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RIS Dokument GerichtBundesverwaltungsgericht Entscheidungsdatum14.04.2020 GeschäftszahlW253 2141423-1 SpruchW253 2141423-1/14E IM NAMEN DER REPUBLIK! Das Bundesverwaltungsgericht erkennt durch den Richter Mag. Jörg C. BINDER als Einzelrichter über die Beschwerde von XXXX , geb. XXXX , StA. Afghanistan, vertreten durch die ARGE Rechtsberatung - Diakonie Flüchtlingsdienst, Wattgasse 48/

  1. Stock, 1170 Wien, gegen den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vom 27.10.2016, Zl. 1032439203 - 140041101/BMI-BFA_SBG_AST_01_KO, nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 17.06.2019 zu Recht:Das Bundesverwaltungsgericht erkennt durch den Richter Mag. Jörg C. BINDER als Einzelrichter über die Beschwerde von römisch 40 , geb. römisch 40 , StA. Afghanistan, vertreten durch die ARGE Rechtsberatung - Diakonie Flüchtlingsdienst, Wattgasse 48/
  2. Stock, 1170 Wien, gegen den Bescheid des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vom 27.10.2016, Zl. 1032439203 - 140041101/BMI-BFA_SBG_AST_01_KO, nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 17.06.2019 zu Recht: A) I. Die Beschwerde wird hinsichtlich der Spruchpunkte I. und II. des angefochtenen Bescheides als unbegründet abgewiesen.römisch eins. Die Beschwerde wird hinsichtlich der Spruchpunkte römisch eins. und römisch zwei. des angefochtenen Bescheides als unbegründet abgewiesen. II. Der Beschwerde wird hinsichtlich der Spruchpunkte III. und IV. des angefochtenen Bescheides stattgegeben und die Erlassung einer Rückkehrentscheidung in Bezug auf den Herkunftsstaat Afghanistan gemäß § 52 FPG iVm § 9 BFA-VG auf Dauer für unzulässig erklärt.römisch zwei. Der Beschwerde wird hinsichtlich der Spruchpunkte römisch drei. und römisch vier. des angefochtenen Bescheides stattgegeben und die Erlassung einer Rückkehrentscheidung in Bezug auf den Herkunftsstaat Afghanistan gemäß Paragraph 52, FPG in Verbindung mit Paragraph 9, BFA-VG auf Dauer für unzulässig erklärt. III. Dem Beschwerdeführer wird gemäß § 54 und 55 Abs. 1 AsylG 2005 der Aufenthaltstitel "Aufenthaltsberechtigung plus" für die Dauer von zwölf Monaten erteilt.römisch drei. Dem Beschwerdeführer wird gemäß Paragraph 54 und 55 Absatz eins, AsylG 2005 der Aufenthaltstitel "Aufenthaltsberechtigung plus" für die Dauer von zwölf Monaten erteilt. B) Die ordentliche Revision ist nicht zulässig. TextENTSCHEIDUNGSGRÜNDE: I. Verfahrensgang:römisch eins. Verfahrensgang:
  3. Der Beschwerdeführer stellte am 06.10.2014 einen Antrag auf internationalen Schutz in Österreich. Noch am selben Tag fand die Erstbefragung durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes statt. Zusammengefasst gab der Beschwerdeführer an, dass er verheiratet sei und keine Ausbildung absolviert habe. Er habe zuletzt in Afghanistan im Bezirk XXXX in Maidan Wardak gelebt. Befragt zu seinem Fluchtgrund gab der Beschwerdeführer an, dass er wegen des Krieges seine Heimat verlassen habe müssen. In seinem Dorf seien sehr viele Taliban, deshalb habe er Angst um sein Leben. Sonst habe er keine weiteren Fluchtgründe.Noch am selben Tag fand die Erstbefragung durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes statt. Zusammengefasst gab der Beschwerdeführer an, dass er verheiratet sei und keine Ausbildung absolviert habe. Er habe zuletzt in Afghanistan im Bezirk römisch 40 in Maidan Wardak gelebt. Befragt zu seinem Fluchtgrund gab der Beschwerdeführer an, dass er wegen des Krieges seine Heimat verlassen habe müssen. In seinem Dorf seien sehr viele Taliban, deshalb habe er Angst um sein Leben. Sonst habe er keine weiteren Fluchtgründe.
  4. Die Einvernahme vor dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) fand am 01.12.2015 statt. Zusammengefasst gab der Beschwerdeführer an, dass er bei der Erstbefragung die Wahrheit gesagt habe und die Fluchtgründe gleichblieben seien. Er sei traditionell verheiratet und habe drei Kinder. Es lebe in Graz eine bekannte Familie, zu der er aber keinen Kontakt habe. Er habe sehr wenig Kontakt mit seiner Familie bzw. Angehörigen und Freunden in Afghanistan, wenn er diesen habe, dann über Telefon. Sein Vater, seine Mutter, drei Brüder, seine Ehefrau sowie zwei Söhne und eine Tochter würden in Maidan Wardak, im Distrikt XXXX , im Dorf XXXX leben. Sein Vater habe dort ein Haus und eine Landwirtschaft sowie ein Geschäft in dem er Lebensmittel verkaufe. Er habe fünf Jahre die Schule besucht und könne schreiben und lesen. In Afghanistan habe er in einem Supermarkt gearbeitet, im Iran als Tischler. Er sei Teilhaber am Supermarkt seines Vaters gewesen.
  5. Die Einvernahme vor dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) fand am 01.12.2015 statt. Zusammengefasst gab der Beschwerdeführer an, dass er bei der Erstbefragung die Wahrheit gesagt habe und die Fluchtgründe gleichblieben seien. Er sei traditionell verheiratet und habe drei Kinder. Es lebe in Graz eine bekannte Familie, zu der er aber keinen Kontakt habe. Er habe sehr wenig Kontakt mit seiner Familie bzw. Angehörigen und Freunden in Afghanistan, wenn er diesen habe, dann über Telefon. Sein Vater, seine Mutter, drei Brüder, seine Ehefrau sowie zwei Söhne und eine Tochter würden in Maidan Wardak, im Distrikt römisch 40 , im Dorf römisch 40 leben. Sein Vater habe dort ein Haus und eine Landwirtschaft sowie ein Geschäft in dem er Lebensmittel verkaufe. Er habe fünf Jahre die Schule besucht und könne schreiben und lesen. In Afghanistan habe er in einem Supermarkt gearbeitet, im Iran als Tischler. Er sei Teilhaber am Supermarkt seines Vaters gewesen. Seine Fluchtgründe betreffend gab er an, dass er in Afghanistan einen Supermarkt geführt habe. Ein wichtiger Großkunde sei die Polizeistation des Bezirkes gewesen. Er habe Waren, Obst und Gemüse dort hin geliefert. Der Cousin seines Vaters arbeite für die Taliban und dieser habe zum Beschwerdeführer gesagt, dass er nicht mit der Regierung arbeiten solle, sondern mit den Taliban. Der Cousin habe gemeint, dass er die Soldaten und Polizisten nicht umbringen wolle, sondern nur deren Waffen haben wolle. Der Cousin habe einmal gesagt, dass sie ein großes Fass mit Öl oder Essig an die Polizeistation verkaufen könnten und bei der Abholung könnte man Waffen darin verstecken. Der Cousin habe den Beschwerdeführer nicht in Ruhe gelassen und habe ihm ständig solche Ideen erzählt. Eines Nachts gegen 20:00 Uhr habe der Cousin angeklopft, der Bruder des Beschwerdeführers habe geöffnet und gesagt, dass zwei Männer mit dem Beschwerdeführer reden wollen würden. Der Beschwerdeführer sei zur Tür gegangen und habe seinen Cousin und einen zweiten Paschtunen dort gesehen. Der Cousin habe dem Beschwerdeführer gesagt, dass er mit ihm reden wolle und ihn mit einer Pistole zum Mitkommen gezwungen. Er habe dem Beschwerdeführer dann mitgeteilt, dass die Taliban nun die Idee mit der Lebensmittellieferung umsetzen wollen würden. Da der Beschwerdeführer immer unruhiger geworden sei, habe er seinem Vater davon erzählt. Der Beschwerdeführer habe dann dem Polizeidirektor von dem Plan erzählt, dieser wies den Beschwerdeführer an, sich mit den Männern zu treffen um mehr über den Plan herauszufinden, die Polizei würde sich um den Rest kümmern. Es sei ausgemacht worden, dass der Beschwerdeführer das Fass liefern solle, in dem Betäubungsmittel sein solle. Die Polizisten würden außer Gefecht gesetzt werden und die Taliban könnten die Polizeistation übernehmen. Die beiden seien dann an dem ausgemachten Tag von der Polizei bei der Ausführung des Planes festgenommen worden. Der Cousin sei sehr wütend geworden und habe den Beschwerdeführer bedroht. In dieser Nacht sei der Bruder des Beschwerdeführers von den Taliban getötet worden. Nach diesem Vorfall habe der Vater des Beschwerdeführers gesagt, dass dieser das Land verlassen solle, er sei daher in den Iran geflüchtet. Nach der Flucht habe der Vater des Beschwerdeführers die Frau und die Kinder dieses in den Iran zu ihm geschickt. Dort hätten sie ca. fünf Jahre gemeinsam gelebt. Nach Beginn des Syrienkrieges seien sie im Iran nicht mehr toleriert worden, deshalb habe der Beschwerdeführer seine Familie nach Afghanistan zurückgebracht und danach sei er alleine über den Iran nach Europa gereist. Der Beschwerdeführer habe auch kostenlos für die Polizei als Fahrer gearbeitet, er sei eine Vertrauensperson gewesen. Der Beschwerdeführer glaube, dass der Bruder mit ihm verwechselt und deswegen ermordet worden sei. Der Beschwerdeführer habe schon Drohbriefe erhalten, bevor er konkret vom Cousin einen Plan bekommen habe. Die "Zettel" seien meistens ins Haus geworfen worden, er habe das nicht ernst genommen. Sie hätten in der Region keine Feinde gehabt und seien Geschäftsmänner mit gutem Ruf gewesen, alle hätten ihnen vertraut und er habe nicht gewusst, dass sich das so entwickele. Der Beschwerdeführer habe gedacht, dass er sein Leben nicht von ein paar Briefen bestimmen lassen wolle. Dazu befragt, wieviel er für die "angeblichen" Drohschreiben bezahlt habe, habe der Beschwerdeführer gezögert, dann gelächelt und gesagt, dass er diese nicht gekauft habe. Man könne nicht alles kaufen. Der Cousin des Beschwerdeführers sei sechs Jahre lang in Haft gewesen und dann entlassen worden. Der Beschwerdeführer habe Afghanistan erneut verlassen, da er in seiner Region nicht habe leben können und der Cousin ihn gefunden hätte, da er Kontakte habe. Der Beschwerdeführer sei nicht aufgrund seiner Volksgruppen- oder Religionszugehörigkeit verfolgt worden. Er sei nach wie vor gläubiger Moslem, genauer Sunnite. Er habe nicht vor zu konvertieren. Die Vorfälle seien glaublich im Sommer 2006 passiert. In Österreich habe er Freunde, betätige sich nicht in karitativen Organisationen oder anderen Vereinen, habe auch noch keine Probleme mit den Behörden, der Polizei, dem Gericht oder anderen Institutionen gehabt. Er sei nicht strafrechtlich verurteilt und habe keine Probleme mit den Verwaltungsbehörden aufgrund schwerer Verwaltungsstraftaten gehabt.
  6. Am 19.07.2016 erging seitens des Beschwerdeführers eine Stellungnahme zu den Länderberichten, der zusammengefasst zu entnehmen ist, dass der Vater des Beschwerdeführers ihm am Telefon gesagt habe, dass es viel mehr bewaffnete Angriffe gebe, als in den Länderberichten angeführt seien und dies entspreche auch der Erfahrung des Beschwerdeführers, als dieser noch zu Hause gewesen sei. Die Sicherheitskräfte würden zu positiv dargestellt, seien aber in Wirklichkeit korrupt. Auch das Militär habe Angst vor den Taliban und er glaube nicht, was ein US-Informant sage, da die USA auch den Taliban geholfen habe. Friedensgespräche der Regierung mit den Taliban seien nur "scheinbar". Auch in der Provinz Maidan Wardak gebe es Probleme durch die Nähe des Dorfes des Beschwerdeführers zu Kabul (45 km). Die Taliban würden zivile Personen erpressen, damit diese mit ihnen zusammenarbeiten. Wenn nicht, würden sie damit drohen, das Haus anzuzünden oder die Familie zu zerstören oder zu töten. Auch die Regierung und der Präsident würden zu positiv dargestellt werden, diese seien aber auch korrupt, viele würden auch mit den Taliban zusammenarbeiten. Die Taliban würden auch den Drogenanbau beherrschen und die Regierung tue nichts dagegen. Es gebe viel mehr zivile Opfer, als öffentlich bekannt sei. Es gebe in Afghanistan keine Autobahnen, sondern nur mehrspurige Straßen, die Ring Road sei noch nicht fertig.
  7. Mit dem angefochtenen Bescheid wies das BFA den Antrag des Beschwerdeführers auf internationalen Schutz zur Gänze ab (Spruchpunkte I. und II.). Es wurde dem Beschwerdeführer kein Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Gründen erteilt, eine Rückkehrentscheidung erlassen und festgestellt, dass seine Abschiebung nach Afghanistan zulässig sei (Spruchpunkt III.). Die Frist für die freiwillige Ausreise wurde mit 2 Wochen ab Rechtskraft der Entscheidung festgesetzt (Spruchpunkt IV.).
  8. Mit dem angefochtenen Bescheid wies das BFA den Antrag des Beschwerdeführers auf internationalen Schutz zur Gänze ab (Spruchpunkte römisch eins. und römisch zwei.). Es wurde dem Beschwerdeführer kein Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Gründen erteilt, eine Rückkehrentscheidung erlassen und festgestellt, dass seine Abschiebung nach Afghanistan zulässig sei (Spruchpunkt römisch drei.). Die Frist für die freiwillige Ausreise wurde mit 2 Wochen ab Rechtskraft der Entscheidung festgesetzt (Spruchpunkt römisch vier.). Festgestellt wurde durch das BFA, dass nicht festgestellt werde haben können, dass der Beschwerdeführer in seinem Herkunftsstaat einer staatlichen Bedrohung bzw. Verfolgung ausgesetzt sei. Er habe nie persönlich Probleme mit Ämtern und Behörden in Afghanistan gehabt bzw. hätte solche zu befürchten gehabt. Er habe keinen GFK Fluchtgrund vorgebracht und es habe auch kein solcher im Ermittlungsverfahren amtsseitig festgestellt werden können. Der Beschwerdeführer habe eine gegen ihn persönlich gerichtete Verfolgungshandlung vorgebracht, sein Cousin ein vorbestrafter Taliban habe ihn mit dem Umbringen bedroht. Dieses Vorbringen erreiche keine "Asylrelevanz". Beweiswürdigend wurde ausgeführt, dass dieAusführungen des Beschwerdeführers zum geplanten Attentat nicht glaubhaft seien. Auch, dass der Beschwerdeführer bei der Erstbefragung die Ermordung seines Bruders nicht angegeben habe, trage nicht zu seiner Glaubwürdigkeit bei. Der vom Beschwerdeführer geschilderte Sachverhalt habe sich laut seinen Angaben bereits im Jahre 2006 zugetragen und er habe danach fünf Jahre im Iran gelebt. Nachdem er 2011 wieder nach Afghanistan zurückgekehrt sei, habe er rund drei Jahre in seinem Heimatdorf gelebt, dies ergebe sich aus seinen Angaben. Auch die vom Beschwerdeführer bei der Einvernahme vorgelegten Fotos ließen an seinen Angaben zweifeln, zumal diese den Beschwerdeführer in einer Polizeiuniform zeigen würden. Auch dass der Leiter eines Supermarktes kostenlos für die Polizei als Fahrer arbeite sei äußerst merkwürdig. Es sei wohl eher der Fall, dass der Beschwerdeführer selbst als Polizist tätig gewesen sei. Die vom Beschwerdeführer erhaltenen Drohbriefe wären nunmehr zehn Jahre alt und er habe angegeben, dass es in der Gegend in der er gelebt habe relativ friedlich sei und er nie Angst gehabt habe. Es sei allgemein bekannt, dass solche Drohbriefe leicht nachzumachen seien und auch gegen Entgelt angefertigt würden. Das Vorbringen des Beschwerdeführers habe sich mit der Zeit "verschärft". Zwischen dem fluchtauslösenden Ereignis und der Erstbefragung sei ein Zeitraum von acht Jahren gelegen, es läge nahe, dass da Erinnerungen verschwimmen, aber beim Beschwerdeführer sei aus einer bei der Erstbefragung vagen und unbegründeten Angst vor den Taliban innerhalb eines Jahres in Österreich eine komplexe Fluchtgeschichte entstanden. Die Fluchtgeschichte sei in sich und chronologisch widersprüchlich und hinsichtlich des Attentates auf die Polizeistation "schlicht unglaubwürdig". Zu der Situation des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr wurde ausgeführt, dass er an keiner Krankheit leide und nach wie vor Kontakt mit seiner Familie im Herkunftsstaat habe. Er habe eine fünfjährige Schulbildung genossen und seine Familienangehörigen seien nach wie vor in XXXX wohnhaft. Der Beschwerdeführer habe zuletzt im familieneigenen Supermarkt und in der Landwirtschaft gearbeitet. Er habe Verwandte in Graz, zu denen bestehe aber kein Kontakt, sonst habe er keine weiteren Familienangehörigen und nahe Verwandte in Österreich. Die Möglichkeit einer legalen Beschäftigung sei ihm mangels gesetzlicher Voraussetzungen lediglich eingeschränkt möglich. Ein allfälliger Eingriff in sein Privatleben sei gerechtfertigt. Die Einreise des Beschwerdeführers sei zum Zwecke der Verschaffung einer dauerhaften Niederlassung in Österreich unter Umgehung der Einreise- und Niederlassungsvorschriften und nicht aufgrund einer Verfolgung und der daraus resultierenden Schutzsuche erfolgt. Er sei in Afghanistan sozialisiert worden. Begründend führte das Bundesamt auf das Wesentlichste zusammengefasst aus, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Afghanistan aufgrund seines Alters sowie seiner Ausbildung in keine existenzbedrohende Notlage geraten würde.Zu der Situation des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr wurde ausgeführt, dass er an keiner Krankheit leide und nach wie vor Kontakt mit seiner Familie im Herkunftsstaat habe. Er habe eine fünfjährige Schulbildung genossen und seine Familienangehörigen seien nach wie vor in römisch 40 wohnhaft. Der Beschwerdeführer habe zuletzt im familieneigenen Supermarkt und in der Landwirtschaft gearbeitet. Er habe Verwandte in Graz, zu denen bestehe aber kein Kontakt, sonst habe er keine weiteren Familienangehörigen und nahe Verwandte in Österreich. Die Möglichkeit einer legalen Beschäftigung sei ihm mangels gesetzlicher Voraussetzungen lediglich eingeschränkt möglich. Ein allfälliger Eingriff in sein Privatleben sei gerechtfertigt. Die Einreise des Beschwerdeführers sei zum Zwecke der Verschaffung einer dauerhaften Niederlassung in Österreich unter Umgehung der Einreise- und Niederlassungsvorschriften und nicht aufgrund einer Verfolgung und der daraus resultierenden Schutzsuche erfolgt. Er sei in Afghanistan sozialisiert worden. Begründend führte das Bundesamt auf das Wesentlichste zusammengefasst aus, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Afghanistan aufgrund seines Alters sowie seiner Ausbildung in keine existenzbedrohende Notlage geraten würde.
  9. Der Beschwerdeführer erhob gegen den Bescheid fristgerecht Beschwerde. Er brachte im Wesentlichen vor, dass das BFA seinem Ermittlungsauftrag nicht hinreichend nachgekommen sei. Der maßgebliche Sachverhalt sei vielfach missverstanden worden und sei deswegen in wesentlichen Punkten ergänzungsbedürftig. Die Ablehnung der Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers sei "bemüht begründet", argumentativ aber keineswegs schlüssig und überzeugend, sondern wirke an einigen Stellen "recht behelfsmäßig". Die Interpretation des Sachverhaltes orientiere sich insgesamt zu wenig am tatsächlichen Vorbringen des Beschwerdeführers, da offensichtlich selten präzisierend nachgefragt worden sei. Stattdessen habe das BFA einige Zusammenhänge eigenschöpferisch gezogen und bewertet, die im Vorbringen auf diese Art keine Deckung finden würden. Länderkundliche Informationen, besonders zur Entwicklung der Sicherheitslage in XXXX , seien nur unzureichend eingeholt worden oder unterblieben. Es sei das zum Schutz von Asylwerbern eingeführte Verbot einer näheren Befragung zu den Fluchtgründen bei der Erstbefragung zum Nachteil des Beschwerdeführers verdreht und entgegen der expliziten Ansicht des Gesetzgebers ausgelegt worden. Das BFA meine, dass das Vorbringen des Beschwerdeführers mangels Intensität der Verfolgung keine Asylrelevanz erreiche und habe sich mit einigen Details des Vorbringens auseinandergesetzt, die es für unglaubwürdig erachte. Dabei werde offensichtlich, dass das Vorbringen nicht richtig verstanden worden sei. Bei dem Vorbringen mit dem Fass, in dem Waffen versteckt werden hätten sollen, handele es sich um eine Phantasie des Cousins des Beschwerdeführers, welche keine Umsetzung gefunden habe. Den zweiten Fall das Betäubungsmittel betreffend wurde ausgeführt, dass sich das BFA durch weiteres Nachfragen vergewissern hätte müssen, da Details im Zuge einer längeren Sachverhaltsdarstellung bei der Übersetzung schnell verschwimmen würden. Es wäre auch im Falle des Todes des Bruders des Beschwerdeführers die Aufgabe der Behörde gewesen, hier näher nachzufragen. Der Mord sei nicht zur Anzeige gebracht worden, da täglich hunderte "solcher Vorfälle" passieren würden, die keinen Eingang in die Akten finden würden. Menschen würden einfach verschwinden, ohne dass dies von den Behörden aufgenommen würde. Keiner erwarte, dass die Polizei in solchen Fällen helfen könne. Am Tage wirke die Polizei so gut sie könne, nachts würden die Taliban regieren, da würde selbst die Polizei ihre Station nicht mehr verlassen. Die Familie des Beschwerdeführers habe sich deswegen von einer Anzeige nichts versprochen, es sei ihr nur wichtig gewesen, dass der Beschwerdeführer so schnell wie möglich das Land verlasse. Es wurde weiters der Beweis zum Nachweis des Mordes am Bruder angeboten, den Dorfältesten und den Vater des Beschwerdeführers anzurufen, diese könnten bestätigen, dass der Mord so stattgefunden habe. Richtig sei, dass der Beschwerdeführer nach dem Vorfall als Frau in einer Burka verkleidet in den Iran floh und nachdem sein Vater die Ehefrau des Beschwerdeführers und die Kinder dorthin nachgebracht habe fünf Jahre im Iran gelebt habe. Da die Kinder dort keine Schule besuchen hätten können und afghanischen Flüchtlinge in den Syrienkrieg geschickt worden seien, sei die Familie notgedrungen wieder nach Afghanistan zurückgekehrt. Nicht richtig sei, dass der Beschwerdeführer drei Jahre lang in seinem Dorf gelebt habe bevor er sich zu einer neuerlichen Flucht gezwungen sah. Er lebte etwa ein Jahr in seinem Heimatdorf, nämlich so lange bis sein Cousin nach sechs Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen worden sei. Die zeitlichen Angaben des Beschwerdeführers seien immer nur ungefähre Zeitangaben gewesen. Der asylrelevante Vorfall müsse wohl im Jahr 2007 vorgefallen sein, dann lebte der Beschwerdeführer ca. fünf Jahre im Iran und kehrte 2012/2013 für die Dauer eines Jahres nach Afghanistan zurück. Er floh ein weiteres Mal Anfang
  10. Durch den Verrat an seinem Cousin und dessen Inhaftierung sei zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Cousin eine Feindschaft entstanden. Aus Angst vor Rache seines Cousins floh der Beschwerdeführer als er von dessen Entlassung erfahren habe. Rache drohe dem Beschwerdeführer auch durch die zweite Person die im Gefolge des Cousins ebenfalls verhaftet worden sei, der Name dieser Person sei nicht bekannt. Auch die Fotos, die den Beschwerdeführer in Polizeiuniform und mit einer Kalaschnikow zeigen würden, würden nicht dafür sprechen, dass er unglaubwürdig sei. Auch, dass der Beschwerdeführer der Polizei als Supermarktleiter kostenlos als Fahrer aushalf, könne als positive Einstellung zur Regierung gewertet werden und dafür sprechen, dass der Beschwerdeführer die Behörden unterstützen habe wollen. Man könne einem "guten Kunden", wie der Polizeistation auch gelegentlich Gefälligkeiten erweisen. Entgegen der Ansicht des BFA sei Kabul keine geeignete innerstaatliche Fluchtalternative. Zur Integration des Beschwerdeführers wurde ausgeführt, dass er sehr um seine Integration bemüht sei und dies auch erfolgreich. Er habe um Zulassung zu seinem Pflichtschulabschluss angesucht und bereits das erste Semester am BFI besucht. Außerdem habe er einen Erste-Hilfe-Kurs beim Roten Kreuz absolviert und die ÖSD-Prüfung auf A1-Niveau mit sehr gut, die auf A2-Niveau ebenfalls bestanden. Mit Hilfe seines selbst erstellten Lebenslaufes bemühe er sich um weitere Tätigkeiten. Das BFA habe die Asylrelevanz der vom Beschwerdeführer geschilderten Blutrache verkannt. Es entspreche der herrschenden Judikatur, dass eine wegen Blutrache geltend gemachte Bedrohungslage einen Zusammenhang mit einem Konventionsgrund erkennen lasse und die Zugehörigkeit zur sozialen Gruppe der "Familie" in Betracht zu ziehen sei. Dass der Staat in Fällen der Blutrache nicht fähig bzw. willens sei einzuschreiten, sei ebenfalls bekannt. Vorliegend wurde bereits der Bruder des Beschwerdeführers getötet, weil er mit dem Beschwerdeführer verwechselt worden sei. Der Cousin des Beschwerdeführers sinne auf Rache wegen des Verrates an die Polizei und seiner Verhaftung. Es könne daher nicht davon ausgegangen werden, dass die Bedrohungssituation beendet sei.
  11. Der Beschwerdeführer erhob gegen den Bescheid fristgerecht Beschwerde. Er brachte im Wesentlichen vor, dass das BFA seinem Ermittlungsauftrag nicht hinreichend nachgekommen sei. Der maßgebliche Sachverhalt sei vielfach missverstanden worden und sei deswegen in wesentlichen Punkten ergänzungsbedürftig. Die Ablehnung der Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers sei "bemüht begründet", argumentativ aber keineswegs schlüssig und überzeugend, sondern wirke an einigen Stellen "recht behelfsmäßig". Die Interpretation des Sachverhaltes orientiere sich insgesamt zu wenig am tatsächlichen Vorbringen des Beschwerdeführers, da offensichtlich selten präzisierend nachgefragt worden sei. Stattdessen habe das BFA einige Zusammenhänge eigenschöpferisch gezogen und bewertet, die im Vorbringen auf diese Art keine Deckung finden würden. Länderkundliche Informationen, besonders zur Entwicklung der Sicherheitslage in römisch 40 , seien nur unzureichend eingeholt worden oder unterblieben. Es sei das zum Schutz von Asylwerbern eingeführte Verbot einer näheren Befragung zu den Fluchtgründen bei der Erstbefragung zum Nachteil des Beschwerdeführers verdreht und entgegen der expliziten Ansicht des Gesetzgebers ausgelegt worden. Das BFA meine, dass das Vorbringen des Beschwerdeführers mangels Intensität der Verfolgung keine Asylrelevanz erreiche und habe sich mit einigen Details des Vorbringens auseinandergesetzt, die es für unglaubwürdig erachte. Dabei werde offensichtlich, dass das Vorbringen nicht richtig verstanden worden sei. Bei dem Vorbringen mit dem Fass, in dem Waffen versteckt werden hätten sollen, handele es sich um eine Phantasie des Cousins des Beschwerdeführers, welche keine Umsetzung gefunden habe. Den zweiten Fall das Betäubungsmittel betreffend wurde ausgeführt, dass sich das BFA durch weiteres Nachfragen vergewissern hätte müssen, da Details im Zuge einer längeren Sachverhaltsdarstellung bei der Übersetzung schnell verschwimmen würden. Es wäre auch im Falle des Todes des Bruders des Beschwerdeführers die Aufgabe der Behörde gewesen, hier näher nachzufragen. Der Mord sei nicht zur Anzeige gebracht worden, da täglich hunderte "solcher Vorfälle" passieren würden, die keinen Eingang in die Akten finden würden. Menschen würden einfach verschwinden, ohne dass dies von den Behörden aufgenommen würde. Keiner erwarte, dass die Polizei in solchen Fällen helfen könne. Am Tage wirke die Polizei so gut sie könne, nachts würden die Taliban regieren, da würde selbst die Polizei ihre Station nicht mehr verlassen. Die Familie des Beschwerdeführers habe sich deswegen von einer Anzeige nichts versprochen, es sei ihr nur wichtig gewesen, dass der Beschwerdeführer so schnell wie möglich das Land verlasse. Es wurde weiters der Beweis zum Nachweis des Mordes am Bruder angeboten, den Dorfältesten und den Vater des Beschwerdeführers anzurufen, diese könnten bestätigen, dass der Mord so stattgefunden habe. Richtig sei, dass der Beschwerdeführer nach dem Vorfall als Frau in einer Burka verkleidet in den Iran floh und nachdem sein Vater die Ehefrau des Beschwerdeführers und die Kinder dorthin nachgebracht habe fünf Jahre im Iran gelebt habe. Da die Kinder dort keine Schule besuchen hätten können und afghanischen Flüchtlinge in den Syrienkrieg geschickt worden seien, sei die Familie notgedrungen wieder nach Afghanistan zurückgekehrt. Nicht richtig sei, dass der Beschwerdeführer drei Jahre lang in seinem Dorf gelebt habe bevor er sich zu einer neuerlichen Flucht gezwungen sah. Er lebte etwa ein Jahr in seinem Heimatdorf, nämlich so lange bis sein Cousin nach sechs Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen worden sei. Die zeitlichen Angaben des Beschwerdeführers seien immer nur ungefähre Zeitangaben gewesen. Der asylrelevante Vorfall müsse wohl im Jahr 2007 vorgefallen sein, dann lebte der Beschwerdeführer ca. fünf Jahre im Iran und kehrte 2012 aus 2013, für die Dauer eines Jahres nach Afghanistan zurück. Er floh ein weiteres Mal Anfang
  12. Durch den Verrat an seinem Cousin und dessen Inhaftierung sei zwischen dem Beschwerdeführer und seinem Cousin eine Feindschaft entstanden. Aus Angst vor Rache seines Cousins floh der Beschwerdeführer als er von dessen Entlassung erfahren habe. Rache drohe dem Beschwerdeführer auch durch die zweite Person die im Gefolge des Cousins ebenfalls verhaftet worden sei, der Name dieser Person sei nicht bekannt. Auch die Fotos, die den Beschwerdeführer in Polizeiuniform und mit einer Kalaschnikow zeigen würden, würden nicht dafür sprechen, dass er unglaubwürdig sei. Auch, dass der Beschwerdeführer der Polizei als Supermarktleiter kostenlos als Fahrer aushalf, könne als positive Einstellung zur Regierung gewertet werden und dafür sprechen, dass der Beschwerdeführer die Behörden unterstützen habe wollen. Man könne einem "guten Kunden", wie der Polizeistation auch gelegentlich Gefälligkeiten erweisen. Entgegen der Ansicht des BFA sei Kabul keine geeignete innerstaatliche Fluchtalternative. Zur Integration des Beschwerdeführers wurde ausgeführt, dass er sehr um seine Integration bemüht sei und dies auch erfolgreich. Er habe um Zulassung zu seinem Pflichtschulabschluss angesucht und bereits das erste Semester am BFI besucht. Außerdem habe er einen Erste-Hilfe-Kurs beim Roten Kreuz absolviert und die ÖSD-Prüfung auf A1-Niveau mit sehr gut, die auf A2-Niveau ebenfalls bestanden. Mit Hilfe seines selbst erstellten Lebenslaufes bemühe er sich um weitere Tätigkeiten. Das BFA habe die Asylrelevanz der vom Beschwerdeführer geschilderten Blutrache verkannt. Es entspreche der herrschenden Judikatur, dass eine wegen Blutrache geltend gemachte Bedrohungslage einen Zusammenhang mit einem Konventionsgrund erkennen lasse und die Zugehörigkeit zur sozialen Gruppe der "Familie" in Betracht zu ziehen sei. Dass der Staat in Fällen der Blutrache nicht fähig bzw. willens sei einzuschreiten, sei ebenfalls bekannt. Vorliegend wurde bereits der Bruder des Beschwerdeführers getötet, weil er mit dem Beschwerdeführer verwechselt worden sei. Der Cousin des Beschwerdeführers sinne auf Rache wegen des Verrates an die Polizei und seiner Verhaftung. Es könne daher nicht davon ausgegangen werden, dass die Bedrohungssituation beendet sei.
  13. Mit Schreiben vom 24.11.2016 wurde die gegenständliche Beschwerde - ohne von der Möglichkeit eine Beschwerdevorentscheidung zu erlassen - dem Bundesverwaltungsgericht zur Entscheidung vorgelegt.
  14. Das Bundesverwaltungsgericht führte am 17.06.2019 eine mündliche Verhandlung durch. Im Rahmen dieser Verhandlung gab der Beschwerdeführer zusammengefasst - und großteils in deutscher Sprache - an, dass er Kontakt mit seiner Familie habe, die noch im Heimatdorf lebe. Er habe fünf Jahre eine öffentliche Schule besucht. Er habe keinen Beruf erlernt, aber zwischen fünf und acht Jahre lang in einem Supermarkt mit seinem Vater zusammengearbeitet. Er habe dort als Verkäufer und Lieferant gearbeitet. Sie hätten einen Vertrag mit der Polizeistation gehabt, welche sie mit Obst, Reis, Öl und vielen anderen Sachen beliefert hätten. Es sei ihnen eine Liste überreicht worden, der Beschwerdeführer habe die Waren besorgt und sei dann persönlich zur Kommandatur gefahren. Sein Auto sei am Tor untersucht worden und dann sei ihm erlaubt worden hineinzufahren. Drinnen habe er die Waren abgeladen, habe sein Geld bekommen und sei wieder weggefahren. Die Ware sei nicht geöffnet worden, da dem Beschwerdeführer vertraut worden sei. Auf der Polizeistation hätten 20 - 30 Leute gearbeitet. Die Familie besitze den Supermarkt immer noch, auch sein Bruder arbeite dort. Einer seiner Brüder sei 2006 oder 2007 von den Taliban erschossen worden. Der Bruder sei wegen dem Beschwerdeführer erschossen worden, da er mit ihm verwechselt worden sei. Einen Tag danach habe der Beschwerdeführer Afghanistan verlassen. Da die Familie sonst mit keinem eine Feindschaft gehabt hätte, sei davon auszugehen, dass die Taliban den Bruder ermordet haben. Am Tag habe die Polizei den Cousin und einen anderen Taliban festgenommen, in der Nacht sei der Bruder getötet worden. Eigentlich hätte der Beschwerdeführer getötet werden sollen, da er die Forderungen der Taliban nicht erfüllt habe. Es sei von ihm verlangt worden Anästhesiemittel in das gelieferte Öl zu mischen, damit die Taliban freien Zugang zur Kommandatatur gehabt hätten. Der Beschwerdeführer sei mit dem Tode bedroht worden, wenn er der Forderung nicht nachkomme. Der Beschwerdeführer habe die Polizei informiert, zu welchem Zeitpunkt die Taliban zu ihm ins Geschäft kommen würden. Als diese dort ankamen, seien sie von der Polizei verhaftet worden. Er habe den Familienrat mit dem Thema konfrontiert, diesem sei es jedoch nur gelungen, dass seine Familie in Ruhe gelassen und nur mehr der Beschwerdeführer verfolgt werde. Er habe der Polizei den Wohnort des Cousins nicht mitteilen können, da die Taliban in den Bergen leben würden. Auf Vorhalt, dass der Beschwerdeführer vor dem BFA angegeben habe, dass die Taliban das Mittel ins Öl geben wollten, bei der Verhandlung aber angegeben habe, dass er selbst das Betäubungsmittel ins Öl hätte mischen sollen, gab der Beschwerdeführer an, dass nicht genau vereinbart worden sei, wer das tun solle. Vielleicht hätten die Taliban im Geschäft gewartet, bis er das Mittel ins Öl gegeben hätte oder sie hätten es selber gemacht. Die Vereinbarung sei gewesen, dass das passieren hätte müssen, bevor er das Öl ausliefern würde. Er sei unter Druck gestanden und es könne sein, dass er "gewisse Dinge" durcheinander bringe. Bei der Erstbefragung sei auf seine Fluchtgründe nicht genau eingegangen worden. Er habe nicht gewusst, ob es angebracht gewesen sei bereits vor der Polizei über seine Fluchtgründe genauer zu sprechen, da er noch nicht gewusst habe, ob er in Österreich bleiben oder in ein anderes Land gehen würde. Auch habe der Beamte keine konkreten Fragen zu seinem Fluchtvorbringen gestellt. Dem angeblich in der Station arbeitenden Spion der Taliban sei es wohl nicht möglich gewesen, das Mittel selbst in das Öl zu mischen. Die Polizei habe nach dem Vorfall noch mehr Vertrauen in die Familie des Beschwerdeführers. Angesprochen auf die vorgelegten Drohbriefe gab der Beschwerdeführer an, dass diese entweder bei ihrem Haus oder bei der Moschee hinterlassen worden seien. Die Moschee befände sich in der Nähe des Hauses und die Leute wurden darauf aufmerksam gemacht den Beschwerdeführer darüber zu informieren. Er habe diese bekommen, nachdem er geflüchtet sei, ein Freund habe sie ihm nach Österreich gebracht, als Beweismittel. Davor waren sie bei ihm zu Hause, sein Vater habe sie ihm zugeschickt. Wann der Vater diese Briefe erhalten habe, wisse der Beschwerdeführer nicht. 2013 sei er noch einmal vom Iran nach Afghanistan gezogen, sein Cousin sei in Haft gewesen und er habe im Iran keine Möglichkeit mehr gehabt weiter zu leben. Sein Sohn habe dort nicht in die Schule gehen können. Er sei trotz der Verhaftung seines Cousins und des weiteren Taliban geflüchtet, da sich die Gruppierung aus mehreren Personen zusammengesetzt habe. Seit dem Vorfall seien bei seiner Rückkehr nach Afghanistan bereits fünf Jahre vergangen gewesen und er habe gedacht, dass alles in Vergessenheit geraten sei. Als die beiden aber aus der Haft entlassen worden seien, sei der Beschwerdeführer geflüchtet. Er könne nicht in Mazar-e Sharif, Herat oder Kabul leben, da er nicht Probleme mit "irgendwelchen" Taliban gehabt habe, sondern er sei vom Cousin seines Vaters verfolgt worden und da dieser zur Familie gehöre, würde er in Erfahrung bringen, wo der Beschwerdeführer lebe. Die afghanische Regierung habe den Cousin aufgrund einer Amnestie entlassen. Dazu befragt, wieso er nunmehr angab die Drohbriefe durch einen Freund erhalten zu haben, davor aber, dass er diese vor der Mitteilung des Tatplanes durch seinen Großcousin erhalten habe, gab er an, dass es sich nur um ein Missverständnis handeln könne, da ihn sein Großcousin wohl nicht vor der Mitteilung des Planes bedrohen würde. Er habe die Briefe in Österreich erhalten, die Aussage vor dem BFA sei ein "Missverständnis". Er habe für die afghanische Polizei nur als Fahrer gearbeitet, da deren Fahrer von den Taliban getötet worden sei. Er habe die Polizisten öfter zum Bazar oder in die Moschee gefahren. Der Beschwerdeführer wolle in Österreich als Masseur oder Sozialarbeiter arbeiten oder auch in einem Altersheim oder als Kellner. Er habe eine Jobzusage als Mitarbeiter in einer Pizzeria.
  15. In einer Stellungnahme vom 27.06.2019 brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, dass der Beschwerdeführer Afghanistan verlassen habe müssen, da er in das Visier der Taliban geraten sei. Der Beschwerdeführer habe für die Verhaftung zweier Taliban "gesorgt". Der Beschwerdeführer habe die Wahl gehabt zwischen einer Mittäterschaft und dem Tod von ca. 30 Personen, weswegen der auch die Polizei informiert habe. Der Beschwerdeführer sei aufgrund seines Profils als Verräter jedenfalls als "high profile" anzusehen und würde auch in den großen Städten von den Taliban bzw. seinem Cousin gefunden werden. Er falle unter das Risikoprofil "Personen, die tatsächlich oder vermeintlich mit der Regierung ... verbunden sind oder diese tatsächlich oder vermeintlich unterstützen". Der Beschwerdeführer habe ktiv gegen die Taliban gearbeitet und zur Verhaftung zweier Talibanmitglieder beigetragen. Diese würden Rache üben wollen und die Tötung des Bruders habe nicht dazu geführt, dass die Tat des Beschwerdeführers als "gesühnt" angesehen werde, da es sich hier nicht um eine typische Form der Blutrache handele. Eine Rückkehr in seine Heimatprovinz sei nicht möglich. Es bestehe auch keine IFA, da die Taliban den Beschwerdeführer in ganz Afghanistan aufspüren würden. Vorgelegt wurde ein Dienstvertrag der Firma " XXXX " (aufschiebend bedingt mit Erteilung einer Aufenthalts- und Arbeitsberechtigung) und ein AMS Antrag zur Erlangung einer vorübergehenden Saisonbewilligung für " XXXX ".
  16. In einer Stellungnahme vom 27.06.2019 brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, dass der Beschwerdeführer Afghanistan verlassen habe müssen, da er in das Visier der Taliban geraten sei. Der Beschwerdeführer habe für die Verhaftung zweier Taliban "gesorgt". Der Beschwerdeführer habe die Wahl gehabt zwischen einer Mittäterschaft und dem Tod von ca. 30 Personen, weswegen der auch die Polizei informiert habe. Der Beschwerdeführer sei aufgrund seines Profils als Verräter jedenfalls als "high profile" anzusehen und würde auch in den großen Städten von den Taliban bzw. seinem Cousin gefunden werden. Er falle unter das Risikoprofil "Personen, die tatsächlich oder vermeintlich mit der Regierung ... verbunden sind oder diese tatsächlich oder vermeintlich unterstützen". Der Beschwerdeführer habe ktiv gegen die Taliban gearbeitet und zur Verhaftung zweier Talibanmitglieder beigetragen. Diese würden Rache üben wollen und die Tötung des Bruders habe nicht dazu geführt, dass die Tat des Beschwerdeführers als "gesühnt" angesehen werde, da es sich hier nicht um eine typische Form der Blutrache handele. Eine Rückkehr in seine Heimatprovinz sei nicht möglich. Es bestehe auch keine IFA, da die Taliban den Beschwerdeführer in ganz Afghanistan aufspüren würden. Vorgelegt wurde ein Dienstvertrag der Firma " römisch 40 " (aufschiebend bedingt mit Erteilung einer Aufenthalts- und Arbeitsberechtigung) und ein AMS Antrag zur Erlangung einer vorübergehenden Saisonbewilligung für " römisch 40 ".
  17. Am 13.08.2019 wurde eine Anmeldebestätigung als "Arbeiter" ab dem 08.08.2019 durch die Firma " XXXX " vorgelegt.
  18. Am 13.08.2019 wurde eine Anmeldebestätigung als "Arbeiter" ab dem 08.08.2019 durch die Firma " römisch 40 " vorgelegt. II. Das Bundesverwaltungsgericht hat erwogen:römisch zwei. Das Bundesverwaltungsgericht hat erwogen:
  19. Feststellungen: 1.
  20. Zum Verfahrensgang: Der Beschwerdeführer stellte am 06.10.2014 den gegenständlichen Antrag auf internationalen Schutz. Mit dem im Spruch bezeichneten Bescheid wies das BFA den Antrag des Beschwerdeführers auf internationalen Schutz vollinhaltlich ab und es wurde ihm kein Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Gründen gemäß § 57 AsylG 2005 erteilt. Es wurde eine Rückkehrentscheidung gegen den Beschwerdeführer erlasen und es wurde festgestellt, dass die Abschiebung nach Afghanistan zulässig sei. Die Frist für eine freiwillige Ausreise wurde mit zwei Wochen festgesetzt. Gegen diesen Bescheid erhob der Beschwerdeführer fristgerecht Beschwerde, woraufhin vor dem Bundesverwaltungsgericht am 17.06.2019 eine öffentliche mündliche Verhandlung durchgeführt wurde, in welcher der Beschwerdeführer ausführlich zu seinen Fluchtgründen befragt und ihm Gelegenheit gegeben wurde, diese umfassend darzulegen.Der Beschwerdeführer stellte am 06.10.2014 den gegenständlichen Antrag auf internationalen Schutz. Mit dem im Spruch bezeichneten Bescheid wies das BFA den Antrag des Beschwerdeführers auf internationalen Schutz vollinhaltlich ab und es wurde ihm kein Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Gründen gemäß Paragraph 57, AsylG 2005 erteilt. Es wurde eine Rückkehrentscheidung gegen den Beschwerdeführer erlasen und es wurde festgestellt, dass die Abschiebung nach Afghanistan zulässig sei. Die Frist für eine freiwillige Ausreise wurde mit zwei Wochen festgesetzt. Gegen diesen Bescheid erhob der Beschwerdeführer fristgerecht Beschwerde, woraufhin vor dem Bundesverwaltungsgericht am 17.06.2019 eine öffentliche mündliche Verhandlung durchgeführt wurde, in welcher der Beschwerdeführer ausführlich zu seinen Fluchtgründen befragt und ihm Gelegenheit gegeben wurde, diese umfassend darzulegen. 1.
  21. Zum Beschwerdeführer: Der volljährige Beschwerdeführer führt den im Spruch angeführten Namen und ist zum dort angegebenen Datum geboren. Er ist afghanischer Staatsangehöriger und gehört der Volksgruppe der Tadschiken an. Er ist sunnitischer Moslem. Seine Muttersprache ist Dari. Der Beschwerdeführer ist verheiratet und hat drei Kinder. Seine Kernfamilie besteht aus seinen Eltern, seinen Geschwistern und seiner Ehefrau und seinen Kindern, die sich alle im Heimatdorf des Beschwerdeführers in Afghanistan aufhalten. Der Beschwerdeführer steht in Kontakt mit seiner Familie. Der Beschwerdeführer wurde in der Provinz Maidan Wardak, im Distrikt XXXX , im Dorf XXXX geboren und wuchs dort gemeinsam mit seinen Eltern und seinen Geschwistern auf. Der Beschwerdeführer besuchte fünf Jahre lang die Schule. Der Beschwerdeführer erlernte keinen Beruf, arbeitet jedoch jahrelang im Supermarkt seines Vaters in Afghanistan. Der Beschwerdeführer hat sich fünf Jahre lang im Iran aufgehalten.Der Beschwerdeführer wurde in der Provinz Maidan Wardak, im Distrikt römisch 40 , im Dorf römisch 40 geboren und wuchs dort gemeinsam mit seinen Eltern und seinen Geschwistern auf. Der Beschwerdeführer besuchte fünf Jahre lang die Schule. Der Beschwerdeführer erlernte keinen Beruf, arbeitet jedoch jahrelang im Supermarkt seines Vaters in Afghanistan. Der Beschwerdeführer hat sich fünf Jahre lang im Iran aufgehalten. Der Beschwerdeführer ist nach den afghanischen Gepflogenheiten und der afghanischen Kultur sozialisiert. Der Beschwerdeführer ist gesund. Der Beschwerdeführer beherrscht die deutsche Sprache zumindest auf B1 Niveau und hat in Österreich die "Pflichtschul-Abschlussprüfung" bestanden. Der Beschwerdeführer engagiert sich ehrenamtlich und hat Kurse beim Roten Kreuz absolviert. Seit August 2019 ist der Beschwerdeführer erwerbstätig. Er ist er als "Arbeiter" bei der Firma " XXXX " angestellt.Seit August 2019 ist der Beschwerdeführer erwerbstätig. Er ist er als "Arbeiter" bei der Firma " römisch 40 " angestellt. Der Beschwerdeführer verfügt in Österreich über keine engeren familiären Anknüpfungspunkte. Er hat österreichische Freunde und engagiert sich in der Gemeinde. Der Beschwerdeführer ist in Österreich strafgerichtlich unbescholten. 1.
  22. Zu den Fluchtgründen des Beschwerdeführers: 1.3.
  23. Der Beschwerdeführer und seine Familie werden nicht aktuell durch die Taliban verfolgt und bedroht. Auch bei einer Rückkehr ist der Beschwerdeführer nicht einer konkreten Verfolgung oder Bedrohung durch die Taliban ausgesetzt. Der Beschwerdeführer hat Afghanistan weder aus Furcht vor Eingriffen in die körperliche Integrität noch wegen Lebensgefahr verlassen. Der Beschwerdeführer wurde weder von den Taliban entführt noch festgehalten oder wird von diesen aktuell bedroht. Der Beschwerdeführer wurde nicht direkt von den Taliban aufgefordert mit diesen zusammen zu arbeiten oder diese zu unterstützen. Selbst wenn man das Vorbringen des Beschwerdeführers als glaubhaft ansprechen würde, dass einer seiner Cousins ihn zu einer Mitarbeit zwingen habe wollen ist auszuführen, dass, wenn man den berichteten Vorfall zu Grunde legt, nicht davon auszugehen ist, dass die Polizei hier keinen Schutz bieten könnte, zumal der Beschwerdeführer seinen eigenen Angaben nach einen Angriff der Taliban auf die Polizeistation seines Ortes verhindert hat. Zwischen der Familie des Beschwerdeführers und seinem Cousin väterlicherseits besteht keine Blutfehde. Der Vorfall, wonach der Cousin des Beschwerdeführers diesen dazu genötigt haben soll bei einem Überfall auf die Polizeistation in seinem Ort mitzuhelfen hat so nicht stattgefunden und somit ist auch die vom Beschwerdeführer berichtete Tötung seines Bruders nicht mit diesem Vorfall in Verbindung zu bringen. 1.3.
  24. Bei einer Rückkehr nach Afghanistan drohen dem Beschwerdeführer individuell, aktuell und konkret weder Lebensgefahr noch ein Eingriff in seine körperliche Integrität durch Mitglieder der Taliban oder durch andere Personen. 1.
  25. Zu einer möglichen Rückkehr des Beschwerdeführers in den Herkunftsstaat: Der Beschwerdeführer ist im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan (in die Städte Mazar-e Sharif oder Herat) nicht in Gefahr, grundlegende und notwendige Lebensbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung sowie Unterkunft nicht befriedigen zu können und in eine ausweglose bzw. existenzbedrohende Situation zu geraten. Es ist dem Beschwerdeführer möglich, nach anfänglichen Schwierigkeiten nach einer Ansiedlung in der Stadt Herat/Mazar-e Sharif Fuß zu fassen und dort ein Leben ohne unbillige Härten zu führen, wie es auch andere Landsleute führen können. Außergewöhnliche Gründe, die eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Mazar-e Sharif oder Herat ausschließen könnten, können nicht festgestellt werden. Er kann dort seine Existenz - zumindest anfänglich - mit Hilfs- und Gelegenheitsarbeiten sichern. Es kann nicht festgestellt werden, dass er nicht in der Lage ist in Herat oder Mazar-e Sharif eine einfache Unterkunft zu finden. Herat und Mazar-e Sharif sind über die dortigen Flughäfen sicher zu erreichen. Dem Beschwerdeführer könnte bei einer Rückkehr in die Provinz Maidan Wardak aufgrund der dort herrschenden allgemeinen schlechten Sicherheitslage ein Eingriff in seine körperliche Unversehrtheit drohen. 1.
  26. Feststellungen zur Lage im Herkunftsstaat Die Länderfeststellungen zur Lage in Afghanistan basieren auf nachstehenden Quellen: - Länderinformationsblatt der Staatendokumentation Afghanistan in der Fassung der Gesamtaktualisierung vom 13.11.2019 (LIB), - UNHCR Richtlinien zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs afghanischer Asylsuchender vom 30.08.2018 (UNHCR) 1.5.
  27. Allgemeine Sicherheitslage Afghanistan ist ein Zentralstaat mit 34 Provinzen, die in Distrikte gegliedert sind. Auf einer Fläche von ca. 632.000 Quadratkilometern leben ca. 32 Millionen Menschen (LIB, Kapitel 2). Die Sicherheitslage in Afghanistan bleibt insgesamt volatil und weist starke regionale Unterschiede auf. Provinzen und Distrikten mit aktiven Kampfhandlungen stehen andere gegenüber, in denen die Lage trotz punktueller Sicherheitsvorfälle vergleichsweise stabil ist. Die afghanische Regierung behält die Kontrolle über Kabul, größere Bevölkerungszentren, Transitrouten, Provinzhauptstädte und den Großteil der Distriktzentren (LIB, Kapitel 3). Die Hauptlast einer unsicheren Sicherheitslage in der jeweiligen Region trägt die Zivilbevölkerung (UNHCR, Kapitel II. B).Die Sicherheitslage in Afghanistan bleibt insgesamt volatil und weist starke regionale Unterschiede auf. Provinzen und Distrikten mit aktiven Kampfhandlungen stehen andere gegenüber, in denen die Lage trotz punktueller Sicherheitsvorfälle vergleichsweise stabil ist. Die afghanische Regierung behält die Kontrolle über Kabul, größere Bevölkerungszentren, Transitrouten, Provinzhauptstädte und den Großteil der Distriktzentren (LIB, Kapitel 3). Die Hauptlast einer unsicheren Sicherheitslage in der jeweiligen Region trägt die Zivilbevölkerung (UNHCR, Kapitel römisch zwei. B). Für die Sicherheit in Afghanistan sind verschiedene Organisationseinheiten der afghanischen Regierungsbehörden verantwortlich. Die Afghan National Defense and Security Forces (ANDSF) umfassen militärische, polizeiliche und andere Sicherheitskräfte. Das Innenministerium ist primär für die interne Ordnung zuständig, dazu zählt auch die Afghan National Police (ANP) und die Afghan Local Police (ALP). Die Afghan National Army (ANA) ist für die externe Sicherheit verantwortlich, dennoch besteht ihre Hauptaufgabe darin, den Aufstand im Land zu bekämpfen. Die ANP gewährleistet die zivile Ordnung und bekämpft Korruption sowie die Produktion und den Schmuggel von Drogen. Der Fokus der ANP liegt derzeit in der Bekämpfung von Aufständischen gemeinsam mit der ANA. Die ALP wird durch die USA finanziert und schützt die Bevölkerung in Dörfern und ländlichen Gebieten vor Angriffen durch Aufständische (LIB, Kapitel 5). In Afghanistan sind unterschiedliche regierungsfeindliche Gruppierungen aktiv, welche eine Bedrohung für die gesamte regionale Sicherheit und Stabilität in Afghanistan darstellen. Eine Bedrohung für Zivilisten geht insbesondere von Kampfhandlungen zwischen den Konfliktparteien sowie improvisierten Sprengkörpern, Selbstmordanschlägen und Angriffen auf staatliche Einrichtungen und gegen Gläubige und Kultstätten bzw. religiöse Minderheiten aus (LIB, Kapitel 3). 1.5.
  28. Allgemeine Wirtschaftslage Afghanistan ist nach wie vor eines der ärmsten Länder der Welt und stark von internationalen Hilfsgeldern abhängig. Dabei bleibt das Gefälle zwischen urbanen Zentren und ländlichen Gebieten Afghanistans eklatant. Lebensgrundlage für rund 80% der Bevölkerung ist die Landwirtschaft (LIB, Kapitel 21). Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist angespannt und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Persönliche Kontakte, Empfehlungen sowie ein Netzwerk sind wichtig um einen Job zu finden. Arbeitgeber bewerten persönliche Beziehungen und Netzwerke höher als formelle Qualifikationen. Fähigkeiten, die sich Rückkehrer im Ausland angeeignet haben, können eine wichtige Rolle bei der Arbeitsplatzsuche spielen. Der afghanische Arbeitsmarkt ist durch eine starke Dominanz des Agrarsektors, eine Unterrepräsentation von Frauen und relativ wenigen Möglichkeiten für junge Menschen gekennzeichnet. Ebenso korreliert ein Mangel an Bildung mit Armut, wobei ein niedriges Bildungsniveau und Analphabetismus immer noch weit verbreitet sind. In Afghanistan existiert keine finanzielle oder sonstige Unterstützung bei Arbeitslosigkeit (LIB, Kapitel 21). In den Jahren 2016-2017 lebten 54,5% der Bevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Immer mehr Menschen greifen auf negative Bewältigungsmechanismen wie Kleinkriminalität, Kinderehen, Kinderarbeit und Betteln zurück, von denen insbesondere Binnenvertriebene betroffen sind. Der Zugang zu einer produktiven oder entgeltlichen Beschäftigung ist begrenzt, 80% der Beschäftigung gelten als anfällig und unsicher in Form von Selbst- oder Eigenbeschäftigung, Tagarbeit oder unbezahlter Arbeit. Der saisonale Effekt ist erheblich. Die Arbeitslosenquote ist in den Frühlings- und Sommermonaten relativ niedrig (rund 20%), während sie im Winter 32,5% erreichen kann (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, V).In den Jahren 2016-2017 lebten 54,5% der Bevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Immer mehr Menschen greifen auf negative Bewältigungsmechanismen wie Kleinkriminalität, Kinderehen, Kinderarbeit und Betteln zurück, von denen insbesondere Binnenvertriebene betroffen sind. Der Zugang zu einer produktiven oder entgeltlichen Beschäftigung ist begrenzt, 80% der Beschäftigung gelten als anfällig und unsicher in Form von Selbst- oder Eigenbeschäftigung, Tagarbeit oder unbezahlter Arbeit. Der saisonale Effekt ist erheblich. Die Arbeitslosenquote ist in den Frühlings- und Sommermonaten relativ niedrig (rund 20%), während sie im Winter 32,5% erreichen kann (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch fünf). In Afghanistan gibt es neben der Zentralbank auch mehrere kommerzielle Banken. Es ist mittlerweile auch relativ einfach, in Afghanistan ein Bankkonto zu eröffnen. Geld kann auch über das Hawala System (Form des Geldtausches) transferiert werden. Dieses Systemfunktioniert schnell, zuverlässig und günstig. Spezielle Dokumente sind nicht notwendig und der Geldtransfer ist weltweit möglich und wird von verschiedenen Bevölkerungsschichten verwendet (LIB, Kapitel 21). Im Zeitraum von 2016 bis 2017 waren 44,6% der afghanischen Bevölkerung sehr stark bis mäßig von Lebensmittelunsicherheit betroffen. In allen Wohnbevölkerungsgruppen war seit 2011 ein Anstieg festzustellen, wobei der höchste Anstieg in den ländlichen Gebieten zu verzeichnen war (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, V).Im Zeitraum von 2016 bis 2017 waren 44,6% der afghanischen Bevölkerung sehr stark bis mäßig von Lebensmittelunsicherheit betroffen. In allen Wohnbevölkerungsgruppen war seit 2011 ein Anstieg festzustellen, wobei der höchste Anstieg in den ländlichen Gebieten zu verzeichnen war (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch fünf). Afghanistans jährliche Wachstumsrate der städtischen Bevölkerung gehört zu den höchsten der Welt. Kabul war das Zentrum des Wachstums, und der Rest der städtischen Bevölkerung konzentriert sich hauptsächlich auf vier andere Stadtregionen: Herat, Mazar-e Sharif, Kandahar und Jalalabad. Die große Mehrheit (72%, basierend auf ALCS-Zahlen für 2016-2017) der afghanischen Stadtbevölkerung lebt in Slums oder in ungenügenden Wohnungen. 86% der städtischen Häuser in Afghanistan können (gemäß der Definition von UN-Habitat) als Slums eingestuft werden. Der Zugang zu angemessenem Wohnraum stellt für die Mehrheit der Afghanen in den Städten eine große Herausforderung dar (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, V).Afghanistans jährliche Wachstumsrate der städtischen Bevölkerung gehört zu den höchsten der Welt. Kabul war das Zentrum des Wachstums, und der Rest der städtischen Bevölkerung konzentriert sich hauptsächlich auf vier andere Stadtregionen: Herat, Mazar-e Sharif, Kandahar und Jalalabad. Die große Mehrheit (72%, basierend auf ALCS-Zahlen für 2016-2017) der afghanischen Stadtbevölkerung lebt in Slums oder in ungenügenden Wohnungen. 86% der städtischen Häuser in Afghanistan können (gemäß der Definition von UN-Habitat) als Slums eingestuft werden. Der Zugang zu angemessenem Wohnraum stellt für die Mehrheit der Afghanen in den Städten eine große Herausforderung dar (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch fünf). In den Städten besteht grundsätzlich die Möglichkeit, sicheren Wohnraum zu mieten. Darüber hinaus bietet die Städte die Möglichkeit von "Teehäusern", die mit 30 Afghani (das sind ca. € 0,35) bis 100 Afghani (das sind ca. € 1,20) pro Nacht relativ günstig sind. "Teehäuser" werden von Reisenden, Tagesarbeitern, Straßenhändlern, jungen Menschen, alleinstehenden Männern und anderen Personen, die in der Gegend keine ständige Unterkunft haben, als vorübergehende Unterkunft genutzt (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, V). Man muss niemanden kennen, um eingelassen zu werden (EASO Bericht Afghanistan Netzwerke, Kapitel 4.2.).In den Städten besteht grundsätzlich die Möglichkeit, sicheren Wohnraum zu mieten. Darüber hinaus bietet die Städte die Möglichkeit von "Teehäusern", die mit 30 Afghani (das sind ca. € 0,35) bis 100 Afghani (das sind ca. € 1,20) pro Nacht relativ günstig sind. "Teehäuser" werden von Reisenden, Tagesarbeitern, Straßenhändlern, jungen Menschen, alleinstehenden Männern und anderen Personen, die in der Gegend keine ständige Unterkunft haben, als vorübergehende Unterkunft genutzt (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch fünf). Man muss niemanden kennen, um eingelassen zu werden (EASO Bericht Afghanistan Netzwerke, Kapitel 4.2.). Der Zugang zu sauberem Trinkwasser sowie angemessenen sanitären Einrichtungen hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, wie Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, war in den Städten im Allgemeinen besser als auf dem Land. Der Zugang zu Trinkwasser ist für viele Afghanen jedoch nach wie vor ein Problem, und die sanitären Einrichtungen sind weiterhin schlecht (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, V).Der Zugang zu sauberem Trinkwasser sowie angemessenen sanitären Einrichtungen hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, wie Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, war in den Städten im Allgemeinen besser als auf dem Land. Der Zugang zu Trinkwasser ist für viele Afghanen jedoch nach wie vor ein Problem, und die sanitären Einrichtungen sind weiterhin schlecht (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch fünf). 1.5.
  29. Allgemeine Menschenrechtslage Im Bereich der Menschenrechte hat Afghanistan unter schwierigen Umständen Fortschritte gemacht. Inzwischen ist eine selbstbewusste neue Generation von Afghaninnen und Afghanen herangewachsen, die sich politisch, kulturell und sozial engagiert und der Zivilgesellschaft eine stärkere Stimme verleiht. Diese Fortschritte erreichen aber nach wie vor nicht alle Landesteile und sind außerhalb der Städte auch gegen willkürliche Entscheidungen von Amtsträgern und Richtern sowie Einflussnahme örtlicher Machteliten nur schwer durchzusetzen. Die afghanische Regierung ist nicht in der Lage, die durch die afghanische Verfassung und einschlägige völkerrechtliche Verträge garantierten Menschenrechte vollumfänglich umzusetzen und zu gewährleisten (LIB, Kapitel 11). Menschenrechtsverletzungen an der Zivilbevölkerung finden nach wie vor in allen Teilen des Landes und unabhängig davon statt, wer die betroffenen Gebiete tatsächlich kontrolliert (UNHCR, Kapitel II. C. 1).Menschenrechtsverletzungen an der Zivilbevölkerung finden nach wie vor in allen Teilen des Landes und unabhängig davon statt, wer die betroffenen Gebiete tatsächlich kontrolliert (UNHCR, Kapitel römisch zwei. C. 1). Die Fähigkeit der Regierung, Menschenrechte zu schützen, wird durch die Unsicherheit und zahlreiche Angriffe durch regierungsfeindliche Kräfte untergraben. Insbesondere ländliche und instabile Gebiete leiden unter einem allgemein schwachen förmlichen Justizsystem, das unfähig ist, Zivil- und Strafverfahren effektiv und zuverlässig zu entscheiden (UNHCR, Kapitel II. C. 2).Die Fähigkeit der Regierung, Menschenrechte zu schützen, wird durch die Unsicherheit und zahlreiche Angriffe durch regierungsfeindliche Kräfte untergraben. Insbesondere ländliche und instabile Gebiete leiden unter einem allgemein schwachen förmlichen Justizsystem, das unfähig ist, Zivil- und Strafverfahren effektiv und zuverlässig zu entscheiden (UNHCR, Kapitel römisch zwei. C. 2). 1.5.
  30. Bewegungsfreiheit und Meldewesen Das Gesetz garantiert interne Bewegungsfreiheit, Auslandsreisen, Emigration und Rückkehr. Afghanen dürfen sich formell im Land frei bewegen und niederlassen (LIB, Kapitel 19). Afghanistan hat kein zentrales Bevölkerungsregister, keine Datenbanken mit Adress- oder Telefonnummerneinträgen und auch keine Melde- oder Registrierungspflicht. Die Gemeinschafts- bzw. Bezirksältesten führen kein Personenstandsregister, die Regierung registriert jedoch Rückkehrer. Durch die hohe soziale Kontrolle ist gerade im ländlichen Raum keine, aber auch in den Städten kaum Anonymität zu erwarten (LIB, Kapitel 19.1). 1.5.
  31. Regierungsfeindliche Gruppierungen In Afghanistan sind unterschiedliche regierungsfeindliche Gruppierungen aktiv - insbesondere die Grenzregion zu Pakistan bleibt eine Zufluchtsstätte für unterschiedliche Gruppierungen, wie Taliban, Islamischer Staat, al-Qaida, Haqqani-Netzwerk, Lashkar-e Tayyiba, Tehrik-e Taliban Pakistan, sowie Islamic Movement of Uzbekistan (LIB, Kapitel 2). Taliban: Die Mehrheit der Taliban sind immer noch Paschtunen, obwohl es eine wachsende Minderheit an Tadschiken, Usbeken, Belutschen und sogar mehreren hundert Hazara (einschließlich Schiiten) gibt. In einigen nördlichen Gebieten bestehen die Taliban bereits überwiegend aus Nicht-Paschtunen, da sie innerhalb der lokalen Bevölkerung rekrutieren (LIB, Kapitel 2). Die Gesamtstärke der Taliban betrug im Jahr 2017 über 200.000 Personen, darunter ca. 150.000 Kämpfer, davon rund 60.000 Vollzeitkämpfer mobiler Einheiten und der Rest ist Teil der lokalen Milizen. Die Taliban betreiben Trainingslager in Afghanistan (LIB, Kapitel 2). Zwischen 01.12.2018 und 31.05.2019 haben die Talibanaufständischen mehr Angriffe ausgeführt, als in der Vergangenheit üblich, trotzdem war die Gesamtzahl effektiver feindlicher Angriffe stark rückläufig. Diese Angriffe hatten hauptsächlich militärische Außenposten und Kontrollpunkte sowie andere schlecht verteidigte ANDSF-Posten zum Ziel - die Taliban beschränken ihre Angriffe weitgehend auf Regierungsziele und afghanische und internationale Sicherheitskräfte (LIB, Kapitel 2). Die Taliban haben eine Vielzahl von Personen ins Visier genommen, die sich ihrer Meinung nach "fehlverhalten", unter anderem Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte jeden Ranges, oder Regierungsbeamte und Mitarbeiter westlicher und anderer "feindlicher" Regierungen, Kollaborateure oder Auftragnehmer der afghanischen Regierung oder des ausländischen Militärs, oder Dolmetscher, die für feindliche Länder arbeiten. Die Taliban bieten diesen Personen grundsätzlich die Möglichkeit an, Reue und den Willen zur Wiedergutmachung zu zeigen. Die Chance zu bereuen, ist ein wesentlicher Aspekt der Einschüchterungstaktik der Taliban und dahinter steht hauptsächlich der folgende Gedanke: das Funktionieren der Kabuler Regierung ohne übermäßiges Blutvergießen zu unterminieren und Personen durch Kooperationen an die Taliban zu binden. Diese Personen können einer "Verurteilung" durch die Taliban entgehen, indem sie ihre vermeintlich "feindseligen" Tätigkeiten nach einer Verwarnung einstellen. (Landinfo 1, Kapitel 4) Haqani-Netzwerk: Das seit 2012 bestehende Haqqani-Netzwerk ist eine teilautonome Organisation, Bestandteil der afghanischen Taliban und Verbündeter von al-Qaida. Als gefährlichster Arm der Taliban, hat das Haqqani-Netzwerk seit Jahren Angriffe in den städtischen Bereichen ausgeführt und ist für einige der tödlichsten Angriffe in Afghanistan verantwortlich (LIB, Kapitel 2). Islamischer Staat (IS/DaesH) - Islamischer Staat Khorasan Provinz: Die Stärke des ISKP variiert zwischen 1.500 und 3.000, bzw. 2.500 und 4.000 Kämpfern bzw. ist ihre Zahl auf 5.000 gestiegen. Der IS ist seit Sommer 2014 in Afghanistan aktiv. Durch Partnerschaften mit militanten Gruppen konnte der IS seine organisatorischen Kapazitäten sowohl in Afghanistan als auch in Pakistan stärken. Er ist vor allem im Osten des Landes in der Provinz Nangarhar präsent (LIB, Kapitel 2). Neben komplexen Angriffen auf Regierungsziele, verübte der ISKP zahlreiche groß angelegte Anschläge gegen Zivilisten, insbesondere auf die schiitische-Minderheit. Die Zahl der zivilen Opfer durch ISKP-Handlungen hat sich dabei 2018 gegenüber 2017 mehr als verdoppelt, nahm im ersten Halbjahr 2019 allerdings wieder ab. Die Taliban und der IS sind verfeindet. Während die Taliban ihre Angriffe überwiegend auf Regierungszeile bzw. Sicherheitskräfte beschränken, zielt der IS darauf ab konfessionelle Gewalt zu fördern und Schiiten anzugreifen (LIB, Kapitel 2). 1.5.
  32. Rekrutierung durch die Taliban: Menschen schließen sich den Taliban zum einen aus materiellen und wirtschaftlichen Gründen zum anderen aus kulturellen und religiösen Gründen an. Die Rekruten sind durch Armut, fehlende Chancen und die Tatsache, dass die Taliban relativ gute Löhne bieten, motiviert. Es spielt auch die Vorstellung, dass die Behörden und die internationale Gemeinschaft den Islam und die traditionellen Standards nicht respektieren würden, eine zentrale Rolle, wobei sich die Motive überschneiden. Bei Elitetruppen sind beide Parameter stark ausgeprägt. Sympathisanten der Taliban sind Einzelpersonen und Gruppen, vielfach junger Männer, deren Motiv der Wunsch nach Rache, Heldentum gepaart mit religiösen und wirtschaftlichen Gründen sind (Landinfo 2, Kapitel 4.1). Die Billigung der Taliban in der Bevölkerung ist nicht durch religiöse Radikalisierung bedingt, sondern Ausdruck der Unzufriedenheit über Korruption und Misswirtschaft (Landinfo 2, Kapitel 4.1.1). Die Taliban sind aktiver als bisher bemüht Personen mit militärischem Hintergrund sowie mit militärischen Fertigkeiten zu rekrutieren. Die Taliban versuchen daher das Personal der afghanischen Sicherheitskräfte auf ihre Seite zu ziehen. Da ein Schwerpunkt auf militärisches Wissen und Erfahrungen gelegt wird, ist mit einem Anstieg des Durchschnittsalters zu rechnen Landinfo 2, Kapitel 3). Durch das Anwerben von Personen mit militärischem Hintergrund bzw. von Mitgliedern der Sicherheitskräfte erhalten Taliban Waffen, Uniformen und Wissen über die Sicherheitskräfte. Auch Personen die über Knowhow und Qualifikationen verfügen (z.B. Reparatur von Waffen), können von Interesse für die Taliban sein (Landinfo 2, Kapitel 5.1). Die Mehrheit der Taliban sind Paschtunen. Die Rekrutierung aus anderen ethnischen Gruppen ist weniger üblich. Um eine breitere Außenwirkung zu bekommen, möchte die Talibanführung eine stärkere multiethnische Bewegung entwickeln. Die Zahl der mobilisierten Hazara ist unerheblich, nur wenige Kommandanten der Hazara sind mit Taliban verbündet. Es ist für die Taliban wichtig sich auf die Rekruten verlassen zu können (Landinfo 2, Kapitel 3.3). Die Taliban waren mit ihrer Expansion noch nicht genötigt Zwangsmaßnahmen zur Rekrutierung anzuwenden. Zwangsrekrutierung ist noch kein herausragendes Merkmal für den Konflikt. Die Taliban bedienen sich nur sehr vereinzelt der Zwangsrekrutierung, indem sie männliche Dorfbewohner in von ihnen kontrollierten Gebieten, die mit der Sache nicht sympathisieren, zwingen, als Lastenträger zu dienen (Landinfo 2, Kapitel 5.1). Die Taliban betreiben eine Zwangsrekrutierung nicht automatisch. Personen die sich gegen die Rekrutierung wehren, werden keine rechtsverletzenden Sanktionen angedroht. Eine auf Zwang beruhende Mobilisierungspraxis steht auch den im Pashtunwali (Rechts- und Ehrenkodex der Paschtunen) enthaltenen fundamentalen Werten von Familie, Freiheit und Gleichheit entgegen. Es kommt nur in Ausnahmefällen und nur in sehr beschränktem Ausmaß zu unmittelbaren Zwangsrekrutierungen durch die Taliban. Die Taliban haben ausreichend Zugriff zu freiwilligen Rekruten. Zudem ist es schwierig einen Afghanen zu zwingen, gegen seinen Willen gegen jemanden oder etwas zu kämpfen (Landinfo 2, Kapitel 5.1). Im Kontext Afghanistans verläuft die Grenze zwischen Jungen und Mann fließend. Ausschlaggebend für diese Beurteilung sind Faktoren wie Pubertät, Bartwuchs, Mut, Unabhängigkeit, Stärke und die Fähigkeit die erweiterte Familie zu repräsentieren. Der Familienälteste ist das Oberhaupt, absolute Loyalität gegenüber getroffenen Entscheidungen wird vorausgesetzt. Kinder unterstehen der Obrigkeit der erweiterten Familie. Es stünde im Widerspruch mit der afghanischen Kultur, würde man Kinder gegen den Wunsch der Familie und ohne entsprechende Entscheidung des Familienverbandes aus dem Familienverband "herauslösen" (Landinfo 2, Kapitel 6). 1.5.
  33. Provinzen und Städte 1.5.7.
  34. Herkunftsprovinz Maidan Wardak (Maidan) Wardak: Die Provinz Wardak (auch Maidan Wardak) liegt im zentralen Teil Afghanistans. Sie besteht aus Tadschiken, Paschtunen und Hazara. Die Provinz hat 648.866 Einwohner (LIB, Kapitel 3.33). Die Sicherheitslage in der Provinz Maidan Wardak hat sich in den letzten Monaten verschlechtert. Aufständische der Taliban sind in gewissen Distrikten aktiv und führen terroristische Aktivitäten aus. In der Provinz kommt es regelmäßig zu Sicherheitsoperationen. Bei diesen werden manchmal Aufständische getötet oder Gefangene der Taliban befreit. Die Taliban griffen Kontrollpunkte der Sicherheitskräfte an und es kam zu Gefechten mit den Regierungstruppen. Bei manchen sicherheitsrelevanten Vorfällen kamen auch Zivilisten zu Schaden. Im Jahr 2018 gab es 224 zivile Opfer (88 Tote und 136 Verletzte) in der Provinz Wardak. Dies entspricht einer Steigerung von 170% gegenüber
  35. Die Hauptursachen für zivile Opfer waren Bodenkämpfe, gefolgt von Selbstmordanschlägen und Sprengstoffanschlägen (LIB, Kapitel 3.33). In der Provinz (Maidan) Wardak kommt es zu willkürlicher Gewalt, jedoch nicht auf hohem Niveau. Dementsprechend ist ein höheres Maß an Einzelelementen erforderlich, um wesentliche Gründe für die Annahme aufzuzeigen, dass ein in dieses Gebiet zurückgekehrter Zivilist einem realen ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, Schaden im Sinne von Artikel 15(c) der Qualifizierungsrichtlinie zu nehmen (EASO, Kapitel Guidance note: Afghanistan, III.3).In der Provinz (Maidan) Wardak kommt es zu willkürlicher Gewalt, jedoch nicht auf hohem Niveau. Dementsprechend ist ein höheres Maß an Einzelelementen erforderlich, um wesentliche Gründe für die Annahme aufzuzeigen, dass ein in dieses Gebiet zurückgekehrter Zivilist einem realen ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, Schaden im Sinne von Artikel 15(c) der Qualifizierungsrichtlinie zu nehmen (EASO, Kapitel Guidance note: Afghanistan, römisch drei.3). 1.5.7.
  36. Mazar-e Sharif/ Herat Stadt Mazar-e Sharif ist die Provinzhauptstadt von Balkh, einer ethnisch vielfältigen Provinz, welche von Paschtunen, Usbeken, Hazara, Tadschiken, Turkmenen, Aimaq, Belutschen, Arabern und sunnitischen Hazara (Kawshi) bewohnt wird. Sie hat 469.247 Einwohner und steht unter Kontrolle der afghanischen Regierung (LIB, Kapitel 3.5). Das Niveau an willkürlicher Gewalt ist in der Stadt Mazar-e Sharif so gering, dass für Zivilisten an sich nicht die Gefahr besteht, von erheblichen Eingriffen in die psychische oder physische Unversehrtheit betroffen zu sein (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, III).Das Niveau an willkürlicher Gewalt ist in der Stadt Mazar-e Sharif so gering, dass für Zivilisten an sich nicht die Gefahr besteht, von erheblichen Eingriffen in die psychische oder physische Unversehrtheit betroffen zu sein (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch drei). Mazar-e Sharif ist über die Autobahn sowie über einen Flughafen (mit nationalen und internationalen Anbindungen) legal zu erreichen (LIB, Kapitel 21). Der Flughafen von Mazar-e Sharif (MRZ) liegt 9 km östlich der Stadt im Bezirk Marmul. Die Befahrung der Straßen von diesem Flughafen bis zur Stadt Mazar-e Sharif ist zur Tageszeit im Allgemeinen sicher (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, V).Mazar-e Sharif ist über die Autobahn sowie über einen Flughafen (mit nationalen und internationalen Anbindungen) legal zu erreichen (LIB, Kapitel 21). Der Flughafen von Mazar-e Sharif (MRZ) liegt 9 km östlich der Stadt im Bezirk Marmul. Die Befahrung der Straßen von diesem Flughafen bis zur Stadt Mazar-e Sharif ist zur Tageszeit im Allgemeinen sicher (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch fünf). Mazar-e Sharif ist ein Import-/Exportdrehkreuz, ein regionales Handelszentrum sowie ein Industriezentrum mit großen Fertigungsbetrieben und einer Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen (LIB, Kapitel 21). Mazar-e Sharif gilt im Vergleich zu Herat oder Kabul als wirtschaftlich relativ stabiler. Die größte Gruppe von Arbeitern in der Stadt Mazar-e Sharif sind im Dienstleistungsbereich und als Verkäufer tätig (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, V).Mazar-e Sharif ist ein Import-/Exportdrehkreuz, ein regionales Handelszentrum sowie ein Industriezentrum mit großen Fertigungsbetrieben und einer Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen (LIB, Kapitel 21). Mazar-e Sharif gilt im Vergleich zu Herat oder Kabul als wirtschaftlich relativ stabiler. Die größte Gruppe von Arbeitern in der Stadt Mazar-e Sharif sind im Dienstleistungsbereich und als Verkäufer tätig (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch fünf). Die Unterkunftssituation stellt sich in Mazar-e Sharif, wie in den anderen Städten Afghanistans auch, für Rückkehrer und Binnenflüchtlinge als schwierig dar. Viele Menschen der städtischen Population lebt in Slums oder nichtadäquaten Unterkünften. In Mazar-e Sharif besteht grundsätzlich die Möglichkeit, sicheren Wohnraum, wie beispielsweise in Teehäusern, zu mieten. (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, V).Die Unterkunftssituation stellt sich in Mazar-e Sharif, wie in den anderen Städten Afghanistans auch, für Rückkehrer und Binnenflüchtlinge als schwierig dar. Viele Menschen der städtischen Population lebt in Slums oder nichtadäquaten Unterkünften. In Mazar-e Sharif besteht grundsätzlich die Möglichkeit, sicheren Wohnraum, wie beispielsweise in Teehäusern, zu mieten. (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch fünf). Die meisten Menschen in Mazar-e Sharif haben Zugang zu erschlossener Wasserversorgung (76%), welche in der Regel in Rohrleitungen oder aus Brunnen erfolgt. 92% der Haushalte haben Zugang zu besseren Sanitäreinrichtungen (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, V).Die meisten Menschen in Mazar-e Sharif haben Zugang zu erschlossener Wasserversorgung (76%), welche in der Regel in Rohrleitungen oder aus Brunnen erfolgt. 92% der Haushalte haben Zugang zu besseren Sanitäreinrichtungen (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch fünf). Während Mazar-e Sharif im Zeitraum Juni 2019 bis September 2019 noch als IPC Stufe 1 "minimal" (IPC - Integrated Phase Classification) klassifiziert wurde, ist Mazar-e Sharif im Zeitraum Oktober 2019 bis Januar 2020 in Phase 2 "stressed" eingestuft. In Phase 1 sind die Haushalte in der Lage, den Bedarf an lebensnotwenigen Nahrungsmitteln und Nicht-Nahrungsmitteln zu decken, ohne atypische und unhaltbare Strategien für den Zugang zu Nahrung und Einkommen zu verfolgen. In Phase 2 weisen Haushalte nur einen gerade noch angemessenen Lebensmittelverbrauch auf und sind nicht in der Lage, sich wesentliche, nicht nahrungsbezogene Güter zu leisten, ohne dabei irreversible Bewältigungsstrategien anzuwenden (ECOI, Kapitel 3.1). In der Stadt Mazar-e Sharif gibt es 10 - 15 - teils öffentliche, teils private - Krankenhäuser. In Mazar-e Sharif existieren mehr private als öffentliche Krankenhäuser. Private Krankenhäuser sind sehr teuer, jede Nacht ist kostenpflichtig. Zusätzlich existieren etwa 30-50 medizinische Gesundheitskliniken die zu 80% öffentlich finanziert sind (LIB, Kapitel 22). Herat-Stadt ist die Provinzhauptstadt der Provinz Herat. Umfangreiche Migrationsströme haben die ethnische Zusammensetzung der Stadt verändert, der Anteil an schiitischen Hazara ist seit 2001 durch Iran-Rückkehrer und Binnenvertriebene besonders gestiegen. Sie hat 556.205 Einwohner (LIB, Kapitel 3.13). Herat ist durch die Ring-Road sowie durch einen Flughafen mit nationalen und internationalen Anbindungen sicher und legal erreichbar (LIB, Kapitel 3.13). Der Flughafen Herat (HEA) liegt 13 km südlich der Stadt im Distrikt Gozara. Die Straße, welche die Stadt mit dem Flughafen verbindet wird laufend von Sicherheitskräften kontrolliert. Unabhängig davon gab es in den letzten Jahren Berichte von Aktivitäten von kriminellen Netzwerken, welche oft auch mit Aufständischen in Verbindung stehen (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, V).Herat ist durch die Ring-Road sowie durch einen Flughafen mit nationalen und internationalen Anbindungen sicher und legal erreichbar (LIB, Kapitel 3.13). Der Flughafen Herat (HEA) liegt 13 km südlich der Stadt im Distrikt Gozara. Die Straße, welche die Stadt mit dem Flughafen verbindet wird laufend von Sicherheitskräften kontrolliert. Unabhängig davon gab es in den letzten Jahren Berichte von Aktivitäten von kriminellen Netzwerken, welche oft auch mit Aufständischen in Verbindung stehen (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch fünf). Herat gehört zu den relativ ruhigen Provinzen im Westen Afghanistans, jedoch sind Taliban-Kämpfer in einigen abgelegenen Distrikten aktiv und versuchen oft terroristische Aktivitäten auszuüben. Je mehr man sich von Herat-Stadt (die als "sehr sicher" gilt) und den angrenzenden Distrikten Richtung Norden, Westen und Süden entfernt, desto größer wird der Einfluss der Taliban. Das Niveau an willkürlicher Gewalt ist in der Stadt Herat so gering, dass für Zivilisten an sich nicht die Gefahr besteht von erheblichen Eingriffen in die psychische oder physische Unversehrtheit betroffen zu sein (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, III).Herat gehört zu den relativ ruhigen Provinzen im Westen Afghanistans, jedoch sind Taliban-Kämpfer in einigen abgelegenen Distrikten aktiv und versuchen oft terroristische Aktivitäten auszuüben. Je mehr man sich von Herat-Stadt (die als "sehr sicher" gilt) und den angrenzenden Distrikten Richtung Norden, Westen und Süden entfernt, desto größer wird der Einfluss der Taliban. Das Niveau an willkürlicher Gewalt ist in der Stadt Herat so gering, dass für Zivilisten an sich nicht die Gefahr besteht von erheblichen Eingriffen in die psychische oder physische Unversehrtheit betroffen zu sein (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch drei). Im Vergleich mit anderen Teilen des Landes weist Herat wirtschaftlich und sicherheitstechnisch relativ gute Bedingungen auf. Es gibt Arbeitsmöglichkeiten im Handel, darunter den Import und Export von Waren mit dem benachbarten Iran, wie auch im Bergbau und Produktion. Die Industrie der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) ist insbesondere im Handwerksbereich und in der Seiden- und Teppichproduktion gut entwickelt und beschäftigt Tagelöhner sowie kleine Unternehmer (LIB, Kapitel 21). Die Unterkunftssituation stellt sich in Herat, wie in den anderen Städten Afghanistans auch, für Rückkehrer und Binnenflüchtlinge als schwierig dar. Viele Menschen der städtischen Population lebt in Slums oder nichtadäquaten Unterkünften. In Herat besteht grundsätzlich die Möglichkeit, sicheren Wohnraum, wie beispielsweise in Teehäusern, zu mieten (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, V).Die Unterkunftssituation stellt sich in Herat, wie in den anderen Städten Afghanistans auch, für Rückkehrer und Binnenflüchtlinge als schwierig dar. Viele Menschen der städtischen Population lebt in Slums oder nichtadäquaten Unterkünften. In Herat besteht grundsätzlich die Möglichkeit, sicheren Wohnraum, wie beispielsweise in Teehäusern, zu mieten (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch fünf). Die meisten Menschen in Herat haben Zugang zu Elektrizität (80 %), zu erschlossener Wasserversorgung (70%) und zu Abwasseranlagen (30%). 92,1 % der Haushalte haben Zugang zu besseren Sanitäreinrichtungen und 81,22 % zu besseren Wasserversorgungsanlagen (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, V).Die meisten Menschen in Herat haben Zugang zu Elektrizität (80 %), zu erschlossener Wasserversorgung (70%) und zu Abwasseranlagen (30%). 92,1 % der Haushalte haben Zugang zu besseren Sanitäreinrichtungen und 81,22 % zu besseren Wasserversorgungsanlagen (EASO, Kapitel Common analysis: Afghanistan, römisch fünf). Herat ist im Zeitraum Oktober 2019 bis Januar 2020 als IPC Stufe 2 klassifiziert (IPC - Integrated Phase Classification). In Phase 2, auch "stressed" genannt, weisen Haushalte nur einen gerade noch angemessenen Lebensmittelverbrauch auf und sind nicht in der Lage, sich wesentlich, nicht nahrungsbezogenen Güter zu leisten, ohne dabei irreversible Bewältigungsstrategien anzuwenden (ECOI, Kapitel 3.1.). 1.5.
  37. Situation für Rückkehrer/innen In den ersten vier Monaten des Jahres 2019 kehrten insgesamt 63.449 Menschen nach Afghanistan zurück. Im Jahr 2018 kamen 775.000 aus dem Iran und 46.000 aus Pakistan zurück (LIB, Kapitel 23). Soziale, ethnische und familiäre Netzwerke sind für einen Rückkehrer unentbehrlich. Der Großteil der nach Afghanistan zurückkehrenden Personen verfügt über ein familiäres Netzwerk, auf das in der Regel zurückgegriffen wird. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage, den ohnehin großen Familienverbänden und individuellen Faktoren ist diese Unterstützung jedoch meistens nur temporär und nicht immer gesichert. Neben der Familie als zentrale Stütze der afghanischen Gesellschaft, kommen noch weitere wichtige Netzwerke zum Tragen, wie z.B. der Stamm, der Clan und die lokale Gemeinschaft. Diese basieren auf Zugehörigkeit zu einer Ethnie, Religion oder anderen beruflichen Netzwerken sowie politische Netzwerke usw. Ein Netzwerk ist für das Überleben in Afghanistan wichtig. Ein Mangel an Netzwerken stellt eine der größten Herausforderungen für Rückkehrer dar. Die Rolle sozialer Netzwerke - der Familie, der Freunde und der Bekannten - ist für junge Rückkehrer besonders ausschlaggebend, um sich an das Leben in Afghanistan anzupassen. Sollten diese Netzwerke im Einzelfall schwach ausgeprägt sein, kann die Unterstützung verschiedener Organisationen und Institutionen in Afghanistan in Anspruch genommen werden (LIB, Kapitel 23). Rückkehrer aus dem Iran und aus Pakistan, die oft über Jahrzehnte in den Nachbarländern gelebt haben und zum Teil dort geboren wurden, sind in der Regel als solche erkennbar. Offensichtlich sind sprachliche Barrieren, von denen vor allem Rückkehrer aus dem Iran betroffen sind, weil sie Farsi (die iranische Landessprache) oder Dari (die afghanische Landessprache) mit iranischem Akzent sprechen. Es gibt jedoch nicht viele Fälle von Diskriminierung afghanischer Rückkehrer aus dem Iran und Pakistan aufgrund ihres Status als Rückkehrer. Fast ein Viertel der afghanischen Bevölkerung besteht aus Rückkehrern. Diskriminierung beruht in Afghanistan großteils auf ethnischen und religiösen Faktoren sowie auf dem Konflikt (LIB, Kapitel 23). Rückkehrer aus Europa oder dem westlichen Ausland werden von der afghanischen Gesellschaft häufig misstrauisch wahrgenommen. Es sind jedoch keine Fälle bekannt, in denen Rückkehrer nachweislich aufgrund ihres Aufenthalts in Europa Opfer von Gewalttaten wurden. Wenn ein Rückkehrer mit im Ausland erlangten Fähigkeiten und Kenntnissen zurückkommt, stehen ihm mehr Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung als den übrigen Afghanen, was bei der hohen Arbeitslosigkeit zu Spannungen innerhalb der Gemeinschaft führen kann (LIB, Kapitel 23). Der Mangel an Arbeitsplätzen stellt für den Großteil der Rückkehrer die größte Schwierigkeit dar. Der Zugang zum Arbeitsmarkt hängt maßgeblich von lokalen Netzwerken ab. Die afghanische Regierung kooperiert mit UNHCR, IOM und anderen humanitären Organisationen, um IDPs, Flüchtlingen, rückkehrenden Flüchtlingen und anderen betroffenen Personen Schutz und Unterstützung zu bieten. Für Afghanen, die im Iran geboren oder aufgewachsen sind und keine Familie in Afghanistan haben, ist die Situation problematisch (LIB, Kapitel 23). Viele Rückkehrer leben in informellen Siedlungen, selbstgebauten Unterkünften oder gemieteten Wohnungen. Die meisten Rückkehrer im Osten des Landes leben in überbelegten Unterkünften und sind von fehlenden Möglichkeiten zum Bestreiten des Lebensunterhaltes betroffen (LIB, Kapitel 23). Personen, die freiwillig oder zwangsweise nach Afghanistan zurückgekehrt sind, können verschiedene Unterstützungsformen in Anspruch nehmen. Rückkehrer erhalten Unterstützung von der afghanischen Regierung, den Ländern, aus denen sie zurückkehren, und internationalen Organisationen (z.B. IOM) sowie lokalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Für Rückkehrer leisten UNHCR und IOM in der ersten Zeit Unterstützung. Bei der Anschlussunterstützung ist die Transition von humanitärer Hilfe hin zu Entwicklungszusammenarbeit nicht immer lückenlos. Es gibt keine dezidiert staatlichen Unterbringungen für Rückkehrer. Der Großteil der (freiwilligen bzw. zwangsweisen) Rückkehrer aus Europa kehrt direkt zu ihren Familien oder in ihre Gemeinschaften zurück. Es befinden sich viele Rückkehrer in Gebieten, die für Hilfsorganisationen aufgrund der Sicherheitslage nicht erreichbar sind (LIB, Kapitel 23). Die "Reception Assistance" umfasst sofortige Unterstützung oder Hilfe bei der Ankunft am Flughafen: IOM trifft die freiwilligen Rückkehrer vor der Einwanderungslinie bzw. im internationalen Bereich des Flughafens, begleitet sie zum Einwanderungsschalter und unterstützt bei den Formalitäten, der Gepäckabholung, der Zollabfertigung, usw. Darüber hinaus arrangiert IOM den Weitertransport zum Endziel der Rückkehrer innerhalb des Herkunftslandes und bietet auch grundlegende medizinische Unterstützung am Flughafen an. 1.279 Rückkehrer erhielten Unterstützung bei der Weiterreise in ihre Heimatprovinz. Für die Provinzen, die über einen Flughafen und Flugverbindungen verfügen, werden Flüge zur Verfügung gestellt. Der Rückkehrer erhält ein Flugticket und Unterstützung bezüglich des Flughafen-Transfers. Der Transport nach Herat findet in der Regel auf dem Luftweg statt (LIB, Kapitel 23). Familien in Afghanistan halten in der Regel Kontakt zu ihrem nach Europa ausgewanderten Familienmitglied und wissen genau Bescheid, wo sich dieses aufhält und wie es ihm in Europa ergeht. Dieser Faktor wird in Asylinterviews meist heruntergespielt und viele Migranten, vor allem Minderjährige, sind instruiert zu behaupten, sie hätten keine lebenden Verwandten mehr oder jeglichen Kontakt zu diesen verloren (LIB, Kapitel 23). 1.5.
  38. Blutfehde Gemäß althergebrachter Verhaltens- und Ehrvorstellungen töten bei einer Blutfehde die Mitglieder einer Familie als Vergeltungsakte die Mitglieder einer anderen Familie. In Afghanistan sind Blutfehden in erster Linie eine Tradition der Paschtunen und im paschtunischen Gewohnheitsrechtssystem Paschtunwali verwurzelt, kommen jedoch Berichten zufolge auch unter anderen ethnischen Gruppen vor. Blutfehden können durch Morde ausgelöst werden, aber auch durch andere Taten wie die Zufügung dauerhafter, ernsthafter Verletzungen, Entführung oder Vergewaltigung verheirateter Frauen oder ungelöster Streitigkeiten um Land, Zugang zu Wasser oder Eigentum. Blutfehden können zu langanhaltenden Kreisläufen aus Gewalt und Vergeltung führen. Nach dem Paschtunwali muss die Rache sich grundsätzlich gegen den Täter selbst richten, unter bestimmten Umständen kann aber auch der Bruder des Täters oder ein anderer Verwandter, der aus der väterlichen Linie stammt, zum Ziel der Rache werden. Im Allgemeinen werden Berichten zufolge Racheakte nicht an Frauen und Kindern verübt, doch soll der Brauch baad, eine stammesübliche Form der Streitbeilegung, in der die Familie des Täters der Familie, der Unrecht geschah, ein Mädchen zur Heirat anbietet, vor allem im ländlichen Raum praktiziert werden, um eine Blutfehde beizulegen. Wenn die Familie, der Unrecht geschah, nicht in der Lage ist, sich zu rächen, dann kann, wie aus Berichten hervorgeht, die Blutfehde erliegen, bis die Familie des Opfers sich für fähig hält, Racheakte auszuüben. Daher kann sich die Rache Jahre oder sogar Generationen nach dem eigentlichen Vergehen ereignen. Die Bestrafung des Täters im Rahmen des formalen Rechtssystems schließt gewaltsame Racheakte durch die Familie des Opfers nicht notwendigerweise aus. Sofern die Blutfehde nicht durch eine Einigung mit Hilfe traditioneller Streitbeilegungsmechanismen beendet wurde, kann Berichten zufolge davon ausgegangen werden, dass die Familie des Opfers auch dann noch Rache gegen den Täter verüben wird, wenn dieser seine offizielle Strafe bereits verbüßt hat. (UNHCR, Kapitel III. A. 14)Gemäß althergebrachter Verhaltens- und Ehrvorstellungen töten bei einer Blutfehde die Mitglieder einer Familie als Vergeltungsakte die Mitglieder einer anderen Familie. In Afghanistan sind Blutfehden in erster Linie eine Tradition der Paschtunen und im paschtunischen Gewohnheitsrechtssystem Paschtunwali verwurzelt, kommen jedoch Berichten zufolge auch unter anderen ethnischen Gruppen vor. Blutfehden können durch Morde ausgelöst werden, aber auch durch andere Taten wie die Zufügung dauerhafter, ernsthafter Verletzungen, Entführung oder Vergewaltigung verheirateter Frauen oder ungelöster Streitigkeiten um Land, Zugang zu Wasser oder Eigentum. Blutfehden können zu langanhaltenden Kreisläufen aus Gewalt und Vergeltung führen. Nach dem Paschtunwali muss die Rache sich grundsätzlich gegen den Täter selbst richten, unter bestimmten Umständen kann aber auch der Bruder des Täters oder ein anderer Verwandter, der aus der väterlichen Linie stammt, zum Ziel der Rache werden. Im Allgemeinen werden Berichten zufolge Racheakte nicht an Frauen und Kindern verübt, doch soll der Brauch baad, eine stammesübliche Form der Streitbeilegung, in der die Familie des Täters der Familie, der Unrecht geschah, ein Mädchen zur Heirat anbietet, vor allem im ländlichen Raum praktiziert werden, um eine Blutfehde beizulegen. Wenn die Familie, der Unrecht geschah, nicht in der Lage ist, sich zu rächen, dann kann, wie aus Berichten hervorgeht, die Blutfehde erliegen, bis die Familie des Opfers sich für fähig hält, Racheakte auszuüben. Daher kann sich die Rache Jahre oder sogar Generationen nach dem eigentlichen Vergehen ereignen. Die Bestrafung des Täters im Rahmen des formalen Rechtssystems schließt gewaltsame Racheakte durch die Familie des Opfers nicht notwendigerweise aus. Sofern die Blutfehde nicht durch eine Einigung mit Hilfe traditioneller Streitbeilegungsmechanismen beendet wurde, kann Berichten zufolge davon ausgegangen werden, dass die Familie des Opfers auch dann noch Rache gegen den Täter verüben wird, wenn dieser seine offizielle Strafe bereits verbüßt hat. (UNHCR, Kapitel römisch drei. A. 14)
  39. Beweiswürdigung: Zur Feststellung des für die Entscheidung maßgeblichen Sachverhaltes wurde im Rahmen des Ermittlungsverfahrens Beweis erhoben durch die Einsichtnahme in den Akt der belangten Behörde unter zentraler Berücksichtigung der niederschriftlichen Angaben des Beschwerdeführers in der Erstbefragung und vor der belangten Behörde, im bekämpften Bescheid und in der Beschwerde, in die vorgelegten Unterlagen und Urkunden, in die Stellungnahmen, durch die Durchführung einer mündlichen Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht sowie dem diesem Erkenntnis zugrunde gelegten Auszug aus dem aktuellen Länderinformationsblatt der Staatendokumentation des BFA zu Afghanistan und den UNHCR-Richtlinien zur Feststellung des Internationalen Schutzbedarfes afghanischer Asylsuchender. Der Beweiswürdigung liegen folgende maßgebende Erwägungen zu Grunde: 2.
  40. Zum Verfahrensgang: Der oben angeführte Verfahrensgang ergibt sich aus dem unbedenklichen und unzweifelhaften Akteninhalt des vorgelegten Verwaltungsaktes des BFA und des Gerichtsaktes des Bundesverwaltungsgerichtes. 2.
  41. Zum Beschwerdeführer und seinen Fluchtgründen: Die Feststellungen zur Identität des Beschwerdeführers ergeben sich aus seinen dahingehend übereinstimmenden Angaben vor den Organen des öffentlichen Sicherheitsdienstes, vor dem BFA, in der Beschwerde und vor dem Bundesverwaltungsgericht. Die getroffenen Feststellungen zum Namen und zum Geburtsdatum des Beschwerdeführers gelten ausschließlich zur Identifizierung der Person des Beschwerdeführers im Asylverfahren. Die Feststellungen zur Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers, zu seiner Volksgruppen- und Religionszugehörigkeit, seiner Muttersprache, seinem Lebenslauf, seinem Aufwachsen sowie seine familiäre Situation in Afghanistan, seiner Schulbildung und seiner Berufserfahrung gründen sich auf seinen diesbezüglich schlüssigen und stringenten Angaben. Das Bundesverwaltungsgericht hat keine Veranlassung, an diesen im gesamten Verfahren gleich gebliebenen Aussagen des Beschwerdeführers zu zweifeln. Die Feststellung zur Sozialisierung des Beschwerdeführers nach den afghanischen Gepflogenheiten, ergibt sich daraus, dass er in Afghanistan mit seiner afghanischen Familie aufgewachsen ist, er ist dort zur Schule gegangen und hat dort als Mitarbeiter im Supermarkt seines Vaters gearbeitet. Dass der Beschwerdeführer zwischenzeitlich fünf Jahre im Iran gelebt hat ergibt sich ebenfalls aus seinen diesbezüglichen Aussagen im Verfahren. Die Feststellungen zu seinen Deutschkenntnissen ergeben sich aus den vorgelegten Zeugnissen sowie aus der persönlichen Wahrnehmung des erkennenden Richters in der mündlichen Beschwerdeverhandlung, in welcher der Beschwerdeführer den größten Teil der an ihn gestellten Fragen auf Deutsch beantwortete. Die restlichen Feststellungen zu seiner Integration stützen sich auf die diesbezüglichen glaubhaften Angaben sowie die vorgelegten Unterlagen. Dies betrifft auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer einer Tätigkeit bei der Firma " XXXX " nachgeht.Die Feststellungen zu seinen Deutschkenntnissen ergeben sich aus den vorgelegten Zeugnissen sowie aus der persönlichen Wahrnehmung des erkennenden Richters in der mündlichen Beschwerdeverhandlung, in welcher der Beschwerdeführer den größten Teil der an ihn gestellten Fragen auf Deutsch beantwortete. Die restlichen Feststellungen zu seiner Integration stützen sich auf die diesbezüglichen glaubhaften Angaben sowie die vorgelegten Unterlagen. Dies betrifft auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer einer Tätigkeit bei der Firma " römisch 40 " nachgeht. Die Feststellung zur strafgerichtlichen Unbescholtenheit des Beschwerdeführers ergeben sich aus der Einsichtnahme in den aktuellen Strafregisterauszug. 2.
  42. Zu den Feststellungen zum Fluchtvorbringen des Beschwerdeführers: Eine individuell konkrete und aktuelle Verfolgung des Beschwerdeführers in Afghanistan konnte in Gesamtwürdigung seiner Angaben in der mündlichen Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht und vor dem BFA nicht festgestellt werden. Es obliegt grundsätzlich dem Beschwerdeführer, die in seiner Sphäre gelegenen Umstände seiner Flucht einigermaßen nachvollziehbar und genau zu schildern. Der Beschwerdeführer begründet seine Flucht aus Afghanistan damit, dass er aufgrund der Tatsache, dass sein Cousin ihn zu einer Zusammenarbeit mit den Taliban aufgefordert habe, indem er ihn in einen Anschlag auf die Polizeistation in seinem Heimatdorf verwickeln habe wollen und es nachfolgend zu einer Verhaftung des Cousins und eines weiteren Taliban gekommen sei, einer Verfolgung ausgesetzt ist. Allerdings vermochte der Beschwerdeführer den zur Entscheidung berufenen Richter in Hinblick auf sein widersprüchliches und unplausibles Vorbringen nicht vom Vorliegen einer tatsächlichen Verfolgung bzw. Bedrohung zu überzeugen: Festzuhalten ist, dass der Beschwerdeführer divergierende Angaben zu den angeblich passierten Vorfällen macht. Einerseits behauptete er, dass die Taliban die Polizeistation des Ortes überfallen hätten wollen, indem sie Betäubungsmittel in Öl geben hätten wollen, dass der Beschwerdeführer nachfolgend im Rahmen seiner Tätigkeit für den Supermarkt seines Vaters an die Station liefern hätte sollen. In der Verhandlung gab er dann wiederum an, dass die Taliban von ihm selbst verlangt hätten, dass er das Betäubungsmittel in das Öl mischen hätte sollen. Auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer vor dem BFA angab, dass er bereits vor dem Vorfall mit seinem Cousin von den Taliban Drohbriefe erhalten habe, in der Verhandlung jedoch angab, dass ihm diese erst nach Österreich geschickt worden seien trägt nicht zur Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers bei. Auch dem Versuch einer Rechtfertigung, dass es sich dabei um Übersetzungsfehler handeln soll, ist nicht zu folgen, zumal der Beschwerdeführer auch die Protokolle der Befragung durch das BFA sowie das Verhandlungsprotokoll eigenhändig unterschrieben und somit die Richtigkeit dieser bestätigt hat. Festzuhalten ist auch, dass der maßgebliche Vorfall sich bereits im Jahre 2006/2007 ereignet haben soll und der Beschwerdeführer nachfolgend in der Iran geflüchtet sei, wo er sich fünf Jahre lang aufgehalten habe. Er sei nur zurück nach Afghanistan gekehrt, da die afghanischen Flüchtlinge im Iran in den Syrienkrieg geschickt werden hätten sollen. Er habe sich dann noch ein Jahr in seinem Heimatdorf aufgehalten, bevor der Cousin aus der Haft entlassen worden sei. Auch hier erscheint es zumindest befremdlich, dass eine Person, die angeblich einen Anschlag auf eine Polizeistation geplant habe, einfach nach 5 - 6 Jahren aus der Haft entlassen werden sollte. Es ist auch nicht nachvollziehbar, wieso sich die Familie des Beschwerdeführers noch unbeschadet im Heimatdorf aufhalten kann. Die Aussage, dass der Beschwerdeführer das Ziel der Taliban sei und nicht seine Familie erscheint in diesem Zusammenhang nicht stringent, zumal sich der Beschwerdeführer darauf beruft, dass es sich um eine Familienfehde handele und somit wohl die ganze Familie einer Bedrohung ausgesetzt wäre. Auch nicht glaubhaft bzw. nachvollziehbar ist, wieso ausgerechnet die Polizei dem Beschwerdeführer keinen Schutz bieten solle, zumal er doch angibt, einen Anschlag auf die Polizeistation verhindert zu haben und auch von der Polizei dafür gelobt worden sei. Die Angabe, dass der Bruder des Beschwerdeführers aufgrund einer Verwechslung mit demselben ermordet worden sei, ist eine Behauptung, die keinem Beweis zugänglich ist.Festzuhalten ist, dass der Beschwerdeführer divergierende Angaben zu den angeblich passierten Vorfällen macht. Einerseits behauptete er, dass die Taliban die Polizeistation des Ortes überfallen hätten wollen, indem sie Betäubungsmittel in Öl geben hätten wollen, dass der Beschwerdeführer nachfolgend im Rahmen seiner Tätigkeit für den Supermarkt seines Vaters an die Station liefern hätte sollen. In der Verhandlung gab er dann wiederum an, dass die Taliban von ihm selbst verlangt hätten, dass er das Betäubungsmittel in das Öl mischen hätte sollen. Auch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer vor dem BFA angab, dass er bereits vor dem Vorfall mit seinem Cousin von den Taliban Drohbriefe erhalten habe, in der Verhandlung jedoch angab, dass ihm diese erst nach Österreich geschickt worden seien trägt nicht zur Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers bei. Auch dem Versuch einer Rechtfertigung, dass es sich dabei um Übersetzungsfehler handeln soll, ist nicht zu folgen, zumal der Beschwerdeführer auch die Protokolle der Befragung durch das BFA sowie das Verhandlungsprotokoll eigenhändig unterschrieben und somit die Richtigkeit dieser bestätigt hat. Festzuhalten ist auch, dass der maßgebliche Vorfall sich bereits im Jahre 2006 aus 2007, ereignet haben soll und der Beschwerdeführer nachfolgend in der Iran geflüchtet sei, wo er sich fünf Jahre lang aufgehalten habe. Er sei nur zurück nach Afghanistan gekehrt, da die afghanischen Flüchtlinge im Iran in den Syrienkrieg geschickt werden hätten sollen. Er habe sich dann noch ein Jahr in seinem Heimatdorf aufgehalten, bevor der Cousin aus der Haft entlassen worden sei. Auch hier erscheint es zumindest befremdlich, dass eine Person, die angeblich einen Anschlag auf eine Polizeistation geplant habe, einfach nach 5 - 6 Jahren aus der Haft entlassen werden sollte. Es ist auch nicht nachvollziehbar, wieso sich die Familie des Beschwerdeführers noch unbeschadet im Heimatdorf aufhalten kann. Die Aussage, dass der Beschwerdeführer das Ziel der Taliban sei und nicht seine Familie erscheint in diesem Zusammenhang nicht stringent, zumal sich der Beschwerdeführer darauf beruft, dass es sich um eine Familienfehde handele und somit wohl die ganze Familie einer Bedrohung ausgesetzt wäre. Auch nicht glaubhaft bzw. nachvollziehbar ist, wieso ausgerechnet die Polizei dem Beschwerdeführer keinen Schutz bieten solle, zumal er doch angibt, einen Anschlag auf die Polizeistation verhindert zu haben und auch von der Polizei dafür gelobt worden sei. Die Angabe, dass der Bruder des Beschwerdeführers aufgrund einer Verwechslung mit demselben ermordet worden sei, ist eine Behauptung, die keinem Beweis zugänglich ist. In der Gesamtschau ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine konkrete und vor allem aktuelle sowie maßgebliche Verfolgungsgefahr die gezielt gegen seine Person gerichtet ist, welche ihre Ursache in einem der in der Genfer Flüchtlingskonvention genannten Gründen hat, glaubhaft zu machen. Vor dem Hintergrund der Feststellungen zur Lage in Afghanistan sowie der Unglaubwürdigkeit des Vorbringens kann daher nicht erkannt werden, dass dem Beschwerdeführer im Herkunftsstaat Afghanistan eine asylrelevante Verfolgung droht. 2.
  43. Zu einer möglichen Rückkehr des Beschwerdeführers in den Herkunftsstaat: Dass eine Rückkehr nach Afghanistan möglich ist, ergibt sich aus den dem Erkenntnis zu Grunde gelegten Länderfeststellungen, den Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner Schulausbildung bzw. Berufserfahrung und seiner Familie sowie seines Aufenthaltes in Afghanistan. Die Feststellungen zu den Folgen einer Rückkehr des Beschwerdeführers in seine Herkunftsprovinz Maidan Wardak ergeben sich aus den oben angeführten Länderberichten. Dass nicht festgestellt werden konnte, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan (in die Städte Herat oder Mazar-e Sharif) Gefahr liefe, grundlegende und notwendige Lebensbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung sowie Unterkunft nicht befriedigen zu können und in eine ausweglose bzw. existenzbedrohende Situation zu geraten, ergibt sich aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführer über eine Schulbildung sowie eine langjährige Berufserfahrung als Mitarbeiter im Supermarkt seines Vaters, sowie auch als Tischler im Iran, verfügt. Der erwerbsfähige Beschwerdeführer kann auch nach Rückkehr nach Afghanistan eine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Es gibt keine Anhaltspunkte, wieso er in Herat oder Mazar-e Sharif nicht in der Lage sein sollte, seine Existenz, wenn auch anfangs durch Gelegenheits- oder Hilfsarbeiten, zu sichern und eine einfache Unterkunft zu finden. Es ist auch notorisch, dass der Beschwerdeführer bei einer freiwilligen Rückkehr nach negativem Verfahrensausgang Rückkehrhilfe in Anspruch nehmen kann. Die Feststellung zur Anpassungsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ergibt sich daraus, dass er in Österreich einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgeht, er sich in Österreich an sich zurechtfindet und er angab einer Arbeit nachgehen zu können. Es sind im Verfahren keine Umstände hervorgekommen, die gegen eine grundsätzliche Anpassungsfähigkeit oder gegen eine Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sprechen, im Gegenteil geht er auch bereits in Österreich einer Arbeitstätigkeit nach. Die Feststellungen zu den Folgen einer Ansiedlung des Beschwerdeführers in den Städten Herat bzw. Mazar-e Sharif, ergeben sich - unter Berücksichtigung der von UNHCR und EASO aufgestellten Kriterien für das Bestehen einer internen Schutzalternative für Afghanistan - aus den oben angeführten Länderberichten und aus den Angaben des Beschwerdeführers. Die Feststellung zur Prognose, dass sich der Beschwerdeführer in den Städten Herat bzw. Mazar-e Sharif eine Existenz aufbauen kann, ergibt sich aus folgenden Erwägungen: Aus den Länderinformationen ergibt sich, dass die Städte Herat bzw. auch Mazar-e Sharif als relativ sicher gelten und unter der Kontrolle der Regierung stehen. Diese sind auch sicher erreichbar. Die Versorgung der Bevölkerung ist in diesen Städten grundlegend gesichert. Das Bundesverwaltungsgericht geht daher auf Grund dieser Umstände davon aus, dass sich der Beschwerdeführer nach anfänglichen Schwierigkeiten, in Herat bzw. Mazar-e Sharif niederlassen und sich dort eine Existenz ohne unbillige Härte aufbauen kann. 2.
  44. Zu den Feststellungen zur Situation im Herkunftsstaat: Die Feststellungen zur im vorliegenden Zusammenhang maßgeblichen Situation im Herkunftsstaat stützen sich auf die zitierten Quellen. Da dieser aktuelle Länderbericht auf einer Vielzahl verschiedener, voneinander unabhängigen Quellen von regierungsoffiziellen und nicht-regierungsoffiziellen Stellen beruht und dennoch ein in den Kernaussagen übereinstimmendes Gesamtbild ohne wesentliche Wiedersprüche bietet, besteht im vorliegenden Fall für das erkennende Gericht kein Anlass, an der Richtigkeit der getroffenen Länderfeststellungen zu zweifeln. Insoweit in den Feststellungen zur Lage im Herkunftsstaat Berichte älteren Datums zu Grunde liegen, ist auszuführen, dass sich seither die darin angeführten Umstände unter Berücksichtigung der dem Bundesverwaltungsgericht von Amts wegen vorliegenden Berichte aktuellen Datums für die Beurteilung der wesentlichen Situation nicht wesentlich geändert haben.
  45. Rechtliche Beurteilung: Zu A) 3.
  46. Zu Spruchpunkt I. des angefochtenen Bescheides - Nichtzuerkennung des Status des Asylberechtigten3.
  47. Zu Spruchpunkt römisch eins. des angefochtenen Bescheides - Nichtzuerkennung des Status des Asylberechtigten 3.1.
  48. § 3 Asylgesetz 2005 (AsylG) lautet auszugsweise:3.1.
  49. Paragraph 3, Asylgesetz 2005 (AsylG) lautet auszugsweise: "Status des Asylberechtigten § 3.

(1)Einem Fremden, der in Österreich einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, ist, soweit dieser Antrag nicht bereits gemäß §§ 4, 4a oder 5 zurückzuweisen ist, der Status des Asylberechtigten zuzuerkennen, wenn glaubhaft ist, dass ihm im Herkunftsstaat Verfolgung im Sinne des Art. 1 Abschnitt A Z 2 Genfer Flüchtlingskonvention droht.Paragraph 3,
(1)Einem Fremden, der in Österreich einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, ist, soweit dieser Antrag nicht bereits gemäß Paragraphen 4, 4 a, oder 5 zurückzuweisen ist, der Status des Asylberechtigten zuzuerkennen, wenn glaubhaft ist, dass ihm im Herkunftsstaat Verfolgung im Sinne des Artikel eins, Abschnitt A Ziffer 2, Genfer Flüchtlingskonvention droht.
(2)Die Verfolgung kann auch auf Ereignissen beruhen, die eingetreten sind, nachdem der Fremde seinen Herkunftsstaat verlassen hat (objektive Nachfluchtgründe) oder auf Aktivitäten des Fremden beruhen, die dieser seit Verlassen des Herkunftsstaates gesetzt hat, die insbesondere Ausdruck und Fortsetzung einer bereits im Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung sind (subjektive Nachfluchtgründe). Einem Fremden, der einen Folgeantrag (§ 2 Abs. 1 Z 23) stellt, wird in der Regel nicht der Status des Asylberechtigten zuerkannt, wenn die Verfolgungsgefahr auf Umständen beruht, die der Fremde nach Verlassen seines Herkunftsstaates selbst geschaffen hat, es sei denn, es handelt sich um in Österreich erlaubte Aktivitäten, die nachweislich Ausdruck und Fortsetzung einer bereits im Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung sind.
(2)Die Verfolgung kann auch auf Ereignissen beruhen, die eingetreten sind, nachdem der Fremde seinen Herkunftsstaat verlassen hat (objektive Nachfluchtgründe) oder auf Aktivitäten des Fremden beruhen, die dieser seit Verlassen des Herkunftsstaates gesetzt hat, die insbesondere Ausdruck und Fortsetzung einer bereits im Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung sind (subjektive Nachfluchtgründe). Einem Fremden, der einen Folgeantrag (Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer 23,) stellt, wird in der Regel nicht der Status des Asylberechtigten zuerkannt, wenn die Verfolgungsgefahr auf Umständen beruht, die der Fremde nach Verlassen seines Herkunftsstaates selbst geschaffen hat, es sei denn, es handelt sich um in Österreich erlaubte Aktivitäten, die nachweislich Ausdruck und Fortsetzung einer bereits im Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung sind.
(3)Der Antrag auf internationalen Schutz ist bezüglich der Zuerkennung des Status des Asylberechtigten abzuweisen, wenn
  1. dem Fremden eine innerstaatliche Fluchtalternative (§ 11) offen steht oder
  2. dem Fremden eine innerstaatliche Fluchtalternative (Paragraph 11,) offen steht oder
  3. der Fremde einen Asylausschlussgrund (§ 6) gesetzt hat.
  4. der Fremde einen Asylausschlussgrund (Paragraph 6,) gesetzt hat. ..." 3.1.
  5. Flüchtling im Sinne des Art. 1 Abschnitt A Z 2 Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) ist, wer sich aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen der Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder der politischen Überzeugung, außerhalb seines Heimatlandes befindet und nicht in der Lage oder im Hinblick auf diese Furcht nicht gewillt ist, sich des Schutzes dieses Landes zu bedienen; oder der staatenlos ist, sich außerhalb des Landes seines gewöhnlichen Aufenthaltes befindet und nicht in der Lage oder im Hinblick auf diese Furcht nicht gewillt ist, in dieses Land zurückzukehren.3.1.
  6. Flüchtling im Sinne des Artikel eins, Abschnitt A Ziffer 2, Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) ist, wer sich aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen der Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder der politischen Überzeugung, außerhalb seines Heimatlandes befindet und nicht in der Lage oder im Hinblick auf diese Furcht nicht gewillt ist, sich des Schutzes dieses Landes zu bedienen; oder der staatenlos ist, sich außerhalb des Landes seines gewöhnlichen Aufenthaltes befindet und nicht in der Lage oder im Hinblick auf diese Furcht nicht gewillt ist, in dieses Land zurückzukehren. Gemäß § 3 Abs. 1 AsylG liegt es am Beschwerdeführer, entsprechend glaubhaft zu machen, dass ihm im Herkunftsstaat eine Verfolgung im Sinne des Art. 1 Abschnitt A Z 2 GFK droht.Gemäß Paragraph 3, Absatz eins, AsylG liegt es am Beschwerdeführer, entsprechend glaubhaft zu machen, dass ihm im Herkunftsstaat eine Verfolgung im Sinne des Artikel eins, Abschnitt A Ziffer 2, GFK droht. Zentraler Aspekt dieses Flüchtlingsbegriffs ist die wohlbegründete Furcht vor Verfolgung. Eine wohlbegründete Furcht vor Verfolgung liegt dann vor, wenn sie im Lichte der speziellen Situation des Asylwerbers unter Berücksichtigung der Verhältnisse im Verfolgerstaat objektiv nachvollziehbar ist. Es kommt nicht darauf an, ob sich eine bestimmte Person in einer konkreten Situation tatsächlich fürchtet, sondern ob sich eine mit Vernunft begabte Person in dieser Situation aus Konventionsgründen fürchten würde (vgl. VwGH 09.03.1999, 98/01/0370). Verlangt wird eine "Verfolgungsgefahr", wobei unter Verfolgung ein Eingriff von erheblicher Intensität in die vom Staat zu schützende Sphäre des Einzelnen zu verstehen ist, welcher geeignet ist, die Unzumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes des Heimatstaates bzw. der Rückkehr in das Land des vorigen Aufenthaltes zu begründen. Die Verfolgungsgefahr muss ihre Ursache in den in der GFK genannten Gründen haben und muss ihrerseits Ursache dafür sein, dass sich die betreffende Person außerhalb ihres Heimatlandes bzw. des Landes ihres vorigen Aufenthaltes befindet. Die Verfolgungsgefahr muss dem Heimatstaat bzw. dem Staat des letzten gewöhnlichen Aufenthaltes zurechenbar sein. Zurechenbarkeit bedeutet nicht nur ein Verursachen, sondern bezeichnet eine Verantwortlichkeit in Bezug auf die bestehende Verfolgungsgefahr (vgl. VwGH 10.06.1998, 96/20/0287). Nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes (vgl. VwGH 28.03.1995, 95/19/0041; 26.02.2002, 99/20/0509, mwN; 17.09.2003, 2001/20/0177) ist eine Verfolgungshandlung nicht nur dann relevant, wenn sie unmittelbar von staatlichen Organen (aus Gründen der GFK) gesetzt worden ist, sondern auch dann, wenn der Staat nicht gewillt oder nicht in der Lage ist, Handlungen mit Verfolgungscharakter zu unterbinden, die nicht von staatlichen Stellen ausgehen, sofern diese Handlungen - würden sie von staatlichen Organen gesetzt - asylrelevant wären. Eine von dritter Seite ausgehende Verfolgung kann nur dann zur Asylgewährung führen, wenn sie von staatlichen Stellen infolge nicht ausreichenden Funktionierens der Staatsgewalt nicht abgewandt werden kann (vgl. VwGH vom 22.03.2000, 99/01/0256, mwN).Zentraler Aspekt dieses Flüchtlingsbegriffs ist die wohlbegründete Furcht vor Verfolgung. Eine wohlbegründete Furcht vor Verfolgung liegt dann vor, wenn sie im Lichte der speziellen Situation des Asylwerbers unter Berücksichtigung der Verhältnisse im Verfolgerstaat objektiv nachvollziehbar ist. Es kommt nicht darauf an, ob sich eine bestimmte Person in einer konkreten Situation tatsächlich fürchtet, sondern ob sich eine mit Vernunft begabte Person in dieser Situation aus Konventionsgründen fürchten würde vergleiche VwGH 09.03.1999, 98/01/0370). Verlangt wird eine "Verfolgungsgefahr", wobei unter Verfolgung ein Eingriff von erheblicher Intensität in die vom Staat zu schützende Sphäre des Einzelnen zu verstehen ist, welcher geeignet ist, die Unzumutbarkeit der Inanspruchnahme des Schutzes des Heimatstaates bzw. der Rückkehr in das Land des vorigen Aufenthaltes zu begründen. Die Verfolgungsgefahr muss ihre Ursache in den in der GFK genannten Gründen haben und muss ihrerseits Ursache dafür sein, dass sich die betreffende Person außerhalb ihres Heimatlandes bzw. des Landes ihres vorigen Aufenthaltes befindet. Die Verfolgungsgefahr muss dem Heimatstaat bzw. dem Staat des letzten gewöhnlichen Aufenthaltes zurechenbar sein. Zurechenbarkeit bedeutet nicht nur ein Verursachen, sondern bezeichnet eine Verantwortlichkeit in Bezug auf die bestehende Verfolgungsgefahr vergleiche VwGH 10.06.1998, 96/20/0287). Nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vergleiche VwGH 28.03.1995, 95/19/0041; 26.02.2002, 99/20/0509, mwN; 17.09.2003, 2001/20/0177) ist eine Verfolgungshandlung nicht nur dann relevant, wenn sie unmittelbar von staatlichen Organen (aus Gründen der GFK) gesetzt worden ist, sondern auch dann, wenn der Staat nicht gewillt oder nicht in der Lage ist, Handlungen mit Verfolgungscharakter zu unterbinden, die nicht von staatlichen Stellen ausgehen, sofern diese Handlungen - würden sie von staatlichen Organen gesetzt - asylrelevant wären. Eine von dritter Seite ausgehende Verfolgung kann nur dann zur Asylgewährung führen, wenn sie von staatlichen Stellen infolge nicht ausreichenden Funktionierens der Staatsgewalt nicht abgewandt werden kann vergleiche VwGH vom 22.03.2000, 99/01/0256, mwN). Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes kann die Gefahr der Verfolgung im Sinne des § 3 Abs. 1 AsylG 2005 in Verbindung mit Art. 1 Abschnitt A Z 2 der Genfer Flüchtlingskonvention nicht ausschließlich aus individuell gegenüber dem Einzelnen gesetzten Verfolgungshandlungen abgeleitet werden. Sie kann auch darin begründet sein, dass regelmäßig Maßnahmen zielgerichtet gegen Dritte gesetzt werden, und zwar wegen einer Eigenschaft, die der Betreffende mit diesen Personen teilt, sodass die begründete Annahme besteht, (auch) er könnte unabhängig von individuellen Momenten solchen Maßnahmen ausgesetzt sein. Droht den Angehörigen bestimmter Personengruppen eine über die allgemeinen Gefahren eines Bürgerkriegs hinausgehende "Gruppenverfolgung", hat bei einer solchen, gegen eine ganze Personengruppe gerichteten Verfolgung jedes einzelne Mitglied schon wegen seiner Zugehörigkeit zu dieser Gruppe Grund, auch individuell gegen seine Person gerichtete Verfolgung zu befürchten; diesfalls genügt für die geforderte Individualisierung einer Verfolgungsgefahr die Glaubhaftmachung der Zugehörigkeit zu dieser Gruppe (vgl. zuletzt VwGH vom 08.09.2016, Ra 2016/20/0036, mwN).Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes kann die Gefahr der Verfolgung im Sinne des Paragraph 3, Absatz eins, AsylG 2005 in Verbindung mit Artikel eins, Abschnitt A Ziffer 2, der Genfer Flüchtlingskonvention nicht ausschließlich aus individuell gegenüber dem Einzelnen gesetzten Verfolgungshandlungen abgeleitet werden. Sie kann auch darin begründet sein, dass regelmäßig Maßnahmen zielgerichtet gegen Dritte gesetzt werden, und zwar wegen einer Eigenschaft, die der Betreffende mit diesen Personen teilt, sodass die begründete Annahme besteht, (auch) er könnte unabhängig von individuellen Momenten solchen Maßnahmen ausgesetzt sein. Droht den Angehörigen bestimmter Personengruppen eine über die allgemeinen Gefahren eines Bürgerkriegs hinausgehende "Gruppenverfolgung", hat bei einer solchen, gegen eine ganze Personengruppe gerichteten Verfolgung jedes einzelne Mitglied schon wegen seiner Zugehörigkeit zu dieser Gruppe Grund, auch individuell gegen seine Person gerichtete Verfolgung zu befürchten; diesfalls genügt für die geforderte Individualisierung einer Verfolgungsgefahr die Glaubhaftmachung der Zugehörigkeit zu dieser Gruppe vergleiche zuletzt VwGH vom 08.09.2016, Ra 2016/20/0036, mwN). Nach der Rechtsprechung des VwGH ist der Begriff der "Glaubhaftmachung" im AVG oder in den Verwaltungsvorschriften iSd ZPO zu verstehen. Es genügt daher diesfalls, wenn der [Beschwerdeführer] die Behörde von der (überwiegenden) Wahrscheinlichkeit des Vorliegens der zu bescheinigenden Tatsachen überzeugt. Diesen trifft die Obliegenheit zu einer erhöhten Mitwirkung, dh er hat zu diesem Zweck initiativ alles vorzubringen, was für seine Behauptung spricht (Hengstschläger/Leeb, AVG § 45 Rz 3 mit Judikaturhinweisen). Die "Glaubhaftmachung" wohlbegründeter Furcht setzt positiv getroffene Feststellungen seitens der Behörde und somit die Glaubwürdigkeit der "hierzu geeigneten Beweismittel", insbesondere des diesen Feststellungen zugrundeliegenden Vorbringens des Asylwerbers voraus (vgl. VwGH 19.03.1997, 95/01/0466). Die Frage, ob eine Tatsache als glaubhaft gemacht zu betrachten ist, unterliegt der freien Beweiswürdigung der Behörde (VwGH 27.05.1998, 97/13/0051).Nach der Rechtsprechung des VwGH ist der Begriff der "Glaubhaftmachung" im AVG oder in den Verwaltungsvorschriften iSd ZPO zu verstehen. Es genügt daher diesfalls, wenn der [Beschwerdeführer] die Behörde von der (überwiegenden) Wahrscheinlichkeit des Vorliegens der zu bescheinigenden Tatsachen überzeugt. Diesen trifft die Obliegenheit zu einer erhöhten Mitwirkung, dh er hat zu diesem Zweck initiativ alles vorzubringen, was für seine Behauptung spricht (Hengstschläger/Leeb, AVG Paragraph 45, Rz 3 mit Judikaturhinweisen). Die "Glaubhaftmachung" wohlbegründeter Furcht setzt positiv getroffene Feststellungen seitens der Behörde und somit die Glaubwürdigkeit der "hierzu geeigneten Beweismittel", insbesondere des diesen Feststellungen zugrundeliegenden Vorbringens des Asylwerbers voraus vergleiche VwGH 19.03.1997, 95/01/0466). Die Frage, ob eine Tatsache als glaubhaft gemacht zu betrachten ist, unterliegt der freien Beweiswürdigung der Behörde (VwGH 27.05.1998, 97/13/0051). Nur eine aktuelle Verfolgungsgefahr kann relevant sein, diese muss im Entscheidungszeitpunkt vorliegen. Auf diesen Zeitpunkt hat die der Asylentscheidung immanente Prognose abzustellen, ob der Asylwerber mit maßgeblicher Wahrscheinlichkeit eine Verfolgung aus den in Art. 1 Abschnitt A Z 2 GFK genannten Gründen zu befürchten habe (VwGH 19.10.2000, 98/20/0233).Nur eine aktuelle Verfolgungsgefahr kann relevant sein, diese muss im Entscheidungszeitpunkt vorliegen. Auf diesen Zeitpunkt hat die der Asylentscheidung immanente Prognose abzustellen, ob der Asylwerber mit maßgeblicher Wahrscheinlichkeit eine Verfolgung aus den in Artikel eins, Abschnitt A Ziffer 2, GFK genannten Gründen zu befürchten habe (VwGH 19.10.2000, 98/20/0233). 3.1.
  7. Wie bereits im Rahmen der Beweiswürdigung dargestellt wurde, kommt dem Vorbringen des Beschwerdeführers zu den behaupteten Fluchtgründen keine Glaubwürdigkeit zu. Dem Beschwerdeführer ist es deshalb insgesamt nicht gelungen, eine konkret und gezielt gegen seine Person gerichtete aktuelle Verfolgung maßgeblicher Intensität, welche ihre Ursache in einem der in der GFK genannten Gründe hätte, glaubhaft zu machen. 3.1.
  8. Die Beschwerde war daher gemäß § 28 Abs. 2 VwGVG iVm § 3 Abs. 1 AsylG 2005 abzuweisen.3.1.
  9. Die Beschwerde war daher gemäß Paragraph 28, Absatz 2, VwGVG in Verbindung mit Paragraph 3, Absatz eins, AsylG 2005 abzuweisen. 3.
  10. Zu Spruchpunkt II. des angefochtenen Bescheides - Nichtzuerkennung des Status des subsidiär Schutzberechtigten3.
  11. Zu Spruchpunkt römisch zwei. des angefochtenen Bescheides - Nichtzuerkennung des Status des subsidiär Schutzberechtigten 3.2.
  12. § 8 AsylG lautet auszugsweise:3.2.
  13. Paragraph 8, AsylG lautet auszugsweise: "Status des subsidiär Schutzberechtigten § 8.
(1)Der Status des subsidiär Schutzberechtigten ist einem Fremden zuzuerkennen,Paragraph 8,
(1)Der Status des subsidiär Schutzberechtigten ist einem Fremden zuzuerkennen,
  1. der in Österreich einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, wenn dieser in Bezug auf die Zuerkennung des Status des Asylberechtigten abgewiesen wird oder
  2. dem

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