RIS Dokument GerichtBundesverwaltungsgericht Entscheidungsdatum18.05.2021 GeschäftszahlW142 2220125-1 Spruch, W142 2220120-1/16E W142 2220123-1/16E W142 2220122-1/13E W142 2220125-1/13E W142 2220121-1/13E IM NAMEN DER REPUBLIK! Das Bundesverwaltungsgericht hat durch die Richterin Mag. Dr. Irene HOLZSCHUSTER als Einzelrichterin über die Beschwerde von XXXX alle StA. Afghanistan, gegen die Bescheide des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vom
- 03.05.2019, Zl. 1219495801-190149324,
- 03.05.2019, Zl. 1219496101-190149464,
- 03.05.2019, Zl. 1219495507-190149626,
- 03.05.2019, Zl. 1219495605-190149588,
- 03.05.2019, Zl. 1219495703-190149545, nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung zu Recht erkannt:Das Bundesverwaltungsgericht hat durch die Richterin Mag. Dr. Irene HOLZSCHUSTER als Einzelrichterin über die Beschwerde von römisch 40 alle StA. Afghanistan, gegen die Bescheide des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl vom
- 03.05.2019, Zl. 1219495801-190149324,
- 03.05.2019, Zl. 1219496101-190149464,
- 03.05.2019, Zl. 1219495507-190149626,
- 03.05.2019, Zl. 1219495605-190149588,
- 03.05.2019, Zl. 1219495703-190149545, nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung zu Recht erkannt: A) Die Beschwerden werden hinsichtlich Spruchpunkt I. der angefochtenen Bescheide gemäß § 3 Abs. 1 AsylG 2005 als unbegründet abgewiesen. A) Die Beschwerden werden hinsichtlich Spruchpunkt römisch eins. der angefochtenen Bescheide gemäß Paragraph 3, Absatz eins, AsylG 2005 als unbegründet abgewiesen. B) I. Den Beschwerden gegen die jeweiligen Spruchpunkte II. der angefochtenen Bescheide wird stattgegeben und XXXX gemäß § 8 Abs. 1 Z 1 AsylG 2005 der Status der subsidiär Schutzberechtigten in Bezug auf den Herkunftsstaat Afghanistan zuerkannt.B) römisch eins. Den Beschwerden gegen die jeweiligen Spruchpunkte römisch zwei. der angefochtenen Bescheide wird stattgegeben und römisch 40 gemäß Paragraph 8, Absatz eins, Ziffer eins, AsylG 2005 der Status der subsidiär Schutzberechtigten in Bezug auf den Herkunftsstaat Afghanistan zuerkannt. II. Gemäß § 8 Abs. 4 AsylG 2005 werden XXXX , befristete Aufenthaltsberechtigungen als subsidiär Schutzberechtigte für die Dauer von einem Jahr erteilt.römisch zwei. Gemäß Paragraph 8, Absatz 4, AsylG 2005 werden römisch 40 , befristete Aufenthaltsberechtigungen als subsidiär Schutzberechtigte für die Dauer von einem Jahr erteilt. III. In Erledigung der Beschwerden werden die übrigen Spruchpunkte III. bis VI. der angefochtenen Bescheide gemäß § 28 Abs. 1 und 2 VwGVG ersatzlos behoben.römisch drei. In Erledigung der Beschwerden werden die übrigen Spruchpunkte römisch drei. bis römisch sechs. der angefochtenen Bescheide gemäß Paragraph 28, Absatz eins und 2 VwGVG ersatzlos behoben. B) Die Revision ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG jeweils nicht zulässig.B) Die Revision ist gemäß Artikel 133, Absatz 4, B-VG jeweils nicht zulässig. , TextEntscheidungsgründe:, Entscheidungsgründe: I. Verfahrensgang:römisch eins. Verfahrensgang:
- Der Erstbeschwerdeführer (im Folgenden: BF1) und die Zweitbeschwerdeführerin (im Folgenden: BF2) sind traditionell verheiratet; sie sind Eltern des minderjährigen Drittbeschwerdeführers (im Folgenden: BF3), der minderjährigen Viertbeschwerdeführerin (im Folgenden: BF4) und des minderjährigen Fünftbeschwerdeführers (im Folgenden: BF5). Die BF reisten illegal ins Österreichische Bundesgebiet ein und stellten am 11.02.2019 die gegenständlichen Anträge auf internationalen Schutz.
- Im Verlauf der Erstbefragung durch Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes am 12.02.2019 gab der BF1 im Beisein eines Dolmetschers für die Sprache Farsi zusammengefasst an, in der Provinz Daikondi geboren zu sein. Seine Muttersprache sei Farsi, er bekenne sich zum muslimischen Glauben und gehöre der Volksgruppe der Hazara an. Er habe keine Schul- und Berufsausbildung und sei zuletzt Landwirt gewesen. Er sei Analphabet. Sein Vater sei bereits verstorben, seine Mutter und seine Schwester würden in Afghanistan leben. Er habe auch einen Bruder der in England lebe und einen Bruder, der in Deutschland lebe. Er habe seinen Wohnort in der Provinz Daikondi vor ca. neun Jahren in den Iran verlassen. Im Iran habe er etwa sechs Jahre lang gelebt, bevor er dann – gemeinsam mit seiner Familie – in Richtung Europa gereist sei. Zu seinem Fluchtgrund gab er an, dass es in Afghanistan zwischen ihm und dem Exmann seiner Frau zu einer Schlägerei gekommen sei. Der Bruder des Exmannes habe ihn erschießen wollen und habe dabei den eigenen Bruder getroffen. Bei einer Rückkehr fürchte er den Tod.
- Die BF2 gab im Zuge der Erstbefragung an, in Daikondi geboren zu sein. Ihre Muttersprache sei Farsi, sie bekenne sich zum muslimischen Glauben und gehöre der Volksgruppe der Hazara an. Sie habe keine Schulausbildung, keine Berufsausbildung und sei zuletzt Hausfrau gewesen. Sie sei Analphabetin. Ihr Vater sei bereits verstorben. Ansonsten habe sie noch ihre Mutter, eine Schwester, welche im Iran lebe sowie zwei Brüder. Eine Schwester lebe in Deutschland. Zu ihrem Fluchtgrund gab die BF2 an, sie sei mit 14 Jahren von ihrer Stiefmutter – ohne Wissen des Vaters – an einen 45jährigen Mann verkauft worden. Sie habe für etwa 12 Personen den Haushalt führen müssen. Als der Vater vom Iran zurückgekehrt sei, habe er die Stiefmutter gefragt, wo die BF2 sei. Ihr Ehemann habe sie immer geschlagen und sei es anschließend zu einer Rauferei zwischen ihrem Ehemann und dem BF1 gekommen. Es sei zu einer Schießerei gekommen, wobei ihr damaliger Schwager und ihr damaliger Ehemann schwer verletzt worden seien. Für die minderjährigen BF3-BF5 würden die gleichen Fluchtgründe gelten.
- Am 09.04.2019 wurden der BF1 und die BF2 vor dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (im Folgenden: BFA) im Beisein eines Dolmetschers für die Sprache Farsi niederschriftlich einvernommen. Der BF1 legte seine Tazkira in Kopie vor. Zu seinen persönlichen Verhältnissen gab er ergänzend an, dass er die BF2 im Iran traditionell geheiratet habe. Der BF3 und die BF4 seien im Iran geboren, der BF5 sei in Serbien geboren worden. Er sei gesund, stehe nicht in ärztlicher Behandlung und nehme keine Medikamente ein. Er habe von seiner Geburt bis zu seinem 18./
- Geburtstag in der Provinz Daikondi (Distrikt Shereztan) in einem Eigeneheim gelebt. Anfangs mit seinen Eltern und den Geschwistern, zuletzt nur mit seinen Eltern. Er sei ca. sechs Jahre im Iran (Provinz Teheran) gewesen. Am Anfang habe er gemeinsam mit der BF2 und ihrer Schwester in einem Mietshaus gelebt, diese sei dann nach Deutschland gegangen. Die BF2 sei seine Cousine, er kenne sie seit etwa sechs Jahren und ein paar Monaten, zuvor habe er sie ab und zu gesehen, sie aber nicht richtig gekannt. Er habe sie erst nach der Flucht aus Afghanistan, im Iran richtig kennengelernt. Im Iran habe er hauptsächlich mit Iranern, kaum mit Afghanen gelebt. Seine Mutter, seine verheiratete Schwester und drei Onkel mütterlicherseits würden in der Heimat leben. Eine Tante väterlicherseits lebe im Iran. Seine Brüder würden in Deutschland und England leben. Die meisten Angehörigen würden im Heimatdorf leben, die Mutter reise aber oft nach Kabul und nach Pakistan. Auch die Onkel würden oft nach Pakistan oder dem Iran zum Arbeiten reisen. Die Mutter habe keine festen Wohnsitz, sie halte sich ein paar Monate im Heimatdorf, dann in Kabul und dann im Iran auf. Der in England aufhältige Bruder besitze ein großes Haus in Kabul, wo die Mutter dann lebe. Die Frau vom Bruder und die vierjährige Tochter würden ebenfalls in diesem Haus leben. Der Bruder würde beide finanzieren und würde auch eine Person zur Untermiete dort leben. Der Mutter und der Schwägerin gehe es finanziell gut, der erwerbstätige Bruder schicke aus England regelmäßig Geld. In dem Haus gäbe es einen Brunnen und habe der BF1 gehört, dass das Haus drei Stockwerke habe. Er stehe mit seiner Mutter einmal in zwei bis drei Monaten in Kontakt. Die Mutter klage über Kopf- und Gliederschmerzen und sei sehr alt. Dem Haus des Bruders sei bis jetzt noch nichts passiert, die Mutter lebe seit ca. neun Jahren immer wieder im Heimatdorf oder in Kabul. Die Familie besitze auch in Daikondi Grundstücke und ein Haus. Diese würden auf den Namen des BF1 und den seiner Brüder laufen. In Afghanistan habe er als Landwirt gearbeitet, sie hätten viele Grundstücke und Vieh gehabt. Die wirtschaftliche/finanzielle Situation vor der Flucht sei gut gewesen. Er habe mit fünf Jahren angefangen zu arbeiten und sei mit seinem Leben zufrieden gewesen. Außer mit seiner Mutter habe er mit niemanden Kontakt, seine Nichte habe ihn aber zweimal kontaktiert. Die Kosten für den Schlepper habe er angespart bzw. habe er einen Teil auch von seinem Bruder aus England erhalten. Zu seinem Leben im Iran gab er an, dort vor ca. drei Jahren ausgereist zu sein. Dort habe er illegal gelebt und sei dreimal von der Polizei verhaftet und nach Afghanistan abgeschoben worden. Er sei dann wieder illegal in den Iran gereist. Am Anfang habe er im Iran als Maurer oder Schweißer gearbeitet, dann habe er in verschiedene Produktionsfirmen gearbeitet. Aus dem Iran seien sie ausgereist, weil sie illegal aufhältig gewesen seien und keine Rechte gehabt hätten. Sein Bruder habe ihm geraten nach Deutschland zu kommen, da die Situation dort besser sei. Zu seinem Fluchtgrund befragt, gab der BF1 wie folgt an (Schreibfehler korrigiert): […]Ich hatte ein ruhiges Leben. Ich ging jeden Tag in der Früh arbeiten und war mit meinem Leben zufrieden. Nach ungefähr zwei Jahren kehrte der Mann meiner Tante aus dem Iran zurück. Meine Mutter bat mich nach ihm zu sehen und ihm Holz vorbeizubringen. Am nächsten Tag packte ich Holz auf einen Esel und ging zum Mann meiner Tante. Ich saß im Haus und trank auch Tee mit ihm. Nach ca. zwei Stunden kamen drei, für mich unbekannte, Männer ins Haus. Sie gingen auf meine Cousine zu und packten sie am Arm und einer der Männer fragte, was sie dort mache. Dann ohrfeigte er sie. Daraufhin stand der Vater meiner Cousine auf und fragte den Mann, warum er das gemacht hatte. Der Mann, der ihr Ehemann war, antwortete, dass er sie gekauft hätte und sie ohne seine Erlaubnis nicht weggehen dürfe. Ihr Ehemann versuchte sie aus dem Haus herauszuzerren. Ihr Vater hielt sie am Arm fest um das zu verhindern. Daraufhin trat der Ehemann ihren Vater in den Bauch und er fiel zu Boden. Als ich das sah, eilte ich meiner Cousine zur Hilfe und befreite sie aus den Händen Ihres Ehemannes. Ihr Ehemann schlug dann auf mich ein. Auf einmal sah ich, wie einer seiner Brüder mich mit dem Messer attackierte. Er verletzte mich am Bein. Dann lief er auf meine Cousine zu. Ihr Vater versuchte es zu verhindern und dabei wurden ihm drei Finger abgeschnitten. Der andere Bruder nahm dann eine Pistole und schoss auf mich. Er erwischte aber den Ehemann meiner Cousine. Nach diesem Vorfall gingen sie, ich weiß nicht wohin, ob zum Arzt oder nach Hause. Ich erfuhr dann, dass er zwei Tage später gestorben war. Ich verband mir mein Bein und ging nach Hause. Der Onkel mütterlicherseits meiner Cousine teilte mir dann mit, dass die Dorfbewohner glauben, dass meine Cousine und ich den Mord an ihrem Ehemann geplant hätten und dass sie beschlossen hatten uns zu suchen und uns zu steinigen. Einen Monat hielt ich mich im Haus ihrer Tante väterlicherseits auf. Von dort flüchteten wir in den Iran. Der Schlepper brachte uns zuerst nach Kabul und von dort in den Iran zu der Schwester meiner Frau. Er verlangte 1 Million Toman.[…], Ich hatte ein ruhiges Leben. Ich ging jeden Tag in der Früh arbeiten und war mit meinem Leben zufrieden. Nach ungefähr zwei Jahren kehrte der Mann meiner Tante aus dem Iran zurück. Meine Mutter bat mich nach ihm zu sehen und ihm Holz vorbeizubringen. Am nächsten Tag packte ich Holz auf einen Esel und ging zum Mann meiner Tante. Ich saß im Haus und trank auch Tee mit ihm. Nach ca. zwei Stunden kamen drei, für mich unbekannte, Männer ins Haus. Sie gingen auf meine Cousine zu und packten sie am Arm und einer der Männer fragte, was sie dort mache. Dann ohrfeigte er sie. Daraufhin stand der Vater meiner Cousine auf und fragte den Mann, warum er das gemacht hatte. Der Mann, der ihr Ehemann war, antwortete, dass er sie gekauft hätte und sie ohne seine Erlaubnis nicht weggehen dürfe. Ihr Ehemann versuchte sie aus dem Haus herauszuzerren. Ihr Vater hielt sie am Arm fest um das zu verhindern. Daraufhin trat der Ehemann ihren Vater in den Bauch und er fiel zu Boden. Als ich das sah, eilte ich meiner Cousine zur Hilfe und befreite sie aus den Händen Ihres Ehemannes. Ihr Ehemann schlug dann auf mich ein. Auf einmal sah ich, wie einer seiner Brüder mich mit dem Messer attackierte. Er verletzte mich am Bein. Dann lief er auf meine Cousine zu. Ihr Vater versuchte es zu verhindern und dabei wurden ihm drei Finger abgeschnitten. Der andere Bruder nahm dann eine Pistole und schoss auf mich. Er erwischte aber den Ehemann meiner Cousine. Nach diesem Vorfall gingen sie, ich weiß nicht wohin, ob zum Arzt oder nach Hause. Ich erfuhr dann, dass er zwei Tage später gestorben war. Ich verband mir mein Bein und ging nach Hause. Der Onkel mütterlicherseits meiner Cousine teilte mir dann mit, dass die Dorfbewohner glauben, dass meine Cousine und ich den Mord an ihrem Ehemann geplant hätten und dass sie beschlossen hatten uns zu suchen und uns zu steinigen. Einen Monat hielt ich mich im Haus ihrer Tante väterlicherseits auf. Von dort flüchteten wir in den Iran. Der Schlepper brachte uns zuerst nach Kabul und von dort in den Iran zu der Schwester meiner Frau. Er verlangte 1 Million Toman. LA: Warum sollte ein afghanischer Vater nicht wollen, dass seine Tochter mit ihrem Ehemann mit nach Hause geht? In Afghanistan bestimmt doch ein Ehemann über seine Frau? VP: Genaueres kann ich dazu nicht sagen, ich weiß nur, dass ihr Vater nichts von der Hochzeit wusste und alles von ihrer Stiefmutter organisiert wurde. Vielleicht tat ihm seine Tochter leid und er wollte, dass sie ein paar ruhige Tage bei ihm verbringen konnte. LA: Das entspricht aber nicht den afghanischen Traditionen, oder? VP: Was alles dort passiert ist, dazu kann ich nicht viel sagen. Ich weiß, dass Ihre Tante sie für Geld verkauft hat. Ich habe den Mann meiner Tante nur besucht, weil er zurückgekehrt war. Ab diesem Zeitpunkt fingen die Probleme mit der Familie an. Auf Nachfrage, bei uns ist es Tradition, dass die zweite Frau eines Mannes Tante genannt wird. Auf Nachfrage, ich bin nicht mit der Stiefmutter meiner Frau verwandt. Auf Nachfrage, die erste Frau meines Schwiegervaters war meine Tante mütterlicherseits. LA: Warum hätten Sie zunächst verhindern wollen, dass Ihre Cousine mit Ihrem Ehemann nach Hause geht? Ihr Ehemann wollte zunächst ja nur, dass seine Frau mit ihm nach Hause geht. Daran ist ja nichts falsch? VP: Genau das ist mein Fehler, ich habe zu schnell reagiert und hätte das nicht verhindern dürfen. LA: Die Frage war warum Sie das verhindern wollten? VP: Ich sah wie ihr Ehemann den Mann meiner Tante schlug. Ich hatte Angst, dass sie ihn weiterhin schlagen werden, oder dass sie meiner Cousine etwas antun werden. Wir sind eine Familie und ich wollte helfen. LA: Ihre Gattin sagte vorher, dass ihrem Vater in den Fuß getreten wurde. Sie sagten, dass er in den Bauch getreten wurde. Was sagen Sie dazu? VP: Er wurde in den Bauch getreten, daraufhin fiel er zu Boden. Als ich das sah, musste ich etwas dagegen machen. Wir sind eine Familie und müssen zusammenhalten. LA: Wie hat das Messer ausgesehen, mit dem Sie und Ihr Schwiegervater verletzt wurden? VP: Es war aus Metall und hatte einen Griff aus Holz. Auf Nachfrage, die Klinge war ca. 25 cm lang (VP zeigt auf seine Handfläche) und der Griff war ca. einen Meter lang (VP zeigt vom Ende der Handfläche bis zu seiner Schulter). Auf Nachfrage, ich kann die Farbe nicht genau beschreiben. Es war aus Holz aber schon sehr alt. Auf Nachfrage, es war weder ganz hell noch ganz dunkel, eher gelblich. LA: Wie sah die Waffe aus, mit der der erste Ehemann Ihrer Gattin angeschossen wurde? VP: Ich habe zu dem Zeitpunkt die Waffe nicht erkennen können. Ich war dabei mit dem ersten Ehemann meiner Frau zu kämpfen als der Schuss fiel. LA: Um welche Waffe handelte es sich? VP: Es war eine kleine Pistole, die in der Hosentasche Platz hatte. Mehr konnte ich nicht sehen. LA: Woher wissen Sie das, wenn Sie gerade noch behaupteten, dass Sie die Waffe nicht sehen konnten? VP: Ich habe am Anfang schon gesagt, dass ich die Waffe nicht erkennen konnte. Damit weiß ich nicht welches Modell und welche Farbe. Es war auf jeden Fall keine große Waffe, die man sich über die Schulter hängt. LA: Wie weit stand der Mann, der auf Sie schießen wollte von Ihnen entfernt? VP: Ca. drei bis vier Meter. LA: Wo war der erste Gatte Ihrer Frau zu dem Zeitpunkt als er Schuss fiel? VP: Er war bei mir. Wir waren dabei uns gegenseitig zu schlagen. Er versuchte mich zu schlagen, ich versuchte ihn zu schlagen, als der Schuss viel. LA: Wo wurde er getroffen? VP: Die Kugel ging seitlich über der Hüfte hinein und kam zwischen Brust und Bauchnabel wieder raus. LA: Standen Sie vor, neben oder hinter dem Gatten Ihrer Cousine? VP: Wir hatten uns zu dem Zeitpunkt gegenseitig an den Armen gepackt und versuchten uns zu Boden zu reißen. Auf Nachfrage, wir schauten uns gegenseitig ins Gesicht, aber ich kann nicht genau sagen wie wir standen. Es war ein hin und her. LA: Wenn die Kugel durch ihn durchdrang und sie beide sich gegenseitig festhielten, dann hätte die Kugel doch Sie auch treffen müssen? VP: Ich hatte eine Armlänge von ihm, deshalb traf mich die Kugel nicht. Hätten wir uns in diesem Moment umarmt, hätte die Kugel mich auch getroffen. LA: Was passierte nach dem Schuss? VP: Er fiel zu Boden und blutete. Seine Brüder halfen ihm aufzustehen und gingen aus dem Haus. Ich verband mir dann mein Bein und die Hand des Mannes meiner Tante. Danach setzte ich mich auf meinen Esel und ging nach Hause. LA: Der Mann konnte trotz Durchschuss noch gehen? VP: Er fiel zu Boden als der Schuss fiel. Zu dem Zeitpunkt waren ich und der erste Gatte meiner Frau und der Mann der geschossen hat vor dem Haus. Auf Nachfrage, seine Brüder nahmen den Gatten meiner Cousine auf den Rücken und brachten ihn nach Hause. LA: Gerade erzählten Sie noch eine ganz andere Geschichte? VP: Das passierte alles in der Nähe des Holzplatzes vor dem Haus. LA: Sie selbst brauchten keinen Arzt? VP: Meine Wunde musste verarztet werden. Sie wurde auch zugenäht. LA: Warum gingen Sie einfach nach Hause, wenn der Mann Ihrer Tante so schwer verletzt war? Immerhin wären ihm drei Finger abgeschnitten worden. Er hätte doch dringend einen Arzt gebraucht? VP: Ich hatte Angst, dass Sie nochmal kommen und das Haus angreifen, deshalb ging ich. Der Mann meiner Tante hatte einen Bruder und Söhne, die sich um ihn kümmern konnten. LA: Wie sah der damalige Gatte Ihrer jetzigen Frau aus? VP: Er hatte einen schwarzen Vollbart mit grauen Haaren darinnen und eine dunkle Hautfarbe. Er war ca. 40 bis 45 Jahre alt. Das ist das was ich gesehen habe. LA: Welche Augenfarbe hatte der Mann? VP: Das weiß ich nicht. Vorhalt: Sie haben gegen ihn von Angesicht zu Angesicht gekämpft. Sie müssen doch seine Augen gesehen haben? VP: Ich weiß aber nicht welche Augenfarbe er hatte. LA: Welche Haarfarbe hatte er? VP: Schwarz mit ein paar weißen Haaren darinnen. LA: Hatte er Locken oder glatte Haare? VP: Er hatte glatte Haare, die ca. zehn Zentimeter lang waren. Und er hatte kein volles Haar mehr. LA: War er dick oder dünn? VP: Er war mittelmäßig. LA: Hatte er Falten? VP: Er hatte Falten an den Augen und an der Stirn. LA: Wie groß war der Mann? VP weicht der Frage aus. Vorhalt: Sie haben mit ihm gekämpft und müssen doch wissen, ob Sie zu ihm hinauf oder hinab gesehen haben. VP: Ich kann es nicht genau sagen. Vielleicht war er ein bisschen kleiner oder ein bisschen größer als ich. Ich weiß nicht, wie groß ich selbst bin. Auf Nachfrage, er war ca. gleich groß als ich. Anm.: VP ist ca. 1,70 cm groß.Anmerkung, VP ist ca. 1,70 cm groß. LA: Warum mussten Sie in den Iran flüchten und Ihr Schwiegervater, der auch in den Vorfall verwickelt war, konnte in Ruhe im Heimatdorf weiterleben? VP: Die Dorfältesten und der Mullah des Ortes beschuldigen mich und meine Cousine die Tat geplant zu haben. Deshalb haben Sie beschlossen uns zwei zu steinigen. LA: Warum haben Sie Ihre Cousine dann geheiratet? VP: Weil wir aus dem Iran nicht mehr nach Afghanistan zurückkehren konnten, beschlossen wir zu heiraten. LA: Haben Sie sämtliche Gründe, die Sie veranlasst haben, Ihr Herkunftsland zu verlassen, vollständig vorbringen können? VP: Ja. LA: Haben Sie sich wegen Ihrer Probleme jemals an die staatlichen Behörden gewandt? VP: Nein, weil die Polizisten in unserem Ort nur Bürotätigkeiten verrichten und das Gesetz in den Händen der Ältesten liegt. LA: Sie werden nochmals auf das Neuerungsverbot aufmerksam gemacht. Ich frage Sie daher jetzt nochmals ob Sie noch etwas Asylrelevantes oder etwas sonst Bedeutendes angeben möchten, das Ihnen wichtig erscheint, jedoch bislang nicht gefragt wurde? VP: Ich möchte nur erwähnen, dass nachdem wir Afghanistan verlassen hatten, fiel mein Vater aus dem zweiten Stockwerk zu Boden. Bis heute weiß ich nicht, ob ihn jemand absichtlich heruntergestoßen hat, oder ob er gesprungen ist. […] LA: Hatten Sie in Ihrer Heimat jemals Probleme mit den Behörden? VP: Ja, auf Nachfrage, die Familie des ersten Gatten meiner Frau erstattete Anzeige gegen mich. Ich weiß aber nicht was dann passiert ist, ich bin aus dem Land geflüchtet. Auf Nachfrage, ich hatte persönlich nie etwas mit den Behörden zu tun. […] LA: Was würden Sie im Falle einer Rückkehr in Ihren Heimatstaat befürchten? Was würde Sie dort erwarten? VP: Ich habe Angst vor der Familie des Getöteten. Sie werden sich auf die Suche nach mir machen und mich töten. LA: Hätten Sie damals die Möglichkeit gehabt, sich im Heimatland wo anders hinzubegeben, um sich den angegebenen Übergriffen/Problemen/Schwierigkeiten zu entziehen? bzw. haben Sie das schon erwogen / versucht – z.B. in ein anderes Gebiet bzw. bestünde diese Möglichkeit jetzt? VP: Nein, weil sie mich irgendwann gefunden hätten. Vielleicht nicht gleich, aber nach ein paar Monaten. Auf Nachfrage, jetzt würde das auch nicht gehen, weil dann wären am Flughafen Reporter, die meine Rückkehr filmen würden und so würden meine Feinde das erfahren. Auf Nachfrage, wenn Flüchtlinge nach Afghanistan abgeschoben werden, wird das am Flughafen gefilmt. LA: Was müsste passieren, damit Sie wieder in Ihr Heimatland zurückkehren können? VP: Ich kann nie wieder zurückkehren. Ich habe in Afghanistan alles gehabt. Ich habe Grundstücke gehabt, Mandelbäume, Walnussbäume. Ich musste alles zurücklassen.[…]VP: Ich kann nie wieder zurückkehren. Ich habe in Afghanistan alles gehabt. Ich habe Grundstücke gehabt, Mandelbäume, Walnussbäume. Ich musste alles zurücklassen., […] Zu seinem Leben in Österreich führte er aus, dass er von der Grundversorgung lebe. Ein paar österreichische Damen seien einmal vorbeigekommen und hätten ihnen geholfen, auch eine koreanische Familie besuche sie manchmal. Er habe in seiner Unterkunft als Reinigungskraft gearbeitet. In seiner Freizeit gehe er mit den Kindern in den Park. Er sei drei- bis viermal unterwegs gewesen. Er habe zu zwei/drei afghanischen Männern Kontakt. Auch zu einer afghanischen Familie habe er manchmal Kontakt. Zu seinem Alltag in Österreich gab er an, aufzustehen und für alle Frühstück zu holen. Dann helfe er seiner Frau bei der Hausarbeit. Ansonsten schaue er sehr viel YouTube. Er habe ein paar deutsche Wörter auf seinem Handy gespeichert, welcher er sich immer anhöre. Ab 14:00 gehe er manchmal mit den Kindern raus. Zwischen 8:00 und 9:00 würden sie schlafen gehen. Er helfe seiner Frau bei allem. Momentan gäbe es aber nicht viel zu tun. Manchmal wasche er das Geschirr oder sauge Staub. Seine Frau koche, dabei könne er ihr nicht helfen. Die BF2 gab in der Einvernahme an, gesund zu sein. Sie sei vor ca. neun Jahren in den Iran gegangen und habe den BF1 geheiratet. Sie sei bereits zweimal verheiratet gewesen. Den BF1 habe sie in Afghanistan kennengelernt und seien sie dann gemeinsam in den Iran gegangen. Der BF1 sei ihr Cousin, sie habe ihn schon immer gekannt, aber seit neun Jahren würden sie sich richtig kennen. Sie habe ihn freiwillig geheiratet. In Afghanistan habe sie zuerst bei ihrer Familie gelebt. Mit 11 Jahren sei ihre Mutter gestorben, mit 14 sei sie zwangsverheiratet worden und habe sie dann etwa zwei Jahre mit ihrem Ehemann zusammengelebt, bevor sie mit dem BF1 in den Iran geflüchtet sei. Ihr älterer Bruder, zwei Stiefschwestern, ein Onkel und eine Tante mütterlicherseits würden in der Heimat leben. Ihre Tante mütterlicherseits sei gleichzeitig ihre Schwiegermutter. Ihr zweiter Bruder lebe im Iran. Die Tante mütterlicherseits lebe in Kabul, alle anderen würden in Daikondi leben. Die Tante in Kabul lebe mit der Schwägerin des BF1 zusammen. Im unteren Geschoss des Hauses lebe der Onkel mütterlicherseits. Das Haus gehöre dem Bruder des BF
- Ihre Familie besitze im Heimatdorf Grundstücke, nach dem Tod des Schwiegervaters seien dies auf die Söhne überschrieben worden. Wieviel davon dem BF1 gehöre, wisse sie nicht. In Afghanistan sei sie Hausfrau gewesen und habe sie sicher immer zu Hause aufgehalten. Sie hätten von den Ernteerträgen gelebt. Sie hätten Mandelbäume gehabt und die Mandeln verkauft. Im Iran habe ihr Mann als Taglöhner gearbeitet. Die wirtschaftliche/finanzielle Situation vor der Flucht sei sehr gut gewesen. Seit ihrer Einreise nach Österreich habe sie nur einmal mit ihrem Vater gesprochen. Er lebe gemeinsam mit dem Bruder im Heimatdorf. Zu ihren Fluchtgründen befragt, gab die BF2 wie folgt an: […] Als ich elf Jahre alt war, starb meine Mutter. Nach ca. einem Jahr heiratete mein Vater noch einmal. Nach ca. zwei Jahren ging er dann in den Iran. Meine Tante mütterlicherseits verheiratete mich dann mit einem 45 Jahre alten Mann. Sie verkaufte mich für 200000 Afghani. Er behandelte mich wie eine Sklavin. Ich musste mich um 12 Personen kümmern und die ganze Hausarbeit machen. Nach ca. zwei Jahren kam mein Vater aus dem Iran und ich wollte ihn besuchen. Mein Mann erlaubte mir das nicht. Er meinte, ich müsste zuhause bleiben und die Hausarbeit erledigen. Ich wartete eine Woche lang und er änderte seine Meinung nicht. Ich beschloss dann ohne sein Einverständnis zu meinem Vater zu gehen. Ich ging zu meinem Vater und übernachtete dort. Am nächsten Tag kam mein Mann in das Haus meines Vaters. Er begrüßte niemanden, sondern ohrfeigte mich vor allen und fragte, warum ich mich dort aufhalte. Mein Vater fragte ihn dann, warum er mir nicht erlaubt, ihn zu besuchen. Er antwortete, dass er für mich bezahlt hätte und ich daher nichts ohne seine Erlaubnis machen dürfe. Mein Vater meinte daraufhin, dass mein Mann mich nicht mitnehmen darf. Er trat meinen Vater mit den Füßen und schubste mich gegen die Wand. Ich brach mir den Ellenbogen. Ich konnte den Bruch nicht behandeln lassen, weil es uns finanziell nicht gut ging. Mein Cousin/jetziger Gatte kam mir zur Hilfe. Daraufhin attackierten mein erster Ehemann und seine zwei Brüder, die auch mitgekommen waren, meinen jetzigen Ehemann mit einem Messer. Sie waren sauer, dass mein Cousin die Frau eines anderen angefasst hatte. Mein jetziger Ehemann wurde mit dem Messer am Bein verletzt. Dann wollte der Bruder meines ersten Ehemannes mich mit dem Messer attackieren. Mein Vater versuchte ihn abzuhalten. Daraufhin wurden ihm drei Finger mit dem Messer abgetrennt. Einer der Brüder meines ersten Gatten war bewaffnet. Er schoss auf meinen jetzigen Ehemann, aber traf unabsichtlich meinen damaligen Ehemann. Mein Cousin verband sich das Bein und die Hand von meinem Vater und brachte meinen Vater dann zum Arzt. Zwei Tage später starb mein damaliger Ehemann aufgrund der Schussverletzung. Mein Onkel mütterlicherseits brachte mich zu meiner Tante väterlicherseits, wo ich mich ca. einen Monat versteckt hielt. Die Dorfbewohner und der Mullah hatten beschlossen, dass ich gesteinigt werde, weil mein Cousin meinen Ehemann getötet haben soll. Mein Onkel mütterlicherseits meinte zu meinem Cousin und mir, dass wir von dort flüchten müssten, da unser Leben in Gefahr war. Wir reisten von dort illegal in den Iran. Nach vier Monaten im Iran rief mein Vater meine Schwester an und teilte ihr mit, dass die Dorfbewohner noch immer auf der Suche nach uns wären und wir daher nicht mehr zurückkommen könnten. Wir schlossen die Ehe zuhause und lebten ca. 6 Jahre gemeinsam im Iran. LA: Warum ging Ihr Vater damals in den Iran? VP: Er hatte viele Schulden bei den Dorfbewohnern und ging in den Iran um dort zu arbeiten. Als meine Mutter starb hatte er für die Beerdigung viel Geld ausgegeben und für die neue Hochzeit. Auf Nachfrage, nach zwei Jahren hatte er genug Geld um seine Schulden zu begleichen und kam nach Afghanistan zurück. LA: Warum hat er nicht in Afghanistan gearbeitet um seine Schulden zu begleichen? VP: Weil es in Afghanistan keine Arbeit gab. LA: Sie sagten aber, dass Sie von Ihrer eigenen Ernte in Afghanistan sehr gut leben konnten? VP: Als meine Mutter starb musste mein Vater die Trauerfeier organisieren indem er viel Geld ausgab, danach heiratete er und für die Hochzeit gab er auch viel Geld aus, daher war er am Ende verschuldet. Auf Nachfrage, ging es uns finanziell gut. LA: Sie sagten am Anfang, dass es Ihnen in Afghanistan finanziell sehr gut gegangen wäre und dass Sie von der eigenen Ernte leben konnten. Warum hätte Ihr Vater dann in den Iran gehen sollen? Anm.: VP weicht der Frage aus. Frage wird wiederholt.Anmerkung, VP weicht der Frage aus. Frage wird wiederholt. VP: Mein Vater wollte warten bis die Mandeln reif sind um sie zu verkaufen. Die Dorfbewohner wollten aber ihr Geld sofort haben. LA: Ihr Vater war dann aber zwei Jahre im Iran, das ist auch nicht sofort? VP: Das ist der Grund, warum die Tante mütterlicherseits mich dann verkauft hat. LA: Dann hatte Ihre Familie ja die Schulden Ihres Vaters beglichen. Warum blieb er dann trotzdem noch die zwei Jahre im Iran? Er hätte ja dann gleich zurückkommen können? VP: Wir hatten kein Telefon um in anzurufen, dass er zurückkommt. LA: Warum telefonierten Sie nicht von den Nachbarn aus? VP: Es gab nur ein Telefon, das nur sehr weit weg war. Auf Nachfrage, ich habe nicht viel mitbekommen. LA: Aber wie konnte Ihr Vater dann Ihre Schwester anrufen, um dieser mitzuteilen, dass Sie und Ihr Gatte noch immer von den Dorfbewohnern gesucht werden und nicht nach Afghanistan zurückkommen können? VP: Von dem Telefon, das sehr weit weg ist. LA: Wie konnten Sie aus Österreich einmal Ihren Vater in Afghanistan anrufen, wenn er kein Telefon in der Nähe hat? VP: Seit ca. drei Jahren hat mein Vater ein Telefon, welches er von meinem Bruder im Iran hat. LA: Warum hat Ihr Vater Sie damals nicht mit in den Iran genommen? VP: Das weiß ich nicht. Weil die Situation im Iran nicht so gut war. LA: Wusste Ihr Vater von der Zwangshochzeit? VP: Nein. Als er aus dem Iran zurückkam erfuhr er das und hatte dann einen Streit mit meiner Tante. Auf Nachfrage, mein Vater hätte mich nie zwangsverheiratet. Auf Nachfrage, meine Brüder glauben, dass meine Zwangshochzeit nur passierte, weil wir keine Mutter hatten. Auf Nachfrage, meine Verwandten in Kabul sagen nichts dazu, dass ich ein zweites Mal verheiratet bin. Ihnen ist das egal. Mein jetziger Ehemann ist ein sehr guter Mann, ich bin sehr zufrieden. Er hat ein weiches Herz. LA: Warum mussten Sie sich um 12 Personen kümmern, in Ihrer ersten Ehe? VP: In dem Haus lebten die Brüder meines Ehemannes mit ihren Frauen. Ich musste für alle kochen und aufräumen. Auf Nachfrage, die anderen Frauen mussten das nicht machen, nur ich musste das machen. Die anderen Ehefrauen waren älter, deshalb musste ich mich um alles kümmern. LA: Warum hatte Ihr erster Ehemann mit 45 Jahren noch keine Ehefrau? Anm.: VP antwortet nicht. Frage wird wiederholt.Anmerkung, VP antwortet nicht. Frage wird wiederholt. VP: Ich weiß es nicht. LA: Ist es nicht unüblich für die afghanische Tradition, dass ein Vater seine Tochter nicht zu Ihrem Ehemann zurückschickt, sondern sagt, dass sie nicht mehr zu ihm zurückkehren muss? VP: Mein damaliger Ehemann ohrfeigte mich vor den Augen meines Vaters. Für meinen Vater war er unverständlich, weil ich meinen Vater besucht hatte und keinen Fremden. LA: In Afghanistan wird es doch akzeptiert, wenn ein Mann seine Frau schlägt? Anm.: VP weicht der Frage aus. Frage wird wiederholt.Anmerkung, VP weicht der Frage aus. Frage wird wiederholt. VP: Ja, mein damaliger Ehemann hat aber meinen Vater mit dem Fuß getreten, deshalb wollte mein Vater nicht, dass ich mit meinem damaligen Ehemann mitgehe. LA: Damit hätten Sie aber die Familienehre beschmutzt. Das wäre Ihrem Vater egal gewesen? VP: Ja, das stimmt, aber mein damaliger Ehemann hat mir nicht erlaubt meinen Vater zu besuchen. Er hat sich ständig mit mir gestritten. LA: Warum hatten Sie keine Kinder mit Ihrem ersten Gatten? VP: Ich hatte keine Periode, ich war sehr schwach, ich bekam kaum etwas zu essen und musste rund um die Uhr arbeiten. LA: Als Ihr damaliger Mann Sie von Ihrem Vater zuhause abholen wollte, woher wusste er, dass er Sie dort findet? VP: Ich hatte ihn davor mehrmals gefragt, ob er mir erlauben würde meinen Vater zu besuchen. Deshalb vermutete er, dass ich dort wäre. LA: Wie hat das Messer ausgehen, mit dem Ihr Vater und Ihr Cousin verletzt wurden? VP: Das Messer war aus Eisen. Man konnte damit Holz hacken. Auf Nachfrage, es war handlang (Anm.: ca. ein dreiviertel Meterlang, ca. ein halber Meter war die Klinge und der Rest war der Griff). Auf Nachfrage, der Griff war aus Holz und hellbraun (Anm.: VP sagt, der Griff hatte so eine ähnliche Farbe wie der Stuhl im Einvernahmeraum).VP: Das Messer war aus Eisen. Man konnte damit Holz hacken. Auf Nachfrage, es war handlang Anmerkung, ca. ein dreiviertel Meterlang, ca. ein halber Meter war die Klinge und der Rest war der Griff). Auf Nachfrage, der Griff war aus Holz und hellbraun Anmerkung, VP sagt, der Griff hatte so eine ähnliche Farbe wie der Stuhl im Einvernahmeraum). LA: Mit welcher Waffe wurde auf Ihren damaligen Ehemann geschossen? VP: Es war eine kleine Pistole in schwarz. LA: Wie weit standen der Bruder Ihres damaligen Gatten, der die Waffe hatte und ihr damaliger Gatte auseinander? VP: Sie standen nicht einmal einen Meter auseinander. LA: Wo stand Ihr jetziger Gatte? VP: Mein damaliger Ehemann und mein jetziger Ehemann standen sich gegenüber und haben miteinander gekämpft. LA: Wenn der Mann mit der Waffe nicht einmal einen Meter von Ihrem Cousin und Ihrem damaligen Mann entfernt stand, wie konnte er dann den falschen Mann treffen? VP: Weil mein damaliger Mann und mein Cousin nicht still standen. Sie haben sich ständig bewegt. LA: Wo wurde Ihr damaliger Mann getroffen? VP: Er wurde im Rücken getroffen, wo genau, das habe ich nicht gesehen. LA: Wenn Ihr Arm damals nicht behandelt werden konnte, woher wissen Sie dann, dass er gebrochen war? VP: Ich konnte meine Hand nicht mehr bewegen und hatte große Schmerzen. Auf Nachfrage, in der Nähe gab es keinen Arzt, die waren weit weg. Auf Nachfrage, im Iran war ich bei einem Arzt. Dieser meinte, dass der Arm operiert werden muss, weil ich es nicht sofort behandelt habe. LA: Können Sie dazu medizinische Unterlagen vorlegen? VP: Nein. Die Unterlagen habe ich in Serbien in der Unterkunft verloren. LA: Warum waren Sie in Österreich noch bei keinem Arzt deswegen? VP: Ich war noch nicht beim Arzt. LA: Die Frage war, warum nicht? VP: Weil ich jetzt keine Schmerzen habe, sondern nur wenn es kälter wird. LA: Warum behaupten Sie einmal, dass Sie Ihren Arm nicht behandeln konnten, weil es Ihnen finanziell nicht gut ging und dann wieder, weil Sie keinen Arzt in der Nähe gehabt hätten? VP: Die Krankenhäuser verlangen kein Geld für die Behandlung. Diese waren aber sehr weit weg. Ich hatte auch keine Zeit mehr in ein Krankenhaus zu gehen. Anm.: VP weicht der Frage aus. Anmerkung, VP weicht der Frage aus. LA: Warum weichen Sie den Fragen immer aus und beantworten Sie nicht? VP: Ich habe auf die Frage geantwortet. Die Situation dort hat es nicht zugelassen. Auf Nachfrage, ich hatte Geld um zum Arzt zu gehen, aber der Arzt war sehr weit weg. Ich hätte mit dem Auto und teilweise zu Fuß gehen müssen. LA: Aber Ihr jetziger Ehemann brachte ja Ihren Vater zu einem Arzt, da diesem drei Finger abgeschnitten worden wären. Warum hätten Sie da nicht mitkommen sollen? VP: Mein Onkel mütterlicherseits brachte meinen Vater zum Arzt. Ich musste mich verstecken. LA: Sie sagten eindeutig, dass Ihr Cousin sich seinen Fuß verband, Ihrem Vater die Hand verband und ihn dann zum Arzt brachte. Was sagen Sie dazu? VP: Mein Onkel mütterlicherseits brachte ihn ins Spital mein Cousin ging nach Hause. Anm.: VP weicht der Frage, warum Sie das vorher anders erzählt hat wiederholt aus und antwortet nicht auf die gestellte Frage.Anmerkung, VP weicht der Frage, warum Sie das vorher anders erzählt hat wiederholt aus und antwortet nicht auf die gestellte Frage. Anm.: VP wird nochmals auf die Wahrheitspflicht aufmerksam gemacht. Anmerkung, VP wird nochmals auf die Wahrheitspflicht aufmerksam gemacht. LA: Wie sah Ihr damaliger Gatte aus? VP: Das Aussehen meines Gatten? Sie wollen wissen wie er ausgesehen hat? LA: Ja: VP: Wie soll ich das erklären? LA: So wie er ausgesehen hat. VP: Er hatte eine Stirn. Er war groß, wie soll ich das erklären? Er hatte dunkle Haut. Was soll ich sagen? LA: Sie waren zwei Jahre verheiratet. Sie werden wissen wie Ihr Mann aussah. VP: Er war weder groß noch klein. Er hatte große Augen, er hatte eine dunkle Hautfarbe. VP wiederholt alles. VP: Und er hatte ein rundes Gesicht. LA: Welche Augenfarbe hatte Ihr Mann? VP: Schwarz. LA: Welche Haarfarbe hatte Ihr Mann? VP: Auch schwarz. Auf Nachfrage, er hatte ein paar graue Haare. LA: Hatte er Locken oder glatte Haare? VP: Er hatte ca. drei Zentimeter lange glatte Haare. LA: War er dick oder dünn? VP: Er war mittelmäßig. LA: Hatte er Falten? VP: Er hatte auf der Stirn und an den Augen viele Falten. LA: Wie groß war Ihr Mann? VP: Er war ca. 1,70 Meter groß. LA: Was war Ihr Mann von Beruf? VP: Er hatte keine Arbeit. Er hat im Sommer auf den Feldern gearbeitet, im Winter war er zuhause. Auf Nachfrage, wenn man viele Mandeln in Afghanistan hat, dann geht es einem finanziell gut. LA: Die Mandeln hatte doch Ihr Vater? VP: Alle Bewohner im Dorf hatten Grundstücke mit Mandeln. LA: Warum hat Ihr Vater damals Ihre Schwester und nicht Sie persönlich angerufen, um Ihnen mitzuteilen, dass die Dorfbewohner Sie noch immer suchen würden? VP: Weil ich kein Telefon hatte. LA: Wie konnte Sie dann Ihre Schwester aber erreichen, um Ihnen die Nachricht auszurichten? VP: Ich habe vier Monate im Haus meiner Schwester im Iran gelebt und habe es dadurch erfahren. LA: Warum wurden Ihr Vater und Ihre restlichen Verwandten, die in dem Vorfall verwickelt waren nicht von den Dorfbewohnern verfolgt? VP: Die Dorfbewohner waren nur hinter meinem Cousin und mir her, da sie uns steinigen möchten. Auf Nachfrage, der Mullah vom Ort hat beschlossen, dass ich und mein Cousin verhaftet werden sollten. Alle anderen lassen sie in Ruhe. LA: Hatten Sie eine Sterbeurkunde Ihres ersten Gatten? VP: Nein, mein Cousin und ich sind Zeugen, das es passiert ist. LA: Wie konnten Sie dann ein zweites Mal heiraten? VP: Wir hielten uns im Iran auf und mussten heiraten. LA: Von wem wurden Sie getraut? VP: Durch einen Mullah. LA: Wie konnten Sie ohne Sterbeurkunde ein zweites Mal heiraten? VP: In unserer Gegend ist es Tradition, wenn der Ehemann stirbt, dass dann ein Schwager die Frau zur Ehefrau nimmt. Es gibt dort keine Sterbeurkunden oder ein Schreiben, dass man geschieden ist. LA: Wo lebten Sie im Iran? VP: Immer in Karaj. Auf Nachfrage, es gab wenige Afghanen, eher mehr Iraner. Anm.: laut Dolmetscherin: Die VP hat keinen Akzent, den Sie haben müsste, wenn Sie tatsächlich neun Jahre lang im Iran unter Iranern gelebt hätte. Sie spricht typisches Farsi, der Volksgruppe Hazara.Anmerkung, laut Dolmetscherin: Die VP hat keinen Akzent, den Sie haben müsste, wenn Sie tatsächlich neun Jahre lang im Iran unter Iranern gelebt hätte. Sie spricht typisches Farsi, der Volksgruppe Hazara. […] Aus dem Iran seien sie ausgereist, weil der BF1 vier- fünf Mal verhaftet und nach Afghanistan abgeschoben worden sei. Er sei dann jedes Mal wieder in den Iran zurückgekehrt. Zu ihrem Leben in Österreich führte sie aus, dass ihr eine Dame in der Kirche die Mülltrennung beigebracht habe. In einem Nebenraum der Kirche würden sich die Dorfbewohner treffen um miteinander Tee zu trinken und zu plaudern. Dort gehe sie alleine hin, da sich dort nur Frauen treffen würden. In ihrer Freizeit habe sie hier noch nichts unternommen. Sie verbringe ihre Zeit immer zu Hause. Manchmal gehe sie in den Supermarkt. Sie gehe entweder mit ihrem Mann oder mit den Nachbarn in den Supermarkt. Sie habe keinen Kontakt zu Österreichern. Bei der Veranstaltung seien ein paar österreichische Frauen, der Rest seien Afghanen und Araber. Die Namen der österreichischen Frauen habe sie vergessen. Sie sei bis jetzt zweimal bei der Veranstaltung gewesen, die Veranstaltungen würden zweimal im Monat stattfinden. Zu ihrem Alltag in Österreich gab sie an, sie würde um 7:00 aufstehen und Frühstück vorbereiten. Dann würde sie die Kinder duschen und mit der Hausarbeit anfangen. Sie koche, putze und wasche Geschirr. Manchmal schaue sie auf YouTube Programme um Deutsch zu lernen. Ihr Mann sei auch den ganzen Tag zu Hause. Er gehe nur raus, um das Essen zu holen. Er beschäftige sich viel mit den Kindern. Die Frage, ob ihr Mann bei der Hausarbeit helfe, bejahte die BF2 und gab sie an, dass er zum Beispiel Staub sauge, wenn sie Geschirr abwasche. Dies sei alles. In Traiskirchen habe sie als Reinigungskraft in der Unterkunft gearbeitet, da der Chef allen gesagt habe, dass alle mithelfen müssen. Nach dem Unterschied zwischen ihrem Alltag in Afghanistan und in Österreich befragt, gab sie an, dass es einen großen Unterschied gäbe. In Afghanistan habe sie großes Leid erleben müssen, hier sei sie glücklich. Die Menschen würden jeden sehr gut behandeln. Nach ihrer Zukunft in Österreich befragt, gab die BF2 an, dass sie alles machen wolle, was ihr angeboten werde. Sie glaube nicht, dass sie hier eine Schule besuchen oder eine Ausbildung machen könne. Sie würde sich freuen, wenn sie als Köchin arbeiten könne. Sie würde gerne arbeiten gehen, weil ihr gesagt worden sei, dass man, wenn man ein Bleiberecht bekomme, nicht zu Hause sitzen, sondern arbeiten gehen müsse. Sie trage kein Kopftuch, weil die Menschen hier keines tragen würden. Zu den minderjährigen BF3 bis BF5 gab sie an, dass diese gesund seien. Im Iran seien ihre Kinder zu Hause gewesen. In Serbien seien der BF3 und die BF4 in einen Kindergarten in der Unterkunft gegangen. In Österreich seien ihre Kinder momentan zu Hause. In Afghanistan seien die Kinder nicht gewesen. Für die Kinder würden dieselben Fluchtgründe gelten. Im Zuge der Einvernahme legte die BF2 die ungarischen Impfpässe der Kinder vor.
- Mit oben genannten Bescheiden vom 03.05.2019 wies das BFA die Anträge der BF auf internationalen Schutz sowohl hinsichtlich der Zuerkennung des Status der Asylberechtigten gemäß § 3 Abs. 1 iVm § 2 Abs. 1 Z 13 AsylG 2005 (Spruchpunkt I.) als auch hinsichtlich der Zuerkennung des Status der subsidiär Schutzberechtigten gemäß § 8 Abs. 1 iVm § 2 Abs. 1 Z 13 AsylG 2005 (Spruchpunkt II.) ab, erteilte ihnen keine Aufenthaltstitel gemäß § 57 AsylG 2005 (Spruchpunkt III.), erließ gemäß § 10 Abs. 1 Z 3 AsylG 2005 iVm § 9 BFA-VG gegen die BF Rückkehrentscheidungen gemäß § 52 Abs. 2 Z 2 FPG (Spruchpunkt IV.) und stellte gemäß § 52 Abs. 9 FPG fest, dass die Abschiebung der BF nach Afghanistan gemäß § 46 FPG zulässig sei (Spruchpunkt V.). Gemäß § 55 Abs. 1 bis 3 FPG wurde eine Frist von vierzehn Tagen ab Rechtskraft der Rückkehrentscheidung für die freiwillige Ausreise festgesetzt (Spruchpunkt VI.).
- Mit oben genannten Bescheiden vom 03.05.2019 wies das BFA die Anträge der BF auf internationalen Schutz sowohl hinsichtlich der Zuerkennung des Status der Asylberechtigten gemäß Paragraph 3, Absatz eins, in Verbindung mit Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer 13, AsylG 2005 (Spruchpunkt römisch eins.) als auch hinsichtlich der Zuerkennung des Status der subsidiär Schutzberechtigten gemäß Paragraph 8, Absatz eins, in Verbindung mit Paragraph 2, Absatz eins, Ziffer 13, AsylG 2005 (Spruchpunkt römisch zwei.) ab, erteilte ihnen keine Aufenthaltstitel gemäß Paragraph 57, AsylG 2005 (Spruchpunkt römisch drei.), erließ gemäß Paragraph 10, Absatz eins, Ziffer 3, AsylG 2005 in Verbindung mit Paragraph 9, BFA-VG gegen die BF Rückkehrentscheidungen gemäß Paragraph 52, Absatz 2, Ziffer 2, FPG (Spruchpunkt römisch vier.) und stellte gemäß Paragraph 52, Absatz 9, FPG fest, dass die Abschiebung der BF nach Afghanistan gemäß Paragraph 46, FPG zulässig sei (Spruchpunkt römisch fünf.). Gemäß Paragraph 55, Absatz eins bis 3 FPG wurde eine Frist von vierzehn Tagen ab Rechtskraft der Rückkehrentscheidung für die freiwillige Ausreise festgesetzt (Spruchpunkt römisch sechs.)., Das BFA stellte fest, dass die BF Staatsangehörige von Afghanistan seien, der Volksgruppe der Hazara angehören würden und sich zum schiitisch-muslimischen Glauben bekennen würden. Ihre Identität stehe nicht fest. Der BF1 und die BF2 seien traditionell verheiratet und hätten drei gemeinsame Kinder. Der BF1 und die BF2 seien in Daikondi geboren und hätten dort ca. bis zum Jahr 2010 gelebt. Danach hätten sie etwa sechs Jahre illegal im Iran gelebt. Der BF1 und die BF2 hätten keine Schulbildung. Der BF1 habe seit seinem fünften Lebensjahr in der Landwirtschaft der Eltern gearbeitet, im Iran sei er Hilfsarbeiter gewesen. Die Mutter des BF1 lebe sowohl in Kabul, als auch in Daikondi. Mehrere Verwandte der BF würden nach wie vor in Daikondi leben. Der BF1 würde ein Haus und Grundstücke in Daikondi besitzen. Die BF würden an keinen lebensbedrohlichen Krankheiten leiden. Die von ihnen vorgebrachten Fluchtgründe seien nicht glaubhaft. Es habe nicht festgestellt werden können, dass die BF in Afghanistan einer begründeten Furcht vor asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt gewesen seien oder einer solchen dort gegenwärtig ausgesetzt wären. Beweiswürdigend führte das BFA zu Spruchpunkt I. aus, dass das Fluchtvorbringen in Anbetracht der afghanischen Kultur sehr zweifelhaft sei, zumal nicht üblich sei, dass Frauen die Entscheidung über eine Hochzeit treffen würden. Dass die Stiefmutter die BF2 ohne Wissen des Vaters zwangsverheiratet habe, sei sehr zweifelhaft. Betreffend den Vorfall im Haus des Vaters der BF2 habe sich der BF1 aber auch in massive Widersprüche verwickelt. So habe er einmal davon gesprochen, dass der Vorfall im Haus stattgefunden habe, während er an späterer Stelle wiederum ausgeführt habe, dass sich das Szenario vor dem Haus abgespielt habe. Der BF1 und die BF2 hätten auch das Messer sowie den Exmann der BF2 unterschiedlich beschrieben. Weiters sei nicht logisch, weshalb der Vater der BF2 nach vor im Heimatort leben könne, obwohl dieser damals der ausschlaggebende Faktor für die Auseinandersetzung und den darauffolgenden Tod seines ersten Schwiegersohnes gewesen wäre. Weiters habe die BF2 einerseits davon gesprochen, dass die wirtschaftliche/finanzielle Situation der Familie sehr gut gewesen sei, andererseits habe sie dann aber wiederum angegeben, dass der Vater aufgrund von Schulden zwei Jahre in den Iran zum Arbeiten gehen habe müssen. Insgesamt sei daher davon auszugehen, dass es sich bei der Fluchtgeschichte um ein reines Konstrukt handle. Beweiswürdigend führte das BFA zu Spruchpunkt römisch eins. aus, dass das Fluchtvorbringen in Anbetracht der afghanischen Kultur sehr zweifelhaft sei, zumal nicht üblich sei, dass Frauen die Entscheidung über eine Hochzeit treffen würden. Dass die Stiefmutter die BF2 ohne Wissen des Vaters zwangsverheiratet habe, sei sehr zweifelhaft. Betreffend den Vorfall im Haus des Vaters der BF2 habe sich der BF1 aber auch in massive Widersprüche verwickelt. So habe er einmal davon gesprochen, dass der Vorfall im Haus stattgefunden habe, während er an späterer Stelle wiederum ausgeführt habe, dass sich das Szenario vor dem Haus abgespielt habe. Der BF1 und die BF2 hätten auch das Messer sowie den Exmann der BF2 unterschiedlich beschrieben. Weiters sei nicht logisch, weshalb der Vater der BF2 nach vor im Heimatort leben könne, obwohl dieser damals der ausschlaggebende Faktor für die Auseinandersetzung und den darauffolgenden Tod seines ersten Schwiegersohnes gewesen wäre. Weiters habe die BF2 einerseits davon gesprochen, dass die wirtschaftliche/finanzielle Situation der Familie sehr gut gewesen sei, andererseits habe sie dann aber wiederum angegeben, dass der Vater aufgrund von Schulden zwei Jahre in den Iran zum Arbeiten gehen habe müssen. Insgesamt sei daher davon auszugehen, dass es sich bei der Fluchtgeschichte um ein reines Konstrukt handle. Die BF2 sei auch nicht westlich orientiert, sie habe sich lediglich an das Leben in Österreich angepasst und trage nur kein Kopftuch, weil die Leute in Österreich kein Kopftuch tragen würden. Sie wolle nur arbeiten gehen, weil sie gehört habe, dass man in Österreich arbeiten müsse, wenn man hierbleiben wolle. Die BF2 habe auch keine Ambitionen gezeigt sich zu bilden. Sie verbringe ihre Zeit zu Hause, einkaufen gehen sie mit ihrem Mann oder mit den Nachbarn. Die BF2 habe zwar angegeben, zweimal alleine zu einem Treffen von Dorfbewohnern gegangen zu sein, die Namen der dort teilnehmenden Frauen habe die BF2 allerdings nicht nennen können. Ihr Alltag in Österreich unterscheide sich nicht wesentlich von jenem in Afghanistan. Die minderjährigen BF hätten keine eigenen Fluchtgründe vorgebracht, sondern hätten sich auf die Fluchtgründe der Eltern gestützt. Zu Spruchpunkt II. wurde ausgeführt, dass der BF1 und die BF2 in Daikondi geboren worden seien und den Großteil ihres Lebens dort verbracht hätten. Sie hätten dort zahlreiche familiäre Anknüpfungspunkte. Die Mutter des BF1 lebe etwa die Hälfte des Jahres gemeinsam mit der Schwiegertochter in einem dreistöckigen Haus des Bruders des BF1 in Kabul. Der Bruder versorge diese von England aus. Das Haus habe auch einen eigenen Hausbrunnen. Auch der BF1 besitze nach wie vor ein Elternhaus sowie Grundstücke in Daikondi. Die BF würden in Afghanistan in keine existenzielle Notlage geraten und könnten finanzielle Unterstützung durch ihre Verwandten erhalten. Der BF1 sei gesund und arbeitsfähig. Die erwachsenen BF seien mit den kulturellen und örtlichen Gegebenheiten in Afghanistan vertraut. Den BF sei es möglich und zumutbar nach Kabul zurückzukehren. Zu Spruchpunkt römisch zwei. wurde ausgeführt, dass der BF1 und die BF2 in Daikondi geboren worden seien und den Großteil ihres Lebens dort verbracht hätten. Sie hätten dort zahlreiche familiäre Anknüpfungspunkte. Die Mutter des BF1 lebe etwa die Hälfte des Jahres gemeinsam mit der Schwiegertochter in einem dreistöckigen Haus des Bruders des BF1 in Kabul. Der Bruder versorge diese von England aus. Das Haus habe auch einen eigenen Hausbrunnen. Auch der BF1 besitze nach wie vor ein Elternhaus sowie Grundstücke in Daikondi. Die BF würden in Afghanistan in keine existenzielle Notlage geraten und könnten finanzielle Unterstützung durch ihre Verwandten erhalten. Der BF1 sei gesund und arbeitsfähig. Die erwachsenen BF seien mit den kulturellen und örtlichen Gegebenheiten in Afghanistan vertraut. Den BF sei es möglich und zumutbar nach Kabul zurückzukehren. Zur Rückkehrentscheidung wurde ausgeführt, dass die erwachsenen BF in Österreich keine Deutschkurse besuchen würden. Sie seien nicht berufstätig und würden von der Grundversorgung leben. In Österreich würden keine besonderen sozialen Kontakte bestehen und habe insgesamt keine Integrationsverfestigung festgestellt werden können.
- Gegen diese Bescheide wurden fristgerecht gleichlautende Beschwerden erhoben, worin ausgeführt wurde, dass die belangte Behörde nicht auf das individuelle Vorbringen der BF eingegangen sei und eine Gesamtbeurteilung anhand der aktuellen Herkunftsstaat-spezifischen Informationen verabsäumt habe. Die BF2 gehöre der sozialen Gruppe der westlich orientierten Frauen an. Das BFA habe auch die Zwangsverheiratung der BF1 als unglaubwürdig hingestellt, dabei sei der Sachverhalt völlig missachtet worden. Die Beweiswürdigung der Behörde sei nicht nachvollziehbar und mangelhaft. Die BF2 wolle ein selbstbestimmtes Leben führen, einen Alphabetisierungskurs besuchen und danach eine Ausbildung machen. In Afghanistan habe sie nicht ohne Begleitung eines Mannes das Haus verlassen dürfen und habe sie sich an die dortigen Kleidervorschriften halten müssen. In Österreich gehe sie selbst einkaufen und wolle sie ihren Kindern ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Zurzeit sei die BF2 noch mit der Kinderbetreuung beschäftigt, sobald diese eine Tagesbetreuung bekommen würden, wolle sie sich auf ihre Karriere konzentrieren. Dabei habe sie die volle Unterstützung ihres Ehemannes. Den BF sei daher Asyl zu gewähren. Ansonsten sei den BF jedenfalls der Status der subsidiär Schutzberechtigten zuzuerkennen, zumal ihnen eine Rückkehr nach Kabul nicht zumutbar sei und die Zahl der zivilen Opfer in Kabul stetig steigen würde. Auch seien keine Arbeitsplätze vorhanden.
- Am 19.08.2020 langte eine Beschwerdeergänzung ein. Darin wird ausgeführt, dass der BF1 vom schiitischen zum evangelischen Glauben konvertiert sei. Er besuche seit August eine evangelische Kirche, eine Taufe sei geplant, der genaue Termin stehe aber noch nicht fest. Der BF1 versuche weiterhin sein Wissen zum christlichen Glauben zu verbessern, ein christliches Leben zu etablieren und nach außen hin auszustrahlen. Es werde daher beantragt den Pastor sowie eine weitere Person betreffend die Konversion des BF1 in der mündlichen Verhandlung einzuvernehmen. Apostasie sei in Afghanistan verboten und wäre der BF1 wegen seines glaubhaften Interesses am Christentum und der baldigen Konversion Verfolgungshandlungen bis hin zur Todesstrafe ausgesetzt. Er könne im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan keine Glaubensbetätigung vornehmen ohne von Verfolgungsmaßnahmen betroffen zu sein. Mit der Beschwerdeergänzung wurde ein Schreiben des Pastors beigelegt.
- Das Bundesverwaltungsgericht führte am 24.08.2020 in Anwesenheit eines Dolmetschers für die Sprache Farsi, der Rechtsvertreter der BF sowie eines Vertreters der belangten Behörde eine öffentliche mündliche Verhandlung durch, in welcher der BF1 und die BF2 zu ihren Fluchtgründen, ihren persönlichen Umständen im Herkunftsstaat, ihrer Integration und ihrem Leben in Österreich sowie zum Nachfluchtgrund des BF1 (Konversion) befragt wurden. Weiters wurden in der Verhandlung zwei Zeugen zur Konversion des BF1 einvernommen. Im Zuge der Verhandlung brachten die BF folgende Unterlagen in Vorlage: - Terminkarte des ÖIF der BF2, wonach diese für diverse Kurse vorgemerkt sei; - Bestätigung, datiert mit 07.07.2020, wonach die BF2 seit einem Jahr an einem ehrenamtlichen Deutschkurs teilnehme (3x wöchentlich). Sie besuche den Basiskurs (Niveau A0), habe bereits das Lesen gelernt und verfüge über eine schöne Schrift, ihre Mitarbeit sei in genügendem Ausmaß vorhanden; - Empfehlungsschreiben des Vereis „ChristAktiv“ für die BF; - Unterstützungserklärung der Volksschule, welche der BF3 besucht; - Bestätigung, wonach die BF4 von September 2019 bis Juni 2020 regelmäßig den Kindergarten besucht habe; - Schulbesuchsbestätigung des BF3 (Schuljahr 2019/20, zweite Schulstufe Volksschule, als außerordentlicher Schüler, die Gegenstände Sachunterricht, Deutsch und Mathematik wurden nicht beurteilt); - Schulnachricht des BF3 (Schuljahr 2019/20, zweite Schulstufe, als außerordentlicher Schüler, die Gegenstände Sachunterricht, Deutsch und Mathematik wurden nicht beurteilt) sowie Erläuterung zur Schulnachricht; - Bestätigung, wonach der BF3 an einem „Ferienkurs Deutsch 2020“ teilgenommen habe. Weiters wurde wie folgt vorgebracht: […] R: Sind Sie gesund? BF2: Ja. R: Sind Sie gesund? , BF2: Ja. R: Stimmt Ihr Geburtsdatum mit XXXX ? BF2: Ja, es stimmt. R: Stimmt Ihr Geburtsdatum mit römisch 40 ? , BF2: Ja, es stimmt. R: Wo sind Sie geboren? BF2: In Afghanistan. R: Wo sind Sie geboren? , BF2: In Afghanistan. R: Wo genau? BF2: In Daikundi, in Hushu Alaudal. R: Wo genau? , BF2: In Daikundi, in Hushu Alaudal. R: Ist Hushu Alaudal Ihr Heimatdorf? BF2: Ja. R: Ist Hushu Alaudal Ihr Heimatdorf? , BF2: Ja. R: Wie lange haben Sie in Ihrem Heimatdorf gelebt? BF2: Bis zum
- Lebensjahr. Es waren mehr als 14 Jahre, genau weiß ich es nicht mehr. R: Wie lange haben Sie in Ihrem Heimatdorf gelebt? , BF2: Bis zum
- Lebensjahr. Es waren mehr als 14 Jahre, genau weiß ich es nicht mehr. R: Wieso wissen Sie das nicht genau? BF2: Ich glaube ich war 16 Jahre dort. R: Wieso wissen Sie das nicht genau? , BF2: Ich glaube ich war 16 Jahre dort. R: Wohin sind Sie gereist? BF2: Danach habe ich Probleme gehabt und bin in den Iran gereist. R: Wohin sind Sie gereist? , BF2: Danach habe ich Probleme gehabt und bin in den Iran gereist. R: Wie lange haben Sie sich im Iran aufgehalten? BF2: Sechs Jahre. R: Wie lange haben Sie sich im Iran aufgehalten? , BF2: Sechs Jahre. R: Sind Sie dann vom Iran direkt Richtung Europa gereist? BF2: Ja. R: Sind Sie dann vom Iran direkt Richtung Europa gereist? , BF2: Ja. R: Das heißt, Sie waren dann nie mehr in Afghanistan? BF2: Nein, ich hatte Probleme und deswegen konnte ich nicht mehr nach Afghanistan. R: Das heißt, Sie waren dann nie mehr in Afghanistan? , BF2: Nein, ich hatte Probleme und deswegen konnte ich nicht mehr nach Afghanistan. R: Haben Sie noch Verwandte, die in Afghanistan leben? BF2: Ja, meine Schwiegermutter lebt dort, mein Vater lebt dort. Meine Mutter ist verstorben. Ich habe einen Bruder in Afghanistan und einen Bruder im Iran und ich habe zwei Schwestern in Afghanistan, wir haben denselben Vater aber nicht dieselbe Mutter. Ich habe eine weitere Schwester von meinen Eltern im Iran und eine andere Schwester in Deutschland. Das sind meine richtigen Schwestern von derselben Mutter und demselben Vater. R: Haben Sie noch Verwandte, die in Afghanistan leben? , BF2: Ja, meine Schwiegermutter lebt dort, mein Vater lebt dort. Meine Mutter ist verstorben. Ich habe einen Bruder in Afghanistan und einen Bruder im Iran und ich habe zwei Schwestern in Afghanistan, wir haben denselben Vater aber nicht dieselbe Mutter. Ich habe eine weitere Schwester von meinen Eltern im Iran und eine andere Schwester in Deutschland. Das sind meine richtigen Schwestern von derselben Mutter und demselben Vater. R: Wo genau leben Ihre Verwandten in Afghanistan? Leben diese in Ihrem Heimatdorf? BF2: Meine Schwiegermutter lebt in Kabul und mein Vater lebt im Heimatdorf. Ich glaube, dass meine Geschwister auch beim Vater im Heimatdorf leben. R: Wo genau leben Ihre Verwandten in Afghanistan? Leben diese in Ihrem Heimatdorf? , BF2: Meine Schwiegermutter lebt in Kabul und mein Vater lebt im Heimatdorf. Ich glaube, dass meine Geschwister auch beim Vater im Heimatdorf leben. R: Waren Sie schon jemals in Kabul? BF2: Ja, aber nur auf dem Fluchtweg bin ich durchgereist. R: Waren Sie schon jemals in Kabul? , BF2: Ja, aber nur auf dem Fluchtweg bin ich durchgereist. R: Lebt Ihre Schwiegermutter in einem Haus? Können Sie mir die Wohnverhältnisse Ihrer Schwiegermutter beschreiben? BF2: Sie lebt in einem Haus, wobei das Haus ihrem Sohn gehört, also meinem Schwager. Dieser lebt in England, aber seine Frau lebt in Kabul mit meiner Schwiegermutter zusammen. R: Lebt Ihre Schwiegermutter in einem Haus? Können Sie mir die Wohnverhältnisse Ihrer Schwiegermutter beschreiben? , BF2: Sie lebt in einem Haus, wobei das Haus ihrem Sohn gehört, also meinem Schwager. Dieser lebt in England, aber seine Frau lebt in Kabul mit meiner Schwiegermutter zusammen. R: Wie verdient sich Ihre Schwiegermutter ihren Lebensunterhalt? BF2: Das Haus hat drei Stockwerke, die anderen Stockwerke sind vermietet worden und von dieser Miete lebt sie. Außerdem schickt ihr mein Schwager aus England Geld und sie hat auch ein Grundstück, von dem sie sich ernährt. R: Wie verdient sich Ihre Schwiegermutter ihren Lebensunterhalt? , BF2: Das Haus hat drei Stockwerke, die anderen Stockwerke sind vermietet worden und von dieser Miete lebt sie. Außerdem schickt ihr mein Schwager aus England Geld und sie hat auch ein Grundstück, von dem sie sich ernährt. R: Wie sind die Wohnverhältnisse Ihres Vaters? BF2: Mein Vater sitzt in seinem Haus, das gehört uns und hat auch ein Grundstück, wo er auch Bäume besitzt. R: Wie sind die Wohnverhältnisse Ihres Vaters? , BF2: Mein Vater sitzt in seinem Haus, das gehört uns und hat auch ein Grundstück, wo er auch Bäume besitzt. R: Um welche Bäume handelt es sich dabei? BF2: Um Mandel- und Walnussbäume und auch Marillenbäume. R: Um welche Bäume handelt es sich dabei? , BF2: Um Mandel- und Walnussbäume und auch Marillenbäume. R: Wenn Sie nach Afghanistan zurückkehren müssten, könnten Sie bei Ihrer Schwiegermutter leben? BF2: Nein, wir haben Probleme und können daher nicht zurückkehren. R: Wenn Sie nach Afghanistan zurückkehren müssten, könnten Sie bei Ihrer Schwiegermutter leben? , BF2: Nein, wir haben Probleme und können daher nicht zurückkehren. R: Aber, wenn diese Probleme nicht vorhanden wären, könnten Sie mit Ihrer Familie bei Ihrer Schwiegermutter Unterschlupf finden? BF2: Ja, hätte ich diese Probleme nicht gehabt, hätte ich mit ihr zusammenleben können, denn jeder Mensch liebt seine Heimat. R: Aber, wenn diese Probleme nicht vorhanden wären, könnten Sie mit Ihrer Familie bei Ihrer Schwiegermutter Unterschlupf finden? , BF2: Ja, hätte ich diese Probleme nicht gehabt, hätte ich mit ihr zusammenleben können, denn jeder Mensch liebt seine Heimat. R: Wenn Sie diese Probleme nicht hätten, könnten Sie dann auch bei Ihrem Vater im Heimatdorf leben? BF2: Wenn ich die Probleme nicht hätte, hätte ich auch in meinem Heimatdorf leben können. R: Wenn Sie diese Probleme nicht hätten, könnten Sie dann auch bei Ihrem Vater im Heimatdorf leben? , BF2: Wenn ich die Probleme nicht hätte, hätte ich auch in meinem Heimatdorf leben können. R: Und Sie könnten bei Ihrem Vater wohnen? BF2: Ja. R: Und Sie könnten bei Ihrem Vater wohnen? , BF2: Ja. R: Haben Sie eine Schulausbildung? BF2: Nein, gar nicht. R: Haben Sie eine Schulausbildung? , BF2: Nein, gar nicht. R: Haben Sie einen Beruf erlernt? BF2: Hier? R: Haben Sie einen Beruf erlernt? , BF2: Hier? R: Wenn Sie hier in Österreich eine Ausbildung gemacht haben, können Sie mir davon erzählen. BF2: In Afghanistan habe ich immer zu Hause gearbeitet, Hausarbeit und ich habe am Feld mitgeholfen. Ich lerne gerade hier. Ich mache den Deutschkurs, ich besuche ihn einmal pro Woche und einmal pro Woche besucht ihn mein Mann. Es ist der A1 Deutschkurs. R: Wenn Sie hier in Österreich eine Ausbildung gemacht haben, können Sie mir davon erzählen. , BF2: In Afghanistan habe ich immer zu Hause gearbeitet, Hausarbeit und ich habe am Feld mitgeholfen. Ich lerne gerade hier. Ich mache den Deutschkurs, ich besuche ihn einmal pro Woche und einmal pro Woche besucht ihn mein Mann. Es ist der A1 Deutschkurs. R: Seit wann besuchen Sie diesen Deutschkurs? BF2: Wir leben jetzt in St. Pölten. Ich glaube, seit ca. einem Jahr besuche ich den Kurs. Es sind immer wieder Ferien, aber ich lerne von zu Hause aus. R: Seit wann besuchen Sie diesen Deutschkurs? , BF2: Wir leben jetzt in St. Pölten. Ich glaube, seit ca. einem Jahr besuche ich den Kurs. Es sind immer wieder Ferien, aber ich lerne von zu Hause aus. R: Wie lernen Sie von zu Hause aus? BF2: Über Youtube. R: Wie lernen Sie von zu Hause aus? , BF2: Über Youtube. R: Wie machen Sie das über Youtube? BF2: Es ist ein Herr, der heißt Ashkan und der unterrichtet von Farsi auf Deutsch. R: Wie machen Sie das über Youtube? , BF2: Es ist ein Herr, der heißt Ashkan und der unterrichtet von Farsi auf Deutsch. R: Haben Sie eine Bestätigung, dass Sie den A1-Deutschkurs besuchen? BF2: Ich besuche den A1-Kurs seit einem Monat und jetzt haben wir Ferien, aber ich habe Unterlagen. R: Haben Sie eine Bestätigung, dass Sie den A1-Deutschkurs besuchen? , BF2: Ich besuche den A1-Kurs seit einem Monat und jetzt haben wir Ferien, aber ich habe Unterlagen. RV legt vor: Regierungsvorlage legt vor: - Eine Bestätigung vom 07.07.2020, Büro für Diversität der Stadt St. Pölten, welche in Kopie als Beilage ./A zum Akt genommen wird. - Kindergartenbesuchsbestätigung vom 02.07.2020 betreffend XXXX sowie Schulbesuchsbestätigungen von XXXX . Diese werden in Kopie als Beilage ./B zum Akt genommen. - Kindergartenbesuchsbestätigung vom 02.07.2020 betreffend römisch 40 sowie Schulbesuchsbestätigungen von römisch 40 . Diese werden in Kopie als Beilage ./B zum Akt genommen. - Konvolut an Empfehlungs- bzw. Unterstützungserklärungen. Diese werden in Kopie als Beilage ./C zum Akt genommen. - Bestätigung über die Teilnahme von XXXX am Ferienkurs 2020 (11.-21.08.2020) zwecks Erlernen der deutschen Sprache. Eine Kopie wird als Beilage ./D zum Akt genommen. - Bestätigung über die Teilnahme von römisch 40 am Ferienkurs 2020 (11.-21.08.2020) zwecks Erlernen der deutschen Sprache. Eine Kopie wird als Beilage ./D zum Akt genommen. Dazu gibt die BF2 an: Ab heute würde ein zweiter Ferienkurs stattfinden. Da jedoch heute die Verhandlung ist, wird XXXX ab morgen an diesem weiteren Ferienkurs teilnehmen. Was dort unterrichtet wird, weiß die BF2 nicht. Dazu gibt die BF2 an: Ab heute würde ein zweiter Ferienkurs stattfinden. Da jedoch heute die Verhandlung ist, wird römisch 40 ab morgen an diesem weiteren Ferienkurs teilnehmen. Was dort unterrichtet wird, weiß die BF2 nicht. R: Wenn Sie keine Probleme hätten, würden Sie gerne wieder nach Afghanistan zurückkehren? BF2: Ja, wenn ich diese Probleme nicht hätte, würde ich gerne wieder nach Afghanistan zurückkehren, aber da ich diese Probleme habe, kann ich nicht nach Afghanistan zurückkehren. R: Wenn Sie keine Probleme hätten, würden Sie gerne wieder nach Afghanistan zurückkehren? , BF2: Ja, wenn ich diese Probleme nicht hätte, würde ich gerne wieder nach Afghanistan zurückkehren, aber da ich diese Probleme habe, kann ich nicht nach Afghanistan zurückkehren. R: Wenn Sie zurückkehren müssten und Sie keine Probleme hätten, wo würden Sie wohnen? Bei Ihrem Vater im Heimatdorf? BF2: Wegen der Probleme kann ich nicht zurückkehren, aber wenn es diese Probleme nicht geben würde, würde ich bei meinem Vater im Heimatdorf leben. R: Wenn Sie zurückkehren müssten und Sie keine Probleme hätten, wo würden Sie wohnen? Bei Ihrem Vater im Heimatdorf? , BF2: Wegen der Probleme kann ich nicht zurückkehren, aber wenn es diese Probleme nicht geben würde, würde ich bei meinem Vater im Heimatdorf leben. R: Welche Probleme haben Sie, dass Sie nicht zurückkehren können? BF2: Ich war 11 Jahre alt, als meine Mutter gestorben ist. Ich habe ein Jahr ohne meine Mutter noch zu Hause gelebt. Nach dem Tod meiner Mutter haben wir zwei Wochen lang eine Trauerzeit gehabt. Ein Jahr später hat mein Vater wieder geheiratet. Mein Vater hat der Familie seiner neuen Frau Geld bezahlt, damit er heiraten kann. Da mein Vater dann pleite war und kein Geld mehr hatte und auch Schulden gemacht hatte, ist er in den Iran gegangen, um dort zu arbeiten. Aber das Grundstück hatte er und ich blieb bei meiner Stiefmutter und sie hat mich dann im Alter von 14 Jahren verheiratet. Ich habe einen 45-50 jährigen Mann heiraten müssen und ich war zwei Jahre bei meinem Mann zu Hause und es waren ca. 12 Personen in diesem Haushalt und ich musste für alle arbeiten. R: Welche Probleme haben Sie, dass Sie nicht zurückkehren können? , BF2: Ich war 11 Jahre alt, als meine Mutter gestorben ist. Ich habe ein Jahr ohne meine Mutter noch zu Hause gelebt. Nach dem Tod meiner Mutter haben wir zwei Wochen lang eine Trauerzeit gehabt. Ein Jahr später hat mein Vater wieder geheiratet. Mein Vater hat der Familie seiner neuen Frau Geld bezahlt, damit er heiraten kann. Da mein Vater dann pleite war und kein Geld mehr hatte und auch Schulden gemacht hatte, ist er in den Iran gegangen, um dort zu arbeiten. Aber das Grundstück hatte er und ich blieb bei meiner Stiefmutter und sie hat mich dann im Alter von 14 Jahren verheiratet. Ich habe einen 45-50 jährigen Mann heiraten müssen und ich war zwei Jahre bei meinem Mann zu Hause und es waren ca. 12 Personen in diesem Haushalt und ich musste für alle arbeiten. R: Wann genau ist Ihr Vater nach der Hochzeit mit seiner zweiten Frau in den Iran gegangen? Können Sie sich daran erinnern? BF2: Nein, ich kann mich nicht an das Jahr erinnern. R: Wann genau ist Ihr Vater nach der Hochzeit mit seiner zweiten Frau in den Iran gegangen? Können Sie sich daran erinnern? , BF2: Nein, ich kann mich nicht an das Jahr erinnern. R: Wissen Sie wie alt Sie waren, als Ihr Vater in den Iran gereist ist? BF2: Ich war 13 Jahre alt. R: Wissen Sie wie alt Sie waren, als Ihr Vater in den Iran gereist ist? , BF2: Ich war 13 Jahre alt. R: Welchen Beruf hat Ihr Vater im Iran ausgeübt, wissen Sie das? BF2: Als Hilfsarbeiter auf Baustellen hat er gearbeitet. R: Welchen Beruf hat Ihr Vater im Iran ausgeübt, wissen Sie das? , BF2: Als Hilfsarbeiter auf Baustellen hat er gearbeitet. R: Wie hieß der Mann, mit dem Sie verheiratet wurden? BF2: XXXX . R: Wie hieß der Mann, mit dem Sie verheiratet wurden? , BF2: römisch 40 . R: Ist das der Vorname? BF2: Ja, das ist sein Vorname. R: Ist das der Vorname? , BF2: Ja, das ist sein Vorname. R: Wie war sein Nachname? BF2: Ich kann mich nicht mehr erinnern. R: Wie war sein Nachname? , BF2: Ich kann mich nicht mehr erinnern. R: Wo haben Sie mit Ihrem Ehemann gelebt? BF2: Es war auch im Heimatdorf. R: Wo haben Sie mit Ihrem Ehemann gelebt? , BF2: Es war auch im Heimatdorf. R: Wann haben Sie den Mann geheiratet? BF2: Ich war 14 Jahre alt und blieb zwei Jahre bei ihm. R: Wann haben Sie den Mann geheiratet? , BF2: Ich war 14 Jahre alt und blieb zwei Jahre bei ihm. R: Können Sie sich an den Monat erinnern, wann Sie den Mann geheiratet haben? BF2: Ich weiß es nicht, in Afghanistan schaut man nicht darauf. Ich habe nicht gewusst, welcher Monat es ist. R: Können Sie sich an den Monat erinnern, wann Sie den Mann geheiratet haben? , BF2: Ich weiß es nicht, in Afghanistan schaut man nicht darauf. Ich habe nicht gewusst, welcher Monat es ist. R: Hat Ihr Vater dieser Heirat zugestimmt? BF2: Mein Vater wusste nichts davon. R: Hat Ihr Vater dieser Heirat zugestimmt? , BF2: Mein Vater wusste nichts davon. R: Wie viel Geld hat dieser Mann an Ihre Familie bezahlt? BF2: 2 Lak Afghani. R: Wie viel Geld hat dieser Mann an Ihre Familie bezahlt? , BF2: 2 Lak Afghani. R: Wer hat das Geld bekommen? BF2: Meine Stiefmutter. R: Wer hat das Geld bekommen? , BF2: Meine Stiefmutter. R: Wie kann das sein, dass Ihr Vater als Oberhaupt der Familie nichts von dieser Heirat gewusst hat? BF2: In Afghanistan passieren solche Probleme oft. Als er in den Iran ging, gab es kein Telefon, kein Handy. R: Wie kann das sein, dass Ihr Vater als Oberhaupt der Familie nichts von dieser Heirat gewusst hat? , BF2: In Afghanistan passieren solche Probleme oft. Als er in den Iran ging, gab es kein Telefon, kein Handy. R: Wie lange ist Ihr Vater im Iran geblieben, nachdem Sie geheiratet haben? BF2: Ich blieb ja zwei Jahre bei meinem Mann, war zwei Jahre verheiratet mit ihm, als mein Vater zurückgekehrt ist. Ich bat meinen Mann, meinen Vater besuchen zu dürfen. Er hat es nicht akzeptiert und hat gesagt, ich müsse zu Hause bleiben und die Hausarbeit machen. R: Wie lange ist Ihr Vater im Iran geblieben, nachdem Sie geheiratet haben? , BF2: Ich blieb ja zwei Jahre bei meinem Mann, war zwei Jahre verheiratet mit ihm, als mein Vater zurückgekehrt ist. Ich bat meinen Mann, meinen Vater besuchen zu dürfen. Er hat es nicht akzeptiert und hat gesagt, ich müsse zu Hause bleiben und die Hausarbeit machen. R: Und Ihr Vater ist während der Zeit im Iran, nie nach Hause nach Afghanistan zurückgekehrt, um Sie und seine Familie und seine Ehefrau zu besuchen? BF2: Nein. In diesen zwei Jahren ist er nicht zurückgekehrt. R: Und Ihr Vater ist während der Zeit im Iran, nie nach Hause nach Afghanistan zurückgekehrt, um Sie und seine Familie und seine Ehefrau zu besuchen? , BF2: Nein. In diesen zwei Jahren ist er nicht zurückgekehrt. R: Heute haben Sie gesagt, der Mann war zwischen 45 und 50 Jahre alt war. Vor dem Bundesamt haben Sie dezidiert gesagt, dass Ihr Mann 45 Jahre alt war und heute sagen Sie, dass er zwischen 45 und 50 Jahre alt war. BF2: Ich habe es vor dem BFA auch so gesagt, 45 bis 50 Jahre, aber der Dolmetscher hat es so notiert. R: Heute haben Sie gesagt, der Mann war zwischen 45 und 50 Jahre alt war. Vor dem Bundesamt haben Sie dezidiert gesagt, dass Ihr Mann 45 Jahre alt war und heute sagen Sie, dass er zwischen 45 und 50 Jahre alt war. , BF2: Ich habe es vor dem BFA auch so gesagt, 45 bis 50 Jahre, aber der Dolmetscher hat es so notiert. R: Wie viele Geschwister hatte Ihr Ehemann? BF2: Mein Ex-Mann? R: Wie viele Geschwister hatte Ihr Ehemann? , BF2: Mein Ex-Mann? R: Ja. BF2: Zwei Schwestern und vier Brüder. R: Ja. , BF2: Zwei Schwestern und vier Brüder. R: Können Sie mir die Namen der Schwestern und Brüder nennen? BF2: Die Schwestern hießen XXXX und XXXX . Die Brüder hießen XXXX und der vierte Bruder war mein Mann. Er hatte also zwei Schwestern und drei Brüder. R: Können Sie mir die Namen der Schwestern und Brüder nennen? , BF2: Die Schwestern hießen römisch 40 und römisch 40 . Die Brüder hießen römisch 40 und der vierte Bruder war mein Mann. Er hatte also zwei Schwestern und drei Brüder. R: Waren diese Schwestern älter als Ihr Ex-Mann? BF2: Ja, sie waren älter. R: Waren diese Schwestern älter als Ihr Ex-Mann? , BF2: Ja, sie waren älter. R: Wissen Sie, wie alt seine Schwestern waren? BF2: Nein, das weiß ich nicht. R: Wissen Sie, wie alt seine Schwestern waren? , BF2: Nein, das weiß ich nicht. R: Waren die Brüder Ihres Ex-Mannes älter als er? BF2: Manche waren älter als er und manche jünger. R: Waren die Brüder Ihres Ex-Mannes älter als er? , BF2: Manche waren älter als er und manche jünger. R: Wer war älter als Ihr Ex-Ehemann? BF2: XXXX war der ältere, dann ist mein Mann, dann XXXX und dann XXXX . R: Wer war älter als Ihr Ex-Ehemann? , BF2: römisch 40 war der ältere, dann ist mein Mann, dann römisch 40 und dann römisch 40 . R: Sind Sie dann Ihren Vater besuchen gegangen, obwohl Ihre Ex-Ehemann dies verboten hatte? BF2: Ich habe ihn eine Woche angefleht und ihn gebeten, mir zu erlauben, meinen Vater besuchen zu dürfen. Er hat es mir nicht erlaubt. Nach einer Woche bin ich heimlich meinen Vater besuchen gegangen. R: Sind Sie dann Ihren Vater besuchen gegangen, obwohl Ihre Ex-Ehemann dies verboten hatte? , BF2: Ich habe ihn eine Woche angefleht und ihn gebeten, mir zu erlauben, meinen Vater besuchen zu dürfen. Er hat es mir nicht erlaubt. Nach einer Woche bin ich heimlich meinen Vater besuchen gegangen. R: Haben Sie Ihrem Vater erzählt, dass Ihr Ex-Mann Ihnen verboten hat ihn zu besuchen? BF2: Ja, ich habe meinem Vater davon erzählt. Ich weiß nicht wie lange es gedauert hat, ich glaube zwei bis drei Stunden. Dann sind mein Ex-Mann und seine zwei Brüder zu meinem Elternhaus gekommen und hat mich gefragt, warum ich ohne Erlaubnis weggegangen bin. Mein jetziger Ehemann war auch bei meinem Vater, er ist mein Cousin. Er ist der Sohn meiner Tante ms. Ohne mich zu begrüßen hat er mich gefragt, warum ich ohne fragen gegangen bin und er hat mich geschlagen. Er hat mich an den Haaren gezogen und mein Vater hat gezogen. Mein Vater hat gesagt: „Warum machst du so etwas? Warum darf meine Tochter ihren Vater nicht besuchen?“ Mein Ex-Mann sagte dann zu meinem Vater: „Sie darf nicht herkommen und wir haben für sie Geld bezahlt“. R: Haben Sie Ihrem Vater erzählt, dass Ihr Ex-Mann Ihnen verboten hat ihn zu besuchen? , BF2: Ja, ich habe meinem Vater davon erzählt. Ich weiß nicht wie lange es gedauert hat, ich glaube zwei bis drei Stunden. Dann sind mein Ex-Mann und seine zwei Brüder zu meinem Elternhaus gekommen und hat mich gefragt, warum ich ohne Erlaubnis weggegangen bin. Mein jetziger Ehemann war auch bei meinem Vater, er ist mein Cousin. Er ist der Sohn meiner Tante ms. Ohne mich zu begrüßen hat er mich gefragt, warum ich ohne fragen gegangen bin und er hat mich geschlagen. Er hat mich an den Haaren gezogen und mein Vater hat gezogen. Mein Vater hat gesagt: „Warum machst du so etwas? Warum darf meine Tochter ihren Vater nicht besuchen?“ Mein Ex-Mann sagte dann zu meinem Vater: „Sie darf nicht herkommen und wir haben für sie Geld bezahlt“. R: Was hat Ihr Vater gesagt? BF2: Mein Vater hat meinem Ex-Mann eine Ohrfeige gegeben und ihn gefragt, warum er das macht. Mein Ex-Mann zog mich an meiner Hand. Auf der anderen Seite hat mein Vater mich gezogen. Mein linker Arm ist seitdem gebrochen, weil mein Ex-Mann mich daran gezogen hat. Mein Ex-Mann wollte dann meinen Vater und mich schlagen. Bei dieser Streiterei ist dann mein jetziger Mann dazwischengekommen. Als mein Ex-Mann dann zu ihm gesagt hat: „Wer bist du? Du als fremder Mann darfst meine Frau nicht angreifen.“ Mein jetziger Ehemann hat zu meinem Ex-Ehemann gesagt: „Ich gehöre zur Familie und kann nicht nur sitzen und zuschauen“. Mein Ex-Ehemann hat meinen Vater mit der Axt getroffen, wobei er meinen Vater an drei Fingern verletzt hat. R: Was hat Ihr Vater gesagt? , BF2: Mein Vater hat meinem Ex-Mann eine Ohrfeige gegeben und ihn gefragt, warum er das macht. Mein Ex-Mann zog mich an meiner Hand. Auf der anderen Seite hat mein Vater mich gezogen. Mein linker Arm ist seitdem gebrochen, weil mein Ex-Mann mich daran gezogen hat. Mein Ex-Mann wollte dann meinen Vater und mich schlagen. Bei dieser Streiterei ist dann mein jetziger Mann dazwischengekommen. Als mein Ex-Mann dann zu ihm gesagt hat: „Wer bist du? Du als fremder Mann darfst meine Frau nicht angreifen.“ Mein jetziger Ehemann hat zu meinem Ex-Ehemann gesagt: „Ich gehöre zur Familie und kann nicht nur sitzen und zuschauen“. Mein Ex-Ehemann hat meinen Vater mit der Axt getroffen, wobei er meinen Vater an drei Fingern verletzt hat. R: Was heißt „an drei Fingern verletzt“? Hat es nur geblutet? BF2: Ich habe bei diesem Streit gesehen, dass er blutet. Er ist dann ins Spital gefahren und wurde behandelt. Ich bin dann weggegangen, ich habe es dann nicht mehr gesehen, aber mein Vater erzählte mir, dass die drei Finger abgetrennt wurden, er hat somit drei Finger verloren an der rechten Hand. R: Was heißt „an drei Fingern verletzt“? Hat es nur geblutet? , BF2: Ich habe bei diesem Streit gesehen, dass er blutet. Er ist dann ins Spital gefahren und wurde behandelt. Ich bin dann weggegangen, ich habe es dann nicht mehr gesehen, aber mein Vater erzählte mir, dass die drei Finger abgetrennt wurden, er hat somit drei Finger verloren an der rechten Hand. R: Wie hat die zweite Ehefrau Ihres Vaters geheißen? BF2: XXXX . R: Wie hat die zweite Ehefrau Ihres Vaters geheißen? , BF2: römisch 40 . R: Sie haben gesagt, dass Ihr linker Arm gebrochen war. Können Sie mir das zeigen? BF2: Beim Ellenbogen war er gebrochen. Wenn ich schwere Arbeit verrichte und es draußen kalt wird, habe ich Schmerzen. R: Sie haben gesagt, dass Ihr linker Arm gebrochen war. Können Sie mir das zeigen? , BF2: Beim Ellenbogen war er gebrochen. Wenn ich schwere Arbeit verrichte und es draußen kalt wird, habe ich Schmerzen. R: Hatten Sie einen Gips? BF2: Nein, ich habe keinen Gips bekommen, denn in Afghanistan gibt es keinen Gipsverband, aber sie hat mir zwei Stöcke auf den Arm gegeben und ihn so verbunden. Es war auch sehr angeschwollen. Die Schwellung ist zurückgegangen, aber der Bruch ist nicht verheilt. R: Hatten Sie einen Gips? , BF2: Nein, ich habe keinen Gips bekommen, denn in Afghanistan gibt es keinen Gipsverband, aber sie hat mir zwei Stöcke auf den Arm gegeben und ihn so verbunden. Es war auch sehr angeschwollen. Die Schwellung ist zurückgegangen, aber der Bruch ist nicht verheilt. R: Der Arm kann nicht mehr gebrochen sein. Wie soll das nach dieser langen Zeit noch der Fall sein? BF2: Der Bruch ist auch verheilt, aber es ist noch eine Art Knoten da. Ich spüre etwas Rundes und es schmerzt noch. R: Der Arm kann nicht mehr gebrochen sein. Wie soll das nach dieser langen Zeit noch der Fall sein? , BF2: Der Bruch ist auch verheilt, aber es ist noch eine Art Knoten da. Ich spüre etwas Rundes und es schmerzt noch. R: Wer hat Ihren Vater ins Krankenhaus gebracht? BF2: Sein Bruder, mein Onkel. R: Wer hat Ihren Vater ins Krankenhaus gebracht? , BF2: Sein Bruder, mein Onkel. R: Wie hat der Onkel vs geheißen? BF2: XXXX . R: Wie hat der Onkel vs geheißen? , BF2: römisch 40 . R: Wurde bei diesem Vorfall noch jemand verletzt? BF2: Ja, mein Ex-Mann hat meinen jetzigen Mann auch mit der Axt am Bein getroffen und verletzt. Ein Bruder meines Ex-Mannes hat die Waffe auf meinen jetzigen Mann gerichtet und wollte auf ihn schießen, weil er gesagt hat: „Warum greifst du unsere Ehre an?“ Als er auf meinen jetzigen Ehemann schießen wollte, hat er dabei seinen Bruder – also meinen Ex-Mann – getroffen und verletzt. Mein Ex-Mann wurde von seinen Brüdern nach Hause gebracht. Am nächsten Tag hörten wir, dass mein Ex-Mann an den Verletzungen verstorben war. Der Dorfmullah hat gesagt, dass mein jetziger Mann und ich gesteinigt oder gehängt werden müssen. Mein Onkel vs hat mich dann am nächsten Tag zu meiner Tante vs gebracht, die etwas entfernter gewohnt hat und mein jetziger Mann ist bei dem Streit, als der Schuss gefallen ist, gleich weggegangen. Er hatte einen Esel. Er ist auf diesen gestiegen und nach Hause gegangen. R: Wurde bei diesem Vorfall noch jemand verletzt? , BF2: Ja, mein Ex-Mann hat meinen jetzigen Mann auch mit der Axt am Bein getroffen und verletzt. Ein Bruder meines Ex-Mannes hat die Waffe auf meinen jetzigen Mann gerichtet und wollte auf ihn schießen, weil er gesagt hat: „Warum greifst du unsere Ehre an?“ Als er auf meinen jetzigen Ehemann schießen wollte, hat er dabei seinen Bruder – also meinen Ex-Mann – getroffen und verletzt. Mein Ex-Mann wurde von seinen Brüdern nach Hause gebracht. Am nächsten Tag hörten wir, dass mein Ex-Mann an den Verletzungen verstorben war. Der Dorfmullah hat gesagt, dass mein jetziger Mann und ich gesteinigt oder gehängt werden müssen. Mein Onkel vs hat mich dann am nächsten Tag zu meiner Tante vs gebracht, die etwas entfernter gewohnt hat und mein jetziger Mann ist bei dem Streit, als der Schuss gefallen ist, gleich weggegangen. Er hatte einen Esel. Er ist auf diesen gestiegen und nach Hause gegangen. R: Wo hat Ihre Tante vs gewohnt? BF2: Zwei Dörfer weiter. R: Wo hat Ihre Tante vs gewohnt? , BF2: Zwei Dörfer weiter. R: Wie heißt das Dorf, wo Ihre Tante vs wohnt? BF2: Toghai. R: Wie heißt das Dorf, wo Ihre Tante vs wohnt? , BF2: Toghai. R: Wie lange sind Sie bei Ihrer Tante vs gewesen? BF2: Einen Monat lang. R: Wie lange sind Sie bei Ihrer Tante vs gewesen? , BF2: Einen Monat lang. R: Hat man Sie dort nicht gesucht? BF2: Doch, sie haben nach mir gesucht, aber ich habe mich bei meiner Tante versteckt. Auch die Dorfbewohner haben nach mir gesucht. Dann ist mein Onkel wieder zu meiner Tante gekommen und hat gesagt, ich müsste von hier weggehen. Als mein Onkel mir das sagte, weil alle nach mir suchten, hat mein jetziger Mann auch gesagt, dass unser Leben in Gefahr sei und wir von hier weggehen müssten. Mein Onkel gab mir Geld und mein jetziger Ehemann hat mich auch begleitet. Wir sind dann nach Kabul gefahren und dann in den Iran geflüchtet. Wir haben im Iran geheiratet und die Reise in den Iran dauerte ca. eine Woche. Als wir im Iran ankamen sind wir dann zu meiner Schwester gegangen. R: Hat man Sie dort nicht gesucht? , BF2: Doch, sie haben nach mir gesucht, aber ich habe mich bei meiner Tante versteckt. Auch die Dorfbewohner haben nach mir gesucht. Dann ist mein Onkel wieder zu meiner Tante gekommen und hat gesagt, ich müsste von hier weggehen. Als mein Onkel mir das sagte, weil alle nach mir suchten, hat mein jetziger Mann auch gesagt, dass unser Leben in Gefahr sei und wir von hier weggehen müssten. Mein Onkel gab mir Geld und mein jetziger Ehemann hat mich auch begleitet. Wir sind dann nach Kabul gefahren und dann in den Iran geflüchtet. Wir haben im Iran geheiratet und die Reise in den Iran dauerte ca. eine Woche. Als wir im Iran ankamen sind wir dann zu meiner Schwester gegangen. R: Wer hat nach Ihnen gesucht? BF2: Die Dorfbewohner und der Dorfmullah. R: Wer hat nach Ihnen gesucht? , BF2: Die Dorfbewohner und der Dorfmullah. R: Was hat man Ihnen vorgeworfen? BF2: Sie haben gesagt, dass wir gesteinigt oder gehängt werden müssen, weil mein jetziger Ehemann mich angegriffen hat. Man darf eine verheiratete Frau nicht angreifen. R: Was hat man Ihnen vorgeworfen? , BF2: Sie haben gesagt, dass wir gesteinigt oder gehängt werden müssen, weil mein jetziger Ehemann mich angegriffen hat. Man darf eine verheiratete Frau nicht angreifen. R: Meinen Sie mit angreifen berühren bzw. anfassen? BF2: Ja, im Islam ist es so, dass ein fremder Mann eine verheiratete Frau nicht anfassen darf. R: Meinen Sie mit angreifen berühren bzw. anfassen? , BF2: Ja, im Islam ist es so, dass ein fremder Mann eine verheiratete Frau nicht anfassen darf. R: Sie haben heute erzählt, dass diese Verletzungen mit einer Axt zustande gekommen sind. Vor dem BFA haben Sie angegeben, dass es ein Messer war. Warum sagen Sie heute Axt und damals Messer? BF2: Nein, mein Vater hatte zu Hause eine Axt. Er hat damit immer Holz gehackt. Ich habe vor dem BFA auch gesagt, es war mit einer Axt und nicht mit einem Messer. R: Sie haben heute erzählt, dass diese Verletzungen mit einer Axt zustande gekommen sind. Vor dem BFA haben Sie angegeben, dass es ein Messer war. Warum sagen Sie heute Axt und damals Messer? , BF2: Nein, mein Vater hatte zu Hause eine Axt. Er hat damit immer Holz gehackt. Ich habe vor dem BFA auch gesagt, es war mit einer Axt und nicht mit einem Messer. R: Wie lange waren Sie in Kabul aufhältig? BF2: Eine Nacht. R: Wie lange waren Sie in Kabul aufhältig? , BF2: Eine Nacht. R: Bei wem waren Sie aufhältig? BF2: In einem Hotel. R: Bei wem waren Sie aufhältig? , BF2: In einem Hotel. R: Wann haben Sie Ihren derzeitigen Ehemann geheiratet? Können Sie sich daran erinnern? BF2: Es ist schon 10 Jahre her. R: Wann haben Sie Ihren derzeitigen Ehemann geheiratet? Können Sie sich daran erinnern? , BF2: Es ist schon 10 Jahre her. R: Ein genaues Datum können Sie nicht nennen? BF2: Nein. R: Ein genaues Datum können Sie nicht nennen? , BF2: Nein. R: Können Sie aufzeichnen, wie die Axt ausgesehen hat? BF2 zeichnet eine Axt auf ein Blatt Papier. (siehe Beilage ./E). R: Können Sie aufzeichnen, wie die Axt ausgesehen hat? , BF2 zeichnet eine Axt auf ein Blatt Papier. (siehe Beilage ./E). R: Wie lange waren Sie im Iran aufhältig, bevor Sie nach Europa gereist sind? BF2: Als wir beide in den Iran gegangen sind, war ich drei Monate bei meiner Schwester, dann habe ich meinen jetzigen Ehemann geheiratet und nach sechs Jahren sind wir in Richtung Europa gekommen. R: Wie lange waren Sie im Iran aufhältig, bevor Sie nach Europa gereist sind? , BF2: Als wir beide in den Iran gegangen sind, war ich drei Monate bei meiner Schwester, dann habe ich meinen jetzigen Ehemann geheiratet und nach sechs Jahren sind wir in Richtung Europa gekommen. R: War es Ihr Ziel, nach Österreich zu reisen?BF2: Ja, wir wollten in ein Land gehen, wo unsere Kinder in die Schule gehen können und wir Sicherheit haben, da wir auch im Iran Probleme hatten bzw. keine Aufenthaltspapiere. R: War es Ihr Ziel, nach Österreich zu reisen?, BF2: Ja, wir wollten in ein Land gehen, wo unsere Kinder in die Schule gehen können und wir Sicherheit haben, da wir auch im Iran Probleme hatten bzw. keine Aufenthaltspapiere. R: Das heißt, Sie wollten von vorneherein nach Österreich reisen? BF2: Ja, nach Österreich. R: Das heißt, Sie wollten von vorneherein nach Österreich reisen? , BF2: Ja, nach Österreich. R: Wer hat Ihnen von Österreich erzählt?BF2: Meine Schwester lebt in Deutschland und hat mit uns telefoniert und sagte, dass es in Deutschland und Österreich gut sei, weil die Kinder auch zur Schule gehen können. R: Wer hat Ihnen von Österreich erzählt?, BF2: Meine Schwester lebt in Deutschland und hat mit uns telefoniert und sagte, dass es in Deutschland und Österreich gut sei, weil die Kinder auch zur Schule gehen können. R: Wie viel hat die Reise für Sie und Ihre Familie nach Österreich gekostet? BF2: Das weiß ich nicht, das kann mein Ehemann beantworten. R: Wie viel hat die Reise für Sie und Ihre Familie nach Österreich gekostet? , BF2: Das weiß ich nicht, das kann mein Ehemann beantworten. R: Woher hatten Sie das viele Geld?BF2: Mein Mann hat im Iran gearbeitet. R: Woher hatten Sie das viele Geld?, BF2: Mein Mann hat im Iran gearbeitet. R: Was hat er gearbeitet? BF2: Er hat am Bau gearbeitet und auch Pilze gepflückt und sauber gemacht. R: Was hat er gearbeitet? , BF2: Er hat am Bau gearbeitet und auch Pilze gepflückt und sauber gemacht. R: Wie sind Sie vom Iran nach Österreich gereist? BF2: Schlepperunterstützt. R: Wie sind Sie vom Iran nach Österreich gereist? , BF2: Schlepperunterstützt. R: Was glauben Sie würde Ihnen passieren, wenn Sie in Ihr Heimatland zurückkehren müssten? BF2: Der Tod wird mich erwarten. R: Was glauben Sie würde Ihnen passieren, wenn Sie in Ihr Heimatland zurückkehren müssten? , BF2: Der Tod wird mich erwarten. R: Wer sollte Sie töten? BF2: Die Dorfbewohner, die hinter uns her sind. R: Wer sollte Sie töten? , BF2: Die Dorfbewohner, die hinter uns her sind. R: Sind Sie in telefonischem Kontakt mit Ihrem Vater? BF2: Nein. R: Sind Sie in telefonischem Kontakt mit Ihrem Vater? , BF2: Nein. R: Wann haben Sie das letzte Mal mit Ihrem Vater gesprochen? BF2: Das letzte Mal war, als ich nach Österreich gekommen bin. Da habe ich ihm gesagt, dass ich hier angekommen bin. Ich erfahre immer über meine Schwestern, wie es meinem Vater geht. R: Wann haben Sie das letzte Mal mit Ihrem Vater gesprochen? , BF2: Das letzte Mal war, als ich nach Österreich gekommen bin. Da habe ich ihm gesagt, dass ich hier angekommen bin. Ich erfahre immer über meine Schwestern, wie es meinem Vater geht. R: Welche Schwestern meinen Sie? BF2: Meine große Schwester, die in Deutschland lebt. R: Welche Schwestern meinen Sie? , BF2: Meine große Schwester, die in Deutschland lebt. R: Ihre Schwester in Deutschland hat telefonischen Kontakt mit Ihrem Vater? BF2: Früher hatte meine Schwester zu meinem Vater auch keinen Kontakt. Als mein Bruder vom Iran wieder nach Afghanistan zurückgegangen ist, hat er meinem Vater ein Festnetztelefon gekauft. R: Ihre Schwester in Deutschland hat telefonischen Kontakt mit Ihrem Vater? , BF2: Früher hatte meine Schwester zu meinem Vater auch keinen Kontakt. Als mein Bruder vom Iran wieder nach Afghanistan zurückgegangen ist, hat er meinem Vater ein Festnetztelefon gekauft. R: Ihr Bruder lebt also im Heimatdorf bei Ihrem Vater? BF2: Ja. R: Ihr Bruder lebt also im Heimatdorf bei Ihrem Vater? , BF2: Ja. R: Wieso kann Ihre Schwester mit Ihrem Vater telefonieren und Sie nicht? BF2: Ich kann nicht, ich habe Angst. R: Wieso kann Ihre Schwester mit Ihrem Vater telefonieren und Sie nicht? , BF2: Ich kann nicht, ich habe Angst. R: Wieso sollten Sie Angst vor Ihrem Vater haben? BF2: Ich habe nicht vor meinem Vater Angst, sondern vor den Dorfbewohnern, außerdem habe ich die Nummer von meinem Vater nicht. R: Wieso sollten Sie Angst vor Ihrem Vater haben? , BF2: Ich habe nicht vor meinem Vater Angst, sondern vor den Dorfbewohnern, außerdem habe ich die Nummer von meinem Vater nicht. R: Die Nummer könnte Ihnen Ihre Schwester in Deutschland mitteilen. BF2: Ja, ich habe ihn nicht angerufen, weil ich Probleme habe, aber nicht mit meinem Vater. R: Die Nummer könnte Ihnen Ihre Schwester in Deutschland mitteilen. , BF2: Ja, ich habe ihn nicht angerufen, weil ich Probleme habe, aber nicht mit meinem Vater. R: Wann ist Ihr Bruder nach Afghanistan zurückgekehrt? BF2: Vor zwei Jahren. R: Wann ist Ihr Bruder nach Afghanistan zurückgekehrt? , BF2: Vor zwei Jahren. R: Wie heißt dieser Bruder? BF2: XXXX . R: Wie heißt dieser Bruder? , BF2: römisch 40 . R: Wie stellen Sie sich Ihr Leben hier in Österreich vor? BF2: Ich möchte, dass meine Kinder sich weiterbilden und nicht diese Probleme und Schwierigkeiten erleben, wie wir sie erlebt haben. R: Wie stellen Sie sich Ihr Leben hier in Österreich vor? , BF2: Ich möchte, dass meine Kinder sich weiterbilden und nicht diese Probleme und Schwierigkeiten erleben, wie wir sie erlebt haben. R: Können Sie mir auf Deutsch einen typischen Tag beschreiben, wie Sie ihn hier in Österreich erleben? BF2: Ich heiße arbeite zu Hause. Ich gehen Deutschkurs. Ich putzen machen. Ich weiß es nicht. R: Können Sie mir auf Deutsch einen typischen Tag beschreiben, wie Sie ihn hier in Österreich erleben? , BF2: Ich heiße arbeite zu Hause. Ich gehen Deutschkurs. Ich putzen machen. Ich weiß es nicht. R: Wollten Sie weiterreisen zu Ihrer Schwester nach Deutschland? BF2: Ja. Zu Beginn war es unser Ziel, nach Deutschland zu meiner Schwester zu reisen. Wir sind an der Grenze aufgegriffen worden und haben von der österreichischen Polizei einen Landesverweis bekommen. Wir müssten innerhalb von zwei Wochen Österreich verlassen. Da ich aber müde und erschöpft war, bin ich geblieben und wir sind dann nach Traiskirchen gefahren und stellten einen Antrag auf Asyl. R: Wollten Sie weiterreisen zu Ihrer Schwester nach Deutschland? , BF2: Ja. Zu Beginn war es unser Ziel, nach Deutschland zu meiner Schwester zu reisen. Wir sind an der Grenze aufgegriffen worden und haben von der österreichischen Polizei einen Landesverweis bekommen. Wir müssten innerhalb von zwei Wochen Österreich verlassen. Da ich aber müde und erschöpft war, bin ich geblieben und wir sind dann nach Traiskirchen gefahren und stellten einen Antrag auf Asyl. R: Arbeitet Ihr Ehemann hier in Österreich? BF2: Nein. Unser Nachbar ist mit meinem Mann und mir zu „Sugo“ gegangen wegen einer ehrenamtlichen Tätigkeit. Auch beim Altersheim haben wir nachgefragt und sie haben gesagt, dass sie derzeit niemanden benötigen würden. R: Arbeitet Ihr Ehemann hier in Österreich? , BF2: Nein. Unser Nachbar ist mit meinem Mann und mir zu „Sugo“ gegangen wegen einer ehrenamtlichen Tätigkeit. Auch beim Altersheim haben wir nachgefragt und sie haben gesagt, dass sie derzeit niemanden benötigen würden. R: Ist Sugo ein Verein? Was ist Sugo? Können Sie den Namen aufschreiben? BF2: Es ist ein Supermarkt, wenn die Waren abgelaufen sind, werden sie dort verkauft. Den Namen kann ich nicht aufschreiben. Ich war auch beim ÖIF und da habe ich die Gesetze und Regeln von Österreich gelernt. R: Ist Sugo ein Verein? Was ist Sugo? Können Sie den Namen aufschreiben? , BF2: Es ist ein Supermarkt, wenn die Waren abgelaufen sind, werden sie dort verkauft. Den Namen kann ich nicht aufschreiben. Ich war auch beim ÖIF und da habe ich die Gesetze und Regeln von Österreich gelernt. BF2 legt eine Terminkarte betreffend dem Österreichischen Integrationsfonds vor. Diese wird in Kopie als Beilage ./F zum Akt genommen. R: Haben Sie die Termine auch wahrgenommen? BF2: Ich habe nur an zwei Terminen teilgenommen, denn wegen COVID-19 konnte ich keine weiteren Termine wahrnehmen. BF2 legt eine Terminkarte betreffend dem Österreichischen Integrationsfonds vor. Diese wird in Kopie als Beilage ./F zum Akt genommen. , R: Haben Sie die Termine auch wahrgenommen? , BF2: Ich habe nur an zwei Terminen teilgenommen, denn wegen COVID-19 konnte ich keine weiteren Termine wahrnehmen. R: Was machen Sie in Ihrer Freizeit? BF2: Ich habe dann Gäste bei mir zu Hause. Wir gehen raus. Sonst nichts. R: Was machen Sie in Ihrer Freizeit? , BF2: Ich habe dann Gäste bei mir zu Hause. Wir gehen raus. Sonst nichts. R: Wer besucht Sie? Was sind das für Gäste? BF2: XXXX besucht uns. Sie ist Österreicherin. XXXX besucht uns immer sonntags. Er kommt jeden Sonntag zu uns nach Hause und wir schauen uns Jesusfilme an. R: Wer besucht Sie? Was sind das für Gäste? , BF2: römisch 40 besucht uns. Sie ist Österreicherin. römisch 40 besucht uns immer sonntags. Er kommt jeden Sonntag zu uns nach Hause und wir schauen uns Jesusfilme an. R: Welche Jesusfilme schauen Sie sich da an? BF2: Ich meine die Filme, wo Jesus gesagt hat, dass man seine Nachbarn respektieren soll und nicht schlecht sein soll. R: Welche Jesusfilme schauen Sie sich da an? , BF2: Ich meine die Filme, wo Jesus gesagt hat, dass man seine Nachbarn respektieren soll und nicht schlecht sein soll. R: Sie sind aber eine Muslima, oder? BF2: Ja, ich bin Muslima, aber mein Mann will vielleicht Christ werden. R: Sie sind aber eine Muslima, oder? , BF2: Ja, ich bin Muslima, aber mein Mann will vielleicht Christ werden. R: Warum will er Christ werden? BF2: Wir waren 60 Tage in einem geschlossenen Flüchtlingsheim in Ungarn eingesperrt. Wir durften nicht raus aus diesem Heim. Eine Frau ist immer in dieses Heim gekommen und hat mit meinem Mann gebetet. Mein Mann hat immer gebetet, dass wir so schnell wie möglich von dort wegkommen. 60 Tage später haben wir dieses Heim verlassen dürfen. RV1: Wie unterscheidet sich Ihr Leben als Frau in Österreich von Ihrem Leben in Afghanistan? BF2: Das Leben hier ist sehr schön. Es gibt hier Freiheit, keiner kümmert sich um den Anderen, was der Andere macht. Ich kann hier frei hinausgehen, ohne Schal, ohne Rock. R: Warum will er Christ werden? , BF2: Wir waren 60 Tage in einem geschlossenen Flüchtlingsheim in Ungarn eingesperrt. Wir durften nicht raus aus diesem Heim. Eine Frau ist immer in dieses Heim gekommen und hat mit meinem Mann gebetet. Mein Mann hat immer gebetet, dass wir so schnell wie möglich von dort wegkommen. 60 Tage später haben wir dieses Heim verlassen dürfen. , RV1: Wie unterscheidet sich Ihr Leben als Frau in Österreich von Ihrem Leben in Afghanistan? , BF2: Das Leben hier ist sehr schön. Es gibt hier Freiheit, keiner kümmert sich um den Anderen, was der Andere macht. Ich kann hier frei hinausgehen, ohne Schal, ohne Rock. R: Was meinen Sie mit „Rock“? BF2: Ich meine damit den langen Mantel. Ich möchte, dass meine Kinder die österreichische Erziehung bekommen. Ich habe auch eine Tochter. Ich möchte, dass sie auch hier frei ist. Das sind die Unterschiede. R: Was meinen Sie mit „Rock“? , BF2: Ich meine damit den langen Mantel. Ich möchte, dass meine Kinder die österreichische Erziehung bekommen. Ich habe auch eine Tochter. Ich möchte, dass sie auch hier frei ist. Das sind die Unterschiede. R: Wie sieht das Ihr Mann? Ist Ihr Mann für Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau? BF2: Ja, er akzeptiert die Gleichberechtigung. R: Wie sieht das Ihr Mann? Ist Ihr Mann für Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau? , BF2: Ja, er akzeptiert die Gleichberechtigung. R: Hat er die Gleichberechtigung auch schon im Iran akzeptiert? BF2: Ja. Dieser Mann den ich habe, ist ein sehr guter Mann. R: Hat er die Gleichberechtigung auch schon im Iran akzeptiert? , BF2: Ja. Dieser Mann den ich habe, ist ein sehr guter Mann. BehV: Wie alt war Ihr älterer Bruder, als Sie verheiratet wurden? BF2: Er war fünf bis sechs Jahre alt. BehV: Wie alt war Ihr älterer Bruder, als Sie verheiratet wurden? , BF2: Er war fünf bis sechs Jahre alt. R: Das kann nicht sein, wenn Sie mit 14 Jahren verheiratet wurden und er der ältere Bruder ist? BF2: Meine Brüder sind jünger als ich. Sie sind nicht älter als ich. BehV: Ich verweise auf die Einvernahme vom 09.04.2019, S. 5: „Ich habe einen älteren Bruder,…“ BF2: Ich habe nur gesagt, ich habe zwei Brüder und beide sind jünger als ich. BehV: Wo waren Ihre Brüder, als Sie verheiratet wurden? BF2: Beide waren in Afghanistan. Sie waren beide zu Hause, wir haben in einem gemeinsamen Haushalt gelebt. R: Das kann nicht sein, wenn Sie mit 14 Jahren verheiratet wurden und er der ältere Bruder ist? , BF2: Meine Brüder sind jünger als ich. Sie sind nicht älter als ich. , BehV: Ich verweise auf die Einvernahme vom 09.04.2019, S. 5: „Ich habe einen älteren Bruder,…“ , BF2: Ich habe nur gesagt, ich habe zwei Brüder und beide sind jünger als ich. , BehV: Wo waren Ihre Brüder, als Sie verheiratet wurden? , BF2: Beide waren in Afghanistan. Sie waren beide zu Hause, wir haben in einem gemeinsamen Haushalt gelebt. BehV: Keine weiteren Fragen. RV: Keine weiteren Fragen. BehV: Keine weiteren Fragen. , Regierungsvorlage, Keine weiteren Fragen. Erörtert werden folgende Berichte: ● Länderinformationsblatt der Staatendokumentation, Afghanistan, Stand 21.07.2020 ● UNHCR-Richtlinien Afghanistan, 30.08.2018 ● EASO-Bericht Afghanistan, Juni 2019 ● Aktuelle Zahlen betreffend COVID-19 Länderinformationsblatt der Staatendokumentation, Afghanistan, Stand 21.07.2020 , UNHCR-Richtlinien Afghanistan, 30.08.2018 , EASO-Bericht Afghanistan, Juni 2019 , Aktuelle Zahlen betreffend COVID-19 R an RV und BehV: Haben Sie Berichte, die Sie vorlegen wollen? RV1: Nein. BehV: Nein. R an Regierungsvorlage und BehV: Haben Sie Berichte, die Sie vorlegen wollen? , RV1: Nein. , BehV: Nein. R: Möchten Sie zu den Berichten eine Stellungnahme abgeben? RV1: Ich verweise auf das bisherige Vorbringen und insbesondere, dass die BF2 heute deutlich das Verhalten einer westlich orientierten Frau gezeigt hat. Eine Rückführung ist aus diesem Grund nicht möglich. BehV: Bezugnehmend auf die Stellungnahme der RV wird nochmals angeführt, dass die BF2 in der heutigen Verhandlung angegeben hat, in Afghanistan leben zu können, wenn di erörterten Probleme nicht vorhanden wären. R: Möchten Sie zu den Berichten eine Stellungnahme abgeben? , RV1: Ich verweise auf das bisherige Vorbringen und insbesondere, dass die BF2 heute deutlich das Verhalten einer westlich orientierten Frau gezeigt hat. Eine Rückführung ist aus diesem Grund nicht möglich. , BehV: Bezugnehmend auf die Stellungnahme der Regierungsvorlage wird nochmals angeführt, dass die BF2 in der heutigen Verhandlung angegeben hat, in Afghanistan leben zu können, wenn di erörterten Probleme nicht vorhanden wären. Ende Einvernahme BF2 um 11:34 Uhr. R an BF2: Möchten Sie Ihre Einvernahme rückübersetzt bekommen? BF2: Ja, bitte. R an BF2: Möchten Sie Ihre Einvernahme rückübersetzt bekommen? , BF2: Ja, bitte. […] Beginn Einvernahme BF1 um 12:05 Uhr: R: Verstehen Sie die D gut? BF1: Ja. R: Verstehen Sie die D gut? , BF1: Ja. R: Ihre Muttersprache ist Farsi, stimmt das? BF1: Ja, denn zwischen Farsi und Dari gibt es keinen Unterschied. R: Ihre Muttersprache ist Farsi, stimmt das? , BF1: Ja, denn zwischen Farsi und Dari gibt es keinen Unterschied. R: Wie geht es Ihnen? Sind Sie gesund?BF1: Ja. R: Wie geht es Ihnen? Sind Sie gesund?, BF1: Ja. R: Sind Ihre Kinder auch gesund? BF1: Ja. R: Sind Ihre Kinder auch gesund? , BF1: Ja. R: Stimmt Ihr Geburtsdatum mit XXXX ? BF1: Ganz ehrlich, ich weiß nicht genau, wann ich geboren wurde. Als ich nach Österreich gekommen bin, wurde mir dieses Geburtsdatum gegeben und ich akzeptiere es. R: Stimmt Ihr Geburtsdatum mit römisch 40 ? , BF1: Ganz ehrlich, ich weiß nicht genau, wann ich geboren wurde. Als ich nach Österreich gekommen bin, wurde mir dieses Geburtsdatum gegeben und ich akzeptiere es. R: Wo wurden Sie geboren? BF1: In Afghanistan, in der Provinz Daikundi, im Dorf Hushu Alaudal. R: Wo wurden Sie geboren? , BF1: In Afghanistan, in der Provinz Daikundi, im Dorf Hushu Alaudal. R: Wie lange haben Sie in Ihrem Heimatdorf gelebt? BF1: Bis zu meinem
- oder
- Lebensjahr habe ich dort gelebt. R: Wie lange haben Sie in Ihrem Heimatdorf gelebt? , BF1: Bis zu meinem
- oder
- Lebensjahr habe ich dort gelebt. R: Haben Sie noch Verwandte in Ihrem Heimatland bzw. in Ihrem Heimatdorf?BF1: Ja, meine Mutter und eine Schwester. R: Haben Sie noch Verwandte in Ihrem Heimatland bzw. in Ihrem Heimatdorf?, BF1: Ja, meine Mutter und eine Schwester. R: Wie sind die Wohnverhältnisse Ihrer Mutter und Ihrer Schwester? BF1: Meine Mutter lebt in meinem Heimatdorf in Daikundi und wenn sie in die Stadt geht ruft sie mich ab und zu an. Das ist alle sechs bis sieben Monate, denn im Heimatdorf gibt es kein Telefon und es funktioniert nicht. R: Wie sind die Wohnverhältnisse Ihrer Mutter und Ihrer Schwester? , BF1: Meine Mutter lebt in meinem Heimatdorf in Daikundi und wenn sie in die Stadt geht ruft sie mich ab und zu an. Das ist alle sechs bis sieben Monate, denn im Heimatdorf gibt es kein Telefon und es funktioniert nicht. R: Gibt es in Ihrem Heimatdorf ein Telefon oder nicht? BF1: Es gibt Telefone, aber es funktioniert nicht. Man muss ganz oben leben, damit ein Empfang vorhanden ist. R: Gibt es in Ihrem Heimatdorf ein Telefon oder nicht? , BF1: Es gibt Telefone, aber es funktioniert nicht. Man muss ganz oben leben, damit ein Empfang vorhanden ist. R: Ich habe Sie nach den Wohnverhältnissen Ihrer Mutter und Ihrer Schwester gefragt. Leben sie in einem Haus oder in einer Wohnung? BF1: Meine Mutter hat keinen fixen Wohnsitz, denn sie lebt im Heimatdorf und manchmal lebt sie auch in Kabul. Sie lebt jeweils in einem Haus. R: Ich habe Sie nach den Wohnverhältnissen Ihrer Mutter und Ihrer Schwester gefragt. Leben sie in einem Haus oder in einer Wohnung? , BF1: Meine Mutter hat keinen fixen Wohnsitz, denn sie lebt im Heimatdorf und manchmal lebt sie auch in Kabul. Sie lebt jeweils in einem Haus. R: Wo lebt Ihre Schwester? BF1: Sie lebt im Heimatdorf. R: Wo lebt Ihre Schwester? , BF1: Sie lebt im Heimatdorf. R: Wenn Ihre Mutter in Kabul lebt, bei wem lebt sie dort? BF1: Mit meiner Schwägerin, der Frau meines Bruders. R: Wenn Ihre Mutter in Kabul lebt, bei wem lebt sie dort? , BF1: Mit meiner Schwägerin, der Frau meines Bruders. R: Haben Sie sonst noch Geschwister? BF1: Ich habe zwei Brüder und eine Schwester. R: Haben Sie sonst noch Geschwister? , BF1: Ich habe zwei Brüder und eine Schwester. R: Wo leben Ihre beiden Brüder? BF1: Ich habe einen Bruder in England und einen in Deutschland. R: Wo leben Ihre beiden Brüder? , BF1: Ich habe einen Bruder in England und einen in Deutschland. R: Wann ist Ihr Bruder nach England gereist?BF1: Genau weiß ich es nicht, aber es ist ca. 15 Jahre her. R: Wann ist Ihr Bruder nach England gereist?, BF1: Genau weiß ich es nicht, aber es ist ca. 15 Jahre her. R: Hat er schon in England gelebt, bevor Sie nach Österreich gekommen sind? BF1: Ja. R: Hat er schon in England gelebt, bevor Sie nach Österreich gekommen sind? , BF1: Ja. R: Seit wann lebt Ihr Bruder in Deutschland? BF1: Ich glaube seit 2014/
- R: Seit wann lebt Ihr Bruder in Deutschland? , BF1: Ich glaube seit 2014 aus 2015,. R: Wann haben Sie genau Afghanistan verlassen? Können Sie sich an das Datum erinnern? BF1: Vor ca. 10 oder 11 Jahren habe ich Afghanistan verlassen. Ich kann mich nicht erinnern, wann es genau war. R: Wann haben Sie genau Afghanistan verlassen? Können Sie sich an das Datum erinnern? , BF1: Vor ca. 10 oder 11 Jahren habe ich Afghanistan verlassen. Ich kann mich nicht erinnern, wann es genau war. R: Dann sind Sie in den Iran gereist? BF1: Ja. R: Dann sind Sie in den Iran gereist? , BF1: Ja. R: Wie lange haben Sie im Iran gelebt? BF1: Sechs Jahre habe ich dort gelebt. R: Wie lange haben Sie im Iran gelebt? , BF1: Sechs Jahre habe ich dort gelebt. R: Wann haben Sie Ihre derzeitige Ehefrau geheiratet? BF1: Als ich in den Iran gegangen bin, drei, vier Monate später habe ich sie geheiratet. R: Wann haben Sie Ihre derzeitige Ehefrau geheiratet? , BF1: Als ich in den Iran gegangen bin, drei, vier Monate später habe ich sie geheiratet. R: Nähere Angaben können Sie nicht machen? BF1: Nein. Ich war in den letzten vier Jahren überall, zB in Wäldern oder in anderen Ländern. R: Nähere Angaben können Sie nicht machen? , BF1: Nein. Ich war in den letzten vier Jahren überall, zB in Wäldern oder in anderen Ländern. R: Haben Sie eine Schulausbildung? BF1: Nein, ich habe nie eine Schule von innen gesehen. R: Haben Sie eine Schulausbildung? , BF1: Nein, ich habe nie eine Schule von innen gesehen. R: Wie haben Sie Ihren Lebensunterhalt verdient? BF1: Wo? R: Wie haben Sie Ihren Lebensunterhalt verdient? , BF1: Wo? R: ZB im Iran? BF1: Ich habe in einer Champignonfirma gearbeitet. R: ZB im Iran? , BF1: Ich habe in einer Champignonfirma gearbeitet. R: Haben Sie sonst noch wo gearbeitet? BF1: In Afghanistan habe ich in der Landwirtschaft gearbeitet und im Iran in der Champignonfirma. R: Haben Sie sonst noch wo gearbeitet? , BF1: In Afghanistan habe ich in der Landwirtschaft gearbeitet und im Iran in der Champignonfirma. R: Wie stellen Sie sich das Leben hier in Österreich vor? BF1: Ich möchte, dass meine Kinder hier groß werden und die Schule besuchen, damit sie nicht Analphabeten werden wie ich. R: Wie stellen Sie sich das Leben hier in Österreich vor? , BF1: Ich möchte, dass meine Kinder hier groß werden und die Schule besuchen, damit sie nicht Analphabeten werden wie ich. R: Wie wollen Sie den Lebensunterhalten für sich und Ihre Familie in Österreich verdienen? BF1: Wenn ich ein bisschen die Sprache lerne, dann gehe ich arbeiten. Ich bin nicht krank, ich habe einen guten und gesunden Körper und kann arbeiten. R: Wie wollen Sie den Lebensunterhalten für sich und Ihre Familie in Österreich verdienen? , BF1: Wenn ich ein bisschen die Sprache lerne, dann gehe ich arbeiten. Ich bin nicht krank, ich habe einen guten und gesunden Körper und kann arbeiten. R: Haben Sie einen Deutschkurs hier in Österreich besucht? BF1: Ich habe letztes Jahr im September mit dem Deutschkurs begonnen und habe vier Mal im Monat den Deutschkurs besucht. R: Haben Sie einen Deutschkurs hier in Österreich besucht? , BF1: Ich habe letztes Jahr im September mit dem Deutschkurs begonnen und habe vier Mal im Monat den Deutschkurs besucht. R: Wie lange hat dieser Deutschkurs gedauert? BF1: Bis vor der Corona-Zeit. R: Wie lange hat dieser Deutschkurs gedauert? , BF1: Bis vor der Corona-Zeit. R: Haben Sie eine Bestätigung, dass Sie einen Deutschkurs seit September 2019 besucht haben? BF1: Leider nicht, weil mein Lehrer Jürgen auf Urlaub ist und daher konnte ich mir keine Bestätigung holen. R: Haben Sie eine Bestätigung, dass Sie einen Deutschkurs seit September 2019 besucht haben? , BF1: Leider nicht, weil mein Lehrer Jürgen auf Urlaub ist und daher konnte ich mir keine Bestätigung holen. R: Können Sie mir auf Deutsch erzählen, wie ein typischer Tag für Sie hier in Österreich aussieht? BF1: Ich glaube morgen aufstehen und gehen in die Schule mit Kinder. Komme nach Hause nach Einkaufen bei Billa, Hofer. R: Können Sie mir auf Deutsch erzählen, wie ein typischer Tag für Sie hier in Österreich aussieht? , BF1: Ich glaube morgen aufstehen und gehen in die Schule mit Kinder. Komme nach Hause nach Einkaufen bei Billa, Hofer. R: Was machen Sie in Ihrer Freizeit mit Ihrer Familie? BF1: Ich mache in Kindergarten gehen und Sohn Schule gehen. Meine Tochter in Kindergarten bringen. Und morgen gehen Nachmittag auch zu Hause. R: Was machen Sie in Ihrer Freizeit mit Ihrer Familie? , BF1: Ich mache in Kindergarten gehen und Sohn Schule gehen. Meine Tochter in Kindergarten bringen. Und morgen gehen Nachmittag auch zu Hause. R: Wie alt waren Sie, als Sie Ihre Ehefrau geheiratet haben?BF1: Ich war ca. 19/20 Jahre alt. R: Wie alt waren Sie, als Sie Ihre Ehefrau geheiratet haben?, BF1: Ich war ca. 19/20 Jahre alt. R: Wenn Ihre Mutter in Kabul im Haus lebt, wem gehört dieses Haus in Kabul? BF1: Es gehört meinem Bruder. R: Wenn Ihre Mutter in Kabul im Haus lebt, wem gehört dieses Haus in Kabul? , BF1: Es gehört meinem Bruder. R: Der Bruder, der in England oder der in Deutschland lebt? BF1: Der in England lebt. R: Der Bruder, der in England oder der in Deutschland lebt? , BF1: Der in England lebt. R: Wie verdient sich Ihre Mutter ihren Lebensunterhalt? BF1: Mein Bruder schickt seiner Frau Geld und sie lebt mit meiner Mutter zusammen, das heißt, sie ernähren sich beide von dem Geld. R: Wie verdient sich Ihre Mutter ihren Lebensunterhalt? , BF1: Mein Bruder schickt seiner Frau Geld und sie lebt mit meiner Mutter zusammen, das heißt, sie ernähren sich beide von dem Geld. R: Das heißt, wenn Ihre Mutter nach Kabul geht, geht Ihre Schwägerin mit ihr mit? Wenn Ihre Mutter ins Heimatdorf geht, geht Ihre Schwägerin auch dorthin mit ihr? BF1: Ja, sie begleitet meine Mutter. Meine Mutter ist 74 bzw. 75 Jahre alt. Sie ist immer bei meiner Mutter. R: Das heißt, wenn Ihre Mutter nach Kabul geht, geht Ihre Schwägerin mit ihr mit? Wenn Ihre Mutter ins Heimatdorf geht, geht Ihre Schwägerin auch dorthin mit ihr? , BF1: Ja, sie begleitet meine Mutter. Meine Mutter ist 74 bzw. 75 Jahre alt. Sie ist immer bei meiner Mutter. R: Was war der Grund, weshalb Sie Afghanistan verlassen haben? BF1: Meine Frau hatte einen Ehemann und sie hatten Probleme bzw. wir hatten alle dann Probleme mit ihm. Ich habe dann meine Frau genommen und bin gemeinsam mit ihr in den Iran geflüchtet. R: Was war der Grund, weshalb Sie Afghanistan verlassen haben? , BF1: Meine Frau hatte einen Ehemann und sie hatten Probleme bzw. wir hatten alle dann Probleme mit ihm. Ich habe dann meine Frau genommen und bin gemeinsam mit ihr in den Iran geflüchtet. R: Welche Probleme hatten Sie mit dem ersten Mann Ihrer Ehefrau? BF1: Meine Frau wurde verheiratet mit ihrem Ex-Mann. Als ihr Vater aus dem Iran zurückgekehrt ist, habe ich ihn besucht. Meine Frau war auch da, aber ihr Ex-Mann war nicht dort. R: Welche Probleme hatten Sie mit dem ersten Mann Ihrer Ehefrau? , BF1: Meine Frau wurde verheiratet mit ihrem Ex-Mann. Als ihr Vater aus dem Iran zurückgekehrt ist, habe ich ihn besucht. Meine Frau war auch da, aber ihr Ex-Mann war nicht dort. R: Wissen Sie, wie der Ex-Mann Ihrer Frau geheißen hat?BF1: XXXX . R: Wissen Sie, wie der Ex-Mann Ihrer Frau geheißen hat?, BF1: römisch 40 . R: Ist XXXX der Vorname? BF1: Ja, es ist der Vorname, ich kenne den Nachnamen nicht. R: Ist römisch 40 der Vorname? , BF1: Ja, es ist der Vorname, ich kenne den Nachnamen nicht. R: Wie lange war Ihre Frau mit ihrem ersten Mann verheiratet? BF1: Genau weiß ich es nicht, aber ich glaube zwei oder zweieinhalb Jahre. Vielleicht mehr, vielleicht weniger. Ich habe sie nicht gefragt, ich weiß es nicht. R: Wie lange war Ihre Frau mit ihrem ersten Mann verheiratet? , BF1: Genau weiß ich es nicht, aber ich glaube zwei oder zweieinhalb Jahre. Vielleicht mehr, vielleicht weniger. Ich habe sie nicht gefragt, ich weiß es nicht. R: Wissen Sie, wie alt Ihre Frau war, als sie diesen Mann geheiratet hat? BF1: 15/16 Jahre war sie alt. R: Wissen Sie, wie alt Ihre Frau war, als sie diesen Mann geheiratet hat? , BF1: 15/16 Jahre war sie alt. R: Welche Probleme hat es mit dem ersten Ehemann Ihrer Frau gegeben? Können Sie diese näher beschreiben? BF1: Die Stiefmutter meiner Frau hat meine Frau zwangsverheiratet mit diesem älteren Mann, der ca. über 40 Jahre alt war. Die Stiefmutter meiner Frau hat vom Ex-Mann meiner Frau Geld bekommen. R: Welche Probleme hat es mit dem ersten Ehemann Ihrer Frau gegeben? Können Sie diese näher beschreiben? , BF1: Die Stiefmutter meiner Frau hat meine Frau zwangsverheiratet mit diesem älteren Mann, der ca. über 40 Jahre alt war. Die Stiefmutter meiner Frau hat vom Ex-Mann meiner Frau Geld bekommen. R: Wissen Sie, wie viel Geld sie bekommen hat? BF1: Das weiß ich nicht. R: Wissen Sie, wie viel Geld sie bekommen hat? , BF1: Das weiß ich nicht. R: Hat der Vater Ihrer Ehefrau gewusst, dass seine Tochter zwangsverheiratet wurde? BF1: Nein, er wusste nichts davon. Zur damaligen Zeit gab es auch kein Telefon in unserem Heimatdorf. Man konnte sich zur per Brief kontaktieren. R: Hat der Vater Ihrer Ehefrau gewusst, dass seine Tochter zwangsverheiratet wurde? , BF1: Nein, er wusste nichts davon. Zur damaligen Zeit gab es auch kein Telefon in unserem Heimatdorf. Man konnte sich zur per Brief kontaktieren. R: Wie konnte es sein, dass der Vater als Familienoberhaupt nichts von dieser Zwangsehe wusste? BF1: Er war damals im Iran. R: Wie konnte es sein, dass der Vater als Familienoberhaupt nichts von dieser Zwangsehe wusste? , BF1: Er war damals im Iran. R: Wie kann es sein, dass die Stiefmutter Ihre derzeitige Ehefrau verheiraten konnte? BF1: Genau deswegen, weil die Frau in Afghanistan keine Wertstellung hat, passieren oft diese Probleme. Das heißt, wenn jemand eine Tochter aus einer Familie heiraten möchte und kein Mann vorhanden ist, bekommt die Frau Geld und kann die Tochter verheiraten. R: Wie kann es sein, dass die Stiefmutter Ihre derzeitige Ehefrau verheiraten konnte? , BF1: Genau deswegen, weil die Frau in Afghanistan keine Wertstellung hat, passieren oft diese Probleme. Das heißt, wenn jemand eine Tochter aus einer Familie heiraten möchte und kein Mann vorhanden ist, bekommt die Frau Geld und kann die Tochter verheiraten. R: Wie hat die Stiefmutter geheißen? BF1: Ich weiß nicht, wie sie heißt. R: Wie hat die Stiefmutter geheißen? , BF1: Ich weiß nicht, wie sie heißt. R: Seit wann kennen Sie Ihre derzeitige Ehefrau? BF1: Ich kenne meine Ehefrau, weil sie meine Cousine ist, aber seit wir geflüchtet sind, kenne ich sie näher. Davor hatten wir keinen regelmäßigen Kontakt. Als wir in den Iran geflüchtet sind, haben wir uns besser kennengelernt. Ich kenne sie seit ihrer Kindheit, denn Ihre Mutter und meine Mutter sind Schwestern. R: Seit wann kennen Sie Ihre derzeitige Ehefrau? , BF1: Ich kenne meine Ehefrau, weil sie meine Cousine ist, aber seit wir geflüchtet sind, kenne ich sie näher. Davor hatten wir keinen regelmäßigen Kontakt. Als wir in den Iran geflüchtet sind, haben wir uns besser kennengelernt. Ich kenne sie seit ihrer Kindheit, denn Ihre Mutter und meine Mutter sind Schwestern. R: Was ist genau passiert mit dem Ex-Mann Ihrer Frau? Welche Probleme haben sich genau ergeben? BF1: Als ich meinen jetzigen Schwiegervater besucht habe und ca. zwei Stunden vergangen waren, kam der Ex-Mann meiner Frau mit seinen zwei Brüdern zu meinem Schwiegervater. Der Ex-Mann meiner Frau ist reingekommen und hat „salam“ gesagt und zog die Hand meiner Frau. Der Ex-Mann meiner Frau hat zu ihr gesagt: „Was machst du hier? Ich habe dir nicht erlaubt, hierher zu kommen.“ Dann stand mein Schwiegervater auf und sagte ihm: „Warum darf meine Tochter mich nicht besuchen?“ Der Ex-Mann antwortete: „Sie darf deswegen nicht hier sein, weil sie ohne Erlaubnis gekommen ist“. Dann hat der Ex-Mann meiner Frau meinen Schwiegervater geschlagen. Der Ex-Mann meiner Frau hat die Hand von meiner Frau gezogen und gesagt: „Lass uns jetzt gehen“. Ich bin dann aufgestanden und wollte diesen Streit schlichten und wollte fragen, was das Problem ist. Er hat dann mit mir geschimpft und hat mit der Faust auf mich eingeschlagen und mich getreten. Er hat damit begonnen und ich habe mich dann verteidigt und habe zurückgeschlagen. Dann hat der Bruder des Ex-Mannes meiner Frau die Axt in die Hand genommen und mich damit am Fuß getroffen. Der Bruder des Ex-Mannes meiner Frau wollte mit der Axt auf meine Frau einschlagen. Als mein Schwiegervater das verhindern wollte, wurde er selbst an der Hand verletzt. Wir waren mitten in der Schlägerei – der Ex-Mann meiner Frau und ich – als der andere Bruder des Ex-Mannes meiner Frau mit einer Waffe geschossen hat und den Ex-Mann meiner Frau traf. Ich weiß nicht, ob er nur in die Luft schießen wollte, oder mich treffen wollte, aber er traf den Ex-Mann meiner Frau. R: Was ist genau passiert mit dem Ex-Mann Ihrer Frau? Welche Probleme haben sich genau ergeben? , BF1: Als ich meinen jetzigen Schwiegervater besucht habe und ca. zwei Stunden vergangen waren, kam der Ex-Mann meiner Frau mit seinen zwei Brüdern zu meinem Schwiegervater. Der Ex-Mann meiner Frau ist reingekommen und hat „salam“ gesagt und zog die Hand meiner Frau. Der Ex-Mann meiner Frau hat zu ihr gesagt: „Was machst d