{"html": "<div class=\"lf-doc\"><p class=\"lf-p\">35 Lintgen | 11, rue de la Bergerie Im Ortskern von Lintgen steht etwas weiter zurückversetzt von der Rue de la Bergerie der traufständige Bauernhof, der bereits auf dem 1824 fertiggestellten Urkataster verzeichnet ist (AUT, GAT).1 Die Sicht zum Wohnhaus wird fast komplett von einem quer dazu ausgerichteten Streckhof, der direkt an den Straßenraum angrenzt, verdeckt. Zusammen mit einem weiteren Gebäude entsteht eine Art kleiner Vorplatz, von dem aus nur die Scheune des ehemals landwirtschaftlich genutzten Objekts frei einsehbar ist (BTY). Unmittelbar vor dem Anwesen ist der Vorplatz mit Pflastersteinen ausgelegt worden. Auf der Ferraris-Karte sind hier, wie auch in der übrigen Rue de la Bergerie, noch keine Gebäude verzeichnet.2 Das dreiachsige Wohnhaus, dessen Haupteingang sich an zentraler Stelle befindet, präsentiert sich zweigeschossig.3 Es wird von einem schiefergedeckten Satteldach abgeschlossen (AUT, CHA). Das Erdgeschoss kann über den mittig gelegenen Haupteingang betreten werden, der von einem Gewände mit mehrfach profilierter Verdachung umrahmt wird (AUT, CHA). Flankiert wird dieser von jeweils einem hochrechteckigen, doppelflügeligen Fenster, deren spätbarocke Rahmen sich segmentbogig mit geradem Sturz zeigen (AUT, CHA).4 Im Obergeschoss weisen die Gewände eine abweichende Formensprache auf: Sie sind mit geraden Stürzen versehen, die eher von einem klassizistischen Ursprung zeugen und für eine Umbauphase vermutlich im 19. Jahrhundert sprechen (AUT, CHA, ENT). Eine konvex profilierte und eckumgreifende Traufe aus Sandstein schließt die Hauptfassade nach oben hin ab. Die nördlich ausgerichtete Seitenfassade ist bis auf eine hochrechteckige Luke im Giebelfeld komplett geschlossen gehalten. Das im englischen Stil eingedeckte Satteldach bietet Platz für drei hölzerne Gauben mit Giebelfeld. Nahe der rechten Giebelwand des Wohnhauses durchbricht ein massiver, gemauerter Kamin die Dachfläche, der auf das Vorhandensein einer ‚Haascht‘ hindeuten könnte.</p>\n<p class=\"lf-p\">Unmittelbar an die Südseite des Wohnhauses schließt die lang gezogene Scheune an, der ebenfalls ein Satteldach aufsitzt, dessen Firsthöhe allerdings etwas niedriger ist. Über den Vorplatz gelangt man von der Rue de la Bergerie auf gerader Linie zu der zentral platzierten segmentbogigen Toreinfahrt, deren zeittypisches Sandsteingewände mit hervorstehenden Schluss-, Kämpfer- und Prellsteinen ausgestattet wurde (AUT, CHA). Das zweiflügelige Holztor mit sogenannter Manntür weist im unteren Bereich charakteristische Metallbeschläge auf. Ein Metallkittfenster im rechten Bereich und eine Stalltür in Form einer Holzbrettertür im linken Bereich runden den authentischen Eindruck der Scheune ab (AUT, CHA).5 Das Obergeschoss wird durch fünf identische Lüftungsluken in Bullaugenform gleichmäßig gegliedert (CHA). Darüber zeigt sich die konvex profilierte Traufe aus Holz. Im Dachbereich sind drei kleine Dreiecksgauben mit lukenartiger Öffnung in Dreipassform auszumachen (AUT, CHA). Ob der schmale, hochaufragende, runde Schornstein, der sich in der linken unteren Ecke des Scheunendachs befindet, zu einer Brennerei gehörte, kann bislang nur vermutet werden. Das Innere des Wohnhauses und der Scheune konnte nicht besichtigt werden.</p>\n<p class=\"lf-p\">Der Streckhof in der Rue de la Bergerie präsentiert sich in zeittypischer Formensprache und weist durch die erhaltene Bausubstanz einen hohen Grad an Authentizität auf. Anhand historischer Karten lässt sich 1 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lintgen A1, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Bourglinster 243A.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Anonym, Lintgen. 11, rue de la Bergerie, [Fotografische Aufnahme], Service des sites et monuments nationaux, Archiv SSMN, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Anonym, Lintgen. 11, rue de la Bergerie, [Fotografische Aufnahme], Service des sites et monuments nationaux, Archiv SSMN, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Anonym, Lintgen. 11, rue de la Bergerie, [Fotografische Aufnahme], Service des sites et monuments nationaux, Archiv SSMN, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">36 seine Existenz seit dem frühen 19. Jahrhundert nachweisen. Die barocken Fenstergewände im Erdgeschoss könnten ein Hinweis auf eine frühere Entstehung des Gebäudes sein, diese Vermutung könnte indes nur durch eine umfassende Begehung bestätigt werden. Anhand zahlreicher Bauelemente verrät das Objekt nach wie vor seine Entstehungszeit, so beispielsweise durch die mit Sandstein umrahmten Fassadenöffnungen sowie die hölzernen Gauben auf dem schiefergedeckten Dach. Auch die Entwicklungsgeschichte, die sich beispielsweise mittels der klassizistischen Gewände im Obergeschoss des Wohnhauses offenbart, bleibt bis heute ablesbar. Aus diesen Gründen ist der Streckhof im historischen Ortskern von Lintgen als national schützenswerter Zeitzeuge zu beurteilen und so für die Zukunft zu bewahren.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (BTY) Bautypus, (ENT) Entwicklungsgeschichte 37 Lintgen | 70, rue de la Bergerie Am nordöstlichen Ende von Lintgen, im hinteren Bereich der Rue de la Bergerie, die hier auf einer Anhöhe oberhalb des Dorfes in die Gemarkung Im Grund mündet, befindet sich der Kleinbauernhof, der die Form eines Streckhofs aufweist (GAT, SOK, BTY). Das Anwesen setzt sich aus dem schmalen Wohnund Wirtschaftsgebäude und einem imposanten Gartenareal zusammen, das sich über die angrenzenden vier Parzellen in der Gemarkung Im Weinberg erstreckt. Früher stand nördlich des Anwesens ein weiteres Zeugnis der landwirtschaftlichen Kultur, ein Tagelöhnerhaus, das um 1990 abgerissen wurde.1 Die Ursprünge des kleinen Hofs bleiben bis heute nicht vollständig nachvollziehbar. Seiner Gestaltung mit den klassizistisch-schlichten Gewänden am Wohnhaus nach ist das Anwesen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Es ist auf dem Urkataster aus dem Jahr 1824 noch nicht kartografiert. 2 Erstmalig erschien eine gebaute Struktur auf der überarbeiteten Version dieses Katasters mit einer Zeitangabe zwischen 1824 und 1842, allerdings bleibt unklar, wann genau das Bauwerk errichtet wurde.3 Auf der Bodenkarte, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstellt wurde, ist der kleine Hof ungefähr in seinen heutigen Dimensionen dargestellt.4 Tatsächlich scheinen zumindest Teile der ehemaligen Stallungen erst nach dem Haus erbaut oder umfassend umgestaltet worden zu sein; hierfür sprechen die Ziegelgewände an Fenstern und Türen, die für eine Bauzeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts typisch sind.5 Ursprünglich verlief ein kleiner Bach vor der Tür, der jedoch nicht namentlich verzeichnet war. 6 Um die Mitte des 20. Jahrhunderts war der Streckhof rund 30 Jahre lang unbewohnt und befand sich damals in relativ schlechtem Zustand.7 In den 1970er-Jahren wurde das Anwesen in minutiöser Arbeit in Eigenregie restauriert; im Zuge dessen wurden vor allem im Innenbereich zahlreiche Spolien verwendet, die bis heute überliefert sind (ENT).8 Das Grundstück steigt mit dem Verlauf der Straße in östlicher Richtung an und ist von ihr durch einen stark bewachsenen Zaun getrennt. Durch eine kleine Pforte betritt man den ebenerdig gestalteten schmalen Hof, der teilweise mit Kopfsteinpflaster ausgelegt ist. Von hier aus ist die kleine Höhendifferenz zwischen der Traufe des ehemaligen Wohnhauses und den angrenzenden Wirtschaftsgebäuden wahrnehmbar (AUT, CHA). Das Wohnhaus, das den rechten Teil des</p>\n<p class=\"lf-p\">Gebäuderiegels bildet, zeigt eine klassizistisch-strenge Fassadengestaltung, die auf zwei Stockwerken von hochrechteckigen Sandsteingewänden geprägt wird (AUT, CHA). In der rechten Achse befindet sich lediglich im Erdgeschoss die Haustür, die über vier Blockstufen zu erreichen ist. Die hölzerne Haustür, die von einem schlichten Sandsteingewände umfasst wird und mehrere kassettierte Felder aufweist, scheint ihrer Gestaltung nach aus dem frühen 20. Jahrhundert zu stammen (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">An den Fenstergewänden im Erdgeschoss erinnern metallene Kloben daran, dass sich hier früher Fensterläden befanden. Unterhalb der linken Hausachse führt eine Betontreppe zu einer Kellertür, die von einem Sandsteingewände gerahmt wird. Die Wohnhausfassade mit ihrem beigen Putz endet mit 1 Mündliche Auskunft vor Ort, am 27. April 2022.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lintgen A6, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lintgen A6, 1824ff. (überarbeitete Version); Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. Lintgen. 70, rue de la Bergerie. 2156/4, 1824ff.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Bodenkarte der Gemeinde Lintgen, [Karte], Gemeindearchiv Lintgen, Luxemburg, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Cassaignau-Schmit, Myriam, Lintgen. 70, rue de la Bergerie, Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Mündliche Auskunft vor Ort, am 2. August 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Schoellen, Pierre, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung Marc Schoellen, Lintgen, 1970.</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Vgl. mündliche Auskunft vor Ort, am 2. August 2021; Cassaignau-Schmit, Myriam, Lintgen. 70, rue de la Bergerie, Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979.</p>\n<p class=\"lf-p\">38 einer profilierten Holztraufe, über der ein in den 2000er-Jahren erneuertes schiefergedecktes Satteldach das Wohnhausvolumen nach oben hin abschließt (AUT, CHA, ENT). 9 Die östlich ausgerichtete Giebelfassade ist lediglich im Dachgeschoss von zwei schmalen Lüftungsluken durchfenstert. Durch das stark ansteigende Gelände ist die zum Hang gelegene Nordfassade des Hauses nicht einsehbar, an die Giebelseite nach Westen fügen sich die ehemaligen Nutzbauten an.</p>\n<p class=\"lf-p\">Der ältere Teil der ehemaligen Stallungen ist vierachsig und grenzt direkt an das Wohnhaus (AUT, CHA, ENT). Die früheren Stallfenster im Erdgeschoss wurden vom jetzigen Besitzer nach unten vergrößert, sie weisen wie die beiden Türen Gewände aus Ziegeln auf (CHA). 10 Frühere Metallfenster wurden hier in den 2010er-Jahren nach historischem Vorbild erneuert.11 Im Obergeschoss dieses Bauvolumens, das heute zu Wohnzwecken genutzt wird, wurde um 1900 bereits ein doppelflügeliges Holzfenster mit Basküleverschluss hinzugefügt, das von einem verputzten Gewände gerahmt wird (AUT, CHA, ENT).12 Der links gelegene Teil der ehemaligen landwirtschaftlichen Zweckbauten übernimmt Trauf- und Firsthöhe der älteren Stallungen. Dieser Baukörper wurde vermutlich in den 1930er-Jahren hinzugefügt und mit Betonziegeln aus einer in Lintgen ansässigen Fabrik erbaut (AUT, CHA, ENT).13 Auch hier wurde das Obergeschoss zu Wohnfläche umgewidmet. Noch in den 1970er-Jahren waren die Nebengebäude mit einem in roten Tonziegeln gedeckten Dach versehen, heute sind die Dachflächen teils mit Schiefer eingedeckt.</p>\n<p class=\"lf-p\">Nach Westen erstreckt sich der umfangreiche Garten, der durch Bepflanzungen mit Buchs- und Hainbuchenhecken und Terrassen auf unterschiedlichen Ebenen gegliedert ist.14 Bei der Anlage des Gartens wurde hier ein historischer Pfad entdeckt, auf dem Scherben aus dem 16. Jahrhundert gefunden wurden.15 Am nordwestlichen Rand des Gartens wurde ab 2011 ein Gartenhäuschen erbaut.</p>\n<p class=\"lf-p\">Hierfür wurden in erster Linie Spolien verwendet, die beim Abbruch des Bauernhofs ‚Péitesch‘ in der Route de Fischbach in Lintgen geborgen werden konnten, insbesondere die Tür und das dazugehörige Türgewände.16 Im Inneren des Wohnhauses ist direkt im Eingangsbereich ein Spülstein aus Sandstein erhalten, auch einige Decken mit Holzbalken und die Reste einer ‚Haascht‘ zählen zur bauzeitlichen Ausstattung des Gebäudes (AUT, CHA). Eine Vielzahl verschiedener hochwertiger historischer Holztüren, teils mit passenden Laibungen und Beschlägen, fand hier Zweitverwendung (ENT). Durch die Hinzunahme der Obergeschosse der Nutzbauten zur Wohnfläche wurde die ursprüngliche Raumaufteilung hier teils leicht verändert, die baulichen Strukturen sind jedoch bis heute ablesbar. Im Stallgebäude, das direkt an das Wohnhaus angrenzt, ist zudem eine Kappendecke aus der Zeit um 1900 überliefert (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Der Bau ist als Vertreter des zunehmend rar werdenden Bautypus der Kleinbauernhöfe schon allein mit Fokus auf die Sozialgeschichte ein wichtiger Zeitzeuge. Aufgrund seiner klassizistischen Gestaltung mit den Fenster- und Türgewänden sowie weiterer typischer, authentisch überlieferter Baudetails verrät das pittoreske Werk nach wie vor seine Entstehungszeit. Aber auch die Entwicklungsgeschichte bleibt ablesbar. Dabei ist insbesondere die Erweiterungsphase aus dem späten 19. Jahrhunderts erwähnenswert, denn auch aus dieser Zeit blieben charakteristische Ausstattungselemente – wie die 9 Mündliche Auskunft vor Ort, am 2. August 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">10 Mündliche Auskunft vor Ort, am 2. August 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">11 Mündliche Auskunft vor Ort, am 2. August 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Mündliche Auskunft vor Ort, am 2. August 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">13 Mündliche Auskunft vor Ort, am 2. August 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">14 Fawcett, Edward, ,Inclined to be formal‘, in: The Garden. Journal of the Royal Horticultural Society, Volume 125, Part 12, London, December 2000, S.902-907.</p>\n<p class=\"lf-p\">15 Mündliche Auskunft vor Ort, am 2. August 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">16 Vgl. Schoellen, Marc, Projet d’un abri de jardin/70, rue de la bergerie/L-7441 Lintgen, [Plan], Gemeindearchiv Lintgen, Lintgen, 2011; mündliche Auskunft vor Ort, am 2. August 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">39 Ziegelgewände und die Kappendecke im Stallbereich – erhalten. Durch seinen authentischen Erhaltungszustand und seine zeittypische Ausformung ist das kleine Anwesen als national schützenswert einzustufen und für die Zukunft zu bewahren.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (SOK) Sozial- oder Kultusgeschichte, (BTY) Bautypus, (ENT) Entwicklungsgeschichte 40 Lintgen | 1, rue de Diekirch Das Wohn- und Geschäftshaus steht an der belebten Kreuzung in der Ortsmitte von Lintgen, an der die vier Straßen Rue de la Gare, Rue de l’Eglise, Route Principale und Rue de Diekirch aufeinandertreffen (GAT, SOH). Bereits auf der 1778 fertiggestellten Ferraris-Karte ist hier ein Gebäude kartografiert, das jedoch einen anderen Grundriss aufweist.1 Es ist also nicht auszuschließen, dass das bis heute überlieferte Wohnhaus teils auf dem Fundament eines noch älteren Vorgängerbaus errichtet wurde.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das im Volksmund unter dem Namen ‚A Schummesch‘ bekannte freistehende Wohnhaus ist erstmals klar – mitsamt vorgesetzter Freitreppe – auf dem Urkataster von 1824 zu erkennen.2 Zu diesem Zeitpunkt war das Terrain östlich des Hauses noch vollkommen unbebaut. Dies änderte sich mit der Errichtung einer zum Objekt gehörenden Scheune, die laut Inschrift am Schlussstein des ehemaligen Torbogens wohl 1828 hier errichtet wurde.3 Heute sind noch Teile dieses einstigen Ökonomiegebäudes erhalten, das jedoch aufgrund zahlreicher Umbauarbeiten und der damit einhergehenden unzureichenden Authentizität nicht mehr in die Beurteilung des Schutzwerts miteinfließt. Auf dem Schlussstein sind ebenfalls die Initialen ‚MH‘ vermerkt, die auf den Erbauer, der Landwirt war, rückschließen lassen.4 Auf einer fotografischen Aufnahme, die um die Wende zum 20. Jahrhundert entstand, ist das Objekt in seiner ehemals schlichteren, klassizistisch anmutenden Fassadengestaltung abgebildet.5 Eine um 1910 datierte Postkarte zeigt das Anwesen schon in seiner historistisch überformten Version, mit reichlich Fassadenstuck und beigefügter Balustrade an der damaligen Freitreppe (ENT). Das darauf noch sichtbare schmiedeeiserne Vordach ist heute nicht mehr existent.6 Nachdem das Haus in den 1930er-Jahren den Besitzer gewechselt hatte, wurde das Objekt gemäß den Bedürfnissen der neuen Eigentümer angepasst, die hier einen Metzgereibetrieb gründeten (ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Zudem wurde das Wohn- und Geschäftshaus in der Mitte des 20. Jahrhunderts um einen östlich angrenzenden Anbau erweitert, der bis heute unter anderem zu Präparations- und Lagerzwecken der Verkaufsware dient.7 Gegenwärtig beherbergt das Gebäude noch immer die lokale Metzgerei.</p>\n<p class=\"lf-p\">1 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Bourglinster 243A; Der Grundriss ist hier gen Osten vergrößert dargestellt.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Vgl. Anonym, ,Lintgen zur Fronzeit. Bannmühlen und Backofen‘, in: Club sportif F. C. „Minerva“ Lintgen, Cinquantenaire. 16 juin 1960, Diekirch, o. J., o. S.; Administration du cadastre et de la topographie du GrandDuché de Luxembourg, Urkataster. Lintgen A1, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 976.</p>\n<p class=\"lf-p\">Lintgen. 1, rue de Diekirch. 50/3922, 1905: Auf einem Katasterauszug von 1849 ist die Scheune kartografiert.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Dësch-Tennis Minerva Lëntgen (Hrsg.), D’Gemeng Lëntgen op 6 Dekortelleren mat ale Motiven iwwer schéi Gebeier, [Broschüre], Luxemburg, 1987.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Anonym, Gruss aus Lintgen, [Postkarte], hrsg. von Brüeck soeurs, Privatsammlung Fernand Gonderinger, Luxemburg, o. J.: abgestempelt am 19.09.1905.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Vgl. Anonym, Lintgen Luxemburger Strasse, [Postkarte], hrsg. von Dësch-Tennis Minerva Lëntgen, Privatsammlung Antoine Gruber, Luxemburg, o. J.: Die fotografische Aufnahme wurde seitens des Lokalhistorikers Antoine Gruber auf 1910 datiert; Anonym, Lintgen. Grand’Rue, [Postkarte], hrsg. von Maison de gros P. Houstraas, Privatsammlung Fernand Gonderinger, Luxemburg und Metz, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Vgl. mündliche Auskunft vor Ort, am 11. Oktober 2021; Dësch-Tennis Minerva Lëntgen (Hrsg.), D’Gemeng Lëntgen op 6 Dekortelleren mat ale Motiven iwwer schéi Gebeier, [Broschüre], Luxemburg, 1987; Société d’étude de construction techniques S.àr.l., Projet de transformation, [Plan], Gemeindearchiv Lintgen, Luxemburg, 28.01.1964.</p>\n<p class=\"lf-p\">41 Die historistische Überformung aus dem frühen 20. Jahrhundert stellt wohl die nach außen objektbildprägendste Bauphase dar. So wurden alle schlichten gefasten Sandsteingewände, die zu den beiden Straßen orientiert sind, mit mehrfach profilierten Fensterbänken und zusätzlichen elaborierten Verzierungen versehen (AUT, CHA, ENT). Der Fassadenstuck weist im Erdgeschoss ein vom Obergeschoss abweichendes Dekor auf. So sind die unteren Fenster mit dekorativen Konsolen mit volutenförmigem Abschluss und Blumenknospenmotiv geschmückt. Im Verdachungsfeld lässt sich eine aus Eichenblättern geformte Girlande erkennen, die zusätzlich von einem Schmuckband umwickelt und mit einer Schleife versehen ist. Die krönenden profilierten Verdachungen werden scheinbar von zwei volutenförmigen Konsolen getragen, die zum einen das Verdachungsfeld rahmen und zum anderen als visuelles Verbindungsglied zum Gewände fungieren (AUT, CHA). Auf Obergeschossebene ist die Verdachung mit geschweiftem, mehrfach profiliertem Gesims und krönendem Muscheldekor ausgeführt. Im Verdachungsfeld finden sich hier die Elemente der Girlande und des Schmuckbands wieder, die schon im Dekor der Erdgeschossfenster aufgefallen sind (AUT, CHA). Ursprünglich verband ein Brüstungsfeld mit Quastenmotiven in jeder Achse das Erdgeschossmit dem Obergeschossfenster. Letztere sind zusammen mit den Ecklisenen mit charakteristischen Quaderungen und Kannelluren bei einer rezenteren Überarbeitung der Fassade verlorengegangen.8 Dennoch blieben von den Eckverzierungen die abschließenden Bekrönungen erhalten, die an die klassizistische, profilierte Sandsteintraufe angrenzen (AUT, CHA). Die Bekrönungen weisen ein von Zweigen flankiertes kreisförmiges Relief auf, über dem zwei kugelförmige Blüten mit abschließendem Mäanderdekor angeordnet sind. Wie schon bei den Fenstergewänden blieb die klassizistische Grundform des Türgewändes mit seiner profilierten Verdachung erhalten. Bei der historistischen Überformung wurden auch hier verzierende Elemente in Form von Eichenblättergirlanden nachträglich angebracht (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das gegenwärtige Antlitz des Wohnhauses verdankt sich prinzipiell Umgestaltungsarbeiten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, während der die zwei linken unteren Fensteröffnungen der Hauptfassade durch ein großflächiges Schaufenster mit Tür ersetzt wurden (AUT, ENT). Letzteres wurde bei rezenteren Modernisierungsarbeiten erneuert mit einem Ladenschild, das in seiner Formgebung an eine Kartusche erinnert, versehen.9 Beidseitig des Schaufensters und der Ladentür aus Aluminium findet sich je ein schmales, aus Sandsteinplatten gebildetes einfassendes Band. Der Sockel, der das gesamte Wohnhaus umschließt, weist eine identische Verkleidung auf.</p>\n<p class=\"lf-p\">Der Haupteingang wurde ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt nach hinten versetzt und mit einer neuen Holztür mit Oberlicht aus Strukturglas mit vorgesetztem schmiedeeisernem Dekor ausgestattet (ENT). Die ehemalige zur Eingangstür führende Freitreppe wurde durch eine breite, pyramidal zulaufende Sandsteintreppe mit abgerundeten Ecken und breitem Podest ersetzt und prägt heute den Zugang zum Wohnungs- und Geschäftseingang (ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die südliche Seitenfassade, die zur Rue de l’Eglise ausgerichtet ist, weist eine einzelne Achse in der linken Fassadenhälfte auf. Die Fensteröffnungen sind mit den gleichen historistischen Dekorelementen wie an der Hauptfassade versehen. Die zum Hinterhof orientierte dreiachsige Rückfassade präsentiert sich hingegen ohne Verzierung. Die Fensteröffnungen werden von einfachen gefasten Sandsteingewänden umfasst (AUT, CHA). Mittig leitet eine mit Waschbetonplatten belegte Treppe mit einer in bossiertem Sandstein verkleideten Wange zum Hinterausgang des Wohnhauses.</p>\n<p class=\"lf-p\">Dieser ist mit einer hölzernen kassettierten Eingangstür mit strukturiertem Verglasungsfeld, 8 Cassaignau-Schmit, Myriam, Lintgen. 1, rue de Diekirch, [Fotografische Aufnahme], Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Anonym, Lintgen. 1, rue de Diekirch, [Fotografische Aufnahme], Service des sites et monuments nationaux, Archiv SSMN, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">42 vorgesetzten Metallstäben und einer Schwelle mit geprägter Metallplatte ausgestattet (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Entwicklungsgeschichte des Wohnhauses lässt sich auch im Innern nachvollziehen. Hier sind neben den bauzeitlich überlieferten Strukturen vor allem die Bauphasen zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der 1930er-Jahre objektbildprägend. Der Bau wird größtenteils von mehreren Räumen mit jeweils einem Korbbogengewölbe unterkellert (AUT, CHA). Der nördliche Kellerbereich wurde im Rahmen der Arbeiten am Verkaufsraum zugeschüttet.10 Im Erdgeschoss sind unter anderem die polychromen Zementfliesen mit geometrisch-floralem Dekor und abgewandelter Bordüre mit Blumenmotiv einer späteren Bauphase zuzuordnen (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Auch die reich verzierte doppelflügelige hölzerne Zwischentür, die in den unteren Kassetten einseitig ein Fischgrätmuster aufweist, ist wohl dieser ersten Überformung zu Beginn des 20. Jahrhunderts zuzuschreiben (AUT, CHA, ENT). Ihre großflächig bunte Bleiverglasung mit dunkelgrünem Rankendekor und kontrastierenden roten Elementen betont den repräsentativen Charakter der Tür.</p>\n<p class=\"lf-p\">Im Eingangsbereich wurden die Flurmauern mit einer marmorimitierenden Trompe-l’œil-Malerei versehen, die in verschiedene Kassettenfelder gegliedert ist (AUT).</p>\n<p class=\"lf-p\">In den ehemaligen Wohnräumen, in denen gegenwärtig die Verwaltungsräume der Metzgerei untergebracht sind, sind die kassettierten Holztüren mit ihren ebenfalls kassettierten Laibungen sowie Holzdielenböden und Stuckdekor aus den verschiedenen Bauphasen überliefert (AUT, CHA, ENT). Eine Besonderheit stellt ein hölzerner Einbauschrank dar. Am Ende des Flurs leitet eine halbgewundene Terrazzotreppe mit schlichtem, weiß gestrichenem schmiedeeisernem Metallgeländer und kontrastierendem schwarzem Kunststoffhandlauf zum Obergeschoss hinauf (AUT, CHA, ENT). Hier sind der Dielenboden, die teils vielfach profilierten Stuckbänder an den Zimmerdecken und die kassettierten Holztüren überliefert (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Besonders hervorzuheben sind zwei klassizistisch anmutende hölzerne Einbauschränke, die Kassettierungen und profilierte Verdachungen aufweisen (AUT, CHA). Einer der Schränke reicht vom Fußboden bis zur Decke; hier folgt das Stuckband dem Verlauf der profilierten Bekrönung des Schranks. Das Dachgeschoss ist über eine schmale, steil halbgewendelte Holztreppe mit schlichtem Holzgeländer zu erreichen. Trotz mehrerer Neueindeckungen des Dachs ist hier noch das historische Eichenholzgebälk mit Holznägeln überliefert (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das herrschaftliche Wohnhaus, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Ortsmitte von Lintgen errichtet wurde, zählt zu den ortsbildprägenden Gebäuden. Besonders die Spuren einer historistischen Überformung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Fassaden mit elaboriertem zeittypischem Dekor verziert wurden, prägen das Bauwerk bis heute. Auch spätere Umbauphasen, unter anderem durch die Einrichtung eines bis heute bestehenden Metzgereibetriebs, haben eine Vielzahl an ablesbaren Spuren hinterlassen, die besonders im Gebäudeinneren zum Teil eine hohe gestalterische Qualität aufweisen. Historistische mehrfarbige Fliesen mit Blumenmuster, eine aufwendig gestaltete hölzerne Zwischentür, eine Terrazzotreppe sowie variierender Stuckdekor stellen nur einige der authentisch überlieferten Ausstattungen dar. Aus der Bauzeit sind zudem der Gewölbekeller und das Dachgebälk aus Eichenholz erhalten geblieben. Aufgrund der Vielzahl an charakteristischen und authentischen Gestaltungselementen, die die bewegte Entwicklungsgeschichte des Gebäudes widerspiegeln, gilt es, das Wohn- und Geschäftshaus als national schützenswert einzustufen und für die Zukunft zu bewahren.</p>\n<p class=\"lf-p\">10 Mündliche Auskunft vor Ort, am 11. Oktober 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">43 Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (SOH) Siedlungs-, Orts- oder Heimatgeschichte, (ENT) Entwicklungsgeschichte 44 Lintgen | 14 + 14A, rue de Diekirch Am nordwestlichen Rand der Ortsmitte und gegenüber einer Einfahrt in die Rue de l’Ecole liegt der ehemalige Bauernhof, der laut Inschrift auf das Jahr 1808 datiert werden kann (AUT, GAT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Erstmals verzeichnet ist das Gebäude tatsächlich auf der Originalversion des Urkatasters, auf dem jedoch lediglich das klassizistische Wohnhaus mit seinem nördlich angrenzenden Ökonomietrakt als kleiner Bauernhof abgebildet zu sein scheint.1 Spätestens auf der etwa 90 Jahre später fertiggestellten Bodenkarte ist das östlich des ehemaligen Bahnhofs liegende Anwesen in seiner heutigen Form als Streckhof mit der zusätzlich links an das Wohnhaus anschließenden Scheune dokumentiert (BTY, ENT).2 An das zweigeschossige Wohnhaus grenzen demnach zu beiden Seiten niedrigere, ehemals landwirtschaftlich genutzte Bauten, die beide zu Wohnraum umgewidmet wurden (ENT). Ein schmaler gepflasterter Vorhof trennt das gesamte Objekt von der Rue de Diekirch und dem öffentlichen Raum (AUT, CHA). Obwohl das Objekt mittlerweile aus zwei eigenständigen Hausnummern und Parzellen besteht, wird es auch heute noch als Ensemble behandelt.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das vierachsige Wohnhaus erhebt sich über einem etwa hüfthohen unverputzten Sockel aus Sandsteinquadern, an dem oberhalb ein Sohlbankgesims ansetzt, auf dem die Fenster des Erdgeschosses aufsitzen (AUT, CHA).3 Es ist wohl der Nähe der westlich des Anwesens verlaufenden Alzette und der damit einhergehenden Überschwemmungsgefahr geschuldet, dass hier – wie häufiger in der Gemeinde Lintgen – auf einen Keller verzichtet wurde. Etwa mittig der Hauptfassade befindet sich der Zugang zum Gebäudeinneren, der durch eine spätbarock anmutende hölzerne Türreplik mit viergeteiltem Oberlicht verschlossen wird. 4 Das innen konvex profilierte Gewände aus beigem Sandstein zeigt an seinem Schlussstein das Baudatum ,1808‘ und wurde allem Anschein nach historistisch überarbeitet, indem ihm eine mehrfach profilierte und verkröpfte Verdachung mit den Initialien ,F·K‘ und ,S·J‘ aufgesetzt wurde (AUT, ENT). Die drei restlichen Achsen werden durch jeweils eine sandsteingerahmte hochrechteckige Fensteröffnung mit geradem Sturz und innerer Fasung für die Aufnahme der Klappläden gegliedert (AUT, CHA). In den vier Achsen des Obergeschosses wiederholt sich die Formensprache der Erdgeschossfenster, die hier ebenfalls durch ein Sohlbankgesims miteinander verbunden sind (AUT, CHA). Ecklisenen in Quaderoptik trennen die Hausfassade optisch von jenen der ehemaligen Ökonomiebauten; über der hölzernen profilierten Traufe erhebt sich das mit Faserzement englisch eingedeckte Satteldach, das Platz für drei Giebelgauben bietet (AUT, CHA). Auch die Rückseite des Wohnhauses weist zwei Giebelgauben im Dachbereich auf; alle Öffnungen wurden hier identisch zu jenen der Hauptfassade gefast und mit geradem Sturz geformt (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Der rechts an das Wohnhaus anschließende ehemals landwirtschaftlich genutzte Anbau wurde im Inneren erstmals in den 1960er-Jahren zu Wohnzwecken umgebaut.5 Er erhebt sich über einem niedrigen steinsichtigen Sockel und präsentiert sich im Hinblick auf die sichtbaren Fassadenöffnungen 1 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lintgen A1, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Bodenkarte der Gemeinde Lintgen, [Karte], Gemeindearchiv Lintgen, Luxemburg, o. J.: Solche Bodenkarten liegen für viele Ortschaften Luxemburgs vor; sie wurden zwischen 1901 und 1914 erstellt.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Hier sind heute noch zwei Metallösen zu finden, die wohl ehemals zum Anbinden des Viehs dienten.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Err, Antoine; Dumont, Ferd, Spéide Barock Dier. 319 57-25-3, [Fotografische Aufnahme], Service des sites et monuments nationaux, Türeninventar, Lintgen, 1983: Bei der Haupteingangstür handelt es sich um eine detailgetreue Kopie der Vorgängertür.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung Antoine Gruber, Lintgen, 1960; mündliche Auskunft vor Ort, am 30. April 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">45 trotz der Umnutzung kaum verändert (AUT, CHA).6 Anstelle der beiden Holzflügel wurde das niedrige segmentbogige Tor im Erdgeschoss mit einer Fenstertür versehen; rechts daneben wurde das frühere Stallfenster nach unten hin vergrößert (ENT).7 Im Obergeschoss sind neben einer großzügigen früheren Ladeluke mit Segmentbogen zwei stehende Lüftungsluken unterhalb der Traufe erhalten (AUT, CHA). Die Nordseite des mit einem einseitigen Krüppelwalmdach abschließenden Anbaus, hinter der sich ursprünglich die ,Haascht‘ befand, verbleibt bis auf eine kleine Öffnung geschlossen. 8 Im hinteren Bereich wurde dem früheren Ökonomiebau ein Schleppdach angefügt. Wohnhaus und Anbau wurden zwischen 1988 und 2003 vom Dach bis zu den Innenräumen umfassend renoviert.9 Die links angrenzende, jüngere Scheune wurde ebenfalls zu Wohnzwecken umgebaut und besitzt seit der Transformation im Jahr 2013 eine eigenständige Hausnummer.10 Bereits in den 1970er-Jahren veränderte sich das Erscheinungsbild im Erdgeschoss bis auf die nach wie vor existente segmentbogige Toröffnung mit Prellsteinen, die heute noch dem ehemaligen doppelflügeligen Tor mit Manntür nachempfunden ist (ENT). 11 Linkerhand befindet sich seit der ersten Umbauphase eine Garagenöffnung; rechts eine Tür sowie ein kleines hochrechteckiges Fenster. Im Obergeschoss sind drei der ehemals fünf kleinen Lüftungsluken bauzeitlich erhalten, zwei von ihnen wurden durch nach unten hin verlängerte schlanke Öffnungen ersetzt, um eine bessere Beleuchtung im Gebäudeinneren zu gewährleisten (AUT, CHA). Im Inneren sind ein Sandsteingewände im Erdgeschoss sowie der freigelegte hölzerne Torsturz überliefert (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das Innere des eigentlichen Haupthauses präsentiert im Flur und dem Bereich der ehemaligen Flurküche im Erdgeschoss schwarz-weiße Fliesen, die im Schachbrettmuster verlegt wurden (AUT, CHA). Kassettierte Holztüren in scharrierten Sandsteingewänden bieten ebenso wie im Obergeschoss den Zugang zu umliegenden Räumen, in denen bis heute umlaufend profilierte Stuckbahnen, Stuckrosetten und teilweise Decken mit abgerundeten Ecken überliefert sind (AUT, CHA, ENT). Auch ein Takenschrank mit mehrfach profilierter und verkröpfter Verdachung sowie eine mit Sandstein umfasste Takenplatte mit vegetabilen Motiven haben die Zeit überdauert (AUT, CHA). Der Takenschrank besticht mit seiner traditionellen fünftürigen Aufteilung und einem Dekor, das zwischen Spätbarock und frühem Klassizismus verhaftet ist. Dies ist besonders an der noch eher barocken Profilierung oberhalb des Kassettenfeldes der oberen Türen zu beobachten, während die darüber liegende Verdachung schon klassizistische Profile aufweist. Eine neobarock anmutende und aus einer ortsansässigen Schreinerei stammende Holztreppe mit volutenförmig abschließendem Handlauf und einem geschweiften Treppenpfosten führt ins Obergeschoss, wo noch teilweise Holzbalkendecken mit Lehmwickeln vorzufinden sind (AUT, SEL, CHA, SOH).12 Das Dachgeschoss ist wiederum über eine ältere, halbgewendelte Holztreppe mit gedrechselten Geländerstäben erreichbar. Hier ist der 6 Gruber, Emile, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung Antoine Gruber, Lintgen, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Gruber, Emile, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung Antoine Gruber, Lintgen, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Mündliche Auskunft vor Ort, am 30. April 2021; Cassaignau-Schmit, Myriam, Lintgen. 14, route de Diekirch, Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Mündliche Auskunft vor Ort, am 30. April 2021: Im Gebäudeinneren wurden außerdem Spolien verbaut;</p>\n<p class=\"lf-p\">Gruber, Antoine, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung Antoine Gruber, Lintgen, 1991; Gruber, Antoine, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung Antoine Gruber, Lintgen, 1996; Gruber, Antoine, Fuite au salon mars 2002, [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung Antoine Gruber, Lintgen, 2002.</p>\n<p class=\"lf-p\">10 Mündliche Auskunft vor Ort, am 30. April 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">11 Mündliche Auskunft vor Ort, am 30. April 2021; Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung Antoine Gruber, Lintgen, 1960; Cassaignau-Schmit, Myriam, Lintgen. 14, route de Diekirch, Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979.</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Mündliche Auskunft vor Ort, am 30. April 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">46 historische Dachstuhl erhalten, bei dem am mittleren Gebinde historische Abbundzeichen und Holznägel sichtbar sind (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Etwa mittig der Rue de Diekirch befindet sich das historisch gewachsene und funktionell zusammenhängende Ensemble des ehemaligen Bauernhofs. Aufgrund seiner klassizistischen Gestaltung mit den geraden Linien der Sandsteingewände und der Sohlbankgesimse sowie weiterer typischer, authentisch überlieferter Baudetails verrät das ortsbildprägende Werk nach wie vor seine Entstehungszeit. Aber auch die Entwicklungsgeschichte bleibt ablesbar. Dabei ist insbesondere die historistische Erweiterungsphase erwähnenswert, denn auch aus dieser Zeit blieben charakteristische Ausstattungselemente – wie die Verdachung des Eingangs und die lokal hergestellte neobarocke Holztreppe im Inneren – erhalten. Trotz einer umfassenden Renovierung Ende des 20. Jahrhunderts ist das Ensemble durch seinen authentischen Erhaltungszustand und seine zeittypische Formensprache seit dem 7. Februar 2020 als nationales Kulturgut in der Liste schützenswerter Objekte eingetragen, was im Zuge der Inventarisierungsarbeiten in der Gemeinde Lintgen bestätigt werden konnte.13 Mit dem Inkrafttreten des Kulturschutzgesetzes vom 25. Februar 2022 änderte sich die bis dahin gültige Statusbezeichnung eines national geschützten Kulturguts. Seither gelten alle unter nationalem Schutz stehenden Gebäude, Stätten und Objekte als Patrimoine culturel national. Vor Inkrafttreten dieses Gesetzes waren geschützte Baukulturgüter entweder als Monument national geführt oder in das Inventaire supplémentaire eingetragen. Die Definition als Patrimoine culturel national erfolgt indes auch bei bereits unter Denkmalschutz stehenden Kulturgütern nicht automatisch. Generell gilt, dass erst ein für die gesamte Gemeinde erstelltes wissenschaftliches Inventar und die damit verbundene Analyse der historischen Bausubstanz Aufschluss darüber geben können, ob ein Gebäude, ein Objekt oder eine Stätte für die weitere Zukunft zu erhalten ist. Nach Abschluss der Inventarisierungsarbeiten in der Gemeinde Lintgen kann bestätigt werden, dass das hier beschriebene Anwesen die notwendigen Kriterien erfüllt, um als Patrimoine culturel national zu gelten und entsprechenden Schutz zu genießen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (SOH) Siedlungs-, Orts- oder Heimatgeschichte, (BTY) Bautypus, (ENT) Entwicklungsgeschichte 13 Service des sites et monuments nationaux, Lintgen. Lintgen. 14-14A, rue de Diekirch, Institut national pour le patrimoine architectural, Protection juridique, classement comme monument national, 2020.</p>\n<p class=\"lf-p\">47 Lintgen | 41 + 41A, rue de Diekirch Das hochbarocke Wohnhaus wurde im 17. Jahrhundert an der Kreuzung einer Hauptverkehrsachse von Lintgen mit der Route de Fischbach erbaut und gehört zu den im ländlichen Raum immer seltener werdenden Objekten, die aus dieser Entstehungszeit überliefert sind (AUT, SEL, GAT, CHA). Der Begriff ‚Haus Heuardt‘ oder ‚Heuardts-Haus‘, unter dem das Anwesen bis heute bekannt ist, geht auf den Familiennamen des Erbauers, Jean-Théodore Heuardt, zurück.1 Das Baujahr 1686 ist auch im Türsturz des Wohnhauses vermerkt. Durch Heirat von Théodore Heuardt mit Susanne Bettendorf um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Familie Heuardt maximinischer Grundmeyer in Lintgen.2 Nach der Abschaffung des Grundmeyeramts im Jahre 1795 als Konsequenz der französischen Revolution wurde der Ur-Enkel des Erbauers, Henri Heuardt, zum ersten Bürgermeister von Lintgen ernannt (17961798). Bis zum Jahr 1861 sollten drei weitere Bürgermeister folgen, die aus dem Hause Heuardt stammten (SOH).3 Das ‚Heuardts-Haus‘ blieb bis ins Jahr 1918 im Besitz der Familie, dann wurde es von den Nachfahren des Erbauers versteigert.4 Zum herrschaftlichen Anwesen gehörten wohl einst diverse Nutzgebäude, die schon auf der FerrarisKarte verzeichnet sind und auch auf der Bodenkarte, die Anfang des 20. Jahrhunderts erstellt wurde, noch den gleichen Grundriss aufweisen.5 Katasterauszüge aus den frühen 1920er-Jahren lassen eine erhebliche Veränderung der direkten Umgebung des Anwesens erkennen. Von dem sich nördlich des Wohnhauses befindlichen Gebäude mit u-förmigem Grundriss, bei dem es sich höchstwahrscheinlich um ein zum Wohngebäude gehörendes Ökonomiegebäude handelt, blieb lediglich ein Bruchteil erhalten.6 Dieser Restbestand wurde zunächst zu Beginn der 1950er-Jahre umgebaut und vergrößert, ehe der gesamte Nutzbau letztendlich aufgrund seines baufälligen Zustands 2019 komplett abgerissen wurde.7 Eine weitere einschneidende Veränderung des Areals stellt der Bau einer Kornschnapsbrennerei in den 1920er-Jahren dar. Diese wurde unter dem neuen Besitzer Gérard Wolmering-Pfeffer einige Meter östlich des ‚Heuardt-Hauses‘ errichtet und war im Volksmund unter dem Namen ‚Beim Jier‘ 1 Vgl. Richard, Léon, ,La Famille HEUARDT, de Lintgen‘, in: ders., Généalogie des familles Richard de Clervaux, Bouvier de Clervaux, Faber de Hosingen, Servais de Wiltz, Heuardt de Lintgen, Beving de Grevenmacher, Buisson de Luxembourg et leurs alliances, Luxemburg, o. J., S. 1; Wiltgen, J. P., ,Das „Heuardt-Haus“ in Lintgen‘, in: Fanfare de Lintgen, 60ième anniversaire avec Inauguration d’un Nouveau Drapeau, Mersch, o. J., S. 37;</p>\n<p class=\"lf-p\">Commune de Lintgen (Hrsg.), João Felipe Bettendorff 1625-1698. De l’Alzette à l’Amazone. Un jésuite luxembourgeois au Brésil, Luxemburg, 2008, o. S.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Wiltgen, J. P., ,Das „Heuardt-Haus“ in Lintgen‘, in: Fanfare de Lintgen, 60ième anniversaire avec Inauguration d’un Nouveau Drapeau, Mersch, o. J., S. 36; Richard, Léon, ,La Famille HEUARDT, de Lintgen‘, in: ders., Généalogie des familles Richard de Clervaux, Bouvier de Clervaux, Faber de Hosingen, Servais de Wiltz, Heuardt de Lintgen, Beving de Grevenmacher, Buisson de Luxembourg et leurs alliances, Luxemburg, o. J., S. 1.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Wiltgen, J. P., ,Das „Heuardt-Haus“ in Lintgen‘, in: Fanfare de Lintgen, 60ième anniversaire avec Inauguration d’un Nouveau Drapeau, Mersch, o. J., S. 39 und 42.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Wiltgen, J. P., ,Das „Heuardt-Haus“ in Lintgen‘, in: Fanfare de Lintgen, 60ième anniversaire avec Inauguration d’un Nouveau Drapeau, Mersch, o. J., S. 37.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. Lintgen. 41, rue de Diekirch. 81/3909, 1923-1960.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. Lintgen. 41, rue de Diekirch. 81/3909, 1923-1960.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. Lintgen.</p>\n<p class=\"lf-p\">41, rue de Diekirch. 81/3909, 1923-1960; Cassaignau-Schmit, Myriam, Lintgen. 41, route de Diekirch, Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979 ; Bürgermeister, Autorisation de démolition. N° 56/2021, Gemeindearchiv Lintgen, Lintgen, 2019.</p>\n<p class=\"lf-p\">48 bekannt.8 Das einstige Lagerhaus der Brennerei wurde in einer späteren Bauphase in den 1960erJahren zum Wohnhaus umgebaut (ENT). 9 Objektprägende Elemente dieses Gebäudes sind authentisch überliefert und erzählen bis heute von seiner Ursprungsnutzung.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das fast 350 Jahre alte ‚Haus Heuardt‘ stellt bis heute ein ortsbildprägendes Objekt dar, das zu den ältesten authentisch überlieferten Gebäuden der Gegend gehört. Das Wohnhaus, dessen Erbauung in die Epoche der Renaissance fiel, wurde von einem französischen Architekten im zeittypischen, für Luxemburg noch überaus modernen Stil erbaut, der schon deutliche Spuren des Frühbarocks zeigt. 10 Trotz einiger Überarbeitungsphasen haben sich Renaissanceelemente, unter anderem der hohe Dachstuhl, die Zwillingsfenster an der Rückfassade und kleine Fenster im Giebelfeld der Südfassade, erhalten (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die zur Rue de Diekirch orientierte traufständige Hauptfassade ist dreiachsig gegliedert, wobei sich die zwei südlicheren Achsen in der rechten Gebäudehälfte ausmachen lassen. Im Kellergeschoss der linken Hälfte befinden sich eine kleine Kellerluke und ein rundbogiger Kellereingang, zu dem eine sechsstufige Sandsteintreppe hinabführt. Dieser ist mit einer genagelten doppelflügeligen Holzbrettertür versehen (AUT, CHA, OLT). Beide Kelleröffnungen werden von einfachen Sandsteingewänden umrahmt. Eines der objektprägendsten Elemente stellt der repräsentative Eingang dar. Er setzt sich aus einer doppelflügeligen Holztür, die der Vorgängertür nachempfunden wurde, und einem reichlich geschmückten Sandsteingewände zusammen (AUT, CHA, ENT).11 Beide Türflügel weisen die gleiche Gestaltung auf. Die oberen Hälften werden von Kassettenfeldern mit profilierter Bordüre, die eine mäanderartige Ausformung aufweisen, ausgefüllt. Die unteren Teile sind mit leicht hervortretenden Paneelen ausgestattet, die sich zur Mitte hin etwas verjüngen und mit einem konvex profilierten Band mit seitlichem Quastendekor abschließen. Ein profilierter Kämpfer trennt die Tür vom mehrfarbigen Bleiglasfenster mit geometrischer Musterung und mittig platziertem, kreisförmigem Inschriftfeld mit Monogramm der Familie Heuardt. Das Sandsteingewände weist eine mehrfache Profilierung auf und ist mit einer segmentbogigen, ebenfalls profilierten Verdachung ausgestattet (AUT, CHA). Unterhalb der Verdachung befinden sich zwei schmale Konsolen, die mit für den Historismus typischen Dekorelementen – einer Blattranke mit krönendem muschelförmigen Blatt</p>\n<div class=\"lf-abs\"><span class=\"lf-abs-num\">–</span>geschmückt sind. Im Segmentgiebel ist das Wappen der Familie Heuardt mit dem Baujahr ‚1686‘ als Relief zu erkennen (AUT, ENT).12 Das Wappen, ein Laubbaum mit zwei Sternen, ist in einer ovalen Kartusche dargestellt, die von einem Rahmen mit Volutendekor und Blattbekrönung umschlossen und 8 Vgl. Wiltgen, J. P., ,Das „Heuardt-Haus“ in Lintgen‘, in: Fanfare de Lintgen, 60ième anniversaire avec Inauguration d’un Nouveau Drapeau, Mersch, o. J., S. 38; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 1039. Lintgen. 41, rue de Diekirch. 81/3909, 1923 ;</div>\n<p class=\"lf-p\">Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 1042.</p>\n<p class=\"lf-p\">Lintgen. 41, rue de Diekirch. 81/3909, 1924 ; Kmec, Sonja; Kolnberger, Thomas, ‚Liegt Denkmalschutz nur im Auge des Betrachters? Eine Reportage über Baufortschritt und historische Authentizität‘, in: Forum für Politik, Gesellschaft und Kultur in Luxemburg, Heft 301, Luxemburg, November 2010, S. 47-49.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Vgl. Bürgermeister, o. T., [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Lintgen, Lintgen, 12.04.1967; Kmec, Sonja;</p>\n<p class=\"lf-p\">Kolnberger, Thomas, ‚Liegt Denkmalschutz nur im Auge des Betrachters? Eine Reportage über Baufortschritt und historische Authentizität‘, in: Forum für Politik, Gesellschaft und Kultur in Luxemburg, Heft 301, Luxemburg, November 2010, S. 47-49.</p>\n<p class=\"lf-p\">10 Cassaignau-Schmit, Myriam, Lintgen. 41, route de Diekirch, Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979.</p>\n<p class=\"lf-p\">11 Err, Antoine; Dumont, Ferd, Style classique - Louis 16. 318 60-35-2, [Fotografische Aufnahme], Service des sites et monuments nationaux, Türeninventar, Lintgen, 1983.</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Wiltgen, J. P., ,Das „Heuardt-Haus“ in Lintgen‘, in: Fanfare de Lintgen, 60ième anniversaire avec Inauguration d’un Nouveau Drapeau, Mersch, o. J., S. 36.</p>\n<p class=\"lf-p\">49 seitlich von zwei Ästen gerahmt wird. Dem Eingang vorgesetzt befindet sich eine Treppe, deren Wangen aus massiven Sandsteinquadern mit dekorativ gearbeiteten Abdeckungen erhalten sind. Die Fensteröffnungen im Erd- und Obergeschoss sind allesamt identisch ausgeführt und weisen einfache Sandsteingewände auf. Ihre beachtliche Größe lässt auf eine Entwicklungsphase im Spätklassizismus schließen (AUT, ENT). Die Fensterbänke wurden in einer späteren Bauphase durch Terrazzo ersetzt. 13 Auch der gebäudeumfassende Sockel mit aufgeputzter Quaderung ist einer rezenteren Bauphase zuzuschreiben. Dem Objekt sitzt ein für die Bauzeit typisches hohes Krüppelwalmdach mit Aufschiebling und umgreifender Sandsteintraufe mit geschwungenem Profil auf (AUT, CHA). Letztere wurde sowohl an den Giebelseiten als auch an der Rückseite ausgeführt.</p>\n<p class=\"lf-p\">Entlang der zur Route de Fischbach orientierten Südseite verläuft eine niedrige Mauer, die die Grundstücksgrenze markiert. Sie wurde aus bossiertem Sandstein gefertigt und mit einem schmiedeeisernen Geländer ausgestattet (AUT, CHA, ENT). Die südliche Giebelfassade ist im Erdgeschoss dreiachsig und im Ober- und Dachgeschoss zweiachsig angelegt. Das linke Erdgeschossfenster ist besonders großzügig ausgeführt und wird von einem segmentbogigen Sandsteingewände eingefasst (AUT, CHA). Zu seiner Rechten befindet sich eine Fensteröffnung in Form eines liegenden Ovals. Ihr sind drei schmiedeeiserne Stäbe vorgesetzt. Besonders hervorzuheben ist die rechte Obergeschoss-öffnung dieser Fassadenseite, die in einer Bauphase im 20. Jahrhundert mit einem Balkon ausgestattet wurde.14 Die doppelflügelige kassettierte Holztür weist in der oberen Hälfte zwei Sprossenfenster mit geometrischem Dekor und Verzierungen aus farbigem Glas auf (AUT, CHA). Der Ursprung dieser Türöffnung mag auf einen ehemaligen Anbau an dieser Stelle zurückzuführen sein, dessen Grundriss unter anderem auf dem Urkataster zu erkennen ist (ENT).15 Das Dachgeschoss ist mit zwei kleineren Fensteröffnungen ausgestattet, die ebenfalls Sandsteingewände und nachträglich hinzugefügte Terrazzofensterbänke aufweisen (AUT, ENT). Die kleinen Fenstergewände könnten ihrer Form und Profilierung nach noch aus der Renaissancezeit erhalten sein.</p>\n<p class=\"lf-p\">Die nördliche zweiachsige Giebelseite ist schlichter gestaltet. Die Erd- und Obergeschossfenster sind allesamt in der rechten Gebäudehälfte angeordnet und in ihrer Ausführung identisch mit denen der Hauptfassade. Neben der Giebelfassade befindet sich heute der Hauptzugang zum Innenhof. Hier sind noch einige Überreste historischer Pfeiler und Mauern vorzufinden (AUT, CHA). Die Pfeiler sind aus massiven Sandsteinquadern gefertigt und schließen mit profilierten Kapitellen ab.</p>\n<p class=\"lf-p\">Besonders das Antlitz der östlich orientierten Rückfassade zeugt bis heute von der Entstehungszeit des Gebäudes. Hier sind vor allem drei Obergeschossfenster – die von sandsteinernen gefasten Zwillingsfenstergewänden aus der Renaissancezeit geprägt sind – hervorzuheben (AUT, SEL, CHA). Im fünfachsigen Erdgeschoss hingegen weisen unter anderem die drei unterschiedlich ausgeformten Türöffnungen auf verschiedene Umbauphasen des Wohnhauses hin. Die rahmenden Sandsteingewände sind teils gradlinig und schlicht, teils mit Ohrungen, Fasungen und Prellsteinen ausgeführt (AUT). Die zwei mittig platzierten Erdgeschossfenster sind größer als die des Obergeschosses und im Innern segmentbogig ausgeführt (AUT, CHA). Zwei Luken, die sich neben 13 Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung Antoine Gruber, Lintgen, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">14 Vgl. Cassaignau-Schmit, Myriam, Lintgen. 41, route de Diekirch, Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979; Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung Antoine Gruber, Lintgen, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">15 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lintgen A1, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">50 beziehungsweise unter den Fensteröffnungen befinden, zeugen vom Kellergeschoss, das sich unter dem Großteil des Anwesens befindet.</p>\n<p class=\"lf-p\">Der herrschaftliche Ursprung und die Entwicklungsgeschichte des ‚Hauses Heuardt‘ offenbart sich vor allem im Gebäudeinneren. Als äußerst rar und imposant ist in dem Zusammenhang wohl der bauzeitliche Eingangsbereich mit seinem einseitigen Arkadengang und Kreuzgewölbe anzusehen (AUT, SEL, CHA). Die Pfeiler des Arkadengangs werden durch zusätzlich profilierte Kämpfergesimse dekoriert, auch die Konsolen des Kreuzgewölbes wurden mit den gleichen Verzierungen ausgestattet (AUT, CHA). Auf der anderen Seite der Arkaden befindet sich ein kleines Vestibül. Von hier aus führt eine monumentale, wohl aus der klassizistischen Epoche stammende, geschwungene Holztreppe zum Obergeschoss, von wo aus sie in verkleinerter Form zum Dachgeschoss leitet (AUT, CHA, ENT). Sie wird beidseitig von einem Geländer mit hölzernem Handlauf und gedrechselten Stäben gerahmt.</p>\n<p class=\"lf-p\">Ebenfalls aus einer späteren Bauphase stammen die kassettierten Holztüren und Laibungen im Erdgeschoss, die historistisch anmutende profilierte Verdachungen aufweisen (AUT, CHA, ENT). Eine doppelflügelige Türöffnung gegenüber der Treppe im Obergeschoss ist besonders reich verziert und weist neben den kassettierten Laibungen und Türblättern einen mehrfach profilierten Rahmen sowie einen dekorativ ausgearbeiteten gedrechselten Mittelpfosten auf (AUT, CHA). Dem Eingangsbereich gleich werden viele Decken der Wohnräume im Erdgeschoss von Tonnen- oder Kreuzgewölben überspannt, eines hiervon wurde zusätzlich mit profilierten Rippen versehen (AUT, SEL, CHA). Die restlichen Decken des Hauses sind größtenteils mit mehrfach profilierten Stuckbändern verziert. Im Erd- und Obergeschoss sind je ein Kamin sowie Einbauschränke aus unterschiedlichen Epochen überliefert (AUT, CHA). Aus der Bauzeit sind der Gewölbekeller und Teile des Dachgebälks erhalten geblieben. Der Dachraum ist in zwei Ebenen unterteilt, was für die Bauzeit des herrschaftlichen Gebäudes typisch ist (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Zum Anwesen gehört heute eine ehemalige vierstöckige Kornschnapsbrennerei, die in den 1920erJahren etwa zehn Meter östlich des barocken Wohnhauses errichtet wurde. Die dreiachsige westliche Hauptfassade des Baus weist zahlreiche große Fensteröffnungen auf (AUT, CHA). Im letzten Obergeschoss sind in der mittleren und rechten Achse die bauzeitlichen eingekitteten Metallfenster überliefert. Die linke segmentbogige Fensteröffnung mit mehrteiligem Holzfenster wird von einem stark hervorkragenden Satteldach überdacht, unter dem sich üblicherweise eine Aufzugswinde zwecks Lastenbeförderung befindet (AUT, CHA).16 Das Walmdach des Gebäudes ist mit Falzziegeln eingedeckt und weist an den Traufen einen hölzernen Fries mit spitzbogiger Zahnung auf (AUT, CHA). Neben einem Kellereingang auf Erdgeschossebene befindet sich eine Takenplatte, die sich wohl ursprünglich im ‚Haus Heuardt‘ befand. Sie zeigt ein bekröntes Wappen, das von zwei Löwen flankiert wird.</p>\n<p class=\"lf-p\">Unterhalb des Wappens ist das Baudatum ‚1686‘ zu lesen, das in der gleichen Schriftart dargestellt ist wie die Inschrift im Türsturz der Eingangstür (AUT, CHA). Östlich des Gebäudes ist zudem eine etwa zwei Meter hohe Umfassungsmauer überliefert. Sie verläuft etwa 20 Meter entlang der Rue Kreuzert, wurde aus Sandstein gefertigt und weist einen Abschluss in Dreiecksform auf (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das Anwesen, das 1686 am damaligen nördlichen Dorfrand von Lintgen erbaut wurde und außen wie innen Elemente aus Renaissance, Klassizismus und Historismus in sich vereint, stellt ein authentisch erhaltenes Kulturgut dar, das durch sein hohes Alter Seltenheitswert hat und zudem, als Wohnort der lokal bedeutsamen Heuardt-Familie, von orts- und heimatgeschichtlicher Bedeutung ist. Sein Antlitz 16 Kmec, Sonja; Kolnberger, Thomas, ‚Liegt Denkmalschutz nur im Auge des Betrachters? Eine Reportage über Baufortschritt und historische Authentizität‘, in: Forum für Politik, Gesellschaft und Kultur in Luxemburg, Heft 301, Luxemburg, November 2010, S. 47-49.</p>\n<p class=\"lf-p\">51 ist durch seine reiche Entwicklungsgeschichte geprägt. In dem Zusammenhang sind vor allem das außergewöhnlich hohe Krüppelwalmdach, der Eingangsbreich und die zahlreichen Kreuzgewölbe aus der Renaissancezeit, das eigens für das Haus entworfene historistische Gewände der Eingangstür sowie die variierende Gestaltung einiger bauzeitlicher und klassizistischer Fensteröffnungen hervorzuheben. Zu der Entwicklung des Areals gehört auch das in den 1920er-Jahren errichtete Brennereigebäude, das eines der letzten historischen industriellen Gebäude der Umgebung darstellt und dessen Ursprungsnutzung bis heute ablesbar bleibt. Aus den genannten Gründen wurde das ‚Heuardts-Haus‘ mitsamt Brennerei als national schützenswert eingestuft und ist seit dem 28. Juli 1989 auf dem Inventaire supplémentaire eingetragen.17 Dieses Schutzstatut konnte im Rahmen der durchgeführten Inventarisierung bestätigt werden.</p>\n<p class=\"lf-p\">Mit dem Inkrafttreten des Kulturschutzgesetzes vom 25. Februar 2022 änderte sich die bis dahin gültige Statusbezeichnung eines national geschützten Kulturguts. Seither gelten alle unter nationalem Schutz stehenden Gebäude, Stätten und Objekte als Patrimoine culturel national. Vor Inkrafttreten dieses Gesetzes waren geschützte Baukulturgüter entweder als Monument national geführt oder in das Inventaire supplémentaire eingetragen. Die Definition als Patrimoine culturel national erfolgt indes auch bei bereits unter Denkmalschutz stehenden Kulturgütern nicht automatisch. Generell gilt, dass erst ein für die gesamte Gemeinde erstelltes wissenschaftliches Inventar und die damit verbundene Analyse der historischen Bausubstanz Aufschluss darüber geben können, ob ein Gebäude, ein Objekt oder eine Stätte für die weitere Zukunft zu erhalten ist. Nach Abschluss der Inventarisierungsarbeiten in der Gemeinde Lintgen kann bestätigt werden, dass das hier beschriebene Anwesen die notwendigen Kriterien erfüllt, um als Patrimoine culturel national zu gelten und entsprechenden Schutz zu genießen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (SOH) Siedlungs-, Orts- oder Heimatgeschichte, (ENT) Entwicklungsgeschichte 17 Service des sites et monuments nationaux, Lintgen. Lintgen. 41, rue de Diekirch, Institut national pour le patrimoine architectural, Protection juridique, inscription à l’inventaire supplémentaire, 1989.</p>\n<p class=\"lf-p\">52 Lintgen | 75, rue de Diekirch Die Werkstatt, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurde, befindet sich am nördlichen Ortsrand und stellt eines der letzten authentisch überlieferten Industriegebäude Lintgens und die einzige Orgelbauwerkstatt des Landes dar (AUT, SEL, GAT, TIH, BTY).</p>\n<p class=\"lf-p\">Der Ursprung dieser luxemburgischen Manufaktur geht wohl auf das Jahr 1919 zurück, als die späteren Gründer des Unternehmens, Orgelbaumeister Georges Haupt und Regierungsbaumeister Josef Fieth, zusammen die Leitung der Manufaktur Stahlhut in Aachen übernommen hatten. Letztere versorgte, wie viele andere Firmen aus den Nachbarländern, Luxemburg mit Orgeln und hatte sich so hierzulande bereits einen Namen gemacht.1 Unter anderem die erheblichen Zusatzkosten der Transportwege und die Unterstützung kirchlicher Behörden in Luxemburg bewegten Haupt und Fieth letztendlich dazu, 1924 die Handelsgesellschaft ‚Orgelbauanstalt Georg Stahlhut‘ in Lintgen als selbständiges Unternehmen neben den bestehenden Geschäften in Aachen zu gründen (SOH). 2 Vier Jahre später wurde Georges Haupt der alleinige Inhaber dieser Gesellschaft.3 Der Bau für die Räumlichkeiten der Orgelbauwerkstatt, die im Volksmund unter dem Namen ‚Lëntgener Uergelfabrik‘ bekannt war, begann indes schon 1922. 4 In den 1930er-Jahren folgte ein erster niedriger Anbau an der Südseite des Hauptbaus (ENT). 5 Trotz einiger Schwierigkeiten nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs blieb die Gesellschaft unter den Nachfahren Haupts bis zur Insolvenz in den 1960er-Jahren bestehen.6 Es folgte die Gründung einer neuen Orgelbaufirma durch den Reifenhändler August Mreches, deren Leitung der Orgelbaumeister Georges Westenfelder 1969 übernahm.7 Bei der Gründung des neuen Betriebs wurde das Gebäude der Werkstatt erneut vergrößert.8 1984 wurde Westenfelder zum neuen Besitzer der Orgelbaugesellschaft, die seither den Namen ‚Manufacture d’Orgues Luxembourgeoise S.à r.l.‘ trägt.9 Bis 2018 blieb die Manufaktur unter diesem Namen bestehen und bis 2020 wurden die Gebäulichkeiten als Werkstatt genutzt. 2021 begannen schließlich die Arbeiten zur Umwandlung der Werkstatt in ein Restaurant- und Kulturgebäude, das auch nach dem Produktionsende an die einstige Orgelmanufaktur erinnern soll.</p>\n<p class=\"lf-p\">Die zu einem Großteil aus Ziegelsteinen gemauerte Werkstatt weist eine reduziert-modernistische Formgebung auf, die erstens auf die einstige Funktion und zweitens auf die zeittypische Gestaltungsweise der 1920er-Jahre zurückzuführen ist (AUT, CHA). Bis heute bleibt der Grundriss des 1 Vgl. Ehmann, Guy, Der multinationale Orgelbau in der Großregion Luxemburg, Band 3, Echternach, 2013, S.</p>\n<p class=\"lf-p\">5ff; Ehmann, Guy, Der multinationale Orgelbau in der Großregion Luxemburg, Band 3, Echternach, 2013, S.</p>\n<p class=\"lf-p\">139; Schmit, J. P., ‚Die „Manufacture d’Orgues Luxembourgeoise Georg Haupt“‘, in: Heimat und Mission, Jahrgang 45, Dezember 1971, S. 28-29.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Vgl. Ehmann, Guy, Der multinationale Orgelbau in der Großregion Luxemburg, Band 3, Echternach, 2013, S.</p>\n<p class=\"lf-p\">5ff; Schmit, J. P., ‚Die „Manufacture d’Orgues Luxembourgeoise Georg Haupt“‘, in: Heimat und Mission, Jahrgang 45, Dezember 1971, S. 28-29.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Ehmann, Guy, Der multinationale Orgelbau in der Großregion Luxemburg, Band 3, Echternach, 2013, S. 5ff.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Ehmann, Guy, ,Vor 50 Jahren starb Orgelbaumeister Georges Haupt, Gründer der Lintgener Orgelfabrik‘, in:</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Warte, Heft 19, 2002, S. 1-6.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Ehmann, Guy, Der multinationale Orgelbau in der Großregion Luxemburg, Band 3, Echternach, 2013, S. 5ff.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Ehmann, Guy, Der multinationale Orgelbau in der Großregion Luxemburg, Band 2, Echternach, 2013, S. 142.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Vgl. Ehmann, Guy, Der multinationale Orgelbau in der Großregion Luxemburg, Band 2, Echternach, 2013, S.</p>\n<p class=\"lf-p\">142.</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Vgl. Donnersbach; Unsen; Reiffers, o. T., [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Lintgen, Lintgen, 18.11.1965;</p>\n<p class=\"lf-p\">Delay, A. J., Projet pour la construction d’un hangar de dépot à Lintgen, [Plan], Gemeindearchiv Lintgen, Luxemburg, 18.10.1965.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Ehmann, Guy, Der multinationale Orgelbau in der Großregion Luxemburg, Band 2, Echternach, 2013, S. 590.</p>\n<p class=\"lf-p\">53 Gebäudes nachvollziehbar, der von der Entwurfsplanung über die Herstellung bis zur Klanggestaltung der Orgeln alles in den Gemäuern des industriellen Kulturguts vereinte.10 Das Hauptgebäude aus den 1920er-Jahren hebt sich unter anderem durch seine rote Farbgebung und seinen objektprägenden 13 Meter hohen Montageraum ab, der sich im Zentrum der Anlage befindet (AUT, CHA). Dieser weist an der Nord- und Südfassade drei und an der Ostfassade zwei mehrere Meter hohe objektprägende Metallfenster auf. Um ihn herum liegen die verschiedenen, meist einstöckig ausgeführten Büro-, Maschinen-, Verarbeitungs- und Lagerräume. 11 Die Hauptfassade ist gen Westen ausgerichtet und wird von einem dem abgetreppten Montageraum vorgelagerten fünfachsigen Gebäudevolumen geprägt, das über den drei mittleren Achsen ein zusätzliches Stockwerk mit seitlich abgerundeten Gebäudeecken aufweist (AUT, CHA). Davor befindet sich ein schmaler Vorgarten mit teils überlieferter Umfassungsmauer, Toröffnung und Pilastern, die am nördlichen Gebäuderand den einstigen Eingangsbereich zu den Büros der Werkstatt markieren. Dieser Eingang, der sich in der nördlichsten Achse der Hauptfassade befand, wurde in einer rezenteren Bauphase teils zugemauert und so zu einer Fensteröffnung umfunktioniert. Die fünf restlichen Fenster des Erdgeschosses sind großflächig ausgeführt. Ihr Antlitz ist von dem Ziegelsteinmauerwerk geprägt, das, wie alle Fassaden des Hauptgebäudes, dekorativ im märkischen Verband ausgeführt wurde (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die nördliche Seiten- und die östliche Rückfassade weisen eine Vielzahl an großen Öffnungen mit gekitteten Metallfenstern auf, die allesamt identisch ausgeführt wurden und in ihrer Ausformung ein typisches Merkmal industrieller Kulturgüter darstellen (AUT, CHA). Unter den Fensteröffnungen des Erdgeschosses sind teilweise längsrechteckige Kellerfenster überliefert, die in ihrer Formgebung den Erdgeschossfenstern angepasst wurden. Allein die rechte Achse der nördlichen Seitenfassade weist an Stelle eines Fensters eine Türöffnung mit überlieferten metallenen Klappläden auf (AUT).</p>\n<p class=\"lf-p\">An die Südseite des Hauptgebäudes schließt, etwas zurückversetzt, ein einstöckiger, weiß verputzter Bau aus den 1930er-Jahren (ENT). 12 Seine Hauptfassade weist fünf Achsen auf, die jeweils mit zwei aufein-anderfolgenden Öffnungen ausgestattet sind. In der unteren linken Achse ist eine hölzerne Tür überliefert, die restlichen Öffnungen auf dieser Ebene stellen hölzerne Sprossenfenster dar (AUT, CHA). Die oberen Fenster weisen allesamt eine quadratische Form auf. Die südliche Seitenfassade des Baus verläuft entlang der zum Hinterhof führenden Einfahrt und ist mit hölzernen Fensteröffnungen unterschiedlicher Größen ausgestattet. An diese Erweiterung wurde in den 1970er-Jahren ein weiterer Anbau aus Beton angefügt. Im Inneren dieses Anbaus ist die ursprüngliche Außenwand des Hauptbaus mitsamt ihrer Tür- und Fensteröffnungen erhalten geblieben (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Innenräume des Hauptgebäudes sind, wie bei industriellen Gebäuden üblich, zweckmäßig gestaltet. Der Höhepunkt bildet auch im Inneren der lichtdurchflutete imposante Montageraum, in dem unter anderem der Holzfußboden überliefert ist (AUT, SEL, CHA). In Richtung Hauptstraße sind die ehemaligen, teilweise mit Stuck versehenen Büroräume zu finden, von denen am nördlichen Ende eine Treppe zum zweiräumigen Obergeschoss führt. Vom großzügig geschnittenen, Richtung Hinterhof ausgerichteten Maschinenraum aus führt eine Treppe zum Kellergeschoss hinab. Die Böden der Arbeitsräume sind, mit Ausnahme des Montageraums, allesamt mit Walzbeton versehen (AUT, CHA). Zwischen den einzelnen Räumen befinden sich einige hölzerne, teils doppelflügelige Türen 10 Vgl. Heintz, Anne, ,Die Liebe steckt im Detail‘, in: Luxemburger Wort, 28.07.2015, S. 8-9; mündliche Auskunft vor Ort, am 16. Juni 2021; Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Manufacture d’orgues luxembourgeoise Westenfelder s.à r.l., Lintgen, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">11 Mündliche Auskunft vor Ort, am 16. Juni 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Ehmann, Guy, Der multinationale Orgelbau in der Großregion Luxemburg, Band 3, Echternach, 2013, S. 60.</p>\n<p class=\"lf-p\">54 erhalten, die zu einem Großteil Verglasungen in der oberen Hälfte aufweisen und mit zeittypischen Beschlägen sowie Schließmechanismen versehen sind (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die 1922 am nördlichen Dorfrand von Lintgen erbaute „Lëntgener Uergelfabrik“ stellt allein schon mit Hinblick auf die Einzigartigkeit einer Orgelmanufaktur in Luxemburg einen äußerst wichtigen historischen Zeugen der nationalen Handwerksgeschichte dar. Sein Antlitz ist geprägt durch eine modernistisch-reduzierte Formensprache. Außen wie innen weist das Gebäude einen ausgesprochen hohen Grad an authentischen Strukturen und charakteristischen Gestaltungsmerkmalen auf. Das Ziegelmauerwerk mit Zierverband, die großflächigen, teils bauzeitlich überlieferten Fenster- und Türöffnungen und der objektprägende Montageraum können in diesem Zusammenhang als beispielhaft gelten. Aufgrund der in großen Teilen authentisch überlieferten Bausubstanz, die eine deutliche Nachvollziehbarkeit der Entstehungszeit mit sich bringt, sowie der zu berücksichtigenden Seltenheit wurde die ehemalige Orgelbauwerkstatt bereits am 18. November 2011 unter nationalen Schutz gestellt.13 Dieser Denkmalwert konnte im Zuge der rezenten Inventarisierungsarbeiten bestätigt werden.</p>\n<p class=\"lf-p\">Mit dem Inkrafttreten des Kulturschutzgesetzes vom 25. Februar 2022 änderte sich die bis dahin gültige Statusbezeichnung eines national geschützten Kulturguts. Seither gelten alle unter nationalem Schutz stehenden Gebäude, Stätten und Objekte als Patrimoine culturel national. Vor Inkrafttreten dieses Gesetzes waren geschützte Baukulturgüter entweder als Monument national geführt oder in das Inventaire supplémentaire eingetragen. Die Definition als Patrimoine culturel national erfolgt indes auch bei bereits unter Denkmalschutz stehenden Kulturgütern nicht automatisch. Generell gilt, dass erst ein für die gesamte Gemeinde erstelltes wissenschaftliches Inventar und die damit verbundene Analyse der historischen Bausubstanz Aufschluss darüber geben können, ob ein Gebäude, ein Objekt oder eine Stätte für die weitere Zukunft zu erhalten ist. Nach Abschluss der Inventarisierungsarbeiten in der Gemeinde Lintgen kann bestätigt werden, dass das hier beschriebene Orgelbauwerkstatt die notwendigen Kriterien erfüllt, um als Patrimoine culturel national zu gelten und entsprechenden Schutz zu genießen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (TIH) Technik-, Industrie-, Handwerks- oder Wissenschaftsgeschichte, (SOH) Siedlungs-, Orts- oder Heimatgeschichte, (BTY) Bautypus, (ENT) Entwicklungsgeschichte 13 Service des sites et monuments, Lintgen. Lintgen. 75, rue de Diekirch, Institut national pour le patrimoine architectural, Protection juridique, classement comme monument national, 2011 55 Lintgen | o. N., rue de Diekirch Die Wegkapelle im historistischen Stil liegt westlich des Ortskerns an der Rue de Diekirch, die die Hauptverkehrsachse der Ortschaft darstellt (AUT, CHA, SOK, BTY). Hinter dem Bauwerk erhebt sich ein rezenter Wohnkomplex; einst befand sich hier der Zugang zum Bauernhof mit der Adresse 37, rue de Diekirch, zu dem die Kapelle zuvor gehörte. 1 Der laut Inschrift 1918 errichtete Kultbau wurde von den Bewohnern des landwirtschaftlichen Hofes aus Dankbarkeit für die Geburt ihres Kindes errichtet. 2 Das kleine Gebäude wird heute beidseitig von einer kniehohen, steinsichtigen Mauer flankiert.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das Mauerwerk der vier Außenmauern besteht aus handwerklich bearbeiteten Sandsteinquadern unterschiedlicher Größe. Die gen Westen orientierte Ansicht des Kapellenbaus präsentiert sich als eine Art Blendfassade. Sie wird von einer Portalöffnung mit stark profiliertem, spitzbogigem Gewände definiert (AUT, CHA). Im Giebelfeld befindet sich ein Inschriftfeld mit dem Baujahr und profilierter Verdachung aus Sandstein. Oberhalb des stark profilierten Giebelabschlusses thront ein aus Sandstein gefertigtes Kreuz (AUT, CHA). Hierbei handelt es sich nicht um das Kreuz aus der Entstehungszeit der Wegkapelle, sondern um eine um 2000 stammende Neuanfertigung.3 Sowohl die Seitenfassaden als auch die Rückfassade besitzen keine weiteren Öffnungen (CHA). Die Sandsteintraufe wurde als Hohlkehle ausgearbeitet und verläuft bis zur Vorderkante der Blendfassade. Das Satteldach der Kapelle wurde im englischen Stil mit Schiefer gedeckt und mit kreis- sowie diamantförmigen Schmuckformen aus Schiefer versehen (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Eine Sandsteinblockstufe überbrückt den Niveauunterschied zwischen Straße und Bauwerk und führt in das Innere der Kapelle. Inmitten der Portalöffnung befindet sich eine schmiedeeiserne zweiflügelige Metall-tür mit einem mittig platzierten schmiedeeisernen Kreuz (AUT, CHA). Im Innern spiegelt sich die Form des Eingangsportals im spitzbogigen, verputzten Gewölbe wider. Der Boden besteht aus schwarz-weißen, im Schachbrettmuster verlegten Fliesen (AUT, CHA). Die Wände wurden zeittypisch mit glasierten Wandfliesen versehen (AUT, CHA). Im Sockelbereich sind türkisfarbene quadratische Fliesen angebracht worden. Ungefähr ab Hüfthöhe schließt eine weiße Bordüre den Sockelbereich ab.</p>\n<p class=\"lf-p\">Oberhalb des Sockelbereichs sind beige quadratische Fliesen mit einer beige-türkisen Bordüre im unteren Bereich auszumachen. Oben befindet sich, ebenfalls in Türkis, ein großzügiges, umlaufendes Girlandenmotiv mit abschließender Bordüre.</p>\n<p class=\"lf-p\">Der Fliesenboden ist zur Hälfte durch ein hölzernes Podest bedeckt, auf welchem der neogotische Altar aufgestellt ist (AUT, CHA). Der komplett aus Holz gefertigte imposante Altar nimmt die gesamte Rückwand des Innenraums der Kapelle ein und ist horizontal in vier Teile untergliedert. Der Altartisch mit profilierter Verdachung wird von zwei toskanischen Säulen gestützt. Hinter den beiden Säulen befindet sich eine kassettierte Holzverkleidung mit eingearbeitetem Spitzbogen und darüber zu sehendem Vierpass-Motiv. Oberhalb der Mensa ist eine kassettierte und ornamentierte Predella auszumachen, auf welcher eine Madonnenfigur aus Holz positioniert ist. Diese wurde ca. 2000 aufgestellt.4 Das Altarretabel besteht aus einem die Skulptur hinterfangenden profilierten und gefüllten Spitzbogen mit zwei halbhohen toskanischen Blendsäulen und einer fast bis zum Gewölbe 1 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 580.</p>\n<p class=\"lf-p\">Lintgen. 1A, route de Fischbach. 76/3695, 1995.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Mündliche Auskunft vor Ort, am 24. Februar 2022.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Mündliche Auskunft vor Ort, am 25. März 2021; Anonym, Lintgen. 39, rue de Diekirch, Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 2000.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Mündliche Auskunft vor Ort, am 25. März 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">56 reichenden Kreuzbekrönung sowie flankierenden Seitenelementen mit einer Art Säulengang aus Spitzbögen mit Maßwerkzier (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die in der Rue de Diekirch gelegene Wegkapelle aus dem Jahr 1918 präsentiert sich in zeittypischer Form und Materialität. Aufgrund ihrer historistischen Gestaltung mit dem spitzbogigen Gewände und den glasierten Wandfliesen im Innern sowie weiterer authentischer Baudetails verrät das pittoreske Werk nach wie vor seine Entstehungszeit. Auch der für eine Wegkapelle eher ungewöhnliche, qualitativ hochwertige Altar ist zeittypisch überliefert. Nicht zuletzt wegen ihrer sozial- wie kultusgeschichtlichen Funktion ist die Wegkapelle seit dem 30. April 2002 auf dem Inventaire supplémentaire eingetragen.5 Dieses Schutzstatut konnte im Rahmen der durchgeführten Inventarisierung bestätigt werden.</p>\n<p class=\"lf-p\">Mit dem Inkrafttreten des Kulturschutzgesetzes vom 25. Februar 2022 änderte sich die bis dahin gültige Statusbezeichnung eines national geschützten Kulturguts. Seither gelten alle unter nationalem Schutz stehenden Gebäude, Stätten und Objekte als Patrimoine culturel national. Vor Inkrafttreten dieses Gesetzes waren geschützte Baukulturgüter entweder als Monument national geführt oder in das Inventaire supplémentaire eingetragen. Die Definition als Patrimoine culturel national erfolgt indes auch bei bereits unter Denkmalschutz stehenden Kulturgütern nicht automatisch. Generell gilt, dass erst ein für die gesamte Gemeinde erstelltes wissenschaftliches Inventar und die damit verbundene Analyse der historischen Bausubstanz Aufschluss darüber geben können, ob ein Gebäude, ein Objekt oder eine Stätte für die weitere Zukunft zu erhalten ist. Nach Abschluss der Inventarisierungsarbeiten in der Gemeinde Lintgen kann bestätigt werden, dass die hier beschriebene Wegkapelle die notwendigen Kriterien erfüllt, um als Patrimoine culturel national zu gelten und entsprechenden Schutz zu genießen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (SOK) Sozial- oder Kultusgeschichte, (BTY) Bautypus 5 Service des sites et monuments nationaux, Lintgen. Lintgen. Rue de Diekirch (oratoire), Institut national pour le patrimoine architectural, Protection juridique, inscription à l’inventaire supplémentaire, 2002.</p>\n<p class=\"lf-p\">57 Lintgen | o. N., rue de Diekirch Unmittelbar an der viel befahrenen Rue de Diekirch, gegenüber dem Gebäude der Gemeindeverwaltung, steht ein steinernes Kultobjekt (GAT, SOK). Der spätbarocke Bildstock, der laut Inschriftfeld im Jahr 1805 errichtet wurde, ist hier in einer etwa hüfthohen Mauer zwischen den Häusern Nummer 1 und 3 vorzufinden (AUT, BTY). Ursprünglich befand sich das Kleindenkmal, dessen ehemalige Funktion sozial- und kultusgeschichtlicher Natur ist, auf dem gegenüberliegenden Gelände der sogenannten Villa Nelly.1 Spätestens seit deren Umnutzung zum Haupt-sitz der Gemeindeverwaltung von Lintgen im Jahr 1954 ist es an seinem neuen Standort anzutreffen. 2 Der Bildstock setzt sich aus zwei Teilen zusammen, einem Schaft und einem Kopfstück. Das Objekt tritt nur leicht aus dem umgebenden Mauerwerk hervor; nur etwa zwei Drittel der Bildtafel ragen über den oberen Abschluss der Mauer hinaus. Während der untere Teil aus einem rötlichen Sandstein gefertigt wurde, präsentiert sich der Stein des oberen Teils in einem beigen Ton (AUT). Die Vorderseite des sich leicht nach oben verjüngenden Schafts ist einfach gestaltet und schließt jeweils nur angedeutet unten mit einer Plinthe sowie oben mit einem geradlinigen Kapitell ab (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Bei dem seitlich geschwungenen, bauchig geformten Kopfstück handelt es sich aufgrund der Ikonografie und der zahlreichen Details um ein für Luxemburg eher außergewöhnliches Exemplar.</p>\n<p class=\"lf-p\">Dargestellt ist die biblische Ölbergszene (AUT, SEL, SOK). Ein Olivenbaum teilt die Bildtafel vertikal in der Mitte. Hirsch deutet die drei Hauptäste des Baums als Trinitätssymbol.3 Vom Betrachter aus gesehen kniet rechts davon ein Engel mit Kelch auf einer volutenartig ausgearbeiteten Wolkenbank; indessen wird die rechte Hälfte durch eine ebenfalls kniende Jesusfigur ausgefüllt. Gesichter und Mimik beider Figuren wirken aufgrund von Witterungseinflüssen inzwischen wie ver-schwommen, die Gewänder mit ihren Drapierungen hingegen bleiben gut erkennbar. Mithilfe eines ovalen Inschriftfeldes unterhalb der eigentlichen Szene kann das Kleindenkmal auf das Jahr 1805 datiert werden; es wird an beiden Seiten jeweils von einem zeittypischen, volutenförmig eingerollten Blatt flankiert (AUT, CHA). Unmittelbar oberhalb der Ölbergszene ist eine konvex profilierte Verdachung auszumachen, die von einem oberen Abschluss zusätzlich bekrönt wird. Hier lässt sich die Motivik aufgrund des fortgeschrittenen Verwitterungszustandes nicht mehr einwandfrei identifizieren.</p>\n<p class=\"lf-p\">Fotografien aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigen zwei liegende Füllhörner mit zur Mitte hin eingerollten Enden, die mit sechsblättrigen Blüten versehen sind.4 Der spätbarocke Bildstock an der Hauptverkehrsachse Lintgens zeichnet sich insbesondere durch seine detailreiche Gestaltung und für seine Region seltene Darstellung der Ölbergszene auf dem Kopfstück aus. Wenn auch bereits die Feinheiten des Reliefs aufgrund der fortgeschrittenen Verwitterung verloren gegangen sind, kann die handwerkliche Ausarbeitung des Kultobjektes bis in die Gegenwart bewundert werden. Nicht zuletzt wegen seiner Bedeutung als Zeugnis der Sozial- und Kultusgeschichte gilt es, den Bildstock als national erhaltenswertes Erbe für die Zukunft zu bewahren.</p>\n<p class=\"lf-p\">1 Koch-Kent, Henri, ,Revue besuchte Lintgen‘, in: Revue, Jahrgang 24, Heft 34, Esch-sur-Alzette, 23. August 1969, S. 34-39.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Seil, Erny, ,Chronik der Pfarrei und Ortschaft Lintgen‘, in: Letzeburger Sonndesblad, Jahrgang 88, Heft 35, Luxemburg, 26. August 1956, S. 486-487.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Hirsch, Joseph, Die Wegkreuze des Kantons Mersch, Luxemburg, 1992.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Anonym, Lintgen. Rue de Diekirch (croix de chemin), [Fotografische Aufnahme], Service des sites et monuments nationaux, Archiv SSMN, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">58 Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (SOK) Sozial- oder Kultusgeschichte, (BTY) Bautypus 59 Lintgen | 13, rue de l’Ecole Das zweistöckige Einfamilienhaus mit teils ausgebautem Dachgeschoss befindet sich im Zentrum der Ortschaft Lintgen in unmittelbarer Nähe des Grundschulgebäudes, dessen Errichtung 1957 die Bebauung dieses bisher nur von Feldern und Gärten eingenommenen Areals einleitete.1 Das Gebäude selbst ist auf das Jahr 1960 zu datieren und gehört somit, zusammen mit dem westlich gelegenen Nachbargebäude, zu den ersten Wohnhäusern in der Rue de l’Ecole (AUT, GAT).2 Die Pläne für das Gebäude wurden von einem Bauingenieur gezeichnet, der in Lintgen wohnhaft war und zu der Zeit mehrere solcher Projekte verfolgte.3 Die etwa dreißig Zentimeter hohe Umfassungsmauer aus bossierten Sandsteinquadern, die das Grundstück heute einfasst, wurde erst 1968 hinzugefügt (AUT, CHA).4 Das zur Straße traufständig orientierte Haus zeigt sich in für die Bauzeit typischer Form und Materialität (AUT, CHA). Es sitzt auf einem mit bossierten Sandsteinquadern verkleideten Sockel auf (AUT, CHA). Vereinzelte rote und graue Quader setzen hier Akzente. Oberhalb des Garagentors, das über eine Zufahrt aus Waschbeton erschlossen wird, und über den Kellerfenstern sind die Quader hochrechteckig angeordnet und somit klar als Sturzfelder markiert. Die großzügigen, symmetrisch arrangierten Fensteröffnungen der Hauptfassade werden allesamt von schmalen, abgeschrägten Kalksteingewänden mit prononcierten, sich seitlich verbreiternden Fensterbänken gerahmt (AUT, CHA). Zierende Schlusssteine an allen Fensterstürzen sowie fünf dekorative Konsolen am dreiteiligen, sich über die gesamte Fassadenbreite erstreckenden Erdgeschossfenster komplettieren die traditionalistische Formgebung der Fenstergewände (AUT, CHA). Der Bau schließt mit einem zu allen Seiten leicht überkragenden Satteldach mit leichtem Aufschiebling und Betontraufe ab (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Der symmetrische Aufbau der Hauptfassade wird durch einen nordöstlich an die Fassade anschließenden Gebäudeteil gebrochen. Als zentrales Element dieses Volumens präsentiert sich der Eingangsbereich mit bauzeitlich überlieferter schmiedeeiserner Tür (AUT, CHA). Letztere wird über einen mit Granitplatten belegten Weg erschlossen. Die objektprägende Tür wird von einem segmentbogigen, abgeschrägten Kalksteingewände eingefasst und fällt vor allem durch ihre großflächige, grünlich gefärbte Butzenscheibenverglasung auf, die mit vorgesetztem rautenförmigem Schutzgitter und goldfarbenem Türgriff ergänzt wurde (AUT, CHA). Der Eingangsbereich wird zusätzlich von einem stark hervorkragenden Walmdach geschützt, welcher die gleiche Eindeckung aus glasierten Falzziegeln wie das Hauptdach aufweist. Ein weiteres für die Bauzeit charakteristisches Merkmal sind die vereinzelt in der Vorder- und Ostfassade eingesetzten Glasbausteine, die in der Rückfassade auch großflächig zur Ausleuchtung des Treppenhauses dienen (AUT, CHA). Die vier Fensteröffnungen der dreiachsigen Rückfassade weisen typischerweise keine Gewände auf; sie sind jedoch mit einfachen Kalksteinfensterbänken versehen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das Gebäudeinnere zeichnet sich durch den konsequenten Gebrauch hochwertiger bauzeitlicher Materialien sowie einer Vielzahl zeittypischer Elemente aus. Auch die Raumaufteilung ist seit der Bauzeit vollends erhalten geblieben.5 Als zentrales Element fungiert der zeittypisch großzügig 1 Vgl. Gruber, Emile, ,Kleine Dorfchronik von Lintgen (1948-1983)‘, in: FC Minerva Lintgen, 75ième Anniversaire du F. C. Minerva Lintgen, Luxemburg, o. J., o. S.; Administration du cadastre et de la topographie du GrandDuché de Luxembourg, Topografische Karte, 1954 und 1964.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Vgl. Bürgermeister, o. T., [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Lintgen, Lintgen, 09.06.1960; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Topografische Karte, 1954 und 1964.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Mündliche Auskunft vor Ort, am 2. September 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Bürgermeister, o. T., [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Lintgen, Lintgen, 27.02.1968.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Anonym, o. T., [Plan], Gemeindearchiv Lintgen, o. O., o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">60 geschnittene Eingangsbereich, der in direkter Verbindung mit dem Treppenhaus steht (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Eine halbgewundene Betontreppe verbindet hier das Kellergeschoss mit dem Dachboden. Sie ist, wie der Eingangs- und Flurbereich, mit großflächigen beige-grauen Travertin-Fliesen belegt und ergibt zusammen mit dem weißen Strukturputz an den Wänden sowie dem farblich abgestimmten schmiedeeisernen Treppengeländer mit Golddekor und graubraunem Kunststoffhandlauf ein harmonisches Gesamtbild (AUT, CHA). Der lichtdurchflutete Eindruck des Treppenhauses wird durch eine mittig angelegte, großzügige Öffnung aus Glasbausteinen, die vereinzelt gelb, grün und rot eingefärbt sind, verstärkt. Weitere authentisch überlieferte Ausstattungsdetails bilden gläserne Wandleuchten auf jedem Stockwerk sowie eine mechanische Klingel, bestehend aus zwei Metallrohren, im Eingangsbereich. Im gesamten Wohnhaus sind zudem alle schlichten, furnierten Holztüren mit Aluminiumtürrahmen erhalten geblieben, wobei die repräsentati-vere segmentbogige, doppelflügelige Holztür zum Hauptwohnbereich im Erdgeschoss besonders hervorsticht. Sie ist mit für die Bauzeit charakteristischen Feldern aus gelblichem Strukturglas ausgestattet und wird durch ein im Fischgrätmuster angeordnetes Holzfurnier dekoriert (AUT, CHA). Das Wohnzimmer ist mit zusätzlichen Holzvertäfelungen, dekorativ ausgearbeiteten Heizkörperabdeckungen aus Holz sowie einer Decke mit abgerundeten Ecken und filigranen Stuckbahnen ausgestattet (AUT, CHA). Hier, wie auch in den restlichen Wohnräumen des Hauses, ist der Boden mit objektprägenden Stabparkettböden im Würfelmuster ausgelegt (AUT, CHA). Durchgehend eingesetzte Fensterbänke aus dünnen Marmorplatten vervollständigen das charakteristische Interieur der 1960er-Jahre (AUT, CHA). Im Obergeschoss sind zusätzlich zeittypische Einbauschränke sowie weitere abgerundete Decken mit Stuckdekorelementen vorzufinden (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Auch die Räumlichkeiten abseits des Wohnbereichs im Keller und auf dem Dachboden weisen überlieferte Strukturen und Elemente auf. Im Keller sind mehrheitlich die Holzbrettertüren mit den ursprünglichen Kastenschlössern und der gewalzte Betonboden erhalten. Der Dachboden wurde nachträglich isoliert, das Dachgebälk aus massivem Eichenholz ist jedoch überliefert (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das in der Ortsmitte von Lintgen errichtete Einfamilienhaus stellt ein für die 1960er-Jahre charakteristisches Wohngebäude dar. Außen ist sein Antlitz durch eine authentisch überlieferte, traditionalistische Formensprache und den Einsatz zeittypischer Materialien, wie etwa Kalkstein, Glasbausteine und glasierte Ziegel, geprägt. Der charakteristische Eindruck bestätigt sich auch im Inneren des Hauses. Nicht nur Struktur und Gestalt blieben unverändert. Auch die bauzeitliche Ausstattung – wie Stuckdekor, Parkett- und Fliesenböden, Möbeleinbauten sowie Wandvertäfelungen</p>\n<div class=\"lf-abs\"><span class=\"lf-abs-num\">–</span>ist größtenteils authentisch erhalten geblieben. Aufgrund dieses ausgesprochen hohen Authentizitätsgrads und der Vielzahl an charakteristischen Gestaltungsmerkmalen ist das traditionalistische Wohnhaus, das von konsequenter Planung und Qualitätsbewusstsein zeugt, als national schützenswert zu definieren.</div>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit 61 Lintgen| 8, rue de l’Eglise Unweit der Kirche und des Schulkomplexes von Lintgen liegt das modernistische Wohnhaus, das ursprünglich für einen Grundschullehrer aus der Ortschaft gebaut worden war. 1 Der zweistöckige Bau gehört zu einer Reihe von Wohngebäuden, die entlang der Rue de l’Eglise in der ersten Hälfte des 20.</p>\n<p class=\"lf-p\">Jahrhunderts errichtet wurden (GAT).2 Das freistehende Haus wurde mit einigen kleineren Abweichungen nach Plänen des Architekten Jean Lammar verwirklicht, der 1937 zwei Entwürfe für dieses Projekt anfertigte (AIW).3 Eine niedrige Mauer aus bossierten Sandsteinquadern mit metallenem Geländer aus horizontal verlaufenden Stäben, die teils unterschiedliche dekorative Beschlagsarten aufweisen, trennt den Vorgarten und das Haus vom öffentlichen Raum (AUT, CHA). Zwei doppelflügelige Tore aus Metall gewähren Einlass zum Grundstück, wobei das rechte – bedingt durch seine Funktion als Öffnung zur Garageneinfahrt – breiter und schlichter gestaltet ist. Das linke Tor wird zusätzlich von zwei Pilastern gerahmt, die aus dem gleichen Material bestehen wie die Mauer. Die beiden Torflügel der linken Öffnung sind zusätzlich mit drei horizontal angeordneten Kreisfeldern verziert.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das geometrische Thema des Kreises sowie die differenzierte Gestaltung einzelner Metallstäbe zeigt sich an allen Metallarbeiten des Außenbereichs und wird auch am Treppenhausgeländer des Gebäudeinnern aufgegriffen (AUT). Vom Eingangstor führt ein Pfad durch den Vorgarten zu einer neunstufigen Treppe aus Beton, die entlang der dreiachsigen Westfassade verläuft und zum Haupteingang des Wohnhauses führt. Eine Art Altan mit kreisförmigem Grundriss, der ebenfalls mit einem Metallgeländer gesichert ist, schließt an das Podest der mit Granitplatten belegten Treppe an (AUT, CHA). Die Seitenwände der Treppe und des Balkons sind mit bossierten Sandsteinriemchen verblendet und so der Optik des über einen Meter hohen Sockels aus bossierten Sandsteinquadern, auf dem das Haus aufsitzt, angepasst (AUT, CHA). Auch die metallene Eingangstür mit großflächiger Verglasung präsentiert sich in zeittypischer Formensprache und Materialität, wobei die schmiedeeisernen Dekorelemente erneut das Kreismotiv aufgreifen (AUT, CHA). Die einzelnen Metallteile, aus denen die Tür zusammengesetzt ist, wurden auch hier durch verschiedene Bearbeitungstechniken zusätzlich verziert. Die Eingangstür wird seitlich von einem breiten Kalksteingewände mit konvexem Profil gerahmt (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Der Gesamteindruck des Wohnhauses ist von seiner abwechslungsreichen Kubatur und Fassadengestaltung geprägt. Aus der rechten Achse der zweiachsigen Hauptfassade tritt ein Standerker, in dem sich das Garagentor sowie ein großzügiges vierbahniges Erdgeschossfenster befinden, etwa einen halben Meter aus der Fassade hervor (AUT, CHA). Auf Obergeschossebene verläuft ein objektprägender, knapp einen Meter tiefer Balkon, der von fünf Betonkonsolen getragen wird. Letzterer zieht sich von der linken Achse der Hauptfassade über die Gebäudekante bis zur Balkontür, die oberhalb des Haupteingangs des Erdgeschosses liegt (AUT). Das niedrige Metallgeländer geht südlich in einen gemauerten und verputzten Abschnitt mit abschließenden Kalksteinplatten über (AUT). Auch die fünfachsige Rückfassade wird durch einen Risalit gegliedert, hinter dem sich im Innern das Treppenhaus befindet (AUT, CHA). Zwei geschossübergreifende, vertikal 1 Mündliche Auskunft vor Ort, am 11. Juni 2021; vgl. Lammar, Jean, Avant projet d’une maison pour (...) - Lintgen, [Entwurf], Privatbesitz, Luxemburg, 1937. Name und Titel des Bauherrn sind zudem auf einem bauzeitlich überlieferten Klingelschild aus Messing vermerkt.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Topografische Karte, 1907 und 1954.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Vgl. Lammar, Jean, Avant projet d’une maison pour (...) - Lintgen, [Entwurf], Privatbesitz, Luxemburg, 1937.</p>\n<p class=\"lf-p\">62 verlaufende Fensterbahnen sichern die Ausleuchtung des Treppenhauses im Innern des Wohnhauses.</p>\n<p class=\"lf-p\">Im Allgemeinen ist der Bau, mit Ausnahme der Ostfassade, in der sich bloß ein kleineres Küchenfenster befindet, durch seine zahlreichen Fenster- und Türöffnungen geprägt.</p>\n<p class=\"lf-p\">In der Hauptfassade befinden sich vier großzügige längsrechteckige Fensteröffnungen, die allesamt Fensterbänke aus Kalkstein aufweisen (AUT, CHA). Die Fensterbank des rechten Erdgeschossfensters umgreift den gesamten Standerker. Jene des linken Erdgeschossfensters schließt über die Gebäudekante an die Fensterbank des Doppelfensters der Westfassade an. Im Obergeschoss ist die mittlere Bahn des Balkonfensters nach unten hin verlängert und fungiert so als Ausgang zum Balkon.</p>\n<p class=\"lf-p\">All diese Stilmittel unterstreichen die Horizontalität des Gebäudes und zeigen charakteristische Elemente des zeittypischen, aber für Luxemburg eher seltenen Bauhausstils (AUT, SEL). Bedingt durch die Lage des Flurs befindet sich in der mittleren Achse der Westfassade auf Erd- und Obergeschossebene je eine Türöffnung. In der rechten Achse des Obergeschosses dieser Fassade sticht eine kleine, in Kalksteingewänden gefasste, kreisförmige Fensteröffnung hervor, der drei horizontale Metallstäbe vorgesetzt wurden (AUT, CHA). Die Fenster der linken Achse sind kleiner gehalten und auf beiden Stockwerken, wie die Fensteröffnungen der Süd- und Westfassade, über gemeinsame Fensterbänke mit den Fenstern der Rückfassade verbunden. Die Erdgeschossfenster sind hier zusätzlich vergittert (AUT, CHA). Der Bau wird von einem Walmdach mit stark prononcierter, umlaufender und objektprägender Betontraufe mit leicht konvexem Profil überdacht (AUT, CHA). Der Dachraum mit seiner eher traditionellen Form wird durch eine Walmgaube beleuchtet (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die modernistische Formensprache mit den schlichten geometrischen Dekorelementen sowie die qualitativ hochwertige Ausführung der Außengestaltung spiegeln sich auch im Innern des Gebäudes wider. Hier sticht vor allem das großzügig ausgeführte Treppenhaus mit der monumentalen, einläufigen, halbgewundenen Betontreppe mit gleich-langen Schenkeln hervor. Vom Erd- bis zum Obergeschoss wurde sie mit bauzeitlichen rot-schwarzen Marmorfliesen ausgelegt, deren Farbschema im Terrazzobelag des Ober- bis Dachgeschosses aufgegriffen wurde (AUT, CHA). Das Treppengeländer aus bronziertem Messing ist auch hier mit dem doppelten Kreismotiv ausgeschmückt, wobei die verbindenden Metallstäbe im Gegensatz zum Außenbereich etwas filigraner ausgearbeitet wurden (AUT). Im Treppen- und Wohnbereich sind alle Übergänge zwischen den Mauern und Decken abgerundet (AUT, CHA). Die Decken der Wohnräume sind zusätzlich mit mehrfach profilierten, zeittypisch schlicht gehaltenen Stuckbahnen verziert (AUT, CHA). Im Treppenhausbereich sind die Decken mit eingelassenen, bronzierten Messingbändern versehen, die das edle Ambiente des Wohnhauses betonen (AUT, SEL). Im Wohn- und Essbereich des Erdgeschosses sind die Fensterbänke aus schwarzem Marmor sowie das Glas einer doppelflügeligen Zwischentür mit Diamantschliff authentisch überliefert (AUT). In den Räumen des Erd- und Obergeschosses sind zudem sämtliche hölzerne, englisch verlegte Parkettböden aus der Bauzeit überliefert (AUT, CHA). Im Dachgeschoss zeugt ein authentisch erhaltener, einfach stehender Stuhl aus lackiertem Nadelholz von der noch traditionellen Handwerkskunst der Bauzeit (AUT, CHA). Auch im nahezu ebenerdigen Kellergeschoss sind einige bauzeitliche Holzbrettertüren mit Beschlägen sowie der zeittypische gewalzte Betonboden überliefert (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Das modernistische Haus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stellt ein für die Entstehungszeit charakteristisches Wohngebäude dar, das anhand vieler zeittypischer Details seine hochwertige Ausstattung offenbart. Die für Luxemburg eher seltenen Elemente des Bauhausstils und der hohe Grad an authentisch erhaltener Bausubstanz sind besonders hervorzuheben. Neben der asymmetrischen Kubatur verraten die hochwertigen Schmiedearbeiten, die überlieferten Fenstereinteilungen sowie die hochwertigen Materialien nach wie vor ihre Entstehungszeit. Der authentische Eindruck bestätigt 63 sich im Innern des Hauses. Nicht nur Struktur und Gestalt blieben weitestgehend unverändert. Auch die bauzeitliche Ausstattung, wie etwa Parkett- und Terrazzoböden, Marmorbeläge und Stuckdecken sowie weitere zeittypische Dekorelemente sind größtenteils erhalten und zeugen bis heute vom handwerklichen Können und dem gestalterischen Willen der Handwerker und des Architekten.</p>\n<p class=\"lf-p\">Anhand der konsequent durchgesetzten und authentisch überlieferten Formensprache, Detailgestaltung und Materialität ist das modernistische Wohnhaus als exemplarisches Beispiel seiner Gattung seit dem 2. September 2022 als Patrimoine culturel national unter Schutz gestellt.4 Nach Abschluss der Inventarisierungsarbeiten in der Gemeinde Lintgen kann bestätigt werden, dass das hier beschriebene Anwesen noch immer die notwendigen Kriterien erfüllt, um als Patrimoine culturel national zu gelten und entsprechenden Schutz zu genießen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gat-tung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (AIW) Architekten-, Künstler- oder Ingenieurswerk 4 Institut national pour le patrimoine architectural, Lintgen. Lintgen. 8, rue de l’Eglise, Institut national pour le patrimoine architectural, Protection juridique, classement comme patrimoine culturel national, 2022.</p>\n<p class=\"lf-p\">64 Lintgen | 20, rue de l’Eglise Das Wohnhaus des ehemaligen Streckhofs, das sich in der historischen Ortsmitte von Lintgen in der Kurve der Rue de l’Eglise befindet, steht unmittelbar gegenüber dem topografisch erhöhten Kirchenareal (GAT). Bereits auf der 1778 fertiggestellten Ferraris-Karte ist an dieser Stelle ein großes Haupthaus mit gegenüberliegendem Nebengebäude auszumachen, bei dem es sich vermutlich um Vorgängerbauten des heutigen ‚Horgerhauses‘ handelt. 1 Auf dem Urkataster von 1824 sind dessen gegenwärtige Ausrichtung sowie ein rechtwinklig dazu stehendes Nebengebäude zu erkennen, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch in dieser Form existierte, aber für den Schulbau Ende der 1950er-Jahre weichen musste.2 Umschlossen wurde das Anwesen von einer hohen Steinmauer mit einem durch zwei Pfeiler flankierten Metalltor.3 Das Objekt hatte nicht zuletzt wegen der riesigen Parzellengröße schon seit Bestehen einen herrschaftlichen Charakter, der noch dadurch verstärkt wurde, dass das Haus um 1900 um zwei weitere Achsen gen Osten erweitert und der Haupteingang mitsamt Steinumfassung versetzt wurde (ENT). 4 Im 19. Jahrhundert wurde das Anwesen von lokal sowie teilweise national bekannten Persönlichkeiten bewohnt. Im frühen 19. Jahrhundert wohnte hier der politische Aktivist Johann Meisch, der sich im Zuge der gegenrevolutionären Bewegung der 1830er-Jahre als ‚Vullejann‘ oder ‚Foullenjan‘ einen Namen als rebellischer Anführer machte und bei der Verhaftung eines belgischen Gouverneurs mitwirkte.5 1919 ging das Gebäude in den Besitz von Jean-Joseph Horger über, ein Beamter der Gemeindeverwaltung, auf den bis heute der Hausname zurückzuführen ist (SOH).6 Während des Zweiten Weltkriegs soll ein Spion der deutschen Wehrmacht namens Adolf Schulz, der während der Fremdherrschaft die Amtsgeschäfte der Gemeinde übernommen hatte, hier gewohnt haben; später der Ingenieur der ortsansässigen Fabrik Céodeux.7 Seit 1952 ist das ‚Horgerhaus‘ im Besitz der Gemeindeverwaltung; die 109 Ar große Parzelle wurde anschließend aufgrund ihrer günstigen Lage im Ortskern für den Bau eines neuen Schulkomplexes genutzt (SOH).8 1 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Bourglinster 243A.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Vgl. Anonym, Lintgen I Kom. 1922, [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung Antoine Gruber, Lintgen, 1922; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Deutsche Kriegskarte, 1939; Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lintgen A1, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion).</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Vgl. Anonym, NB71/18, [Fotografische Aufnahme], Gemeindearchiv Lintgen, Lintgen, o. J.; Anonym, Lintgen I Kom. 1922, [Fotografische Aufnahme], Privatsammlung Antoine Gruber, Lintgen, 1922.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Anonym, o. T., [Fotografische Aufnahme], Gemeindearchiv Lintgen, Lintgen, o. J.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Vgl. Margue, N., ‚L’arrestation du gouverneur Thorn‘, in: Ons Hémecht, Jahrgang 38, Heft 2, Luxemburg, April, Mai, Juni 1932, S. 81-86; Wiltgen, J. P., ,Persönlichkeiten aus Lintgen‘, in: Fanfare de Lintgen, 60ième anniversaire avec Inauguration d’un Nouveau Drapeau, Mersch, o. J., S. 47f.: In Michel Rodanges ,Renert‘ wird der ,Vullejann‘ erwähnt; es ist allerdings nicht gesichert, ob es sich hierbei um ebendiesen Johann Meisch handelt.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Dësch-Tennis Minerva Lëntgen (Hrsg.), D’Gemeng Lëntgen op 6 Dekortelleren mat ale Motiven iwwer schéi Gebeier, [Broschüre], Luxemburg, 1987, o.S.</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Vgl. Anonym, ,Lokal-Chronik‘, in: Luxemburger Wort, 24.03.1925, S. 3; Koch-Kent, Henri, ,Revue besuchte Lintgen‘, in: Revue, Jahrgang 24, Heft 34, Esch-sur-Alzette, 23. August 1969, S. 34-39; Koch-Kent, Henri, ,Revue besuchte Lintgen‘, in: Revue, Jahrgang 24, Heft 34, Esch-sur-Alzette, 23. August 1969, S. 38f.; Anonym, ,Politische Prozesse‘, in: Escher Tageblatt, 01.03.1950, S. 4: Dr. Adolf Schulz, der nach Kriegsende in Abwesenheit zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, aber nie gefasst wurde, war der erste Betreiber der 1924 gegründeten örtlichen Forellenzüchterei.</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Vgl. Gruber, Emile, ‚200 Jahre Gemeinde Lintgen‘, in: de Gemengebuet. Informatiounsblat vun der Gemeng Lëntgen, Heft 9, Luxemburg, Juli 2008, S. 11; Anonym, Lintgen (Luxembourg). 407-51 A - Vue aérienne, 65 An das Haupthaus schließt östlich ein niedrigeres Ökonomiegebäude mit Satteldach an, das heute unter anderem als Lager und zu Vereinszwecken genutzt wird. Es wurde sowohl innen als auch außen komplett umgebaut und wird aufgrund dessen nicht in die Beurteilung des Schutzwerts miteinfließen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Hauptfassade des zweigeschossigen Wohnhauses wird durch sieben Achsen gegliedert und schließt oberhalb mit einer profilierten Holztraufe ab, über der sich das Krüppelwalmdach mit erneuerter englisch verlegter Schiefereindeckung erhebt (AUT, CHA). Durch die sieben Giebelgauben, die in zwei übereinanderliegenden Reihen gestaffelt sind, wirkt das ohnehin schon hohe Dach noch steiler. Besonderes Merkmal der Nordseite ist der Haupteingangsbereich, der von jeweils einem historistisch anmutenden Fenster in Form eines Oktogons flankiert wird (AUT, CHA, ENT). Vor allem die sandsteinerne Türeinfassung soll hier nicht unerwähnt bleiben, da es sich aufgrund ihrer frühbarocken Ausarbeitung in Form eines geohrten und mehrfach profilierten Gewändes vermutlich um ein Element des Ursprungs- oder Vorgängerbaus aus dem 18. Jahrhundert handelt (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">Auch die Prellsteine wurden dekorativ bearbeitet und zeigen profilierte Spiegel sowie Muschelornamentik in allen Ecken; das bekrönende segmentbogige Oberlicht könnte aus einer späteren Zeit stammen. Eine heute seltene Nageltür verschließt den Zutritt zum Innenraum (AUT, SEL, CHA). Hier ist davon auszugehen, dass es sich um eine Anfertigung der sogenannten ,Clautercher‘, der lokalen Nagelschmiede, handelt (OLT, SOH).9 Alle Fenster werden zeittypisch für den Klassizismus durch gefaste Sandsteingewände mit geradem Sturz eingefasst; eingelassene Metallkloben deuten auch heute noch auf die bereits beim ursprünglichen Bau vorhandenen Klappläden hin (AUT, CHA).10 An der fast komplett durch die ehemalige Scheune verdeckten Ostseite sind, gleich der Westseite, zwei kleine sandsteingerahmte Öffnungen zur Belichtung des Dachgeschosses zu erkennen. Die Rückseite des Wohnhauses präsentiert sich vierachsig und wird, mit Ausnahme eines breiteren Fensters im Erdgeschoss, durch die gleichen Fenstergewände wie jene der Nordseite gegliedert (AUT, CHA). Zusätzlich sind hier Klappläden aus Holz und Metall erhalten.</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Raumaufteilung im Inneren des Haupthauses wurde im Zuge der Vergrößerung um 1900 grundlegend verändert (ENT). Das Erdgeschoss wird heute mit seinen Versammlungsräumen für öffentliche Zwecke genutzt. Ein breiter, halbhoch holzvertäfelter Flurbereich mit herrschaftlich anmutender Treppe verbindet das Erdgeschoss mit der teilweise galerieartig daherkommenden oberen Etage und ist mit Holzbalkendecken ausgestattet (AUT, CHA). An der historistischen, viertelgewundenen Holztreppe mit Zwischenpodest sind flache Geländerstäbe, ein abgerundeter Holzhandlauf sowie ein ausschwingender Treppenpfosten auszumachen (AUT, CHA, ENT). Die Treppenwangen wurden zusätzlich seitlich mit volutenartig auslaufenden Kassettierungen versehen.</p>\n<p class=\"lf-p\">In den Räumen des Erdgeschosses, wo auch ein Takenschrank mit verkröpfter Verdachung überliefert ist, sind verschiedenartig ausgeführte Stuckdecken erhalten; sowohl historistisch geometrische als auch profilierte Stuckbahnen lassen sich hier vorfinden (AUT, CHA, ENT).</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Türen sowie der Travertinboden des Flurs stammen indes aus einer rezenteren Renovierung im [Postkarte], hrsg. von Combier Imp. Macon, Privatsammlung Antoine Gruber, Mâcon, o. J.; Combier, Lintgen (Luxembourg). 254-54A - Vue aérienne, [Postkarte], hrsg. von Combier Imp. Mâcon, Privatsammlung Fernand Gonderinger, Mâcon, o. J.: abgestempelt am 26.08.1963.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Vgl. Friedrich, Evy, ,Einige Anekdoten über Lintgen‘, in: FC Minerva Lintgen, 75ième Anniversaire du F. C.</p>\n<p class=\"lf-p\">Minerva Lintgen, Luxemburg, o. J., o. S.; Koch-Kent, Henri, ,Revue besuchte Lintgen‘, in: Revue, Jahrgang 24, Heft 34, Esch-sur-Alzette, 23. August 1969, S. 36f.: ,Clautercher‘ wird vom Französischen ,cloutier‘ hergeleitet und hatte sich als Bezeichnung für einen Nagelschmied durchgesetzt.</p>\n<p class=\"lf-p\">10 Cassaignau-Schmit, Myriam, Lintgen. 20, rue de l’Eglise, [Fotografische Aufnahme], Service des sites et monuments nationaux, Inventar der Bauernhäuser, 1979.</p>\n<p class=\"lf-p\">66 Jahr 1983, bei der auch die ehemalige ‚Haascht‘ abgetragen wurde.11 Auch im mit Holzdielenboden ausgelegten Obergeschoss ist profilierter Stuck mit mittig angebrachten Stuckrosetten erhalten; einige Decken wurden zusätzlich in den Ecken abgerundet (AUT, CHA). Im gesamten Obergeschoss wurden kassettierte Holztüren – teilweise mit Verglasungen – verbaut, die auf die Umbauarbeiten um 1900 zurückzuführen sind (AUT, CHA, ENT). Teile des historischen Dachwerks aus Eichenholz mit beachtlichen Holznägeln konnten mittels dendrochronologischer Analysen auf das Jahr 1825 datiert werden (AUT, CHA).12 Die sehr unterschiedlichen Hölzer und Bindearten sind zusätzliche Hinweise auf die reiche Entwicklungsgeschichte, denn hier lässt sich unter anderem das ursprünglich aus nur fünf Achsen bestehende barocke Wohnhaus ablesen (ENT).13 Das im Volksmund ‚Horgerhaus‘ genannte Gebäude gegenüber dem Kirchenareal in der Rue de l’Eglise ist schon allein mit Fokus auf die Sozial-, Orts- und Heimatgeschichte ein wichtiger Zeuge, der im Zusammenhang mit der Schule und der Kirche in der Dorfmitte ortsbildprägend ist. Während dendrochronologische Analysen eine Bauzeit des Dachstuhls um 1825 feststellten, sprechen sowohl die Ferraris-Karte als auch die zeittypische Ausformung des Türgewändes für einen früheren Ursprung, der wohl im Frühbarock anzusiedeln ist. Besonders die klassizistischen sowie historistischen Umbauphasen verleihen der Anlage eine Vielzahl an authentisch überlieferten Elementen und prägen bis heute das Antlitz des Wohnhauses, das auf eine reiche Entwicklungsgeschichte zurückblickt. Auch die sichtbare Verwendung der lokal produzierten Metallnägel in der Haupteingangstür, die immer seltener vorzufinden sind, machen das Gebäude zu einem orts- und landschaftstypischen Zeitzeugen.</p>\n<p class=\"lf-p\">Aufgrund der imposanten Größe sowie der qualitätsvollen Gestaltungs- und Ausstattungselemente und seiner orts- und heimatgeschichtlichen Relevanz ist das ‚Horgerhaus‘ als ein für das Großherzogtum bedeutsamer Bau zu betrachten, der in dieser Form auf nationaler Ebene schützenswert ist.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (SEL) Seltenheitswert, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (OLT) Orts- oder landschaftstypisch, (SOH) Siedlungs-, Orts- oder Heimatgeschichte, (ENT) Entwicklungsgeschichte 11 Vgl. Commune de Lintgen, Décompte de restauration et de transformation de la maison „Horger“ à Lintgen, [Angebot], Gemeindearchiv Lintgen, Lintgen, 1983; Bureau d’Architecture et de Coordination Guy Schiltz, Transformation - mise en place d’une Salle de Bains au deuxième étage de la Maison Horger à Lintgen, [Angebot], Gemeindearchiv Lintgen, Bivange, 24.02.1983.</p>\n<p class=\"lf-p\">12 Lutgen, Thomas, Kurzbericht, Dendrochronologische Holzalterbestimmung. Wohn- und Gemeindehaus. 20, rue de l’église / L-7446 Lintgen, [Unveröffentlichter Bericht], Service des sites et monuments nationaux, Wasserbillig, 2021, S. 7.</p>\n<p class=\"lf-p\">13 Mündliche Auskunft von Thomas Lutgen, am 14. Oktober 2021.</p>\n<p class=\"lf-p\">67 Lintgen | 37, rue de l’Eglise Am nördlichen Ende der Rue de l’Eglise befindet sich gegenüber der Mündung in die Rue de l’Ecole ein authentisch erhaltenes zweigeschossiges Wohnhaus aus den 1930er-Jahren (AUT, GAT, CHA).1 Das Objekt präsentiert sich zu drei Seiten hin freistehend, lediglich der Garagenanbau aus den 1970erJahren grenzt unmittelbar an das gen Süden benachbarte Gebäude.2 Auf einer zu Beginn des 20.</p>\n<p class=\"lf-p\">Jahrhunderts angefertigten Bodenkarte ist die Parzelle – ebenso wie ein Großteil der Rue de l’Eglise und die Rue de l’Ecole – noch unverbaut.3 Die westlich zur Straße hin orientierte Hauptfassade präsentiert sich zweiachsig. Wohnhaus und Garage sind durch einen Vorgarten sowie eine niedrige Mauer vom öffentlichen Raum getrennt (AUT, CHA). Durch eine Metallpforte mit Rauten- und Volutenmuster gelangt man über einen schmalen Weg zum Eingangsbereich. Das Gebäude erhebt sich über einem Sockel, der mit bossierten Sandsteinquadern verkleidet wurde und in der linken Achse ein Kellerfenster mit vorgesetztem bauzeitlichem Metallgitter aufweist (AUT, CHA). Die rechte Hälfte des Sockels wird von einer mehrstufigen Treppe aus rötlichem Terrazzo verdeckt (AUT, CHA). Der Boden des leicht zurückversetzten Eingangsbereichs, der sich in grauem Terrazzo präsentiert, wurde mittig mit einem Mosaikmedaillon versehen (AUT, CHA). In einem großzügigen, an den Kanten konvex gestalteten Kalksteingewände befindet sich die zeittypische Holztür mit Glasfeld und vorgesetztem schmiedeeisernem Metallgitter (AUT, CHA). Eine leicht hervorstehende Verdachung aus Beton wurde vermutlich später mit Blech verkleidet, um witterungsbedingte Schäden zu vermeiden.</p>\n<p class=\"lf-p\">Der linken Achse des Erdgeschosses ist ein Standerker vorgesetzt, der mit einer jüngeren dreibahnigen Fensterfront aus Holz und einer kalksteinernen Fensterbank versehen wurde (AUT, CHA). Auf Obergeschosshöhe schließt der Erker mit einem schmalen Balkon ab (AUT, CHA). Dessen Brüstung wird dabei durch einen leichten Versprung nach vorne markiert. Im Gegensatz dazu werden beide Fensteröffnungen der oberen Etage durch eine nach hinten verspringende Fassade rahmend hervorgehoben. Zusätzlich befindet sich mittig dieser Ebene eine Kartusche in Pyramidenform. Die Hauptfassade schließt nach oben hin mit einer glatt verputzten und sich somit vom Rauputz der restlichen Fläche absetzenden Betontraufe ab (AUT, CHA). Mittig des Krüppelwalmdachs, das in englischer Manier mit Schiefer gedeckt wurde, befindet sich eine breit angelegte Walmdachgaube mit verzierender Dachbekrönung (AUT, CHA). Die beiden hochrechteckigen kleineren Fenster werden, gleich der Öffnungen des Obergeschosses, von einem leichten Versprung gerahmt.</p>\n<p class=\"lf-p\">Die gen Süden ausgerichtete Fassade, deren unterer Bereich durch den Garagenanbau verdeckt wird, verrät aufgrund ihrer Gestaltung, wo sich das Treppenhaus im Inneren befindet (AUT, CHA). Auf beiden Zwischengeschossen werden jeweils zwei versetzte hochrechteckige Fenster von einem Rückversprung des Mauerwerks zusammengefasst, wodurch die im Prinzip eher einfach gestaltete Fassade aufgewertet wird. Unmittelbar über dem Anbau ist links ein alleinstehendes Bullaugenfenster mit kalksteinernem Gewände und vorgesetztem Metallgitter auszumachen. Die Ostfassade des Gebäudes bleibt komplett geschlossen. Die Rückseite wurde vergleichsweise einfach gehalten.</p>\n<p class=\"lf-p\">1 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Cases croquis. N. 1079.</p>\n<p class=\"lf-p\">Lintgen. 37, rue de l’Eglise. 145/2632, 1936.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Bürgermeister, o. T., [Baugenehmigung], Gemeindearchiv Lintgen, Lintgen, 21.07.1970.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Bodenkarte der Gemeinde Lintgen, [Karte], Gemeindearchiv Lintgen, Luxemburg, o. J.: Solche Bodenkarten liegen für viele Ortschaften Luxemburgs vor; sie wurden alle zwischen 1901 und 1914 erstellt.</p>\n<p class=\"lf-p\">68 Trotz einiger Renovierungen besticht das Innere des Wohnhauses durch mehrere bauzeitlich erhaltene Elemente. Das Kellergeschoss präsentiert sich mit seinem gewalzten Betonboden und Brettertüren in seinem ursprünglichen Zustand (AUT, CHA). Auch der eigentliche, zu Wohnzwecken genutzte Bereich weist zu einem Großteil Gestaltungsmerkmale auf, die seit der Erbauung überdauert haben. Beispielhaft hierfür sind etwa abgerundete Decken mit Stuckprofilierungen, Holzdielenböden, Fensterbänke aus schwarzem Marmor und eine halbgewendelte Eichenholztreppe mit geraden Pfosten sowie gedrechseltem Handlauf (AUT, CHA). Dennoch wurden im Laufe der Zeit einige Elemente -ausgetauscht oder umgeändert, was den Wert des Hauses jedoch keineswegs schmälert, da dies als Teil der Entwicklungsgeschichte identifiziert werden kann (AUT, CHA, ENT). So wurde der Boden des Flurs vermutlich in den 1950er-Jahren mit braunen, gelben und grauen Cerabati-Fliesen in einem eher ungewöhnlichen Muster ausgelegt. Im Obergeschoss sind sowohl der Dielenboden als auch alle Türen aus Fichtenholz überliefert (AUT, CHA). Die Dachkonstruktion mit bauzeitlich erhaltenen Holznägeln liegt trotz Ausbau dieses Geschosses frei (AUT, CHA). Einige Verbindungen der Weichhölzer wurden nachträglich zusätzlich mit Metallschraubenfixierungen verstärkt.</p>\n<p class=\"lf-p\">Das ursprünglich freistehende Wohnhaus südlich des örtlichen Kreisverkehrs zeigt sich bis heute in zeittypischer Gestaltung und Formensprache. Viele authentisch überlieferte Elemente, wie etwa der Eingangsbereich aus Terrazzo, die Metallgitter außen sowie die Decken, Holzdielenböden und die Treppe im Inneren können hier als exemplarisch für die Bauzeit der 1930er-Jahre genannt werden. Sie stellen nicht nur Zeugnisse der Wohnkultur einer aufstrebenden Bevölkerungsschicht in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dar, sondern bieten auch heute noch, knapp hundert Jahre nach ihrer Entstehung, gehobenen Wohnkomfort. Später hinzugefügte Cerabati-Fliesen weisen auf die nicht außer Acht zu lassende Entwicklungsgeschichte hin, die ebenso zum Wert des Hauses beiträgt. Aus den genannten Gründen ist das Wohnhaus am nördlichen Ende der Rue de l’Eglise als national schützenswert einzustufen und für die Zukunft zu bewahren.</p>\n<p class=\"lf-p\">Erfüllte Kriterien: (AUT) Authentizität, (GAT) Gattung, (CHA) Charakteristisch für die Entstehungszeit, (ENT) Entwicklungsgeschichte 69 Lintgen | o. N., rue de l’Eglise | Ensemble Das Kirchenensemble, bestehend aus der Lintgener Kirche, dem katholischen Friedhof, dem Monuments aux morts sowie den historischen Mauerresten und einem Steinkreuz, befindet sich topografisch erhöht über dem historischen Kern der Ortschaft, an jener Stelle, an der die Ausläufer der Rue de l’Eglise und der Rue du Cimetière zusammentreffen (GAT, SOK, BTY). Die einzelnen Bauten und Kleindenkmale bilden eine funktionelle und räumliche Einheit, die ein sozial- wie kultusgeschichtlich bedeutsames, historisch gewachsenes Ensemble bilden. Die traditionelle räumliche Verbindung von Kirche und Begräbnisstätte beruht dabei auf dem christlichen Glauben, dass sich die Nähe zum Gotteshaus und damit zum Sakralen mit Blick auf die erhoffte Auferstehung nach dem Tod vorteilhaft auswirken könnte.</p>\n<p class=\"lf-p\">Kirche Sankt Peter Das heutige Erscheinungsbild des Kirchenareals wird vor allem durch Strukturen aus ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dominiert, dennoch ist bereits in der Stiftungsurkunde der Ortschaft Lintgen aus dem Jahr 896 ein Sakralbau – eine Michaelskapelle – belegt.1 Bereits auf der 1778 fertiggestellten Ferraris-Karte ist in unmittelbarer Nähe eine Kapelle auf der Fläche neben dem ehemaligen Pfarrhaus in der Route de Fischbach (Nummer 45), dem Gelände, das heute als ehemaliger Friedhof bekannt ist. 2 Dabei handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine laut Visitationsbericht im Jahr 1735 konsekrierte Kapelle.3 1804 wurde der Gemeinde Lintgen, die lange Zeit der Pfarrei Mersch unterstand, der Status einer eigenständigen Pfarrei zugesprochen und infolge wurde die damalige – dem Heiligen Petrus geweihte – Kapelle zur Pfarrkirche erhoben.4 Zwar ist der Gebäudeumriss auf der Originalversion des Urkatasters noch deutlich als Sakralbau erkennbar, jedoch muss dieser sich in einem stark baufälligen Zustand befunden haben, denn auf der wenige Jahre später überarbeiteten Version des Urkatasters war das Gebäude bereits nicht mehr verzeichnet. 5 Der Bauplatz für den Neubau der Gebetsstätte lag direkt westlich der bestehenden Kirche und gehörte der alteingesessenen Familie Heuardt, die den Erhalt des östlich angrenzenden Pfarrgartens als Voraussetzung für eine Schenkung ihres Grundstücks forderte (SOH).6 Die unter Pfarrer Nauert als 1 Vgl. Zenner, Roby, ,Lintgen seit 896‘, in: Lëtzebuerger Sonndesblad, Heft 26, Luxemburg, 29. Juni 1997, S. 24;</p>\n<p class=\"lf-p\">Gruber, Emile, ,Urkunde über die Stiftung der Kapelle in Lintgen von 896‘, in: Sapeurs-pompiers Lintgen, 100e anniversaire avec concours national d’incendie. Manifestations du 5 et 6 juin 1971, Diekirch, o. J., S. 68-70.</p>\n<p class=\"lf-p\">2 Ferraris, Joseph de, Le grand Atlas de Ferraris. Le premier Atlas de la Belgique. 1777. Carte de Cabinet des Pays-Bas autrichiens et de la Principauté de Liège, KBR Bibliothèque Royale de Belgique, Brüssel, 3. Aufl., 2009, Bourglinster 243A.</p>\n<p class=\"lf-p\">3 Seil, Erny, ,Chronik der Pfarrei und Ortschaft Lintgen‘, in: Letzeburger Sonndesblad, Heft 25, Luxemburg, 17.</p>\n<p class=\"lf-p\">Juni 1956, S. 346-347.</p>\n<p class=\"lf-p\">4 Vgl. Kirchenfabrik Lintgen, Rechnungsbuch der Kirchenfabrik Lintgen, Archives diocésaines, PA.Lintgen 30, Lintgen, 1804-1860; Gruber, Emile, ,Geschichte der Kirchen von Lintgen‘, in: Fabrique d’Eglise de Lintgen (Hrsg.), Eglise de Lintgen. Son histoire et son mobilier „liturgique“, Luxemburg, 2001, S. 11.</p>\n<p class=\"lf-p\">5 Vgl. Administration du cadastre et de la topographie du Grand-Duché de Luxembourg, Urkataster. Lintgen A1, ANLux, 1824 (nicht überarbeitete Originalversion); Administration du cadastre et de la topographie du GrandDuché de Luxembourg, Urkataster. Lintgen A1, 1824ff. (überarbeitete Version); Seil, Erny, ,Chronik der Pfarrei und Ortschaft Lintgen‘, in: Letzeburger Sonndesblad, Heft 25, Luxemburg, 17. Juni 1956, S. 346-347.</p>\n<p class=\"lf-p\">6 Vgl. Majerus, Jean, Die Geschichte der Pfarrei und Herrschaft Mersch. Ein Beitrag zur vaterländischen Geschichte, hrsg. von Amis du Vieux Mersch, Mersch, 1980 (Nachdruck der Erstveröffentlichung von 1900, hrsg. von Jakob Grob), S. 101; Derkum, Paul, Stëfter Kierchefënsteren an hir Haiser, [Unveröffentlichtes Manuskript], Lintgen, 2020, o.S.: Die Forderung geht auf den Frisinger Pfarrer Jean-Pierre Heuardt zurück.</p>\n<p class=\"lf-p\">70 Saalbau konzipierte und vom Architekten Mouchet geplante Pfarrkirche wurde schließlich 1829 geweiht und trägt bis heute den Namen Sankt Peter (AUT, GAT, CHA, SOK, BTY).7 Die Hauptfassade der Kirche präsentiert sich giebelständig zum ansteigenden Ausläufer der Rue de l’Eglise und wird lediglich durch eine mittig liegende Achse sowie ein mehrfach profiliertes Giebelfeld gegliedert. Sowohl der steinsichtige Sockel als auch ein unter der Traufe sitzendes Gurtband umlaufen den gesamten Bau und betonen dadurch die Horizontalität und die beachtliche Länge des Gebäudes (AUT, CHA). Die westlich ausgerichtete Fassade wird durch jeweils eine umgreifende Ecklisene gerahmt, die antikisierend einen Pfeiler mit Basis, Schaft und mehrfach profiliertem Kapitell imitiert (AUT, CHA). Im Erdgeschoss wurde dem Bau eine auf zwei dorischen Säulen ruhende, mehrfach profilierte Verdachung aus Sandstein vorgesetzt, deren walmartiger oberer Abschluss ebenso wie das in den 1960er-Jahren erneuerte Hauptdach mit einer Kupferfalzeindeckung versehen wurde (AUT, CHA, ENT).8 Hier findet sich die in Sandstein gemeißelte Inschrift in Form von goldfarben gefassten Lettern ,DEO.MDCCCXXIX‘, die das Baujahr 1829 angibt. Über eine vierstufige Treppe oder einen rechts anschließenden rollstuhlgerechten Weg – beide stammen aus den 1990er-Jahren und sind mit Gilsdorfer Steinplatten ausgelegt – erreicht man den Hauptzugang der Gebetsstätte, der durch ein mehrfach profiliertes Sandsteingewände mit geradem Sturz eingefasst wird (AUT, CHA, OLT).9 Der imposanten zweiflügeligen Holztür sitzt über dem hölzernen Sturz mit Zahnfries ein geschlossenes Oberlichtfeld auf, das beidseitig jeweils ein rundes Medaillon zeigt, das wiederum von zwei Pfeilen in Form eines Kreuzes durchbrochen wird (AUT, CHA). Eine stehende, länglich gezogene Raute trennt beide Felder voneinander und befindet sich auf einer Linie mit dem Mittelpfosten, der oben mit einem eingerollten Akanthusblatt endet. Die beiden Türflügel zeigen neben profilierten Kassettierungen horizontale Rauten mit Verzierungen in Blütenoptik auf Höhe der neueren Türklinke. Auf Dachgeschossebene befindet sich inmitten des Giebelfeldes ein halbkreisförmiges und mit Sandstein gerahmtes Bleiglasfenster mit dem Christusmonogramm ,IHS‘. Unmittelbar über der Westseite ist der um 1960 erhöhte und komplett in Kupferblech verkleidete Dachreiter mit quadratischer Basis sichtbar, der im Inneren zwei gegossene automatisierte Glocken aus den 1930er-Jahren beherbergt (ENT). 10 Er wurde an seinen vier Seiten identisch mit jeweils einem rundbogigen Schallfenster und</p>\n<p class=\"lf-p\">darüberliegendem Giebelfeld gestaltet; ein an die Rundbögen anschließendes Gurtband nimmt den Formenkanon der Fassaden auf. Dem quadratischen Körper sitzt eine weitere, oktogonale Konstruktion mit Kuppelabschluss auf, die wiederum mit einem schmiedeeisernen Kreuz abschließt.</p>\n<p class=\"lf-p\">Die Seitenfassaden des Kirchenschiffs sind identisch aufgebaut und werden durch je acht rundbogige Fensteröffnungen mit mehrfach profiliertem Gewände, die durch das gebäudeumlaufende Gesims miteinander verbunden werden, und leicht hervortretenden Sohlbänken gegliedert (AUT, CHA).</p>\n<p class=\"lf-p\">7 Langini, Alex, ‚Kirchen im Kanton Mersch‘, in: nos cahiers. Lëtzebuerger Zäitschrëft fir Kultur. Numéro spécial „Kanton Miersch“, Jahrgang 34, Heft 3/4, Luxemburg, 2013, S. 365-396: In einigen Quellen wird Theodor Eberhard als Architekt erwähnt, jedoch ist dies aufgrund seines Geburtsjahres relativ unwahrscheinlich.</p>\n<p class=\"lf-p\">8 Vgl. Anonym, ,Die restaurierte Kirche von Lintgen von Mgr. Lommel geweiht‘, in: Journal, Luxemburg, 20.09.1966, o. S.; Derkum, Paul, Stëfter Kierchefënsteren an hir Haiser, [Unveröffentlichtes Manuskript], Lintgen, 2020.</p>\n<p class=\"lf-p\">9 Vgl. Jegen, Henri, Entrée principale. Parvis avec escalier, [Plan], Gemeindearchiv Lintgen, Echternach, 02.11.1995; Jegen, Henri, Eglise de Lintgen. Entrée Eglise. Parvis Rampe, [Plan], Gemeindearchiv Lintgen, Echternach, 11.07.1996.</p>\n<p class=\"lf-p\">10 Vgl. Anonym, ,Die restaurierte Kirche von Lintgen von Mgr. Lommel geweiht‘, in: Journal, Luxemburg, 20.09.1966, o. S.; Petit &amp; Gebr. Edelbrock; Kirchenrat, Vertrag, [Urkunde], Archives diocésaines, PA.Lintgen 7, Lintgen, 1936; Derkum, Paul, Klackewei 21.3.1937, [Unveröffentlichtes Manuskript], Lintgen, 2020, o. S.: Die Glocken stammen aus der Petit &amp; Gebr. Edelbrock Bronze-Glockengießerei in Gescher in Nordrhein-Westfalen und wurden 1937 geweiht.</p>\n<p class=\"lf-p\">71</p></div>", "next": 239941}