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{'item': 'W182 2113223-1'}

Obsah (10)§ 3Art. 133§ 8§ 52§ 9§ 58§ 55§ 6§ 17Art. 130

RIS Dokument GerichtBVwG Entscheidungsdatum07.04.2017 GeschäftszahlW182 2113223-1 SpruchW182 2113223-1/15E IM NAMEN DER REPUBLIK! Das Bundesverwaltungsgericht hat durch den Richter Mag. PFEILER über d

§ 3Abs.

1A) Der Beschwerde wird stattgegeben und römisch 40

Paragraph 3, Absatz eins Asylgesetz 2005 (AsylG 2005), BGBl. I Nr. 100/2005 idgF, der Status der Asylberechtigten zuerkannt.

§ 3Abs. 5 Asyl

G 2005 idgF wird festgestellt, dass XXXX damit kraft Gesetzes die Flüchtlingseigenschaft zukommt.Asylgesetz 2005 (AsylG 2005), Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 100 aus 2005, idgF, der Status der Asylberechtigten zuerkannt.

Paragraph 3, Absatz 5, AsylG 2005 idgF wird festgestellt, dass römisch 40 damit kraft Gesetzes die Flüchtlingseigenschaft zukommt. B) Die Revision ist

Art. 133Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz

B) Die Revision ist

Artikel 133, Absatz 4, Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG), BGBl. Nr. 1/1930 idg

F, nicht zulässig.(B-VG), Bundesgesetzblatt Nr. 1 aus 1930, idgF, nicht zulässig. . TextENTSCHEIDUNGSGRÜNDE: I. Verfahrensgang:römisch eins. Verfahrensgang: 1.

  1. Die Beschwerdeführerin (im Folgenden: BF) ist staatenlos, gehört der arabischen Volksgruppe an, ist in XXXX (Saudi-Arabien) geboren, reiste mit ihren Eltern im September 2014 legal ins Bundesgebiet ein und in weiterer Folge nach Schweden weiter, wo sie einen Asylantrag gestellt hat und am 11.12.2014 nach Österreich rücküberstellt wurde. Am 11.12.2014 stellte die BF in Österreich einen Antrag auf internationalen Schutz.1.
  2. Die Beschwerdeführerin (im Folgenden: BF) ist staatenlos, gehört der arabischen Volksgruppe an, ist in römisch 40 (Saudi-Arabien) geboren, reiste mit ihren Eltern im September 2014 legal ins Bundesgebiet ein und in weiterer Folge nach Schweden weiter, wo sie einen Asylantrag gestellt hat und am 11.12.2014 nach Österreich rücküberstellt wurde. Am 11.12.2014 stellte die BF in Österreich einen Antrag auf internationalen Schutz. In einer Erstbefragung durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes am 12.12.2014 sowie einer Einvernahme beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (im Folgenden: Bundesamt) am 23.03.2015 brachte die BF als Fluchtgrund im Wesentlichen vor, dass sie als Palästinenserin seit ihrer Geburt in Saudi Arabien niedergelassen sei. Sie sei Christin geworden und habe deswegen Probleme mit den saudischen Behörden, ihrem Bruder und ihrer Schwester. Zudem habe sie in Saudi-Arabien als Frau keine Rechte, sie dürfe nicht einmal Autofahren, könne sich als Frau auf der Straße nicht frei bewegen und werde gezwungen, ihren Kopf zu verschleiern. Die saudischen Behörden hätten nicht erfahren, dass die BF konvertiert sei. Wenn sie es erfahren hätten, wäre sie getötet worden. Die BF habe immer in Saudi-Arabien gelebt und sei von 2008 bis 2012 in Österreich gewesen, wo sie internationale Beziehungen, Deutsch, Geschichte und Englisch studiert habe. Ein Professor an der Uni habe ihr Interesse für das Christentum geweckt. Die BF sei jeden Sonntag in die Kirche gegangen. Als der Professor nach Amerika gegangen sei, habe die BF über Facebook Kontakt mit ihm gehabt. Im April 2012 sei die BF aus finanziellen Gründen gezwungen gewesen, ihr Studium zu beenden und nach Saudi-Arabien zurückzukehren. Ende 2013 habe sich die BF in Saudi-Arabien dazu entschieden, zum Christentum zu konvertieren. Sie habe nach Österreich kommen wollen, um Christin zu werden, wobei ihr der Professor gesagt habe, dass er im Mai 2014 von Amerika nach Österreich zurückkehren werde. Im April 2014 sei der Professor jedoch verstorben und habe die BF ihre Familie darüber informiert, dass sie Christin sei. Ihr Bruder XXXX sei dagegen und wütend darüber gewesen, dass sie Christin geworden sei, und habe nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen. Ihre Eltern hätten Angst gehabt, weil sie sich strafbar machen würden, wenn sie die BF decken würden. Die BF habe Saudi-Arabien im September 2014 verlassen. Zu den Fluchtgründen ihrer Eltern befragt, gab die BF an, dass sie sie sich das Leben in Saudi Arabien finanziell nicht mehr leisten hätten können bzw. wegen der Fluchtgründe der BF das Land verlassen hätten. Obwohl ihr Vater über 40 Jahre in einem Spital in Saudi Arabien gearbeitet habe, seien ihre Eltern in Saudi-Arabien nicht versichert gewesen. Der Vater hätte auch nicht behandelt werden dürfen, bevor er nicht bezahlt habe. Die BF sei in Österreich noch in keiner Kirchengemeinde aktiv, da sie noch fremd sei und noch nicht so viele Kontakte habe. In Schweden habe sie mehr Kontakte. Sie habe in Schweden auch einen Tauf-Vorbereitungskurs machen wollen, doch sei die Zeit zu kurz gewesen. Sie lese die ganze Zeit in der Bibel. Ihre Eltern sowie ihr Bruder XXXX würden in Österreich, ihr Bruder XXXX sowie ihre Schwester würden in Saudi-Arabien leben. Die BF könne wegen ihres christlichen Glaubens nicht mehr nach Saudi-Arabien zurückkehren. Die BF wurde in der Einvernahme am 23.03.2015 zu christlichen Glaubensinhalten befragt.In einer Erstbefragung durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes am 12.12.2014 sowie einer Einvernahme beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (im Folgenden: Bundesamt) am 23.03.2015 brachte die BF als Fluchtgrund im Wesentlichen vor, dass sie als Palästinenserin seit ihrer Geburt in Saudi Arabien niedergelassen sei. Sie sei Christin geworden und habe deswegen Probleme mit den saudischen Behörden, ihrem Bruder und ihrer Schwester. Zudem habe sie in Saudi-Arabien als Frau keine Rechte, sie dürfe nicht einmal Autofahren, könne sich als Frau auf der Straße nicht frei bewegen und werde gezwungen, ihren Kopf zu verschleiern. Die saudischen Behörden hätten nicht erfahren, dass die BF konvertiert sei. Wenn sie es erfahren hätten, wäre sie getötet worden. Die BF habe immer in Saudi-Arabien gelebt und sei von 2008 bis 2012 in Österreich gewesen, wo sie internationale Beziehungen, Deutsch, Geschichte und Englisch studiert habe. Ein Professor an der Uni habe ihr Interesse für das Christentum geweckt. Die BF sei jeden Sonntag in die Kirche gegangen. Als der Professor nach Amerika gegangen sei, habe die BF über Facebook Kontakt mit ihm gehabt. Im April 2012 sei die BF aus finanziellen Gründen gezwungen gewesen, ihr Studium zu beenden und nach Saudi-Arabien zurückzukehren. Ende 2013 habe sich die BF in Saudi-Arabien dazu entschieden, zum Christentum zu konvertieren. Sie habe nach Österreich kommen wollen, um Christin zu werden, wobei ihr der Professor gesagt habe, dass er im Mai 2014 von Amerika nach Österreich zurückkehren werde. Im April 2014 sei der Professor jedoch verstorben und habe die BF ihre Familie darüber informiert, dass sie Christin sei. Ihr Bruder römisch 40 sei dagegen und wütend darüber gewesen, dass sie Christin geworden sei, und habe nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen. Ihre Eltern hätten Angst gehabt, weil sie sich strafbar machen würden, wenn sie die BF decken würden. Die BF habe Saudi-Arabien im September 2014 verlassen. Zu den Fluchtgründen ihrer Eltern befragt, gab die BF an, dass sie sie sich das Leben in Saudi Arabien finanziell nicht mehr leisten hätten können bzw. wegen der Fluchtgründe der BF das Land verlassen hätten. Obwohl ihr Vater über 40 Jahre in einem Spital in Saudi Arabien gearbeitet habe, seien ihre Eltern in Saudi-Arabien nicht versichert gewesen. Der Vater hätte auch nicht behandelt werden dürfen, bevor er nicht bezahlt habe. Die BF sei in Österreich noch in keiner Kirchengemeinde aktiv, da sie noch fremd sei und noch nicht so viele Kontakte habe. In Schweden habe sie mehr Kontakte. Sie habe in Schweden auch einen Tauf-Vorbereitungskurs machen wollen, doch sei die Zeit zu kurz gewesen. Sie lese die ganze Zeit in der Bibel. Ihre Eltern sowie ihr Bruder römisch 40 würden in Österreich, ihr Bruder römisch 40 sowie ihre Schwester würden in Saudi-Arabien leben. Die BF könne wegen ihres christlichen Glaubens nicht mehr nach Saudi-Arabien zurückkehren. Die BF wurde in der Einvernahme am 23.03.2015 zu christlichen Glaubensinhalten befragt. Von der BF wurden u.a. vorgelegt: ein bis zum September 2017 gültiges, von der libanesischen Botschaft inXXXX ausgestelltes Reisedokument der Republik Libanon für palästinensische Flüchtlinge samt einem von der Österreichischen Botschaft in XXXX ausgestellten Visum für die Schengener Staaten mit Gültigkeit vom 06.09.2014 bis 15.09.2014 enthalten ist; eine im September 1992 ausgestellte UNRWA Registrierungskarte; eine Bestätigung zweier Pastoren einer schwedischen Kirchengemeinde, wonach die BF in Schweden Gottesdienste besucht und ihren Glauben an einem Freitagabend der Jugend in der Kirche bezeugt habe; ein Ausdruck des E-Mail-Verkehrs zwischen der BF und dem von ihr angesprochenen Universitätsprofessor XXXX über die Absicht der BF, in Österreich zum Christentum zu konvertieren; ein Patientenbrief vom März 2015 über die Behandlung des Vaters der BF in Österreich u.a. unter den Diagnosen koronare Herzkrankheit und chronische Niereninsuffizienz.Von der BF wurden u.a. vorgelegt: ein bis zum September 2017 gültiges, von der libanesischen Botschaft inXXXX ausgestelltes Reisedokument der Republik Libanon für palästinensische Flüchtlinge samt einem von der Österreichischen Botschaft in römisch 40 ausgestellten Visum für die Schengener Staaten mit Gültigkeit vom 06.09.2014 bis 15.09.2014 enthalten ist; eine im September 1992 ausgestellte UNRWA Registrierungskarte; eine Bestätigung zweier Pastoren einer schwedischen Kirchengemeinde, wonach die BF in Schweden Gottesdienste besucht und ihren Glauben an einem Freitagabend der Jugend in der Kirche bezeugt habe; ein Ausdruck des E-Mail-Verkehrs zwischen der BF und dem von ihr angesprochenen Universitätsprofessor römisch 40 über die Absicht der BF, in Österreich zum Christentum zu konvertieren; ein Patientenbrief vom März 2015 über die Behandlung des Vaters der BF in Österreich u.a. unter den Diagnosen koronare Herzkrankheit und chronische Niereninsuffizienz. 1.
  3. Mit dem nunmehr angefochtenen oben angeführten Bescheid des Bundesamtes wurde der Antrag auf internationalen Schutz der BF

§ 3Abs. 1 i

Vm § 2 Abs 1 Z 13 AsylG 2005 abgewiesen und ihr der Status der Asylberechtigten (Spruchpunkt I.) sowie

§ 8Abs. 1 i

Vm § 2 Abs 1 Z 13 leg.cit. der Status der subsidiär Schutzberechtigten in Bezug auf ihren Herkunftsstaat Saudi Arabien nicht zuerkannt (Spruchpunkt II.). Die Erlassung einer Rückkehrentscheidung

§ 52Abs.

2 Fremdenpolizeigesetz 2005 (FPG), BGBl. I Nr. 100/2005, wurde

§ 9Abs.

2 und 3 BFA – Verfahrensgesetz (BFA-VG), BGBl. I Nr. 87/2012, auf Dauer für unzulässig erklärt.

§ 58Abs. 2 und 3 i

Vm § 57 und 55 AsylG 2005 wurde der BF eine Aufenthaltsberechtigung

§ 55Abs.

2 leg.cit. erteilt (Spruchpunkt III.). Der Entscheidung lag unter anderem die Feststellung zu Grunde, dass die Identität der BF feststehe, sie in Saudi-Arabien geboren, aufgewachsen und dort gelebt habe und sie staatenlos sei. Dem behaupteten Fluchtgrund, wegen des christlichen Glaubens Saudi-Arabien verlassen zu haben, wurde seitens des Bundesamtes kein Glauben geschenkt. Dazu wurde u. a. ausgeführt, dass die BF behauptet habe, von 2008 bis 2012 an der "XXXX" studiert zu haben. Die angeführte Privatuniversität sei XXXX ausgerichtet, wobei ihr im Jahr XXXX die XXXX entzogen worden sei. Die Ausbildung basiere auf christlichen Prinzipien mit Betonung des Bibelstudiums. Das Bibelstudium sei integraler Bestandteil der Ausbildung gewesen. Somit hätte die BF genügend Zeit gehabt, die elementarsten Werte des christlichen Glaubens auswendig zu lernen. Die BF habe betreffend ihr Studium auch kein Studienblatt, kein Sammelzeugnis oder dergleichen vorlegen können. Es seien zwei Jahre vergangen, in dem die BF in Saudi-Arabien als vermeintliche Christin gelebt habe, weshalb zwischen den Umständen, die als Grund für die Ausreise angegeben worden seien und der Ausreise selbst kein zeitlicher Zusammenhang bestanden hätte. Die Behauptung der BF über Probleme der Frauen in Saudi-Arabien im Allgemeinen lasse keine gegen die BF gerichtete Verfolgungshandlung aus den in der GFK genannten Gründen ableiten, da gegen die BF und ihre Familie in Saudi-Arabien keine Verfolgungshandlung gesetzt worden sei und die vorgebrachten Schwierigkeiten von Frauen in Saudi-Arabien wie z.B. soziale Ächtung für sich genommen keine hinreichende Intensität für eine Asylgewährung aufweisen würden. Aus dem Länderinformationsblatt der Staatendokumentation zu Saudi-Arabien gehe unter anderem hervor, dass im Falle eines Bestehens eines Aufenthaltsrechtes und der Gewährung eines Einreise-/Ausreisevisums bei Beachtung der Fristen die Wiedereinreise möglich sei. Sollte das Aufenthaltsrecht allerdings nicht erneuert werden, müsse um ein neues Aufenthaltsrecht angesucht werden. Palästinenser, die Saudi-Arabien für sechs Monate oder länger verlassen hätten, könnten ohne Erwerb eines neuen Arbeitgebers oder Geldgebers nicht zurückkehren, vom Ausland aus sei dies praktisch unmöglich. Da die BF die oben erwähnte Frist von sechs Monaten überschritten habe, sei von einer legalen Wiedereinreise in ihr Herkunftsland Saudi-Arabien nicht auszugehen.1.2. Mit dem nunmehr angefochtenen oben angeführten Bescheid des Bundesamtes wurde der Antrag auf internationalen Schutz der BF

Paragraph 3, Absatz eins, in Verbindung mit Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer 13, AsylG 2005 abgewiesen und ihr der Status der Asylberechtigten (Spruchpunkt römisch eins.) sowie

Paragraph 8, Absatz eins, in Verbindung mit Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer 13, leg.cit. der Status der subsidiär Schutzberechtigten in Bezug auf ihren Herkunftsstaat Saudi Arabien nicht zuerkannt (Spruchpunkt römisch zwei.). Die Erlassung einer Rückkehrentscheidung

Paragraph 52, Absatz 2, Fremdenpolizeigesetz 2005 (FPG), Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 100 aus 2005,, wurde

Paragraph 9, Absatz 2 und 3 BFA – Verfahrensgesetz (BFA-VG), Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 87 aus 2012,, auf Dauer für unzulässig erklärt.

Paragraph 58, Absatz 2 und 3 in Verbindung mit Paragraph 57 und 55 AsylG 2005 wurde der BF eine Aufenthaltsberechtigung

Paragraph 55, Absatz 2, leg.cit. erteilt (Spruchpunkt römisch drei.). Der Entscheidung lag unter anderem die Feststellung zu Grunde, dass die Identität der BF feststehe, sie in Saudi-Arabien geboren, aufgewachsen und dort gelebt habe und sie staatenlos sei. Dem behaupteten Fluchtgrund, wegen des christlichen Glaubens Saudi-Arabien verlassen zu haben, wurde seitens des Bundesamtes kein Glauben geschenkt. Dazu wurde u. a. ausgeführt, dass die BF behauptet habe, von 2008 bis 2012 an der "XXXX" studiert zu haben. Die angeführte Privatuniversität sei römisch 40 ausgerichtet, wobei ihr im Jahr römisch 40 die römisch 40 entzogen worden sei. Die Ausbildung basiere auf christlichen Prinzipien mit Betonung des Bibelstudiums. Das Bibelstudium sei integraler Bestandteil der Ausbildung gewesen. Somit hätte die BF genügend Zeit gehabt, die elementarsten Werte des christlichen Glaubens auswendig zu lernen. Die BF habe betreffend ihr Studium auch kein Studienblatt, kein Sammelzeugnis oder dergleichen vorlegen können. Es seien zwei Jahre vergangen, in dem die BF in Saudi-Arabien als vermeintliche Christin gelebt habe, weshalb zwischen den Umständen, die als Grund für die Ausreise angegeben worden seien und der Ausreise selbst kein zeitlicher Zusammenhang bestanden hätte. Die Behauptung der BF über Probleme der Frauen in Saudi-Arabien im Allgemeinen lasse keine gegen die BF gerichtete Verfolgungshandlung aus den in der GFK genannten Gründen ableiten, da gegen die BF und ihre Familie in Saudi-Arabien keine Verfolgungshandlung gesetzt worden sei und die vorgebrachten Schwierigkeiten von Frauen in Saudi-Arabien wie z.B. soziale Ächtung für sich genommen keine hinreichende Intensität für eine Asylgewährung aufweisen würden. Aus dem Länderinformationsblatt der Staatendokumentation zu Saudi-Arabien gehe unter anderem hervor, dass im Falle eines Bestehens eines Aufenthaltsrechtes und der Gewährung eines Einreise-/Ausreisevisums bei Beachtung der Fristen die Wiedereinreise möglich sei. Sollte das Aufenthaltsrecht allerdings nicht erneuert werden, müsse um ein neues Aufenthaltsrecht angesucht werden. Palästinenser, die Saudi-Arabien für sechs Monate oder länger verlassen hätten, könnten ohne Erwerb eines neuen Arbeitgebers oder Geldgebers nicht zurückkehren, vom Ausland aus sei dies praktisch unmöglich. Da die BF die oben erwähnte Frist von sechs Monaten überschritten habe, sei von einer legalen Wiedereinreise in ihr Herkunftsland Saudi-Arabien nicht auszugehen. 1.

  1. Gegen den Bescheid wurde innerhalb offener Frist Beschwerde erhoben. Darin wurde unter anderem ausgeführt, dass die BF eine staatenlose Palästinenserin aus Saudi-Arabien sei, die unter dem Schutz der UNRWA stehe. Der Vater der BF sei im Jahr 1948 im Libanon als Flüchtling registriert worden und sei die BF im Besitz eines libanesischen Reisedokumentes für Palästinenser. Die BF sei während ihres Aufenthaltes in Österreich als Studentin einer christlichen Universität mit der christlichen Religion in Berührung gekommen und habe sich im Mai 2014 taufen lassen wollen. Leider sei jedoch ihr Taufvater davor verstorben, sodass diese Taufe nicht zu Stande gekommen sei. Die BF haben in Saudi-Arabien ihrer Familie und ihrer besten Freundin von ihrem Wunsch nach einer Taufe erzählt. Ihr Bruder, der selbst streng gläubig sei, habe ihren Entschluss der Konversion abgelehnt und ihr gedroht. Die BF habe auch Angst um ihre Familie, denn diese sei so wie sie von Strafe bedroht, wenn sie verschweige, dass die BF sich vom Glauben abgewandt habe. Aus Angst davor, dass die Behörden von ihrer Konversion erfahren und die BF dann vielleicht mit der Todesstrafe und ihre Eltern mit Haft bestraft werden würden, sei sie aus Saudi-Arabien geflüchtet. In Schweden sei die BF dann von einer christlichen Gemeinde aufgenommen, aber wieder, diesmal wegen ihrer Zurückschiebung nach Österreich, nicht getauft worden. Die Länderfeststellungen im Bescheid zu Saudi-Arabien würden keine Feststellungen zur Lage der Palästinenser und auch keinerlei Feststellungen zur Lage von Konvertiten enthalten. Wegen des Krieges in Syrien sei die UNRWA auch im Libanon nicht mehr in der Lage, das palästinensische Volk zu versorgen, in Schutz zu nehmen oder Beistand zu leisten. Da die BF nur im Besitz eines libanesischen Reisedokuments für Palästinenser sei, das sie nicht zur Einreise berechtige, sei sie auch nicht in der Lage, den mittlerweile weggefallenen Schutz in Anspruch zu nehmen. Der Verfassungsgerichtshof habe in seiner Entscheidung vom 29.06.2013 noch ganz klar ausgeführt, dass wenn die UNRWA ihren Schutz aus "irgendeinem Grund" nicht mehr gewährleisten könne und dies aus Gründen geschehe, die dem Betroffenen nicht zuzurechnen seien, Asyl zu gewähren sei. Eine solche Konstellation liege im Fall der BF vor. Der zweite Satz des Art. 12 Abs. 1 lit. a Status-RL sehe die "ipso facto"-Zuerkennung von Asyl an Personen, denen gegenüber der Beistand der UNRWA aus irgendeinem Grund weggefallen sei, vor. Diese bewirke insofern eine Privilegierung von Personen, die unter dem Schutz der UNRWA gestanden seien, als diese - im Unterschied zu nicht unter Art. 12 Abs. 1 lit. a der Status-RL fallenden Personen - für die Zuerkennung des Status von Asylberichtigten keine Verfolgung aus den in Art. 1 Abschnitt A GFK genannten Gründen glaubhaft machen müssen, sondern nur darzutun haben, dass sie unter dem Schutz der UNRWA gestanden seien, dieser Beistand aus irgendeinem Grund weggefallen sei und dass keiner der in Art. 12 Abs. 1 lit. b oder Abs. 2 und 3 Status-RL genannten Ausschlussgründe vorliege (vgl. EuGH 19.12.2012, RS. C-364/11, Mostafa Abed El Karem El Kott ua., RZ 76). In diesem Zusammenhang wurde auch auf die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes vom 18.09.2014, Zl. U73/2014, verwiesen. Unabhängig von der Frage, ob die BF wegen ihrer Konversion zum Christentum in Saudi-Arabien gefährdet sei, mit dem Tod bestraft zu werden, stehe ihr daher allein wegen des Umstandes, dass sie eine von UNRWA registrierte Palästinenserin sei, die Flüchtlingseigenschaft zu.1.
  2. Gegen den Bescheid wurde innerhalb offener Frist Beschwerde erhoben. Darin wurde unter anderem ausgeführt, dass die BF eine staatenlose Palästinenserin aus Saudi-Arabien sei, die unter dem Schutz der UNRWA stehe. Der Vater der BF sei im Jahr 1948 im Libanon als Flüchtling registriert worden und sei die BF im Besitz eines libanesischen Reisedokumentes für Palästinenser. Die BF sei während ihres Aufenthaltes in Österreich als Studentin einer christlichen Universität mit der christlichen Religion in Berührung gekommen und habe sich im Mai 2014 taufen lassen wollen. Leider sei jedoch ihr Taufvater davor verstorben, sodass diese Taufe nicht zu Stande gekommen sei. Die BF haben in Saudi-Arabien ihrer Familie und ihrer besten Freundin von ihrem Wunsch nach einer Taufe erzählt. Ihr Bruder, der selbst streng gläubig sei, habe ihren Entschluss der Konversion abgelehnt und ihr gedroht. Die BF habe auch Angst um ihre Familie, denn diese sei so wie sie von Strafe bedroht, wenn sie verschweige, dass die BF sich vom Glauben abgewandt habe. Aus Angst davor, dass die Behörden von ihrer Konversion erfahren und die BF dann vielleicht mit der Todesstrafe und ihre Eltern mit Haft bestraft werden würden, sei sie aus Saudi-Arabien geflüchtet. In Schweden sei die BF dann von einer christlichen Gemeinde aufgenommen, aber wieder, diesmal wegen ihrer Zurückschiebung nach Österreich, nicht getauft worden. Die Länderfeststellungen im Bescheid zu Saudi-Arabien würden keine Feststellungen zur Lage der Palästinenser und auch keinerlei Feststellungen zur Lage von Konvertiten enthalten. Wegen des Krieges in Syrien sei die UNRWA auch im Libanon nicht mehr in der Lage, das palästinensische Volk zu versorgen, in Schutz zu nehmen oder Beistand zu leisten. Da die BF nur im Besitz eines libanesischen Reisedokuments für Palästinenser sei, das sie nicht zur Einreise berechtige, sei sie auch nicht in der Lage, den mittlerweile weggefallenen Schutz in Anspruch zu nehmen. Der Verfassungsgerichtshof habe in seiner Entscheidung vom 29.06.2013 noch ganz klar ausgeführt, dass wenn die UNRWA ihren Schutz aus "irgendeinem Grund" nicht mehr gewährleisten könne und dies aus Gründen geschehe, die dem Betroffenen nicht zuzurechnen seien, Asyl zu gewähren sei. Eine solche Konstellation liege im Fall der BF vor. Der zweite Satz des Artikel 12, Absatz eins, Litera a, Status-RL sehe die "ipso facto"-Zuerkennung von Asyl an Personen, denen gegenüber der Beistand der UNRWA aus irgendeinem Grund weggefallen sei, vor. Diese bewirke insofern eine Privilegierung von Personen, die unter dem Schutz der UNRWA gestanden seien, als diese - im Unterschied zu nicht unter Artikel 12, Absatz eins, Litera a, der Status-RL fallenden Personen - für die Zuerkennung des Status von Asylberichtigten keine Verfolgung aus den in Artikel eins, Abschnitt A GFK genannten Gründen glaubhaft machen müssen, sondern nur darzutun haben, dass sie unter dem Schutz der UNRWA gestanden seien, dieser Beistand aus irgendeinem Grund weggefallen sei und dass keiner der in Artikel 12, Absatz eins, Litera b, oder Absatz 2 und 3 Status-RL genannten Ausschlussgründe vorliege vergleiche EuGH 19.12.2012, RS. C-364/11, Mostafa Abed El Karem El Kott ua., RZ 76). In diesem Zusammenhang wurde auch auf die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes vom 18.09.2014, Zl. U73/2014, verwiesen. Unabhängig von der Frage, ob die BF wegen ihrer Konversion zum Christentum in Saudi-Arabien gefährdet sei, mit dem Tod bestraft zu werden, stehe ihr daher allein wegen des Umstandes, dass sie eine von UNRWA registrierte Palästinenserin sei, die Flüchtlingseigenschaft zu. 1.
  3. In der öffentlichen mündlichen Verhandlung am 31.05.2016 wurden der BF und deren rechtlichen Vertretung Länderdokumente zur allgemeinen Situation in Saudi-Arabien und im Libanon zu Kenntnis gebracht, darunter u.a. das Länderinformationsblatt der Staatendokumentation des Bundesamtes zu Saudi Arabien vom 28.04.2015 sowie der US Departement of State (USDOS) Country Report on Human Right Practices 2015 – Saudi Arabia vom 13.04.
  4. Im Übrigen wurde die Verhandlung vertagt, da seitens der BF der Dolmetscher wegen behaupteter Befangenheit abgelehnt wurde. Anlässlich der am 15.09.2016 fortgesetzten öffentlichen mündlichen Verhandlung, zu der ein Vertreter des Bundesamtes entschuldigt nicht erschienen ist, wurde Beweis aufgenommen durch Einvernahme der BF sowie deren Mutter als Beschwerdeführerin im zusammengefassten Verfahren W182 2113223-1 in Anwesenheit der Rechtsvertreterin der BF und einer Dolmetscherin der arabischen Sprache, weiters durch Einsichtnahme in den Verwaltungsakt des Bundesamtes sowie in den Akt des Bundesverwaltungsgerichtes, wobei das Bundesamt lediglich schriftlich die Abweisung der Beschwerde beantragte. Die BF brachte dabei im Wesentlichen wie bisher vor, dass sie protestantische Christin sei. Sie sei noch nicht getauft. Sie wolle zuerst ihr Asylverfahren abschließen und dann in Schweden in der Gemeinschaft der schwedischen Kirche getauft werden. Ihr Tauftermin habe schon festgestanden, doch sei sie zuvor nach Österreich abgeschoben worden. Die BF praktiziere ihre Religion durch regelmäßige Gebete. Die BF versuche, in ihrem arabischen Bekanntenkreis nicht aufzufallen, da sie hinsichtlich eines Abfalles vom Islam – selbst bei moderaten Muslimen – nur auf Unverständnis stoßen würde. Ihren Wechsel zum Christentum habe sie nur ihren Familienangehörigen, dem Universitätsprofessor, der sie unterstützt habe, einer Freundin in Großbritannien, einer Freundin in Saudi-Arabien sowie einer ehemaligen Schulfreundin in den USA mitgeteilt. In Saudi-Arabien drohe ihr für den Abfall vom Islam die Todesstrafe. Dazu befragt, was sie darunter verstehe, aus dem Islam ausgetreten zu sein, gab sie an, dass ein Austritt im Islam nicht vorgesehen sei und es keine Institution gebe, wo sie hingehen und dies bekannt geben könne. Es sei ein innerer Prozess, der im Menschen selber ablaufe. Schon in der Schule habe sie sich zunehmend von den Verboten und Geboten des Islam abgewandt. Sie seien in der Schule von Religionswächterinnen immer gezwungen worden, zu beten. Besonders als Frau sei sie mit den vielen Verboten und Geboten nicht einverstanden gewesen. So sei bei ihr etwa die Verheiratung von sehr jungen Frauen, der Umstand, dass es Männern erlaubt sei, mehrere Frauen zu heiraten, umgekehrt jedoch nicht, und etliches mehr auf Ablehnung gestoßen. Die BF sei auch nie gefragt worden, ob sie dem Islam angehören wolle, sondern sei einfach in diese Religion hineingeboren worden. Der Islam habe für sie viele Facetten, die für sie nicht überzeugend seien und schlichtweg abgelehnt werden müssten. Ganz anders verhalte es sich mit dem Christentum. In Saudi Arabien habe sie kaum etwas über das Christentum erfahren können, weil es die Ausübung des christlichen Glaubens in Saudi Arabien offiziell nicht gebe. Erst als sie in Österreich studiert habe, habe sie sich für das Christentum zu interessieren begonnen und sei von ihrem Professor dabei unterstütz worden. Als die BF ihre Religion gewechselt und das Christentum angenommen habe, sei ihr Bruder XXXX, als er davon erfahren habe, sehr wütend geworden. Er sei strenggläubig und habe ihr klargemacht, dass der Abfall vom Islam mit dem Tod bestraft werde. Er habe ihre Entscheidung absolut abgelehnt. Für ihn sei der Abfall vom Islam ein absoluter Skandal. In seinem Umfeld werde er als gläubiger Mensch respektiert, sei oft in der Moschee und werde aufgrund seines sehr guten religiösen Wissens in religiösen Fragen oft um Rat gefragt. In seiner Position sei es für ihn einfach unmöglich, wenn seine eigene Schwester vom Islam abgefallen und einer anderen Religion angehören würde. Auf Nachfragen gab die BF an, dass sie mit Umfeld die Nachbarschaft und Freunde ihres Bruders in ihrem Wohnbezirk in Saudi-Arabien meine, die auch die BF kennen würden. Die BF habe damit rechnen müssen, dass ihr Bruder sie früher oder später bei den saudischen Behörden anzeigen oder anschwärzen würde. Die BF trage ihren Glauben tief in sich und würde nicht davon abweichen. Es sei ihr deshalb in Saudi-Arabien zu gefährlich geworden und habe sie mit ihren Eltern das Land verlassen. Ihre Eltern hätten auch flüchten müssen, da auch diejenigen, die vom Islam Abtrünnigen Schutz gewähren, bestraft werden würden, und ihre Eltern ihr ja in ihrem Haus Schutz gewährt hätten. Da die BF noch nicht verheiratet und ihr Vater tot sei, sei ihr Bruder XXXXals männliches Familienmitglied in Saudi Arabien für sie verantwortlich. Man würde es ihm dort auch nachsehen, wenn er ihr Gewalt antun würde. Hier in Österreich würde er sich nicht trauen, ihr etwas anzutun. Wenn die BF Asyl erhalte, wolle sie sofort ihren Familiennamen ändern, da ihre Familie als sunnitische Familie bekannt sei. Zum Libanon befragt gab die BF an, dass sie zuletzt im Alter von vier Jahren dort gewesen sei, und sie in keinem Flüchtlingslager leben könnte, da diese von islamistischen Gruppierungen kontrolliert werden würden. Es gebe dort Islamisten und wenn jemand von denen meine, dass er sie umbringen müsse, weil sie eine Abtrünnige sei, dann finde sie keinen Schutz. Im Libanon gebe es Großfamilien und Clans. Im Fall ihrer Familie sei bekannt, dass es sich um eine sunnitische Familie handle. Sobald man im Libanon oder unter Palästinensern diesen Namen höre, wisse man, dass die BF eigentlich einen Muslimin sein sollte und daher wäre sie auch dort nicht sicher.Die BF brachte dabei im Wesentlichen wie bisher vor, dass sie protestantische Christin sei. Sie sei noch nicht getauft. Sie wolle zuerst ihr Asylverfahren abschließen und dann in Schweden in der Gemeinschaft der schwedischen Kirche getauft werden. Ihr Tauftermin habe schon festgestanden, doch sei sie zuvor nach Österreich abgeschoben worden. Die BF praktiziere ihre Religion durch regelmäßige Gebete. Die BF versuche, in ihrem arabischen Bekanntenkreis nicht aufzufallen, da sie hinsichtlich eines Abfalles vom Islam – selbst bei moderaten Muslimen – nur auf Unverständnis stoßen würde. Ihren Wechsel zum Christentum habe sie nur ihren Familienangehörigen, dem Universitätsprofessor, der sie unterstützt habe, einer Freundin in Großbritannien, einer Freundin in Saudi-Arabien sowie einer ehemaligen Schulfreundin in den USA mitgeteilt. In Saudi-Arabien drohe ihr für den Abfall vom Islam die Todesstrafe. Dazu befragt, was sie darunter verstehe, aus dem Islam ausgetreten zu sein, gab sie an, dass ein Austritt im Islam nicht vorgesehen sei und es keine Institution gebe, wo sie hingehen und dies bekannt geben könne. Es sei ein innerer Prozess, der im Menschen selber ablaufe. Schon in der Schule habe sie sich zunehmend von den Verboten und Geboten des Islam abgewandt. Sie seien in der Schule von Religionswächterinnen immer gezwungen worden, zu beten. Besonders als Frau sei sie mit den vielen Verboten und Geboten nicht einverstanden gewesen. So sei bei ihr etwa die Verheiratung von sehr jungen Frauen, der Umstand, dass es Männern erlaubt sei, mehrere Frauen zu heiraten, umgekehrt jedoch nicht, und etliches mehr auf Ablehnung gestoßen. Die BF sei auch nie gefragt worden, ob sie dem Islam angehören wolle, sondern sei einfach in diese Religion hineingeboren worden. Der Islam habe für sie viele Facetten, die für sie nicht überzeugend seien und schlichtweg abgelehnt werden müssten. Ganz anders verhalte es sich mit dem Christentum. In Saudi Arabien habe sie kaum etwas über das Christentum erfahren können, weil es die Ausübung des christlichen Glaubens in Saudi Arabien offiziell nicht gebe. Erst als sie in Österreich studiert habe, habe sie sich für das Christentum zu interessieren begonnen und sei von ihrem Professor dabei unterstütz worden. Als die BF ihre Religion gewechselt und das Christentum angenommen habe, sei ihr Bruder römisch 40 , als er davon erfahren habe, sehr wütend geworden. Er sei strenggläubig und habe ihr klargemacht, dass der Abfall vom Islam mit dem Tod bestraft werde. Er habe ihre Entscheidung absolut abgelehnt. Für ihn sei der Abfall vom Islam ein absoluter Skandal. In seinem Umfeld werde er als gläubiger Mensch respektiert, sei oft in der Moschee und werde aufgrund seines sehr guten religiösen Wissens in religiösen Fragen oft um Rat gefragt. In seiner Position sei es für ihn einfach unmöglich, wenn seine eigene Schwester vom Islam abgefallen und einer anderen Religion angehören würde. Auf Nachfragen gab die BF an, dass sie mit Umfeld die Nachbarschaft und Freunde ihres Bruders in ihrem Wohnbezirk in Saudi-Arabien meine, die auch die BF kennen würden. Die BF habe damit rechnen müssen, dass ihr Bruder sie früher oder später bei den saudischen Behörden anzeigen oder anschwärzen würde. Die BF trage ihren Glauben tief in sich und würde nicht davon abweichen. Es sei ihr deshalb in Saudi-Arabien zu gefährlich geworden und habe sie mit ihren Eltern das Land verlassen. Ihre Eltern hätten auch flüchten müssen, da auch diejenigen, die vom Islam Abtrünnigen Schutz gewähren, bestraft werden würden, und ihre Eltern ihr ja in ihrem Haus Schutz gewährt hätten. Da die BF noch nicht verheiratet und ihr Vater tot sei, sei ihr Bruder XXXXals männliches Familienmitglied in Saudi Arabien für sie verantwortlich. Man würde es ihm dort auch nachsehen, wenn er ihr Gewalt antun würde. Hier in Österreich würde er sich nicht trauen, ihr etwas anzutun. Wenn die BF Asyl erhalte, wolle sie sofort ihren Familiennamen ändern, da ihre Familie als sunnitische Familie bekannt sei. Zum Libanon befragt gab die BF an, dass sie zuletzt im Alter von vier Jahren dort gewesen sei, und sie in keinem Flüchtlingslager leben könnte, da diese von islamistischen Gruppierungen kontrolliert werden würden. Es gebe dort Islamisten und wenn jemand von denen meine, dass er sie umbringen müsse, weil sie eine Abtrünnige sei, dann finde sie keinen Schutz. Im Libanon gebe es Großfamilien und Clans. Im Fall ihrer Familie sei bekannt, dass es sich um eine sunnitische Familie handle. Sobald man im Libanon oder unter Palästinensern diesen Namen höre, wisse man, dass die BF eigentlich einen Muslimin sein sollte und daher wäre sie auch dort nicht sicher. Die Mutter der BF brachte u.a. vor, dass sie 1948 mit ihrer Familie aus Palästina in den Libanon geflüchtet sei. Da ihr Vater ein wohlhabender Kaufmann gewesen sei, der gute Geschäfte im Libanon, Syrien und Irak gehabt habe, hätten sie es sich leisten können, dort in einer Mietwohnung zu wohnen und seien nicht darauf angewiesen gewesen, in einem Flüchtlingslager zu leben. 1969 sei sie mit ihrem Gatten, dem Vater der BF, nach Saudi-Arabien gezogen, wo sie dann bis zu ihrer Ausreise im Jahr 2014 gelebt hätten. Dieser sei ebenfalls Palästinenser mit einem libanesischen Reisedokument für Palästinenser gewesen und habe in Saudi-Arabien als Spezialist XXXX gearbeitet. Er hätte "mittelmäßig" - nicht sehr viel, aber auch nicht sehr wenig - verdient. Ihr Gatte sei im Juli 2015 in Österreich verstorben. Ein Bruder und eine Schwester würden nach wie vor im Libanon in eigenen Häusern leben. Ein Kontakt zu den Geschwistern bestehe. Die Schwester sei durch Heirat libanesische Staatsangehörige geworden, ihr Bruder sei mit einer Libanesin verheiratet. Ihr Bruder habe einen Sohn und eine Tochter, beide hätten ihr Studium abgeschlossen. Der Sohn ihres Bruders besitze zudem die österreichische Staatsbürgerschaft, arbeite in XXXX und komme immer wieder auf Besuch nach Österreich. In Saudi Arabien würde noch ihre ältere Tochter mit ihrer Familie leben und arbeiten. Ihr Sohn XXXXhabe in Österreich studiert, habe inzwischen die österreichische Staatsbürgerschaft und arbeite in Saudi Arabien. Seine Frau und Kinder seien in Österreich. Ihr jüngerer Sohn XXXX habe auch in Österreich studiert, sei österreichischer Staatsbürger und lebe in Österreich. Sie würde mit der BF hier bei ihm wohnen. Sie habe mit ihrem Mann die Ausbildung ihrer Kinder finanziert. In Saudi Arabien gebe es keine Krankenversicherung und kein Pensionssystem für Ausländer. Sie und ihr Gatte hätten keine private Pensionsversicherung abgeschlossen. Ihr Gatte habe aber, als er in Pension gegangen sei, eine Abfertigung erhalten, wobei diese im Wesentlichen für das Studium der BF verbraucht worden sei. Sie seien jedoch von ihrer älteren Tochter und ihrem Sohn XXXX finanziell unterstützt worden. Sie und ihr Mann hätten die Entscheidung ihrer Tochter für das Christentum respektiert, da sie aufgeschlossen seien. Aufgrund ihrer "Ausrichtung" habe sie sich in die Gesellschaft in Saudi Arabien nicht integrieren können. Sie habe es auch abgelehnt, jemanden dort zu heiraten. Als sie und ihr Gatte gesehen hätte, welcher Gefahr ihre Tochter aufgrund ihrer Überzeugung in einer solchen strenggläubigen Gesellschaft wie Saudi-Arabien ausgesetzt sei, hätten sie mit ihr das Land verlassen. In Saudi Arabien drohe Personen, die vom muslimischen Glauben abfallen, die Todesstrafe. Die Beziehung zwischen der BF und ihrem Bruder XXXX sei nicht gut, da dieser aufgrund seiner religiösen Überzeugung ihre Entscheidung ablehne. Die BF versuche ihrerseits einer Konfrontation mit ihrem Bruder aus dem Weg zu gehen. Ob ihr Bruder die BF in Saudi-Arabien anzeigen würde, könne sie nicht sagen. Sie könne es sich jedoch vorstellen, wenn er von seinem Umfeld aufgehetzt werde. Er sei strenggläubig und fühle sich im Recht. Es sei als Strenggläubiger seine Pflicht, die Schwester zu bekehren und zum Islam zurückzuführen. Sie selbst sei mit ihrem Sohn XXXX nicht zerstritten und stehe in gutem Einvernehmen mit ihm.Die Mutter der BF brachte u.a. vor, dass sie 1948 mit ihrer Familie aus Palästina in den Libanon geflüchtet sei. Da ihr Vater ein wohlhabender Kaufmann gewesen sei, der gute Geschäfte im Libanon, Syrien und Irak gehabt habe, hätten sie es sich leisten können, dort in einer Mietwohnung zu wohnen und seien nicht darauf angewiesen gewesen, in einem Flüchtlingslager zu leben. 1969 sei sie mit ihrem Gatten, dem Vater der BF, nach Saudi-Arabien gezogen, wo sie dann bis zu ihrer Ausreise im Jahr 2014 gelebt hätten. Dieser sei ebenfalls Palästinenser mit einem libanesischen Reisedokument für Palästinenser gewesen und habe in Saudi-Arabien als Spezialist römisch 40 gearbeitet. Er hätte "mittelmäßig" - nicht sehr viel, aber auch nicht sehr wenig - verdient. Ihr Gatte sei im Juli 2015 in Österreich verstorben. Ein Bruder und eine Schwester würden nach wie vor im Libanon in eigenen Häusern leben. Ein Kontakt zu den Geschwistern bestehe. Die Schwester sei durch Heirat libanesische Staatsangehörige geworden, ihr Bruder sei mit einer Libanesin verheiratet. Ihr Bruder habe einen Sohn und eine Tochter, beide hätten ihr Studium abgeschlossen. Der Sohn ihres Bruders besitze zudem die österreichische Staatsbürgerschaft, arbeite in römisch 40 und komme immer wieder auf Besuch nach Österreich. In Saudi Arabien würde noch ihre ältere Tochter mit ihrer Familie leben und arbeiten. Ihr Sohn XXXXhabe in Österreich studiert, habe inzwischen die österreichische Staatsbürgerschaft und arbeite in Saudi Arabien. Seine Frau und Kinder seien in Österreich. Ihr jüngerer Sohn römisch 40 habe auch in Österreich studiert, sei österreichischer Staatsbürger und lebe in Österreich. Sie würde mit der BF hier bei ihm wohnen. Sie habe mit ihrem Mann die Ausbildung ihrer Kinder finanziert. In Saudi Arabien gebe es keine Krankenversicherung und kein Pensionssystem für Ausländer. Sie und ihr Gatte hätten keine private Pensionsversicherung abgeschlossen. Ihr Gatte habe aber, als er in Pension gegangen sei, eine Abfertigung erhalten, wobei diese im Wesentlichen für das Studium der BF verbraucht worden sei. Sie seien jedoch von ihrer älteren Tochter und ihrem Sohn römisch 40 finanziell unterstützt worden. Sie und ihr Mann hätten die Entscheidung ihrer Tochter für das Christentum respektiert, da sie aufgeschlossen seien. Aufgrund ihrer "Ausrichtung" habe sie sich in die Gesellschaft in Saudi Arabien nicht integrieren können. Sie habe es auch abgelehnt, jemanden dort zu heiraten. Als sie und ihr Gatte gesehen hätte, welcher Gefahr ihre Tochter aufgrund ihrer Überzeugung in einer solchen strenggläubigen Gesellschaft wie Saudi-Arabien ausgesetzt sei, hätten sie mit ihr das Land verlassen. In Saudi Arabien drohe Personen, die vom muslimischen Glauben abfallen, die Todesstrafe. Die Beziehung zwischen der BF und ihrem Bruder römisch 40 sei nicht gut, da dieser aufgrund seiner religiösen Überzeugung ihre Entscheidung ablehne. Die BF versuche ihrerseits einer Konfrontation mit ihrem Bruder aus dem Weg zu gehen. Ob ihr Bruder die BF in Saudi-Arabien anzeigen würde, könne sie nicht sagen. Sie könne es sich jedoch vorstellen, wenn er von seinem Umfeld aufgehetzt werde. Er sei strenggläubig und fühle sich im Recht. Es sei als Strenggläubiger seine Pflicht, die Schwester zu bekehren und zum Islam zurückzuführen. Sie selbst sei mit ihrem Sohn römisch 40 nicht zerstritten und stehe in gutem Einvernehmen mit ihm. In der Verhandlung wurden der BF und deren rechtlichen Vertretung Länderdokumente zur allgemeinen Situation in Saudi-Arabien und im Libanon zu Kenntnis gebracht, darunter u.a. das Länderinformationsblatt der Staatendokumentation Libanon (BFA), 09.02.2015 sowie die ACCORD Anfragen jeweils vom 08.06.2016 a-9698-3 (9.700), a-9698-3 (9.100), a-9698-1 und a-9698-2

(9699). Der BF bzw. ihrer Vertretung wurden entsprechende Berichte ausgehändigt und ihr zu einer Stellungnahme und weiteren Anträge eine Frist von vier Wochen eingeräumt. 1.5. In einer Stellungnahme durch die rechtliche Vertretung der BF vom 13.10.2016 wurde im Wesentlichen zu den in der Beschwerdeverhandlung vorgehaltenen Länderberichten zur Situation von UNRWA registrierten Palästinensern im Libanon ausgeführt, dass sich bereits aus dem aktuellen Informationsblatt der Staatendokumentation ergebe, dass die dortige Sicherheits- und Versorgungslage palästinensischer Flüchtlinge in allen Bereichen mehr als prekär sei. Dies gelte insbesondere im Hinblick auf die allgemeine Sicherheitslage sowie die Sicherheitslage in den palästinensischen Flüchtlingslagern im speziellen, den Rechtsschutz bzw. das Justizwesen, die Bewegungsfreiheit, ihren rechtlichen Status und ihren Zugang zu grundlegenden sozialen Leistungen wie dem Gesundheits- oder Bildungssystem, oder dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Vor allem im Hinblick auf die Sicherheitslage in den Flüchtlingscamps zeichne USDOS und das UNHCR in den jeweiligen Berichten ein sehr klares Bild, wenn die Camps als gesetzlose Enklaven innerhalb des libanesischen Territoriums bezeichnet würden und von einem autonomen und willkürlichen System der "Gerechtigkeit" komplett außerhalb der Kontrolle des libanesischen Staates gesprochen werde. So würden palästinensische Flüchtlinge immer wieder Opfer von willkürlichen Verhaftungen, Folter und unmenschlicher Behandlung sowie Belästigungen und Missbrauch durch die machthabenden Gruppierungen in den Camps, vor allem dann, wenn sie über keine politischen oder persönlichen Verbindungen verfügen würden, werden. Das deutsche Auswärtige Amt weise in seinem aktuellen Bericht zur Lage im Libanon auf gravierende Einschränkungen wie z.B. weitreichende Berufsverbote, dem Verbot des Erwerbs bzw. des Erbens von Immobilien und dem fehlenden Zugang zum libanesischen Gesundheitswesen hin. Gerade diese Einschränkungen seien schlussendlich dafür verantwortlich, dass palästinensische Flüchtlinge so stark auf Einrichtungen der UNRWA angewiesen seien, diese aber gleichzeitig chronisch unterfinanziert seien. Laut Einschätzung der ACCORD-Anfragebeantwortung [a-9698-3
(9700)] würden zwei Drittel der palästinensischen Flüchtlinge unter der Armutsgrenze und ein Drittel an chronischen Krankheiten leiden. Sexuelle Belästigungen und Ausnutzung von Flüchtlingen würden bei weitem keine Seltenheit darstellen. Darüber hinaus werde darauf hingewiesen, dass das Recht palästinensischer Flüchtlinge auf einen Wohnsitz und auf Reisen, abhängig vom politischen Kontext, Gegenstand willkürliche Änderungen sei. Gerade auch im Hinblick auf die verschärfte Situation aufgrund des anhaltenden Flüchtlingsstroms aus Syrien seien weitere Verschlechterungen sowie Verschärfungen der bereits bestehenden gravierenden und tatsächlichen Einschränkungen daher durchaus wahrscheinlich. Laut ACCORD-Anfragebeantwortung [a-9698-4
(9701)] bestehe ein äußerst hohes Risiko für weibliche palästinensische Flüchtlinge Opfer von sexueller Gewalt und Ausbeutung zu werden, nicht zuletzt aufgrund der prekären ausweglosen Situation, in denen sich viele Palästinenserinnen im Libanon befinden würden. Hinsichtlich der in der Beschwerdeverhandlung geäußerten Ansicht, wonach die BF im Libanon auch bei ihrem Bruder bzw. Onkel unterkommen könnte, werde auf die Anfragebeantwortung ACCORD verwiesen, wonach es UNRWA registrierten Palästinensern nicht gestattet sei, außerhalb der von der UNRWA verwalteten Flüchtlingslager Wohnung zu nehmen. Das Reisedokument, das der BF von libanesischen Behörden ausgestellt worden sei, verkörpere eben nicht die Rechtsstellung eines durch den Staat Libanon anerkannten Flüchtlings, der nach den Bestimmungen der GFK weitestgehend Staatsbürgern gleichzustellen sei, sondern sei lediglich ein Reisedokument für Fremde. UNRWA registrierte Palästinenser hätten dadurch kein Aufenthaltsrecht im Libanon, keine Niederlassungsfreiheit und auch ihre Bewegungsfreiheit sei eingeschränkt. Diesbezüglich wurde auf eine beigefügte Anfragebeantwortung von ACCORD vom 14.10.2016 [a-9868] verwiesen. Die BF wäre daher im Libanon dazu verdammt, unter den oben geschilderten Bedingungen von Gewalt und Ausbeutung in einem Flüchtlingslager der UNRWA zu leben ohne den Schutz der libanesischen Sicherheitskräfte in Anspruch nehmen zu können und ohne das Recht, dieser Situation durch Wohnungsname außerhalb der Lager zu entkommen. 1.
  1. Mit Schreiben vom XXXX2017 wurde durch die Rechtsvertretung der BF bekannt gegeben, dass die BF von ihrem Bruder XXXX am Vortag attackiert worden sei und sie auf Anraten der Polizei im Frauenhaus untergebracht worden sei. Sie sei sehr verängstigt.1.
  2. Mit Schreiben vom XXXX2017 wurde durch die Rechtsvertretung der BF bekannt gegeben, dass die BF von ihrem Bruder römisch 40 am Vortag attackiert worden sei und sie auf Anraten der Polizei im Frauenhaus untergebracht worden sei. Sie sei sehr verängstigt. Mit Schreiben vom 22.02.2017 wurde durch die Rechtsvertretung der BF ein Protokoll einer Zeugeneinvernahme der BF vom XXXX2017 als "Opfer/Geschädigte" bei einer Polizeiinspektion übermittelt, wonach ihren protokollierten Angaben zufolge ihr Bruder XXXX sie am selben Abend in der Wohnung ihres anderen Bruders wegen ihres Glaubenswechsels, mit dem sie seiner Meinung nach Schande über die ganze Familie gebracht hätte, attackiert und eine Morddrohung gegen Sie ausgesprochen habe. Ihr anderer Bruder sowie ihre Mutter seien dazwischen gegangen und habe die BF die Polizei verständigt. Weiters wurde ein Meldezettel vorgelegt, wonach die BF seit XXXX2017 beim XXXX gemeldet sei. Die BF ist laut Auskunft beim Zentralen Melderegister zum Stichtag nach wie vor unter dieser Adresse im Bundesgebiet gemeldet.Mit Schreiben vom 22.02.2017 wurde durch die Rechtsvertretung der BF ein Protokoll einer Zeugeneinvernahme der BF vom XXXX2017 als "Opfer/Geschädigte" bei einer Polizeiinspektion übermittelt, wonach ihren protokollierten Angaben zufolge ihr Bruder römisch 40 sie am selben Abend in der Wohnung ihres anderen Bruders wegen ihres Glaubenswechsels, mit dem sie seiner Meinung nach Schande über die ganze Familie gebracht hätte, attackiert und eine Morddrohung gegen Sie ausgesprochen habe. Ihr anderer Bruder sowie ihre Mutter seien dazwischen gegangen und habe die BF die Polizei verständigt. Weiters wurde ein Meldezettel vorgelegt, wonach die BF seit XXXX2017 beim römisch 40 gemeldet sei. Die BF ist laut Auskunft beim Zentralen Melderegister zum Stichtag nach wie vor unter dieser Adresse im Bundesgebiet gemeldet. II. Das Bundesverwaltungsgericht hat erwogen:römisch zwei. Das Bundesverwaltungsgericht hat erwogen:
  3. Feststellungen: 1.
  4. Zur Person und persönlichen Situation der BF Die 29-jährige BF ist staatenlose Angehörige der arabischen Volksgruppe und seit ihrer Geburt in Saudi Arabien niedergelassen. Ihre Identität steht fest. Sie verfügt über ein bis 02.09.2017 gültiges Reisedokument der Republik Libanon für palästinensische Flüchtlinge. Weiters verfügt sie über eine UNRWA-Registrierung im Libanon seit September
  5. Die BF, ursprünglich Muslimin, ist westlich orientiert und hinsichtlich ihres Rollenbildes als Frau emanzipiert. Sie hat sich vom muslimischen Glauben abgewandt und bekennt sich zum Christentum. Mit der Abkehr vom Islam und Hinwendung zum Christentum stoßt sie innerhalb ihrer Familie auf Unverständnis bzw. Feindseligkeit seitens ihres älteren Bruders, der ihr vorwirft, dadurch die Familienehre verletzt zu haben. Die BF ist im Bundesgebiet strafgerichtlich unbescholten. 1.2.
  6. Zur entscheidungsrelevanten Situation in Saudi Arabien: Saudi-Arabien gehört zu den wenigen Staaten, die die Menschrechtsdeklaration der UNO nicht ratifizierten, da die Gewährung von Religionsfreiheit der nationalen Politik widerspricht und aus Sicht des saudischen Staates das islamische Recht allein schon einen umfassenden Schutz der Menschenrechte garantiert. Zu den gravierendsten Menschenrechtsverletzungen gehören die Folterung von Gefangenen, öffentliche Auspeitschungen, willkürliche Verhaftungen, die Diskriminierung ausländischer Arbeitskräfte (u.a. durch das Sponsorensystem), Zwangsverheiratungen sowie Willkürakte der Religionspolizei (GIZ 1.2015). Laut Berichten kam es zu willkürlichen Verhaftungen. Obwohl das Gesetz Verhaftungen von mehr als 6 Monaten ohne Anklage verbietet, werden immer wieder Personen ohne Anklage für länger als 6 Monate inhaftiert, insbesondere Personen, die die Regierung öffentlich kritisieren, religiöse Schiiten-Führer und Personen, die religiöse Regeln verletzt haben (USDOS 27.2.2014). Die Behörden schränkten die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit 2015 erneut empfindlich ein. Sie nutzten das Antiterrorgesetz aus dem Jahr 2014 und andere Gesetze, um Menschenrechtsverteidiger und Regierungskritiker festzunehmen, strafrechtlich zu verfolgen und nach häufig unfairen Gerichtsverfahren zu inhaftieren. Bei vielen von ihnen handelte es sich um gewaltlose politische Gefangene. Folter und andere Misshandlungen von Häftlingen waren weiterhin an der Tagesordnung. Die Verfahren vor dem Sonderstrafgericht für terroristische Straftaten entsprachen nicht den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren und endeten in einigen Fällen mit Todesurteilen. Die schiitische Minderheit wurde nach wie vor diskriminiert. Einigen schiitischen Aktivisten, gegen die Todesurteile ergangen waren, drohte die Hinrichtung. Frauen wurden durch Gesetze und im Alltag diskriminiert und waren nicht ausreichend gegen sexuelle Gewalt und andere Gewalttaten geschützt. Die Regierung schob erneut Tausende Arbeitsmigranten im Schnellverfahren ab. Viele mussten in Länder zurückkehren, in denen ihnen schwere Menschenrechtsverletzungen drohten. Die Todesstrafe fand in großem Ausmaß Anwendung, mehr als 150 Todesurteile wurden vollstreckt (AI 24.02.2016). Die Regierung duldete 2014 weiterhin keine abweichenden Meinungen und unterdrückte Kritiker, wie Blogger und andere Personen, die ihre Meinung im Internet äußerten, engagierte Bürger, Frauenrechtlerinnen, Angehörige der schiitischen Minderheit, Menschenrechtsverteidiger und andere, die sich für die Menschenrechte einsetzten. Richtern war es nach wie vor verboten, die sozialen Medien zu nutzen. Die Behörden schränkten die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit 2014 weiterhin stark ein. Gegen abweichende Meinungen ging sie mit unerbittlicher Härte vor. So wurden u.a. Menschenrechtsverteidiger und andere Regierungskritiker festgenommen und inhaftiert. Viele von ihnen erhielten unfaire Verfahren vor Gerichten, darunter ein Sonderstrafgericht für terroristische Straftaten, das auch Todesurteile fällte. Neue Gesetze setzten Kritik an der Regierung und andere friedliche Protestaktionen faktisch mit Terrorismus gleich. Die Behörden gingen rigoros gegen jede Art von Internetaktivitäten vor und schüchterten Aktivisten und deren Familienangehörige ein, wenn sie Menschenrechtsverstöße öffentlich machten. Nach der Unterzeichnung durch König Abdullah trat im Februar 2014 ein neues Antiterrorgesetz in Kraft, das die weitreichenden Befugnisse der Behörden im Kampf gegen "terroristische Handlungen" noch einmal erweiterte. Das Gesetz enthält keine konkrete Definition des Begriffs Terrorismus, legt jedoch fest, dass unter "terroristische Handlungen" Worte und Taten fallen, die nach Ansicht der Behörden die öffentliche Ordnung direkt oder indirekt "stören", die "Sicherheit der Gesellschaft oder die Stabilität des Staates ins Wanken bringen", "das Grundgesetz der Herrschaftsausübung infrage stellen" oder "den Ruf und das Ansehen des Staates schädigen". Im März 2014 erließ das Innenministerium eine Reihe von Dekreten, die die bereits sehr weit gefasste Definition von Terrorismus um weitere Tatbestände erweiterten, darunter "Aufforderung zu atheistischem Denken", "Kontaktaufnahme zu Gruppen oder Einzelpersonen, die gegen das Königreich sind", "das Bestreben, die nationale Einheit durch Protestaufrufe zu zerstören" und "dem Staat und seinen Führungspersönlichkeiten Schaden zuzufügen". Entgegen internationalen Standards sind die neuen Dekrete rückwirkend gültig. Somit können Personen für mutmaßliche Straftaten in der Vergangenheit sowohl wegen Terrorismus als auch wegen anderer Vorwürfe strafrechtlich verfolgt werden, sollten sie erneut straffällig werden (AI 25.2.2015). Das Justizwesen ist traditionell religiös dominiert. Überwiegend wird die hanbalitische Rechtsschule befolgt. Scharia-Gerichte sind mit zivilrechtlichen und Strafrechtsfragen betraut, Beschwerde- und Verwaltungsgerichte befassen sich mit handelsrechtlichen Auseinandersetzungen. Da islamisches Recht nicht schriftlich kodifiziert ist, ermöglicht es den Richtern einen breiten Interpretationsspielraum. Einzelne Bestimmungen der Scharia werden auch heute noch angewendet (Todesstrafe für Kapitalverbrechen, Gliederamputationen nach Diebstahl). Gegenwärtig wird die Rechtsprechung modernisiert, so wurde die Rolle von Verteidigern vor Scharia-Gesetzen geregelt, die Ausbildung von Staatsanwälten festgelegt und Rechte und Pflichten von Rechtsanwälten definiert (GIZ 1.2015). Der Berufungsgericht und der neue oberste Gerichtshof haben den Zugang zur Rechtsprechung erleichtert. Eine neue Schiedsgerichtsbarkeit wurde gegründet, um die Anzahl der Verfahren zu verringern. Dennoch leidet das Rechtssystem weiterhin unter starken Verzögerungen beim Vor-Gericht-stellen von Angeklagten und einem Mangel an Kodifizierung (Festschreibung) von Präzedenzrecht (FCO 12.3.2015). Im Juli 2014 bestätigte das Justizministerium erneut, dass für mutmaßliche Verstöße gegen die Staatssicherheit ausschließlich das Sonderstrafgericht zuständig ist (AI 25.2.2015). Gerichte verhängten 2015 nach wie vor grausame und unmenschliche Körperstrafen, vor allem Stock- oder Peitschenhiebe, nach richterlichem Ermessen als zusätzliche Strafe bei zahlreichen Vergehen, darunter Verleumdung, Beleidigung und sexuelle Belästigung. Der Blogger Raif Badawi erhielt am
  7. Januar 2015 in Dschidda öffentlich 50 Stockhiebe, was Entrüstung auf internationaler Ebene auslöste. Raif Badawi war 2014 u.a. zu 1000 Stockhieben verurteilt worden. Im Verlauf des Jahres 2015 erhielt er keine weiteren Stockschläge. Im November 2015 bestätigte ein Berufungsgericht das Urteil von zwei Jahren Haft und 200 Stockschlägen gegen den Menschenrechtsverteidiger Mikhlif bin Daham al-Shammari. Er war 2014 für schuldig befunden worden, "die Öffentlichkeit aufgebracht zu haben, indem er sich mit Schiiten traf" und "gegen Anweisungen der Staatsführung verstoßen zu haben, indem er private Treffen abhielt und Twitter nutzte" (AI 24.02.2016). Gefangene (darunter auch Kinder) sind regelmäßig unfairen rechtlichen Verfahren, willkürlichen Verhaftungen, Folter und Misshandlungen ausgesetzt. Saudische Richter verurteilen Angeklagte routinemäßig zu Auspeitschungen von mehreren hunderten Hieben. Richter können nach freiem Ermessen Festnahmen und Inhaftierungen anordnen, auch für Kinder. Kinder können wegen Kapitalverbrechen vor Gericht gestellt werden und können wie Erwachsene verurteilt werden, sofern physische Zeichen der Pubertät sichtbar sind (HRW 29.1.2015). Saudi Arabien wendet die Scharia (islamisches Recht) als geltendes Gesetz an. Richter entscheiden in Bezug auf kriminelle Tatbestände oftmals

der Scharia, in Abstimmung mit etablierten Regeln und Präzedenzfällen. Es gibt kein offizielles Strafgesetzbuch, die Regierung hat jedoch einige Gesetze und Verordnungen verabschiedet, die bestimmte, sehr allgemein definierte Vergehen mit strafrechtlichen Sanktionen versehen. Mangelns schriftlicher Strafgesetze oder eng definierter Verordnungen, können Richter und Staatsanwälte eine Vielzahl von Vergehen unter den weit gefassten Auffangvergehen, wie " Loyalitätsbruch dem Oberhaupt gegenüber" oder "der Versuch den Ruf des Königreichs zu deformieren" kriminalisieren. Saudi-Arabien erlaubte im Jahr 2014 zum ersten Mal Repräsentanten von bestimmten ausländischen diplomatischen Missionen, Verfahren von saudischen Dissidenten und Aktivisten zu beobachten (HRW 29.1.2015). Für Arbeitsmigranten gilt: Das bestehende Bürgschaftssystem (Kafala) unterwirft die Arbeitsmigranten - auch über den unmittelbaren betrieblichen Bereich hinaus - der strikten Kontrolle durch den jeweiligen Arbeitgeber (GIZ 10.2014). Die Gerichte verhängten erneut Todesurteile für eine Reihe von Vergehen, darunter auch solche, die keine Gewaltverbrechen waren, z. B. Drogendelikte, oder die keine international als Straftat anerkannte Handlung darstellten, wie "Hexerei" oder Ehebruch. Die Gerichtsverfahren, nach denen die Todesurteile verhängt wurden, waren häufig unfair. Einige der Angeklagten, darunter auch ausländische Staatsbürger, die wegen Mordes angeklagt worden waren, gaben an, sie seien gefoltert oder anderweitig gezwungen oder getäuscht worden, damit sie in der Untersuchungshaft falsche "Geständnisse" ablegten. Die Behörden vollstreckten zahlreiche Hinrichtungen, viele davon in der Öffentlichkeit durch Enthauptung. Unter den Hingerichteten befanden sich sowohl saudi-arabische Staatsangehörige wie auch Arbeitsmigranten (AI 25.2.2015). Im Jahr 2014 fanden 86 Exekutionen statt, im Jahr davor waren es

  1. Diejenigen, die exekutiert wurden, waren hauptsächlich wegen Mordes, Drogendelikten und bewaffnetem Raub verurteilt worden, zumindest eine Person wurde wegen Hexerei verurteilt. Der Großteil der Exekutionen wurde in Gefängnissen durchgeführt, aber einige fanden in der Öffentlichkeit statt. Das Prinzip der Todesstrafe ist im Scharia-Gesetz Saudi Arabiens verankert (FCO 12.3.2015). Im November 2015 verurteilte das Allgemeine Gericht in Abha den Dichter und Künstler Ashraf Fayadh wegen Abfalls vom Glauben (Apostasie) zum Tode. Zuvor hatte ein Berufungsgericht das ursprüngliche Strafmaß von vier Jahren Haft und 800 Stockschlägen wegen Verstoßes gegen Paragraph 6 des Gesetzes zur Internetkriminalität aufgehoben. Die Welle von Hinrichtungen, die im August 2014 begonnen hatte, setzte sich 2015 fort. Allein im ersten Halbjahr 2015 wurden in Saudi-Arabien mindestens 102 Menschen hingerichtet, das waren mehr als im gesamten Jahr
  2. Bis zum Jahresende war die Zahl der Hinrichtungen auf mehr als 150 gestiegen. In vielen Fällen ging es um Straftaten, die nicht zu den "schwersten Verbrechen" zählen und deshalb laut Völkerrecht nicht mit der Todesstrafe geahndet werden dürfen. Zahlreiche Hinrichtungen erfolgten in der Öffentlichkeit durch Enthauptung (AI 26.02.2016). Der Islam ist Staatsreligion. Die Mehrheit der saudischen Bevölkerung sind Sunniten, zur schiitischen Strömung bekennen sich etwa 1 Million Muslime, die vor allem in der Ostprovinz und in geringerer Zahl im Grenzgebiet zum Jemen (Ismailiten, Zaiditen) beheimatet sind. Ihnen ist die Ausübung eigenen religiösen Brauchtums in der Öffentlichkeit nicht gestattet. Andere Konfessionen sind offiziell nicht zugelassen. Der Staat kontrolliert die Religionspolitik über das Ministerium für Islamische Angelegenheiten und Stiftungen, den Rat der Obersten Ulama und das Dar al-Ifta. Es wird eine salafitische Ausrichtung des Islam propagiert, die eine Besinnung auf den ursprünglichen Islam anstrebt ("as-salaf as-saleh" – die frommen Altvorderen) und sich auf die Lehren Abd al-Wahhabs stützt. Im Alltag sorgt die sogenannte Religionspolizei ("Hayat al-Amr bil-Ma¿ruf wa al-Nahi ¿an al-Munkar" - Commission for the Promotion of Virtue and the Prevention of Vice - CPVPV) für islamisch korrektes Verhalten, insbesondere die Einhaltung der Gebetszeiten und die vorgeschriebene Bekleidung der Frauen. Alkohol, Glücksspiel und Prostitution sind verboten. Im Ramadan wird auch von Ausländern erwartet, in der Öffentlichkeit das Fastengebot zu respektieren (GIZ 10.2014). Das CPVPV schikanierte und misshandelte Personen aus religiösen Gründen. Die Regierung verhaftete Personen mit den Begründungen, dass sie den Islam beleidigt hätten, die Abkehr vom Islam ermutigt oder erleichtert hätten, wegen Hexerei oder dafür, dass sie für private nicht-muslimische Betriebe gearbeitet hätten (USDOS 28.6.2014). Das Aufgabengebiet des CPVPV umfasst u.a. die Bekämpfung von öffentlichen Kontakten zwischen ledigen, nicht verwandten Männern und Frauen (Gender Mixing), die Ausübung bzw. die Zurschaustellung von Emblemen nicht muslimischer Religionen, fehlenden Respekt vor dem Islam, insbesondere bei Frauen "unanständige" Bekleidung, die Vorführung oder den Verkauf gegen den Islam gerichteter Medien inklusive Pornographie, Produktion, Vertrieb und Konsumation von Alkohol, die Verehrung von Plätzen oder das Feiern von Festen, die nicht im Einklang mit den anerkannten Praktiken des Islams stehen, die Ausübung von Hexerei und schwarzer Magie, die Begehung oder Begünstigung von Handlungen, die als unzüchtig oder moralisch verwerflich erachtet werden, wie Ehebruch, Homosexualität und Glückspiel (USDOS 10.08.2016). Die Scharia diskriminiert - so wie sie von der Regierung interpretiert wird – nicht-praktizierende Sunniten, Schiiten und Mitglieder anderer Religionen. Zum Beispiel dürfen Richter die Zeugenaussagen von nicht-praktizierenden Sunniten, Schiiten und Mitgliedern anderer Religionen herunterspielen. Einige Quellen berichten, dass Richter die Zeugenaussagen von Schiiten manchmal sogar komplett ignorierten (USDOS 27.2.2014). Gegen den sunnitischen Islam gerichtete Blasphemie stellt nach wie vor einen Straftatbestand dar, der laut Gesetz mit Todesstrafe geahndet werden kann. In den letzten Jahrzehnten wurden seitens der Gerichte jedoch keine Todesstrafen wegen Blasphemie ausgesprochen. Wegen Blasphemie wurden in der Regel langjährige Haftstrafen oder eine Bestrafung durch Peitschenhiebe verhängt, dies oft nach Inhaftierungen ohne Verfahren oder sogenannten "Schutzhaften". Kritik am Islam sowie Meinungsäußerungen, die als beleidigend für Muslime angesehen werden, sind im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung verboten. Zahlreichen Berichten zufolge kommt es immer wieder zum Aufruf der Behörden zur Strafverfolgung von Atheisten. Im Februar 2015 wurde eine Person vom Allgemeinen Gericht in Hafr al-Batin wegen der Lossagung vom Islam und der Entweihung eines Korans auf einem Video zum Tod verurteilt. Das Urteil wurde bis Ende 2015 nicht vollstreckt. Weiters wurde auf das Todesurteil gegen den palästinensischen Dichter Ashraf Fayadh wegen Blasphemie, Apostasie, Verbreitung von Atheismus an öffentlichen Plätzen und unerlaubten Beziehungen zu jungen Frauen hingewiesen, wobei ein Rechtsmittelverfahren Ende 2015 noch anhängig war. Am 30.01.2015 wurde die Frauenrechtsaktivistin Souad al-Shammary, die seit Oktober 2014 ohne Anklage wegen Beleidigung des Islams und Kritik an Klerikern in sozialen Medien inhaftiert wurde, freigelassen (USDOS 10.8.2016). Im Zuge des sozioökomischen Transformationsprozesses während der letzten Jahrzehnte haben sich auch soziale Strukturen, Schichtungen und Milieus verändert, modernisiert und weiter ausdifferenziert. Dabei ist die saudische Gesellschaft noch stark von patriarchalischen Strukturen und Verhaltensweisen durchdrungen, die sich besonders gravierend auf die soziale Lage der Frau auswirken, wie z.B. in Form der noch immer häufig anzutreffenden Polygamie. Frauen benötigen für den Zugang zu Bildung bzw. Berufstätigkeit eine Erlaubnis ihres Vormunds, Unternehmerinnen müssen sich in Geschäftsangelegenheiten von einem Mann vertreten lassen und in konservativen Familien verlässt eine Frau nicht ohne einen männlichen Begleiter ("mahram") das Haus. Frauen haben kein Wahlrecht, dürfen nicht Auto fahren (dies gilt auch für Ausländerinnen) und sind in der Öffentlichkeit strengen Kleidervorschriften unterworfen (schwarzer Umhang – "Abaya" - und Kopftuch, oft auch Gesichtsschleier). Noch 1970 konnten gerade 2 Prozent aller Frauen lesen und schreiben, heute stellen Studentinnen schon mehr als die Hälfte der Studierenden. Doch immer noch liegt der Anteil saudischer Frauen an der Gesamtzahl der Beschäftigten unter 10 Prozent (GIZ 10.2014). Die Rechtsprechung ist in Saudi Arabien Männern vorbehalten, es gibt keine Richterinnen. Der Zeugenaussage eines Mannes kommt im Verfahren mehr Gewicht zu als der einer Frau. Die Aussage eines Mannes ist gleichwertig mit der Aussage von zwei Frauen. Während Männer sich ohne Bekanntgabe von Gründen unter Zahlung einer den Ehejahren entsprechenden einmaligen Abfindung scheiden lassen können, müssen Frauen im gleichen Zusammenhang vom Gesetz vorgegebene Gründe nachweisen (USDOS 13.04.2016). Frauen ist es verboten, ohne Genehmigung ihres männlichen "Vormundes" (meistens der Ehemann, Vater, Bruder oder Sohn) einen Reisepass zu beantragen, zu reisen, zu heiraten oder eine höhere Bildung anzustreben (HRW 29.1.2015). Frauen haben auch in Bezug auf Familienangelegenheiten wie Heirat, Scheidung, das Sorgerecht für die Kinder und Erbschaftsfragen nach wie vor einen untergeordneten gesetzlichen Status. Außerdem waren sie nur unzureichend gegen geschlechtsspezifische Gewalt und andere Übergriffe geschützt. Häusliche Gewalt war weiterhin sehr weit verbreitet, obwohl die Regierung 2013 zu diesem Thema eine Aufklärungskampagne gestartet hatte. Ein 2013 auf den Weg gebrachtes Gesetz, das häusliche Gewalt unter Strafe stellte, wurde in der Praxis nicht angewendet, da es keine entsprechend geschulten Behörden gab, die es hätten umsetzen können. Frauen, die sich der 2011 ins Leben gerufenen, gegen das Frauenfahrverbot gerichteten Kampagne Women2Drive anschlossen, wurden von den Behörden schikaniert und eingeschüchtert. Man drohte ihnen damit, sie festzunehmen, wenn sie sich trotz des Fahrverbots für Frauen ans Steuer setzen würden (AI 25.2.2015). Einige wurden tatsächlich verhaftetet (FCO 12.3.2015). Die beiden Frauenrechtlerinnen Loujain al-Hathloul und Maysaa al-Amoudi wurden nach ihrer Festnahme Ende 2014 ebenfalls auf Grundlage des Antiterrorgesetzes angeklagt. Sie waren Auto gefahren, obwohl Frauen dies in Saudi-Arabien nicht dürfen. Die Behörden hielten die beiden Frauenrechtlerinnen mehrere Wochen lang fest, bevor sie am
  3. Februar 2015 freikamen. Es war unklar, ob ihr Gerichtsverfahren fortgesetzt werden würde (AI 24.02.2016). Der weit verbreitete gesellschaftliche Ausschluss von Frauen wird durch Einschränkungen hinsichtlich der Nutzung öffentlicher Einrichtungen durch Frauen sowohl seitens staatlicher Stellen als auch privater verstärkt. So sieht das Gesetz vor, dass Frauen üblicherweise nur getrennt in Familienbereichen sitzen dürfen. Sie können daher oft Restaurants, die derartige getrennte Bereiche nicht aufweisen, nicht besuchen. Frauen riskieren zudem verhaftet zu werden, wenn sie in einem privaten Fahrzeug mitfahren, das nicht von einem Angestellten oder einem nahen männlichen Verwandten gelenkt wird. Die meisten Fälle von Vergewaltigung werden nicht gemeldet, da die Opfer mit gesellschaftlichen und familiären Repressalien rechnen müssen, ihre Chancen auf Verehelichung deutlich vermindert werden und ihnen zudem strafrechtliche Sanktionen bis hin zu Haftstrafen sowie Anklagen wegen Ehebruchs oder unehelichen Beziehungen, welche nach Scharia strafbar sind, drohen (USDOS 13.04.2016). Die Regierung schränkte die Reisefreiheit oder die Änderung des Wohnsitzes oder Arbeitsplatzes von männlichen Staatsbürgern innerhalb des Landes grundsätzlich nicht ein, sofern sie Inhaber der National Identification Card (NIC) waren. Das Gesetz verpflichtet alle männlichen Staatsbürger über 15 Jahren, eine NIC zu besitzen. Im November 2012 kündigte das Innenministerium an, an alle weiblichen Staatsbürgerinnen über 15 Jahre NICs zu verteilen. Bis zum September 2013 hatte das Innenministerium nur 1,5 Millionen NICs an Frauen verteilt, in Saudi Arabien leben ungefähr 9,8 Millionen Frauen. Das Vormundschaft-System bewirkt, dass Frauen die Bewilligung ihres männlichen Vormundes (im Normalfall ihr Vater, Sohn, Bruder, Großvater, Onkel oder ein anderer männlicher Verwandter) benötigen, um frei im Land reisen zu können (USDOS 27.2.2015). Es gibt Beschränkungen von Auslandsreisen, einschließlich für Frauen und Mitgliedern von Minderheiten. Niemand darf das Land ohne einem Ausreisevisum und einem Reisepass verlassen. Frauen unter 45 Jahre, Minderjährige (Männer unter 21 Jahre) und andere Angehörige, bzw. auch ausländische Arbeiter benötigen die Zustimmung eines männlichen Vormundes, um ins Ausland reisen zu dürfen. Eine Frau ohne saudische Staatsbürgerschaft benötigt die Zustimmung ihres Mannes, um zu verreisen, es sei denn beide Partner unterzeichnen eine voreheliche Übereinkunft, dass die Nichtstaatsbürgerin ohne Zustimmung ihres Mannes reisen darf. Staatliche Stellen und männliche Familienmitglieder können Frauen und minderjährige Kinder auf Sperrlisten setzen, um ihnen das Ausreisen zu verbieten. Der männliche Vormund darf per Gesetz bei Sorgerechtsstreitigkeiten sogar erwachsene Kinder davon abhalten, das Land zu verlassen (USDOS 27.2.2014). BADIL, eine unabhängige nichtprofitorientierte Organisation zum Schutz der Rechte von palästinensischen Flüchtlingen, schreibt in einem Überblick zu palästinensischen Flüchtlingen in Saudi-Arabien vom November 2015, dass nach saudischem Gesetz der Staat "politisches Asyl gewähren würde, wenn das öffentliche Interesse dies verlangen würde." Trotzdem habe das Land keine Schritte unternommen, diese Bestimmung umzusetzen. Von UNHCR anerkannten Flüchtlingen sei es gestattet, sich "vorübergehend" im Land aufzuhalten, bis eine Langzeitlösung gefunden worden sei. Generell würde der Staat keine Ansiedlung von Flüchtlingen oder Asylwerbern aus Drittländern zulassen. Eine Aufenthaltsgenehmigung müsse über einen saudi-arabischen Sponsor erlangt werden. Palästinensern sei es ohne Erlaubnis dieses Sponsors nicht gestattet, sich außerhalb der Stadt, in der sie arbeiten würden, zu bewegen oder ihre Arbeitsstelle zu wechseln. Palästinenser, die Saudi-Arabien für mehr als sechs Monate verlassen hätten, dürften nicht ohne einen neuen Arbeitgeber oder Sponsoren wieder nach Saudi-Arabien einreisen, und dies zu erlangen sei aus dem Ausland fast unmöglich. Das norwegische Herkunftsländerinformationszentrum Landinfo, ein unabhängiges Organ der norwegischen Migrationsbehörden, das verschiedenen AkteurInnen innerhalb der Migrationsbehörden Herkunftsländerinformationen zur Verfügung stellt, schreibt in einer Anfragebeantwortung vom November 2015 zum Thema Einreisemöglichkeiten für alleinstehende staatenlose palästinensische Frauen, dass es zwei Arten von Ausreisevisa für Personen, die aus Saudi-Arabien ausreisen möchten, gebe. Das eine Ausreisevisum ("exit visa") werde Personen ausgestellt, die nicht beabsichtigten, nach Saudi-Arabien zurückzukehren, das andere Ausreisevisum ("exit/reentry visa") werde jenen Personen ausgestellt, die wieder ins Land zurückkehren wollten. Es gebe zwei verschiedene Ausreisevisa, die zur Wiedereinreise berechtigen würden. Das eine sei für 90 Tage gültig, das andere für 120 Tage. Sollte die Rückkehr nicht innerhalb dieser Frist erfolgen, so sei es einem anderen Land nicht möglich, diese Person nach Saudi-Arabien abzuschieben. Sollte die Person, die die Rückreisefrist versäumt hat, freiwillig nach Saudi-Arabien zurückkehren wollen, so müsse sie bei den saudischen Behörden um ein Einreisevisum ansuchen und über einen Sponsor in Saudi-Arabien verfügen. In einer Anfragebeantwortung vom April 2003 schreibt das IRB, dass laut der Botschaft von Saudi-Arabien in Ottawa ein Palästinenser, der palästinensische Eltern habe, in Saudi Arabien geboren wurde und mit einem auf zwei Jahre befristeten jordanischen Pass reise, nicht berechtigt sei, wieder nach Saudi-Arabien einzureisen, falls die sechsmonatige Frist für seine Wiedereinreise abgelaufen sei. Die Verlängerung eines Ausreise-/Einreisevisums sei davon abhängig, ob das Ein-/Ausreisevisum oder Reisedokument außerhalb Saudi-Arabiens abgelaufen sei, wie lange die Person sich außerhalb des Landes aufgehalten habe und die vorangegangene Dauer der Aufenthaltsberechtigung der Person. Falls gewisse Voraussetzungen vorliegen, bestünde die Möglichkeit ein Ein-/Ausreisevisum zu verlängern (ACCORD 06.07.2016) Quellen: -Strichaufzählung ACCORD Anfragebeantwortung a-9698-1 vom 06.07.2016 -Strichaufzählung AI - Amnesty International (25.2.2015): Amnesty International Report 2014/15 - The State of the World's Human Rights - Saudi Arabia, https://www.amnesty.org/en/countries/middle-east-and-north-africa/saudi-arabia/report-saudi-arabia/, https://www.amnesty.de/jahresbericht/2015/saudi-arabien; -Strichaufzählung AI - Amnesty International (24.2.2016): Amnesty International Report 2015/16 - The State of the World's Human Rights - Saudi Arabia,
  4. Februar 2016, http://www.ecoi.net/local_link/319682/458910_de.html; -Strichaufzählung FCO - UK Foreign and Commonwealth Office (12.3.2015): Human Rights and Democracy Report 2014 - Section XII: Human Rights in Countries of Concern - Saudi Arabia, http://www.ecoi.net/local_link/298549/435090_de.html; -Strichaufzählung GIZ – Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (10.2014): Saudi-Arabien – Gesellschaft, http://liportal.giz.de/saudi-arabien/gesellschaft/; -Strichaufzählung GIZ – Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (1.2015): Saudi-Arabien – Geschichte und Staat, http://liportal.giz.de/saudi-arabien/geschichte-staat/; -Strichaufzählung GIZ – Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (4.2015): Saudi-Arabien – Gesellschaft, http://liportal.giz.de/saudi-arabien/gesellschaft/; -Strichaufzählung HRW - Human Rights Watch (29.1.2015): World Report 2015 - Saudi Arabia, http://www.ecoi.net/local_link/295517/430549_de.html; -Strichaufzählung USDOS - US Department of State (28.6.2014): 2013 International Religious Freedom Report - Saudi Arabia, http://www.ecoi.net/local_link/281987/412346_de.html; -Strichaufzählung USDOS - US Department of State (27.2.2014): Country Report on Human Rights Practices 2013 - Saudi Arabia, http://www.ecoi.net/local_link/270784/400910_de.html; -Strichaufzählung USDOS - US Department of State: Country Report on Human Rights Practices 2015 - Saudi Arabia,
  5. April 2016, http://www.ecoi.net/local_link/322632/462109_de.html -Strichaufzählung USDOS - US Department of State: 2015 Report on International Religious Freedom - Saudi Arabia,
  6. August 2016, http://www.ecoi.net/local_link/328446/469224_de.html 1.2.
  7. Zur entscheidungsrelevanten Situation im Libanon: Ungefähr 450.000 Flüchtlinge sind im Libanon bei der UNRWA registriert, viele davon leben in den 12 Flüchtlingslagern des Landes. Palästinensische Flüchtlinge repräsentieren in etwa 10 Prozent der libanesischen Gesamtbevölkerung. Das Gesetz betrachtet UNRWA-registrierte palästinensische Flüchtlinge als Fremde, und in einigen Bereichen sind sie im Vergleich zu Fremden aus anderen Staaten schlechter gestellt, was insbesondere für Frauen zutrifft. Weiblichen palästinensischen Flüchtlinge, die mit libanesischen Staatsbürgern verheiratet sind, war es möglich die libanesische Staatsbürgerschaft zu erhalten und diese auch auf ihre Kinder zu übertragen. Palästinensische Flüchtlinge (einschließlich Kinder) haben beschränkte soziale und bürgerliche Rechte und keinen Zugang zu öffentlichen Gesundheits-, Bildungs- und anderen Dienstleistungen. Kinder von palästinensischen Flüchtlingen werden bezüglich der Geburtenregistrierung diskriminiert, und viele müssen die Schule vorzeitig verlassen, um Geld zu verdienen (USDOS 27.2.2014). Mit Blick auf das zerbrechliche konfessionelle Gleichgewicht wird die Integration der palästinensischen UNRWA-Flüchtlinge nach wie vor behindert. Palästinenserinnen können zwar per Gesetz durch Heirat die libanesische Staatsbürgerschaft erlangen, doch werden ihnen häufig gesetzlich nicht vorgesehene administrative Hürden in den Weg gestellt. Libanesische Frauen, die mit einem Palästinenser (oder anderen Ausländer) verheiratet sind, können ihre Staatsangehörigkeit weder an ihren Ehemann noch an ihre Kinder weitergeben. Bis zu 150.000 Menschen leben unter zum Teil sehr schwierigen und beengten Verhältnissen in den zwölf über das ganze Land verteilten palästinensischen Flüchtlingslagern. Für die palästinensischen Flüchtlinge gelten gravierende Einschränkungen u.a. weit reichende Berufsverbote. Auch wenn einige Berufe mittlerweile de jure den Palästinensern zugänglich gemacht werden, bestehen rechtliche Hindernisse und gesellschaftliche Diskriminierung weiterhin fort. So müssen alle Palästinensern stets eine Arbeitserlaubnis beantragen; alle freien Berufe (Arzt, Rechtsanwalt etc.) sind ihnen verwehrt. Auch der Besuch staatlicher Schulen ist palästinensischen Flüchtlingen untersagt. Seit 2001 dürfen Palästinenser zudem keinen Grund- und Immobilienbesitz erwerben oder vererben. Die palästinensischen Flüchtlingslager sind der Kontrolle durch staatliche Gewalt weitgehend entzogen. Die Sicherheit innerhalb der Lager wird durch palästinensische bewaffnete Ordnungskräfte und Volkskomitees gewährleistet, die von der jeweils politisch bestimmenden Fraktion gestellt werden. Die Armee beschränkt sich auf Zugangskontrollen und die Sicherung der Umgebung. Insbesondere im größten Flüchtlingslager Ein El Hilweh (ca. 75.000 Bewohner, am Rande der südlibanesischen Hafenstadt Sidon gelegen), das zahlreiche extremistische palästinensische und islamistische Gruppierungen (u.a. Takfir wa-l-Hidschra, Asbat al-Ansar, Dschama’at an-Nur, Dschund al-Sham) beherbergt, kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen (AA 11.11.2013). Ungefähr 53 Prozent der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon leben in den 12 Flüchtlingslagern, alle von ihnen leiden unter ernsthaften Problemen, wie Armut, Überfüllung, Arbeitslosigkeit, schlechten Wohnverhältnissen und fehlender Infrastruktur. Der andauernde Bürgerkrieg in Syrien hat viele palästinensische Flüchtlinge dazu gezwungen von Syrien in den Libanon zu flüchten (UNRWA 1.6.2014). Es gibt in etwa 45.000 Palästinenser aus Syrien, die in den Libanon flüchten, die zu jenen ca. 300.000 palästinensischen Flüchtlingen dazukommen, die bereits im Libanon leben. Im May 2014 setzte der Innenminister neue Regelungen in Kraft, die die Fähigkeit der Palästinenser, das Land zu betreten oder ihre Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern einschränkte. Vor dieser Einschränkung kam es zur Zwangsdeportation von ca. drei Dutzend Palästinensern zurück nach Syrien (HRW 1/2015).Das Gesetz betrachtet UNRWA-registrierte palästinensische Flüchtlinge als Fremde, und in einigen Bereichen sind sie im Vergleich zu Fremden aus anderen Staaten schlechter gestellt, was insbesondere für Frauen zutrifft. Weiblichen palästinensischen Flüchtlinge, die mit libanesischen Staatsbürgern verheiratet sind, war es möglich die libanesische Staatsbürgerschaft zu erhalten und diese auch auf ihre Kinder zu übertragen. Palästinensische Flüchtlinge (einschließlich Kinder) haben beschränkte soziale und bürgerliche Rechte und keinen Zugang zu öffentlichen Gesundheits-, Bildungs- und anderen Dienstleistungen. Kinder von palästinensischen Flüchtlingen werden bezüglich der Geburtenregistrierung diskriminiert, und viele müssen die Schule vorzeitig verlassen, um Geld zu verdienen (USDOS 27.2.2014). Mit Blick auf das zerbrechliche konfessionelle Gleichgewicht wird die Integration der palästinensischen UNRWA-Flüchtlinge nach wie vor behindert. Palästinenserinnen können zwar per Gesetz durch Heirat die libanesische Staatsbürgerschaft erlangen, doch werden ihnen häufig gesetzlich nicht vorgesehene administrative Hürden in den Weg gestellt. Libanesische Frauen, die mit einem Palästinenser (oder anderen Ausländer) verheiratet sind, können ihre Staatsangehörigkeit weder an ihren Ehemann noch an ihre Kinder weitergeben. Bis zu 150.000 Menschen leben unter zum Teil sehr schwierigen und beengten Verhältnissen in den zwölf über das ganze Land verteilten palästinensischen Flüchtlingslagern. Für die palästinensischen Flüchtlinge gelten gravierende Einschränkungen u.a. weit reichende Berufsverbote. Auch wenn einige Berufe mittlerweile de jure den Palästinensern zugänglich gemacht werden, bestehen rechtliche Hindernisse und gesellschaftliche Diskriminierung weiterhin fort. So müssen alle Palästinensern stets eine Arbeitserlaubnis beantragen; alle freien Berufe (Arzt, Rechtsanwalt etc.) sind ihnen verwehrt. Auch der Besuch staatlicher Schulen ist palästinensischen Flüchtlingen untersagt. Seit 2001 dürfen Palästinenser zudem keinen Grund- und Immobilienbesitz erwerben oder vererben. Die palästinensischen Flüchtlingslager sind der Kontrolle durch staatliche Gewalt weitgehend entzogen. Die Sicherheit innerhalb der Lager wird durch palästinensische bewaffnete Ordnungskräfte und Volkskomitees gewährleistet, die von der jeweils politisch bestimmenden Fraktion gestellt werden. Die Armee beschränkt sich auf Zugangskontrollen und die Sicherung der Umgebung. Insbesondere im größten Flüchtlingslager Ein El Hilweh (ca. 75.000 Bewohner, am Rande der südlibanesischen Hafenstadt Sidon gelegen), das zahlreiche extremistische palästinensische und islamistische Gruppierungen (u.a. Takfir wa-l-Hidschra, Asbat al-Ansar, Dschama’at an-Nur, Dschund al-Sham) beherbergt, kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen (AA 11.11.2013). Ungefähr 53 Prozent der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon leben in den 12 Flüchtlingslagern, alle von ihnen leiden unter ernsthaften Problemen, wie Armut, Überfüllung, Arbeitslosigkeit, schlechten Wohnverhältnissen und fehlender Infrastruktur. Der andauernde Bürgerkrieg in Syrien hat viele palästinensische Flüchtlinge dazu gezwungen von Syrien in den Libanon zu flüchten (UNRWA 1.6.2014). Es gibt in etwa 45.000 Palästinenser aus Syrien, die in den Libanon flüchten, die zu jenen ca. 300.000 palästinensischen Flüchtlingen dazukommen, die bereits im Libanon leben. Im May 2014 setzte der Innenminister neue Regelungen in Kraft, die die Fähigkeit der Palästinenser, das Land zu betreten oder ihre Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern einschränkte. Vor dieser Einschränkung kam es zur Zwangsdeportation von ca. drei Dutzend Palästinensern zurück nach Syrien (HRW 1 aus 2015,). (LIF Staatendokumentation 2015) Ein Mitarbeiter der United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East (UNRWA) im Libanon teilte in einer Email-Auskunft vom
  8. Oktober 2016 mit, dass ein palästinensischer Flüchtling, der bei der UNRWA registriert sei, seine Registrierung unabhängig vom Ort, an dem er sich aufhalte, beibehalte. UNRWA würde keine Personen von der Registrierungsliste streichen, nur weil sie sich im Ausland aufhalten würden. Das BADIL Resource Center, eine unabhängige palästinensische Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Betlehem, erklärt in einer Email-Auskunft vom
  9. Oktober 2016, dass eine UNRWA-Registrierung einer Person nicht ablaufe, unabhängig davon, wie lange die Person im Ausland gelebt habe. Daher ändere sich auch an dem von UNRWA anerkannten Flüchtlingsstatus nicht, egal wo sich die Person gerade aufhalte. Auch die Rückkehr in den Libanon ändere den Flüchtlingsstatus nicht. Die Flüchtlingskarte könne aktualisiert werden, falls die Person Kinder bekommen habe. Diese würden dann mit auf der Karte vermerkt. Es handle sich also um die Aktualisierung der Flüchtlingskarte, nicht um eine Neuausstellung. Die Reisedokumente könnten ablaufen, der Flüchtlingsstatus bleibe jedoch erhalten, bis eine dauerhafte Lösung gefunden sei. Gegenwärtig seien mehr als 425.640 Palästinenser bei der UNRWA im Libanon registriert. Jedoch gehe die UNRWA laut Zahlen aus Studien davon aus, dass nur geschätzt 260.000 bis 280.000 von diesen registrierten Palästinensern sich im Land aufhalten würden. 62 Prozent der Flüchtlinge würden in den 12 Flüchtlingslagern im Libanon leben, die restlichen 38 Prozent würden in Ansiedlungen meist in unmittelbarer Nachbarschaft dieser Flüchtlingslager leben. Circa 200.000 Palästinenser hätten den Libanon verlassen und seien nach Europa gezogen, insbesondere nach der israelischen Invasion 1982 und dem "Krieg in den Flüchtlingslagern", um dem Konflikt zu entfliehen. In den letzten Jahren hätten sie vermehrt den Libanon verlassen, um der weitverbreiteten sozialen Marginalisierung zu entkommen. 22 Prozent der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon habe ein engeres Familienmitglied, das ins Ausland emigriert sei. Die im Oman erscheinende Tageszeitung Al-Watan berichtet in einem Artikel vom September 2016, dass eine Aufenthaltsberechtigung für Palästinenser im Libanon allein zum Wohnen in einem der Flüchtlingslager berechtige. Zudem sei Palästinensern die Ausübung von bis zu 50 Berufen, darunter Medizin und Ingenieurwesen, verwehrt. Das libanesische Reisedokument für Palästinenser sei zusammen mit dem ägyptischen, dem syrischen und dem irakischen Reisedokument für Palästinenser kaum international anerkannt und es sei sehr schwer, damit zu reisen. Der Besitzer eines libanesischen Reisedokuments für palästinensische Flüchtlinge müsse vor einer Reise ins Ausland ein Rückkehrvisum beziehungsweise ein Wiedereinreisevisum beantragen. Die libanesische Behörde für staatliche Sicherheit (General Directorate of General Security) gibt auf ihrer Webseite unter einer Spalte, die sich speziell an Palästinenser richtet, bekannt, dass eine aktualisierte Version von palästinensischen Reisedokumenten übernommen worden sei. Diese Dokumente seien maschinenlesbar und gültig ab dem
  10. April
  11. Diese Art der Dokumente sei temporär, bis biometrische Reisedokumente ausgegeben würden. Die alten Reisedokumente für Palästinenser würden nicht mehr erneuert. Reisedokumente, die vor dem
  12. April 2016 ausgegeben worden seien, müssten vor ihrem Ablaufdatum mit der aktualisierten Version ersetzt werden. In einer telefonischen Auskunft der libanesischen Botschaft in Wien vom
  13. Oktober 2016 wurde erklärt, dass sich durch die Ausgabe neuer Reisedokumente an Palästinenser im Libanon nichts an deren rechtlichem Status geändert habe. (ACCORD Anfragebeantwortung 14.10.2016, [a-9868]) Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UN High Commissioner for Refugees, UNHCR) schreibt in einem Bericht zur Lage palästinensischer Flüchtlinge im Libanon vom Februar 2016, dass palästinensische Flüchtlinge, die bei den libanesischen Behörden registriert seien und aus dem Libanon aus-oder einreisen wollten, ein palästinensisches Reisedokument beantragen müssten, das von der libanesischen Behörde für allgemeine Sicherheit (Lebanese General Directorate of General Security, oder General Security Office, GSO) ausgestellt werde. Obwohl solche Dokumente die Ein- und Ausreise erlauben würden, seien palästinensische Flüchtlinge aufgrund ihres Status Berichten zufolge mit verschiedenen Beschränkungen konfrontiert, was die Beantragung von Visa in Drittländer angehe. Personen, die den Libanon ohne ein gültiges Reisedokument verlassen hätten, würden Berichten zufolge wieder ins Land gelassen. Es werde jedoch angenommen, dass sie das Land auf illegalem Weg verlassen hätten und sie würden deshalb für eine Woche bis zu drei Monaten festgenommen und/oder bei der Rückkehr zu Strafzahlungen von 1.250 bis 7.500 Libanesischen Pfund [0,75 bis 4,50 Euro, Wechselkurs vom Februar 2016, Anm. ACCORD] verpflichtet. Palästinensische Flüchtlinge, die sowohl bei der UNRWA [UN Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East] als auch beim DPAR [Directorate of Political Affairs and Refugees] registriert seien, könnten Reisedokumente beantragen, die für ein, drei oder fünf Jahre gültig seien.Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UN High Commissioner for Refugees, UNHCR) schreibt in einem Bericht zur Lage palästinensischer Flüchtlinge im Libanon vom Februar 2016, dass palästinensische Flüchtlinge, die bei den libanesischen Behörden registriert seien und aus dem Libanon aus-oder einreisen wollten, ein palästinensisches Reisedokument beantragen müssten, das von der libanesischen Behörde für allgemeine Sicherheit (Lebanese General Directorate of General Security, oder General Security Office, GSO) ausgestellt werde. Obwohl solche Dokumente die Ein- und Ausreise erlauben würden, seien palästinensische Flüchtlinge aufgrund ihres Status Berichten zufolge mit verschiedenen Beschränkungen konfrontiert, was die Beantragung von Visa in Drittländer angehe. Personen, die den Libanon ohne ein gültiges Reisedokument verlassen hätten, würden Berichten zufolge wieder ins Land gelassen. Es werde jedoch angenommen, dass sie das Land auf illegalem Weg verlassen hätten und sie würden deshalb für eine Woche bis zu drei Monaten festgenommen und/oder bei der Rückkehr zu Strafzahlungen von 1.250 bis 7.500 Libanesischen Pfund [0,75 bis 4,50 Euro, Wechselkurs vom Februar 2016, Anmerkung ACCORD] verpflichtet. Palästinensische Flüchtlinge, die sowohl bei der UNRWA [UN Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East] als auch beim DPAR [Directorate of Political Affairs and Refugees] registriert seien, könnten Reisedokumente beantragen, die für ein, drei oder fünf Jahre gültig seien. Laut Angaben einer internationalen Organisation könnten palästinensische Flüchtlinge, die im Libanon bei der Abteilung für politische Angelegenheiten und Flüchtlinge [Directorate of Political Affairs and Refugees, DPAR] registriert seien, nach Syrien gezogen und dort viele Jahre gelebt hätten, ohne Schwierigkeiten wieder in den Libanon einreisen, gesetzt den Fall, sie hätten ihre DPAR-Registrierung beibehalten und ihre Personalausweis bei sich. Eine Mitarbeiterin vom Norwegian Refugee Council (NRC) habe angemerkt, dass die Wiedereinreise palästinensischer Flüchtlinge aus Syrien von ihren Dokumenten abhänge (Personalausweis sowie Reisedokument), die ihre Zugehörigkeit zum Libanon bestätigen müssten. Wenn diese Dokumente in Ordnung seien, dann sollte es keine Probleme bei der Einreise in den Libanon geben. Die libanesische Behörde für allgemeine Sicherheit (General Security Office, GSO) habe erwähnt, dass, solange die Person bei der DPAR registriert sei, es keine Probleme bei der Rückkehr in den Libanon gebe. Laut Angaben der DPAR könne ein palästinensischer Flüchtling, der bei der DPAR registriert sei und viele Jahre in Syrien gelebt habe, wieder in den Libanon zurückkehren, wo er registriert sei, wenn seine Dokumente in Ordnung seien und er nicht unerwünscht politisch tätig oder vorbestraft sei. Die Tatsache, dass diese Person viele Jahre in Syrien gelebt habe, habe nicht dazu geführt, dass die Person aus dem Verzeichnis der DPAR gelöscht worden sei, unabhängig davon, ob sie in der Zwischenzeit ihre Reisedokumente erneuert habe oder nicht. Es sei betont worden, dass Änderungen im DPAR-Verzeichnis nicht automatisch, sondern nur auf Anfrage der registrierten Person unternommen würden. (ACCORD Anfragebeantwortung 06.07.2016, [a-9698-3]). Das US-amerikanische Außenministerium schreibt in seinem Bericht zur Menschenrechtslage vom April 2016 (Berichtszeitraum:2015), dass palästinensische Gruppen, die theoretisch für die Sicherheit in palästinensischen Flüchtlingslagern sorgen würden, sich gegeneinander die Kontrolle streitig machen würden, und auch die Justizsysteme in den Lagern kontrollieren würden. Die Kontrolle variiere stark zwischen den einzelnen Lagern, manche würden sich unter der Kontrolle der palästinensischen Sicherheitskräfte befinden, andere stünden unter dem Einfluss lokaler Milizen. In den Flüchtlingslagern würden palästinensische Gruppen ein autonomes und willkürliches Rechtssystem außerhalb der Kontrolle des Staates durchsetzen. Beispielsweise würden lokale Volkskomitees versuchen, in den Lagern Konflikte durch informelle Schlichtungsmethoden zu lösen. Dabei würden nur die Leute, die gravierenderer Straftaten wie Mord oder Terrorismus verdächtigt würden, an die staatlichen Behörden verwiesen. Mehrere palästinensische Gruppen hätten eine gemeinsame Sicherheitstruppe gebildet, um für Stabilität und Sicherheit im Ain el-Helweh Lager zu sorgen, jedoch sei die Kontrolle dieser Gruppe immer mehr von neuen islamistischen Gruppen angefochten worden (USDOS 2016) Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UN High Commissioner for Refugees, UNHCR) schreibt in einem Bericht zur Lage palästinensischer Flüchtlinge im Libanon vom Februar 2016, dass Berichten zufolge die libanesischen Sicherheitskräfte die Zugänge zu den Flüchtlingslagern kontrollieren und Fahrzeuge und Identitätsdokumente überprüfen würden. Innerhalb der Lage würden laut Berichten unterschiedliche palästinensische Splittergruppen, darunter linke, islamistische und der Fatah nahestehende Gruppierungen über ihre eigenen Waffen und Miliztruppen sowie einen eigenen Sicherheitsapparat verfügen. Politische Differenzen zwischen den Splittergruppen und der Kampf um Einfluss führten Berichten zufolge zu politisch motivierten Tötungen und sporadischen Kämpfen zwischen palästinensischen und nicht-palästinensischen Gruppierungen, die oft auch ZivilistInnen in Mitleidenschaft ziehen würden. Konflikte innerhalb des Libanon würden bisweilen auch in die palästinensischen Flüchtlingslager hineingetragen, weil (libanesische) bewaffnete Aufständische ein Rückzugsgebiet in den Lagern suchen würden. Es gebe Berichten zufolge auch Besorgnis wegen der Infiltrierung der Lager durch radikale Islamisten des IS (Islamischer Staat) und der Al- Kaida. Darüber hinaus würden kriminelle Banden, die in Drogenhandel, Waffenschmuggel und Prostitution verwickelt seien, zusätzlich für Unsicherheit sorgen. Eine sozioökonomische Studie der UNRWA und der American University of Beirut von 2015 habe ergeben, dass 61 Prozent der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon, sowie 57 Prozent der aus Syrien geflohenen Palästinenser angegeben hätten, sich aufgrund ihres physischen und sozialen Umfeldes in den Lagern unsicher zu fühlen. (ACCORD Anfragebeantwortung 06.07.2016, [a-9698-4]). Viele NGOs sowie das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) hätten von sexueller Belästigung und Ausnutzung von Flüchtlingen durch Staatsbeamte und Vermieter in Form von Arbeitsentlohnung unter dem Mindestlohnniveau, Überstunden, Schuldknechtschaft, und Druck auf Familien, ihre Töchter früh zu verheiraten oder zu nichteinvernehmlichen Geschlechtsverkehr zu zwingen, berichtet. Der libanesischen Regierung habe es an Kapazitäten gemangelt, Flüchtlingen einen angemessenen Schutz zu bieten. Flüchtlinge hätten regelmäßig missbräuchliche Behandlung durch Mitglieder politischer Parteien oder Banden gemeldet, meistens ohne dass es eine Antwort von offizieller Seite gegeben habe. Zudem hätten Razzien der libanesischen Truppen (Lebanese Armed Forces, LAF) in Flüchtlingssiedlungen zu Schikanen und Zerstörung von privatem Eigentum geführt. Das libanesische Gesetz stufe bei der UNRWA registrierte palästinensische Flüchtlinge als Ausländer ein, und in mehreren Fällen seien sie schlechter behandelt worden als Ausländer anderer Nationalitäten. Die UNRWA habe als einzige Organisation das Mandat, den 450.000 im Libanon registrierten Palästinensern Gesundheitsversorgung, Bildung, Sozial- und Notfallversorgung zur Verfügung zu stellen. Die Fläche, die den zwölf palästinensischen Flüchtlingslagern im Land zur Verfügung gestellt worden sei, habe sich seit 1948 nur marginal verändert, während sich die in ihnen lebende Bevölkerung vervierfacht habe. Daher würden die meisten Palästinenser in überbevölkerten Lagern leben, von denen manche in vergangenen Konflikten stark beschädigt worden seien. Sicherheitskomitees der Palästinensischen Befreiungsorganisation (Palestine Liberation Organization, PLO) würden

einer Übereinkunft mit dem libanesischen Staat außer im Nahr al-Bared Camp für die Sicherheit der Flüchtlinge in den Flüchtlingslagern sorgen. (ACCORD Anfragebeantwortung 06.07.2016, [a-9698-3]) BADIL, eine unabhängige nichtprofitorientierte Organisation zum Schutz der Rechte von palästinensischen Flüchtlingen, schreibt in einem Überblick zu palästinensischen Flüchtlingen im Libanon vom November 2015, dass öffentliche Schulen im Libanon nur libanesischen Staatsangehörigen vorbehalten seien und Privatschulen sehr teure Schulgelder verlangen würden. UNRWA sei folglich der primäre Anbieter von Bildungsdiensten. Palästinensern sei der Zugang zu Arbeit im öffentlichen Sektor verwehrt. Einige Berufe im privaten Sektor seien ebenfalls für Personen ohne libanesische Staatsangehörigkeit nicht zugänglich. Da Palästinenser staatenlos seien, sei es oft unmöglich für sie, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Auch zu staatlichen Krankenhäusern und anderen öffentlichen Gesundheitsdiensten hätten Palästinenser keinen Zugang. Die Gesundheitsdienste würden für sie von der UNRWA, dem Palästinensischen Roten Halbmond und anderen NGOs zu Verfügung gestellt und seien unzureichend. Die Renovierung von Wohnsitzen innerhalb von Flüchtlingslagern unterliege strengen Auflagen und beinhalte schwierige Vorgehensweisen. Verschärfte Gesetze von 2001 würden es Palästinensern unmöglich machen, Land zu besitzen oder zu erben. Palästinenser, die bei UNRWA registriert seien, könnten ein Reisedokument beantragen, das für fünf Jahre gültig sei. (ACCORD Anfragebeantwortung 06.07.2016, [a-9698-3]). Die UNRWA erwähnt auf ihrer undatierten Website zum Thema soziale Dienste der Organisation im Libanon, dass es das Programm "Relief and Social Services (RSS) gebe, um armen palästinensischen Flüchtlingen zu helfen und die Entwicklung und Eigenständigkeit benachteiligter Flüchtlinge, darunter auch besonders Frauen, zu unterstützen. Es gebe ein spezielles Nothilfeprogramm, dass vierteljährlich 55.000 palästinensischen Flüchtlingen im Libanon Lebensmittel- und finanzielle Unterstützung, sowie Nothilfe-Geld in speziellen Fällen zukommen lasse. Im RSS-Programm gebe es bestimmte Dienste, die sich speziell an Frauen, junge Personen und Menschen mit Behinderungen richten würden, manche von diesen würden von UNRWA in Kooperation mit lokalen NGOs ausgeführt. 2012 hätten diese Dienste 2.230 Personen im Libanon durch Weiterbildungen, Ausbildung, Rehabilitation und bewusstseinsschaffende Aktivitäten unterstützt. Es gebe ein Mikrokredit-Programm, das Kredite zum Start von Unternehmen oder deren Vergrößerung zur Verfügung stelle und so die Entstehung von Arbeitsplätzen in der Flüchtlingsgemeinde stärke. RSS stelle auch Wohnkredite zu Verfügung, um die Wohnbedingungen von Flüchtlingen zu verbessern, da diese im Libanon schon lange unter schlechten Wohnbedingungen und einem Mangel an Wohnraum leiden würden. 2012 habe das Programm 12 Millionen US-Dollar in 2.775 Krediten ausgegeben. UNRWA bemühe sich besonders, Unternehmertum unter Frauen, jungen Personen und Menschen mit Behinderung zu fördern. In Notfällen lasse das RSS-Programm palästinensischen Flüchtlingen Nahrungsmittel und finanzielle Hilfe zukommen und beteilige sich an der Planung und Implementierung von Aktivitäten zur Wiedergewinnung der Existenzgrundlage. Die internationale Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) schreibt in einem Bericht zur Lage von weiblichen Flüchtlingen im Libanon vom Februar 2016, dass die UNRWA einige Dienste in palästinensischen Flüchtlingslagern zur Verfügung stelle, die allgemeinen Umstände jedoch sehr schlecht und die Lager überfüllt und baufällig seien. Laut Angaben der UNRWA habe der Libanon den höchsten Anteil palästinensischer Flüchtlinge, die in Armut leben würden. Die schlechten Lebensumstände von dauerhaft im Libanon ansässigen palästinensischen Flüchtlingen hätten sich mit der Ankunft von Flüchtlingen aus Syrien, die ebenfalls in die Lager gezogen seien, zusätzlich verschärft. (ACCORD Anfragebeantwortung 06.07.2016, [a-9698-4]). Laut Berichten von Amnesty International würden viele weibliche Flüchtlinge berichten, dass sie hart kämpfen müssen, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten im Libanon zu bestreiten. Sie sind einem erhöhten Missbrauchsrisiko ausgesetzt, weil sie es schwer haben, Geld für Essen und Unterbringung zu beschaffen. Einige berichten von sexuellen Annäherungsversuchen seitens Männern oder Angeboten, ‚Hilfe‘ mit Sex zu bezahlen. Frauen, denen es gelungen ist, einen Job zu ergattern, werden häufig von ihren Arbeitgebern ausgebeutet und müssen sich in diesem Klima der Diskriminierung oft mit extrem schlechter Bezahlung zufrieden geben. Die bürokratischen Hürden für die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung wurden im Januar 2015 von den libanesischen Behörden erhöht. Ohne diese Bewilligung leben die Flüchtlinge in ständiger Angst vor Verhaftung und gehen deshalb nicht zur Polizei, um Missbrauch anzuzeigen. Das betrifft besonders weibliche Flüchtlinge (AI,

  1. Februar 2016). Flüchtlingsfrauen im Libanon erleben häufig Drohungen und Belästigungen. Viele Frauen, mit denen Amnesty International sprach, berichteten von wiederholten ungehörigen sexuellen Annäherungsversuchen. Die gesetzlichen Einschränkungen für Flüchtlinge, die die libanesische Regierung einführte, gibt den Frauen das Gefühl, sie könnten Belästigungen und Drohungen bei der Polizei nicht anzeigen. Fehlende internationale Unterstützung für Flüchtlinge führt zusätzlich dazu, dass Flüchtlingsfrauen im Libanon der Gefahr von Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind, besonders jene, die ohne einen erwachsenen männlichen Verwandten im Land sind (AI,
  2. Jänner 2016). (ACCORD Anfragebeantwortung 06.07.2016, [a-9698-4]) Die National Commission for Lebanese Women (NCLW), ein von der libanesischen Regierung geschaffenes Organ, schreibt in ihrem im April 2014 veröffentlichten Bericht an den UNO Ausschuss zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, dass etwa 53 Prozent aller palästinensischen Flüchtlinge im Libanon Frauen oder Mädchen seien. Zwischen den einzelnen Lagern und Gemeinschaften schwanke der Anteil zwischen 46 und 58 Prozent. Von Frauen geführte Haushalte würden zu den ärmsten Haushalten zählen und zum Großteil von Überweisungen von Familienmitgliedern aus dem Ausland leben. Ein Bericht des zentralen Statistikbüros der Union palästinensischer Frauen (Central Bureau of Statistics of the General Union of Palestinian Women, GUPW) habe angegeben, dass 36 Prozent der palästinensischen Frauen Analphabetinnen seien. Laut dem Bericht werde Frauen ihr Recht auf Arbeit verwehrt und aufgrund der geringen Berufsausbildung und schlechten Arbeitsmöglichkeiten liege der Anteil erwerbstätiger palästinensischer Frauen bei 9,4 Prozent. Die meisten von ihnen seien als Sekretärinnen sowie im Bildungs- und im Gesundheitsbereich angestellt. Was die Gesundheit anlange, so zeigten Statistiken von Norwegian People’s Aid vom Jänner 2013, dass 31 Prozent aller PalästinenserInnen im Libanon an chronischen Krankheiten leiden würden, bei Frauen, die älter als 55 Jahre seien, liege der Wert bei 83 Prozent. Laut UNRWA hätten 95% aller palästinensischen Flüchtlinge keine Krankenversorgung. Es gebe Bestrebungen vonseiten internationaler Organisationen, palästinensischer NGOs und staatlicher Behörden, Flüchtlingsfrauen durch eine Reihe von Diensten zu schützen. Palästinensische Frauen seien zu Gesundheitszentren des Ministeriums für Gesundheit und den Zentren für Entwicklungsdienste des Sozialministeriums zugelassen. Darüber hinaus gebe es regelmäßige finanzielle, materielle und soziale Unterstützung für gefährdete palästinensische Frauen, zum Beispiel für alleinstehende Frauen und Frauen, die Haushalte führen würden. Die Kosten für Reproduktionsgesundheit, Gesundheitsfürsorge für Mutter und Kind sowie psychologische Betreuung, darunter spezielle Betreuung für Opfer von Folter, seien abgedeckt. Zusammen mit lokalen Partnern und elf öffentlichen Krankenhäusern stelle die UNRWA palästinensischen Flüchtlingen eine Gesundheitsversorgung zur Verfügung. Laut Statistiken von 2011 hätten 50,5 Prozent der Flüchtlingsfrauen von diesen Diensten profitiert. (ACCORD Anfragebeantwortung 06.07.2016, [a-9698-4]). Oxfam International, ein internationaler Verbund verschiedener Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, berichtet im September 2013, dass syrische und palästinensische Flüchtlinge, die aus Syrien in den Libanon geflohen seien und von Oxfam interviewt worden seien, angegeben hätten, keinen angemessenen Zugang zur Wasserversorgung und zu sanitären Einrichtungen zu haben. Ein beschränkter Zugang zu Wasser würde mehr Zeit und Arbeit von Frauen in Anspruch nehmen, die meistens die Verantwortung für das Waschen und Putzen tragen würden. Eine Schätzung würde darauf hindeuten, dass die Hälfte aller Flüchtlinge im Libanon nicht die notwendige medizinische Behandlung bekomme, da sie sie meist nicht finanzieren könne. Hilfsorganisationen würden einige Dienste anbieten, jedoch übersteige die Nachfrage die Ressourcen der Organisationen. Viele Flüchtlinge wüssten gar nicht, an wen sie sich um Hilfe wenden sollten. Chronisch Kranke, Schwangere und Kinder würden sehr dringend leistbare Gesundheitsdienste benötigen, während die Bedürfnisse alter und behinderter Menschen Großteils ignoriert würden. Eine der größten Lücken gebe es im Bereich der psychosozialen Betreuung. Befragte hätten über erhebliche Probleme bei der Vergabe angemessener Nahrungs- und andere Hilfsgüter berichtet, die in Form von Gutscheinen (meist an Frauen) verteilt würden. Geldzuwendungen für Miete und Gesundheitsversorgung würden nicht durchgängig zur Verfügung gestellt und oft an Männer als Haushaltsführer ausgezahlt. Es gebe Bedenken, dass alleinstehende Frauen und Frauen, die Haushalte führen würden, möglicherweise keine Geldunterstützung bekommen würden, da die Ausgabe von Geld und Mietunterstützung zu sehr auf von Männern geführte Haushalte abziele und weil kulturelle Normen die Bewegungsfreiheit von Frauen einschränken würden. Flüchtlingsfrauen hätten zudem angegeben, dass Körperpflege- und Hygieneartikel nicht geeignet oder von schlechter Qualität seien und in manchen Fällen sogar zu Gesundheitsproblemen geführt hätten. Untersuchungen des International Rescue Committee und der NGO Abaad vom August 2012 hätten ergeben, dass manche Flüchtlingsfrauen und Mädchen im Libanon bezahlten Geschlechtsverkehr angeboten hätten, um das zum Überleben notwendige Geld für die Familie zu verdienen. Unter Flüchtlingsfrauen und Mädchen, die aus Syrien geflohen seien, habe der Bericht "Geschlechtsverkehr zum Überleben" als eine Form der Gewalt erkannt, denen diese Frauen häufig ausgesetzt seien, um die steigenden Lebenshaltungskosten im Libanon zu bezahlen. (ACCORD Anfragebeantwortung 06.07.2016, [a-9698-4]). Quellen: -Strichaufzählung ACCORD Anfragebeantwortung a-9698-3 vom 06.07.2016 -Strichaufzählung ACCORD Anfragebeantwortung a-9698-4 vom 06.07.2016 -Strichaufzählung ACCORD Anfragebeantwortung a-9868 vom 14.10.2016 -Strichaufzählung USDOS - US Department of State: Country Report on Human Rights Practices 2015 -Lebanon, 13.04.2016, http://www.ecoi.net/local_link/322488/461965_de.html -Strichaufzählung LIF Staatendokumentation 2015- Staatendokumentation des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl – Länderinformationsblatt Libanon, 09.02.2015 1.2.
  3. Zur Gefährdungssituation der BF bei einer Rückkehr nach Saudi Arabien bzw. in den Libanon: Für die BF als geborene Muslimin besteht unter Zugrundelegung der getroffenen Feststellungen zur aktuellen Situation in Saudi-Arabien ein reales Risiko, wegen ihrer auf Gleichstellung und Eigenbestimmung ausgerichteten, verinnerlichten Einstellung als Frau, ihrem Bekenntnis zum Christentum sowie ihrer Ablehnung des Islam ins Visier der saudischen Behörden zu gelangen. Dieses Risiko wird durch ihre dortige familiäre Situation, die insbesondere dadurch gekennzeichnet ist, dass sie in Saudi Arabien nach dem Tod ihres Vaters als alleinstehende Frau unter der Vormundschaft ihres (ältesten) Bruders, der ihre Abwendung vom Islam und Bekenntnis zum Christentum nicht akzeptiert und darin eine Verletzung der Familienehre sieht, stehen würde, weiter gesteigert. Aufgrund ihres speziellen, individuellen Risiko-Profils ist sie auch in den Flüchtlingslagern im Libanon, wo sie von der UNRWA als Flüchtling registriert ist, als alleinstehende, unverheiratete junge Frau einem erheblichen Risiko ausgesetzt, Opfer eines Übergriffes zu werden, wobei unter Zugrundelegung der Feststellungen zu den Sicherheitsverhältnissen in den Lagern diesbezüglich ein effizienter Schutz nicht hinreichend gesichert erscheint.
  4. Beweiswürdigung: 2.
  5. Die Feststellungen zur Identität, Staatenlosigkeit, UNRWA-Registrierung und Herkunft der BF stützen sich auf ihre diesbezüglich glaubwürdigen Angaben in der Beschwerdeverhandlung sowie auf die dazu vorgelegten Personaldokumente. 2.
  6. Die Feststellungen zur konkreten Gefährdungssituation ergeben sich aus den glaubhaften Angaben der BF zu ihrer Abkehr vom Islam und Zuwendung zum Christentum, zu dem sie sich bekennt, sowie zu ihren familiären Verhältnissen, wobei diese im Wesentlichen auch von ihrer Mutter bestätigt werden konnten. Die BF konnte durch ihr Erscheinungsbild und ihr selbstbewusstes Auftreten glaubwürdig den Eindruck einer auf Eigenständigkeit bedachten Frau, die in ihrer persönlichen Wertehaltung und Lebensweise an dem in Europa mehrheitlich gelebten, allgemein als "westlich" bezeichneten Frauen- und Gesellschaftsbild orientiert ist, vermitteln. Dies verhält sich auch stimmig zu ihrem Bildungsgrad. Auch die sowohl emotional als auch rational vollzogene Abkehr von der von ihr nicht selbst erwählten muslimischen Religion konnte die BF – etwa durch die anschauliche Darstellung des ihr gegenüber ausgeübten religiösen Zwanges durch Religionswächterinnen – überzeugend dartun. Dies verhält sich auch stimmig zu den getroffenen Länderfeststellungen, wonach die in Saudi Arabien als Staatsreligion etablierte, strenggläubige salafistische Ausrichtung des Islam als ein maßgeblicher Faktor zur Ungleichstellung und Bevormundung der Frau in Rechtsordnung und Gesellschaft mit beiträgt. Letzteres sowie die diesbezüglich emotional geschilderten Erlebnisse lassen eine Verinnerlichung der ablehnenden Haltung der BF gegenüber der ihr durch Familie und Staat aufgezwungenen Religion plausibel und glaubwürdig erscheinen. Auch konnte die BF letztlich dahingehend überzeugen, dass ihr Interesse und Bekenntnis zum Christentum nicht lediglich vorgetäuscht sind. Dafür sprechen neben dem Besuch einer evangelikal ausgerichteten Privatuniversität und der diesbezüglich im Einklang stehenden vorgelegten Korrespondenz mit einem Universitätsprofessor die im Wesentlichen stimmigen Angaben der BF und ihrer Mutter in der Beschwerdeverhandlung. Dieser Eindruck wurde insbesondere durch den Umstand bekräftigt, dass die BF wegen ihrem Religionswechsel offenbar tatsächlich reale Angst vor ihrem Bruder hat, der ihre Abkehr vom Islam und Hinwendung zum Christentum im Hinblick auf die Familienehre nicht akzeptieren will. Die BF konnte dazu auch ein am XXXX2017 bei einer Polizeiinspektion aufgenommenes Protokoll in Kopie vorlegen, demzufolge sie vor der Polizei für denselben Tag eine gegen sie gerichtete Morddrohung sowie Attacke ihres Bruders wegen ihres Religionswechsels als Zeugin und besonders schutzbedürftiges Opfer nach § 66a StPO bestätigt hat. Zudem hält sich die BF seither zum Schutz vor ihrem Bruder in einer Einrichtung des XXXX auf, wo sie laut Auskunft beim Zentralen Melderegister zum Stichtag nach wie vor gemeldet ist. All diese Schritte der BF deuten sehr stark auf eine Ernsthaftigkeit ihrer Befürchtung hin.Auch konnte die BF letztlich dahingehend überzeugen, dass ihr Interesse und Bekenntnis zum Christentum nicht lediglich vorgetäuscht sind. Dafür sprechen neben dem Besuch einer evangelikal ausgerichteten Privatuniversität und der diesbezüglich im Einklang stehenden vorgelegten Korrespondenz mit einem Universitätsprofessor die im Wesentlichen stimmigen Angaben der BF und ihrer Mutter in der Beschwerdeverhandlung. Dieser Eindruck wurde insbesondere durch den Umstand bekräftigt, dass die BF wegen ihrem Religionswechsel offenbar tatsächlich reale Angst vor ihrem Bruder hat, der ihre Abkehr vom Islam und Hinwendung zum Christentum im Hinblick auf die Familienehre nicht akzeptieren will. Die BF konnte dazu auch ein am XXXX2017 bei einer Polizeiinspektion aufgenommenes Protokoll in Kopie vorlegen, demzufolge sie vor der Polizei für denselben Tag eine gegen sie gerichtete Morddrohung sowie Attacke ihres Bruders wegen ihres Religionswechsels als Zeugin und besonders schutzbedürftiges Opfer nach Paragraph 66 a, StPO bestätigt hat. Zudem hält sich die BF seither zum Schutz vor ihrem Bruder in einer Einrichtung des römisch 40 auf, wo sie laut Auskunft beim Zentralen Melderegister zum Stichtag nach wie vor gemeldet ist. All diese Schritte der BF deuten sehr stark auf eine Ernsthaftigkeit ihrer Befürchtung hin. Unter Zugrundelegung des bisher Ausgeführten ist von einem Risiko auszugehen, dass die BF im Falle ihrer Rückkehr in ihr Herkunftsland Saudi Arabien aufgrund ihrer im Hinblick auf Frauenrechte emanzipierten Haltung, ihrem Bekenntnis zum Christentum bzw. ihrer Ablehnung des Islam ins Visier der saudischen Behörden gelangt, wobei ihr unter Zugrundelegung der getroffenen Länderfeststellungen Anhaltungen auf Grundlage des Antiterrorgesetzes oder Strafen wegen Blasphemie oder Apostasie drohen könnten. Dieses Risiko erfährt durch ihren Bruder eine weitere Intensivierung, zumal die BF auch glaubwürdig dartun konnte, dass eine reale Gefahr besteht, dass er ihre Verfolgung begünstigen könnte, um sein Ansehen und das seiner Familie wieder herzustellen. Unabhängig davon wäre die BF bei einer Rückkehr ins Herkunftsland dem Willen ihres Bruders als ledige Frau faktisch nahezu rechtlos ausgeliefert, zumal ihm nach dem Tod des Vaters in Saudi Arabien die (gesetzliche) Vormundschaft über sie zukommen würde, wobei diese Befürchtung der BF in Einklang mit den herangezogenen Länderberichten steht. In Summe konnte die BF letztlich die gegen sie gerichtete Gefährdung im Herkunftsland glaubhaft darlegen. Es liegen auch keine Anhaltspunkte für eine taugliche und zumutbare innerstaatliche Fluchtalternative in anderen Teilen des Herkunftslandes vor. Was eine Niederlassung der BF in Flüchtlingslagern im Libanon, wo sie von der UNRWA als Flüchtling registriert ist, betrifft, ist die BF, als auf Eigenständigkeit bedachte Frau, die sich vom Islam abgewendet hat und zum Christentum bekennt, einem erhöhten Risiko ausgesetzt, als alleinstehende, unverheiratete junge Frau Opfer eines Übergriffes zu werden, dies umso mehr, als laut getroffener Länderfeststellungen in den Lagern vermehrt islamistische Gruppierungen aktiv werden bzw. diese infiltrieren. Unter Zugrundelegung der Feststellungen zu den Sicherheitsverhältnissen in den Lagern erscheint in der vorliegenden speziellen Konstellation im Hinblick auf das individuelle Risikoprofil der BF ein effizienter Schutz weder durch die libanesischen Behörden noch durch die UNRWA als hinreichend gesichert. Die BF hat realistischer Weise auch nicht die Möglichkeit, sich um Schutz an ihre Familienangehörigen im Libanon zu wenden, da sie dadurch das Risiko deutlich erhöhen würde, in den Einflussbereich und letztlich in die Gewalt ihres Bruders zu geraten. 2.
  7. Die getroffenen Feststellungen zum Herkunftsstaat sowie zur Situation im Libanon stützen sich auf die der gegenständlichen Entscheidung zu Grunde gelegten, der BF in den Beschwerdeverhandlungen zu Kenntnis gebrachten Berichte. Die Feststellungen beruhen auf unterschiedlichen staatlichen und nichtstaatlichen Quellen. Trotz unterschiedlichen Quellmaterials zeichnet sich daraus ein in den Kernaussagen übereinstimmendes Gesamtbild ohne wesentliche Widersprüche ab, sodass kein Grund besteht, an der Richtigkeit der Situationsdarstellungen zu zweifeln. Hinzu kommt, dass den Auskünften in der Regel Recherchen von vor Ort tätigen Personen oder Organisationen zu Grunde liegen, welche wohl auf Grund der Ortsanwesenheit am besten zur Einschätzung der Lage fähig sind. Seitens der Parteien wurden weder anderslautende Berichte vorgelegt oder auf solche verwiesen, noch wurden die herangezogenen Berichte in Zweifel gezogen. 2.
  8. Die Aufnahme weiterer Beweise war wegen Entscheidungsreife nicht mehr erforderlich.
  9. Rechtliche Beurteilung: 3.1.1.

§ 6des Bundesverwaltungsgerichtsgesetzes (BVw

GG), BGBl. I Nr. 10/2013, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht durch Einzelrichter, sofern nicht in Bundes- oder Landesgesetzen die Entscheidung durch Senate vorgesehen ist.3.1.1.

Paragraph 6, des Bundesverwaltungsgerichtsgesetzes (BVwGG), Bundesgesetzblatt Teil eins, Nr. 10 aus 2013,, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht durch Einzelrichter, sofern nicht in Bundes- oder Landesgesetzen die Entscheidung durch Senate vorgesehen ist. In vorliegendem Fall ist in den maßgeblichen gesetzlichen Bestimmungen eine Senatszuständigkeit nicht vorgesehen und obliegt somit in der gegenständlichen Rechtssache die Entscheidung dem nach der jeweils geltenden Geschäftsverteilung des Bundesverwaltungsgerichtes zuständigen Einzelrichter. Das Verfahren der Verwaltungsgerichte mit Ausnahme des Bundesfinanzgerichtes ist durch das Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetz (VwGVG), BGBl. I Nr. 2013/33 idgF, geregelt (§ 1 leg.cit.).

§ 58Abs. 2 Vw

GVG bleiben entgegenstehende Bestimmungen, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Bundesgesetzes bereits kundgemacht wurden, in Kraft.Das Verfahren der Verwaltungsgerichte mit Ausnahme des Bundesfinanzgerichtes ist durch das Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetz (VwGVG), BGBl. römisch eins Nr. 2013/33 idgF, geregelt (Paragraph eins, leg.cit.).

Paragraph 58, Absatz 2, VwGVG bleiben entgegenstehende Bestimmungen, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Bundesgesetzes bereits kundgemacht wurden, in Kraft.

§ 17Vw

GVG sind, soweit in diesem Bundesgesetz nicht anderes bestimmt ist, auf das Verfahren über Beschwerden

Art. 130Abs.

1 B-VG die Bestimmungen des

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