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Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin 102/99 Beschluss VerfGH Berlin: Mangels Einspruchsberechtigung des einzelnen Wahlberechtigten unzulässige Wah

Obsah (4)§ 52Art 39§ 40§ 50

VerfGH Berlin: Mangels Einspruchsberechtigung des einzelnen Wahlberechtigten unzulässige Wahlprüfungsbeschwerde gegen die Nichtverwendung von Stimmzettelumschlägen bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus

§ 52

Abs 1 LWO enthaltenen Pflicht des Wahlberechtigten, nach Kennzeichnung des Stimmzettels

der Wahlzelle diesen so zusammenzufalten, dass die Stimmabgabe nicht erkennbar wird, ist den Anforderungen genügt, die das Merkmal "geheim"

Art 39Abs 1 und 70 Abs 1 Satz 1 Vv

B stellt. Orientierungssatz 1. Zu Ls: a. Der objektiv rechtliche Zweck der Wahlprüfung, die richtige Zusammensetzung des Parlaments zu gewährleisten (vgl VerfGH Berlin, 1997-01-16, 1/96, LVerfGE 6, 11 <14>) läßt es zu, bei der Einspruchsberechtigung gem VGHG BE § 40 Abs 2 Nr 8 iVm VGHG BE § 40 Abs 3 Nr 3 die einzelnen Wahlberechtigten auszunehmen. b. Soweit sich subjektive Rechte der einzelnen Wähler aus den Wahlrechtsgrundsätzen ergeben, sind diese mit der Verfassungsbeschwerde zu verfolgen. c. Hier: Für eine Umdeutung der Wahlprüfung

eine Verfassungsbeschwerde ist schon deshalb kein Raum, weil die Gewährleistung des Wahlgeheimnisses iSv Verf BE Art 39 Abs 1 bzw Verf BE Art 70 Abs 1 S 1 nicht zwingend die Verwendung von Stimmzettelumschlägen verlangt und eine Verfassungsbeschwerde

sofern schon unbegründet wäre. Tenor

  1. Der Einspruch gegen die Gültigkeit der Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen von Berlin am
  2. Oktober 1999 wird zurückgewiesen.
  3. ...
  4. ... Gründe I. Randnummer 1 Der Einsprechende hat als Wahlberechtigter an den Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen

Berlin am 10. Oktober 1999 teilgenommen. Er legt Einspruch gegen die Gültigkeit dieser Wahlen ein und begehrt unter Stattgabe seines Einspruchs

sbesondere die Anordnung zu treffen, "dass die Wahlen unter Ausgabe amtlicher Stimmzettel-Umschläge zu wiederholen sind". Er wendet sich

der Sache gegen die mit Wirkung vom 10. Oktober 1999 erfolgte Aufhebung bzw. Änderung der §§ 50 und 52 der Landeswahlordnung durch das

krafttreten der Sechsten Verordnung zur Änderung der Landeswahlordnung vom 1. Februar 1999 (GVBl. S. 64); durch diese Vorschriften war zuvor bestimmt, dass die Wahlberechtigten zur Durchführung der Wahl außer Stimmzetteln auch Wahlumschläge erhalten. Der Einsprechende rügt sinngemäß die

Rede stehende Rechtsänderung, die dazu geführt hat, dass bei den Wahlen am 10. Oktober 1999 keine Wahlumschläge ausgegeben worden sind, und macht geltend, für die zu benutzenden Stimmzettel seien keine amtlichen Umschläge zur Verfügung gestellt worden. Damit sei grundlegend gegen das verfassungsrechtliche Gebot der Wahrung des Wahlgeheimnisses verstoßen worden, das sich aus Art. 39 Abs. 1 der Verfassung von Berlin und Art. 28 Abs. 1 Satz 2 des Grundgesetzes ergebe. Diese Erkenntnis leuchte derart ein, dass sie eigentlich keiner weiteren Darlegung bedürfe (Einspruchsschrift S. 1). Durch die - wie geschehen - Ausgabe lediglich zu faltender Stimmzettel sei den Anforderungen an das Merkmal "geheim"

den genannten Bestimmungen nicht genügt. Randnummer 2 Der Verfassungsgerichtshof hat einstimmig beschlossen, auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung zu verzichten (vgl. § 24 Abs. 1 VerfGHG ). II. Randnummer 3 Der Einspruch gegen die Gültigkeit der Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen

Berlin am 10. Oktober 1999 ist unzulässig. Seine Umdeutung

eine Verfassungsbeschwerde scheidet schon deshalb aus, weil eine auf die Verletzung des Merkmals "geheim"

Art. 39Abs. 1 und 70 Abs. 1 Satz 1 Vv

B gestützte Verfassungsbeschwerde unbegründet wäre. Randnummer 4 1. Zutreffend geht der Einsprechende davon aus, dass der Verfassungsgerichtshof gemäß Art. 84 Abs. 2 Nr. 6 VvB

Verbindung mit § 14 Nr. 2 VerfGHG zuständig ist für die Entscheidungen über Einsprüche gegen die Gültigkeit der Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen. Richtig ist auch, dass gemäß § 40 Abs. 2 Nr. 8 VerfGHG mit einem Einspruch die Verletzung - hier:. - von Vorschriften des Grundgesetzes und der Verfassung von Berlin gerügt werden kann. Jedoch zählt der Einsprechende nicht zum Kreis derjenigen, die gemäß § 40 Abs. 3 VerfGHG mit Blick auf die Verletzung derartiger Vorschriften zulässigerweise Einspruch einlegen können., Randnummer 5 § 40 Abs. 3 VerfGHG schränkt den Kreis der Einspruchsberechtigten differenziert ein nach den einzelnen Gründen, auf die nach § 40 Abs. 2 VerfGHG ein Einspruch gestützt werden kann. Der hier

Rede stehende Fall des § 40 Abs. 2 Nr. 8 VerfGHG wird von § 40 Abs. 3 Nr. 3 VerfGHG erfasst, wonach der Einspruch zulässigerweise nur eingelegt werden kann "von Parteien, Wählergemeinschaften und Einzelbewerbern, die von der angefochtenen Entscheidung betroffen sind, sowie

amtlicher Eigenschaft von der Senatsverwaltung für

neres, dem Landeswahlleiter, dem zuständigen Bezirkswahlleiter, dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses und dem zuständigen Bezirksverordnetenvorsteher". Der Einsprechende des vorliegenden Verfahrens zählt zweifelsfrei nicht zu diesem eingeschränkten Kreis der Einspruchsberechtigten, er ist - mit anderen Worten - hinsichtlich etwaiger Verletzungen von Vorschriften, die von § 40 Abs. 2 Nr. 8 VerfGHG erfasst werden, aus dem Kreis derjenigen, die gemäß § 40 Abs. 3 Nr. 3 VerfGHG zulässigerweise Einspruch einlegen können, ausgeschlossen. Randnummer 6 Dieser Ausschluss der Einspruchsberechtigung ist landesverfassungsrechtlich unbedenklich: Der Einsprechende rügt die Verletzung des Merkmals "geheim" im Rahmen der Art. 39 Abs. 1 und 70 Abs. 1 Satz 1 VvB, d. h: er rügt die Verletzung eines der

diesen Vorschriften enthaltenen Wahlrechtsgrundsätze. Diese Wahlrechtsgrundsätze sind zuerst Vorschriften des objektiven Verfassungsrechts und binden als solche die Staatsgewalt

Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung; ihre Verletzung

soweit, d. h. mit Blick auf die Zugehörigkeit dieser Grundsätze zum objektiven Verfassungsrecht, muss im Wahlprüfungsverfahren geltend gemacht werden. Ziel des Verfahrens der Wahlprüfung ist herkömmlich der Schutz des objektiven Wahlrechts; es ist dazu bestimmt, die richtige Zusammensetzung des Parlaments zu gewährleisten (Beschluss des Gemeinsamen Gerichts der Länder Berlin und Brandenburg vom 16. Januar 1997 - GemGer 1/96 -LVerfGE 6, 11 <14>). Gegenstand der Wahlprüfung ist hingegen nicht die Verletzung subjektiver Rechte (vgl. BVerfGE 66, 369 <378> m.w.N.). Der objektiv rechtliche Zweck der Wahlprüfung lässt es zu, die Einspruchsberechtigung auf die

§ 40Abs. 3 Nr. 3 Verf

GHG Genannten zu beschränken und damit u.a. Wahlberechtigte

soweit auszunehmen. Randnummer 7 Das bedeutet

des für einen Fall der vorliegenden Art, d. h. für einen Fall,

dem sich Wahlberechtigte

der Sache gegen eine das Wahlrecht betreffende Rechtsnorm und nicht nur gegen eine das Wahlverfahren betreffende Maßnahme wenden (vgl. zu einer solchen Differenzierung etwa BVerfGE 11, 329 f.), keine Beschneidung von deren subjektiven Rechten. Aus den Wahlrechtsgrundsätzen ergeben sich auch subjektive Rechte des status activus, die der einzelne Wähler mit der Verfassungsbeschwerde verfolgen kann. Randnummer 8 2. Es kann dahinstehen, ob und ggf. unter welchen Voraussetzungen ein unzulässiger Einspruch gegen die Gültigkeit der Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen

eine Verfassungsbeschwerde umgedeutet werden kann. Denn im vorliegenden Fall ist für eine derartige Umdeutung schon deshalb kein Raum, weil eine Verfassungsbeschwerde hier unbegründet wäre. Randnummer 9 Der Einsprechende rügt - wie gesagt - eine Verletzung des Merkmals "geheim"

Art. 39Abs. 1 Vv

B, der bestimmt, dass die Abgeordneten "

allgemeiner, gleicher, geheimer und direkter Wahl gewählt" werden; entsprechendes gilt gemäß Art. 70 Abs. 1 Satz 1 VvB für die Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlungen. Er meint, dieses Merkmal könne bei Wahlen von Parlamenten nur erfüllt sein, wenn für die zu benutzenden Stimmzettel amtliche Stimmzettel-Umschläge (Wahlumschläge) zur Verfügung gestellt werden. Dem kann nicht gefolgt werden. Randnummer 10 Das Gesetz über die Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen vom 25. September 1987 (GVBl. S. 2370), zuletzt geändert durch Gesetz vom 22. Dezember 1998 (GVBl. S. 432), verhält sich nicht zu Stimmzetteln, Wahlumschlägen und sonstigem Wahlmaterial, sondern überlässt durch § 34 Abs. 1 die Regelung dieser Fragen der Landeswahlordnung . Diese sah bis zum

krafttreten der Sechsten Verordnung zur Änderung der Landeswahlordnung vom 1. Februar 1999 (GVBl. S. 64) namentlich

§ 50die Verwendung von Wahlumschlägen vor.

§ 50 wurde aber durch die bezeichnete Änderungsverordnung mit Wirkung vom 10. Oktober 1999 aufgehoben. Gegen diese Aufhebung ist landesverfassungsrechtlich nichts zu erinnern. Entgegen der Ansicht des Einsprechenden ist mit der

§ 52Abs.

1 LWO enthaltenen Pflicht des Wahlberechtigten, nach Kennzeichnung des Stimmzettels

der Wahlzelle diesen so zusammenzufalten, dass die Stimmabgabe nicht erkennbar wird, den Anforderungen genügt, die das Merkmal "geheim"

Art. 39Abs. 1 und 70 Abs. 1 Satz 1 Vv

B stellt. Der Wahlberechtigte kann so ohne weiteres verhindern, dass Dritte von dem

halt seiner Stimmabgabe Kenntnis nehmen. Randnummer 11 Die Kostenentscheidung beruht auf den §§ 33 f. VerfGHG . Randnummer 12 Dieser Beschluss ist unanfechtbar. Permalink Diesen Link können Sie kopieren und verwenden, wenn Sie genau dieses Dokument verlinken möchten: https://gesetze.berlin.de/perma?d=NJRE000546055

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