die gezahnten Eckeinfassungen am gesamten Gebäude (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Westansicht des nördlich an das Langhaus anschließenden schlanken Glockenturms zeigt eine zweiachsige Gliederung, wobei auch hier die zentrale Achse betont wird. Die größte und markanteste Neugestaltung der Michaelskirche in Mersch in den 1930er-Jahren – beteiligt und wirkte auch bei der Ausstattung der Pfarrkirche in Blaschette mit. Vgl. hierzu u. a. Hilbert, Roger, ‚Die Dekanatskirche St. Michael in Mersch‘, in: Eist Miersch, Mersch, Juli 1992, o. S.; Hilbert, Roger, Mierscher Geschichtsfrënn, Die Pfarrei Mersch, geschichtsfrenn-miersch.lu/geschichtsfrenn/geschichte/ geschichte5.htm (25.01.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">13 Service des sites et monuments nationaux, Blaschette. L’église St. Hubert avec le cimetière et la croix de chemin, Service des sites et monuments nationaux, Protection juridique, classement comme monument national, 2017-2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">14 Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., Blaschette, Saint-Hubert, glasmalereiev.net/pages/b1994/b1994.shtml (26.01.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">15 Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., Blaschette, Saint-Hubert, glasmalereiev.net/pages/b1994/b1994.shtml (26.01.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">44 Öffnung ist auf Dachgeschossniveau integriert: Sie präsentiert sich in hochrechteckiger, im oberen Bereich spitz zulaufender Gestalt und ist mit Schallluken und einer sandsteinernen Sohlbank ausgestattet (AUT, CHA). Die restlichen Öffnungen sind nach rechts versetzt: Die drei kleinen, schmalen, hochrechteckigen Fenster mit Bleiverglasung und einfacher steinerner Sohlbank verteilen sich auf drei Ebenen und liegen auf einer Linie übereinander (AUT, CHA).16 Die gegenüberliegende Ostfassade des Turms ist prinzipiell gleich gestaltet, auch sie zeigt drei in der rechten Achse liegende kleine Fensteröffnungen und eine zentral integrierte größere Öffnung mit Schallluken auf Dachgeschossniveau (AUT, CHA). Die nördliche Ansicht indes weist auf Erdgeschossebene ein dreigeteiltes, breit angelegtes spitzbogiges Fensterelement auf, das mittels einer nach unten abgeschrägten Sandsteinsohlbank visuell zusammengefasst wird (AUT, CHA). Unterhalb der profilierten Steintraufe ist ein weiteres dreigeteiltes Fenster auszumachen, das ebenfalls mit einer durchgehenden Sandsteinsohlbank ausgestattet ist, jedoch Öffnungen im Hochformat und Schallluken aufweist (AUT, CHA). Auf der Südseite ist ein gleichartiges Fensterelement unterhalb der Traufe zu erkennen (AUT, CHA). Das den Turm abschließende Satteldach ist in englischer Manier mit Schiefer eingedeckt und wird von einem auf dem First aufsitzenden, in eine Kreisform integrierten Kreuz mit Wetterhahn bekrönt (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die mehrfach nach vorne respektive nach hinten verspringende Südfassade des Kirchenbaus wird an der linken Seite durch den bereits erwähnten, gestalterisch hervorgehobenen Eingangsbereich mit steingerahmter Spitzbogenpforte markiert (AUT, CHA). Das rechts davon auszumachende zurückliegende Langhaus wartet mit drei schmalen lanzettförmigen Bleiglasfenstern auf, die jeweils mit einer nach unten abgeschrägten Sandsteinsohlbank ausgestattet und gleichmäßig über die Fassade verteilt sind (AUT, CHA).17 Den Übergang zum schiefergedeckten Dach bildet auch hier eine profilierte Steintraufe (AUT, CHA). Die gegenüberliegende Nordansicht des Langhauses ist gleichartig gestaltet (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Gen Osten findet das Kirchenschiff seinen Abschluss in einem eingezogenen kantigen Chor, der mit Bezug zum Langhaus eine deutlich niedrigere Firsthöhe offenbart (AUT, CHA). Auf der Nordseite zeigt er ebenfalls lanzettförmige Bleiglasfenster, die prinzipiell als eine kleinere Ausführung jener betrachtet werden können, die auf beiden Seiten des Schiffs zu sehen sind (AUT, CHA).18 Auf der Südseite hingegen befindet sich die an den Chor unmittelbar anschließende Sakristei. Deren Südansicht weist auf Kellerebene ein querliegendes, halb in den Sandsteinsockel integriertes zweiflügeliges Fenster und auf Erdgeschossniveau ein dreigeteiltes Fensterelement mit Bleiverglasungen, davorgesetzten Gitterstäben und durchgehender Sandsteinsohlbank auf (AUT, CHA).19 Zutritt zur Sakristei bietet sich über den an der Westseite des kleinen Baukörpers liegenden Eingang mit hölzerner Tür in Spitzbogenform, der über eine mehrstufige Treppe erreicht werden kann (AUT, CHA). Links davon befindet sich zudem eine in den Keller hinabführende Betontreppe mit seitlicher Sandsteineinfassung (AUT, CHA). Die östliche Ansicht der beiden ineinander übergehenden Volumina von Chor und Sakristei ist geschlossen gehalten.20 16 Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., Blaschette, Saint-Hubert, glasmalereiev.net/pages/b1994/b1994.shtml (26.01.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">17 Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., Blaschette, Saint-Hubert, glasmalereiev.net/pages/b1994/b1994.shtml (26.01.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">18 Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., Blaschette, Saint-Hubert, glasmalereiev.net/pages/b1994/b1994.shtml (26.01.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">19 Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., Blaschette, Saint-Hubert, glasmalereiev.net/pages/b1994/b1994.shtml (26.01.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">20 Sowohl die prinzipielle Gestalt als auch der Dekor inklusive Inschrift lassen an die beiden noch vorhandenen Beichtstühle in der Merscher Michaelskirche denken, die mit ziemlicher Sicherheit aus den 1930er-Jahren stammen. Vgl. hierzu u. a. Winckel, Jos., ‚Silhouetten. Die Pfarr- und Dekanatskirche zu St. Michael in Mersch‘, in: Organisatiounskomité (Hrsg.), Kantonal-Jorhonnertfeier zu Miersch. Den 23. Hemo'nd 1939, Mersch, 1939, S.</p>\n<p class=\"lf-p\">32-36, hier S. 35.</p>\n<p class=\"lf-p\">45 Der Haupteingang der Kirche mit spitzbogiger zweiflügeliger Holztür ist von Westen und Süden durch besagte Pforten, die den Vorbereich einfassen, erreichbar (AUT, CHA). Gerahmt wird die Tür mittels eines ebenfalls spitzbogigen, mehrfach profilierten und abgestuft gestalteten Sandsteingewändes mit feiner Scharrur (AUT, CHA). Hinter dem Eingang des einschiffigen Saalbaus befindet sich linker Hand eine zur Empore führende bauzeitliche Terrazzotreppe (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Von der Empore, deren Boden mit schmalen Eichendielen ausgelegt ist, bietet sich durch eine hölzerne Tür mit Spitzbogengiebel Zugang zum Treppenhaus des Turms. Von hier gelangt man über eine Leiter zum Dach und dem in weiten Teilen bauzeitlich erhaltenen Dachstuhl mit sichtbaren Abbundzeichen (AUT, CHA). Unterhalb der Treppe ist an der westlichen Innenwand ein hölzerner Beichtstuhl mit Schnitzdekor integriert, der im oberen Bereich folgende Inschrift trägt, die beidseitig von je einem geschnitzten Kreuz flankiert wird: ‚GEHE ∙ IN ∙ FRIEDEN‘ (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Direkt gegenüber dem Eingangsportal bietet sich durch eine ebenfalls spitzbogige Öffnung Zugang zur zwei Stufen tiefer liegenden Taufkapelle der Kirche, die im Erdgeschoss des Glockenturms untergebracht ist. Diese ist mittels eines zweiflügeligen schmiedeeisernen Tors verschlossen; hier sind das – aus den beiden übereinanderliegenden Buchstaben ‚XP‘ gebildete – Christusmonogramm und darunter die Figur Johannes des Täufers mit Kreuzstab und Taufschale in Muschelform zu erkennen (AUT, CHA). Der Boden der Kapelle ist mit geschlierten, hellblau-beige geflämmten quadratischen Fliesen im Cerabati-Stil belegt, die in regelmäßiger Rasterung von kleineren unifarbenen Mosaikfliesen in Orangerot gerahmt werden (AUT, CHA). Das mittig im Raum aufgestellte Taufbecken ist aus verschiedenfarbigen Marmorsorten gefertigt und setzt sich aus einem kantigen Sockel, auf dem vier Rundsäulen platziert sind, die das eigentliche Wasserbecken tragen, zusammen (AUT, CHA). Auf Letzterem sind die Worte ‚ICH TAUFE DICH / IM NAMEN DES VATERS UND DES SOHNES UND DES HEILIGEN GEISTES‘ zu lesen. Abgedeckt ist das Becken mittels eines bronzenen Deckels mit Kreuz- und Fischsymbol am Griff, der vom Kunstschmied Michel Haagen geschaffen wurde (AUT, CHA, AIW).21 Zwischen dem Taufbecken und dem dreigeteilten spitzbogigen Fenster mit farbiger Bleiverglasung, durch das die Kapelle belichtet wird, steht auf einem Sockel eine aus Holz geschnitzte Madonnenfigur in modernistisch-abstrahierter Formensprache. Genanntes Bleiglasfenster wurde – wie alle anderen in der Kirche – nach Entwürfen von Bruder Notker Becker aus der Benediktinerabtei Maria Laach in der Mondorfer Glaserei der Gebrüder Linster hergestellt (AUT, CHA, AIW).22 Unter anderem sind in die Komposition die Worte ‚HOFFNUNG / GLAUBE / LIEBE‘ und die Taube als Sinnbild für den Heiligen Geist integriert (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das Schiff des Saalbaus wird von einer glatt verputzten Spitztonne mit integrierten Stichkappen überwölbt (AUT). Der Boden des Langhauses ist zum Teil mit den gleichen Fliesen ausgelegt wie jener in der Taufkapelle, zeigt aber auch beige-braune Fliesen, ebenfalls im Quadratformat, im Villeroy &amp; BochStil (AUT, CHA). Die seitlichen Innenwände ziert ein aus 14 Holztafeln bestehender Kreuzweg, der einzelne Stationen auf dem Leidensweg Christi im Relief umfasst (AUT, CHA).23 Besonders prägend sowohl für das Antlitz der Seitenwände als auch die Wirkung des Kircheninneren sind aber sicherlich die 21 Service des sites et monuments nationaux, Blaschette. L’église St. Hubert avec le cimetière et la croix de chemin, Service des sites et monuments nationaux, Protection juridique, classement comme monument national, 2017-2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">22 Vgl. Service des sites et monuments nationaux, Blaschette. L’église St. Hubert avec le cimetière et la croix de chemin, Service des sites et monuments nationaux, Protection juridique, classement comme monument national, 2017-2021; Langini, Alex, ‚Kirchen im Kanton Mersch‘, in: nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur. Numéro spécial „Kanton Miersch“, Jahrgang 34, Heft 3/4, Luxemburg, 2013, S. 365-396, hier S. 368;</p>\n<p class=\"lf-p\">Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., Blaschette, Saint-Hubert, glasmalereiev.net/pages/b1994/b1994.shtml (26.01.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">23 Laurent, Johannes Theodor; Föhr, J. M. (Jean Michel) et al., Chronik der Pfarrei von Blascheid, Archives diocésaines, PA.Blascheid 6, o. O., 1844-1963, S. 7: In der Chronik ist ein auf den 6. Juli 1941 datierter Eintrag zu finden, in dem von der „Segnung des neuen Kreuzwegs (geschnitztes Holzrelief aus Tirol)“ die Rede ist.</p>\n<p class=\"lf-p\">46 qualitätsvollen bunten Bleiglasfenster (AUT, CHA).24 Auf beiden Seiten des Chorzugangs fand je eine Heiligenskulptur auf einer marmornen Wandkonsole Aufstellung: Links des Chors befindet sich eine Mondsichelmadonna und rechts eine Figur des Heiligen Joseph mit dem Jesuskind auf dem Arm (AUT).25 Der leicht erhöhte, über mehrere Stufen zu erreichende Chor ist mit beigefarbenem Marmor ausgelegt; auch der im vorderen Bereich platzierte massive Altarblock ist aus diesem Naturstein gearbeitet und zeigt einen ähnlichen Farbton.26 Der an der Chorabschlusswand stehende Altar mit massivem Stipes, der mittig ein Kreuz erkennen lässt, sowie abgestuftem retabelartigem Aufsatz ist aus diversen Marmorsorten gearbeitet, deren unterschiedliche Farbgebung bewusst in die Gestaltung miteinbezogen wurde.27 Besagter Altaraufsatz präsentiert sich im Zentrum dreigeteilt, wobei das Herzstück von dem nach vorne gerückten Tabernakel gebildet wird, dessen Schauseite mittels eines hochformatigen, kunstvoll getriebenen Messingreliefs geschmückt ist (AUT, CHA). Letzteres zeigt eine Mandorla, die zweigeflügelte Seraphim, das Christusmogramm Chi-Rho nebst den in lateinischer Schrift beigefügten christologischen Symbolen für „das Alpha und Omega, das Erste und der Letzte, de[n] Anfang und das Ende“ (Offb. 22,13), umfängt. 28 In den Ecken des Reliefs sind abstrahierte Ährenbündel zu sehen, die wie die anderen Sinnbilder auf das am Altar zelebrierte Messopfer hindeuten. Rechts und links des Sakramentsschränkchens befindet sich in den zurückliegenden Seitenteilen je ein weiteres Messingrelief im Hochformat: Auf beiden ist ein geflügelter Engel in Halbfigurendarstellung integriert, der einen Kelch trägt (AUT, CHA). Bekrönt wird das Tabernakel von einem auffälligen Kruzifixus, der ebenfalls aus Messing gearbeitet wurde und zum Gesamtentwurf passt (AUT, CHA). Auf dem Altar sind zudem sechs ausdrucksstarke Messingleuchter versammelt, die mit Blick auf ihre Formensprache der gleichen Stilepoche entstammen dürften (AUT, CHA). Die östliche Chorwand hinter dem Opfertisch ziert seit den 1960er-Jahren ein seitens des Luxemburger Künstlers Edouard Marie Weber – mit ‚E. M. Weber 63‘ – signiertes Gemälde, das in Grisaille-Technik ausgeführt wurde (AUT, CHA, AIW).29 Die zentrale Achse wird dabei von dem alles überragenden Christus eingenommen, der als Auferstandener mit Segensgestus und Siegesfahne dargestellt ist. Zur Rechten des Heilands kniet der Selige Schetzel von Luxemburg, zu seiner Linken der Heilige Hubertus.30 24 Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., Blaschette, Saint-Hubert, glasmalereiev.net/pages/b1994/b1994.shtml (26.01.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">25 Laurent, Johannes Theodor; Föhr, J. M. (Jean Michel) et al., Chronik der Pfarrei von Blascheid, Archives diocésaines, PA.Blascheid 6, o. O., 1844-1963, S. 7: Bei der Figur des Ziehvaters Jesu handelt es sich eventuell um jene, die anlässlich der Wahl des Heiligen Josephs zum zweiten Patron der Pfarrei am 8. September 1940 eingeweiht wurde und „aus Oberitalien“ stammen soll.</p>\n<p class=\"lf-p\">26 Dieser Altar wurde vermutlich infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) und der damit zusammenhängenden Liturgiereform installiert; der marmorne Bodenbelag bestand schon davor. Vgl. hierzu Heirand, Philippe, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatbesitz Raashaff, Blaschette, 1961: Das Anfang der 1960er-Jahre anlässlich einer Trauung entstandene Foto belegt, dass es zu dieser Zeit nur den an der östlichen Chorabschlusswand stehenden Hauptaltar gab, der bis heute an Ort und Stelle erhalten ist.</p>\n<p class=\"lf-p\">27 Es kann bis dato nicht durch Quellen belegt werden, dass der Altar nach einem Entwurf von Notker Becker O.S.B. gefertigt wurde. Die offenkundige gestalterische Verwandtschaft mit den in der Merscher Michaelskirche erhaltenen Altäre, die nachweislich auf dessen Entwürfe aus den 1930er-Jahren zurückgehen, legt dies aber mehr als nahe. Vgl. hierzu u. a. Hilbert, Roger, ‚Die Dekanatskirche St. Michael in Mersch‘, in: Eist Miersch, Mersch, Juli 1992, o. S.</p>\n<p class=\"lf-p\">28 Universität Innsbruck, Die Bibel in der Einheitsübersetzung (von 1980). Die Offenbarung des Johannes, Kapitel 20, uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/offb22.html (26.01.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">29 Vgl. Langini, Alex, ‚Kirchen im Kanton Mersch‘, in: nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur. Numéro spécial „Kanton Miersch“, Jahrgang 34, Heft 3/4, Luxemburg, 2013, S. 365-396, hier S. 368; Laurent, Johannes Theodor; Föhr, J. M. (Jean Michel) et al., Chronik der Pfarrei von Blascheid, Archives diocésaines, PA.Blascheid 6, o. O., 1844-1963, S. 17.</p>\n<p class=\"lf-p\">30 Unterhalb der beiden Figuren sind zudem Spruchbänder mit Inschriften beigefügt. Auf dem linken Band ist ‚B.</p>\n<p class=\"lf-p\">Schetzelo / o.p.n.‘ (‚Seliger Schetzel / Bete für uns‘) und auf dem rechten ‚S. Huberte / o.p.n.‘ (‚Heiliger Hubertus / Bete für uns‘) zu lesen. Vgl. zum vor allem in Luxemburg bekannten Seligen Schetzel: Weitz, Paul, ‚Der selige Schetzel im Grünewald‘, in: Letzeburger Sonndesblad, Jahrgang 114, Heft 31, Luxemburg, 9. August 1981, S. 1-2.</p>\n<p class=\"lf-p\">47 Überdies bietet sich vom Chor aus Zugang zur südlich anschließenden Sakristei: Die mittels eines spitzbogigen Rahmens mit dem integrierten Nomen sacrum ‚IHS‘ im Giebelfeld betonte Holztür zeigt ein glattes Türblatt mit Bleiverglasung in Kreuzform (AUT, CHA). Der Boden der Sakristei ist mit Eichendielen belegt, die geometrisch strukturierten Bleiglasfenster zeigen unter anderem Kreuzsymbole und großflächige Inschriften (AUT, CHA).31 Links der Sakristeitür ist eine spitzbogige Nische in die südliche Chorwand eingelassen; vor dieser befindet sich ein dekoratives gusseisernes Lüftungsgitter mit der Inschrift des Herstellers: ‚D. GUIGUET ∙ CHALONsSAÔNE‘ (AUT, CHA). Derartige Lüftungsgitter sind auch noch an anderen Stellen innerhalb der Kirche auszumachen. Belichtet wird der Chor durch zwei in die nördliche Wand integrierte Bleiglasfenster, die – wie auch jene im Langhaus – in einer tiefen Laibung sitzen und im abgeschrägten unteren Bereich mit einer Marmorfensterbank ausgestattet sind (AUT, CHA). Überdies sind auf den Fenstern Stifterinschriften zu erkennen, die an lokale Personen respektive Gemeinschaften erinnern, die den Kirchenbau durch Geldspenden unterstützt haben (SOK, SOH).32 Friedhof Die nordöstlich der Hubertuskirche liegende und komplett von einer hohen, aufgrund des ansteigenden Geländes teils abgetreppten Mauer, die in großen Teilen aus Sandstein besteht, umgebene Begräbnisstätte präsentiert sich mit trapezförmigem Grundriss (GAT). Wie bereits oben erwähnt ist davon auszugehen, dass der Gottesacker vermutlich zeitgleich mit dem zu Beginn der 1840er-Jahre errichteten Vorgänger der heutigen Hubertuskirche angelegt wurde, die etwas näher am Friedhof lag und anders zu diesem positioniert war (BTY).33 Auf der 1824 datierten Originalversion des Urkatasters ist zwar ein dem späteren Kirchhof ähnliches Areal eingezeichnet, das sich aber nicht als Begräbnisstätte zu erkennen gibt.34 Ein Vergleich eines relativ aktuellen Lageplans mit einem handgezeichneten „Plan des Kirchhofes zu Blascheid“ vom 4. Januar 1902, der in der Chronik der Pfarrei zu finden ist, lässt den Schluss zu, dass sich die grundsätzliche Situation seither kaum verändert hat.35 Auf den zitierten Plänen ist klar zu erkennen, dass der Friedhof durch einen zentral das Areal erschließenden Gang in zwei unterschiedlich große Sektionen geteilt ist (AUT, CHA). Ebenfalls sind auf beiden Dokumenten die einzelnen Grabstätten zu erkennen, die auf der Zeichnung in der Chronik der Pfarrei auch größtenteils mit den jeweiligen Familiennamen benannt sind: In der Tat lässt sich im punktuellen Abgleich einzelner</p>\n<p class=\"lf-p\">erhaltenswerter Gräber mit dem 1902 datierten Plan eine beachtenswerte Zahl von namentlichen Übereinstimmungen feststellen.36 31 Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V., Blaschette, Saint-Hubert, glasmalereiev.net/pages/b1994/b1994.shtml (26.01.2022).</p>\n<p class=\"lf-p\">32 Service des sites et monuments nationaux, Blaschette. L’église St. Hubert avec le cimetière et la croix de chemin, Service des sites et monuments nationaux, Protection juridique, classement comme monument national, 2017-2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">33 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster.</p>\n<p class=\"lf-p\">Lorentzweiler B1, 1824ff. (überarbeitete Version); Administration du cadastre et de la topographie du GrandDuché de Luxembourg, Topografische Karte, 2021; Weber, Edouard, Eglise de Blaschette, [Fotografische Aufnahme], Commission des Archives Lorentzweiler, Blaschette, o. J.; Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatbesitz Raashaff, Blaschette, 1939: Auf dem zuletzt angeführten Foto sieht man den sich im Aufbau befindenden Kirchenneubau, der etwas südöstlich seines Vorgängers errichtet wurde.</p>\n<p class=\"lf-p\">34 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lorentzweiler B1, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">35 Vgl. Anonym, Cimetière de Blaschette. Plan de Situation, [Plan], Administration communale de Lorentzweiler, o. O., 2019; Laurent, Johannes Theodor; Föhr, J. M. (Jean Michel) et al., Chronik der Pfarrei von Blascheid, Archives diocésaines, PA.Blascheid 6, o. O., 1844-1963, S. 5: Die Fläche des Friedhofs wird auf dem älteren Plan mit 4,2 Ar angegeben.</p>\n<p class=\"lf-p\">36 Vgl. Anonym, Cimetière de Blaschette. Plan de Situation, [Plan], Administration communale de Lorentzweiler, o. O., 2019; Laurent, Johannes Theodor; Föhr, J. M. (Jean Michel) et al., Chronik der Pfarrei von Blascheid, Archives diocésaines, PA.Blascheid 6, o. O., 1844-1963, S. 5.</p>\n<p class=\"lf-p\">48 In diesem Kontext ist auch erwähnenswert, dass sich seinerzeit am östlichen Ende des zentral angelegten Wegs bereits ein einzeln stehendes und mit Kreuz markiertes Objekt befunden hat: Dabei dürfte es sich schon um das noch heute an Ort und Stelle stehende sandsteinerne Denkmal mit Kreuzaufsatz gehandelt haben, das mitsamt Friedhof und Kirche im März 2021 als Monument national geschützt wurde (AUT, SEL, CHA).37 Sowohl die ursprüngliche Funktion als auch der frühere Standort des in den wenigen verfügbaren Quellen unter anderem als „Blascheider Kirchhofkreuz“ bezeichneten Denkmals scheint unklar, obwohl dessen prinzipielle Gestalt und Materialität mehr als nur nahelegt, dass es sich hierbei um ein einst eine Ruhestätte zierendes Grabmal aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts handeln dürfte (AUT, GAT, CHA).38 Das markante stelenartige Objekt setzt sich aus einem massiven mehrteiligen, aus Sandstein gefertigten Unterbau mit auffällig gezackter Dachkonstruktion zusammen (BTY). Auf der dem Friedhof zugewandten Seite sind im Mittelteil und im Giebelfeld des oberen Segments Kreuzformen integriert. Die zur Mauer orientierte Ansicht lässt eine Vertiefung im mittigen Bereich erkennen, die auf die frühere Existenz einer Tafel mit Inschrift hindeutet. 39 Bekrönt wird der Sockel durch ein dekoratives schmiedeeisernes, mittlerweile ziemlich verrostetes Kruzifix mit erhaltener gusseiserner Christusfigur, das von üppigen Efeuranken umschlungen ist (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Neben diesem fanden an der Nordostecke des Friedhofsareals noch zwei weitere sandsteinerne Grabmäler unterschiedlicher Dimension direkt vor der Mauerinnenwand Aufstellung, die ebenfalls keine Ruhestätte mehr zieren, aber im Gegensatz zu ersterem noch Tafeln mit Namensinschriften aufweisen (AUT, SEL, CHA). Bei beiden handelt es sich um schlankere Stelen aus der zweiten Hälfte des 19.</p>\n<p class=\"lf-p\">Jahrhunderts (AUT, GAT, BTY). Das links auszumachende Objekt präsentiert sich mit breitem, oben abgeschrägtem Sockel, darauf sitzender hochrechteckiger Grabplatte mit dreigeteiltem oberem Abschluss sowie einem wiederum darauf fixierten einfachen Kreuz, das sicherlich einst mit einer – gusseisernen oder steinernen – Figur des Gekreuzigten geschmückt war (AUT, CHA).40 Die Grabplatte zeigt ein mittels Profilierung und integriertem Rundbogen mit historistischem Dekor umrahmtes Innenfeld, das unter anderem die Namen und das Todesjahr der Verstorbenen aufnimmt (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das rechts daneben aufgestellte Grabmal weist eine deutlich höhere und repräsentativere Gestalt auf, obwohl es grundsätzlich dem gleichen Bautypus entspricht (AUT, GAT, CHA, BTY).</p>\n<p class=\"lf-p\">Inklusive dieser drei separat stehenden Objekte beläuft sich die Anzahl der erhaltenswerten historischen Grabmäler, die in Bezug auf den Friedhof in Blaschette zu berücksichtigen sind, auf insgesamt 17, was etwas mehr als 25 Prozent der derzeitigen Gräber ausmacht. Mit Blick auf ebenjene ist zu konstatieren, dass diese mehrheitlich aus Blaustein gearbeitet sind, nur wenige aus Beton und Granit sowie – neben den bereits beschriebenen – nur noch ein weiteres aus Sandstein (AUT, CHA). Unter diesen Grabmälern lassen sich grundsätzlich vier Bautypen erkennen, die ähnlich häufig vertreten sind: Grabmalwand, Stele, Exedra und Pfeiler.</p>\n<p class=\"lf-p\">37 Vgl. Anonym, Cimetière de Blaschette. Plan de Situation, [Plan], Administration communale de Lorentzweiler, o. O., 2019; Laurent, Johannes Theodor; Föhr, J. M. (Jean Michel) et al., Chronik der Pfarrei von Blascheid, Archives diocésaines, PA.Blascheid 6, o. O., 1844-1963, S. 5; Service des sites et monuments nationaux, Blaschette. L’église St. Hubert avec le cimetière et la croix de chemin, Service des sites et monuments nationaux, Protection juridique, classement comme monument national, 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">38 Vgl. Maurer, Gilbert, ‚Die Kreuze am Wegrand zeugen aus der Vergangenheit!‘, in: Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler (Hrsg.), Cinquantenaire de la Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler. 1934-1984, Luxemburg, 1984, S.</p>\n<p class=\"lf-p\">89-107, hier S. 105; Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992, S. 73f.; Quintus, Norbert, ,Totenschädel und Lorbeerkränze‘, in: Kmec, Sonia; Philippart, Robert L.; Reuter, Antoinette (Hrsg.), Ewige Ruhe? Grabkulturen in Luxemburg und den Nachbarregionen, Luxemburg, 2019, S. 27-34, hier S. 31.</p>\n<p class=\"lf-p\">39 Maurer, Gilbert, ‚Die Kreuze am Wegrand zeugen aus der Vergangenheit!‘, in: Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler (Hrsg.), Cinquantenaire de la Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler. 1934-1984, Luxemburg, 1984, S.</p>\n<p class=\"lf-p\">89-107, hier S. 105.</p>\n<p class=\"lf-p\">40 Diesen Schluss lassen sichtbare Fixationspunkte zu.</p>\n<p class=\"lf-p\">49 Als exemplarisch für eine aus Blaustein gefertigte Stele können etwa die beiden Grabmäler der Familien Hildgen-Simons respektive Hildgen-Stecker und Wehr-Ehlinger gelten, die eine nahezu identische Grundgestalt offenbaren und mit Bezug zu den Inschriften aus dem ersten Viertel des 20.</p>\n<p class=\"lf-p\">Jahrhunderts stammen dürften.41 Beide zeigen einen Aufbau aus mehrfach abgestuftem Sockel, darauf fixierter hochrechteckiger Tafel mit Spitzbogenabschluss und dezentem historisierendem Dekor sowie einem alles überragenden Kruzifixus (BTY). Während die an dem Kreuz des einen Grabmals fixierte Christusfigur nebst Titulis Crucis mit dem ‚INRI‘-Schriftzug aus Bronze gefertigt wurde, ist diejenige an dem anderen aus weißem Marmor hergestellt (AUT, CHA). Bei dem Grab der Familie Hildgen ist überdies noch die ebenfalls aus Blaustein gearbeitete Grababdeckung inklusive scharrierter Umrandung erhalten (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Ein gut erhaltenes Beispiel für den Exedra-Typus ist das wohl ebenfalls im frühen 20. Jahrhundert geschaffene, repräsentative Grab der Familie Kemp-Kaufmann, hergestellt im Betrieb J. P. Schou in Grevenmacher (AUT, GAT, CHA). Die visuell dreigeteilte Komposition ist insbesondere durch einen markanten Mittelteil charakterisiert, der sowohl mit Blick auf die Dimension als auch die nach vorne verspringende Positionierung hervorgehoben wird und der formalen Gestalt nach an eine Ädikula gemahnt (BTY). Die von kantigen Pfeilern mit Fasen und geometrischen Zierfriesen beidseitig begrenzte hochrechteckige Grabtafel integriert eine tieferliegende schwarze Platte, in die Inschriften eingraviert sind (AUT, CHA). Nach oben hin abgeschlossen wird der Mittelteil durch einen geschwungenen rundbogigen Abschluss mit seitlichen Ausläufern, auf dem ein massives Kleeblattkreuz mit bronzenem Christus fixiert ist (AUT, CHA). Seitlich flankiert wird die zentral platzierte tempelartige Kleinarchitektur von geradlinigen, zeittypisch daherkommenden Wangen, die jeweils von einem kantigen Pfeiler mit dekorativem Deckelvasenaufsatz eingefasst werden (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Bei der Betrachtung der Grabmäler in Pfeilerform lassen sich verschiedene Materialien ausmachen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Der hoch aufragende, mehrfach abgestufte Pfeiler mit aufgesetztem Kleeblattkreuz der Familie WirtzMerges mit einem Sockel, der die typische Golgota-Motivik aufzeigt, die den Hinrichtungsort Christi versinnbildlichen soll, ist das einzige aus Sandstein geschaffene erhaltenswerte Grabmal, das eine noch existente Ruhestätte ziert (AUT, SEL, GAT, CHA, BTY). Die Jahresinschriften auf der vorhandenen Tafel, die auf die zweite Hälfe des 20. Jahrhunderts verweisen, lassen den Schluss zu, dass es sich hier um eine Wiederverwendung handeln muss. Weiterhin sind diesem Bautypus das Grabmal der Familie Redlinger mit imposantem Blausteinsockel und farblich kontrastierendem großem Marmorkreuz mit bronzener Christusfigur sowie das komplett aus Blaustein gefertigte der Familie Klemens-Jegen zuzuordnen (AUT, GAT, CHA, BTY).</p>\n<p class=\"lf-p\">Unter den schützenswerten Objekten, die dem Bautypus der Grabmalwand entsprechen, liegen die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandenen zahlenmäßig vorne. Ein besonders hervorstechendes Exempel für ein in zeittypischer Gestalt und Materialität daherkommendes Grabmal aus dieser Epoche ist die geradlinig und konsequent gestaltete Grabmalwand aus grobkörnigem Beton der Familie Reckinger-Conrardy respektive Conrardy-Wahl, die sowohl unter Berücksichtigung der lesbaren Inschriften als auch der modernistischen Formensprache wohl um die Mitte des 20.</p>\n<p class=\"lf-p\">Jahrhunderts geschaffen wurde (AUT, SEL, GAT, CHA, BTY). Sie ist aus einem erhöhten querrechteckigen Mittelteil, der von einem gleichschenkligen Kreuz aus poliertem schwarzem Granit geschmückt wird, zusammengesetzt (AUT, CHA). Seitlich flankiert wird Letzterer durch zwei niedrigere und kleinere Rechteckplatten, auf denen Inschriftentafeln, ebenfalls aus schwarzem Granit, befestigt sind (AUT, CHA). Bemerkenswert ist bei diesem Grabmal, dass es in Gänze und unbeschadet überdauert hat: So sind die in den Höhen mehrfach verspringende Grababdeckung mit darauf fixiertem bronzenem 41 Vgl. zur industriellen Fertigung von Grabmälern aus Blaustein ab dem Ende des 19. Jahrhunderts u. a. Quintus, Norbert, ,Totenschädel und Lorbeerkränze‘, in: Kmec, Sonia; Philippart, Robert L.; Reuter, Antoinette (Hrsg.), Ewige Ruhe? Grabkulturen in Luxemburg und den Nachbarregionen, Luxemburg, 2019, S. 27-34, hier S. 32.</p>\n<p class=\"lf-p\">50 Kruzifixus und die komplette Umfassung erhalten; selbst ein zum Gesamtentwurf passender Pflanzkasten ist noch vorhanden (AUT, SEL, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das im Zentrum von Blaschette liegende Bauensemble, das sich aus der 1939 errichteten Hubertuskirche und dem nördlich angrenzenden, wohl spätestens um die Mitte des 19. Jahrhunderts angelegten Friedhofsareal zusammensetzt, ist schon allein mit Fokus auf die Sozial- und Kultusgeschichte sowie die Orts- und Heimatgeschichte ein äußerst wichtiger Ankerpunkt, der zudem das Antlitz des Dorfs in entscheidendem Maße prägt. Das als einschiffiger Saalbau mit angefügtem Glockenturm daherkommende Gotteshaus, das nach Entwürfen des Architekten Jean Deitz-Kintzelé errichtet wurde, präsentiert sich in weiten Teilen als authentischer Zeuge seiner Entstehungszeit, der von einer klaren Formensprache, die sowohl traditionalistische als auch modernistische Elemente erkennen lässt, geprägt ist. So wird das äußere Antlitz unter anderem durch die strukturierenden Sandsteinelemente bestimmt, die sich etwa mit Blick auf den markanten Sockel und die gezahnten Eckeinfassungen offenbaren. Im Inneren stechen besonders die farbigen Bleiglasfenster hervor, deren historistische Spitzbogenform selbstredend auch den Fassadenaufriss bestimmt. Auf dem Areal des durch eine hohe Steinmauer umfassten Friedhofs ist noch eine recht hohe Zahl beachtenswerter historischer Grabmale erhalten, die mehrheitlich aus Blaustein gearbeitet und diversen Bautypen zuzuordnen sind. Diese lassen die Entwicklung der Bestattungskultur exemplarisch nachvollziehen. All dies unterstreicht den Denkmalwert der zu diesem funktionalen und historischen Ensemble gehörenden Einzelobjekte. Aus diesem Grund wurde die Hubertuskirche nebst Begräbnisstätte und dem darauf stehenden Friedhofskreuz bereits am 5. März 2021 als Monument national unter Schutz gestellt.42 Mit dem Inkrafttreten des Kulturschutzgesetzes vom 25. Februar 2022 änderte sich die bis dahin gültige Statusbezeichnung eines national geschützten Kulturguts. Seither gelten alle unter nationalem Schutz stehenden Gebäude, Stätten und Objekte als Patrimoine culturel national. Vor Inkrafttreten dieses Gesetzes waren geschützte Baukulturgüter entweder als Monument national geführt oder in das Inventaire supplémentaire eingetragen. Die Definition als Patrimoine culturel national erfolgt indes auch bei bereits unter Denkmalschutz stehenden Kulturgütern nicht automatisch. Generell gilt, dass erst ein für die gesamte Gemeinde erstelltes wissenschaftliches Inventar und die damit verbundene Analyse der historischen Bausubstanz Aufschluss darüber geben kann, ob ein Gebäude, ein Objekt oder eine Stätte</p>\n<p class=\"lf-p\">für die weitere Zukunft zu erhalten ist. Nach Abschluss der Inventarisierungsarbeiten in der Gemeinde Lorentzweiler kann bestätigt werden, dass das hier beschriebene Ensemble in Blaschette, bestehend aus Kirche und Begräbnisstätte sowie dem separat stehenden Friedhofskreuz, die notwendigen Kriterien erfüllt, um als Patrimoine culturel national zu gelten und entsprechenden Schutz zu genießen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (SOK) Sozial- oder Kultusgeschichte, (AIW) Architekten-, Künstler- oder Ingenieurswerk, (SOH) Siedlungs-, Orts- oder Heimatgeschichte, (BTY) Bautypus 42 Service des sites et monuments nationaux, Blaschette. L’église St. Hubert avec le cimetière et la croix de chemin, Service des sites et monuments nationaux, Protection juridique, classement comme monument national, 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">51 Cimetière: Plan de situation 52 Blaschette | o. N., Raashaff Etwas nördlich der Ortschaft Blaschette befindet sich der sogenannte ‚Raashaff‘ (GAT). Dieser liegt – umgeben von Grünflächen – etwa auf halber Strecke zwischen dem Dorf und dem ‚Härebësch‘ an einem Hang. Der Streuhof gehört zu den großen landwirtschaftlichen Anwesen, die das Dorfbild von Blaschette über Jahrhunderte hinweg geprägt haben (SOH, BTY). Die älteste Bausubstanz des Anwesens geht auf das 17. Jahrhundert zurück, sodass die Anlage nicht nur zu den ältesten Bauten von Blaschette, sondern der ganzen Gemeinde gehört (AUT, SEL, CHA, SOH).1 Die wechselvolle Geschichte des Bauernhofs und seiner jeweiligen Besitzer ist unter anderem durch unterschiedliche Archivdokumente nachzuvollziehen. In diesen wird der Hof unter anderem auch als „Rauchshof“, „Rachshof“, „Rasshoff“, „Rahshoff“, „Raashoff“, „Rashov“, „Rashoff“ und „Rashof“ bezeichnet.2 Die bis dato ältesten überlieferten Quellen sind auf 1581 und 1640 datiert. 3 In dieser ist zu lesen, dass Hans Hulenich von Reuland seinerzeit seine Güter abtrat, die im Blaschetter Bann lagen.4 Im Jahr 1677 soll Katharina (Witwe von Wylandt Johannes von Steinsel) auf dem Hof gelebt haben und kurze Zeit danach das Ehepaar Johan Bernard von Savelborn und Susanna Bastendorf.5 Um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert heiratete Wilhelm Dostert deren Tochter Susanna und wurde somit zum neuen Hofbesitzer.6 Aus einer notariellen Urkunde geht hervor, dass 1705 Peter Wagner und dessen Frau Elisabeth auf dem Hof lebten.7 Deren Sohn Heinrich Wagner übernahm mit Elisabeth Steichen in den 1720er-Jahren die ganze Anlage.8 Anfang der 1730er-Jahre brach ein Streit zwischen Peter Wagner vom Raashof und Johann Raus von Hembtall um den Besitz des Raashofs aus.9 Mitte des 18. Jahrhunderts ist Heinrich (Henricus) Wagner als Bauer des Hofs dokumentiert. 10 Dessen Nachfolger, Petrus (Pierre) 1 Lutgen, Thomas, Kurzbericht, Dendrochronologische Holzalterbestimmung. Ehem. landwirtschaftliches Gehöft „Raashaff“. 1, rue de Fischbach/L-7391 Blaschette, [Unveröffentlichter Bericht], Service des sites et monuments nationaux, Wasserbillig, 2021, S. 6.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Vgl. Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 3; François, F., o. T., [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, o. O., 20.07.1776; Kieller, S., In nomine domini Amen, [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, o.</p>\n<p class=\"lf-p\">O., 09.12.1726; Anonym, o. T., Privatbesitz Raashaff, o. O., 1789; Brineon, o. T., Privatbesitz Raashaff, o. O., 1775;</p>\n<p class=\"lf-p\">Anonym, o. T., Privatbesitz Raashaff, o. O., 1794; Anonym, Etat nominatif des (…) nationales transférées par l’acte ci-après au Citoyen Henry Wagner de Rashoff, Privatbesitz Raashaff, o. O., 1776: Teile des Dokumententitels konnten bis dato nicht entziffert werden.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Vgl. Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 3; Anonym, o. T., Privatbesitz Raashaff, o. O., 1640; Heiderscheid, André, Lorentzweiler im Laufe der Jahrhunderte, Luxemburg, 1954, S. 29.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Vgl. Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 3; Anonym, o. T., Privatbesitz Raashaff, o. O., 1640: Dabei könnte es sich möglicherweise auch um die Grundstücke des Rashofs handeln.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Vgl. Berchem, Raashof, 1933, S. 3; Engslinger, G., o. T., [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, o. O., 20.10.1678;</p>\n<p class=\"lf-p\">Anonym, o. T., Privatbesitz Raashaff, o. O., 1677: Das Dokument ist signiert, jedoch konnte die Unterschrift bis dato nicht entziffert respektive keiner Person zugeordnet werden.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Vgl. Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 4; Denis, B., o. T., [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, o. O., 1735: Es handelt sich hierbei um eine offizielle Transkription einer Hochzeitsurkunde, die am 4.</p>\n<p class=\"lf-p\">Dezember 1692 ausgestellt wurde; Dostert, Wilhelm; Thintz, Nicolas; Berdorf Jeschs, Johannes u. a, (...). Amen, Privatbesitz Raashaff, o. O., o. J.: Titel und Datum werden im Dokument genannt, konnten aber bis dato nicht entziffert werden.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Vgl. Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 4; Donlinger, J. A., o. T., [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, o. O., 19.05.1705; Kieller, S., In nomine domini Amen, [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, o.</p>\n<p class=\"lf-p\">O., 09.12.1726: Der Familienname ist in unterschiedlichen Dokumenten auch als „Wagener“ zu finden.</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Vgl. Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 4; Kieller, S., In nomine domini Amen, [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, o. O., 09.12.1726.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 4: Vermutlich blieb Wagner im Besitz des Hofs.</p>\n<p class=\"lf-p\">10 Anonym, o. T., [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, o. O., 12.07.1755.</p>\n<p class=\"lf-p\">53 Wagner und seine Frau Maria Bichler werden als die nächsten Landwirte bezeichnet.11 Deren Sohn Heinrich bewirtschaftete als deren Nachfolger später den Hof mit seiner ersten Frau Margaretha Brimmeyr und nach ihrem Tod mit seiner zweiten Frau Maria Katharina Witry.12 Heinrich Wagner und Maria Witry gelten als Stifter der ‚Raashaffkapell‘, die an der Ecke der Rue de Fischbach und der Rue de Wormeldange steht.13 Später wohnten Willibrord Wagner und Anne Kischtges auf dem Bauernhof.14 Eine notarielle Urkunde von 1848 belegt, dass deren älteste Tochter, Anna Katharina Wagner, Nik (Nicolas) Engel heiratete und diese dann zusammen den Hof übernahmen.15 Mit Hilfe seines Onkels Pierre (Peter) Wagner und seines Bruders Nick bewirtschaftete der Sohn des Ehepaars Mathias mit seiner Frau Anna Hoffman die Ländereien.16 Ab 1920 war Albert Engel (eigentlich Jean-Pierre Engel), der zeitweilig Bürgermeister der Gemeinde war, Landwirt auf dem Hof und heiratete die aus Michelbrouch stammende Marie Kayser (SOH).17 Deren Nichte aus Michelbrouch wohnte ab 1953 auf dem Raashof, wo sie auch half; in späteren Jahren übernahm sie mit ihrem Mann den Betrieb, weil die Ehe von Albert Engel und Marie Kayser kinderlos blieb.18 Der landwirtschaftliche Betrieb wurde im Jahr 1994 eingestellt.19 Auch die bauliche Entwicklung des Raashofs lässt sich anhand von Archivdokumenten und historischen Karten nachvollziehen. In einer Eigentumsaufzählung findet sich der Hinweis, dass in der Zeit, als Petrus Wagner im späten 18. respektive frühen 19. Jahrhundert den Hof bewirtschaftet hat, dieser im Besitz eines zweistöckigen Hauses, einer Schäferei, einer Scheune mit Stallungen, eines Schuppens, einer Kapelle sowie eines Hirtenhauses mit Scheune und Stallungen war.20 Diese Aufzählung kann mit der 1778 fertiggestellten Ferraris-Karte verglichen werden, auf der der Hof mit der Bezeichnung C ̦ se Rashoff̒ 11 Vgl. Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 10; Brosius, H., o. T., [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, Mersch, 18.04.1767; Brineon, D., o. T., [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, o. O., 22.09.1772.</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Vgl. Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 13; François, F., o. T., [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, o. O., 20.07.1776; Anonym, Etat nominatif des (…) nationales transférées par l’acte ci-après au Citoyen Henry Wagner de Rashoff, Privatbesitz Raashaff, o. O., 1776; Anonym, Milice nationale. Contrat de remplacement, Privatbesitz Raashaff, o. O., 1820: Nach Margaretha Brimmeyrs Tod heiratete Wagner ein paar Jahre später Maria Katharina Witry.</p>\n<p class=\"lf-p\">13 Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, 1933, S. 16.</p>\n<p class=\"lf-p\">14 Vgl. Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 14; Fehlen, N° 29. du 27 Janvier 1848, [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, o. O., 27.01.1848; Anonym, Milice nationale. Contrat de remplacement, Privatbesitz Raashaff, o. O., 1820.</p>\n<p class=\"lf-p\">15 Vgl. Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 16; Fehlen, N° 29. du 27 Janvier 1848, [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, o. O., 27.01.1848; Leclerc, Jacques Théodore Joseph, N°199, [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, Mersch, 18.01.1826; Anonym, o. T., [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, o. O., o. J.: Der Bruder André Nicolas arbeitete ebenfalls auf dem Hof.</p>\n<p class=\"lf-p\">16 Vgl. Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 16; Anonym, ‚180 Jahre Raashof‘, in:</p>\n<p class=\"lf-p\">Sapeurs-Pompiers Blaschette, D’Blaaschenter Pompjeën. 1932-1992, Luxemburg, o. J., S. 56-60, hier S. 58;</p>\n<p class=\"lf-p\">Clement, Michel, N°54, [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, Mersch, 17.03.1864.</p>\n<p class=\"lf-p\">17 Vgl. Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 16; Anonym, ‚180 Jahre Raashof‘, in:</p>\n<p class=\"lf-p\">Sapeurs-Pompiers Blaschette, D’Blaaschenter Pompjeën. 1932-1992, Luxemburg, o. J., S. 56-60, hier S. 58;</p>\n<p class=\"lf-p\">Eichhorn, Edouard, N°169. Verkauf vom 26. Juli 1932, [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, Mersch, 21.09.1932.</p>\n<p class=\"lf-p\">18 Vgl. Anonym, ‚180 Jahre Raashof‘, in: Sapeurs-Pompiers Blaschette, D’Blaaschenter Pompjeën. 1932-1992, Luxemburg, o. J., S. 56-60, hier S. 59; mündliche Auskunft vor Ort, am 26. Juli 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">19 Mündliche Auskunft vor Ort, am 26. Juli 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">20 Anonym, Raßshoof gelegen auff der frei Herschafft Meysemburg. Petrus Wagner von Raaßshooff, Privatbesitz Raashaff, o. O., o. J.: Dabei handelt es sich vermutlich nicht um die heute noch überlieferte Schäferei in der Gemarkung In der Bergwies oberhalb von Blaschette, sondern wahrscheinlich um ein weiteres Schäfereigebäude, das sich innerhalb der umfriedeten Anlage des Rashofs befand.</p>\n<p class=\"lf-p\">54 eingetragen ist.21 In der umfriedeten Anlage sind drei Gebäude verzeichnet, die verstreut um einen Brunnen errichtet wurden.22 Westlich davon befindet sich ein weiteres Gebäude, das nicht mehr existiert.23 Auf dem 1824 datierten Urkataster ist eine ähnliche Hofstruktur zu erkennen.24 Auf Letzterem ist das heute noch vorhandene Wohnhaus als längsrechteckiges, teils verschachteltes Volumen zu erkennen. Im Gegensatz zur Ferraris-Karte ist hier indes ein weiteres Gebäude verzeichnet. Eine 1826 datierte Urkunde bezeugt, dass zu dieser Zeit die gebauten Strukturen der Anlage aus Wohnhaus, Scheune, Ställen, Schäferei, Hirtenhaus, Schuppen und Toiletten bestanden haben.25 Diese Konstellation der Bauten hat bis Anfang des 20. Jahrhunderts überdauert.26 Nur die Nutzbauten des Hofs wurden verändert. So wurde der nördlich liegende Stall um 1915 errichtet und das östlich davon stehende Gebäude um 1928 (ENT).27 Im Jahr 1962 wurde südlich des Hofs ein neues Wohnhaus errichtet, in dem eine 1690 datierte Takenplatte aus dem früheren Wohnhaus aufbewahrt wird.28 Die letzte große Veränderung fand in den 1970er-/1980er-Jahren mit der großflächigen Überdachung des Hofs und der Erbauung weiterer landwirtschaftlicher Nutzbauten statt.29 Wie oben erwähnt weist der Hauptbaukörper des Hofs die älteste Bausubstanz der Anlage auf.30 Wegen der ansteigenden Topografie des Grundstücks wird ein ganzes Stockwerk der südlichen Fassade vom Erdreich überdeckt. Das Bauvolumen ist in drei Bereiche gegliedert: das dreiachsige Wohnhaus, die rechts davon angebaute Scheune und den nach hinten versetzten zweiachsigen Wohnbau.</p>\n<p class=\"lf-p\">Die verputzte dreiachsige Hauptfassade des Wohnhauses befindet sich in der Mitte des zusammengesetzten Baukörpers und ist gen Norden zum Hof ausgerichtet (AUT, CHA). Auf Erd- und Obergeschosshöhe sind einfach verglaste Holzfenster zu finden, die von leicht gefasten Sandsteingewänden mit geradem Sturz gerahmt werden (AUT, CHA). Die Gestaltung und Größe der Gewände weist darauf hin, dass die Fassade wohl im 19. Jahrhundert klassizistisch überarbeitet wurde (ENT).31 Eine pyramidal zulaufende Treppe aus Sandstein führt zum Hauseingang, der sich in der rechten Achse befindet (AUT, CHA). Das profilierte und teils scharrierte Sandsteingewände mit niedrigen Prellsteinen und abschließendem Schlussstein ist aus der Bauzeit überliefert und ist der späten Renaissance zuzuordnen (AUT, CHA). Dieses Gewände und eine geprägte Metallplatte rahmen 21 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Bourglinster 243A und 243B: ‚Cse Rashoff‘ steht für den Bauernhof Rashoff.</p>\n<p class=\"lf-p\">22 Mündliche Auskunft vor Ort, am 26. Juli 2021: Der Brunnen wurde zwischenzeitlich zugeschüttet.</p>\n<p class=\"lf-p\">23 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Bourglinster 243A und 243B: Dieser wurde wohl im frühen 20. Jahrhundert abgetragen.</p>\n<p class=\"lf-p\">24 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lorentzweiler A3, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">25 Leclerc, Jacques Théodore Joseph, N°199, [Urkunde], Privatbesitz Raashaff, Mersch, 18.01.1826.</p>\n<p class=\"lf-p\">26 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Bodenkarte der Sectionen Lorentzweiler &amp; Blascheid. Bodenanalyse, [Karte], Privatbesitz Raashaff, o. O., o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">27 Mündliche Auskunft vor Ort, am 26. Juli 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">28 Vgl. mündliche Auskunft vor Ort, am 26. Juli 2021; Administration du cadastre et de la topographie du GrandDuché de Luxembourg, Cases croquis. N. 1281. Blaschette. Raashaff. 951/2534, 1962.</p>\n<p class=\"lf-p\">29 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 1312.</p>\n<p class=\"lf-p\">Blaschette. Raashaff. 951/2534, 1971; Bürgermeister, construction d’une étable avec fosse, [Brief], Archive A. C.</p>\n<p class=\"lf-p\">Lorentzweiler, Lorentzweiler, 20.12.1985.</p>\n<p class=\"lf-p\">30 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Bourglinster 243A und 243B 31 Die Holzfenster sind nicht alle überliefert.</p>\n<p class=\"lf-p\">55 eine hölzerne Nageltür mit Oberlicht (AUT, CHA). Im Gegensatz zur Hauptfassade sind auf der nach Süden zum Hang hin ausgerichteten Seite größtenteils noch die bauzeitlichen RenaissanceFenstergewände vorhanden (AUT, SEL). Sie sind kleiner und werden von unregelmäßigen, grob gearbeiteten Steinen eingefasst (AUT, CHA). Allerdings wurde eine Fensteröffnung im Erdgeschoss vergrößert und mit einem segmentbogigen Gewände aus Backsteinen ausgestattet, was auf einen Eingriff im frühen 20. Jahrhundert hindeutet (AUT, CHA, ENT). Eine profilierte Holztraufe befindet sich unter dem mit Faserzement eingedeckten Dach (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Der Hauseingang führt in einen relativ langen Flurbereich. Dessen Decke weist ein segmentbogiges Gewölbe auf. Der Boden wurde mit Fliesen im Schachbrettmuster ausgelegt (AUT, CHA). Diese sind auch in der Küche links neben dem Flur zu finden (AUT, CHA). Dabei handelt es sich um eine sogenannte ‚Schwaarzkichen‘ mit Kreuzgewölbe und offenem Rauchabzug (AUT, SEL, CHA).32 Angebaut an diesen Raum ist eine ‚Haascht‘ (AUT, CHA). Die nach Norden ausgerichteten Räume sind mit Balkendecken und Holztüren ausgestattet (AUT, CHA). Die steile Holztreppe wurde in der jüngeren Vergangenheit abgetragen, sodass seit den 1970er-Jahren Erd- und Obergeschoss nur über eine neue Betontreppe in der Scheune miteinander verbunden sind.33 Der Boden des Obergeschosses ist mit Holzdielen belegt (AUT, CHA). Auch hier sind in den niedrigen Räumen Holzbalken an den Decken vorhanden (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Brettertüren mit metallenen Beschlägen werden entweder von Holzlaibungen oder Sandsteingewänden eingefasst (AUT, SEL, CHA). Eine Holztreppe erschließt Ober- und Dachgeschoss (AUT, CHA). Eine wissenschaftliche Analyse der Holzbalken des Dachstuhls ergab, dass ein Teil hiervon als bauzeitlich eingeordnet werden kann und Mitte der 1680er-Jahre zu datieren ist (AUT, SEL, CHA).34 Links angebaut am zuvor beschriebenen Wohnhaus befindet sich ein nach hinten versetzter Baukörper: ein weiteres Wohnhaus. Es ist möglich, dass es sich hierbei um das ehemalige Hirtenhaus handeln könnte (CHA). 35 Solche Hirtenhäuser waren in der Regel nicht sehr groß, sodass die zweiachsige Fassadengestaltung und die zweiraumtiefe Einteilung des Inneren einen Hinweis auf die frühere Nutzung geben könnten.36 Dessen ungeachtet wurde auch diese Fassade klassizistisch überarbeitet (AUT, CHA, ENT). Sämtliche Fenster werden von einem sandsteinernen Gewände mit geradem Sturz und einer profilierten Fensterbank eingefasst (AUT, CHA). In der rechten Achse des Erdgeschosses führt eine rezentere Treppe zur Eingangstür. Die Überarbeitungsspuren des Türgewändes deuten darauf hin, dass sich hier wohl früher ein Fenster befunden haben muss, das nachträglich nach unten aufgebrochen wurde (ENT). Über der Brettertür ist ein Teil des früheren Oberlichts zu finden. Auf der Giebelfassade des Hauses sind zwei Öffnungen zu sehen. Zum einen ist ein Fenster im Obergeschoss sichtbar (AUT, CHA).37 Zum anderen befindet sich auf Erdgeschossniveau ein sandsteinernes Gewände, das ebenfalls Überarbeitungsspuren aufweist (AUT, CHA, ENT). Das noch vorhandene Oberlicht und das Gewände deuten darauf hin, dass es sich hierbei wohl um den ehemaligen Eingang handelt (CHA, ENT). Neben diesem Gewände befindet sich ein weiterer Anbau mit Pultdach, in dem sich ein zweiräumiger Tonnengewölbekeller befindet (AUT, CHA). Die 32 Diese Art von Küche wird auch als Rauchküche bezeichnet, die durch die zeittypisch kleinen Fenster wenig belichtet wurde. Durch die geringe Belüftung wurden die Wände durch den Rauch des Feuers auf der Kochstelle im Laufe der Zeit schwarz. Vgl. Calteux, Georges, D’Lëtzebuerger Bauerenhaus, Band 2/3, Foetz, 1998, S. 123 und 270.</p>\n<p class=\"lf-p\">33 Mündliche Auskunft vor Ort, am 26. Juli 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">34 Lutgen, Thomas, Kurzbericht, Dendrochronologische Holzalterbestimmung. Ehem. landwirtschaftliches Gehöft „Raashaff“. 1, rue de Fischbach/L-7391 Blaschette, [Unveröffentlichter Bericht], Service des sites et monuments nationaux, Wasserbillig, 2021, S. 6.</p>\n<p class=\"lf-p\">35 Höfe dieser Größe waren oft mit kleineren Häusern für die Hofarbeiter (Hirten, Knechte etc.) ausgestattet.</p>\n<p class=\"lf-p\">36 Es könnte jedoch auch sein, dass es sich hierbei um einen umgebauten Stall oder eine Scheune handelt, was anhand der heutigen Quellenlage nicht eindeutig zu bestimmen ist.</p>\n<p class=\"lf-p\">37 Dieses ist identisch gestaltet wie die Fenster an der Nordfassade.</p>\n<p class=\"lf-p\">56 rückwärtige Fassade ist durch das überstehende Dach nicht gut einsehbar. Im Obergeschoss ist jedoch ein barockes segmentbogiges Sandsteingewände mit Fenster und Vergitterung auszumachen (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Bausubstanz des Gebäudeinneren des Hirtenhauses ist ebenfalls der klassizistischen Epoche zuzuordnen (AUT, CHA, ENT). Im Erdgeschoss sind Holzfußboden sowie ein Teil der kassettierten Holztüren und -laibungen überliefert (AUT, CHA). Ein umlaufender und profilierter Stuck sowie ein zentralliegender profilierter Stuckdekor verzieren die Decke (AUT, CHA). Eine viertelgewendete Holztreppe erschließt Erd- und Obergeschoss (AUT, CHA). Auch hier sind Holzfußböden und eine Tür überliefert (AUT, CHA). Da das Dachgeschoss partiell eingestürzt ist, konnte keine komplette Besichtigung der oberen Geschosse stattfinden.</p>\n<p class=\"lf-p\">Auf der anderen Seite des Wohnhauses ist eine Scheune angebaut. Die nach Norden ausgerichtete Fassade weist unterschiedliche Öffnungen auf, die aus verschiedenen Umbauphasen stammen (ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Als ältestes Element dieser Fassade ist ein segmentbogiges spätbarockes Fenstergewände mit geradem Sturz zu nennen (AUT, CHA, ENT). Die West- und Südfassaden sind überwiegend geschlossen gestaltet, mit Ausnahme einiger Lüftungsluken. Das Gebäudeinnere wurde im Laufe der Zeit als Getreidelager umgebaut. Wie im Hauptwohnhaus ist auch hier der bauzeitliche Dachstuhl aus dem späten 17. Jahrhundert überliefert (AUT, SEL, CHA). 38 Die restlichen Gebäude der Hofanlage sind rezentere Nutzbauten. Nördlich des Hauptbaukörpers befindet sich der um 1915 errichtete Stall.39 Die Südfassade wurde mehrmals umgestaltet, was anhand der differenten Öffnungen zu erkennen ist. Bauzeitlich sind wohl die mit Zementziegeln gerahmten Öffnungen (AUT, CHA). Diese Art von Gewände wurde für das mittlerweile zugemauerte segmentbogige Scheunentor und als Rahmung der Brettertür des Obergeschosses, aber auch für die zwei- und dreiteiligen Lüftungsluken benutzt. In der jüngeren Vergangenheit wurden auf Erdgeschossniveau mehrere neue Öffnungen eingefügt. Diese wurden mit einfachen Fenstern ausgestattet. Die Nordfassade ist fast identisch gestaltet und weist die gleichen Umbaumerkmale wie die Südfassade auf (CHA).40 Im Gegensatz dazu ist die Ostfassade weitestgehend geschlossen gehalten. Auf Erdgeschossniveau finden sich nur nachträglich eingebaute Brettertüren. Die Westfassade wurde rezent mit einem jüngeren Anbau ausgestattet. Das Gebäude wird von einem Krüppelwalmdach abgeschlossen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Im Gebäudeinneren ist auf Erdgeschossniveau ein Teil der früheren Stallstruktur vorzufinden.</p>\n<p class=\"lf-p\">Östlich neben diesem Gebäude befindet sich ein weiterer Stall, dessen Gebäudeinneres teils mit Fliesen im Villeroy &amp; Boch-Stil ausgelegt ist (AUT, CHA). An dem wohl 1928 errichteten Bau sind an den Fassaden ebenfalls unterschiedliche Entwicklungsspuren zu sehen (ENT).41 Wahrscheinlich weist die Westfassade mit dem Sockel aus bossierten Sandsteinen und den segmentbogigen Gewänden des Erdgeschosses die meisten bauzeitlichen Strukturen auf (AUT, CHA).42 Auf dem Hofgelände sind darüber hinaus zwei Kleindenkmäler vorzufinden. Erstens befindet sich westlich des Hofkomplexes ein Bildstock, der aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen soll (AUT, GAT, CHA, SOK, BTY).43 Dieser liegt, von Gestrüpp überwuchert, auf den Weideflächen am Rande 38 Lutgen, Thomas, Kurzbericht, Dendrochronologische Holzalterbestimmung. Ehem. landwirtschaftliches Gehöft „Raashaff“. 1, rue de Fischbach/L-7391 Blaschette, [Unveröffentlichter Bericht], Service des sites et monuments nationaux, Wasserbillig, 2021, S. 6.</p>\n<p class=\"lf-p\">39 Mündliche Auskunft vor Ort, am 26. Juli 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">40 Die fast spiegelsymmetrische Fassade weist hier keine Lüftungsschlitze auf.</p>\n<p class=\"lf-p\">41 Mündliche Auskunft vor Ort, am 26. Juli 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">42 Vermutlich waren an Stelle der rechts und links liegenden Fenster früher Türen integriert.</p>\n<p class=\"lf-p\">43 Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992, S. 281.</p>\n<p class=\"lf-p\">57 des ehemaligen Wegs, der früher nach Lorentzweiler führte.44 Laut Überlieferung soll es sich hierbei um das sogenannte ‚Donatuskräiz‘ handeln.45 Auf dem Kultobjekt soll der Heilige auch dargestellt gewesen sein.46 Dieser Bildstock soll zum Andenken an einen ehemaligen Hofbewohner errichtet worden sein.47 Heutzutage liegt der Bildstock in Einzelteilen auf dem Boden, sodass nur der sandsteinerne Sockel mit seiner Abdeckplatte auszumachen ist (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Am Rande der Straße, die von der Rue de Fischbach zum Hof führt, befindet sich auf Höhe des jüngeren Wohnhauses das zweite Kleindenkmal. Dabei handelt es sich um das sandsteinerne Stelengrabmal der mit dem Rashof verbundenen Familie Wagner-Engel (GAT, SOH, BTY).48 Zur Gestaltung des profilierten Sandsteinmonuments mit quadratischem Grundriss wurden unterschiedliche kleinarchitektonische Motive benutzt (CHA). Unter anderem sind hier eine Heiligenstatue und Strebepfeiler zu erkennen. Die Statue wird von einem dekorativen Kanzeldeckel überdacht. Das Grabmal schließt mit einer Art Dach, auf dem ein Kruzifix Aufstellung fand, nach oben ab (AUT, CHA). Die Gestaltungsmerkmale und die vorhandenen Inschriften weisen darauf hin, dass das Grabmal wohl Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde (AUT, CHA).49 Der markante ,Raashaff‘, der das Ortsbild von Blaschette seit dem späten 17. Jahrhundert prägt, zählt zu den wichtigsten Bauwerken der Gemeinde. Der Streuhof gilt als ein bedeutender Zeuge der Siedlungsgeschichte der Ortschaft und der von landwirtschaftlicher Nutzung geprägten Vergangenheit. Gebäude dieser Gattung, in denen noch eine ausgeprägte Bausubstanz aus der späten Renaissance überliefert ist, sind bemerkenswert und gelten heutzutage als rar. Besonders nennenswert sind in diesem Kontext etwa die Rauchküche, einige Fenster- und Türgewände, aber auch die erhaltenen Dachkonstruktionen. Während das Bauwerk bis in die Gegenwart zudem durch die unterschiedlichen Gewölbedecken aus der Bauzeit geprägt ist, sind die etwas schlichteren Spuren aus der barocken und klassizistischen Zeit nicht weniger bedeutsam. Die reiche Entwicklungsgeschichte lässt sich insbesondere mit Blick auf die Fassaden erkennen, in denen Gewände mit unterschiedlichen Gestaltungsmerkmalen erhalten sind, die aus unterschiedlichen Epochen stammen. Die überlieferten Quellen berichten vom früheren Dorfleben, aber auch von den ehemaligen Hofbewohnern, zum Beispiel dem angesehenen Gemeindebürgermeister Albert Engel.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das Andenken an die früheren Bewohner manifestiert sich anhand zweier Kleindenkmäler auf dem Hofgelände: einem Wegkreuz und einem Grabmal. Aufgrund der zahlreichen Gestaltungs- und Ausstattungsdetails ist der ‚Raashaff‘ mit seinen Kleindenkmälern als ein für die Region 44 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster.</p>\n<p class=\"lf-p\">Lorentzweiler A3, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion); Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Topografische Karte, 1907.</p>\n<p class=\"lf-p\">45 Vgl. Maurer, Gilbert, ‚Die Kreuze am Wegrand zeugen aus der Vergangenheit!‘, in: Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler (Hrsg.), Cinquantenaire de la Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler. 1934-1984, Luxemburg, 1984, S.</p>\n<p class=\"lf-p\">89-107, S. 105; Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992, S. 280.</p>\n<p class=\"lf-p\">46 Maurer, Gilbert, ‚Die Kreuze am Wegrand zeugen aus der Vergangenheit!‘, in: Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler (Hrsg.), Cinquantenaire de la Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler. 1934-1984, Luxemburg, 1984, S.</p>\n<p class=\"lf-p\">89-107, S. 105.</p>\n<p class=\"lf-p\">47 Vgl. Maurer, Gilbert, ‚Die Kreuze am Wegrand zeugen aus der Vergangenheit!‘, in: Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler (Hrsg.), Cinquantenaire de la Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler. 1934-1984, Luxemburg, 1984, S.</p>\n<p class=\"lf-p\">89-107; Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992, S. 281: Der Bewohner soll laut Überlieferungen vom Blitz getroffen worden sein.</p>\n<p class=\"lf-p\">48 Es wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom Blaschetter Friedhofsgelände an seinen heutigen Standort transloziert.</p>\n<p class=\"lf-p\">49 Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992, S. 280.</p>\n<p class=\"lf-p\">58 außergewöhnlicher und bedeutsamer Bauernhof zu betrachten, der in dieser Form einzigartig und erhaltenswert ist.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (SOK) Sozial- oder Kultusgeschichte, (SOH) Siedlungs-, Orts- oder Heimatgeschichte, (BTY) Bautypus, (ENT) Entwicklungsgeschichte 59 Blaschette | 26, rue de Wormeldange Am südlichen Ortsausgang von Blaschette, der Richtung Klingelscheuer führt, befindet sich an der Kreuzung zwischen der Rue de Wormeldange und der Rue de Gruenewald das 1964 errichtete Wohnhaus (GAT). 1 Der ehemalige Besitzer und gleichzeitig auch Bauherr plante und baute dieses in Grundzügen traditionalistische Haus, das bereits modernistische Gestaltungsmerkmale aufweist (AUT).2 Die umfangreiche Bepflanzung mit Bäumen und Büschen sowie der asphaltierte Vorhof fungieren sowohl als räumliche wie auch als optische Abgrenzung zur östlich liegenden, viel befahrenen Straße. An die Westseite des Grundstücks grenzt ein Tannenwald an; südlich befindet sich eine Streuobstwiese.</p>\n<p class=\"lf-p\">Der zweistöckige Baukörper ist fünfachsig gegliedert, wobei die ganz links liegende Achse leicht hervortritt. Die verschiedenen Geschosse sind durch den Gebrauch unterschiedlicher Materialien geprägt, die die horizontale Gestaltungslinie des Anwesens verstärken. Über dem steinsichtigen Erdgeschoss präsentiert sich das Obergeschoss in einem hellen Strukturputz (AUT, CHA). Dieser ist ebenfalls im zurückversetzten Eingangsbereich wiederzufinden. Der Fassadenaufbau im traditionalistischen Stil wird anhand der verschiedenen Öffnungen betont: Dies zum einen durch die bauzeitlichen Holzfenster, die auf Erdgeschossebene und im hervortretenden Teil mit einer sandsteinernen Fensterbank ausgestattet sind, zum anderen durch die kleineren hochrechteckigen Fenster des Obergeschosses, die jeweils von einem schmalen Sandsteingewände eingefasst werden (AUT, CHA).3 Hervorzuheben auf dieser Fassadenseite ist, dass die zweite Achse von links im Obergeschoss durch den Gebrauch von grünen Bleiglasfenstern differenziert gestaltet wurde (AUT, CHA).4 Im Eingangsbereich befindet sich die bauzeitliche Haustür mit polygonalem Handgriff, neben der zwei vertikale Reihen aus Glasbausteinen deutlich erkennbar sind (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Auch das Garagentor liegt in dem zurückversetzten Bereich, der zur Nordseite hin von einer sandsteinernen Mauer mit abschließender Abdeckplatte eingefasst wird (AUT, CHA). Abgeschlossen wird das Gebäude von einem weit überstehenden Pultdach mit darunterliegender hölzerner Verkleidung, das dem Haus einen modernistischen Ausdruck verleiht (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die nach Norden ausgerichtete Fassade ist im Vergleich zu den anderen Seiten überwiegend geschlossen gestaltet.5 Wegen der steigenden Topografie des Grundstücks wird ein Teil des sandsteinernen Erdgeschosses vom Erdreich überdeckt, sodass hier nur ein kleines Fenster zu finden ist (AUT, CHA).6 Das Obergeschoss ist mit keinerlei Öffnungen ausgestattet. Im Gegensatz dazu weist die rückwärtige Fassade mehrere Holzfenster mit steinernen Fensterbänken auf (AUT, CHA). Die unterschiedlichen Größen der Fenster lassen von außen schon die Inneneinteilung der Zimmer erahnen. Zwischen dem Waschbetonsockel befindet sich eine mit gelblichen Cerabati-Fliesen belegte Stufe, die zur verglasten Holztür führt (AUT, CHA). Daneben wurden sechs Glasbausteine in die Wand eingelassen (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Der Terrassenbelag wurde hier im Kontrast zur Südfassade nicht mit rötlichen Terrakottafliesen, sondern mit Zementfliesen ausgelegt (AUT, CHA). Diese ersetzen auf der Südfassade die ehemaligen dunkelroten 1 Mündliche Auskunft vor Ort, am 4. August 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Mündliche Auskunft vor Ort, am 4. August 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Mündliche Auskunft vor Ort, am 4. August 2021: Sämtliche Fensterbänke und -gewände sind aus Ernzener Sandstein. Ein Holzfenster auf Erdgeschossebene wurde beschädigt und durch ein Kunststofffenster ersetzt.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Mündliche Auskunft vor Ort, am 4. August 2021: Früher war das Fenster auf Erdgeschossebene auch mit grünem Glas ausgestattet.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Besitzer, Vue face côté droite, [Plan], Archive A. C. Lorentzweiler, Blaschette, 09.09.1981.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Besitzer, Vue face côté droite, [Plan], Archive A. C. Lorentzweiler, Blaschette, 09.09.1981.</p>\n<p class=\"lf-p\">60 Fliesen, die noch im Bereich der Fußleiste zu finden sind (AUT, CHA, ENT).7 Auch an dieser Stelle ist ein Holzfenster mit Fensterbank zu finden, aber auch eine doppelflügelige, verglaste Holztür (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Diese wird von einer sandsteinernen Mauer flankiert (AUT, CHA). Im Gegensatz zu den anderen Fassadenseiten wurde hier der Bereich unter dem Balkon nicht mit Sandsteinen verkleidet, sondern mit dem gleichen altweißen Strukturputz des Obergeschosses versehen (AUT, CHA). Sowohl Sockel als auch Bodenbelag sind hier mit Waschbetonplatten verkleidet. An dieser Fassade sind weitere steingerahmte Öffnungen und ein höherer sandsteinerner Kamin vorzufinden (AUT, CHA).8 Genauso wie der Außenbereich zeugt das Gebäudeinnere von der Bauzeit. Das Erdgeschoss bietet sowohl Keller- als auch Wohnfläche. Die unterschiedlichen Räume des Kellerbereichs sind mit einem Betonboden versehen; die Decken sind aus Sichtbeton gefertigt. Im Heizungsraum befindet sich ein metallenes doppelflügeliges Fenster mit Strukturglas, das vom Außenbereich nicht zu sehen ist (AUT, CHA). Im Gegensatz zum Keller wurden die Treppe sowie der Eingangsbereich mit hellen Terrazzofliesen belegt und die weiteren Wohnräume des Erdgeschosses mit hellem Linoleum oder Holzparkett (AUT, CHA). In diesen Zimmern sind leicht abgerundete Decken sowie zeittypische beige Marmorfensterbänke zu finden (AUT, CHA). Eine viertelgewendete Treppe führt vom Eingangsbereich zum Obergeschoss. Letztere wird von einem metallenen Geländer mit abschließendem Kunststoffhandlauf flankiert (AUT, CHA). Die metallenen, teils gedrehten Geländerstäbe der Treppe weisen eine zeittypisch geschwungene Ausarbeitung auf (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Materialität der Treppe wiederholt sich im großen Flurbereich des Obergeschosses, von dem aus die Zimmer zugänglich sind (AUT, CHA). Außerdem befindet sich hier in Form einer Falltür der Zugang zum kleinen Dachgeschoss. In diesem ist der bauzeitliche hölzerne Dachstuhl sichtbar (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Sämtliche Holztüren des oberen Stockwerks sind erhalten, jedoch ist die Tür zur Stube im Gegensatz zu den anderen Türen doppelflügelig und mit grünem Glas ausgestattet (AUT, CHA). Filigraner linearer Stuck schmückt die Stubendecke, wobei die anderen Zimmer im Kontrast dazu lediglich abgerundete Decken aufweisen (AUT, CHA). Eine Fußleiste aus bauzeitlichen roten Fliesen steht in der Küche im farblichen Kontrast zu den grünen Cerabati-Wandfliesen kleineren Formats (AUT, CHA).9 Die restlichen Räume des Geschosses sind noch mit ihren bauzeitlichen Bodenbelägen ausgestattet: kleinere Fliesen im Vorratsraum und im Badezimmer sowie Linoleum in den Schlafzimmern (AUT, CHA). Hervorzuheben ist, dass im Haus mehrere bauzeitliche Lichtschalter sowie die unterschiedlichen zeittypischen Handgriffe der bauzeitlich erhaltenen hölzernen Schwingflügelfenster, Dreh- und Kippfenster überliefert sind. Der Strukturputz, der die Fassaden prägt, ist teilweise an den Wänden im Inneren wiederzufinden (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das 1964 errichtete Wohnhaus an der Rue de Wormeldange präsentiert sich bis in die Gegenwart in zeittypischer Formensprache. Das Bauwerk wird vor allem durch den kreativen Gebrauch an unterschiedlichen Materialien für die Fassadengestaltung geprägt. Obwohl vor allem die unteren Geschosse einer traditionalistischen Formensprache zugeordnet werden können, zeigt das Anwesen schon modernistische Züge, die zum Beispiel anhand des abschließenden Pultdaches zu erkennen sind.</p>\n<p class=\"lf-p\">Außen wie innen weist das Gebäude einen ausgesprochen hohen Grad an authentischen Strukturen und charakteristischen Gestaltungsmerkmalen auf, die ebenfalls durch die traditionalistisch-modernistische Stilmischung geprägt sind. Die überlieferten Holzfenster und -türen mit ihren zeittypischen Handgriffen, die unterschiedlichen Bodenbeläge und Deckendekore, die bauzeitlich erhalten sind, können in diesem 7 Mündliche Auskunft vor Ort, am 4. August 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Anonym, Blaschette, route de Wormeldange, maison (...) (la première) et maison (...) (m/électricienElectrocenter), [Fotografische Aufnahme], Commission des Archives Lorentzweiler, Blaschette, 1988.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Mündliche Auskunft vor Ort, am 4. August 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">61 Zusammenhang als exemplarisch gelten. Auch der gesamte Treppenbereich ist in diesem Kontext erwähnenswert. Aufgrund der ausgeprägt klaren Formensprache sowie der zahlreichen Gestaltungsund Ausstattungsdetails ist das Haus als ein herausragender Wohnbau der 1960er-Jahre zu betrachten, der in dieser Form erhaltenswert ist.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (ENT) Entwicklungsgeschichte 62 Blaschette | o. N., rue de Wormeldange In Sichtweite zum historischen ‚Raashaff‘ (auch ,Rashaff‘, ‚Rauchshof‘ oder ‚Raashof‘) steht an der Ecke Rue de Wormeldange/Rue de Fischbach und nahe des Ortszentrums von Blaschette die zu erwähntem Bauernhof gehörende und von diversen Sträuchern und Bäumen umgebene ‚Raashaffkapell‘ (GAT, SOH, BTY).1 Diese präsentiert sich als vergleichsweise einfacher, zur Straße orientierter, einseitig offener und verputzter Bau mit überstehendem Satteldach. Im Innern des Gebäudes, dessen genaue Entstehungszeit sich nicht aus den Quellen herleiten lässt, finden sich heute drei in die Rückwand integrierte sandsteinerne Kultobjekte, die den eigentlichen Schutzwert der kleinen Wegkapelle ausmachen (AUT, GAT, CHA, SOK). Dies ist einerseits ein in Gänze erhaltener Bildstock, der laut Inschrift im Jahr 1811 geschaffen wurde, sowie zwei nicht datierte Fragmente, die wohl aus einem anderen Kontext stammen und hier als Spolien eingebaut wurden (AUT, CHA, BTY, ENT). 2 Letztere stammen aber vermutlich aus der gleichen Zeit wie der Bildstock und wurden wahrscheinlich auch von gleicher Hand geschaffen, nämlich seitens des lokal bedeutsamen Steinmetzes Mathias Schergen (AUT, CHA, AIW).3 Die Mittelachse der wohl in den 1980er-Jahren mit zeittypischen Terrakotta- und hellbeigen Mosaikfliesen verkleideten Kapellenrückwand wird dominiert von dem barocken Bildstock aus beigem Sandstein, der noch deutliche Reste einstiger Farbfassungen zeigt (AUT, CHA, SOK). Der Aufbau des Kleindenkmals ist charakterisiert durch einen aus einem Stück gehauenen Unterbau, der aus einem pfeilerartigen, sich nach oben leicht verjüngenden Schaft und einem mittels kräftiger Schnürung abgesetzten, würfelförmigen Sockel besteht, sowie dem krönenden Aufsatz in Form einer Bildtafel (AUT, CHA). Letzterer sitzt dabei direkt auf dem Schaft auf und nicht, wie bei vergleichbaren Objekten häufig zu sehen, auf einem kapitellartigen Zwischenstück (AUT, CHA). Auf dem Sockel findet sich eine Inschrift, die sich aber aufgrund von Steinabrieb nur noch partiell entziffern lässt (AUT, CHA). Hirsch erkannte hier noch Folgendes: „H. WAGENER/A. CATHARINA/WITRY/MDCCCXI“.4 Diese Gedenkschrift beinhaltet also sowohl die teils abgekürzten Namen des Stifterpaars, Heinrich Wagener und Anna Catharina Witry, als auch das Entstehungsjahr 1811 (SOH).5 Der über dem Sockel aufragende Schaft zeigt eine im Halbrelief gearbeitete, auf einer markanten, mehrfach profilierten Wandkonsole</p>\n<p class=\"lf-p\">stehende männliche Heiligenfigur (AUT, CHA). Die eingemeißelte Inschrift ‚S ∙ HENRICUS‘ gibt auf direktem Wege Auskunft darüber, dass es sich bei dem Dargestellten um den Heiligen Heinrich (gestorben 1024), zu Lebzeiten unter anderem deutsch-römischer Kaiser aus dem Geschlecht der Ottonen, und damit um den Namenspatron des Stifters handelt (AUT, CHA). 6 Die Figur steht dem Betrachter frontal gegenüber und trägt ein langes Gewand sowie einen ebenso langen Mantel, den der Heilige mit seiner linken, übergroßen Hand festhält. Mit der rechten Hand umfasst er einen Palmzweig. Das rundliche, von kinnlangem Haar umgebene Gesicht ist durch große Augen, volle Lippen und einen Kinnbart charakterisiert. Der Kopf ist von einer eher schlichten Krone mit 1 Vgl. Maurer, Gilbert, ‚Die Kreuze am Wegrand zeugen aus der Vergangenheit!‘, in: Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler (Hrsg.), Cinquantenaire de la Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler. 1934-1984, Luxemburg, 1984, S.</p>\n<p class=\"lf-p\">89-107, hier S. 105; Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992, S. 274.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992, S. 274 und 277.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992, S. 274 und 277.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Vgl. Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992, S. 275; Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 16.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Berchem, Leo, Raashof und Vogtei Lentz, Grevenmacher, 1933, S. 16.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Vgl. Kirschbaum, Engelbert SJ (Hrsg.), Lexikon der christlichen Ikonographie, Band 6/8, Darmstadt, 2015, Sp.</p>\n<p class=\"lf-p\">478ff. (Sonderausgabe der Erstveröffentlichung von 1968); Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992, S. 275; Maurer, Gilbert, ‚Die Kreuze am Wegrand zeugen aus der Vergangenheit!‘, in: Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler (Hrsg.), Cinquantenaire de la Chorale Sainte-Cécile Lorentzweiler. 1934-1984, Luxemburg, 1984, S. 89-107, hier S. 105.</p>\n<p class=\"lf-p\">63 rautenförmigem Muster bedeckt. Letztlich ist die prächtige Kaiserkrone zu Füßen des Heiligen das eindeutigste Attribut, das diesen als Herrschergestalt zu erkennen gibt. Unterhalb der Heiligendarstellung finden sich noch Restspuren einer farbigen Aufschrift, bei der es sich eventuell um eine weitere Jahresangabe gehandelt haben könnte (ENT).7 Der den Bildstock krönende Aufsatz präsentiert sich im unteren Bereich schalenförmig gerundet und zeigt beidseitig vegetabile Ornamente (AUT, CHA). Die so entstandene Mulde bietet eine Art Bühne für die im Halbrelief gearbeitete Kreuztragungsszene, welche die Bildtafel dominiert und welche die vierte Station eines traditionellen Kreuzwegs darstellt – und zwar den Moment, als Christus seiner Mutter begegnet (AUT, CHA). Die zentrale Achse wird von dem bedeutungsperspektivisch hervorgehobenen Jesus eingenommen, der unter der Last des Kreuzes zusammengebrochen ist. Der dem Tod geweihte Messias trägt ein langes, rot gefasstes Gewand mit abgesetztem gezacktem Kragen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Auf Taillenhöhe ist ein grober Strick auszumachen, der um seinen Körper geschlungen ist. Dieser wird von dem rechts des Heilands dargestellten Schergen festgehalten und dient diesem zur Führung des Gefangenen (CHA). Im Kopfbereich zeigt die Jesusfigur teils erhebliche Schäden, unter anderem in Form von Steinabplatzungen, sodass das ursprüngliche Antlitz nicht mehr zu erkennen ist. Bei der Kopfbedeckung dürfte es sich – unter Berücksichtigung der traditionellen Ikonografie in diesem Kontext – um eine Dornenkrone handeln, was indes aufgrund des heutigen Erscheinungsbilds nicht mehr verifiziert werden kann. Besonders eindringlich beim Anblick der Szene ist die spürbare Erschöpfung des Geknechteten, der sein müdes Haupt gegen das Kreuz, das er mit beiden Armen umfasst hält, zu legen scheint. Vom Betrachter aus links von Jesu ist eine in ein langes Gewand gehüllte und Kopfschleier tragende Frauenfigur auszumachen, die ihre übergroßen Hände vor dem Körper gefaltet hat, was sowohl als Bet- als auch als Trauergestus gelesen werden kann. Bei der Dargestellten handelt es sich um die Gottesmutter Maria, die ihrem Sohn mit trauriger Miene direkt ins Gesicht blickt (CHA). Auf der Bildtafel ganz rechts findet sich die bereits erwähnte Figur eines Schergen, deren Erhaltungszustand als ziemlich schlecht beschrieben werden muss. Zwar ist die Körperform noch grundsätzlich zu erkennen, aber alle etwaigen Ausdifferenzierungen in der Gestaltung sind dem sprichwörtlichen Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. In der rechten Hand hält der Henkersknecht eine Geißel und hat den Arm bereits erhoben, um den Gefangenen damit anzutreiben. Die Szene der Kreuztragung wird überhöht und zugleich betont von einem reichen, vergleichsweise gut erhaltenen Girlandenschmuck mit vegetabilen Motiven, welcher gleichzeitig den nach oben hin leicht abgerundeten Abschluss des Bildstockaufsatzes markiert (AUT, CHA). Das Zentrum dieses Dekors füllt ein kartuschenartiges Oval, das zusammen mit den verschnörkelten, typisch barocken Blattornamenten rundum eine Blütenform ausbildet. Auf dem Bildstockaufsatz steht heute ein filigraner gusseiserner Kruzifixus, zu dem indes nichts Näheres bekannt ist.</p>\n<p class=\"lf-p\">Beidseitig des Bildstocks, etwa auf Höhe des unteren Schaftbereichs, findet sich je ein in die Kapellenrückwand eingepasstes steinernes Halbrelief mit deutlichen Spuren der einstigen Farbfassung, bei denen offenbar nicht klar ist, aus welchem Kontext sie stammen (AUT, CHA, SOK).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Variante, dass die überlieferten Fragmente als Spolien hier verbaut wurden und nicht ursprünglich mit dem Bildstock zusammenzudenken sind, mutet dabei am wahrscheinlichsten an. 8 Bemerkenswert</p></div>", "next": 239820}