RIS Dokument GerichtOGH RechtssatznummerRS0120817 Entscheidungsdatum07.04.2026 Geschäftszahl14Os59/06t (14Os60/06i; 14Os61/06m); 13Os125/06s; 12Os12/07t; 13Os81/07x; 14Os135/07w (14Os140/07f); 13Os127/07m; 13Os160/07i; 12Os3/08w; 12Os76/08f; 14Os108/08a; 13Os181/08d; 14Os11/09p; 11Os87/09t; 14Os56/09f; 13Os120/09k; 14Os130/10i; 14Os9/12y; 11Os94/13b; 13Os19/13p; 11Os8/14g; 11Os17/14f; 12Os51/14p; 11Os137/14b; 11Os49/15p; 12Os87/15h; 14Os99/16i; 13Os109/16b; 12Os98/18f; 15Os132/18b; 15Os112/19p; 15Os54/20k; 15Os61/20i; 12Os101/20z; 14Os84/21s; 13Os85/21f; 15Os63/23p; 15Os73/23h; 14Os13/24d; 14Os11/25m; 14Os20/25k; 12Os107/25i; 15Os32/26h NormGRBG §10 StPO §179 Abs4 Z2 StPO §179 Abs4 Z4 StPO §182 Abs4 StPO §260 Abs1 StPO §281 Abs1 Z5 RechtssatzNach § 179 Abs 4 Z 4 StPO (§ 182 Abs 4 zweiter Satz StPO) hat jeder Beschluss eines Oberlandesgerichtes über die Fortsetzung der Untersuchungshaft „die bestimmten Tatsachen, aus denen sich der dringende Tatverdacht" für das Oberlandesgericht ergibt, zu enthalten. Das bedeutet, dass einerseits mit Bestimmtheit anzugeben ist, welcher - in Hinsicht auf die mit hoher Wahrscheinlichkeit als begründet angesehenen strafbaren Handlungen (rechtlichen Kategorien, also Tatbeständen; vergleiche § 260 Abs 1 Z 2 StPO) rechtlich als entscheidend beurteilte - Sachverhalt angenommen wurde (sog Feststellungsebene), andererseits klarzustellen ist, auf welchen ganz bestimmten Tatumständen (Beweisergebnissen, sog erheblichen Tatsachen) diese Sachverhaltsannahmen über die sog entscheidenden Tatsachen ruhen (sog Begründungsebene). Geschieht dies nicht, liegt eine Grundrechtsverletzung vor (§ 10 GRBG in Verbindung mit § 281 Abs 1 Z 5 erster Fall StPO). Insoweit unterscheidet sich die formale Begründungspflicht für Haftbeschlüsse nicht von derjenigen für ein Strafurteil.Nach Paragraph 179, Absatz 4, Ziffer 4, StPO (Paragraph 182, Absatz 4, zweiter Satz StPO) hat jeder Beschluss eines Oberlandesgerichtes über die Fortsetzung der Untersuchungshaft „die bestimmten Tatsachen, aus denen sich der dringende Tatverdacht" für das Oberlandesgericht ergibt, zu enthalten. Das bedeutet, dass einerseits mit Bestimmtheit anzugeben ist, welcher - in Hinsicht auf die mit hoher Wahrscheinlichkeit als begründet angesehenen strafbaren Handlungen (rechtlichen Kategorien, also Tatbeständen; vergleiche Paragraph 260, Absatz eins, Ziffer 2, StPO) rechtlich als entscheidend beurteilte - Sachverhalt angenommen wurde (sog Feststellungsebene), andererseits klarzustellen ist, auf welchen ganz bestimmten Tatumständen (Beweisergebnissen, sog erheblichen Tatsachen) diese Sachverhaltsannahmen über die sog entscheidenden Tatsachen ruhen (sog Begründungsebene). Geschieht dies nicht, liegt eine Grundrechtsverletzung vor (Paragraph 10, GRBG in Verbindung mit Paragraph 281, Absatz eins, Ziffer 5, erster Fall StPO). Insoweit unterscheidet sich die formale Begründungspflicht für Haftbeschlüsse nicht von derjenigen für ein Strafurteil. EntscheidungstexteTE OGH 2006-06-13 14 Os 59/06t TE OGH 2006-12-20 13 Os 125/06s Vgl auch TE OGH 2007-01-25 12 Os 12/07t Vgl auch TE OGH 2007-07-16 13 Os 81/07x Beisatz: Das Beschwerdegericht kann sich dabei auch auf die Feststellung haftrelevanter Umstände einiger weniger Taten aus einer umfangreichen Verdachtslage beschränken, doch müssen diese hafttragend sein. (T1) Beisatz: Den gesetzlichen Deutlichkeitserfordernissen wird nicht entsprochen, wenn sich das Beschwerdegericht damit begnügt, die Sachverhaltsannahmen des Untersuchungsrichters zu zitieren und diese - ohne Herstellung eines Zusammenhangs zur dort vorgenommenen Faktenbezeichnung - teilweise zu kommentieren, ohne jedoch zu irgendeiner der dem Beschuldigten angelasteten Taten eine klare und für Dritte nachvollziehbare Aussage darüber zu treffen, von welchen eigenen Sachverhaltsannahmen es ausging oder auf welchen konkreten Beweisergebnissen diese basieren. (T2) Beisatz: Um Undeutlichkeit zu vermeiden genügt es nicht, undeutlich auf den Akteninhalt, frühere Beschlüsse oder Entscheidungen des Erstgerichts zu verweisen, vage mehrere Varianten eines möglichen Tatgeschehens anzudeuten und dazu weitgehend pauschal Bezugsstellen aktenkundiger polizeilicher Erhebungsergebnisse zu zitieren. (T3) TE OGH 2007-10-30 14 Os 135/07w Beisatz: Hier: Grundrechtsverletzung bejaht. (T4) Beisatz: Die Defizite der Sachverhaltsannahmen erfordern eine unverzügliche Klärung der Haftvoraussetzungen im Rahmen einer Haftverhandlung, nicht aber die Aufhebung des angefochtenen Beschlusses. (T5) TE OGH 2007-10-25 13 Os 127/07m TE OGH 2008-01-09 13 Os 160/07i Vgl auch TE OGH 2008-01-31 12 Os 3/08w Vgl auch; Beis wie T1 TE OGH 2008-06-24 12 Os 76/08f Vgl TE OGH 2008-08-13 14 Os 108/08a Vgl auch TE OGH 2008-12-17 13 Os 181/08d Beis ähnlich wie T1; Beisatz: Das Beschwerdegericht kann sich zwar darauf beschränken, Sachverhaltsannahmen zum dringenden Tatverdacht nur insoweit zu treffen, als dies für die Haftvoraussetzung des § 173 Abs 1 StPO erforderlich ist. Die solcherart für dringend wahrscheinlich gehaltenen Straftaten müssen jedoch stets den Anforderungen des § 173 Abs 1 zweiter Satz StPO entsprechen. (T6)Beis ähnlich wie T1; Beisatz: Das Beschwerdegericht kann sich zwar darauf beschränken, Sachverhaltsannahmen zum dringenden Tatverdacht nur insoweit zu treffen, als dies für die Haftvoraussetzung des Paragraph 173, Absatz eins, StPO erforderlich ist. Die solcherart für dringend wahrscheinlich gehaltenen Straftaten müssen jedoch stets den Anforderungen des Paragraph 173, Absatz eins, zweiter Satz StPO entsprechen. (T6) TE OGH 2009-02-13 14 Os 11/09p Vgl; Beis wie T6 TE OGH 2009-06-23 11 Os 87/09t Vgl TE OGH 2009-05-26 14 Os 56/09f Beis wie T3 TE OGH 2009-10-15 13 Os 120/09k Auch TE OGH 2010-10-01 14 Os 130/10i Auch TE OGH 2012-02-16 14 Os 9/12y TE OGH 2013-06-27 11 Os 94/13b Auch TE OGH 2013-03-27 13 Os 19/13p Auch; Auch Beis wie T5; Beisatz: Setzt das Oberlandesgericht im Rahmen einer Beschwerdeentscheidung (§ 87 Abs 1 StPO) die Untersuchungshaft fort, muss es selbst Sachverhaltsannahmen zum dringenden Tatverdacht treffen, welche die rechtliche Beurteilung, ob durch die solcherart als sehr wahrscheinlich angenommenen Tatsachen ‑ objektiv wie subjektiv ‑ eine hafttragende strafbare Handlung begründet wird, ermöglichen. (T7)Auch; Auch Beis wie T5; Beisatz: Setzt das Oberlandesgericht im Rahmen einer Beschwerdeentscheidung (Paragraph 87, Absatz eins, StPO) die Untersuchungshaft fort, muss es selbst Sachverhaltsannahmen zum dringenden Tatverdacht treffen, welche die rechtliche Beurteilung, ob durch die solcherart als sehr wahrscheinlich angenommenen Tatsachen ‑ objektiv wie subjektiv ‑ eine hafttragende strafbare Handlung begründet wird, ermöglichen. (T7) TE OGH 2014-02-11 11 Os 8/14g Auch; Beis wie T5; Beis wie T7 TE OGH 2014-02-24 11 Os 17/14f TE OGH 2014-05-08 12 Os 51/14p Auch TE OGH 2014-11-25 11 Os 137/14b Vgl TE OGH 2015-04-28 11 Os 49/15p Auch TE OGH 2015-07-24 12 Os 87/15h Auch; Beis wie T7 TE OGH 2016-10-25 14 Os 99/16i Auch TE OGH 2016-10-19 13 Os 109/16b Auch TE OGH 2018-08-23 12 Os 98/18f Auch TE OGH 2018-10-09 15 Os 132/18b Beis wie T7 TE OGH 2019-10-01 15 Os 112/19p Vgl; Beis wie T1; Beis wie T6 TE OGH 2020-05-22 15 Os 54/20k Vgl TE OGH 2020-06-15 15 Os 61/20i Vgl TE OGH 2020-09-09 12 Os 101/20z Vgl TE OGH 2021-08-03 14 Os 84/21s Vgl; Beis wie T7 TE OGH 2021-08-09 13 Os 85/21f Vgl; Beis nur wie T7 TE OGH 2023-06-21 15 Os 63/23p vgl TE OGH 2023-07-05 15 Os 73/23h vgl; Beisatz wie T7 TE OGH 2024-02-20 14 Os 13/24d vgl TE OGH 2025-02-18 14 Os 11/25m vgl; Beisatz wie T1; Beisatz wie T6; Beisatz wie T7 TE OGH 2025-03-05 14 Os 20/25k vgl; Beisatz wie T1; Beisatz wie T6; Beisatz wie T7 TE OGH 2025-09-17 12 Os 107/25i vgl; Beisatz wie T7 TE OGH 2026-04-07 15 Os 32/26h vgl; Beisatz wie T1; Beisatz wie T6; Beisatz wie T7 European Case Law IdentifierECLI:AT:OGH0002:2006:RS0120817
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