RIS Dokument GerichtBVwG Entscheidungsdatum29.04.2019 GeschäftszahlW240 2214053-1 SpruchW240 2214050-1/10E W240 2214056-1/8E W240 2214058-1/8E W240 2214053-1/7E W240 2214057-1/7E W240 2214055-1/7E BESCHLUSS Das Bundesverwaltungsgericht hat durch die Richterin Mag. Feichter über die Beschwerden von XXXX alle StA. Afghanistan, gegen die Bescheide des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl jeweils vom 02.01.2019, Zl. 1151707401-170555620 (ad 1.), Zl. 1150935609-170526719 (ad 2.), Zl. 1150934601-170536727 (ad 3.), Zl. 1150934906-170536735 (ad 4.), Zl. 1150935108-170526751 (ad 5.), und Zl. 1202200001-180750955 (ad 6.), beschlossen:Das Bundesverwaltungsgericht hat durch die Richterin Mag. Feichter über die Beschwerden von römisch 40 alle StA. Afghanistan, gegen die Bescheide des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl jeweils vom 02.01.2019, Zl. 1151707401-170555620 (ad 1.), Zl. 1150935609-170526719 (ad 2.), Zl. 1150934601-170536727 (ad 3.), Zl. 1150934906-170536735 (ad 4.), Zl. 1150935108-170526751 (ad 5.), und Zl. 1202200001-180750955 (ad 6.), beschlossen: A) Den Beschwerden wird gemäß § 21 Abs. 3 zweiter Satz BFA-VG stattgegeben und die bekämpften Bescheide behoben.Den Beschwerden wird gemäß Paragraph 21, Absatz 3, zweiter Satz BFA-VG stattgegeben und die bekämpften Bescheide behoben. B) Die Revision ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig.Die Revision ist gemäß Artikel 133, Absatz 4, B-VG nicht zulässig. TextBEGRÜNDUNG: I. Verfahrensgang:römisch eins. Verfahrensgang:
- Die Beschwerdeführer stellten - abgesehen von der Sechtsbeschwerdeführerin - jeweils am 09.05.2017 die gegenständlichen Anträge auf internationalen Schutz in Österreich. Der Erstbeschwerdeführer zu W240 2214050-1 ist der Ehemann der Zweitbeschwerdeführerin zu W240 22145056-1, beide sind die Eltern der restlichen vier Beschwerdeführer (Dritt- bis SechstbeschwerdeführerInnen zu W240 2214058-1, W240 2214053-1, W240 2214057-1 und W240 2214055-1). Die Sechstbeschwerdeführerin wurde am XXXX 2018 in Österreich geboren, für diese wurde in der Folge ein Antrag auf internationalen Schutz in Österreich gestellt.Die Sechstbeschwerdeführerin wurde am römisch 40 2018 in Österreich geboren, für diese wurde in der Folge ein Antrag auf internationalen Schutz in Österreich gestellt. Hinsichtlich den Erstbeschwerdeführer liegt ein EURODAC-Treffer der Kategorie 1 (Asylantragstellung) vom 05.05.2017 in Deutschland vor. Im Verlauf der Erstbefragung durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes vom 03.05.2017 brachte die Zweitbeschwerdeführerin vor, sie habe ihren Wohnort vor zwei bis drei Monaten zu Fuß verlassen. Sie sei über Pakistan in den Iran gelangt, wo sie rund 15 Tage langt aufhältig gewesen sei. Weiter sei sie über die Türkei und unbekannte Länder nach Österreich gelangt. Befragt zu ihren Fluchtgründen gab sie wie folgt an: "Mein Mann arbeitete für die afghanische Nationalarmee, sowie für die Taliban. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber er war auf einmal verschwunden. Seit 2 Jahren ist er verschollen. Sowohl die Taliban als auch Personen der Nationalarmee waren hinter ihm her. Vor etwa einen oder eineinhalb Jahren wurde mein Sohn von Unbekannten entführt. Er wurde verbrannt und misshandelt. (AW zeigte auf Narben am linken Oberarm des Sohnes und der Hand). Sie brachten ihn dann zurück. Sie drohten mir, dass sie meine Töchter nicht in Ruhe lassen werden und forderten Geld und wollten wissen, wo sich mein Mann aufhält. Seitdem mein Mann verschollen ist, bin ich mit den Kindern alleine. Meine Mutter ist auch bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen. In Afghanistan ist es als alleinstehende Frau sehr schwierig. Ich hatte es sehr schwer. Es gibt keine Frauenrechte. In Afghanistan gibt es gar keine Reche. Ich konnte nur zu Hause sein. Ich weiß nicht, wo mein Mann ist. In Afghanistan kann man als Frau nicht ohne Mann leben. Es ist unsicher und schwierig. Dort herrscht Krieg und es gibt Bombenanschläge. Ich kann in meine Heimat nicht zurück. Mein Sohn wurde entführt. Ich habe Angst, dass meine Töchter entführt werden. Wir wurden bedroht. Sie wollten meinen Sohn töten. Ich habe Angst um meine Kinder. Ich stelle hiermit den Antrag als gesetzliche Vertreterin meiner Kinder auf internationalen Schutz. Im Verlauf der Erstbefragung durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes vom 09.05.2017 brachte der Erstbeschwerdeführer vor, er sei zwei Jahre im Iran aufhältig gewesen, danach sechs Monate in der Türkei sowie sechs Monate in Griechenland, er sei über unbekannte Länder nach Deutschland gelangt. Er sei auf der Suche nach seiner Familie gewesen, er habe zuletzt vor drei Jahren Kontakt zu seiner Familie gehabt. Weiters gab er zu seinem Fluchtgrund wie folgt an: "Ich bin Ende 2003 von Schweden nach Afghanistan zurückgekehrt, da ich angenommen habe, dass sich die Sicherheitslage gebessert hätte. Ich musste zu meiner Familie, da sie mich gebraucht hat. Unsere Region wurde von den Taliban eingenommen. Schließlich haben die Taliban mich aufgefordert, mit ihnen zusammen zu arbeiten. Ich habe mich geweigert. Sie haben mich bedroht und wollten meine Familie entführen. Aus Angst um meine Familie musste ich unter Zwang 6 Monate lang mit den Taliban zusammenarbeiten. Ich konnte es nicht länger aushalten, mit ihnen zu arbeiten. Die Taliban haben einen Militärstützpunkt angegriffen, dabei wurden 2 Soldaten getötet. Deshalb habe ich den Entschluss gefasst, zu flüchten. Aus Angst um mein Leben konnte ich nicht mehr dort blieben. Die Taliban sagten mir, jeder aus dem Dorf ist verpflichtet, sie zu unterstützen. Wenn sich jemand weigert, wird er bestraft. Ich habe hiermit alle meine Gründe und die dazugehörenden Ereignisse angegeben, warum ich nach Österreich gereist bin. Ich habe keine weiteren Gründe einer Asylantragstellung. Bei einer Rückkehr in meine Heimat fürchte ich um mein Leben." Am 26.06.2017 erfolgte die niederschriftliche Einvernahme des Erstbeschwerdeführers vor dem BFA. Er gab insbesondere wie folgt an: "(...) LA: Es ist unumgänglich, dass Sie die Wahrheit sagen, nichts verschweigen und alle zur Begründung des Antrags auf internationalen Schutz erforderlichen Anhaltspunkte selbständig und über Nachfrage wahrheitsgemäß darlegen. VP: Ich habe das verstanden. Ich werde die Wahrheit sagen. Anmerkung: VP legt ein Schriftstück vor, welches bestätigt, dass er bei einem Deutschkurs teilnimmt. Dies wird als Kopie als Anlage 1 zum Akt genommen. LA: Werden Sie in diesem Verfahren rechtlich vertreten? VP: Nein. LA: Haben Sie ein Dokument, das Ihre Identität nachweisen könnte? VP: Nein, aber ich hatte eine Tazkira. Ich weiß nicht, wo diese ist, habe vor drei Jahren meine Heimat verlassen. Ich habe meine Tazkira zu Hause, Provinz Laghman, Distrikt XXXX , zurückgelassen.VP: Nein, aber ich hatte eine Tazkira. Ich weiß nicht, wo diese ist, habe vor drei Jahren meine Heimat verlassen. Ich habe meine Tazkira zu Hause, Provinz Laghman, Distrikt römisch 40 , zurückgelassen. LA: Haben Sie bei der Erstbefragung vor der Polizeiinspektion der Wahrheit entsprechende Angaben gemacht? VP: Ja, ich habe die Wahrheit gesagt. LA: Wurden Ihnen diese Protokolle rückübersetzt und korrekt protokolliert? VP: Es wurde rückübersetzt und richtig protokolliert. LA: Möchten sie zu den gemachten Angaben Ergänzungen machen? VP: Nein. LA: Wie bestreiten Sie hier in Österreich Ihren Lebensunterhalt? Werden Sie vom Staat versorgt, erhalten Sie sich selbst oder werden Sie von irgendjemandem finanziell unterstützt? VP: Ich befinde mich in der Grundversorgung. LA: Sind Sie hier in Österreich Mitglied in einem Verein oder einer sonstigen Organisation? VP: Nein. LA: Haben Sie in Österreich Verwandte? VP: Nein, nur meine Familie, die mit mir hier ist. LA: Haben Sie in Österreich irgendwelche sozialen oder privaten Bindungen? VP: Nein. LA: Welcher Volksgruppe und welcher Religionsgemeinschaft gehören Sie an? VP: Ich bin Paschtune und sunnitischer Moslem. LA: Geben Sie einen kurzen Lebenslauf von sich an! VP: Ich wurde in Laghman geboren. Genauer im Distrikt XXXX . Ich habe keine Schule besucht. Eigentlich habe ich bis zur sechsten oder siebenten Klasse eine Schule besucht. Das war aber keine ordentliche Schule. Meine Familie besitzt Grundstücke. Ich war in der Landwirtschaft beschäftigt und habe auch als Verkäufer gearbeitet. Wir haben eine eigene Landwirtschaft. Wir haben Güter angebaut und weiterverkauft. 1998 bin ich nach Schweden gereist. Ich habe fünf Jahre dort gelebt. 2003 bin ich in meine Heimat zurückgekehrt. Die Sicherheitslage hat sich dort gebessert. Ich bin auf Anraten meiner Mutter in die Heimat zurückgekehrt. Sie sagte, ich solle sie in der Landwirtschaft unterstützen, da mein Vater verschollen ist und mein Bruder damals noch jung war. Ich hatte einen dauerhaften Aufenthalt für Schweden. Musste aber in die Heimat zurückkehren. 2003 bin ich zurückgekehrt. Die Sicherheitslage hatte sich gebessert. Die Taliban gab es nicht. Die Lage hat sich aber verschlechtert. 2014 habe ich unter Zwang mit den Taliban arbeiten müssen. Ich glaube das war für die Dauer von etwa sechs Monaten.VP: Ich wurde in Laghman geboren. Genauer im Distrikt römisch 40 . Ich habe keine Schule besucht. Eigentlich habe ich bis zur sechsten oder siebenten Klasse eine Schule besucht. Das war aber keine ordentliche Schule. Meine Familie besitzt Grundstücke. Ich war in der Landwirtschaft beschäftigt und habe auch als Verkäufer gearbeitet. Wir haben eine eigene Landwirtschaft. Wir haben Güter angebaut und weiterverkauft. 1998 bin ich nach Schweden gereist. Ich habe fünf Jahre dort gelebt. 2003 bin ich in meine Heimat zurückgekehrt. Die Sicherheitslage hat sich dort gebessert. Ich bin auf Anraten meiner Mutter in die Heimat zurückgekehrt. Sie sagte, ich solle sie in der Landwirtschaft unterstützen, da mein Vater verschollen ist und mein Bruder damals noch jung war. Ich hatte einen dauerhaften Aufenthalt für Schweden. Musste aber in die Heimat zurückkehren. 2003 bin ich zurückgekehrt. Die Sicherheitslage hatte sich gebessert. Die Taliban gab es nicht. Die Lage hat sich aber verschlechtert. 2014 habe ich unter Zwang mit den Taliban arbeiten müssen. Ich glaube das war für die Dauer von etwa sechs Monaten. LA: Wann sind Sie geboren? VP: XXXXVP: römisch 40 LA: Können Sie das Datum auch im afghanischen Kalender sagen? VP: Nein. Ich habe ein niedriges Bildungsniveau, dieses Datum habe ich auch in Schweden geführt. LA: Woher wissen Sie das Geburtsdatum? VP: Dieses Datum kenne ich von meinem Vater, er war gebildet. Er hat sich auch mit der gregorianischen Zeitrechnung ausgekannt. Er hat mir nur das Datum genannt. LA: Wie alt Sind Sie? VP: 37 oder
- LA: Warum haben Sie das erste Mal Afghanistan verlassen? VP: Mein Vater ist verschollen, ich war damals noch jung. Meine Mutter schickte mich weg. Sie wollte, dass ich eine Ausbildung mache und mir ein Leben aufbaue. LA: Was haben Sie in Schweden gemacht? VP: Ich habe zweieinhalb bis drei Jahre in einer Supermarktkette gearbeitet. LA: Und die restlichen Jahre? VP: Die ersten zwei Jahre war ich in einer Asylunterkunft und habe die Sprache gelernt. Nach zwei Jahren bekam ich die Dokumente. LA: Welche Dokumente? VP: Ich habe Asyl bekommen. LA: Welche Dokumente? VP: Den Reisepass. LA: Wo ist der? VP: Den habe ich in Afghanistan verloren. LA: Wo? VP: In Laghman. LA: Wann? VP: Nach meiner Heirat. LA: Wann war diese? VP:
- Ich möchte mich korrigieren, ich habe 2008 geheiratet. LA: Wie lange nach der Rückkehr nach Afghanistan haben Sie geheiratet? VP: Fünf Jahre später. LA: Wie lange sind Sie verheiratet? VP: Seit zehn Jahren, nein neun. LA: Ist die Ehe registriert worden? VP: Nein. Die Ehe wurde traditionell geschlossen. LA: Haben Sie Kinder? VP: Ja, zwei Töchter und einen Sohn. Mein Sohn ist sieben Jahre alt, meine Töchter sind vier und drei Jahre alt. LA: Gingen Sie in Ihrem Heimatland einer Arbeit nach? VP: In der eigenen Landwirtschaft und als Verkäufer. LA: Welche Angehörigen haben Sie noch im Heimatland und wie heißen diese? VP: Meine Mutter, Bruder und mein Onkel mütterlicherseits. Ich habe zurzeit keinen Kontakt zu denen. LA: Sonst noch jemanden? Onkel, Tanten, Cousins? VP: Der Onkel väterlicherseits meiner Frau, er hat eine Tochter und einen Sohn. LA: Sonst noch Verwandte von Ihnen oder Ihrer Frau? VP: Nein. LA: Wo leben die genannten Verwandten? VP: Der Onkel meiner Frau in Laghman, im Dorf XXXX . Meine Mutter lebt gemeinsam mit meinem Bruder und meinem Onkel im Heimatdorf.VP: Der Onkel meiner Frau in Laghman, im Dorf römisch 40 . Meine Mutter lebt gemeinsam mit meinem Bruder und meinem Onkel im Heimatdorf. LA: Wo lebten Sie, als Sie zurückgekehrt sind? VP: In meinem Heimatdorf. LA: Haben Sie sonst wo in Ihrer Heimat gelebt? VP: Gelebt nur in meinem Heimatdorf, da wir dort unsere Grundstücke haben. LA: Waren Sie schon einmal in Kabul? VP: Ja. LA: Wann und wie lange war das? VP: Zuletzt war ich 2012 für zwei Nächte in Kabul. LA: Wie lange waren Sie insgesamt in Kabul, wenn Sie alle Aufenthalte zusammenzählen? VP: Ich war oft in Kabul. Ich habe das angebaute Gemüse nach Kabul gebracht, um es dort weiter zu verkaufen. Ich blieb immer ein bis zwei Tage dort. LA: Kennen Sie jemanden der in Kabul lebt? VP: Ja, ein Freund von mir lebt in XXXX . Bei ihm habe ich immer übernachtet.VP: Ja, ein Freund von mir lebt in römisch 40 . Bei ihm habe ich immer übernachtet. LA: Wann hatten Sie den letzten Kontakt zu einem Ihrer Familienangehörigen? VP: Zuletzt vor drei Jahren. LA: Hat Ihre Frau Kontakt zu Ihrer Familie? VP: Nein. Ihre Mutter ist bei einem Bombenanschlag getötet worden. Ihr Bruder und ihre Schwester sind vor lange Zeit verstorben. Ich Vater verstarb, als sie noch ein Kind war. LA: Wie haben Sie sich kennen gelernt? VP: Ich habe sie über meine Mutter kennengelernt und meine Mutter hat bei Ihrer Familie um ihre Hand angehalten. Wir haben uns vor unserer Ehe nicht gekannt. LA: Wann war das? VP: 2008 haben wir geheiratet. LA: Wann hat Ihre Mutter um die Hand angehalten? VP: 2006 hat meine Mutter das erste Mal um die Hand meiner Ehefrau angehalten. LA: Haben Sie in Ihrem Heimatland, in Österreich oder in einem anderen Land strafbare Handlungen begangen bzw. sind Sie vorbestraft? VP: Nein. LA: Waren Sie in Ihrem Heimatland politisch tätig? VP: Nein. LA: Sie haben nunmehr die Möglichkeit, Ihre Beweggründe für das Verlassen Ihrer Heimat zu schildern. Bitte schildern Sie möglichst lebensnahe, also konkret und mit sämtlichen Details, sodass auch unbeteiligte Personen Ihre Darstellung nachvollziehen können. VP: Ich habe sechs Monate unter Zwang mit den Taliban gearbeitet. Sie haben aus jedem Dorf eine Person verpflichtet für die Taliban zu arbeiten. Sie forderten die Leute auf für sich den Islam zu opfern und Dschihad zu betreiben. Sie sagten, wenn ich mich ihnen nicht anschließen sollte, dann würden sie meinen Bruder und meinen Sohn zwingen für sie zu arbeiten. Meinen Sohn würden sie für einen Selbstmordanschlag vorbereiten und auch mein Bruder wird solch einen Anschlag verüben. Ich wollte nicht, dass diese wilden Barbaren ein Mitglied meiner Familie entführen. Sie sind wilde Wesen. Ich wollte mich für meine Familie opfern, da ich nicht wollte, dass meinem Kind oder meinem Bruder etwas passiert. Ich musste alles für die Taliban unter Zwang machen. Zuletzt wollten sie einen Stützpunkt der Amerikaner angreifen. Sie haben sich immer in der Moschee versammelt, das waren die ältesten der Taliban und haben beschlossen, von welchen Dörfern sie Leute sammeln, damit sie am nächsten Tag einen Angriff starten können. Das war zwischen 18 und 19 Uhr am Abend. Als die Taliban diesen Stützpunkt angegriffen haben. Die Kämpfe dauerten ungefähr zwei Stunden an. Ich weiß nicht, wie viele Personen von der anderen Seite verletzt worden sind. Von unserer Seite wurden zwei Personen verletzt. Es wurde heftig gekämpft. Die Amerikaner haben Raketen abgefeuert. Ich sah dem Tod in die Augen. Ich war überzeugt davon, dass ich getötet werde. Ich wollte nicht mehr, ich wollte weder für den Islam sterben, noch für irgendwen Dschihad betreiben. Ich wollte nicht getötet werden. Ich wollte wie ein normaler Mensch leben. Uns wurde befohlen, dass wir uns zurückziehen, das taten wir auch. Wir sind geflohen und gingen zu unserem Stützpunkt zurück. Zwei Nächte blieb ich noch am Stützpunkt. Es hat mir gereicht. Ich konnte nicht mehr zusehen, wie Leute getötet werden. Das sind wirklich wilde Menschen. Ich ging dann nach Hause und sagte meiner Mutter, dass ich nicht wie ein wilder Mensch leben möchte und auch nicht wie Wilde, Leute töten will. Es war
- Ich sagte meiner Mutter, dass ich meine Familie, sie und meinen Bruder, zurücklassen werde. Ich werde von hier weggehen, ich kann nicht mehr mitansehen, dass ein Bruder den anderen Bruder tötet und der Meinung ist, dass er Dschihad betrieben hat. Das ist doch nicht Dschihad, wenn ich zur Waffe greife und Menschen töte. Das ist alles eigensinnig und Trotz, der bei Paschtunen herrscht. Ich habe den Entschluss gefasst, dass ich nicht mehr in der Heimat laben kann und so ein Leben auch nicht führen will. 2014 habe ich meine Heimat verlassen, nachdem ich etwa sechs Monat für diese Leute gearbeitet hatte. LA: Haben Sie dem Vorbringen zur Gefährdungslage etwas hinzuzufügen? Haben Sie noch Details Ihrer Schilderung hinzuzufügen? VP: Nein, das war alles. Mein Sohn wurde entführt. Man hat ihn am Oberarm verbrannt. Diese Leute haben ständig nach mir gefragt. Meine Frau wurde grausam behandelt. Sie wurde ungerecht behandelt. Die Taliban haben meine Familie, meine Ehefrau grausam behandelt. Deshalb möchte ich nicht mehr in diesem Land leben. Das war alles. Sie werden mich überall finden, da ich die Stützpunkte der Taliban kenne. Wenn man eine Feindschaft mit den Taliban hat, wird man überall gefunden, da diese Leute mit der eigenen Regierung des Staates zusammenarbeiten. Ich fühle mich in Afghanistan gefährdet, hier fühle ich mich wohl. Ich möchte eine Ausbildung machen und hier leben. LA: Haben Sie noch etwas hinzuzufügen? VP: Nein. LA: Wann ist Ihre Frau aus Afghanistan ausgereist? VP: Das weiß ich nicht. Meine Frau erzählte mir, dass sie vor fünf Monate ausgereist und sei und drei Monate auf der Reise war. LA: Hatten Sie die drei Jahre, vom Beginn der Arbeit bei den Taliban bis nach Österreich Kontakt mit Ihrer Frau? VP: Während der sechs Monat bin ich regelmäßig nach Hause gegangen. Ich wurde drei Mal im Monat abgeholt und nach Hause gebracht. Manchmal blieb ich sogar eine Woche zu Hause. Ich musste für die Taliban Tee kochen, Essen vorbereiten oder Wache halten. LA: Nachdem Sie von den Taliban weg sind, bis Sie nach Österreich kamen, hatten Sie da Kontakt mit Ihrer Frau? VP: Nein. LA: Wann haben Sie erfahren, dass Ihre Frau in Österreich ist? VP: Als ich in Deutschland von der Polizei angehalten wurde, habe ich erfahren, dass meine Familie in Österreich ist. LA: Hat Ihre Familie dieselben Fluchtgründe? VP: Nein, meine Familie, hat auch andere Probleme. LA: Welche? VP: Das müssen Sie meine Frau fragen. Ich war drei Jahre von meiner Familie getrennt, sie wird Ihnen genau erzählen, welche Grausamkeiten, sie erleiden musste. LA: Ich will es von Ihnen wissen? VP: Ich hatte drei Jahre keinen Kontakt mit ihr. LA: Dann haben Sie sicher geredet! VP: Sie wurde von meinem Onkel mütterlicherseits misshandelt, geschlagen. Man wollte sie wieder verheiraten. Da es im Dorf üblich ist, wenn der Mann mehr als sechs Monate weg ist, musst die Ehe dieser Frau mit einem anderen geschlossen werden. LA: Was meinen Sie mit misshandelt? VP: Sie wurde geschlagen, sie wurde vergewaltigt. Anmerkung: Die Einvernahme wird abgebrochen, da der Leiter der Amtshandlung, die Frau nicht einvernehmen darf, da es ein Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung darstellen würde. Somit wird die gesamte Familie von einem anderen Referenten bearbeitet und die Einvernahme heute abgebrochen und verschoben. LA: Wie haben Sie den Dolmetscher verstanden? VP: Sehr gut. Anmerkung: Die gesamte Niederschrift wird wortwörtlich rückübersetzt. LA: Haben Sie nun nach Rückübersetzung Einwendungen gegen die Niederschrift selbst, wurde alles richtig und vollständig protokolliert? VP: Ich möchte hinzufügen, dass der Stützpunkt, welcher von den Taliban angegriffen wurde, der afghanischen Armee gehört hat. (...)" Am 26.06.2017 erfolgte die niederschriftliche Einvernahme der Zweitbeschwerdeführerin vor dem BFA. Er gab insbesondere wie folgt an: "(...) LA: Haben Sie bei der vorangegangen Befragungen und Einvernahmen der Wahrheit entsprechenden Angaben gemacht und wurden Ihnen diese Angaben rückübersetzt und richtig protokolliert? VP: Ja. LA: Sind Ihre Kinder gesund? VP: Ja. LA: Haben Ihre Kinder eigene Fluchtgründe? Eigene Rückkehrbefürchtungen? VP: Meine Kinder haben keine eigenen Fluchtgründe und befragt, das Leben meiner Kinder ist wegen mir in Gefahr und sie sind wegen mir einer Gefahr ausgesetzt und man wollte meinen Sohn entführen. LA: Sind Sie gesund? VP: Ja. LA: Beschreiben Sie Ihr Leben hier in Österreich. Haben Sie Verwandte in Österreich? Welche sozialen Kontakte haben Sie in Österreich? Sind Sie in Vereinen oder sonstigen Organisationen tätig? Besuchen Sie einen Deutschkurs? VP: Ich habe keine Verwandte in Österreich und habe auch keine sozialen Kontakte. Ich besuche zurzeit keinen Deutschkurs, da ich meine Kinder beaufsichtigen muss. Der Deutschkurs ist 40 km entfernt und ich muss täglich die Kinder in den Kindergarten bringen und deshalb geht sich der Deutschkurs nicht aus. LA: Was machen Sie in Ihrer Freizeit in Österreich? VP: Ich verbringe die Zeit mit meinen Kindern, befragt sonst mache ich nichts. Ich koche und kümmere mich um die Kinder, so vergeht der Tag. LA: Gehen Sie mit Ihren Kindern irgendwo hin? VP: Ja ich gehe mit ihnen in den Park und nehme auch Proviant mit. Danach bringe ich sie nach Hause, sie werden gebadet und um neun müssen sie ins Bett. LA: Warum tragen Sie einen Schleier und haben Ihre Fingerspitzen braun gefärbt? VP: Den Schleier trage ich gelegentlich, manchmal trage ich den Schleier und manchmal auch nicht. Meine Füße haben gejuckt und bei uns ist es üblich und es wird gesagt, wenn man das hat, kann man das mit Henna verringern. Deshalb habe ich meine Füße und meine Fingerspitzen mit Henna gefärbt. LA: Warum sind Sie nicht zum Arzt gegangen? VP: Der Arzt ist weit weg und mit Henna hat sich der Juckreiz gelindert. Es geht mir schon besser. Daher ist es nicht notwendig, den Arzt aufzusuchen. LA: Möchten Sie irgendwelche Papiere/Dokumente/ etc. vorlegen? Haben Sie irgendwelche Dokumente bei sich? Ein Identitätsdokument? VP: Nein. Befragt wir sind geflüchtet und konnten keine Dokumente mitnehmen. LA: Warum konnten Sie keine Dokumente mitnehmen? VP: Ich bin illegal ausgereist, ich war alleine mit meinen drei Kindern auf der Reise. Ich konnte nicht einmal Kleidung für meine Kinder mitnehmen. Ich hatte nur ein paar Kleidung, die auch die Kinder getragen haben. Ich habe die Kleidung in der Nacht gewaschen und am nächsten Tag den Kindern angezogen. LA: Erklären Sie mir die Situation, warum Sie kein Dokument einstecken konnten? VP: Ich habe in Laghman gelebt. Ich hatte nie eine Tazkira, mein Onkel hat mich von Laghman bis zur Grenze nach Pakistan gebracht und hat mich dort dem Schlepper übergeben. LA: Warum haben Sie keine Tazkira besessen? VP: Am Land haben die Frauen keine Tazkira. Befragt mein Vater war Analphabet und er hat für uns keine Tazkira beantragt. LA: Sind Sie hier in Österreich mit dem Afghanischen Kultur Verein in Kontakt? VP: Nein. LA: Und Ihr Gatte? VP: Auch nicht. LA: Nennen Sie mir die Distrikte von Laghman? VP: Ich kenne die Distrikte von Laghman nicht. Ich bin Analphabetin. Man hat mich verkauft und wurde dann nach der Heirat nach Laghman gebracht. Ich wurde in XXXX geboren, das ist in der Nähe von Jalalabad und wurde dann nach Laghman gebracht.VP: Ich kenne die Distrikte von Laghman nicht. Ich bin Analphabetin. Man hat mich verkauft und wurde dann nach der Heirat nach Laghman gebracht. Ich wurde in römisch 40 geboren, das ist in der Nähe von Jalalabad und wurde dann nach Laghman gebracht. LA: Was heißt, Sie wurden verkauft? VP: Mein Onkel väterlicherseits schuldete dem Onkel mütterlicherseits meines Mannes Geld. Ich wurde in diese Familie eingeheiratet, damit die Schulden beglichen sind. LA: Sie wurden also zwangsverheiratet oder wie soll ich das verstehen? VP: Ja, ich wurde unter Zwang verheiratet, ich wurde verkauft, als Ausgleich der Schulden verheiratet. Ich wurde in " XXXX " verheiratet. Das ist eine Kompensation.VP: Ja, ich wurde unter Zwang verheiratet, ich wurde verkauft, als Ausgleich der Schulden verheiratet. Ich wurde in " römisch 40 " verheiratet. Das ist eine Kompensation. LA: Warum sind Sie Ihrem Gatten nachgereist? VP: Ich war gezwungen, von dort wegzugehen, mein Mann war geflüchtet. Ich wusste nicht, dass mein Ehemann in Österreich ist. Das Leben meiner Kinder und mein eigenes war in Gefahr. Man hat meinen Sohn entführt und verbrannt. Mein ältester Onkel war ein schlechter Mann, aber der jüngere war gut zu mir. Er sagte mir, er würde mich in ein Land schicken, wo ich auch als alleinstehende Frau gut behandelt werde. Dort wurde ich ungerecht behandelt, misshandelt und vergewaltigt. LA: Wollen Sie sich von Ihrem Mann scheiden lassen? VP: Nein, mein Mann ist gut zu mir. Aber seine Familie ist nicht gut zu mir. LA: Welche Familie meinen Sie nun konkret und wo wohnt diese Familie? VP: Seine Mutter und sein Onkel mütterlicherseits haben mir sehr viel Schlechtes angetan. Sie wohnen in der Provinz Laghman, im Distrikt XXXX .VP: Seine Mutter und sein Onkel mütterlicherseits haben mir sehr viel Schlechtes angetan. Sie wohnen in der Provinz Laghman, im Distrikt römisch 40 . LA: Warum wissen Sie nun auf einmal diesen Distrikt? VP: Ich habe das von dem Onkel mütterlicherseits meines Mannes gehört. So viel habe ich das verstanden, dass ich mir den Namen des Dorfes und den Distrikt gemerkt habe. Der vollständige Name des Dorfes lautet XXXX .VP: Ich habe das von dem Onkel mütterlicherseits meines Mannes gehört. So viel habe ich das verstanden, dass ich mir den Namen des Dorfes und den Distrikt gemerkt habe. Der vollständige Name des Dorfes lautet römisch 40 . LA: Welche Verwandten hat Ihr Mann noch in Afghanistan und wo halten sich diese auf? VP: Sein Vater ist vor längerer Zeit verstorben, seine Mutter, sein Bruder sowie der Onkel mütterlicherseits und dessen Frau leben noch in Afghanistan. Sie haben keine Kinder. Befragt sonst gibt es keine Verwandten. LA: Wie alt waren Sie nun, als Sie zwangsverheiratet wurden bzw. in welchem Jahr wurden Sie nun verheiratet? VP: Das weiß ich nicht. Ich kann mich nur erinnern, dass ich sehr jung war, als ich verkauft wurde. LA: Was können Sie mir über die Provinz Nangarhar sagen? VP: Ich hatte keinen Vater und war die einzige Tochter meiner Mutter. Ich habe nichts im Leben gelernt. Ich bin Analphabetin. LA: Wie weit ist XXXX von Jalalabad entfernt?LA: Wie weit ist römisch 40 von Jalalabad entfernt? VP: Das weiß ich nicht. Ich bin nach Jalalabad gefahren und habe auch nie mein Haus verlassen, bis ich verheiratet wurde. Ich wurde dann von XXXX nach Laghman gebracht.VP: Das weiß ich nicht. Ich bin nach Jalalabad gefahren und habe auch nie mein Haus verlassen, bis ich verheiratet wurde. Ich wurde dann von römisch 40 nach Laghman gebracht. LA: Geben Sie einen Lebenslauf an. VP: Ich wurde in XXXX geboren. Ich kenne mein Geburtsdatum nicht, auch meine Mutter kennt mein Geburtsdatum nicht, sie konnte es mir nicht sagen. Ich habe einen Bruder und eine Schwester und beide waren jünger als ich und beide sind erkrankt, da es in XXXX keine medizinische Behandlung gab, sind sie drei Monate nach der Erkrankung verstorben. Mein Vater ist verstorben, als ich noch klein war, meine Mutter war die Witwe. Ich habe gemeinsam mit meinen beiden Onkeln väterlicherseits und dessen Familien gelebt. Mein ältester Onkel väterlicherseits hatte zwei Kinder, der andere hatte keine Kinder. Es gab dort keine Schule und ich war mit dem Haushalt beschäftigt. Ich durfte nicht das Haus verlassen, meine Mutter war eine Witwe, sie durfte nicht einmal nach ihrem Willen einen weißen Schleier tragen, weil ich eine Halbwaise war, durfte mir nicht gestattet, aus dem Haus zu gehen. Ich wollte immer schon etwas lernen und in die Schule gehen oder zumindest das Schreiben lernen, aber mein Onkel väterlicherseits hat mich unterdrückt und hat es mir nicht erlaubt. Dort werden Mädchen schlecht behandelt, wenn eine Frau eine Tochter gebärdet, wird entweder die Tochter getötet oder man nimmt sich eine Zweitfrau. Meine Mutter war eine Witwe und hatte kein Mitspracherecht. Ich sagte ihr immer, dass ich gerne zur Schule gehen möchte. Sie hat mir immer gesagt, ich solle still sein, damit mein Onkel väterlicherseits, das nicht mitbekommt, da ansonsten er meine Mutter und mich töten wird. Befragt meine Mutter ist verstorben, ich glaube vor drei Jahren, das war zu jenem Zeitpunkt, als mein Mann verschollen ist, sie hatte Krebs.VP: Ich wurde in römisch 40 geboren. Ich kenne mein Geburtsdatum nicht, auch meine Mutter kennt mein Geburtsdatum nicht, sie konnte es mir nicht sagen. Ich habe einen Bruder und eine Schwester und beide waren jünger als ich und beide sind erkrankt, da es in römisch 40 keine medizinische Behandlung gab, sind sie drei Monate nach der Erkrankung verstorben. Mein Vater ist verstorben, als ich noch klein war, meine Mutter war die Witwe. Ich habe gemeinsam mit meinen beiden Onkeln väterlicherseits und dessen Familien gelebt. Mein ältester Onkel väterlicherseits hatte zwei Kinder, der andere hatte keine Kinder. Es gab dort keine Schule und ich war mit dem Haushalt beschäftigt. Ich durfte nicht das Haus verlassen, meine Mutter war eine Witwe, sie durfte nicht einmal nach ihrem Willen einen weißen Schleier tragen, weil ich eine Halbwaise war, durfte mir nicht gestattet, aus dem Haus zu gehen. Ich wollte immer schon etwas lernen und in die Schule gehen oder zumindest das Schreiben lernen, aber mein Onkel väterlicherseits hat mich unterdrückt und hat es mir nicht erlaubt. Dort werden Mädchen schlecht behandelt, wenn eine Frau eine Tochter gebärdet, wird entweder die Tochter getötet oder man nimmt sich eine Zweitfrau. Meine Mutter war eine Witwe und hatte kein Mitspracherecht. Ich sagte ihr immer, dass ich gerne zur Schule gehen möchte. Sie hat mir immer gesagt, ich solle still sein, damit mein Onkel väterlicherseits, das nicht mitbekommt, da ansonsten er meine Mutter und mich töten wird. Befragt meine Mutter ist verstorben, ich glaube vor drei Jahren, das war zu jenem Zeitpunkt, als mein Mann verschollen ist, sie hatte Krebs. LA: Wie haben Sie geheiratet? VP: Plötzlich hat sich das Verhalten meines Onkels mir und meiner Mutter gegenüber verändert. Er wurde freundlich, aber ich wusste nicht warum. Ich war damals noch sehr jung. Die Mutter meines jetzigen Mannes ist ca. ein Jahr lang regelmäßig zu uns nach Hause gekommen. Ich wusste aber den Grund nicht. Mein Onkel hatte mich bereits verkauft und ich bekam neue Kleidung und man hat mir die ganzen Hände mit Henna gefärbt. Ich habe mich umgezogen und musste dann eine Burka tragen. Ich wurde in ein Auto gesetzt und wir sind losgefahren. Man sagte mir, dies wäre meine Hochzeit. Ich hatte viele Träume und Wünsche. Die Ehe wurde nicht im Haus meiner Mutter geschlossen. Bei meiner Schwiegerfamilie kam ein Mullah, mein Gesicht war verdeckt, der Mullah fragte mich, ob ich mit der Ehe einverstanden bin. Ich habe gar keine Antwort gegeben. Meine Schwiegermutter saß neben mir und zwickte mich und sagte, dass ich ja sagen muss. Sie hat mich mehrere Male gezwickt und das hat sehr weh getan. Ich war damals noch sehr jung und war in einem fremden Haus und in einer fremden Umgebung. LA: Wurde die Ehe behördlich registriert? VP: Nein. Befragt der Mullah war da, mein Gesicht war verdeckt, er hat einen Vers aus dem Koran aufgesagt, was noch passiert ist, das weiß ich nicht, da ich es nicht gesehen habe. Man wollte eigentlich gar nicht die Eheschließung, weil sie behaupteten, dass ich bestimmt ein schlechtes Mädchen bin und ich deswegen auch verkauft wurde. Ich wurde aber als Kompensation für die Schulden meines Onkels verkauft. LA. Wie hat Ihr Gatte Sie in den Ehejahren behandelt? VP: Die ersten zwei Wochen nach der Eheschließung hat meine Schwiegermutter meinem Ehemann nicht erlaubt, sich in meiner Nähe aufzuhalten. Ich habe vorhin erwähnt, dass meine Schwiegermutter ein Jahr lang regelmäßig zu uns gekommen ist. Der Grund dafür war, dass sie mich mit ihrem Bruder, der ein alter Mann war, verheiraten wollte, weil er keine Kinder hatte. Deswegen wollte sie auch nicht, dass mein jetziger Mann sich nach der Eheschließung mir nähert. Alle haben mich gehasst, ich wurde wie eine schlechte Frau, die verkauft wurde, behandelt. Nach der Eheschließung habe ich zwei Wochen lang meinen Ehemann nicht gesehen. Ich habe immer ein Tuch über den Kopf gezogen bekommen. Jeder aus dem Dorf ist gekommen, um mich zu sehen und hat sich gewundert, dass ich noch so jung bin. Sie haben versucht, mich aufzubauen und mir gesagt, dass die Familie gut sei. Am nächsten Tag nach der Eheschließung ist meine Schwiegermutter zu mir ins Zimmer gekommen, ich musste mit anderen Kindern dieses Zimmer teilen. Sie hat mich an den Haaren genommen und gezerrt und sagte mir "Du schmutzige Frau, du schläfst noch immer, steh auf und bereite das Essen vor". Ich musste Feuer machen, ich konnte jedoch kein Feuer machen, da ich es auch zu Hause nie bei meiner Mutter gemacht habe, denn meine Mutter machte Feuer und ich habe dann gekocht. LA. Wie hat Ihr Gatte Sie in den Ehejahren behandelt? VP: Mein Ehemann war gut zu mir. Ich habe ihm leid getan. Er konnte jedoch nichts dagegen unternehmen, denn seine Mutter und der Onkel mütterlicherseits hatten alles im Griff. Mein Ehemann hatte selbst kein Geld und deshalb musste er unter der Hand des Onkels und der Mutter leben. LA: Was konnte Ihr Mann nicht verhindern? VP: Er hat seiner Mutter gesagt, dass sie nachsichtig sein soll. Ich sei noch jung und würde alles lernen. Außerdem sei ich noch neu in dem Haus und soll Geduld haben und solle mit mir nicht schlecht umgehen. Seine Mutter sagte, ich sei bestimmt eine schlechte Frau und deshalb wurde ich auch verkauft und man hätte viel zu viel Geld für mich verlangt. LA: Was war nun mit den Plänen Ihrer Schwiegermutter bzgl. Ihres Bruders? VP : Nachdem meine Mutter viel geweint hat und nicht wollte, dass ich den alten Mann heirate, hat der Onkel meines Mannes gesagt, dass ich den Neffen heiraten soll und so würde er seine Schulden erlassen. LA: Haben Sie sich jemals außerhalb von Afghanistan aufgehalten, abgesehen von Ihrer Reise hierher? VP: Nein. LA: Was hat Ihr Mann beruflich gemacht? VP: Er hat Gemüse verkauft. Er hat auf den Feldern seines Vaters und Onkels gearbeitet, er war mit der Landwirtschaft beschäftigt. Er war immer für zwei oder drei Tage unterwegs gewesen und ist dann nach Hause gekommen. LA: Wo hat er das Gemüse verkauft? VP: Das weiß ich nicht. LA: Hat Ihr Mann noch andere Beschäftigungen gehabt? VP: Davor war er glaublich einmal schon in Europa, das hat er einmal erwähnt. LA: Hat Ihr Mann Ihnen erlaubt, sich weiterzubilden? VP: Mein Ehemann wollte das, weil er in Europa gelebt hatte, aber dort ist es anders. Das was die Ältesten sagen, das wird auch so gemacht. Er hat das gemacht, was die Mutter gesagt hat. LA: Waren oder sind Sie im Heimatland Mitglied einer politischen Partei oder irgendeiner sonstigen Gruppierung? VP: Nein. Ich war eine Hausfrau. LA: Gehörten Sie jemals einer bewaffneten Gruppierung an? VP: Nein. LA: Welche Volksgruppe/Religion gehören Sie an? VP: Ich bin Paschtunin und Sunnitin. LA: Hatten Sie wegen Ihrer Volksgruppenzugehörigkeit Probleme im Heimatland bzw. hatten Sie wegen Ihrer Religion/Religionsausübung Probleme im Heimatland? VP: Nein. Einvernahme unterbrochen von 10.30 Uhr bis 10.45 Uhr Anmerkung der Dolmetscherin: Die Ausdrucksweise der VP ist sehr einfach, weshalb auch glaubhaft ist, dass sie keine schulische Bildung hat. LA: Können Sie nochmals schildern, was die ausschlaggebenden Gründe für Ihre Ausreise waren? Schildern Sie die Ereignisse in chronologischer Reihenfolge und so detailreich, dass sich ein Außenstehender ein Bild Ihrer Situation machen kann. Sie sollen die Situation so detailreich erzählen, dass von einer selbst erlebten Situation auszugehen ist. VP: Die Probleme hatten begonnen, weil ich verkauft wurde. Der Onkel mütterlicherseits meines Mannes hat mich immer verprügelt, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Er hat mich dann geschlagen, er hat mit einem Glas auf mich geworfen. Er hat mit allem, was er zufällig in der Hand hielt, auf mich geworfen. Bei Stallarbeiten, wenn ich was falsch gemacht habe, wurde ich auf den Rücken getreten, es wurde mir vorgeworfen, warum ich das nicht in meinem Elternhaus gelernt habe. Wenn mein Kochen das Essen leicht verbrannt war, hat meine Schwiegermutter ihren Bruder geholt und ihm gesagt, schau dir diese schlechte Frau an, sie kann nicht einmal kochen. Bestimmt hatte sie eine Affäre, dass sie so teuer an uns verkauft wurde. Ich musste Mehl kneten und Brot backen und wenn das Brot verbrannt ist, wurde es sowohl von der Schwiegermutter und dem Bruder und dessen Ehefrau beschimpft. Sie beschimpften nicht nur mich, sondern auch meine Mutter. Sie meinten, wir wären schlechte Frauen. LA: Zusammenfassend es ging Ihnen schlecht der der Schwiegerfamilie. Ich wurde von meiner Schwiegerfamilie unterdrückt. Vor drei Jahren haben die Taliban meinen Ehemann unter Zwang mitgenommen. Er war sechs Monate bei den Taliban. LA: Warum können Sie auf einmal Zeitangaben angeben? VP: Genau, weiß ich es nicht, aber ich schätze, es war vor zwei oder drei Jahren. Meine Tochter XXXX war ein Monat alt, als mein Mann aus Afghanistan geflüchtet ist.VP: Genau, weiß ich es nicht, aber ich schätze, es war vor zwei oder drei Jahren. Meine Tochter römisch 40 war ein Monat alt, als mein Mann aus Afghanistan geflüchtet ist. LA: Wie war die Zeit, als Ihr Mann bei den Taliban war? VP: Es war keine gute Zeit. Die Taliban haben meinen Mann gezwungen, für sie zu arbeiten. LA: Woher wissen Sie das? VP: Anfänglich habe ich nichts davon gewusst. Er hat sich immer in einem Zimmer versteckt. Letztlich habe ich von der Frau des Onkels erfahren, dass die Taliban hinter meinen Mann her sind und ihn auffordern, für sie zu arbeiten. Es war an einem Abend, als die Taliban ins Haus gekommen sind und meinen Mann gezwungen haben, mitzugehen. Alle habe geweint, auch mein Mann weinte. Nach einiger Zeit ist er wieder zurückgekommen. Innerhalb von diesen sechs Monaten ist er drei oder vier Mal zu Hause gewesen. Nachdem mein Mann mitgenommen wurde, hat mich meine Schwiegermutter verantwortlich gemacht, sie hat mich und meine Kinder unterdrückt. Sie meinte, ich sei schmutzig und unrein. Als erstes sei ich in das Haus gekommen und hätte Probleme gemacht und nun sei wegen mir ihr Sohn entführt worden. Sie wollen mich und meine Kinder nicht, was soll sie mit uns machen. Ich war in der Küche, als plötzlich mein Ehemann ins Haus gekommen ist. Er ist in das Zimmer seiner Mutter gestürmt, wo auch sein Onkel war. Dann ist er wieder hinausgekommen, mein Sohn war am Gang, er hat meinen Sohn abgebusselt und ist weggelaufen. Er hat das Haus verlassen, ich konnte ihn nicht sprechen, ich bin zu meiner Schwiegermutter gegangen und habe gefragt, was los ist. Erst zwei Tage später fragte ich meine Schwiegermutter, wo mein Mann hingegangen ist. Sie sagte mir, dass mein Ehemann von hier weggegangen ist, weil er mich nicht mag. Ich solle keine Hoffnung mehr haben, dass er zurückkommt. Er sei jetzt weg und würde auch nicht mehr kommen. Meine Tochter XXXX war damals einen Monat alt. Meine Schwiegermutter hat mich auch wegen meinen Töchtern schlecht behandelt. Als ich meinen Sohn geboren hatte, wurde sie etwas freundlicher zu mir. Aber nach der Geburt der zweiten Tochter war sie schlecht zu mir. Sie wollte meine Tochter auf den Müllplatz wegwerfen. Sie meinte, die anderen schwangeren aus dem Dorf, hätten alle Söhne geboren, warum ich eine Tochter geboren. Ein bis eineinhalb Jahre, nachdem mein Mann weg war, haben die Taliban meinen Sohn, der auf der Straße gespielt hat, entführt. Die Kinder haben auf der Straße gespielt, es war am Abend. Die Dorfkinder sind ins Haus gekommen und sagten mir, dass XXXX von zwei Männern entführt wurde. Diese zwei Männer hätten lange Bärte und ihre Gesichter konnte man nicht sehen. Ein bis eineinhalb Wochen war mein Sohn verschwunden. Keiner hat sich um mich gekümmert und mir geholfen, meinen Sohn zu finden. Ein bis eineinhalb Wochen später wurde mein Sohn nach Hause gebracht, sein Oberarm war verbrannt. Dorfbewohner haben den Onkel meines Mannes Nachrichten überbracht, dass die Taliban der Meinung sind, dass ich Kontakt zu meinem Mann habe und auch wissen muss, wo sich mein Ehemann aufhält und wenn ich es nicht sage, werden sie meinen Sohn töten.VP: Anfänglich habe ich nichts davon gewusst. Er hat sich immer in einem Zimmer versteckt. Letztlich habe ich von der Frau des Onkels erfahren, dass die Taliban hinter meinen Mann her sind und ihn auffordern, für sie zu arbeiten. Es war an einem Abend, als die Taliban ins Haus gekommen sind und meinen Mann gezwungen haben, mitzugehen. Alle habe geweint, auch mein Mann weinte. Nach einiger Zeit ist er wieder zurückgekommen. Innerhalb von diesen sechs Monaten ist er drei oder vier Mal zu Hause gewesen. Nachdem mein Mann mitgenommen wurde, hat mich meine Schwiegermutter verantwortlich gemacht, sie hat mich und meine Kinder unterdrückt. Sie meinte, ich sei schmutzig und unrein. Als erstes sei ich in das Haus gekommen und hätte Probleme gemacht und nun sei wegen mir ihr Sohn entführt worden. Sie wollen mich und meine Kinder nicht, was soll sie mit uns machen. Ich war in der Küche, als plötzlich mein Ehemann ins Haus gekommen ist. Er ist in das Zimmer seiner Mutter gestürmt, wo auch sein Onkel war. Dann ist er wieder hinausgekommen, mein Sohn war am Gang, er hat meinen Sohn abgebusselt und ist weggelaufen. Er hat das Haus verlassen, ich konnte ihn nicht sprechen, ich bin zu meiner Schwiegermutter gegangen und habe gefragt, was los ist. Erst zwei Tage später fragte ich meine Schwiegermutter, wo mein Mann hingegangen ist. Sie sagte mir, dass mein Ehemann von hier weggegangen ist, weil er mich nicht mag. Ich solle keine Hoffnung mehr haben, dass er zurückkommt. Er sei jetzt weg und würde auch nicht mehr kommen. Meine Tochter römisch 40 war damals einen Monat alt. Meine Schwiegermutter hat mich auch wegen meinen Töchtern schlecht behandelt. Als ich meinen Sohn geboren hatte, wurde sie etwas freundlicher zu mir. Aber nach der Geburt der zweiten Tochter war sie schlecht zu mir. Sie wollte meine Tochter auf den Müllplatz wegwerfen. Sie meinte, die anderen schwangeren aus dem Dorf, hätten alle Söhne geboren, warum ich eine Tochter geboren. Ein bis eineinhalb Jahre, nachdem mein Mann weg war, haben die Taliban meinen Sohn, der auf der Straße gespielt hat, entführt. Die Kinder haben auf der Straße gespielt, es war am Abend. Die Dorfkinder sind ins Haus gekommen und sagten mir, dass römisch 40 von zwei Männern entführt wurde. Diese zwei Männer hätten lange Bärte und ihre Gesichter konnte man nicht sehen. Ein bis eineinhalb Wochen war mein Sohn verschwunden. Keiner hat sich um mich gekümmert und mir geholfen, meinen Sohn zu finden. Ein bis eineinhalb Wochen später wurde mein Sohn nach Hause gebracht, sein Oberarm war verbrannt. Dorfbewohner haben den Onkel meines Mannes Nachrichten überbracht, dass die Taliban der Meinung sind, dass ich Kontakt zu meinem Mann habe und auch wissen muss, wo sich mein Ehemann aufhält und wenn ich es nicht sage, werden sie meinen Sohn töten. LA: Wie alt war Ihr Sohn, als er entführt worden ist? VP: Er war ca. vier oder fünf Jahre alt. LA: Wer brachte Ihren Sohn zurück? Wohin zurück? VP: Es war am Abend, als es an der Türe geklopft hat. Ich machte die Türe auf und sah meinen Sohn. Er hatte ein schmutziges Tuch über seinen Oberarm. Ich dachte, er hätte eine leichte Verletzung. Nachdem ich ihn gesehen habe, hatte er Verbrennungen am Daumen, am Unterarm und sein gesamter Oberarm war verbrannt. LA: Wie entstand diese Verletzung? Was wissen Sie darüber? VP: Das weiß ich nicht. Ihm ging es sehr schlecht. Ich habe angenommen, dass man ihm mit Säure übergossen hat. Aber die anderen sagten, dass er verbrannt wurde. LA: Was hat Ihr Sohn Ihnen erzählt? VP: Mein Sohn hat mir nichts erzählt. Er sagte, er hat Angst. Mitten in der Nacht ist er aufgestanden und hat geweint und wollte, dass ich ihn festhalte. LA: Wer hat nun Ihren Sohn gebracht? VP: Das weiß ich nicht. Es war am Abend, als es an der Türe geklopft hat. Mein jüngerer Schwager ist zur Eingangstüre gegangen, denn dort machen die Frauen die Eingangstüre nicht auf. Ich stand in der Küche und habe dann von dort ausgesehen, dass mein Sohn ins Haus gekommen ist. Nachdem ich meinen Sohn gesehen habe, bin ich ohnmächtig geworden. Ich kam dann wieder zu mir, als meine Schwiegermutter mir einen Faustschlag verpasst hat. Sie sagte mir, steh auf, nimm deinen Sohn und simuliere nicht. Sie hat mir vorgeworfen, hätte ich den Taliban den Aufenthaltsort meines Mannes bekannt gegeben, dann hätten sie das mit meinem Sohn nicht gemacht. LA: Warum gaben Sie vorhin widersprüchlich an, dass Sie die Türe geöffnet hätten? VP: Es tut mir leid, ich habe mich geirrt, denn dort machen die Frauen nicht die Eingangstüre auf. LA: Was heißt, Sie haben sich geirrt? VP: Ich bin gerade in Gedanken in der Situation, die ich erlebt habe und die Unterdrückungen, die ich durchmachen musste. LA: Was meinen Sie damit, dass Ihnen die Schwiegermutter vorgeworfen hat, dass Sie den Taliban den Aufenthaltsort Ihres Mannes bekannt geben hätten sollen. Wann hätten Sie denn den Aufenthaltsort den Taliban bekannt geben können? VP: Meine Schwiegermutter und ihr Bruder haben geglaubt, dass ich heimlichen Kontakt zu meinem Mann habe. Der Bruder hatte heimliche Kontakte zu den Taliban und ich glaube, dass er das was zu Hause gesprochen wurde, den Taliban weitergesagt hat. Denn als mir die Nachrichten überbracht wurden, dass man meinen Sohn umbringt, wenn ich nicht sage, wo mein Mann ist, habe ich zu Hause gesagt, dann sollen sie ihn umbringen, denn ich weiß nicht wo mein Mann ist. Sie haben geglaubt, dass ich das mit Absicht sage und meinen Mann beschütze und sogar das Leben meiner Kinder nicht wichtig ist. LA: Wie hätten Sie mit Ihrem Mann Kontakt aufnehmen können, wenn Sie nicht einmal das Haus verlassen durften? VP. Das weiß ich nicht. Meine Schwiegerfamilie wollte mich zwingen, wieder zu heiraten. Sie sagten, mein Mann ist verschwunden und es sind eineinhalb Jahre vergangen und ich solle wieder heiraten. LA: Was meinen Sie mit folgender Aussage: Denn als mir die Nachrichten überbracht wurden, dass man meinen Sohn umbringt. Wer hat Ihnen wann welche Nachricht überbracht? VP: Der Onkel meines Mannes hat mir die Nachricht überbracht, als sie meinen Sohn entführt hatten. Drei Tage, nachdem er mitgenommen wurde, sagte er mir, dass man meinen Sohn umbringt. LA: Hatte die Schwiegerfamilie irgendwelche Probleme mit den Taliban, als Ihr Mann weggegangen war? VP: Nein. Die Taliban haben von jedem Haushalt einen jungen Mann mitgenommen. Sie haben sie unter Zwang mitgenommen. Was sie mit ihnen machen wollten, das weiß ich nicht. LA: Antworten Sie auf die gestellte Frage. Hatte die Schwiegerfamilie irgendwelche Probleme mit den Taliban, als Ihr Mann weggegangen war? VP: Nein. LA: Warum nicht? Warum hätten Sie Probleme aber die Schwiegerfamilie nicht? VP: Wegen meinem Mann hatte ich Probleme mit den Taliban. Sie wollten ihn zu einer Arbeit zwingen, aber er wollte es nicht. Er hat auch in Europa gelebt. LA: Warum hatten Sie mit den Taliban Probleme, nach dem Ihr Mann davongelaufen ist und nicht Ihre Schwiegerfamilie. Immerhin war der Hausvorstand Ihr Onkel und der hatte das Sagen. Laut Ihren Angaben hatten Sie als Frau keine Rechte, also warum sollten sich die Taliban an Sie wenden und nicht an den Hausvorstand, also dem Bruder Ihrer Schwiegermutter? VP: Die Taliban wollten mich unter Druck setzen, weil mein Ehemann seine Kinder sehr geliebt hat. Sie dachten, so könnten sie, wenn sie mich bedrohen, Informationen über meinen Mann bekommen, wo er sich aufhält. LA: Wann fingen die ersten Bedrohungen an? VP: Zwei oder drei Wochen, nachdem mein Mann weg war. Der Onkel meines Mannes sagte mir, nachdem mein Mann weggelaufen ist, hat er das Leben meiner Kinder und mein Leben in Gefahr gebracht und er hat nichts Gutes damit getan. LA: Schildern Sie konkret diese ersten Bedrohungen? VP: Bevor mein Sohn entführt wurde, sagte mir der Onkel meines Mannes, dass ich auf der Stelle sagen soll, wo mein Mann hingegangen ist. Ansonsten wird man meinen Sohn töten. Sie dachten, dass mein Mann in der Umgebung ist und ich weiß, wo er ist. Es ist viel Zeit vergangen, dann kam wieder der Onkel meines Mannes und sagte mir, dass die Taliban sehr verärgert sind und sie darauf gewartet haben, dass sich mein Mann stellt. LA: Wie oft fanden nun Bedrohungen bis zur Entführung Ihres Sohnes statt? Schildern Sie diese konkret. VP: Zwei Mal wurde ich bedroht. Die erste Bedrohung war zwei oder drei Wochen, nachdem mein Ehemann verschwunden war. Zu dem Zeitpunkt wurde mir vom Onkel meines Mannes vorgeworfen, dass ich weiß, wo mein Ehemann ist und ich nicht sage, wo er ist. Dann ist viel Zeit vergangen, dann hat der Onkel mich zu sich gerufen und mir gesagt, dass mein Ehemann nichts Gutes damit gemacht hat, dass er weggelaufen ist und auch ich hätte den Fehler gemacht, nicht zu sagen, wo mein Mann ist. Wenn dem Sohn was passiert, dann übernimmt er die Verantwortungen nicht. LA: Wie lange nach der zweiten Bedrohung wurde Ihr Sohn entführt? VP: Ich glaube drei Monate nach der zweiten Bedrohung. LA: Wie ging es weiter. Ihr Sohn wurde zurückgebracht. VP: Die familiären Probleme hatten sich nicht verändert. Ich wurde geschlagen und die Schwiegermutter hat mir vorgeworfen, dass mein Sohn wegen mir entführt wurde und diesen Zustand hat. Ich musste jede Nacht über meine Töchter wachen, weil der Onkel gesagt hat, dass ich Angst um meine Töchter haben soll, denn es könnte sein, dass sie mir weggenommen werden. Ich hatte wenig Milch. Wenn meine Schwiegermutter es mir erlaubt hat, Kuhmilch zu trinken, habe ich es in der Nacht meiner Tochter gegeben. Viel Zeit ist vergangen, dann ist mein Onkel väterlicherseits gekommen, er wollte mich besuchen. Er hat gesehen, dass es mir sehr schlecht geht. Mein Onkel hat meine Schwiegermutter ersucht, mir zu erlauben, für zwei Tage ihn und seine Familie zu besuchen und würde mich dann nach zwei Tagen wieder nach Hause bringen. Seit meiner Heirat durfte ich nicht einmal in mein Elternhaus. Schließlich hat meine Schwiegermutter meinem Onkel erlaubt, mich mitzunehmen. Er hat sie um Erlaubnis angefleht. Es war zu Mittag, als mein Onkel mich mitgenommen hat. Ich wollte Sachen von meinen Kindern mitnehmen. Er sagte, das sei nicht notwendig, es gäbe bei ihm alles. In der Nacht hat mein Onkel mit mir gesprochen. Mir ging es sehr schlecht, ich hatte ein geschwollenes Auge, da der Onkel meines Mannes mir mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Mein Onkel väterlicherseits hat mir gesagt, dass er mich nun in ein Land schicken wird, wo ich mir keine Sorgen um meine Kinder machen muss und auch ohne Mann leben könne. Mein Onkel brachte mich nach Pakistan. Ich dachte, dass mein Ehemann gefunden wurde und in Pakistan sei und ich nun zu ihm gebracht werde. LA: Warum sollte Ihr Onkel Ihnen auf einmal helfen und relativ viel Geld ausgeben? VP: Dieser Onkel von mir hatte keine Kinder und sagte, dass ich wie ein Kind für ihn bin. Er hat sein sehr weiches Herz und war immer sehr gut zu mir. Mein älterer Onkel der war nicht gut zu uns. LA: Woher sollte der Onkel nun auf einmal so viel Geld haben, zumal der Onkel aufgrund von Schulden Sie verkaufen musste? VP: Es gab Grundstücke, wo mein Vater auch einen Anspruch darauf hatte. Dieser Onkel hat sich wegen den Grundstücken wegen meines älteren Onkels zerstritten. Letztendlich wurden die Grundstücke aufgeteilt und jeder Onkel hat seinen Anteil bekommen. Da ich keinen Bruder hatte und meine Mutter verstorben war, hat mein guter Onkel meinen Anteil mir gegeben bzw. für mich ausgegeben. LA: Warum gaben Sie in der ersten Einvernahme an, dass ein Dorfbewohner Ihnen geholfen hätte? VP: Ich war in einem Gefängnis, ich war verängstigt, es war eine schlimme Situation für mich, deshalb habe ich gesagt, dass es ein Dorfbewohner war, eigentlich war es mein Onkel. LA: Es ist nicht glaubhaft nachvollziehbar, dass Sie nicht Ihren Onkel, den Sie namentlich nicht erwähnen mussten nicht angeführt haben. VP: Es kann sein, dass es ein Fehler des Dolmetschers ist, es kann aber auch sein, dass ich es so gesagt habe. Irren ist menschlich. LA: Gab es zwischen der Entführung Ihres Sohnes und Ihrer Ausreise irgendwelche Vorfälle oder Bedrohungen? VP: Nein. LA: Möchten Sie etwas zu Ihrem Vorbringen ergänzen? VP: Nein. LA: Haben Sie mit Ihrem Sohn wegen seiner Verbrennungen einen Arzt in Österreich aufgesucht? VP: Nein, sie können sich die Verbrennungen meines Sohnes anschauen. Die Verletzungen sind schlecht verheilt, da die Wunde aufgrund dessen, dass ich keine Medikamente hatte, nicht versorgen konnte. Diese hat sich entzündet und aus der Entzündung sind Würmer entstanden und deshalb ist die Wunde auch schlecht verheilt. Anmerkung. Linker Oberarm großflächig vernarbt. LA: Sie gaben eingangs an, dass Sie vergewaltigt worden wären, die Sie jedoch in Ihrer Erzählung nicht angeführt haben. Wann wurden Sie nun vergewaltigt und von wem und warum? Den Hergang der Vergewaltigung müssen Sie nicht anführen. VP: Zweieinhalb Jahre nachdem mein Ehemann verschollen war. Es war in der Nacht. Ich ekle mich vor mir selbst. Der Onkel meines Mannes, der war nicht gut zu mir. Der hat mich belästigt. In der Nacht wurde immer an meiner Zimmertüre geklopft. Ich habe mehrere Male meiner Schwiegermutter erzählt. Sie sagte mir, ich sei selbst schlecht und würde auch schlechtes von anderen denken. Befragt zweieinhalb Jahre nachdem mein Ehemann verschollen war, kam der Onkel ins Zimmer und hat mich vergewaltigt. Es ist eine Schande, zu erzählen, dass man vergewaltigt wurde. LA: Wie lange vor der Ausreise war dieser Vorfall? VP: Zwei Monate vor der Ausreise. Ich traute mir nicht, meiner Schwiegermutter davon zu erzählen, denn meine Schwiegermutter wollte einen Vorwand finden, um mich den Dorfleuten auszuliefern, damit ich getötet werde. LA: Warum gaben Sie in der ersten Einvernahme an, dass Ihr Mann für die afghanische Nationalarmee gearbeitet hätte? VP: Ich weiß nicht, warum ich das gesagt habe. Ich war bei der Polizei und ich und meine Kinder hatten einen Tag und eine Nacht nichts zu essen bekommen. Ich habe die Polizei gebeten, meinen Kindern was zu essen zu geben. Sie haben die Türe zugesperrt und gesagt, ich solle hier warten. LA: Warum gaben Sie sogar an, dass Ihr Mann von der afghanischen Nationalarmee verfolgt wurde? VP: Ich war in einem Schockzustand, als ich bei der Polizei war. Außerdem wurde zu Hause auch erzählt, dass mein Mann bei der Nationalarmee ist und deshalb habe ich auch geglaubt, dass er dort arbeitet. Als er hierhergekommen ist und mir erzählt hat, wie es tatsächlich war, habe ich erfahren, dass er nicht bei der Nationalarmee war. LA: Sie gaben auch in der ersten Einvernahme an, dass Geld von Ihnen gefordert worden wäre? VP: Ich habe das erzählt, was ich von den anderen gehört habe. Ich habe mit meinem Mann nicht gesprochen. LA: Was meinen Sie nun damit, dass Geld gefordert worden wäre, das haben Sie heute nicht angegeben? VP: Der Onkel wollte, dass ich Geld bezahle. Es kann aber sein, dass der Dolmetscher einen Fehler gemacht hat. LA: Was wollte der Onkel konkret? Wie viel hätten Sie an wen bezahlen sollen? VP: Ich verstehe ihre Frage nicht. LA: Frage wird wiederholt und erklärt. VP: Der Onkel meines Mannes hat meinem Onkel väterlicherseits Geld geschuldet. Nachdem mein Mann verschollen war, wollte der Onkel meines Mannes mich weiter verkaufen. Er wollte mich an einen anderen Mann verkaufen, um mit diesem Geld meinen Sohn freizukaufen. Ich wollte aber auf keinen Fall einen anderen Mann heiraten. LA: Warum kam dann Ihr Sohn ohne Geldzahlung frei? VP: Das weiß ich nicht. Die Wunde meines Sohnes war verfault. Was hätten sie mit ihm machen sollen. LA: Warum haben Sie diese Geldzahlungen in der heutigen Einvernahme nicht von sich aus angeführt? VP: Ich wollte ihnen meine ganze Lebensgeschichte von Beginn an bis zum Ende erzählen. Sie wollten, dass ich die Fragen beantworte. LA: Schildern Sie konkret und lebensnah jenen Abend, als Ihr Mann von den Taliban zwangsweise mitgenommen worden war? Anmerkung: Eine ausführliche Erklärung über eine lebensnahe Schilderung erfolgte. VP: Das kann ich nicht, ich weiß nicht, was ich ihnen erzählen soll. LA: Es gibt einen einzigen Vorfall, wo Sie direkt mit den Taliban konfrontiert waren. Sie konnten bis jetzt Ihr ganzes Leben sehr konkret schildern und somit sind Sie auch in der Lage, diesen Vorfall zu schildern. VP: Mein Mann hat sechs Monate für die Taliban gearbeitet und ist drei Mal in jenem Zeitraum nach Hause gekommen. LA: Schildern Sie konkret und lebensnah jenen Abend, als Ihr Mann von den Taliban zwangsweise mitgenommen worden war? Es gibt einen einzigen Vorfall, wo Sie direkt mit den Taliban konfrontiert waren. Sie konnten bis jetzt Ihr ganzes Leben sehr konkret schildern und somit sind Sie auch in der Lage, diesen Vorfall zu schildern. Sie werden auf Ihre Mitwirkungsverpflichtung hingewiesen. VP: Ich brauche eine Pause. Einvernahme unterbrochen von 12.15 Uhr bis 12.20 Uhr Anmerkung: Die VP verlässt aber nicht den Raum, da eine Kontaktaufnahme mit Ihrem Gatten nicht stattfinden soll. LA: Schildern Sie konkret und lebensnah jenen Abend, als Ihr Mann von den Taliban zwangsweise mitgenommen worden war? Es gibt einen einzigen Vorfall, wo Sie direkt mit den Taliban konfrontiert waren. Sie konnten bis jetzt Ihr ganzes Leben sehr konkret schildern und somit sind Sie auch in der Lage, diesen Vorfall zu schildern. Sie werden auf Ihre Mitwirkungsverpflichtung hingewiesen. VP: Es war am Abend, als die Taliban gekommen sind und meinen Mann unter Zwang mitgenommen haben. LA: Wie lief diese zwangsweise Mitnahme ab. Geben Sie konkrete Angaben an. VP: Es hat an der Türe geklopft. Mein Mann und sein Onkel sind zur Türe gegangen. Plötzlich wurde er mitgenommen. Der Onkel kam und sagte, dass XXXX mitgenommen wurde. Es wurde nicht nur mein Mann an jenem Abend mitgenommen sondern auch einige weitere junge Dorfbewohner. Meine Schwiegermutter und ich haben geweint.VP: Es hat an der Türe geklopft. Mein Mann und sein Onkel sind zur Türe gegangen. Plötzlich wurde er mitgenommen. Der Onkel kam und sagte, dass römisch 40 mitgenommen wurde. Es wurde nicht nur mein Mann an jenem Abend mitgenommen sondern auch einige weitere junge Dorfbewohner. Meine Schwiegermutter und ich haben geweint. LA: Wie lief nun diese Mitnahme ab. Geben Sie konkret Angaben an. VP: Das weiß ich nicht, ich war mit dem Haushalt beschäftigt. LA: Sie gaben vorhin an, dass Ihr Mann innerhalb der sechs Monate drei Mal nach Hause gekommen war. Wie lange blieb Ihr Mann zu Hause? VP: Einmal blieb er zwei Nächte, manchmal nur eine Nacht, manchmal nur einen Tag. Mehr wurde ihm nicht erlaubt. LA: Sie haben nun mehr als dreimalige Besuche aufgezählt. Aber Sie gaben vorhin gerade an, dass Ihr Mann innerhalb der sechs Monate drei Mal nach Hause gekommen war. VP. Er ist drei Mal nach Hause gekommen. Einmal blieb er zwei Nächte, die Taliban erlaubten nicht mehr, dann blieb er nur eine Nacht und dann nur einen Tag. LA: Wann war der letzte Besuch Ihres Mannes, bevor er wegging? Wie lange davor bevor er wegging? VP: Das weiß ich nicht, ich kann mich nicht erinnern. LA: Der erkennenden Behörde liegt ein Schreiben des "Afghanischen Kultur Vereines", übermittelt am 01.08.2017 vor, wonach Sie mit Ihrer Familie einige Jahre in der Ukraine gelebt hätten und auch zwei Kinder die ukrainische Staatsbürgerschaft besitzen. Was sagen Sie dazu? VP: Das ist eine Lüge. LA: Geben Sie Ihr Einverständnis, dass die ho Behörde unter Heranziehung Ihrer persönlichen Daten Recherchen bei den ukrainischen Behörden durchführen? VP: Ja. LA: Waren Sie im Heimatland oder woanders in Strafhaft? Wenn ja, weshalb? VP: Nein. LA: Eine Verfolgung durch die Taliban ist nicht glaubhaft. Was würde nun gegen eine Rückkehr nach Afghanistan mit Ihrem Gatten sprechen, wenn Sie die Fluchtgründe außer Acht lassen. Sie und Ihr Mann können in Kabul bei einem Freund Ihres Gatten eine Unterkunfts- und Unterstützungsmöglichkeit vorfinden. VP: Man wird mich dort töten. Ich wurde vergewaltigt. Auch wenn ich mich verteidigen sollte, würde man mich steinigen. LA: Warum sollte man Sie töten wollen? VP: Weil ich vergewaltigt wurde. Man hat mich verkauft. Nachdem ich der Schwiegermutter davon erzählt habe, hat sie mir vorgeworfen, dass ich ihren Bruder verleumden wolle und ich sei schlecht und würde ihn in Verruf bringen wollen. Ich bin hierhergekommen, damit es meinen Töchtern nicht so ergeht, wie es mir ergangen ist. Dass sie in einer Kammer sitzen und ungebildet bleiben. Ich möchte hier etwas lernen. LA: Sie können mit Ihrem Gatten nach Kabul zurückkehren und dort eine Bildung machen, Ihr Gatte hat nichts dagegen. VP: Ich weiß nicht, wie es in Kabul ist, ich war nicht dort. Unser Land ist zerstört. LA: Möchten Sie zu der Rückkehrmöglichkeit noch etwas sagen? VP: Ich möchte nicht dorthin zurückkehren, dort ist das Leben meiner Kinder und auch mein Leben in Gefahr. Ich hasse das Land. Ich möchte hier lernen und arbeiten gehen. Es werden Ihnen nun Länderinformationen zu Afghanistan übergeben und Sie haben die Möglichkeit, innerhalb von zwei Wochen, wenn Sie das möchten, eine Stellungnahme abzugeben. Sie werden weiters informiert, dass die aktuellen Länderinformationen des BFA in der Entscheidung in Ihrem Asylverfahren enthalten sein werden und Sie dazu im Rahmen einer allfälligen Beschwerde innerhalb der zweiwöchigen Rechtsmittelfrist Stellung nehmen können. Haben Sie das verstanden? VP: Ja. Einvernahme unterbrochen von 12.40 Uhr bis 14.35 Uhr LA: Als Ihr Mann von den Taliban mitgenommen wurde, gab es davor Vorfälle, wo die Taliban an die Haustüre geklopft hätten? VP: Das weiß ich nicht. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. LA: Wie geht es Ihnen? Können Sie die Einvernahme weiter fortführen? VP: Ja, ich zittere jedoch am ganzen Körper. Sie können mich fragen. LA: Hat Ihr Mann einen Bruder? VP: Ja, befragt er ist jünger, befragt wie viel jünger, das weiß ich nicht. LA: Wo hat der Bruder gelebt, als Sie im Haus der Schwiegermutter gelebt haben? VP: Er hat auch im Haus gelebt. LA: Hatte der Bruder Probleme mit den Taliban? VP: Nein, ich weiß nicht, ob er Probleme hatte oder nicht. LA: Als Ihr Mann von den Taliban zu Besuch nach Hause kam, wie liefen diese Besuche ab? War Ihr Mann in Begleitung, wurde Ihr Mann abgeholt, gab es eine Bewachung des Hauses usw. VP: Das weiß ich nicht. Mein Mann kam nach Hause, wie er nach Hause gekommen ist, das weiß ich nicht. Ich war immer im Haushalt beschäftigt. LA: Wie verließ Ihr Mann das Haus? VP: Wenn er das Haus verlassen hat, haben alle geweint und wir habe nicht gewusst, ob er zurückkehren wird oder nicht. Wir wussten nicht, was man mit ihm machen wird. Ob man eine Bombe an seinen Körper befestigt oder was anderes. LA: Schildern Sie konkret die Situation, wie Ihr Mann das Haus verlassen hat. VP: Meine Schwiegermutter saß am Boden und hat sich ins Gesicht geschlagen. Meine Kinder weinten. Ich selbst war verzweifelt, denn ohne meinen Mann wäre ich noch schlechter behandelt worden. LA: Wie war die Situation, als Ihr Man das Haus verlassen hat. Konkrete Angaben in Bezug auf Ihren Mann. VP: Alle haben geweint, ich hatte die jüngste Tochter in den Armen. Meine zwei Kinder standen bei mir. Ich bin ruhig in einer Ecke gestanden. Meine Schwiegermutter hat geweint. Mein Ehemann hat sich nicht richtig von uns verabschiedet. Er sagte nur, auf Wiedersehen. Wir konnten nichts machen. Wir wussten nicht, ob er wieder zurückkommt. Ich bin sehr müde und erschöpft von meinem Leben. Ich habe vieles in meinem Leben durchgemacht. Ich habe meine drei Kinder alleine großgezogen. Ich habe keine Geduld mehr. Ich weiß auch nicht, was ich ihnen noch sagen soll. Anmerkung: Die VP weint. LA: Geben Sie den vollständigen Namen Ihres Heimatdorfes an. VP: XXXX .VP: römisch 40 . LA: Ich beende jetzt die Befragung. Möchten Sie noch weitere Angaben machen? VP: Ich möchte hier leben, ich möchte, dass sie mir die Gelegenheit geben, hier leben zu können. Ich habe hier Schutz bekommen. Anmerkung: Der Rechtsvertretung wurde eine Kopie des Briefes d. "Afghanischen Kultur Vereines" ausgehändigt. LA: Wollen Sie noch etwas zu Protokoll geben oder Anträge stellen? Vertreter: Das wird alles in der schriftlichen Stellungnahme angeführt. Anmerkung: Die gesamte Niederschrift wird wortwörtlich rückübersetzt. LA: Haben Sie nun nach Rückübersetzung Einwendungen gegen die Niederschrift selbst, wurde alles richtig und vollständig protokolliert? VP: Zu Seite 12 zweite Frage möchte ich angeben, dass der Schwager die Türe aufgemacht hat. (...)" Am 01.08.2017 langte ein Schreiben des "Afghanischen Kultur Vereines" ein, mit dem Inhalt, dass der Erstbeschwerdeführer und die Zweitbeschwerdeführerin tatsächlich in den letzten Jahren in der Ukraine gelebt hätten und zwei der Kinder die ukrainische Staatsbürgerschaft hätten. Bis zur Weiterreise nach Österreich hätten die Beschwerdeführer einen gültigen Aufenthalt in der Ukraine gehabt. Am 10.08.2017 wurde der Erstbeschwerdeführer von der zur Entscheidung berufenen Organwalterin des BFA niederschriftliche einvernommen. Die wesentlichen Passagen gestalten sich wie folgt: "(...) LA: Haben Sie bei der vorangegangen Befragungen und Einvernahmen der Wahrheit entsprechenden Angaben gemacht und wurden Ihnen diese Angaben rückübersetzt und richtig protokolliert? VP: Ja. LA: Sind Sie gesund? VP: Ja. LA: Wo haben Sie sich seit 2014 aufgehalten? VP: Etwa 6 Monate musste ich für die Taliban arbeiten. Zwei Jahre war ich im Iran, sechs Monate in der Türkei und sechs Monate in Griechenland. LA: Der erkennenden Behörde liegt ein Schreiben des "Afghanischen Kultur Vereines", übermittelt am 01.08.2017 vor, wonach Sie mit Ihrer Familie einige Jahre in der Ukraine gelebt hätten und auch zwei Kinder die ukrainische Staatsbürgerschaft besitzen. Was sagen Sie dazu? VP. Haben Sie einen Beweis? Das stimmt nicht, wenn sie einen Beweis haben, dann möchte ich den sehen. LA: Geben Sie Ihr Einverständnis, dass die ho Behörde unter Heranziehung Ihrer persönlichen Daten Recherchen bei den ukrainischen Behörden durchführen? VP: Ja können sie. LA: Als Sie Afghanistan verlassen haben, hatten Sie Kontakt mit Ihrer Mutter oder Ihrem Onkel? VP: Nein. Ich habe meiner Mutter gesagt, dass ich weggehe und nicht länger hierbleiben kann. LA: Warum hatten Sie keinen Kontakt? VP: Meine Ehefrau wurde von ihnen sehr schlecht behandelt, man hat ihr sehr viel Schlechtes angetan, deshalb habe ich keinen Kontakt zu ihnen. LA: Warum hatten Sie von 2014 bis zu jenem Zeitpunkt, als Sie Ihre Ehefrau gefunden haben keinen Kontakt zu Ihrer Mutter oder Ihrem Bruder oder Ihrer Ehefrau? VP: Ich hatte kein Handy und auch keine Telefonnummer. Ich wusste nicht wo meine Kinder sind. LA: Sie gaben an, sechs Monate bei den Taliban gewesen zu sein. Wie oft konnten Sie in jenem Zeitraum nach Hause fahren und wie lange blieben Sie dann zu Hause bei Ihrer Familie? VP: Etwas sechs Monate. Während dieser sechs Monate bin ich drei oder vier Mal nach Hause gegangen, ich blieb ein bis zwei Tage zu Hause. LA: Warum gaben Sie in der letzten Einvernahme widersprüchlich an, dass Sie drei Mal im Monat nach Hause gehen konnten? VP: Ich wurde unter Zwang mitgenommen und wurde zur Arbeit gezwungen. Es war mir nicht überlassen, wann ich nach Hause gehen wollte. Sie haben das bestimmt. LA: Antworten Sie konkret auf die gestellte Frage. Warum gaben Sie in der letzten Einvernahme widersprüchlich an, dass Sie drei Mal im Monat nach Hause gehen konnten? VP: Während dieser sechs Monate bin ich drei oder vier Mal nach Hause gegangen, LA: Antworten Sie konkret auf die gestellte Frage. Warum gaben Sie in der letzten Einvernahme widersprüchlich an, dass Sie drei Mal im Monat nach Hause gehen konnten? VP: Ich sagte, ich bin drei bis vier Mal nach Hause gegangen, ich weiß nicht, was da geschrieben wurde. LA: Sie gaben auch widersprüchlich an, dass Sie sogar eine Woche zu Hause bleiben konnten? VP: Das weiß ich nicht. LA: Wie weit ist Ihr Dorf von Kabul entfernt? VP: 5 bis 6 Stunden mit dem Auto. Befragt man muss aus dem Dorf hinausgehen, von der Brücke fährt ein Autobus ins Zentrum der Stadt und von dort kann man mit einem weiteren Bus nach Kabul fahren. LA: Was haben Sie beruflich gemacht? VP: Ich war in der Landwirtschaft beschäftigt, Ich war mit Viehhaltung und Anbau beschäftigt und habe auch Gemüse aus meinem eigenen Feldern verkauft. Befragt 2003 bin ich von Schweden zurückgekehrt und war neun Jahr in der Landwirtschaft. LA: Geben Sie nun sämtliche Beruflichen Tätigkeiten an. VP: Von 2003 bis 2014 habe ich in der eigenen Landwirtschaft gearbeitet. Wir haben Gemüse angebaut und das haben wir verkauft. Befragt ich habe das Gemüse im Zentrum in Laghman verkauft. LA: Warum gaben Sie in der letzten Einvernahme an, das Gemüse in Kabul verkauft zu haben? VP. Ich habe das Gemüse sowohl im Zentrum in Laghman als auch in Kabul verkauft. LA: Sie fuhren bis 2014 immer wieder nach Kabul? VP: Ja, aber sehr wenig. 2012 war ich einmal in Kabul. Danach war ich nicht mehr in Kabul und habe im Zentrum der Provinz das Gemüse verkauft. LA. Wenn Sie das Gemüse verkauft haben, wie lange waren Sie da von zu Hause weg? VP: In der Woche war ich zwei bis drei Mal nicht zu Hause. LA: Was meinen Sie damit? VP: Ich habe die Frage nicht verstanden. LA: Frage wird wiederholt und erklärt. VP: Einmal in der Woche bin ich unterwegs gewesen und da blieb ich zwei oder drei Nächte weg. Ich habe in der Provinzhauptstadt übernachtet. Oft war ich nicht zu Hause. LA: Schildern Sie Ihre Verehelichung. VP: Es gab nur eine traditionelle Eheschließung. Die wurde vom Mullah geschlossen. Das wars. LA: Welche Kleidung hatte Ihre Frau an? VP: Sie hatte weiße Sachen an. Als Kompensation wurde sie mit mir verheiratet. LA: Was meinen Sie mit weiße Sachen? VP: Nach der Eheschließung wurde sie zu uns gebracht. Zwei Wochen nach der Eheschließung habe ich sie das erste Mal gesehen. LA: Sie sollen auf die gestellte Frage antworten. Was meinen Sie mit weiße Sachen? VP: Tragen die Frauen bei der Hochzeit weiße oder schwarze Sachen? LA: Sie sollen auf die gestellte Frage antworten und keine Gegenfrage stellen. Was meinen Sie mit weiße Sachen? VP: Sie hatte ein Kleid mit einer Hose an, so wie es dort üblich ist. Sie hatte eine Burka an. Mit der Burka wurde sie zu uns nach Hause geschickt. LA: Diese Burka war weiß? VP: Das weiß ich nicht, darauf hab ich nicht geachtet, eine Burka ist nicht weiß sondern blau. LA: Warum gaben Sie dann vorhin an, dass Ihre Gattin weiße Sachen getragen hat? VP: Sie hatte über ihre Kleidung eine Burka, ohne Burka konnte sie nicht auf die Straße gehen. LA: Schildern Sie nun jene Situation, wie es gekommen ist, dass Sie zu den Taliban gingen? Konkret und lebensnah. Anmerkung: Der VP wird eingehend über eine konkret und lebensnahe Schilderung belehrt. VP: Die Taliban wollten schon viel früher, dass ich mich ihnen anschließe und mit ihnen Dschihad betreibe. Sie wollten, dass jeder junge Mann sich ihnen anschließt. Sie wollten, dass jeder junge Mann mit ihnen zusammen arbeitet. Denn sie wollten, Macht in der Region. Sie haben mich oft ermahnt. LA: Wie ging diese Ermahnung vonstatten? VP: Sie sagten, sie würden mein Kind entführen oder meine Frau. LA: Wann, wo und wem wären Sie nun ermahnt worden? VP: 2014, kamen sie zu mir nach Hause und wollten, dass ich mit ihnen zusammen arbeite. Das waren die Leute, die diese Forderung gestellt haben. Ich kenne nur drei Namen von ihnen, XXXX . Die Namen der anderen kenne ich nicht. Diese sind immer gekommen.VP: 2014, kamen sie zu mir nach Hause und wollten, dass ich mit ihnen zusammen arbeite. Das waren die Leute, die diese Forderung gestellt haben. Ich kenne nur drei Namen von ihnen, römisch 40 . Die Namen der anderen kenne ich nicht. Diese sind immer gekommen. LA: Wie oft sind diese Männer gekommen? VP: Drei Mal. LA: In welchem Zeitraum? VP: Innerhalb von einer Woche. LA: Welche Uhrzeit? VP: Zu Beginn des Jahres 2014, befragt am Abend, zwischen 18.00 und 19.00 Uhr. Üblicherweise kommen diese Leute, wenn es dunkel wird. LA: Wer war bei diesen dreimaligen Besuchen der Taliban anwesend? VP: Diese drei Personen sind gekommen. Befragt ich habe gemeinsam mit meiner Mutter, meinem Bruder, meinem Onkel mütterlicherseits, meiner Ehefrau und meinen Kindern im Haus gelebt. LA: Antworten Sie auf die gestellte Frage. Wer war bei diesen dreimaligen Besuchen der Taliban anwesend? VP: Die Taliban kommen nicht ins Haus hinein. Sondern sie rufen einen zu sich und wenn sie gerufen haben, ist entweder mein Onkel, mein Bruder oder ich hinausgegangen. LA: Schildern Sie nun jene Situation, wie es gekommen ist, dass Sie zu den Taliban gingen? Konkret und lebensnah. VP: Es war eine sehr schlechte Situation. Meine Mutter, meine Frau und meine Kinder haben geweint. LA: Schildern Sie nun jene Situation, wie es gekommen ist, dass Sie zu den Taliban gingen? Konkret und lebensnah. Anmerkung: Der VP wird eingehend über eine konkret und lebensnahe Schilderung belehrt. VP: Sie haben an die Türe geklopft. Mein Onkel ist zur Türe gegangen. Sie sagten meinem Onkel, dass er mich rufen soll. Mein Onkel ist zu mir gekommen und hat mir gesagt, ich solle hinausgehen. Sie sagten zu mir, ich solle mitkommen. Wir sind zu Fuß LA: Was haben Sie gemacht, als man Ihnen gesagt hat, sie sollen mitkommen? VP: Sie sagten, entweder kommst du mit oder wir bringen dich um. Sie waren bewaffnet und ich musste mit ihnen mitgehen. LA: Sie gingen sofort mit, ohne zuvor nochmals ins Haus zurückgekehrt zu sein? VP: Nein, ich kam nicht mehr ins Haus zurück. Sie sagten, ich solle mitgehen und bin von der Tür weg an mitgegangen. Sie haben mich am Arm gefasst und gezerrt. Sie sagten, wenn ich jetzt nicht vorwärts gehe, werden sie mich auf der Stelle töten. LA: Sie gaben vorhin an, dass die Taliban immer vor dem Haus gestanden wären und gerufen haben. Warum hätten Sie an jenem Abend anklopfen sollen? VP: Sie haben immer an der Türe geklopft und sind vor dem Haus gestanden. LA: Geben Sie die Distrikte der Provinz Laghman an. VP: XXXXVP: römisch 40 LA: Wie kommen Sie auf XXXX ? XXXX ist kein Distrikt von Laghman?LA: Wie kommen Sie auf römisch 40 ? römisch 40 ist kein Distrikt von Laghman? VP: XXXX ist ein Distrikt von LaghmanVP: römisch 40 ist ein Distrikt von Laghman LA: An welche Provinzen grenzt Laghman? VP: XXXX , JalalabadVP: römisch 40 , Jalalabad LA: Jalalabad ist keine Provinz? VP: Ich habe ihre Frage nicht verstanden. LA: An welche Provinzen grenzt Laghman? VP: XXXX .VP: römisch 40 . LA: Das ist auch keine Provinz? VP: Das grenzt an Laghman, dort spricht man XXXX und diese Volksgruppe lebt dort.VP: Das grenzt an Laghman, dort spricht man römisch 40 und diese Volksgruppe lebt dort. LA: Sie waren nun sechs Monate bei den Taliban. Schildern Sie diese sechs Monate konkret und lebensnah ab jenem Zeitpunkt, als Sie gewaltsam von zu Hause mitgenommen wurden. Sie werden nochmals ausführlich darüber belehrt, was unter einer lebensnahen Schilderung zu verstehen ist. Ihre Ausführungen in der letzten Einvernahme sind viel zu vage, um eine Entführung und Aufenthalt bei den Taliban glaubhaft zu machen. LA: Haben Sie die Erklärungen über eine lebensnahe Schilderung verstanden? VP: Ja. VP: Sie haben mich gewaltsam von zu Hause mitgenommen. Ich wollte nicht mit ihnen mitgehen. Sie sagten, wenn ich nicht mitgehe, werden sie mich töten. Ich bin mit ihnen bis in das Dorf Islamabad, das ist in der Nähe von XXXX , gegangen. Dann sind wir über den Berg marschiert. Es gibt dort nämlich einen Weg. Dort befindet sich das Zentrum der Taliban namens XXXX . Das ist nämlich ein Dorf, dort befindet sich ein Stützpunkt der Taliban. Sie sagten, ab nun muss ich für sie arbeiten, ich muss für sie kochen und jede Arbeit, die mir aufgetragen wird, muss ich verrichten. Falls ich es nicht tun werde, würden sie schon wissen, was sie mit mir machen. Ich konnte mich nicht weigern, denn ich hatte Angst um meine Familie, um meine Frau und die Kinder. Die Taliban wussten, wo ich wohne. Ich musste für die Taliban Gräben zur Verteidigung ausheben, damit sie sich dort verstecken können, wenn gekämpft wird. Im ersten Monat musste ich ihre Kleidung waschen und die Schuhe putzen. Danach musste ich gemeinsam mit zwei weiteren Männern in der Nacht Wache halten. Sie haben mich immer beschimpft, sie sagten, ich sei ein Ungläubiger, denn sie hatten erfahren, dass ich fünf Jahre im Ausland nämlich in Schweden gelebt habe. Ich wurde unterdrückt, geschlagen und beschimpft. Jeden Tag musste ich die gleiche Arbeit machen. Ich musste Gräber graben, kochen, waschen. Sie sind ungerechte Menschen und üben Ungerechtigkeit aus. Ich konnte vor ihnen nicht flüchten.VP: Sie haben mich gewaltsam von zu Hause mitgenommen. Ich wollte nicht mit ihnen mitgehen. Sie sagten, wenn ich nicht mitgehe, werden sie mich töten. Ich bin mit ihnen bis in das Dorf Islamabad, das ist in der Nähe von römisch 40 , gegangen. Dann sind wir über den Berg marschiert. Es gibt dort nämlich einen Weg. Dort befindet sich das Zentrum der Taliban namens römisch 40 . Das ist nämlich ein Dorf, dort befindet sich ein Stützpunkt der Taliban. Sie sagten, ab nun muss ich für sie arbeiten, ich muss für sie kochen und jede Arbeit, die mir aufgetragen wird, muss ich verrichten. Falls ich es nicht tun werde, würden sie schon wissen, was sie mit mir machen. Ich konnte mich nicht weigern, denn ich hatte Angst um meine Familie, um meine Frau und die Kinder. Die Taliban wussten, wo ich wohne. Ich musste für die Taliban Gräben zur Verteidigung ausheben, damit sie sich dort verstecken können, wenn gekämpft wird. Im ersten Monat musste ich ihre Kleidung waschen und die Schuhe putzen. Danach musste ich gemeinsam mit zwei weiteren Männern in der Nacht Wache halten. Sie haben mich immer beschimpft, sie sagten, ich sei ein Ungläubiger, denn sie hatten erfahren, dass ich fünf Jahre im Ausland nämlich in Schweden gelebt habe. Ich wurde unterdrückt, geschlagen und beschimpft. Jeden Tag musste ich die gleiche Arbeit machen. Ich musste Gräber graben, kochen, waschen. Sie sind ungerechte Menschen und üben Ungerechtigkeit aus. Ich konnte vor ihnen nicht flüchten. LA: Wie viele Männer aus dem Dorf wurden mit Ihnen gemeinsam aus dem Dorf entführt? VP: Zwei weitere junge Männer wurden aus dem Dorf zu den Taliban geholt. Sie sind aber nach mir gekommen. LA: Was mussten jene Männer machen? VP: Das was ich machen musste, sie haben uns ausgenutzt. LA: Fahren Sie fort. VP: Ich war einige Zeit dort und dann sagte ich, meine Mutter ist krank und ich muss zu ihr. Zuerst sagten sie mir, ich darf nicht nach Hause gehen. In diesen sechs Monaten bin ich drei oder vier Mal nach Hause gegangen. LA: In diesem kurzen Zeitraum weiß man sehr wohl, ob das nun drei oder vier Mal war. VP: Vier Mal. Sie hatten auch Angst, dass ich sie verrate. Einige Male bin ich nach Hause gegangen und kehrte dann zurück. LA: Gingen Sie vom Stützpunkt der Taliban alleine weg und kehrten alleine zurück? Wie war das? VP: Nein, ich wurde von zwei Personen begleitet, damit ich nicht wo anders hingehe. LA: Wie soll man sich das vorstellen. Waren diese zwei Personen immer bei Ihnen? VP: Sie haben mich bis nach Hause begleitet und sind dann weggegangen. Sie haben Angst vor Verrat. Sie sagten mir, dass sie am Morgen oder am nächsten Tag kommen werden, um mich abzuholen und ich solle daran denken, nicht zu flüchten, denn dann würden sie meine Kinder mitnehmen. LA: Wie lief dann diese "Abholung" ab? VP: Sie sind am Abend gekommen und holten mich ab und wir gingen dann ca. eineinhalb Stunden zum Stützpunkt. Befragt es waren drei oder vier Personen, die mich abholten. LA: Wie konkret lief diese "Abholung" ab? VP: Sie sind am Abend gekommen und haben an die Türe geklopft und gesagt, ich solle wieder rauskommen. Sie wissen selbst, dass jeder Angst vor den Taliban hat und wenn sie rufen, hat das ganze Dorf Angst. LA: Wie reagierte Ihre Gattin auf diesen "Abholungsvorgang"? VP: Meine Ehefrau und auch meine Kinder und meine Mutter haben geweint und sagten, dass ich beim nächsten Mal nicht lebendig nach Hause kommen werde. LA: Sie kehrten zu den Taliban zurück, wie ging es weiter, schildern Sie konkret und lebensnah. VP: Sie fragten, ob ich jemanden Bericht erstattet hätte und haben begonnen, mich zu schlagen. Ich habe geschworen, dass ich bei niemand war und auch niemanden was erzählt habe. Dann musste ich wieder die gleiche Arbeit machen. Sie haben mich beschimpft und ich musste für sie Essen machen Tee bereiten. An einem Tag sind 50 ihrer Leute gekommen und 50 sind gegangen. Das war ein Beispiel, wie viele genau gekommen sind, das weiß ich nicht, das war ein Beispiel. Ich hatte keine Geduld mehr und wollte diese Arbeit auch nicht mehr machen. Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, dass sie Leute dorthin gebracht haben, sie wurden verprügelt und als Ungläubige beschimpft oder sie haben Leute verprügelt und sagten, sie sind Leute der Nationalarmee. Mit Ästen wurden diese Personen geschlagen und ihnen wurde vorgeworden, dass sie für die Nationalarmee arbeiten. Dann ist der letzte Kampf gewesen, wo ich dann von dort weggegangen bin. Neben unserem Dorf befindet sich das Dorf XXXX , dort befindet sich ein Stützpunkt der Nationalarmee. Die Taliban haben unter sich ausgemacht, dass sie den Stützpunkt angreifen werden. Sie sagten, ich müsse auch mitgehen. Ich antwortete ihnen, dass ich weder schießen noch eine andere Aufgabe dort erledigen kann. Sie sagten, wenn ich selbst nicht schießen kann, werden die Taliban auf mich schießen und ich solle vorwärts mit ihnen gehen. Wir sind in der Nähe des Stützpunktes angekommen. Etwa zwei Stunden dauerten die Kämpfe.VP: Sie fragten, ob ich jemanden Bericht erstattet hätte und haben begonnen, mich zu schlagen. Ich habe geschworen, dass ich bei niemand war und auch niemanden was erzählt habe. Dann musste ich wieder die gleiche Arbeit machen. Sie haben mich beschimpft und ich musste für sie Essen machen Tee bereiten. An einem Tag sind 50 ihrer Leute gekommen und 50 sind gegangen. Das war ein Beispiel, wie viele genau gekommen sind, das weiß ich nicht, das war ein Beispiel. Ich hatte keine Geduld mehr und wollte diese Arbeit auch nicht mehr machen. Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, dass sie Leute dorthin gebracht haben, sie wurden verprügelt und als Ungläubige beschimpft oder sie haben Leute verprügelt und sagten, sie sind Leute der Nationalarmee. Mit Ästen wurden diese Personen geschlagen und ihnen wurde vorgeworden, dass sie für die Nationalarmee arbeiten. Dann ist der letzte Kampf gewesen, wo ich dann von dort weggegangen bin. Neben unserem Dorf befindet sich das Dorf römisch 40 , dort befindet sich ein Stützpunkt der Nationalarmee. Die Taliban haben unter sich ausgemacht, dass sie den Stützpunkt angreifen werden. Sie sagten, ich müsse auch mitgehen. Ich antwortete ihnen, dass ich weder schießen noch eine andere Aufgabe dort erledigen kann. Sie sagten, wenn ich selbst nicht schießen kann, werden die Taliban auf mich schießen und ich solle vorwärts mit ihnen gehen. Wir sind in der Nähe des Stützpunktes angekommen. Etwa zwei Stunden dauerten die Kämpfe. LA: Das ist zu ungenau. Sie sagten, Sie wären bei dem Kampf dabei gewesen? VP: Um 19.00 Uhr am Abend hat der Kampf begonnen. Es wurde von jeder Seite heftig geschossen. Zwei Taliban wurden getroffen, sie wurden schwer verletzt, bluteten im Gesicht. Der Kampf wurde heftig und von jeder Seite wurde geschossen. Es wurde ein Befehl gegeben, dass wir abziehen sollen. Zwei bis zweieinhalb Stunden dauerte der Kampf. Ich habe die Verletzten gesehen. Es wurde mir schlecht und ich fiel in Ohnmacht. Plötzlich kam ein Mann und sagte, steh auf, es war ein Talib. Nach ca. zwei Stunden wurde uns gesagt, dass wir uns zurückziehen sollen. Wir sind geflüchtet. Wir sind dann zum Taliban-Stützpunkt zurückgegangen. Danach wurde ich krank. Ich sagte den Taliban, dass ich krank bin und es mir sehr schlecht geht und ich nach Hause gehen will. Ich sagte, dass ich bald sterben werde, weil ich so krank bin und sie sollen mir gewähren, für eine Nacht nach Hause zu gehen. Zwei Nächte später bin ich nach Hause gekommen. Ich kam nach Hause und erzählte meiner Mutter, dass ich nicht getötet werden will und auch nicht sehen will, wie Leute getötet werden, ich möchte wie ein normaler Mensch leben und ein Leben führen. Ich sagte meiner Mutter, sie solle auf meine Familie und meinen Bruder aufpassen. Im
- Monat 2014 habe ich Afghanistan verlassen. LA: Haben Sie sich von Ihrer Gattin verabschiedet? VP: Nein, ich sagte nur meiner Mutter, dass ich weggehen werde. Befragt bei uns ist es Tradition, wenn es in einem Haus Ältere gibt, bespricht man es mit den Älteren und sagt es nicht den Jüngeren. LA: Haben Sie sich von den Kindern verabschiedet? VP: Nein, nur von meiner Mutter und ging dann weg. LA: Sie haben also Ihren Sohn, als Sie zu Ihrer Mutter und danach weggegangen sind, nicht gesehen? VP: Nein. Ich war verängstigt und hatte große Angst. LA: Warum hat man Ihren Bruder nicht anstelle von Ihnen mitgenommen, nachdem Sie nicht zurückgekehrt waren? VP: Ich weiß nicht, ob sie ihn mitgenommen haben oder nicht, da ich keinen Kontakt zu ihnen hatte. LA: Ihre Schilderungen zu dem Angriff auf den Stützpunkt ist viel zu vage, um von einer selbst erlebten Situation ausgehen zu können. Sie gaben keine personenbezogenen Angaben an, wie sie bewaffnet waren, wie sie persönlich den Kampf wahrgenommen haben, wie der Stützpunkt angegriffen wurde usw. Nehmen Sie dazu konkret Stellung. VP: Ich war bewaffnet und hatte eine Kalaschnikow in der Hand. Ich habe nur in die Luft geschossen. Das war der Kampf, ich hatte keine Kamera, um das zu fotografieren. Das war das erste Mal, das ich in einer solchen Situation war. LA: Gegen wen haben Sie nun gekämpft? VP: Gegen die Nationalarmee, befragt Regierung befragt woher komme ich? Sie stellen mir die Fragen, die Taliban kämpfen gegen die Regierung. LA: Warum gaben Sie dann in der letzten Einvernahme an, dass -bei dem Kampf die Amerikaner Raketen abgefeuert haben? Anmerkung: Der VP hörte das Wort Amerikaner und antwortete ohne dass die Frage übersetzt wurde. VP: Ich habe beim letzten Mal gesagt, dass es die Nationalarmee war, aber es wurden die Amerikaner protokolliert. Anmerkung: Der VP forderte im Befehlston die Dolmetscherin auf, den Sachverhalt zu erklären. Dem VP wurde die Protokollierung übersetzt. VP: Es war nicht mein Fehler, dass Amerikaner protokolliert worden sind. Ich sagte die Nationalarmee. LA: Möchten Sie etwas zu Ihrem Vorbringen ergänzen? VP: Nein. LA: Hätten Sie damals die Möglichkeit gehabt, sich woanders ins Heimatland zu begeben, um sich der angeblichen Übergriffe/Probleme/Schwierigkeiten zu entziehen? Bzw. haben Sie das schon erwogen/versucht? Sie hätten z.B. nach Kabul zu Ihrem Freund gehen können und dort einen Neubeginn starten können. VP: Wenn die Taliban mit jemanden eine Feindschaft beginnen, dann lassen sie einem nicht gehen, auch wenn man von dem Präsidenten geschützt wird. Eine Feindschaft mit den Taliban bedeutet das Ende und man kann in dem Land nicht leben Sie haben in jeder Provinz ihre Leute. LA: Wenn Sie nun das Problem mit den Taliban außer Acht lassen, was würde dagegen sprechen, nach Kabul zu gehen. Sie haben dort Anknüpfungspunkte und könnten sich dort gemeinsam mit Ihrer Gattin ein neues Leben aufbauen. VP: Wenn ich eine Garantie bekommen, dass mir dort nichts passiert, dann würde ich nach Kabul gehen. Ich bin vor den Taliban geflüchtet und die Taliban sind überall. LA: Abgesehen von den Taliban, würde also nicht dagegen sprechen, dass Sie in Kabul ein "neues" Leben beginnen? VP: Ich kann nicht in Kabul leben. LA: Warum nicht? VP: Meiner Ehefrau wurde was Schlechtes angetan. Meinem Sohn wurde auch etwas angetan, ich kann nicht dort lebe. Ich habe dort keine guten Erinnerungen an dieses Land. LA: Was sagen Sie zu dem Vorhalt, dass Sie in Kabul über Anknüpfungspunkte verfügen? VP: Vielleicht gibt es die Möglichkeit, dass ich für eine Nacht unterstützt werde, aber nicht für immer, befragt ein Freund würde mich unterstützen. LA: Haben Sie derzeit Kontakt ins Heimatland? Zu Ihrer Mutter? VP: Nein, zu niemand. Ich möchte auch keinen Kontakt. Befragt mein Onkel hat meiner Ehefrau etwas Schlechtes angetan, meine Frau hat in dem Haus keine Rechte. Sie können uns sogar hier töten und die Leichen nach Afghanistan schicken. Anmerkung: Die Rechtsvertretung gibt an, dass der Satz falsch übersetzt ist. Richtig lautet. Sie können mich hier töten und die Leiche nach Afghanistan schicken, aber ich bin nicht bereit, zurückzukehren. LA: Sie haben Ihre Familie einfach verlassen, obwohl Sie genau gewusst haben, dass die Taliban Ihren Sohn entführen oder sogar umbringen werden und wussten auch, dass Ihr Onkel sich an Ihrer Ehefrau vergreifen würde. Erklären Sie mir die Situation, warum Sie Ihre Familie nicht mitgenommen haben. VP: Ich hatte die Möglichkeit dazu nicht. Ich bin plötzlich in der Nacht geflüchtet. Ich dachte nicht, dass die Taliban so grausam sein werden und ein kleines Kind mitnehmen werden. LA: Und die Situation mit dem Onkel? Was haben Sie sich dabei gedacht? VP: Ich hätte nie daran gedacht und mir vorgestellt, dass mein Onkel so was tun würde. LA: Haben Sie Kontakt zu Freunden und Bekannten in Afghanistan? VP: Nein, zu niemand. LA: Waren Sie im Heimatland oder woanders in Strafhaft? Wenn ja, weshalb? VP: Nein. Es werden Ihnen nun Länderinformationen zu Afghanistan übergeben und Sie haben die Möglichkeit, innerhalb von zwei Wochen, wenn Sie das möchten, eine Stellungnahme abzugeben. Sie werden weiters informiert, dass die aktuellen Länderinformationen des BFA in der Entscheidung in Ihrem Asylverfahren enthalten sein werden und Sie dazu im Rahmen einer allfälligen Beschwerde innerhalb der zweiwöchigen Rechtsmittelfrist Stellung nehmen können. Haben Sie das verstanden? VP: Ja. Einvernahme unterbrochen von 14.35 Uhr bis 15.45 Uhr LA: Sind Sie damit einverstanden, dass sich die ho. Behörde an die schwedischen Behörden hinsichtlich Ihres Asylverfahrens wendet? VP: Ja. Anmerkung: Zustimmungserklärung wird unterschreiben. LA: Warum bekam Ihr Bruder mit den Taliban keine Probleme. Damit ist jener Zeitraum gemeint, als Sie sich noch in Afghanistan aufgehalten haben. VP: Er war damals noch jung, damit meine ich 21 oder 22 Jahre alt. Ich war der älteste Sohn der Familie. Ich wollte alle Probleme auf mich nehmen und wollte nicht, dass andere Probleme haben. LA: Warum hat man dann nicht Ihren Bruder anstelle von Ihnen rekrutiert, als Sie das Land verlassen haben? VP: Ich habe keinen Kontakt zu meiner Familie und ich weiß nicht, ob man ihn mitgenommen hat oder nicht. LA: Lt. Angaben Ihrer Gattin hatte Ihr Bruder keine Probleme. VP: Das erfahre ich jetzt. Ich habe keinen Kontakt. LA: Ich beende jetzt die Befragung. Möchten Sie noch weitere Angaben machen? VP: Nein. Anmerkung: Der Rechtsvertretung wurde eine Kopie des Briefes d. "Afghanischen Kultur Vereines" ausgehändigt. LA: Wollen Sie noch etwas zu Protokoll geben oder Anträge stellen? Vertreter: Nein, das steht alles in der schriftlichen Stellungnahme. Anmerkung: Die gesamte Niederschrift wird wortwörtlich rückübersetzt. LA: Haben Sie nun nach Rückübersetzung Einwendungen gegen die Niederschrift selbst, wurde alles richtig und vollständig protokolliert? VP: Zu Seite 5 möchte ich angeben, in Laghman gibt es keine Busse, Beförderungsmittel sind private Taxi und mit Bus meinte ich die Taxis. (...)" Am 24.08.2017 langte eine schriftliche Stellungnahme zu den übergeben Länderinformationen zu Afghanistan beim BFA ein. Am 16.10.2017 wurde eine Anfrage an die schwedischen Behörden mittels der Dublinabteilung des BFA durchgeführt. Die diesbezügliche Antwort der schwedischen Behörden langte beim BFA am 31.10.2017 ein, mit dem Ergebnis, dass dem Erstbeschwerdeführer in Schweden im Jahr 2000 der Status des Asylberechtigten zuerkannt worden sei, der dem Erstbeschwerdeführer jedoch im Jahr 2008 aberkannt wurde. Im März 2015 kontaktierte der Erstbeschwerdeführer die schwedische Botschaft in Kiew, er habe angegeben, dass er in der Ukraine seit 2004 gelebt habe und eine dauernde Aufenthaltsberechtigung in der Ukraine besitze. Am 31.10.2017 wurde seitens der Organwalterin eine Anfrage an die Staatendokumentation des BFA gestellt, deren Ergebnis am 30.05.2018 einlangte. Es war insbesondere ausgeführt worden, dass der Erstbeschwerdeführer gemäß des Punktes 4, Teil zwei des Art. 4 des Gesetzes der Ukraine "über die Immigration" im Jahre 2005 die Genehmigung zur Immigration in die Ukraine und eine Bescheinigung zum ständigen Wohnsitz in der Region XXXX erhalten ahbe. Die Zweitbeschwerdeführerin habe in der Ukraine keinen Asylantrag, Antrag zum besonderen Schutz oder zur Genehmigung des Wohnsitzes gestellt. Einen ukrainischen Ausweis oder ukrainischen Reisepass habe sie nicht erhalten.Am 31.10.2017 wurde seitens der Organwalterin eine Anfrage an die Staatendokumentation des BFA gestellt, deren Ergebnis am 30.05.2018 einlangte. Es war insbesondere ausgeführt worden, dass der Erstbeschwerdeführer gemäß des Punktes 4, Teil zwei des Artikel 4, des Gesetzes der Ukraine "über die Immigration" im Jahre 2005 die Genehmigung zur Immigration in die Ukraine und eine Bescheinigung zum ständigen Wohnsitz in der Region römisch 40 erhalten ahbe. Die Zweitbeschwerdeführerin habe in der Ukraine keinen Asylantrag, Antrag zum besonderen Schutz oder zur Genehmigung des Wohnsitzes gestellt. Einen ukrainischen Ausweis oder ukrainischen Reisepass habe sie nicht erhalten. Am 10.07.2018 wurde der Erstbeschwerdeführer von der zur Entscheidung berufenen Organwalterin zum Zwecke des Parteiengehörs niederschriftlich einvernommen. Die wesentlichen Passagen dieser Einvernahme gestalten sich wie folgt: "(...) LA: Schildern Sie nochmals Ihre Verehelichung. VP: Die wurde zu Hause bei einem Mullah geschlossen, befragt in meinem Heimatdorf XXXX .VP: Die wurde zu Hause bei einem Mullah geschlossen, befragt in meinem Heimatdorf römisch 40 . LA: Schildern Sie diesen Vorgang? VP: Meine Ehefrau war in ihrem Elternhaus. Ich bin mit meiner Familie befragt mit meiner Mutter und meinem Onkel mütterlicherseits in ihr Elternhaus gegangen, um die Braut abzuholen. Sie hatte weißes Gewand an und eine Burka. Mit dem Auto sind wir in mein Heimatdorf, zu mir nach Hause gefahren. Bei uns wurde dann die Ehe von einem Mullah geschlossen. LA: Wann wurde die Ehe vollzogen? VP: Es gab keine Hochzeitsfeier. Ich habe dann im Nachhinein verfahren, dass man uns die Braut verkauft hat. Meine Ehefrau wurde als Kompensation an meine Familie verkauft. LA: Antworten Sie auf die gestellte Frage. VP: Ja, in derselben Nacht. LA: Warum gaben Sie in der letzten Einvernahme an, dass Sie Ihre Frau erst zwei Wochen nach der Eheschließung gesehen hätten? VP: Das ist richtig. Wir haben meine Ehefrau von ihrem Elternhaus abgeholt. Am selben Tag wurde die Ehe schlossen. Ich war dann zwei Wochen die Nacht mit meiner Ehefrau zusammen. Ich habe es oben anders verstanden. LA: Warum gaben Sie aber auch in der vorigen Einvernahme an, dass Ihre Gattin nach der Eheschließung zu Ihnen nach Hause gebracht wurde. VP: Es ist üblich, dass die Ehe im Elternhaus der Braut geschlossen wird. Wenn die geschlossen ist, wird die Braut ins Haus des Mannes gebracht. LA: Warum gaben Sie dann widersprüchlich an, dass die Ehe in Ihrem Elternhaus geschlossen worden ist? VP: Ich habe die Frage nicht verstanden. Anmerkung: Dem VP wird die Frage nochmals ausführlich erklärt. VP: Im Elternhaus meiner Ehefrau hat der Mullah das Einverständnis gegeben, dass wir die Braut mitnehmen dürfen und die eigentliche Eheschließung fand dann in meinem Elternhaus statt. LA: Erhebungen bei den schwedischen Behörden ergaben folgenden Sachverhalt: Die oben genannte Person ( XXXX ) hat am XXXX .1998 in Schweden Asyl beantragt. Im XXXX 2000 erhielt die Person einen ständigen Wohnsitz in Schweden. Allerdings wurde seine Aufenthaltserlaubnis im XXXX 2008 zurückgezogen. Im März 2015 kontaktierte die Person die schwedische Botschaft in Kiew. Er erklärte dann, dass er seit 2004 in der Ukraine lebt und dort eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung habe.Die oben genannte Person ( römisch 40 ) hat am römisch 40 .1998 in Schweden Asyl beantragt. Im römisch 40 2000 erhielt die Person einen ständigen Wohnsitz in Schweden. Allerdings wurde seine Aufenthaltserlaubnis im römisch 40 2008 zurückgezogen. Im März 2015 kontaktierte die Person die schwedische Botschaft in Kiew. Er erklärte dann, dass er seit 2004 in der Ukraine lebt und dort eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung habe. LA: Was sagen Sie dazu? VP: Das ist richtig. LA. Sie lebten dann also von 2004 an in der Ukraine? VP. Nein. LA: Sie gaben vorhin an, dass das richtig ist. VP: Ich habe die schwedische Botschaft angerufen. VP: Von wo aus? VP: Von Afghanistan aus. LA: Geben Sie konkrete Angaben an. Von wo aus? VP: Von Laghman aus. LA: Von wo aus konnten Sie nun mit der schwedischen Botschaft telefonieren? VP: Von Laghman aus befragt von XXXX befragt von meinem Heimatdorf XXXX von meinem Handy aus. Die Nummer der Botschaft kann man überall finden.VP: Von Laghman aus befragt von römisch 40 befragt von meinem Heimatdorf römisch 40 von meinem Handy aus. Die Nummer der Botschaft kann man überall finden. LA: Warum erklärten Sie in dem Telefonat, dass Sie seit 2004 in der Ukraine leben? VP: Ich habe von der Heimat aus angerufen. Ich weiß es nicht. LA: Ihre Angaben sind gänzlich widersprüchlich. Geben Sie heute an, dass Sie im März 2015 von Ihrem Heimatdorf aus die schwedische Botschaft angerufen haben, gaben Sie in der letzten Einvernahme an, dass Sie im Jahr 2014 vor den Taliban aus Ihrem Heimatdorf flüchten hätten müssen. Nehmen Sie dazu konkret Stellung. VP: Das ist richtig. Ich werde ihnen jetzt die Wahrheit sagen. Von 2003 oder 2004 habe ich in der Ukraine gelebt. 2015 bin ich zu der schwedischen Botschaft in Kiev gegangen. Das was sie mir vorhin gesagt haben, das ist richtig. LA: Warum haben Sie mich vorhin angelogen? VP: Die Person, die mich verraten hat, die kenne ich und ich werde ihnen auch den Namen nennen. Ing. XXXX er arbeitet in Traiskirchen im Bereich Transport der Flüchtlinge. Er lebt in XXXX , ich war einmal bei ihm. Ich hatte vor, meinen eigentlichen Fluchtgrund, warum ich aus der Ukraine geflüchtet bin, hier anzugeben. Dieser XXXX hat für mich mein Fluchtvorbringen, das ich hier vorgebracht habe, konstruiert. Er sagte, mit dem Fluchtvorbringen der Ukraine, werde ich hier kein Asyl bekommen. Ich soll hier angeben, dass ich von den Taliban geflüchtet bin.VP: Die Person, die mich verraten hat, die kenne ich und ich werde ihnen auch den Namen nennen. Ing. römisch 40 er arbeitet in Traiskirchen im Bereich Transport der Flüchtlinge. Er lebt in römisch 40 , ich war einmal bei ihm. Ich hatte vor, meinen eigentlichen Fluchtgrund, warum ich aus der Ukraine geflüchtet bin, hier anzugeben. Dieser römisch 40 hat für mich mein Fluchtvorbringen, das ich hier vorgebracht habe, konstruiert. Er sagte, mit dem Fluchtvorbringen der Ukraine, werde ich hier kein Asyl bekommen. Ich soll hier angeben, dass ich von den Taliban geflüchtet bin. LA: Warum haben Sie mich vorhin angelogen? VP: Jetzt sage ich Ihnen die Wahrheit. LA: In welchem Zeitraum haben Sie sich nun in der Ukraine aufgehalten? VP: von 2003 oder 2004 beginnend bis
- LA: Welchen Aufenthaltsstatus hatten Sie in der Ukraine? VP: Einen Aufenthaltstitel, damit meine ich ein dauerhaftes Visum. LA: Was war dann im Jahr 2016? VP: 2015 haben dort die Schwierigkeiten begonnen. Dort sind alle Mafiosi. Sie fordern nur Geld. Ich habe Angst gehabt, getötet zu werden. Ich habe mich dann mit der schwedischen Botschaft in Verbindung gesetzt, man sagte mir, dass ich meine Dokumente organisieren muss. 2015 wurde mein Auto in Brand gesetzt, dazu habe ich auch Unterlagen, wer das gemacht hat, das weiß ich nicht. Dazu habe ich auch Unterlagen. Die Botschaft sagte mir, dass ich eine Zeitlang warten muss, vielleicht zwei bis drei Jahre. Die Lage in Afghanistan war damals und ist noch immer schlecht. Ich musste an meine Kinder denken. LA: Wann und wo haben Sie nun Ihre Gattin kennen gelernt? VP: Ich bin aus der Ukraine nach Afghanistan geflogen. Dort habe ich geheiratet. LA: Wann und wo? VP: 2009 in Laghman. Meine Ehefrau stammt auch aus Laghman. Zwei oder drei Monate blieb ich dort, dann kehrte ich in die Ukraine zurück. Befragt meine Ehefrau blieb in Afghanistan. LA: Waren Sie dann von 2009 bis 2016 durchgehend in der Ukraine? VP: Nein, ich bin hin und wieder nach Afghanistan zurückgegangen und kehrte dann wieder in die Ukraine zurück. LA: Wie wollen Sie nun beweisen, dass die drei Kinder Ihre eigenen, leiblichen Kinder sind? VP: Wir erwarten unser viertes Kind. Sie können gerne unser Blut testen. LA. Warum haben Sie keine Tazkira ausstellen lassen? VP: Es war nicht notwendig, aber falls wir eine brauchen, bekomme ich jederzeit in unserem Distrikt eine Tazkira ausgestellt, denn mein Großvater und auch mein Vater hatten eine Tazkira. LA: Wer kann das für Sie im Heimatland organisieren? VP: Das weiß ich nicht. LA: Welche Verwandten haben Sie nun in Laghman? VP: Meine Mutter, mein Bruder und meinen Onkel mütterlicherseits. Ich habe aber keinen Kontakt zu diesen. LA: Warum nicht. Eine Zwangsverehelichung liegt ja jetzt nicht vor. VP: Nein. LA: Warum haben Sie keinen Kontakt? VP: Ich möchte keinen Kontakt zu meinen Angehörigen halten, denn sie haben meine Ehefrau sehr schlecht behandelt. LA: Wo haben Sie sich nun nach 2016 aufgehalten? VP: Ich war eigentlich bis 2017 in der Ukraine und von dort bin ich hierhergekommen. LA: Warum haben Sie Ihre Gattin und Ihre Kinder nicht in die Ukraine nachgeholt, wenn Ihre Gattin in der Heimat schlecht behandelt worden war? VP: Ich hatte die Möglichkeiten nicht. Ich hatte die finanziellen Möglichkeiten nicht und ich konnte für sie die Dokumente nicht beschaffen. LA: Der anonyme Anzeiger gab auch an, dass Ihre Kinder in der Ukraine geboren sind bzw. dass auch Ihre Gattin in der Ukraine gelebt hat. Lügen Sie mich schon wieder an? VP: Haben Sie Beweise? LA: Ich werde den Ing. XXXX als Zeugen laden, deshalb ist es besser, sie sagen gleich die Wahrheit.LA: Ich werde den Ing. römisch 40 als Zeugen laden, deshalb ist es besser, sie sagen gleich die Wahrheit. VP: Das stimmt. Von 2010 bis zur Ausreise lebten wir alle in der Ukraine. LA: Welchen Aufenthaltstitel hatten Ihre Kinder und Ihre Gattin in der Ukraine? VP: Ich sage ihnen die Wahrheit, damit ich auch Hilfe bekomme. Zwei meiner Töchter wurden dort geboren. Mein Sohn ist in der Heimat geboren. Meine Töchter hatten einen ukrainischen Reisepass. Mein Sohn und meine Ehefrau hatten ein dauerhaftes Visum. LA: Hatten Sie auch einen ukrainischen Reisepass? VP: Nein. LA: Wie konnten Sie nun im Jahr 2010 die Ausreise Ihrer Familie in die Ukraine organisieren? VP: Meine Familie hat von der ukrainischen Botschaft in Pakistan ein Visum erhalten. LA: Wie konnten Sie die Reise finanzieren? VP: Ich hatte ukrainische Dokumente und aufgrund meiner Dokumente wurden meiner Ehefrau und meinem Sohn auch Dokumente ausgestellt. Ich habe gelegentlich selbst in der Ukraine gearbeitet. Man braucht nicht viel Geld, um die Dokumente zu organisieren, nur für die Flugtickets muss man was zahlen. LA: Können Sie nun die ukrainischen Dokumente vorlegen? Lügen Sie mich aber nicht schon wieder an, was die Existenz der Dokumente betrifft. VP: Ich habe die Dokumente nicht bei mir, ich bin illegal ausgereist. Wie hätte ich die Dokumente bei einer illegalen Ausreise mitnehmen können. LA: Wo befinden sich die Dokumente jetzt? VP: Ich habe sie alle weggeworfen. LA: Welchen Namen führte Ihre Gattin in der Ukraine? VP: Denselben Namen wie hier, XXXXVP: Denselben Namen wie hier, römisch 40 LA: Wie erklären Sie sich aber dann die Antwort der ukrainischen Behörden hinsichtlich Ihrer Gattin? Der afghanische Staatsbürger der Islamischen Republik Afghanistan XXXX XXXX hat im Jahre 2005 die Genehmigung zur Immigration in die Ukraine und eine Bescheinigung zum ständigen Wohnsitz in der Region XXXX erhalten. Weiters teilten die ukrainischen Behörden mit, dass XXXX in der Ukraine keinen Asylantrag noch einen Antrag zum besonderen Schutz bzw. zur Genehmigung eines Wohnsitzes gestellt hat. Einen ukrainischen Ausweis oder ukrainischen Reisepass hat sie nicht erhalten.Der afghanische Staatsbürger der Islamischen Republik Afghanistan römisch 40 römisch 40 hat im Jahre 2005 die Genehmigung zur Immigration in die Ukraine und eine Bescheinigung zum ständigen Wohnsitz in der Region römisch 40 erhalten. Weiters teilten die ukrainischen Behörden mit, dass römisch 40 in der Ukraine keinen Asylantrag noch einen Antrag zum besonderen Schutz bzw. zur Genehmigung eines Wohnsitzes gestellt hat. Einen ukrainischen Ausweis oder ukrainischen Reisepass hat sie nicht erhalten. VP: Das weiß ich nicht, sie hatte Dokumente. Wenn die Dokumente im System nicht gespeichert sind, dann weiß ich es auch nicht. Ich sage Ihnen nun die Wahrheit, dass sie Dokumente hatte. LA: Was würde nun gegen eine Rückkehr in die Ukraine sprechen? VP: Ich will nicht in die Ukraine zurück. Warum bin ich hierhergekommen? LA: Antworten Sie auf die gestellte Frage. VP: Mein Leben war dort in Gefahr. Mein Auto wurde in Brand gesetzt. Ich könnte versuchen, die Beweismittel zu organisieren. LA: Was sollen die beweisen? VP: Beweismittel, dass mein Auto in Brand gesetzt wurde und auch eine Bescheinigung der Behörde, dass jemand mein Auto in Brand gesetzt hat. LA: Warum können Sie nun nicht mehr in der Ukraine leben, nur wegen eines einzigen Vorfalles, wo Ihr Auto in Brand gesetzt wurde? VP: Ich habe Angst um mein Leben und das meiner Kinder. Dort leben Mafiosi. Ich habe Angst, dass meine Kinder getötet werden. LA: Konkret, wer sollte Sie nun wegen was verfolgen? VP: Diese Personen, sie gehören einer Mafiosi Gruppe an, ich kenne sie nicht. LA: Warum sollte man Sie verfolgen? VP: ich weiß es nicht, vielleicht habe ich bei denen Ware gekauft oder vielleicht hatten wir Auseinandersetzungen miteinander oder vielleicht denken sie auch, dass ich Geld habe. LA: Welche konkreten Vorfälle einer Verfolgungshandlung gab es? VP: Mein Auto wurde in Brand gesetzt. Es könnte sein, dass man mich verfolgt hat. LA: Wo genau haben Sie in der Ukraine gelebt? VP. In der Stadt XXXX , befragt an die genaue Adresse kann ich mich nicht erinnern.VP. In der Stadt römisch 40 , befragt an die genaue Adresse kann ich mich nicht erinnern. LA: Haben Sie immer in XXXX gelebt? Oder auch wo anders in der Ukraine?LA: Haben Sie immer in römisch 40 gelebt? Oder auch wo anders in der Ukraine? VP: Nur in XXXX .VP: Nur in römisch 40 . LA: Der anonyme Anzeiger gab auch weiters an, dass Verwandten von Ihnen in der Ukraine gelebt haben? VP: Ich habe mehr als 10 Jahre dort gelebt, ich habe dort viele Freunde und Bekannte. Verwandte habe ich dort keine. LA: Von welcher Behörde wurden Ihnen die Dokumente zum Aufenthalt in der Ukraine ausgestellt? VP: Es gibt dort in XXXX nur eine Behörde, die die Dokumente ausstellt, wie die Behörde heißt, weiß ich nicht.VP: Es gibt dort in römisch 40 nur eine Behörde, die die Dokumente ausstellt, wie die Behörde heißt, weiß ich nicht. LA: Wie konnten Sie Ihren Lebensunterhalt in der Ukraine bestreiten? VP: Ich habe dort auf dem Bazar gearbeitet, ich war Träger. Befragt von diesen Einkünften kamen wir über die Runden. Gelegentlich habe ich mir auch bei Freunden Geld ausgeborgt. LA: Ging Ihr Sohn in der Ukraine in die Schule? VP: Ja. Befragt in XXXX . In der Nähe unserer Wohnung gab es eine Schule, aber ich weiß nicht, wie die Schule hieß.VP: Ja. Befragt in römisch 40 . In der Nähe unserer Wohnung gab es eine Schule, aber ich weiß nicht, wie die Schule hieß. LA: Seit wann ging Ihr Sohn in die Schule? VP: Ein Jahr. LA: Gingen Ihre Töchter in den Kindergarten? VP: Nein. LA: Wie haben Sie in XXXX gelebt, in einem Haus oder in einer Wohnung?LA: Wie haben Sie in römisch 40 gelebt, in einem Haus oder in einer Wohnung? VP: In einer Mietwohnung. LA: Was ist jetzt mit dieser Mietwohnung? VP: Die haben wir zurückgegeben. LA: Wann genau wurden Ihren Töchtern die ukrainischen Reisepässe ausgestellt? VP: Wenn das Kind geboren wird, bekommt das Kind sofort im Krankenhaus die Dokumente ausgestellt. Man bekommt einen Zettel, das ist dann ein Dokument. LA: Es geht um die Reisepässe? VP: Man bekommt eine Geburtsurkunde im Krankenhaus. Danach beantragt man bei der Behörde einen Reisepass. Das Datum weiß ich nicht, XXXX wurde 2013 und XXXX 2014 geboren.VP: Man bekommt eine Geburtsurkunde im Krankenhaus. Danach beantragt man bei der Behörde einen Reisepass. Das Datum weiß ich nicht, römisch 40 wurde 2013 und römisch 40 2014 geboren. LA: Warum können Sie kein konkretes Geburtsdatum angeben? VP: Das weiß ich nicht. LA: Warum tragen die Kinder den Familiennamen der Mutter? VP: Weil ich selbst keinen Nachnamen habe. XXXX ist kein Familienname, sondern ein Vorname.VP: Weil ich selbst keinen Nachnamen habe. römisch 40 ist kein Familienname, sondern ein Vorname. LA: Welchen Familiennamen haben die Kinder in der Ukraine getragen? VP: XXXX . Nein, sie hießen XXXX .VP: römisch 40 . Nein, sie hießen römisch 40 . LA: Warum? VP: Da ich selbst keinen Nachnamen trage, habe ich die Behörde dort gebeten, meine Kinder nach meinen Vornamen zu benennen. LA: Ihr Sohn hatte welchen Nachnamen? VP: XXXXVP: römisch 40 LA: Warum gaben Sie dann in Österreich andere Familiennamen an? VP: Es wurde nicht mein Name hier angegeben, sondern der Name der Mutter. LA: Warum? VP: Das weiß ich nicht. LA: Ich frage Sie nun nochmals, welchen Nachnamen verwendete Ihre Gattin in der Ukraine? VP: XXXX . Ich sage ihnen die Wahrheit, es gibt keinen Grund zu lügen.VP: römisch 40 . Ich sage ihnen die Wahrheit, es gibt keinen Grund zu lügen. LA: Waren Sie in der Ukraine aufrecht gemeldet? VP: Ja. LA: Lassen Sie sich von Ihren Freunden und Bekannten ein Duplikat Ihrer Anmeldung schicken und auch die Anzeige, die Sie bei den Behörden bzgl. des Autobrandes erstattet haben. VP: Welchen Vorteil hätte ich. LA: Sie haben eine Mitwirkungsverpflichtung und da geht es nicht darum, welchen Vorteil Sie haben. Haben Sie das verstanden? VP: Ja. LA: Die erkennende Behörde wird sich mit den ukrainischen Behörden in Verbindung setzen und werden Sie in Folge in die Ukraine ausgewiesen. Möchten Sie dazu etwas sagen? VP: Ich gehe nicht in die Ukraine. Es werden Ihnen nun Länderinformationen zur Ukraine übergeben und Sie haben die Möglichkeit, innerhalb einer Woche, wenn Sie das möchten, eine Stellungnahme abzugeben. Sie werden weiters informiert, dass die aktuellen Länderinformationen des BFA in der Entscheidung in Ihrem Asylverfahren enthalten sein werden und Sie dazu im Rahmen einer allfälligen Beschwerde innerhalb der vierwöchigen Rechtsmittelfrist Stellung nehmen können. Haben Sie das verstanden? VP: Ja und ich möchte die Länderinformationen. LA: Ich beende jetzt die Befragung. Möchten Sie noch weitere Angaben machen? VP: Ich habe ein Jahr lang hier die Sprache gelernt, ich habe mich bemüht und ich möchte hier wie ein normaler Mensch leben können. Ich kann dazu Unterlagen vorlegen, ich habe den Deutschkurs A2 besucht. LA: Sie haben von Anfang an über Ihr Fluchtvorbringen gelogen. Ihre Integrationsbemühungen führen somit ins Leere. VP: Er hat mir die Geschichte konstruiert, er muss daher auch zur Verantwortung gezogen werden. Am 10.07.2018 wurde die Zweitbeschwerdeführerin von der zur Entscheidung berufenen Organwalterin zum Zwecke des Parteiengehörs niederschriftlich einvernommen. Die wesentlichen Passagen dieser Einvernahme gestalten sich wie folgt: "(...) LA: Ihr Gatte gab heute in der Einvernahme an, dass Sie mit ihm und den Kindern seit 2010 bis 2017 in der Ukraine gelebt haben? Bestätigen Sie diese Angaben? VP: Ja. LA: Warum haben Sie gelogen? VP: Dieser Mann, der in Traiskirchen arbeitet, hat uns davon abgeraten, das zu sagen. Er sagte, wir sollen es so sagen. Er hat meinem Mann gesagt, er wird alles für uns richten, wir sollen ihm zahlen, er lebt in XXXX . Als wir in XXXX waren, ist er auch in die Asylunterkunft gekommen. Ich weiß alles über ihn. Ich kann mich noch erinnern, es war im Fastenmonat, er war in der Asylunterkunft und hat von uns Geld verlangt. Er hat uns auch zu sich nach Hause eingeladen. Wir haben sogar bei ihm übernachtet.VP: Dieser Mann, der in Traiskirchen arbeitet, hat uns davon abgeraten, das zu sagen. Er sagte, wir sollen es so sagen. Er hat meinem Mann gesagt, er wird alles für uns richten, wir sollen ihm zahlen, er lebt in römisch 40 . Als wir in römisch 40 waren, ist er auch in die Asylunterkunft gekommen. Ich weiß alles über ihn. Ich kann mich noch erinnern, es war im Fastenmonat, er war in der Asylunterkunft und hat von uns Geld verlangt. Er hat uns auch zu sich nach Hause eingeladen. Wir haben sogar bei ihm übernachtet. LA: Haben Sie ihm Geld bezahlt? VP: Nein. Einmal hat er mit mir und meinem Mann über die Fluchtgeschichte gesprochen, dann wurden wir aber nicht einvernommen. Ein anderes Mal hat er mich zu sich nach Hause bestellt und hat mir gesagt, dass ich über Vergewaltigung und ganz wilde Sachen sprechen soll. Als ich von ihm weggegangen bin, war ich erschrocken und entsetzt. Ich bin mit der Straßenbahn nach Hause gefahren und musste ständig weinen. LA: Gab es im Heimatland eine Zwangsverehelichung? VP: Ja. LA: Warum lügen Sie schon wieder. Ihr Gatte hat dies verneint? VP: Was weiß mein Mann schon über meine Familie. Ich hatte keinen Vater. Man kann nicht alle Geheimnisse erzählen. LA: Von wo stammen Sie her? VP: Ich stamme aus XXXX , ich weiß nicht, wo das genau liegt.VP: Ich stamme aus römisch 40 , ich weiß nicht, wo das genau liegt. LA: Ihr Gatte gab an, dass Sie ebenfalls aus Laghman stammen. VP: Mein Vater stammt aus XXXX und meine Mutter aus Laghman.VP: Mein Vater stammt aus römisch 40 und meine Mutter aus Laghman. Anmerkung: die VP trug bei der EV einen Schal um den Kopf gewunden. LA: Welchen Namen trugen Sie in der Ukraine? Welche Dokumente wurden Ihnen in der Ukraine ausgestellt? VP: Ich hatte einfache Dokumente und keinen Reisepass. Die ersten drei Jahre hatte ich überhaupt keine Dokumente. LA: Welchen Namen trugen Sie in der Ukraine? VP: XXXX befragt welches Geburtsdatum ich angegeben habe, das weiß ich nicht.VP: römisch 40 befragt welches Geburtsdatum ich angegeben habe, das weiß ich nicht. LA: Warum gaben Sie einen anderen Familiennamen als in Österreich in der Ukraine an? VP: Dieser Mann, der in Traiskirchen arbeitet, sagte mir, ich solle meinen Namen ändern und er wird schauen, dass ich Dokumente bekomme. LA: Wie lautet nun Ihr richtiger Name? VP: XXXX . Mein richtiger Familienname lautet XXXX . In der Ukraine habe ich den Namen XXXX angegeben, das ist der Vorname meines Vaters.VP: römisch 40 . Mein richtiger Familienname lautet römisch 40 . In der Ukraine habe ich den Namen römisch 40 angegeben, das ist der Vorname meines Vaters. LA: Wie lautet Ihr richtiges Geburtsdatum? VP: Ich schwöre, ich weiß es nicht. Ich bin im neunten Monat schwanger, ich lüge nicht. Befragt ich habe in zwei Wochen Geburtstermin. LA: Welchen Namen trugen Ihre Kinder in der Ukraine? VP: XXXX .VP: römisch 40 . LA: Warum hieß Ihre Tochter XXXX in der Ukraine XXXX ?LA: Warum hieß Ihre Tochter römisch 40 in der Ukraine römisch 40 ? VP: Im Krankenhaus, nachdem sie geboren wurde, gab ich den Namen XXXX an, ihr richtiger Name lautet XXXX .VP: Im Krankenhaus, nachdem sie geboren wurde, gab ich den Namen römisch 40 an, ihr richtiger Name lautet römisch 40 . LA: Welche Dokumente hatten Ihre Kinder? VP: Das weiß ich nicht, sie haben Zettel bekommen. Man hat von uns Geld verlangt, damit sie Dokumente bekommen. Ich habe drei Jahre lang keine Dokumente gehabt und musste Geld bezahlen, um Dokumente zu bekommen. LA: Wie haben Sie in der Ukraine gelebt. Wie haben Sie in den Lebensunterhalt bestritten? VP: Mein Ehemann hat für uns gesorgt, befragt ich habe nicht gearbeitet. Befragt wir haben bei dem Onkel väterlicherseits meines Mannes gelebt. Davor haben wir ein bis zweieinhalb Jahr in einer Mietwohnung gelebt. LA: Wo befindet sich der Onkel väterlicherseits jetzt? VP: Er lebt dort. Das ganze Geld hat dem Onkel gehört. LA: Wo sind Ihre ukrainischen Dokumente? VP: Ich hatte nur einen Zettel, diesen habe ich dort zurückgelassen. Befragt in der Ukraine, man nimmt solche Dokumente nicht mit. LA: Wo in der Ukraine, konkret? VP: Ich habe sie zerrissen und weggeworfen. LA: Geben Sie die konkrete Adresse in der Ukraine an. VP: Das weiß ich nicht. LA: Geben Sie die konkreten Geburtsdaten Ihrer Kinder an. VP. Das weiß ich nicht. LA: Wie heißt der Onkel väterlicherseits Ihres Gatten? VP: XXXX .VP: römisch 40 . Anmerkung: Der Gatte der VP wird in den Verhandlungsraum geholt. LA: Ihre Gattin gab an, dass sie in der Ukraine bei Ihrem Onkel väterlicherseits gewohnt haben. Geben Sie nun den konkreten Namen des Onkels und die Adresse an. Gatte der VP: Welcher Onkel? XXXX nein schreiben sie XXXX . Ich kenne die Adresse nicht.Gatte der VP: Welcher Onkel? römisch 40 nein schreiben sie römisch 40 . Ich kenne die Adresse nicht. Anmerkung: Der Gatte der VP verlässt den Raum. Beim Rausgehen sagte er zu seiner Frau: Warum sagst du einen Namen. LA: Besuchte Ihr Sohn eine Schule in der Ukraine? VP: Ja, er war in der ersten Klasse, wie die Schule heißt, das weiß ich nicht. LA: Adresse? VP: Ich weiß nicht einmal meine eigene Adresse. LA: Ihr Gatte gab an, dass Ihre Töchter ukrainische Reisepässe gehabt haben, also ukrainische Staatsbürger waren. Was sagen Sie dazu? VP: Ich weiß es nicht, ich bin Analphabetin. Folgende Erhebungen werden Ihnen nun zur Kenntnis gebracht. LA: Erhebungen bei den schwedischen Behörden ergaben folgenden Sachverhalt: Die oben genannte Person hat am XXXX in Schweden Asyl beantragt. Im XXXX 2000 erhielt die Person einen ständigen Wohnsitz in Schweden. Allerdings wurde seine Aufenthaltserlaubnis im XXXX 2008 zurückgezogen. Im März 2015 kontaktierte die Person die schwedische Botschaft in Kiew. Er erklärte dann, dass er seit 2004 in der Ukraine lebt und dort eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung habe.Die oben genannte Person hat am römisch 40 in Schweden Asyl beantragt. Im römisch 40 2000 erhielt die Person einen ständigen Wohnsitz in Schweden. Allerdings wurde seine Aufenthaltserlaubnis im römisch 40 2008 zurückgezogen. Im März 2015 kontaktierte die Person die schwedische Botschaft in Kiew. Er erklärte dann, dass er seit 2004 in der Ukraine lebt und dort eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung habe. LA: Die Erhebungen bei den ukrainischen Behörden ergaben folgenden Sachverhalt: Der afghanische Staatsbürger der Islamischen Republik Afghanistan XXXX hat im Jahre 2005 die Genehmigung zur Immigration in die Ukraine und eine Bescheinigung zum ständigen Wohnsitz in der Region XXXX erhalten. Weiters teilten die ukrainischen Behörden mit, dass XXXX in der Ukraine keinen Asylantrag noch einen Antrag zum besonderen Schutz bzw. zur Genehmigung eines Wohnsitzes gestellt hat. Einen ukrainischen Ausweis oder ukrainischen Reisepass hat sie nicht erhalten.Der afghanische Staatsbürger der Islamischen Republik Afghanistan römisch 40 hat im Jahre 2005 die Genehmigung zur Immigration in die Ukraine und eine Bescheinigung zum ständigen Wohnsitz in der Region römisch 40 erhalten. Weiters teilten die ukrainischen Behör