📄 Texte de loi
785
LUXEMBOURG
MEMORIAL
MEMORIAL
Journal Officiel
du Grand-Duché de
Luxembourg
Amtsblatt
des Großherzogtums
Luxemburg
RECUEIL ADMINISTRATIF ET ECONOMIQUE
B –– N° 61
5 juillet 2011
Sommaire
PLAN NATIONAL POUR UN DÉVELOPPEMENT DURABLE
Ministère du Développement durable et des Infrastructures – Plan national pour un
développement durable . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . page
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LUXEMBOURG
Ministère du Développement durable et des Infrastructures
Plan national pour un développement durable
La loi du 25 juin 2004 relative à la coordination de la politique nationale de développement durable a retenu dans
son article 10 qu’un plan national pour un développement durable soit établi tous les quatre ans sur base du rapport
national.
Le Plan national pour un développement durable a été adopté par le Gouvernement le 23 novembre 2010.
Conformément à l’article 12 de la loi précitée, le Plan tel qu’approuvé par le Gouvernement est publié au Mémorial.
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LUXEMBOURG
PNDD LUXEMBOURG
EIN NACHHALTIGES LUXEMBURG
FÜR MEHR LEBENSQUALITÄT
26. November 2010
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LUXEMBOURG
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LUXEMBOURG
INHALTSVERZEICHNIS
TEIL 1: WELCHE TENDENZEN STEHEN EINEM NACHHALTIGEN
LUXEMBURG ENTGEGEN?
1. Übernutzung der natürlichen Ressourcen, Verlust der biologischen Vielfalt
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6
8
1.1 Biologische Vielfalt
1.2 Ressource Wasser: Abwasserbehandlung und Reduzierung der diffusen Verschmutzungen
1.3 Ressource Boden
1.4 Ressource Luft
1.5 Ressource Material
1.6 Nachhaltigkeit von Konsum und Produktion
8
9
10
10
11
12
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Vielfalt
13
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International
In Luxemburg
20
21
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12.1 Risiko der Entwicklung von Gruppen, die aufgrund mangelnder Bildung weder aktive Staatsbürger
noch erfolgreiche Arbeitnehmer oder Selbständige werden, und damit für die soziale Kohäsion
24
12.2 Bildung für nachhaltige Entwicklung
25
13. Ungleiche Lebenschancen und Lebensqualität für Frauen und Männer
26
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1
790
LUXEMBOURG
INHALTSVERZEICHNIS
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FÜR LUXEMBURG GESICHERT WIRD
HANDLUNGSZIELE UND MASSNAHMEN
I. UMWELT
33
33
(QZ 1) Natürliche Ressourcen: Schutz der biologischen Vielfalt, Erhaltung und nachhaltige
Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen
Biologische Vielfalt
Ressourceneffizienz
Ressourcenmanagement
Umweltqualität
Umweltinformation
33
33
34
35
35
36
(QZ 4) Klimaschutz: Begrenzung der Wirkungen von Klimaveränderungen und ihrer Kosten
für Gesellschaft und Umwelt («mitigation and adaptation»)
Emissionsminderung
Energieeinsparung
Substitution
Senken
Klimaanpassungsplan
36
37
37
38
38
38
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(QZ 3) Nachhaltige Entwicklung der Raumstruktur, nachhaltiges Bauen, Wohnen und Arbeiten
Planung
Monitoring
39
39
40
(QZ 7 & 8) Prekarisierung vermeiden/vermindern, Zugang zu Gerechtigkeit und Wirksamkeit
des Sozialschutzes (Sicherung eines menschenwürdigen Lebens)
Soziale Sicherheit
40
41
(QZ 10) Gesundheit sichern, mehr Lebensqualität durch Förderung der physischen und psychischen
Gesundheit, besserer Schutz vor Gesundheitsgefährdungen
Lebensweise
Krankheiten und Verletzungen
Weiteres
Demografischer Wandel
42
43
44
45
46
(QZ 2) Nachhaltiger Konsum - progressive Einführung von nachhaltigen Konsumund Produktionsmustern
Wirtschaft
Staatskonsum
Haushaltskonsum
Ernährung und Landwirtschaft
46
46
47
47
48
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2
31
Vollbeschäftigung
Beschäftigung der älteren Arbeitnehmer (QZ 6)
Erwerbsquoten
Reduzierung der Jugendarbeitslosigkeit / Vollbeschäftigung für Schulabgänger (QZ 6)
49
50
50
50
(QZ 11) Wirtschaft krisensicherer machen, Wettbewerbsfähigkeit sichern, wirtschaftliche Diversifizierung
Mittel- und langfristig
51
51
791
LUXEMBOURG
(QZ 12) Zukunftsfähigkeit der Finanzen
52
(QZ 5) Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Verkehrsnachfrage
Verkehrsvermeidung
Ausbau des öffentlichen Transports
Nachhaltige Mobilität
54
54
55
55
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Bildung
Flächendeckende Anhebung des Bildungs- und Qualifikationsniveaus (QZ 15)
Erwachsenenbildung
Qualifizierende Schulpolitik
Hochschulpolitik
56
56
56
57
57
(QZ 16) Bildung für nachhaltige Entwicklung
58
(QZ 17) Gleichstellung von Frauen und Männern
59
(QZ 18) Kohärenz der Politik und integrative Politikgestaltung
Institutionen
Nachhaltige Entwicklung in den Gemeinden
60
61
62
(QZ 9) Integration der nicht-luxemburgischen Mitbürger und der Grenzgänger
63
bXHUH'LPHQVLRQ
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Beiträge zur Beseitigung der Armut weltweit (QZ 13)
Förderung einer globalen nachhaltigen Entwicklung (QZ 14)
65
66
7(,/
021,725,1*
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Dieses Dokument wurde erarbeitet mit der wissenschaftlicher Begleitung
und Mitarbeit von Dr. Joachim H. Spangenberg.
3
792
LUXEMBOURG
EIN NACHHALTIGES LUXEMBURG FÜR MEHR LEBENSQUALITÄT
EIN NACHHALTIGES LUXEMBURG
FÜR MEHR LEBENSQUALITÄT
Nachhaltige Entwicklung geht alle an, denn im Kern geht es bei
der hier vorgestellten Strategie für eine nachhaltige Entwicklung
Luxemburgs um die Frage, wie wir morgen leben wollen, und
wie wir gemeinsam dieses Morgen heute gestalten können.
Nachhaltige Entwicklung bedeutet, dauerhaft die Bedingungen für ein gutes Leben für alle zu erhalten, die in Luxemburg
leben und arbeiten, für Bürger, Einwohner und Pendler. Die
Brundtland-Kommission, die den Begriff der nachhaltigen
Entwicklung allgemein bekannt gemacht hat, beschreibt
diese als eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation derart Rechnung trägt, dass die Fähigkeit
der künftigen Generationen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen,
nicht gefährdet wird. Sie benennt als Grundprinzipien nachhaltiger Entwicklung, dass die Wirtschaft die Bedürfnisse und
legitimen Wünsche der Menschen (insbesondere der armen
Menschen) befriedigen müsse, sie jedoch die ökologischen
Grenzen der Erde nicht sprengen darf.
Dazu muss die gemeinsame Entwicklung von Wohn- und Arbeitsbevölkerung, von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt
eine nachhaltige Richtung nehmen, in der die folgenden fünf
übergeordneten Grundprinzipien realisiert sind:
1. Erhalt einer hohen Lebensqualität und eines hohen Grades an menschlicher Entwicklung für die in Luxemburg lebende und arbeitende Bevölkerung; Selbstverwirklichung
durch Freiheit in Verantwortung;
2. Respektierung der ökologischen, sozialen und kulturellen
Rechte der zukünftigen Generationen und der anderen
Nationen der Erde (intertemporale und internationale
Verantwortung);
3. Respektierung der ökologischen Grenzen und der Regenerationsfähigkeit der Natur bei der Nutzung der uns zustehenden natürlichen Ressourcen;
4. Schutz des sozialen Zusammenhalts der Gesellschaft
durch Gerechtigkeit und Solidarität;
5. Sicherung des wirtschaftlichen Wohlstands durch die Entwicklung einer zukunftsfähigen Wirtschaft mittels Diversifizierung und sozial-ökologischen Innovationen.
Diese übergeordneten Grundprinzipien spiegeln auch die
Hauptziele einer nachhaltigen Entwicklung wider, welche der
Europäische Rat im Juni 2005 unter Luxemburger Präsidentschaft festgehalten hat1, und sind Bestandteile der EU-Strategie für nachhaltige Entwicklung.2
Um sie umzusetzen, verabschiedete die Regierung im April
1999 den nationalen Plan für eine nachhaltige Entwicklung.
Dieser Plan hielt folgende Grundvoraussetzungen für eine
nachhaltige Entwicklung Luxemburgs fest:
c eine leistungsstarke und nachhaltige Wirtschaft,
c Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen,
c sozioökonomische Gerechtigkeit und
c soziale Absicherung.
Diese Grundvoraussetzungen wurden ergänzt durch folgende
Unterstützungsstrategien:
c internationale Zusammenarbeit,
c integrierte Raumplanung,
c nachhaltige Entwicklung in den Gemeinden,
c Information, Bildung und Weiterbildung.
2007 stellte man jedoch fest, dass internationale wie nationale, der Nachhaltigkeit entgegenstehende Trends sich fortsetzen und sich neue Herausforderungen auch für Luxemburg
offenbaren. Dazu gehören:
c Übernutzung der natürlichen Ressourcen, Verlust der biologischen Vielfalt,
c ein weiterhin zu hoher Flächenverbrauch, Bodenübernutzung und Zerstückelung der Landschaften mit negativen
Wirkungen auf Landschaft und Erholung, Grundwasser
und biologische Vielfalt,
c ungebremste Klimaänderung vor allem durch wachsenden Energieverbrauch,
c anhaltende Zunahme des Transports mit negativen Folgen für Energie- und Flächenverbrauch sowie für die Verkehrssicherheit,
1 Europäischer Rat 16./17. Juni 2005 – Schlussfolgerungen des Vorsitzes. Rat der
Europäischen Union 102551/05
2 Überprüfung der EU-Strategie für nachhaltige Entwicklung – Die erneuerte
Strategie. Rat der Europäischen Union 10917/06
793
LUXEMBOURG
c Prekarisierung der Bevölkerung (Gefahr von Armut),
c Gefährdung des Zusammenhalts der Gesellschaft (soziale
Kohäsion),
c Gefährdung der öffentlichen Gesundheit, Entwicklung der
„Wohlstandskrankheiten“,
c Alterung der Gesellschaft mit Folgen für Sozialstruktur, Arbeitsmarkt und die Sozialschutzsysteme,
c starke Einkommensunterschiede zwischen Nord und Süd,
trotz Teilerfolgen, ungleicher Fortschritt in Sachen Armutsbekämpfung,
c Herausforderungen des Bildungssystems bei der Qualifizierung aller Gruppen der Bevölkerung und in der Nachhaltigkeitserziehung,
c ungleiche Lebenschancen und Lebensqualität für Männer
und Frauen, und schließlich
c Defizite an kohärenter Governance.
Andere Ziele, wie die Leistungskraft der Wirtschaft, die Staatsfinanzen und das Arbeitsplatzangebot hatten sich in den
letzten Jahrzehnten positiv entwickelt, ehe Luxemburg von
der schwersten Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg
getroffen wurde. Diese Wirtschaftskrise hat bewiesen, dass
es auch in jenen Bereichen Tendenzen gibt, die eine nachhaltige Entwicklung gefährden, und deshalb eine Politik zur
Sicherung der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit erfordern. Hier
sind sowohl aktuelle Maßnahmen der Krisenbewältigung, als
auch solche der langfristigen Vermeidung von Krisen, und
solche zur Minimierung ihrer Auswirkungen auf Luxemburg
notwendig, auch um angesichts der nach wie vor bestehenden Gefahr durch hohe Volatilität internationaler Märkte dem
Risiko des Verlustes der staatlichen Handlungsfähigkeit durch
mangelnde finanzielle Ressourcen vorzubeugen.
Da die Herausforderungen gleichzeitig ökologische, soziale,
ökonomische und institutionelle Aspekte aufweisen, müssen
auch Lösungsstrategien alle diese Dimensionen simultan und
integriert angehen (und deswegen ressortübergreifend und
partizipativ sein).
In dem Arbeitspapier „Luxembourg Vision“ (siehe Anhang)
wurden grundlegende Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung Luxemburgs thematisiert und versucht, die
grundlegenden Orientierungen und Zusammenhänge, eventuelle Zielkonflikte und Abstimmungsbedarf zwischen den
Lösungskonzepten für diese Herausforderungen aufzuzeigen.
Dieser Plan beschreibt in Teil 1 die nicht-nachhaltigen Trends
und setzt dagegen die Ziele von Umwelt- und Lebensqualität, sozialer und wirtschaftlicher Sicherheit, die Luxemburg
mit seiner Strategie der nachhaltigen Entwicklung erreichen
will. Teil 2 zeigt, wie dies geschehen soll: Er nennt zu jedem
der Qualitätsziele konkrete Handlungsziele4, die die Politik
in Luxemburg erreichen will, und in einigen Schwerpunktbereichen die Maßnahmen, die zu diesem Zweck ergriffen
worden sind oder noch ergriffen werden. Ziele außerhalb
dieser Schwerpunkte sind nicht aufgegeben; sie werden teils
in anderen Programmen behandelt und können zukünftig zu
Schwerpunkten werden.
Claude Wiseler
Marco Schank
Minister für Nachhaltigkeit
und Infrastrukturen
Beigeordneter Minister
für Nachhaltigkeit
und Infrastrukturen
Als Antwort auf diese Herausforderungen wurden 18 Qualitätsziele3 definiert, die längerfristig für eine nachhaltige
Entwicklung in Luxemburg unverzichtbar sind. Dabei handelt es sich teils um „Luxemburg-spezifische“ Bereiche, teils
um globale Problemfelder einer nachhaltigen Entwicklung.
3 Qualitätsziele sind meist mittel- bis langfristig angelegt, und ihre Umsetzung
das Ergebnis einer aus vielen Einzelmaßnahmen bestehenden Gesamtpolitik.
4 Handlungsziele sind meist kurz- bis mittelfristig angelegt, quantifizierbar und
terminiert.
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LUXEMBOURG
TEIL 1: WELCHE TENDENZEN STEHEN EINEM NACHHALTIGEN LUXEMBURG ENTGEGEN?
TEIL 1: WELCHE TENDENZEN
STEHEN EINEM NACHHALTIGEN
LUXEMBURG ENTGEGEN?
Für die Identifikation der nicht-nachhaltigen Tendenzen in Luxemburg wurde als Ausgangspunkt eine ähnliche Analyse der EU
genutzt, die Teil der Vorarbeiten zur Überprüfung der EU-Strategie für nachhaltige Entwicklung war. Diese wurde durch die CIDD
(Commission interdépartementale de développement durable) auf ihre Aussagekraft für Luxemburg überprüft und anhand der
Arbeiten, Diskussionen und Schlussfolgerungen der CIDD teils gekürzt, teils ergänzt, um aktuelle Entwicklungen zu berücksichtigen und spezifisch für Luxemburg nicht-nachhaltige Entwicklungen zu identifizieren.
Die CIDD hat so eine Liste von negativen Tendenzen in den für eine nachhaltige Entwicklung in Luxemburg relevanten Bereichen
erarbeitet. Diesen Tendenzen stellt die folgende Tabelle in stark gekürzter Form die Ziele für die Umwelt- und Lebensqualität in
Luxemburg gegenüber und zeigt so deutlich, wo Handlungsbedarf besteht und welche Herausforderungen im Plan für nachhaltige Entwicklung aufgegriffen werden müssen. Die Qualitätsziele sind die Antwort auf negative Tendenzen und begründen sich
aus ihnen. Aus dem Gegensatz von Trend und Ziel ergibt sich nicht nur der Handlungsbedarf, sondern auch die Richtung und die
Schwerpunkte der zu ergreifenden Maßnahmen (siehe Teil 2).
6
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LUXEMBOURG
Nicht nachhaltige Entwicklung und die Antwort darauf: Qualitätsziele für Luxemburg
Tendenzen
Qualitätsziel
1. Übernutzung der natürlichen Ressourcen, Verlust der
biologischen Vielfalt durch nicht-nachhaltigen Konsum
und Produktion
1. Schutz der biologischen Vielfalt, Erhaltung und nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen
2. Ein weiterhin zu hoher Flächenverbrauch, BodenÜbernutzung und Zerstückelung der Landschaften mit
negativen Wirkungen auf Landschaft und Erholung,
Grundwasser und biologische Vielfalt
3. Nachhaltige Entwicklung der Raumstruktur, nachhaltiges Bauen, Wohnen und Arbeiten
3. Ungebremste Klimaänderung vor allem durch wachsenden Energieverbrauch
4. Klimaschutz: Begrenzung der Wirkungen von Klimaveränderungen und ihrer Kosten für Gesellschaft und
Umwelt („mitigation and adaptation“)
4. Anhaltende Zunahme des Transports mit negativen
Folgen für Energie- und Flächenverbrauch sowie für
die Verkehrssicherheit
5. Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Verkehrsnachfrage
5. Prekarisierung der Bevölkerung (Gefahr von Armut)
6. Vollbeschäftigung
2. Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion
7. Prekarisierung vermeiden/vermindern
8. Zugang zu, Gerechtigkeit und Wirksamkeit des Sozialschutzes (Sicherung eines menschenwürdigen Lebens)
6. Gefährdung des Zusammenhalts der Gesellschaft (soziale Kohäsion)
9. Integration der nicht-luxemburgischen Mitbürger und
der Grenzgänger
7. Gefährdung der öffentlichen Gesundheit, Entwicklung
der „Wohlstandskrankheiten“
10. Gesundheit sichern, mehr Lebensqualität durch Förderung der physischen und psychischen Gesundheit,
besserer Schutz vor Gesundheitsgefährdungen
8. Alterung der Gesellschaft mit Folgen für Sozialstruktur,
Arbeitsmarkt und Sozialschutzsysteme
6. Beschäftigung der älteren Arbeitnehmer
9. Gefahr von Wirtschaftskrisen durch hohe Volatilität internationaler Märkte
11. Wirtschaft krisensicherer machen, Wettbewerbsfähigkeit sichern, wirtschaftliche Diversifizierung
10. Risiko des Verlusts der staatlichen Handlungsfähigkeit
durch mangelnde finanzielle Ressourcen
12. Zukunftsfähigkeit der Finanzen
11. Starke Einkommensunterschiede zwischen Nord und
Süd, trotz Teilerfolgen, ungleicher Fortschritt in Sachen
Armutsbekämpfung
13. Beiträge zur Beseitigung der Armut weltweit
12. Herausforderungen des Bildungssystems bei der Qualifizierung und in der Nachhaltigkeitserziehung
15. Anhebung des Bildungs- und Qualifikationsniveaus
Bildung für nachhaltige Entwicklung
13. Ungleiche Lebenschancen und Lebensqualität für
Männer und Frauen
17. Gleichstellung von Frauen und Männern
14. Defizite an kohärenter Governance
18. Kohärenz der Politik und integrative Politikgestaltung
(Good governance)
8. Zugang zu, Gerechtigkeit und Wirksamkeit des Sozialschutzes
14. Förderung einer globalen nachhaltigen Entwicklung
7
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LUXEMBOURG
TEIL 1: WELCHE TENDENZEN STEHEN EINEM NACHHALTIGEN LUXEMBURG ENTGEGEN?
1. Übernutzung der natürlichen Ressourcen,
Verlust der biologischen Vielfalt durch
QLFKWQDFKKDOWLJHQ.RQVXPXQGQLFKW
QDFKKDOWLJH3URGXNWLRQ
1.1 BIOLOGISCHE VIELFALT
Die Artenvielfalt hat in Luxemburg in den letzten 30 Jahren
besorgniserregend abgenommen. Die Hauptfaktoren dieses
Trends sind der Verlust und die Zerschneidung natürlicher Lebensräume durch das Wachstum städtischer Ballungsräume
sowie Handels- und Industriezonen, die Ausdehnung von Verkehrswegen, die Intensivierung der Landwirtschaft sowie die
Umwandlung von Feuchtgebieten und Wasserläufen. Durch
den Klimawandel besteht das Risiko, dass diese negativen
Tendenzen noch verstärkt werden, mit unvorsehbaren Auswirkungen für die Landwirtschaft, Gesundheit und den Erhalt von
Ökosystemfunktionen.
26,7 % der Gefäßpflanzen sind in Luxemburg vom Aussterben
bedroht: Bei der Fauna ist die Lage ebenso beunruhigend. In
der Tat sind 54,8 % der Säugetiere, 41,5 % der Vögel, 33 %
der Reptilien, 61,5 % der Amphibien und 62 % der Fische in
Luxemburg bedroht (Basler/ERSA 1998).
Änderungen der Landschaftsstruktur in Luxemburg, 1962-1999
Gebüsche, Vorwälder
64
Ruderalfluren, Staudenfluren, Brachen
43
Baumgruppen
Lineare Elemente
,
Trockenrasen, Heiden
,
Markante Einzelbäume
,
Streuobstwiesen und Obstanbau
Feuchtgrünland, Röhrichte, Niedermoore
0
40
60
Quelle: MDDI, Département de l’Environnement
Diese beunruhigende Lage spiegelt deutlich Änderungen in der
Zusammensetzung und in der Struktur unserer Landschaften wider. Eine Studie, die auf der Interpretation von Luftfotos5 basiert,
hebt diese Entwicklung der Zusammensetzung und der Struktur
unserer Landschaften für die Periode 1962-1999 hervor (siehe
Abb. 1).
So sind mehr als 80 % der Feuchtgebiete über diesen Zeitraum
zerstört worden. Die von Trockenrasen besetzte Fläche hat um
5 Ministère de l’Environnement. Landschaftsmonitoring Luxemburg 2006,
Hansa Luftbild.
8
34,9 % abgenommen, während jene der Obstwiesen um 58,5 %
reduziert worden ist.
Die Gesamtwaldfläche Luxemburgs beträgt 89.150 ha (34,3 % der
Landesfläche), davon 44,8 % öffentlicher Wald und 55,2 % Privatwald. Der Laubwald überwiegt mit 68,6 % gegenüber 30,8 %
Nadelwald und 0,6 % Kahlschlagflächen. Die Bewirtschaftung des
Luxemburger Waldes entspricht größtenteils den Anforderungen
einer nachhaltigen und naturnahen Bewirtschaftung.
Den Waldgesundheitszustand betreffend stellt man fest, dass,
wenn 1984 noch ein Prozentsatz von 79,1 % an gesunden Bäu-
797
LUXEMBOURG
men beobachtet werden konnte, sich ihr Gesundheitszustand
in den folgenden Jahren tendenziell verschlechtert hat. Der
Anteil deutlich geschädigter Bäume hat in der gleichen Zeitspanne stark zugenommen.
Waren 2000 noch 43,6 % der beobachteten Bäume ohne
sichtbare Schadmerkmale, so ist dieser Prozentsatz 2006 auf
34,6 % gesunken.
23,4 % auf 27,3 % gestiegen. Fast zwei Drittel unserer Bäume
zeigen also sichtbare Schäden auf.
Um diesen Risiken entgegenzuwirken und den Verlust der
Artenvielfalt zu stoppen, gilt es die ökosystemischen Leistungen aufrechtzuerhalten und wiederherzustellen. Ziel ist
es, die Erosion der biologischen Vielfalt bis 2010 zu stoppen.
Parallel hierzu ist der Anteil schwach geschädigter Bäume von
33 % auf 38,1 %, jener der stark geschädigten Bäume von
1.2 RESSOURCE WASSER: ABWASSERBEHANDLUNG
UND REDUZIERUNG DER DIFFUSEN VERSCHMUTZUNGEN
Die Wasser-Rahmenrichtlinie fordert den guten Zustand aller Wasserkörper (Grund- und Oberflächenwasser) bis zum
22.12.2015 bzw. bis zu den 2021 und 2027 fälligen Umsetzungsberichten. Der gute Zustand wird anhand von qualitativen (chemischen, biologischen, physikalisch-chemischen),
strukturellen und mengenmäßigen Parametern beurteilt.
Im Jahre 2009 befanden sich etwa 93 % der Wasserkörper
in einem mäßigen bis schlechten Zustand. 82 % der Oberflächengewässer werden bis 2015 den guten Zustand voraussichtlich nicht erreichen. Die Ursachen der mangelnden Wasserqualität der Gewässer sind hauptsächlich der Eintrag von
ungereinigtem oder unzureichend gereinigtem Abwasser und
der Eintrag diffuser Belastungen. Die qualitativen Probleme
des Grundwassers sind fast ausschließlich durch diffuse Belastungen bedingt. Im Jahr 2009 waren von 494.000 Einwohnern 21.315 nicht an eine kommunale Kläranlage angeschlossen, dies entspricht 4,3 %. Der Neubau von Kläranlagen sowie
die Vergrößerung und Modernisierung der bestehenden Anlagen sollen hier in den kommenden Jahren Abhilfe schaffen.
Das Wachstum der Bevölkerung und der ökonomischen Aktivitäten bedingen eine steigende Versiegelung der Flächen,
und folglich auch eine Steigerung der hydraulischen Belastung des Kanalsystems und der Abwasserreinigungsinfrastrukturen. Um den Folgen des Eintrags unbehandelten Abwassers
über Regenüberläufe in die Gewässer bei starken Niederschlägen entgegenzuwirken, werden Regenüberlaufbecken in den
gemischten Netzen gebaut. Die neuen Gebiete und Zoneneinteilungen werden in einem getrennten System errichtet.
Steigende Abwassermengen führen des Weiteren zu einem
größeren Anfall von Klärschlamm, dessen Verwertung oder
Behandlung ebenfalls ein Problem darstellt. Die Ausbringung
von Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen birgt u. a.
das Problem der Anreicherung von Schwermetallen und Medikamentenrückständen. Nährstoffe und Schadstoffe:Pestizide
stellen den größten Anteil diffuser Verschmutzungen in Luxem-
burg dar, die ihre Quellen in der Landwirtschaft, im kommunalen, staatlichen und privaten Bereich haben. Seit Anfang der
90er Jahre wird dem Gewässerschutz im landwirtschaftlichen
Bereich verstärkt Rechnung getragen. Trinkwasserschutzberatung sowie Wasserschutzmaßnahmenprogramme wurden
stets erweitert. Insbesondere in den letzten beiden Jahrzehnten wurden große Anstrengungen in der Landwirtschaft unternommen, um dem Gewässerschutz Rechnung zu tragen.
Durch eine strengere Gesetzgebung wurde den landwirtschaftlichen Betrieben eine große Anzahl von Auflagen auferlegt.
2/3 des Trinkwassers in Luxemburg besteht aus Grundwasser, davon wird der größte Teil aus Quellen entnommen. Die
Gefahr des „Leerpumpens“ der Grundwasserleiter ist somit
in Luxemburg nicht gegeben. Jedoch führt eine größere Entnahmemenge an Quellwasser zu verminderten Abflüssen in
den Gewässern, zu einem zu geringen Verdünnungseffekt und
somit zu qualitativen Problemen. Langfristig kann der Klimawandel die Grundwasserneubildung und damit die Verfügbarkeit von Quellwasser beeinträchtigen; auch für eine solche
Entwicklung muss die Politik Vorsorge treffen.
Trotz der zahlreichen Anstrengungen der letzten zwei Jahrzehnte sowie der strengeren Gesetzgebung kann bisher ein
landesweiter nachhaltiger Rückgang der Belastungen noch
nicht festgestellt werden, auch wenn punktuelle Erfolge zu
verzeichnen sind. Dies ist zum Teil dadurch bedingt, dass eine
Verringerung der Schadstoffkonzentration im Grundwasser
ein sehr langwieriger Prozess ist und das belastete Grundwasser auch nach dem Greifen einer Maßnahme erst aus dem
Aquifer (Grundwasserleiter) ausgetragen und durch Grundwassererneuerung ersetzt werden muss, ehe die Konzentrationen sinken – ein Prozess, der Jahre dauert. Trotz großer
Anstrengungen bestehen daher weiterhin punktuelle Probleme nicht-nachhaltiger Agrarpraktiken, wie z. B. unbedeckte Böden. Ziel ist eine nachhaltige und standortangepasste
Landwirtschaft.
798
LUXEMBOURG
TEIL 1: WELCHE TENDENZEN STEHEN EINEM NACHHALTIGEN LUXEMBURG ENTGEGEN?
Die periodisch durchgeführten Wasseranalysen zeigen, dass
nicht nur die Landwirtschaft für Pestizidrückstände verantwortlich ist, sondern ebenfalls die kommunalen und staatlichen Dienste, welche u. a. große Mengen an Pestiziden benutzen, um das Straßen- und Schienennetz frei von Bewuchs
zu halten. Nicht zu vernachlässigen sind ebenfalls der Privatbereich sowie die Betriebe.
Ziel der nachhaltigen Entwicklung Luxemburgs im Bereich
Wasserwirtschaft ist der Erhalt und Schutz seiner natürlichen Gewässer, einschließlich ihrer chemischen und biologischen Qualität. Ziele sind
c eine gute Grundwasserqualität i. S. der Definition der EUWasser-Rahmenrichtlinie und
c eine gute Qualität der Oberflächengewässer i. S. der Definition der EU-Wasser-Rahmenrichtlinie.
1.3 RESSOURCE BODEN
Was den Flächenverbrauch angeht, stellt man fest, dass zwischen 1990 und 2006 (letztes verfügbares Jahr) der Anteil an
nicht bebauten Flächen (landwirtschaftlich genutzte Flächen,
Wälder und Wasserläufe) von 92,3 % auf 87 % des Territoriums zurückgegangen ist. Dies bedeutet einen Rückgang von
etwas mehr als 137 km2 (oder 5,3 % des nationalen Territoriums). Diese 5,3 % setzen sich folgendermaßen zusammen:
a) bebaute Flächen (Wohnungen, Geschäfts- und Industriebauten, Urbanisation): +116 km2, d. h. 4,5 % des Territoriums;
b) Transportinfrastrukturen: +21 km2, d. h. 0,8 % des Territoriums.
Allerdings hat sich das Tempo des Verbrauchs der unbebauten
Flächen durch Bauten und Infrastrukturen in den letzen Jahren gedrosselt. Zwischen 1990 und 2000 sind 11 km2 (oder
0,43 % des Territoriums) pro Jahr unbebaute in bebaute Fläche verwandelt worden. Dies stellt einen täglichen Verbrauch
von 3 ha dar. Zwischen 2000 und 2006 verminderte sich der
Verbrauch pro Jahr auf 4,3 km2 (oder 0,17 % des Territoriums), was einen täglichen Verbrauch von 1,3 ha bedeutet.
Diese Entwicklung lässt sich ebenfalls mit Hilfe der durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate der bebauten Flächen
aufschlüsseln:
c von 1990 bis 2000: durchschnittliche jährliche Wachstumsrate = 4,54 %;
c von 2000 bis 2006: durchschnittliche jährliche Wachstumsrate = 1,35 %;
also eine Zunahme von 4,54 % für die Jahre 1990 bis 2000
gegenüber 1,35 % seit 2000.
Im Altlasten- und Verdachtsflächenkataster Luxemburg sind
landesweit sämtliche bekannten Flächen dokumentiert, bei
denen der Verdacht einer Boden- oder Grundwasserkontamination aufgrund der dort stattfindenden oder stattgefundenen Aktivitäten nicht ausgeschlossen werden kann. Dieser
Kataster beinhaltet 11.636 Altlasten- und Verdachtsflächen.
Qualitätsziel: Schutz der Bodenqualität in Luxemburg durch
standortgerechte Nutzung und Reduzierung der Bodenversiegelung.
1.4 RESSOURCE LUFT
Reduktion von Schadstoffen und Verbote von gefährlichen
Stoffen haben in den letzten Jahrzehnten zu einer verbesserten Luftqualität geführt. Kritisch bleiben jedoch die Emissionen der Stickstoffdioxide (NO2) sowie auch der Feinstaubpartikel (PM10).
Die Messungen der Umweltverwaltung haben erwiesen, dass
die jährlichen Grenzwerte (seit 2005 anzuwenden) der Stickstoffdioxide (NO2) von 50 μg/m3 an den großen Verkehrsknotenpunkten in Luxemburg-Hauptstadt überschritten werden.
An verschiedenen Straßensegmenten um das Stadtzentrum
werden Werte von über 54 μg/m3 gemessen. 2005 wurden
ebenfalls die Grenzwerte von 40 μg/m3 an Feinstaubpartikeln (PM10) überschritten, dies an denselben Knotenpunkten.
Die für das Jahr 2010 determinierten Werte sind niedriger als
jene des Jahres 2005, werden aber die jährlichen Grenzwerte
für Stickstoffdioxide (NO2) von 40 μg/m3, welche für 2010
förderlich sind, überschreiten. Dieser kritische Ausgangspunkt
wird sich verschlechtern in Anbetracht der Ausweitung der
Straßen und Sektoren (auch außerhalb des Stadtzentrums),
in welchen Überschreitungen der Grenzwerte gemessen werden.
799
LUXEMBOURG
200.00
80.0
180.00
μg/m3 NO2
μg/m3 NOx
Impakt der Emissionsquellen an den 2 Messstationen in Luxemburg-Stadt
70.0
160.00
60.0
140.00
trafic routier NOx
50.0
120.00
trafic ferroviaire NOx
centrales d’énergie NOx
100.00
40.0
chauffage urbain NOx
pollution de fond NOx
80.00
30.0
Somme NO2
60.00
20.0
40.00
10.0
20.00
0.00
0.0
2005
2010
Centre (bvd Royal)
2005
2010
Bonnevoie (église)
Der Hauptverursacher der NOx-Emissionen ist der Verkehr.
Man erachtet, dass im Jahre 2010 29.000 Personen auf dem
Gebiet der Stadt Luxemburg und Umgebung NO2-Emissionen,
welche die Grenzwerte überschreiten werden, ausgesetzt sind:
dies mit Folgen für die öffentliche Gesundheit.
Quelle: Administration de l’Environnement
Qualitätsziel ist eine Luftqualität, die weder dem menschlichen Wohlbefinden und der Gesundheit, noch der Gesundheit der Umweltsysteme schadet.
1.5 RESSOURCE MATERIAL
Alles was der Mensch produziert, wird früher oder später zu
Abfall. Materialeffizienz ist deshalb eine Abfallpolitik, die an
der Quelle ansetzt. Vor dem Hindergrund steigender Rohstoffpreise und einer absehbaren Verknappung natürlicher Ressourcen gewinnt dieser Ansatz zusehend an Bedeutung.
Materialeffizienz in der Abfallwirtschaft setzt auf drei Ebenen an:
1) Abfallvermeidung: Dies bedeutet, Produkte so herzustellen, die wenig materialintensiv sind. Es bedeutet aber
auch, Produkte herzustellen, die langlebig, reparierfähig
und wiederverwertbar sind.
2) Abfallverwertung: Effiziente Abfallverwertung und somit
ein verantwortlicher Umgang mit den natürlichen Ressourcen setzt voraus, dass die Materialien so lange
wie
*
möglich im Stoffkreislauf gehalten werden. Dies kann
allerdings nur dann erfolgen, wenn die Qualität der Materialien best- und längstmöglich beibehalten wird. Verschmutzungen und Vermischungen mit anderen Materialien sind zu vermeiden. Eine qualitativ hochwertige und
selektive Erfassung der verschiedenen Materialien so nah
wie möglich am Anfallort ist sicherzustellen.
3) Abfallbeseitigung: Sofern eine stoffliche Verwertung
nicht machbar ist, ist es sinnvoll, die Materialien so weit
aufzubereiten, dass sie einer Beseitigung mit höchstmöglicher energetischer Effizienz unterworfen werden.
Überwiegend an materiellem Wohlstand orientiert haben die
Konsumgewohnheiten allerdings einen Anstieg nicht nur des
Ressourcen- und Flächenverbrauchs, sondern auch der Abfälle
zur Folge.
20086 belief sich die Gesamtabfallproduktion in Luxemburg
auf 9.489.143 t (9.298.168 t nicht gefährlicher Abfall und
190.975 t gefährlicher Abfall). Die Gesamtmenge an Hausmüll beträgt 347.500 t, dies macht eine Hausabfallproduktion von 704 kg pro Einwohner aus.*
Verschiedene Abfall-Kategorien (in Tonnen)
8.299.000 t
50.970 t
104.800 t
18.800 t
79.700 t
133.500 t
263.480 t
Bauschutt
Glas
Papier/Pappe
Plastik
Holz/Baumrinde
Schrott
verseuchter Boden
6 Umweltverwaltung gemäß der statistischen Verordnung über Abfälle
2150/2002/CE
* inklusive Abfallproduktion durch Grenzgänger
11
800
LUXEMBOURG
TEIL 1: WELCHE TENDENZEN STEHEN EINEM NACHHALTIGEN LUXEMBURG ENTGEGEN?
Bezeichnend für die Entwicklung ist das Aufkommen an Verpackungsabfall. Seit dem Abfallwirtschaftsplan des Jahres 2000
haben die Quoten der Wiederverwertung und der Aufwertung
(% gewichtsmäßig) der Verpackungsabfälle wie folgt variiert:
Verpackungsabfälle in Luxemburg, 2003-2008
Verpackungsmaterial
(1)
2003
2004
2005
2006
2007
2008
Glas
90,4
93,5
91,5
92,8
92,1
92,2
Papier/Pappe (1)
63,4
64,5
69,3
71,6
70,6
77,6
(1)
23,5
34,5
29,6
31,8
38,7
29,7
Metalle (1)
69,8
66,4
63,3
78,2
79,8
79,4
(1)
-
-
52,8
31,1
31,1
19,2
(3)
92,5
92,0
93,7
Plastik
Holz
Total
(2)
86,7
(3)
90,6
Erklärungen
ieder erwertungssatz der erschiedenen Materialien, 2
ab älle in Einrichtungen mit Energierückgewinnung einbegriffen
(3)
88,1
ieder erwertungssatz, 3
Luxemburg hat bereits 2007 jene Ziele für Wiederverwertung
und Verpackungsverwertung, welche aufgrund europäischer
Direktiven für den 31. Dezember 2008 zu erreichen sind, erreicht. Jedoch muss man eine negative Tendenz in Bezug auf
die Gesamtmenge des Abfalls aus Verpackungen feststellen.
Bei der Vergleichsanalyse der Haushaltsrestabfälle durch
die Umweltverwaltung wurde festgestellt, dass der Anteil an
Plastik von 44,22 kg/Einwohner in den Jahren 2004-05 auf
37,64 kg/Einwohner gesunken ist. Dies stellt eine Minderung
von -6,58 kg pro Einwohner dar. Eine andere Abfallart, die
eine rasante Entwicklung kennt, sind die elektrischen und
elektronischen Abfälle. Der jährliche Durchschnittsatz an eingesammeltem elektrischem und elektronischem Abfall durch
Haushalte liegt bei 8,37 kg/Einwohner. Luxemburg liegt so
mit der Schweiz und Norwegen an der Spitze.
ieder erwertungssatz, Verbrennung der Verpackungs
Eine weitere alarmierende Entwicklung ist jene des Aufkommens von Bauschutt. So sind im Jahre 2007 6.218.922 t
Bauschutt abgelagert worden. Dies sind 13,06 t/Einwohner
und stellt ein Anwachsen von 27,7 %, verglichen mit 2006,
dar. Insgesamt stellen diese Mengen ein Volumen von rund
3,5 Mio. m3 dar. Die Ablagerung dieser Abfallart stellt somit
einen erhöhten Flächenverbrauch dar. Nimmt man sämtliche
Formen der Wiederverwertung von Bauschutt in Betracht (Benutzung für Erddämme, Geländeaufschüttungen, Brechen zur
Herstellung von Verfüll- und Unterbaumaterial), liegt die Verwertungsquote insgesamt bei 46 %.
Qualitätsziel im Bereich Material ist langfristig eine Dematerialisierung von Produktion und Konsum mit der Folge geringerer Transportvolumina und Abfallmengen.
1.6 NACHHALTIGKEIT VON KONSUM UND PRODUKTION
Biologische Landwirtschaftsprodukte zu kaufen bedeutet, besonders etwas für seine Gesundheit zu tun sowie die Umwelt
und das Klima verstärkt zu schützen. Regionale Produkte zu
erwerben heißt, weniger Verkehrsbelastung zu erzeugen sowie Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft im ländlichen Raum
sichern. Waren aus fairem Handel zu kaufen heißt, globale
Verantwortung zu übernehmen und die Armut zu bekämpfen.
Zur Förderung nachhaltigen Konsumierens und Produzierens
gehören die Verbesserung der Umwelt- und Sozialverträglichkeit von Produkten und Prozessen und die Förderung ihrer Übernahme durch Wirtschaft und öffentliche wie private
Verbraucher.
Haushaltskonsum: Da der Konsum der Haushalte im Wesentlichen in nur drei Bereichen umweltrelevant ist (Bauen und
Wohnen, Mobilität, Ernährung), genießen diese Priorität.
Der Flächenverbrauch durch die menschlichen Aktivitäten,
insbesondere aber den Wohnraum, beinhaltet eine wichtige
12
Herausforderung für die nachhaltige Entwicklung des Territoriums, da der Boden eine wesentliche, aber begrenzte Ressource darstellt. Seit den 1970er Jahren – ausgehend von 135 m2
– hat sich in Luxemburg die durchschnittliche Wohnfläche
der Einfamilienhäuser konstant vergrößert. Für den Zeitraum
2000-2004 waren es 178 m2 und im Jahre 2005 187 m2. Die
durchschnittliche Wohnfläche der Wohnungen in Mehrfamilienhäusern hat sich jedoch nicht in diesem Maße entwickelt.
Bei 83 m2 für den Zeitraum 2000-2004 und 85 m2 für 2005
bleibt die Wohnfläche pro Wohneinheit in derselben Größenordnung wie in den 70er Jahren mit 82 m2.7 In Luxemburg
werden die vorhandenen Bauflächen sehr extensiv genutzt.
Auf Landesebene werden für die Erstehung einer Wohnung
528 m2 benutzt, dies stellt eine Wohndichte von 19 Einheiten
pro ha dar. Der Flächenverbrauch für Wohnungen zwischen
1997 und 2004 ergibt insgesamt 926 ha, mit dem korrespon7 Bulletin du STATEC No10 - 2007
801
LUXEMBOURG
dierenden Bedarf für Straßen und öffentliche Plätze waren es
1030 ha.8 Außer dem Verbrauch der Ressource Boden muss in
diesem Kontext ebenfalls der Energieverbrauch in Erwägung
gezogen werden.
Luxemburg benötigt derzeit etwa das Doppelte seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche (125.000 ha, davon ca. 65.000 ha
Dauergrünland), um die Bevölkerung zu ernähren. 2007 hat
Luxemburg aus seiner Landwirtschaft folgende Selbstversorgungsgrade erreicht: Milch und Frischprodukte: 66,6 %,
Butter: 69,9 %, Käse: 38,9 %, Rind- und Kalbfleisch: 86,0 %,
Schweinefleisch: 68,5 %, Eier: 29,3 %, Geflügelfleisch: 0,5 %,
Wein: ca. 50 %, Getreide: 97 %, Kartoffeln: 39,2 %, Obst und
Gemüse: unter 1 %.9 Für alle anderen Agrarprodukte liegen
wegen marginaler oder fehlender Produktion keine genauen
Daten zum Anteil der lokalen Produktion am Verbrauch vor.
Diese hohe Inanspruchnahme von landwirtschaftlicher Nutzfläche liegt vor allem am intensiven Konsum von tierischen
Nahrungsmitteln (Fleischkonsum von 92,8 kg/Einwohner im
Jahre 2007).*
8 La note de l’Observatoire de l’Habitat No7, La consommation foncière au
Luxembourg entre 1997 et 2004
9 Die Zahlen sind nach den bestehenden statistischen Regeln betreffend die
Produktion, die Einfuhr und die Ausfuhr von Nahrungsmitteln erstellt. Sie
tragen nicht der Tatsache Rechnung, dass ein hoher Anteil der Luxemburger
Rohmilch und an Schlachttieren ins nahe Ausland zwecks Verarbeitung exportiert werden.
* Diese Zahl beinhaltet den Fleischkonsum durch Grenzgänger.
Luxemburg liegt im weltweiten Pro-Kopf-Verbrauch bei FairTrade-Produkten auf Rang 4 hinter der Schweiz, Großbritannien und Dänemark.
Nachhaltiger Konsum der Haushalte braucht Information und
die Überzeugtheit der Konsument/innen, eine positive Bewertung durch die Gesellschaft (die wiederum durch Erziehung
und Bewusstseinsbildung befördert werden müssen) und die
Verfügbarkeit besserer Alternativen. Die Information zu nachhaltigen Konsum muss zielgruppenspezifisch angelegt sein.
Staatskonsum kann in den Bereichen Gesundheit, Bildung
und Sicherheit umweltrelevant sein (die soziale Nachhaltigkeit der erstellten Dienstleistungen wird in den entsprechenden Teilen dieses Plans beschrieben). Als einer der großen
Nachfrager kann die öffentliche Hand Angebote stimulieren
und Märkte in Richtung sozial-ökologische Nachhaltigkeit beeinflussen.
c Erstes Ziel ist es, das Bewusstsein der Konsument/innen
zu fördern und vom Wissen zum Handeln zu kommen.
c Zweites Ziel ist es, nachhaltigen Konsum als Selbstverständlichkeit, gegen die gute Bürger/innen nicht verstoßen, im allgemeinen Verhaltenskodex der Einwohner zu
verankern.
c Drittes Ziel ist es, die bequeme Verfügbarkeit eines vielfältigen Angebots nachhaltig hergestellter Produkte und
Dienstleistungen in Luxemburg zu sichern.
2. Zu hoher Flächenverbrauch:
BodenübernutzungXQG=HUVWFNHOXQJ
der LandschaftenPLWQHJDWLYHQ
:LUNXQJHQDXI/DQGVFKDIWXQG(UKROXQJ
*UXQGZDVVHUXQGELRORJLVFKH9LHOIDOW
Luxemburg hat sich in den letzten 20 Jahren sehr dynamisch
entwickelt und als wirtschaftlicher Motor der Großregion etabliert. Eng gekoppelt an das Wirtschaftswachstum sind der
hohe Zuwachs an Arbeitsplätzen und Einwohnern infolge Einwanderung sowie die immer enger werdenden Verflechtungen mit den Grenzregionen über die stetig wachsende Zahl
der Grenzgänger. Aus räumlicher Sicht hat der wirtschaftliche
Strukturwandel in einem hohen Maße auch die Raumstruktur
und die Flächeninanspruchnahme in Luxemburg bestimmt,
welche in den letzten 20 Jahren sprunghaft angestiegen ist
und jetzt grob bei ca. 1,3 ha Versiegelung pro Tag liegt.
Über den eigentlichen Flächenbedarf hinaus hat sich auch
die Raumstruktur u. a. über die zunehmend zu beobachtende
Funktionstrennung und Spezialisierung der Flächen grundlegend verändert, z. B. über die Entwicklung großflächiger
und wenig dicht bebauter Aktivitätszonen. Heute sind über
50 % aller Arbeitsplätze in der Stadt Luxemburg und den direkt umliegenden Gemeinden angesiedelt, während sich die
Wohnsitze in die Peripherie der Agglomerationen und den
ländlichen Raum verlagert haben. Eine unzureichende interkommunale Koordination der Baulandausweisung und der
explosionsartige Anstieg der Wohnbaupreise sind Faktoren,
die diese Entwicklung unterstützen und weiter beschleunigen.
Auch wenn die Preisentwicklung mittlerweile vielerorts indirekt zu einer dichteren Bauweise beiträgt, muss ebenso auf
die räumlichen Konflikte hingewiesen werden, die vielerorts
13
802
LUXEMBOURG
TEIL 1: WELCHE TENDENZEN STEHEN EINEM NACHHALTIGEN LUXEMBURG ENTGEGEN?
hieraus resultieren. Dies betrifft insbesondere den ländlichen
Raum, der sich durch nicht an die ländlichen Gegebenheiten
und Maßstäbe angepasste Bauweisen strukturell ungünstig
verändert. Das gilt auch, wenn hohe Siedlungskonzentrationen an Standorten entstehen, die qualitativ nur unbefriedigend über einen dauerhaft konkurrenzfähigen ÖV erschlossen
werden können. Eine solche Entwicklung riskiert auf Dauer,
den Individualverkehr überproportional zu fördern und letztlich über den Ausbau von Verkehrsinfrastrukturen die Landschaft, welche heute bereits stark fragmentiert ist, weiter zu
zerschneiden, mit negativen Folgen für Landschaftsqualität,
andere Nutzungen und die biologische Vielfalt.
Aufgrund der langfristigen Stabilität und teilweise sogar Irreversibilität von räumlichen Strukturen und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Fläche eine begrenzte und nicht
erneuerbare Ressource darstellt, soll den räumlichen Belangen in Zukunft eine größere Bedeutung in allen Politikfeldern
zukommen.
Luxemburg verfügt mit dem Integrativen Verkehrs- und Landesentwicklungskonzept (IVL) von 2004 über einen ehrgeizigen Rahmen der Raum- und Regionalentwicklung, dessen
schrittweise Umsetzung auch den Zielen der nachhaltigen
Entwicklung Luxemburgs dient.
Umwelt- und Lebensqualitätsziel für Luxemburg ist eine
nachhaltige Entwicklung der Raumstruktur, sowie nachhaltiges Bauen, gestützt durch die Förderung von nachhaltigem Konsumieren und Produzieren, wobei eine soziale und
wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der Trägfähigkeit der
Ökosysteme und die Entkoppelung von Wirtschaftwachstum und Umweltbeeinträchtigungen angestrebt wird.
8QJHEUHPVWH.OLPDlQGHUXQJYRUDOOHP
GXUFKZDFKVHQGHQ(QHUJLHYHUEUDXFK
Der Kampf gegen den Klimawandel ist eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Die Durchschnittstemperatur in Europa ist in den letzten 150 Jahren um 0,9°C
gestiegen. Laut IPCC (Intergovernmental Panel on Climate
Change) ist der größte Teil der Erderwärmung in den letzen
50 Jahren dem Menschen und seinen Aktivitäten zuzuordnen.
Bis 2100 ist ohne Gegensteuern eine Erderwärmung von 1,8
bis 4,0°C zu erwarten, mit verheerenden weltweiten Folgen
für Natur und Menschen; mit Rekordregen und verheerenden Überschwemmungen, Hitzewellen, Trockenperioden und
Wasserknappheit mit Auswirkungen auf Gesundheit und Ansteigen des Meeresspiegels um 18 bis 59 cm. Ein Schmelzen
bzw. Abrutschen des Eises in Grönland und in der West-Antarktis noch in diesem Jahrhundert ist nicht auszuschließen;
es würde im Ernstfall den Meeresspiegel um 7 bzw. über 20 m
ansteigen lassen.
Zusätzlich zu den negativen Folgen für Mensch und Natur sind
die Kosten der Klimaänderung hervorzuheben. Laut SternBericht würden die Kosten der Tatenlosigkeit für die Weltwirtschaft auf 5-20 % des weltweiten BIP geschätzt. Alleine die
in Europa durch Überschwemmungen verursachten Schäden
könnten auf 150 Mrd. US$ pro Jahr steigen (laut einer Schätzung der Association of British Insurers). Andererseits sollte
hervorgehoben werden, dass – laut IPCC-Bericht und SternReport – die geschätzten gesamtwirtschaftlichen Kosten einer
Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration weitaus geringer ausfallen (Reduzierung der durchschnittlichen jährlichen
BIP-Zuwachsraten um etwa 0,12 %). Trotz des zum Teil unwiderruflichen Charakters der Klimaänderung ist es möglich, die
Auswirkungen zu begrenzen, wenn innerhalb der nächsten
Jahre Klimaschutzmaßnahmen konsequent umgesetzt werden. Das IPCC ist der Meinung, dass – um die potentiellen
Gefahren des Klimawandels zu begrenzen – der Anstieg der
globalen Durchschnittstemperatur 2°C nicht überschreiten
darf; so wird z. B. das Abschmelzen des Grönlandeises ab
1,9°C erwartet. Auch deshalb hat sich die EU das Ziel einer
Begrenzung auf 2°C zu eigen gemacht. Dies erfordert ein
deutliches Umsteuern, wie das business as usual Szenario im
„World Energy Outlook“ der IEA (International Energy Agency)
zeigt. Es prognostiziert einen Anstieg der Energienachfrage
um mehr als 50 % bis 2030, und eine Erdölabhängigkeit des
Transportsektors von 95 %. Die IEA sieht zu Recht ein solches
Szenario als gänzlich inakzeptabel an. Diese Szenarien zeigen,
dass die wirtschaftlichen Kosten unseres Handelns im Klimaschutz beträchtlich geringer sein werden als jene, die sich aus
unserer Untätigkeit ergeben würden. Energieeffizienz wird so
in nächster Zukunft zu einem Schlüsselparameter auch der
wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit.
Zwischen 1990 und 1998 erfolgte in Luxemburg ein Rückgang der Treibhausgasemissionen, überwiegend durch die
Umstrukturierung der Stahlindustrie. 2005 waren die Emissionen jedoch auf demselben Stand wie 1990 (13,26 Mio. t
CO2-Äquivalent). Der Anstieg war überwiegend verkehrsbedingt. Auf der Grundlage des Kyoto-Protokolls hat Luxemburg
in der innereuropäischen Burden-Sharing-Vereinbarung seine
Bereitschaft erklärt, die Emissionen in der Periode 2008-2012
auf 72 % des 1990er Niveaus zu senken. Dies bedeutet, dass
Luxemburg in der Referenzperiode 2008-2012 9,48 Mio. t
803
LUXEMBOURG
CO2-Äquivalent erzeugen darf. Dies erfordert u. a. eine Energiepolitik im Einklang mit den Zielen der Versorgungssicherheit, der Wettbewerbsfähigkeit und der ökologischen Nachhaltigkeit und eine Klimaschutzpolitik, wie sie vom Partenariat
für Klima und Umwelt entwickelt wird.
Umwelt- und Lebensqualitätsziel für Luxemburg im Bereich
Klimawandel ist ein eigener Beitrag zur Begrenzung der
Klimaänderung auf 2° C durch Reduktion der Treibhausgasemissionen sowie eine Begrenzung ihrer Wirkungen auf
Gesellschaft und Umwelt („mitigation and adaptation“)
und deren Kosten. Zur Verringerung („mitigation“) gehört
es, die Energieeffizienz zu erhöhen und fossile Energie durch
erneuerbare Energien zu ersetzen.
$QKDOWHQGH=XQDKPHGHV7UDQVSRUWVPLW
QHJDWLYHQ)ROJHQIU.OLPD(QHUJLH
XQG)OlFKHQYHUEUDXFKVRZLHIUGLH
9HUNHKUVVLFKHUKHLW
1RWZHQGLJNHLWHLQHU
(QWNRSSHOXQJYRQ:LUWVFKDIWVHQWZLFNOXQJ
XQG9HUNHKUVQDFKIUDJH
Der Anstieg der Luxemburger CO2-Emissionen ist größtenteils auf die Steigerung der Emissionen im Verkehrssektor
zurückzuführen (2,59 Mio. t in 1990 – 3,87 Mio. t in 1998 –
7,15 Mio. t in 2005). Im Zeitraum 1985-2004 betrug das Wirtschaftswachstum in Luxemburg durchschnittlich 5 %, wobei
es für das Jahr 2006 bei 6 % lag. Damit nimmt Luxemburg
weiterhin eine Spitzenposition im europäischen Vergleich
ein. Dieses anhaltende Wirtschaftwachstum, welches einem
jährlichen Anstieg der Arbeitsplätze um ungefähr 10.000 Einheiten gleichkommt, stellt sowohl die nationale, regionale
und lokale Landesentwicklungsplanung (s. Abschnitt 2, Flächennutzung) als auch die Verkehrsplanung vor bedeutende
Herausforderungen. Aus der monozentrischen Aufteilung der
Arbeitsplätze resultiert ein starkes Verkehrsaufkommen zwischen dem urbanen und dem ländlichen Raum.
Die neu geschaffenen Arbeitsplätze werden mehrheitlich und
weiter zunehmend von Grenzgängern belegt, deren Anzahl
mit einem jährlichen Wachstum von knapp 9.000 Einheiten
im Jahr 2007 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Diese Entwicklung, die zu Beginn der 90er Jahre ihren Anfang
hatte, hat sich in den letzten Jahren zusehends verstärkt und
hat zu mittlerweile 140.000 Grenzgängern geführt. Ihre täglichen Fahrten zwischen Arbeitsplatz und Wohnsitz bestehen
größtenteils aus direkten IV-Fahrten (85 %), und die durchschnittliche Länge der vom Grenzgänger im Pkw zurückgelegten Fahrten beträgt 43 km, das Dreifache der Länge des vom
durchschnittlichen Einwohner zurückgelegten Weges. Auch
deshalb ist das Verkehrsaufkommen im Personennahverkehr
von 1999 bis 2002 von 4 Mrd. auf 5,25 Mrd. Personenkilometer gestiegen.
Bedingt durch den hohen Lebensstandard, die Lage im Herzen
eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Europas und den
regen Austausch mit den Nachbarländern verfügt Luxemburg
über eine überdurchschnittliche Intensität im Bereich des Personentransports. Der Motorisierungsgrad der Bevölkerung ist
zwischen 1990 und 2006 von 220.000 auf 376.000 Kraftfahrzeuge angewachsen und stellt damit den höchsten in Europa
(EU25) dar. Im Vergleich dazu stellt der Modal-Split-Anteil des
öffentlichen Verkehrs bei inländischen Fahrten 16 % dar, was
einen gesamten (national und grenzüberschreitend) Modal
Split von 12 % im Referenzjahr 2002 ergibt. Diese Entwicklung
zeigt, dass das wirtschaftliche Wachstum in Luxemburg eng
mit dem Zuwachs des Verkehrsaufkommens verbunden ist
Die Entkoppelung von Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung (einschließlich Grenzgänger) einerseits und Verkehrslasten andererseits stellt eine große Herausforderung für die
Nachhaltigkeit Luxemburgs dar. Eine Lösung wird vom Ausbau
einer umweltgerechten Transportinfrastruktur sowie einer effizienten landesplanerischen Entwicklung abhängen.
Schätzungsweise 75 % des in Luxemburg verkauften Treibstoffs werden exportiert. Die im Ausland entstehenden Emissionen des Treibstoffexports weisen eine besondere Dynamik
auf. Sie machten 1990 knapp 15 % und im Jahre 2004 bereits
rund 41 % der Luxemburg insgesamt zugerechneten Emissionen aus; in der Referenzprognose (ohne weitere Maßnahmen) wird dieser Anteil bis 2012 auf 46 % steigen. Der Faktor
Tanktourismus – der für die Gesamtbilanz entscheidend ist –
kann nur reduziert werden, wenn die Preise denen der Nachbarländer angeglichen werden. Dies wird jedoch erhebliche
finanzielle Einbußen für Luxemburg mit sich bringen und kann
deshalb nur schrittweise umgesetzt werden.
804
LUXEMBOURG
TEIL 1: WELCHE TENDENZEN STEHEN EINEM NACHHALTIGEN LUXEMBURG ENTGEGEN?
Fortschritte sind in Bezug auf die Verkehrssicherheit zu registrieren. Waren im Jahr 2001 69 Verkehrstote zu beklagen, ist
2007 diese Zahl auf 41 gesunken.
Eine Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Verkehrsnachfrage ist die Kernaufgabe des Klimaschutzes in Luxemburg. Sie ist zudem nicht nur ökologisch, sondern auch sozial
notwendig. Das Ziel ist eine Reduzierung von Verkehrsschäden, von Abgasemissionen über Flächenverbrauch für Inf-
rastruktur bis hin zur Verringerung der Zahl der Unfallopfer
und Lärmschutz für die Bürger/innen. Dazu dient auch die
Ausrichtung der Stadtentwicklung am bestehenden und
künftigen Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel. Weitere Beiträge bieten die (auch räumliche) Diversifizierung der
Wirtschaft und die weiter verbesserte Abstimmung von Industrie- und Wirtschaftsstrukturpolitik, Siedlungs- und Verkehrspolitik in der Großregion.
3UHNDULVLHUXQJGHU%HY|ONHUXQJ
Der auf dem Europäischen Rat von Laeken im Dezember 2001
angenommene Indikator „Armutsgefährdungsquote“ ist ein
wesentlicher Bestandteil der ergebnisorientierten Überwachung der Fortschritte der Mitgliedstaaten bei der Verwirklichung der gemeinsamen Ziele im Bereich Sozialschutz und
soziale Eingliederung. Die Armutsgefährdungsquote wird
definiert als Anteil von Personen mit einem verfügbaren
Haushalts-Äquivalenzeinkommen unterhalb der Schwelle für
Armutsgefährdung, die mit 60 % des verfügbaren nationalen
medianen Äquivalenzeinkommens angesetzt ist10. Aus den
letzten diesbezüglich für Luxemburg verfügbaren Daten11 ergibt sich folgendes Bild:
Der nationale Schwellenwert für Armutsgefährdung lag im
Jahr 2008 bei 1.546 EUR/monatlich für einen Einpersonenhaushalt und bei 3.246 EUR/monatlich für einen Haushalt
mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren;
c der armutsgefährdete Bevölkerungsanteil betrug 2008
insgesamt 13,4 %;
c zu den Haushaltstypen, die dem Armutsrisiko in besonderem Maße ausgesetzt sind, gehören:
- Einpersonenhaushalte (Alter unter 64): 17 % ;
10 Da ein diesen Schwellenwert unterschreitendes Einkommen weder als notwendige noch als hinreichende Voraussetzung für Armut gilt, wird im Titel hier
der Begriff „Prekarität“ benutzt.
11 Quelle: STATEC, Rapport ‘Travail et Cohésion sociale 2009’, veröffentlicht im
Oktober 2009 http://www.statistiques.public.lu/fr/publications/series/cahiersEconomiques/2009/109_cohesion_sociale/109_cohesion_sociale.pdf
- zwei Erwachsene mit drei oder mehr abhängigen Kindern: 25 %;
- Alleinerziehende mit einem oder mehreren abhängigen
Kindern: 44 %.12
Laut STATEC erlauben die statistischen Irrtumsmargen bei der
Messung der Armutsgefährdungsquoten keine statistisch gestützte Bewertung der Entwicklung zwischen 2007 (13,5 %) und
2008 (13,4 %)13. Da zu den Voraussetzungen einer nachhaltigen Entwicklung jedoch das Wohlergehen aller Gesellschaftsmitglieder gehört, muss die Armutsgefährdungsquote an sich
Anlass zu entgegenwirkendem politischen Handeln sein.
Ziel ist es, Vollbeschäftigung in Luxemburg zu sichern, Prekarisierung zu vermeiden bzw. zu vermindern, und zur Sicherung eines menschenwürdigen Lebens den Zugang zu
Sozialschutz sowie dessen Gerechtigkeit und Wirksamkeit
zu garantieren. Dieser Anspruch gilt für Männer und Frauen, für Heranwachsende, Erwachsene und Ältere in gleicher
Weise. Er ist nicht mit einer Verpflichtung zu lebenslanger
Erwerbsarbeit zu verwechseln, oder mit einer Arbeitslosenquote von null Prozent. So muss allen Arbeitsuchenden die
Möglichkeit gegeben werden, die Art von Arbeit zu finden,
die sie suchen. Dies setzt eine diversifizierte Wirtschaft voraus, die für unterschiedliche Begabungen und Qualifikationen geeignete Arbeitsplätze anbietet.
12 Hinweis: Die Aussagefähigkeit der angegebenen Werte ist durch die sehr
geringen statistischen Stichproben beeinträchtigt.
13 Die Irrtumsmargen sind (12,438 , 14,498) bzw. (12,360 , 14,438). Quelle: vgl.
Fußnote 11
*HIlKUGXQJGHV=XVDPPHQKDOWVGHU
Gesellschaft VR]LDOH.RKlVLRQ
Angesichts einer besonders durch Zuwanderung wachsenden
Bevölkerung und der Überalterung der einheimischen Bevölkerung wird das Großherzogtum Luxemburg in Zukunft weiter auf
16
Tausende nicht-einheimische Arbeitskräfte zurückgreifen müssen, um seine blühende Wirtschaft und einen in Europa außergewöhnlichen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. In den letz-
805
LUXEMBOURG
ten Jahren hat die Zahl der Arbeitsplätze um rund 3 % jährlich
zugenommen. Die neu geschaffenen Arbeitsplätze sind vor allem hoch qualifizierte Jobs. Bedingt durch den hohen Zuwachs
an Arbeitsplätzen vermag der Luxemburger Arbeitsmarkt nicht
mehr genügend qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung zu
stellen; sie werden von qualifizierten Pendlern besetzt.
Eine Aufgabe einer nachhaltigen Sozial- und Bildungspolitik
ist es, diese Diskrepanzen näher zu analysieren und einerseits
wo möglich durch geeignete Aus- und Fortbildungsmaßnahmen die Arbeitsplatzchancen der einheimischen Bevölkerung
zu verbessern. Andererseits ist es Aufgabe einer nachhaltigen
Wirtschaftsstrukturpolitik, dazu beizutragen, dass durch die
wirtschaftliche Diversifizierung das Spektrum verfügbarer
Arbeitsplätze so breit ist, dass Einwohner unterschiedlichster
Begabung einen angemessenen Arbeitsplatz finden können.
Finanzen
Gleichzeitig ergibt sich eine spezifisch luxemburgische Finanzsituation: Da die ausländischen Arbeitskräfte dort ausgebildet
worden sind und meist das Pensionsalter noch nicht erreicht
haben, zahlen sie heute netto erhebliche Summen in die
sozialen Sicherungssysteme, da sie kaum Ausbildungs- und
Pensionskosten verursachen. Das wird sich aber in der Zukunft
ändern: Zum einen werden dann Pensionen fällig, und für die
nach Luxemburg zugezogenen Personen werden Infrastrukturen und Bildungseinrichtungen für ihre Kinder benötigt. Für
Grenzgänger/innen fallen dann erhebliche Folgekosten durch
insbesondere ins Ausland transferierte Pensionsansprüche
an, die nicht als kaufkräftige Nachfrage der Luxemburger
Wirtschaft zu Gute kommen.
Ältere
Ab 2020 wird die Alterung der Bevölkerung die Ausgaben des
Pensionssystems kräftig ansteigen lassen. Die Reserven im
Pensionsfonds, die heute bei über 25 % des BIP liegen, werden bis 2020 auf 40 % des BIP ansteigen, um dann aufgrund
der kontinuierlich ansteigenden Ausgabenlast um 2035 dahinzuschmelzen.14 Die Langzeitarbeitslosigkeit (35 % der gemeldeten Arbeitslosen sind länger als 12 Monate als arbeitslos
gemeldet) ist einerseits durch einen hohen Anteil an Personen
mit begrenztem Erziehungsniveau (40 %), anderseits durch
einen hohen Anteil von älteren Arbeitsuchenden (annähernd
57 %) gekennzeichnet (Quelle: Ministère du Travail, rapport
d’activités 2007). Ein Großteil dieser älteren Arbeitsuchenden
weist eine begrenzte Arbeitsfähigkeit auf, so dass für sie die
Wiedereingliederung auf dem offenen Arbeitsmarkt im Augenblick als sehr langsam oder gar unmöglich einzustufen ist.
14 Bilan technique de la période de couverture 1999-2005, IGSS
Jugendliche
Die soziale Kohäsion kann auch durch Schwierigkeiten im
Bereich der Jugendbeschäftigung gefährdet werden. Zwischen Januar 2007 und Januar 2008 hat sich die Zahl der
Jugendlichen, die beim Arbeitsamt (ADEM) eingeschrieben
waren, positiv entwickelt: Sie ist von 2209 auf 1874 Personen
zurückgegangen, also um 335 Einheiten. Dennoch bestehen
gewisse Herausforderungen im Bereich der Jugendbeschäftigungspolitik, da auf dem Luxemburger Arbeitsmarkt eine
strukturelle Arbeitslosigkeit herrscht, welche unter anderem
auf eine mangelhafte Anpassung der Qualifikationen der
Arbeitnehmer an die Anforderungen der Arbeitgeber zurückzuführen ist. So belegen die Statistiken, dass 56 % der neu
geschaffenen Arbeitsplätze einen Bildungsgrad BAC+ erfordern. Jedoch hat mehr als die Hälfte der beim Arbeitsamt
eingeschriebenen Personen nur eine Grundschulausbildung
aufzuweisen, und diejenigen Arbeitsuchenden, welche eine
Hochschulausbildung begonnen haben, sind in den meisten
Fällen Studienabbrecher.
Bevölkerung
Die heutige Situation stellt sich folgendermaßen dar: Bei einer
Gesamtzahl von 476.000 Einwohnern ist der Anteil der ansässigen Ausländer auf über 41 % gewachsen, Tendenz steigend.
In der Hauptstadt leben mittlerweile über 62 % Ausländer;
während der Bürostunden sinkt der Anteil der Luxemburger,
bedingt durch den hohen Anteil der Pendler, auf unter 30 %.
Die Situation des Luxemburger Arbeitsmarkts, bedingt durch
den genannten hohen Anteil der Pendler und im Land ansässiger Ausländer, ist wohl in diesem Ausmaß einzigartig in
Europa. Ingesamt gibt es in Luxemburg 348.000 Arbeitsplätze15. Davon werden allein 43 % durch Grenzgänger aus Frankreich, Belgien und Deutschland besetzt, sowie 26 % von den
im Land ansässigen Nicht-Luxemburgern. Lediglich 31 % der
Arbeitsplätze werden durch Luxemburger besetzt. Der Arbeitsmarkt übersteigt also in erheblichem Maße die in Luxemburg
zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte.
Betrachtet man nur die Arbeitskräfte in der Privatwirtschaft,
dann sinkt der Anteil der Luxemburger von 31 % in der Gesamtwirtschaft auf 20 % in der Privatwirtschaft, da der öffentliche Dienst mehrheitlich zu 90 % durch Luxemburger besetzt
ist. Nichtsdestotrotz arbeiten etwa 66 % der Luxemburger in
der Privatwirtschaft.
Die Auswirkungen dieser atypischen Situation und der spezifischen Herausforderungen, die sich davon ableiten, haben
erhebliche Auswirkungen auf die Bewertung der Nachhaltigkeitsstrategie in Luxemburg.
15 Source : Statec, données Emploi et chômage. Emploi total intérieur du mois
de mars 2008.
17
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LUXEMBOURG
TEIL 1: WELCHE TENDENZEN STEHEN EINEM NACHHALTIGEN LUXEMBURG ENTGEGEN?
Kohäsion
Mittl …
Explication IA à partir du texte officiel de la loi. Indicatif, ne remplace pas un conseil juridique.