weis über einen erklärten Kirchenaustritt müsse die Klägerin als Mitglied der evangelischen Kirche geführt werden. Die Kirchensteuerstelle Berlin stellte am
2 AO geändert. Der Vorbehalt der
prüfung wird aufgehoben.“ Unter „Erläuterungen zur Festsetzung“ wird in dem Bescheid unter anderem ausgeführt: „Hinsichtlich des Einspruchs gegen die evangelische Kirchensteuer wurde der Fall an die Kirchensteuerstelle des Finanzamts Prenzlauer Berg überreicht. Dieser Bescheid ändert den Bescheid vom
Mündigkeit – in die Kirche eingetreten. Randnummer 9 Das Finanzamt Prenzlauer Berg setzte mit Bescheid für 2013 über Einkommensteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag für die Klägerin vom
StO ev. seien alle Gemeindemitglieder im Sinne der Grundordnung (GO) der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz kirchensteuerpflichtig. Das Kirchengesetz über die Kirchenmitgliedschaft in der Evangelischen Kirche in Deutschland bestimme in § 1 in Verbindung mit – im Folgenden: i.V.m. – § 6, dass innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die Kirchenmitgliedschaft durch die Taufe in einer Kirchengemeinde, die einer Gliedkirche der EKD angehöre, erworben werde. Art. 3 Abs. 2 GO sehe vor, dass alle getauften Evangelischen, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Bereich der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hätten, Mitglieder der Landeskirche seien, es sei denn, sie gehörten einer anderen evangelischen Kirche oder Religionsgemeinschaft an. Randnummer 11 Die Kirchensteuerpflicht folge aus der Kirchenmitgliedschaft. Kirchenmitglied sei die Klägerin aufgrund der Taufe gewesen. Die Klägerin sei am ... ... 1953 in B... ... getauft worden und habe somit einer Gliedkirche der heutigen EKD, nämlich der Evangelischen Landeskirche A... ... angehört. Die Kirchenmitgliedschaft der Klägerin sei nicht durch die am ... ... 1956 und ... ... 1958 von ihren Eltern erklärten Kirchenaustritte wirksam beendet worden. Der Kirchenaustritt der Eltern habe nicht gleichzeitig den Kirchenaustritt des Kindes bewirkt. Dieser habe ausdrücklich miterklärt und in der Austrittsbescheinigung vermerkt werden müssen. Entsprechende Erklärungen seien von den Eltern der Klägerin offensichtlich nicht mitabgegeben worden. Zudem bleibe bereits unklar, mit welcher der beiden an unterschiedlichen Tagen abgegebenen Austrittserklärungen der Austritt des Kindes miterklärt worden sein solle. Randnummer 12 Dass die Klägerin
ihren Angaben bis auf die Taufe keine kirchlichen oder religiösen Aktivitäten durchgeführt habe, führe zu keiner anderen Beurteilung. Die Konfirmation, auf deren Fehlen die Klägerin verweise, stelle eine rein religiöse Zeremonie dar, an die keinerlei Rechtswirkungen geknüpft seien. Randnummer 13 Die Tatsache, dass die Klägerin sich nicht als Mitglied der Evangelischen Kirche gefühlt habe, ändere nichts an der dargestellten Rechtslage. Randnummer 14 Die Säuglingstaufe stelle entgegen der Auffassung der Klägerin keinen Zwang zur Mitgliedschaft in der Kirche dar. Dass nicht auf den Willen des noch unmündigen Kindes, sondern seiner sorgeberechtigten Eltern abgehoben werde, beeinträchtige das Grundrecht des Kindes auf Glaubens- und Bekenntnisfreiheit nicht. „Belastende“ Rechtsfolgen für das Kind würden an die Taufe in der Regel erst in einem Zeitpunkt geknüpft, in dem es die Religionsmündigkeit erlangt habe und daher jederzeit durch Austritt seine Mitgliedschaft beenden könne. Werde die Mitgliedschaft gleichwohl aufrechterhalten, so liege darin ein Element der Freiwilligkeit, das es ausschließe, von einer Zwangsmitgliedschaft zu sprechen. Randnummer 15 Der genannte Widerspruchsbescheid wurde der Klägerin am
dem Austritt ihrer Eltern als einziges Familienmitglied noch Mitglied der Kirche geblieben zu sein. Zudem habe sie ein etwaiges Bekenntnis gerade nicht beibehalten. Randnummer 20 Überdies verstoße die Anbindung der Kirchenmitgliedschaft an die Taufe gegen § 5 Satz 1 KErzG. Bei dem KErzG handele es sich um eine „allgemeines Gesetz“ im Sinne von Art. 137 Abs. 3 WRV. Mit Blick auf die Grundrechte aus Art. 4 Abs. 1 und2 GG sowie das objektive Prinzip der staatlichen Neutralität müsse die Regelung dahin verstanden werden, dass der Staat eine Mitgliedschaftsregelung, welche auch
der Vollendung des vierzehnten Lebensjahres ausschließlich auf der Zurechnung einer Entscheidung der Sorgeberechtigten beruhe, nicht anerkennen dürfe. Vielmehr bedürfe es
der Vollendung dieses Lebensjahres einer bewussten Entscheidung des Betroffenen für die Mitgliedschaft. Ein schlichtes Unterlassen eines Austritts genüge insofern nicht. Denn wenn die betroffene Person, wie hier, keine Kenntnis von einer Taufe im Kleinkindalter und der damit verbundenen Kirchenmitgliedschaft habe, könne sie sich nicht durch schlichtes Unterlassen für die Beibehaltung eines etwaigen Bekenntnisses entscheiden. Bei einer solchen Fallkonstellation könne § 5 Abs. 1 KErzG verfassungsgemäß nur dahin ausgelegt werden, dass es keiner förmlichen Austrittserklärung bedürfe. Mit dem Gelöbnis der Jugendweihe habe sie eine Entscheidung der genannten Art zugunsten eines nicht-religiösen Bekenntnisses getroffen. Randnummer 21 Zudem sei verfassungswidrig, dass sie entgegen Art. 140 GG i.V.m. Art. 136 Abs. 4 WRV durch den Abzug von Kirchensteuer gezwungen werde, den kirchlichen Dienst mittelbar mitzutragen und finanziell zu fördern. Randnummer 22 Darüber hinaus sei der Kirchensteuerabzug vorliegend auch formell rechtswidrig erfolgt, da ihr unangekündigt und in einem automatischen Verfahren Kirchensteuer abgezogen worden sei. Vor dem Abzug der Kirchensteuer von ihrem Konto sei weder ihr Einverständnis eingeholt worden noch sei sie angehört worden, worin ein Verstoß gegen die Anhörungspflicht aus § 91 AO liege.
allgemeinen verwaltungsrechtlichen Grundsätzen hätte dem Abzug die rechtliche Feststellung (in Form eines Verwaltungsaktes) vorausgehen müssen, dass eine Kirchensteuerpflicht bestehe. Randnummer 23 Im Übrigen sei ihre Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche auch durch Austritt beendet worden. Ihre Eltern hätten unzweifelhaft auch für sie als ihre Tochter den Austritt aus dieser Kirche erklärt und das Taufgelöbnis widerrufen, mit anderen Worten sei sie von der entsprechenden Erklärung mitumfasst gewesen. Jede andere Auslegung wäre lebensfremd. Randnummer 24 Daran ändere die Tatsache, dass die Eltern ihre Austritte nicht zeitgleich erklärt hätten, nichts. Die Erklärung habe auch wirksam durch einen Erziehungsberechtigten mit Wirkung für beide Erziehungsberechtigten abgegeben werden können. Allenfalls wäre die Erklärung des Vaters bis zur
träglichen Zustimmung der Mutter durch ihren ebenfalls erklärten Austritt schwebend unwirksam gewesen und durch den Austritt der Mutter dieser Mangel ex tunc geheilt worden. Randnummer 25 Für den
weis eines Austritts könne von ihr eine Austrittsbescheinigung nicht verlangt werden, wenn Austrittserklärungen auch mündlich hätten abgegeben werden können und die Ausstellung einer Austrittsbescheinigung zur hier in Rede stehenden Zeit nicht gesetzlich vorgeschrieben gewesen sei. Vor dem Jahr 1976 habe das DDR-Recht zum Kirchenaustritt keine verpflichtende Regelung dahingehend enthalten, dass den aus der Kirche ausgetretenen Bürgern eine Austrittsbescheinigung habe ausgestellt werden müssen. Dass in der Praxis in Einzelfällen und in bestimmten Regionen den austretenden Bürgern trotz fehlender rechtlicher Vorgaben wohl auch vor diesem Jahr Austrittsbescheinigungen ausgestellt worden seien, sei für die Entscheidung des vorliegenden Falles irrelevant. Randnummer 26 Die Tatsache, dass vorliegend beide Eltern aus der Kirche ausgetreten seien, stelle einen prima-facie-Beweis dafür dar, dass auch die Klägerin aus der Kirche ausgetreten sei. Sie sei vom Austritt ihrer Eltern mitumfasst gewesen. Alles andere wäre – gerade in der DDR – absolut untypisch gewesen. Randnummer 27 Außerdem habe es in den damals einschlägigen DDR-Gesetzen und -Verordnungen keinerlei Regelung gegeben, wonach im Fall eines Kirchenaustritts beider Eltern ein Austritt für das gemeinsame minderjährige Kind gesondert hätte erklärt werden müssen. Demzufolge sei davon auszugehen, dass ein Austritt der Eltern einen automatischen Austritt des Kindes
sich gezogen habe. Randnummer 28 Überdies erscheine es naheliegend, dass die staatlichen Behörden den für die Klägerin miterklärten Austritt nicht ordnungsgemäß an die Kirche übermittelt hätten oder dieser fälschlicherweise von der Kirche nicht im Taufregister vermerkt worden sei. Randnummer 29 Letztlich sei die Beklagte selbst davon ausgegangen, dass entweder die Eltern den Austritt auch für die Klägerin erklärt hätten oder aber die Klägerin als minderjähriges Kind automatisch vom Austritt beider Eltern umfasst gewesen sei. Die Beklagte habe von ihr zuvor nie Abgaben erhoben und die Klägerin sei auch in den kircheninternen Mitgliederverzeichnissen nicht als Mitglied geführt worden. Randnummer 30 Darlegungs- und beweisbelastet dafür, dass sie, vertreten durch ihre Erziehungsberechtigten, nicht wirksam aus der Kirche ausgetreten sei, sei die Beklagte,
dem die Klägerin ihrerseits den wirksamen Austritt ihrer Erziehungsberechtigten
gewiesen habe. Randnummer 31 Abgesehen davon wären die Staatlichen Notariate auch verpflichtet gewesen, ihre Eltern darauf hinzuweisen, dass ein Austritt für minderjährige Kinder gesondert zu erklären gewesen sei. Unterbleibe eine solche Belehrung, könnten daraus in einem Rechtsstaat, welcher das Recht, jederzeit aus einer Religionsgemeinschaft auszutreten, gewährleiste, keine negativen Rechtsfolgen für den Betroffenen erwachsen. Randnummer 32 Jedenfalls sei ihre möglicherweise in der Zeit
dem Jahr 1956 noch bestehende Kirchensteuerpflicht durch den Untergang der DDR ebenfalls untergegangen. Randnummer 33 Beiträge, die in der DDR von den Kirchen seit dem Jahr 1956 erhoben worden seien, hätten nicht mehr den rechtlichen Charakter von Steuern gehabt, da der Staat seit diesem Jahr die hoheitliche Beitreibung auf der Grundlage einseitiger Festsetzung nicht mehr garantiert habe. Randnummer 34 Spätestens mit Art. 39 Abs. 2 Satz 1 der Verfassung der DDR vom
dem Beitritt in den neuen Bundesländern gelten sollen, während aufgrund der Nichterwähnung in Art. 1 Abs. 1 Einigungsvertrag im vereinigten Berlin das einschlägige Landesrecht von Berlin (West) zur Anwendung habe gelangen sollen. Randnummer 36 Die Religionsgemeinschaften in der ehemaligen DDR hätten den öffentlich-rechtli-chen Korporationsstatus jedenfalls nicht vor dem 3. Oktober 1990 mit Inkrafttreten des Grundgesetzes wiedererlangt. Randnummer 37 Da folglich erst
der Wiedervereinigung der Körperschaftsstatus in den neuen Bundesländern förmlich neu begründet worden sei, habe zumindest bis zu diesem Zeitpunkt keine Art von Kirchensteuerpflicht auf den neuen Gesamtstaat übergehen können. Dementsprechend hätte die Kirchensteuerpflicht der Klägerin ab dem 3. Oktober 1990 durch eine entsprechende formale Erklärung neu begründet werden müssen. Eine solche Erklärung sei aber nie abgegeben worden. Randnummer 38 Auch von einem automatischen Wechsel bzw. einem Übergang der Mitgliedschaft durch ihren Umzug
Berlin im Jahre 1972 könne nicht die Rede sein. Zu diesem Zeitpunkt habe die Kirchengemeinde Berlin (Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg) nicht mehr der EKD als Gliedkirche angehört, so dass es insofern eines Beitritts der in B... ... getauften Klägerin (Evangelische Landeskirche A... ... ) bedurft habe. Im Jahr 1969 hätten sich die acht evangelischen Landeskirchen der DDR zu einem Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR zusammengeschlossen und seien bis zum Untergang der DDR aus der EKD ausgeschieden. Randnummer 39 Außerdem habe sich seit dem Entzug des Parochialrechts, das allein die Mitglieder der korporierten Religionsgemeinschaft betreffe, durch die DDR-Verfassung von 1968 auch die Kirchenmitgliedschaft nicht fortgesetzt. D.h. sie sei mit ihrem Umzug
Berlin aus der Kirchengemeinde Bitterfeld ausgeschieden, aber nicht in die Kirchengemeinde Berlin eingetreten. Randnummer 40 Ihre Heranziehung zur Kirchensteuer sei auch deshalb rechtswidrig, weil sie unter Verstoß gegen wesentliche Verfahrensvorschriften und insbesondere gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen zustande gekommen sei. Randnummer 41 Die Übermittlung ihrer Daten an die Kirchensteuerstelle beim Finanzamt Prenzlauer Berg durch dieses Finanzamt sei rechtswidrig gewesen. Das Merkmal der „Erforderlichkeit“ in Art. 136 Abs. 3 Satz 2 WRV i.V.m. Art. 140 GG sei dahin auszulegen, dass nur diejenige Behörde
der Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft fragen dürfe, die für den Vollzug des jeweiligen Rechts bzw. der jeweiligen Pflicht zuständig sei, im Kirchensteuerrecht mithin die staatlichen Finanzämter. Vor diesem Hintergrund sei auch § 31 Abs. 1 Satz 1 AO verfassungskonform dahin auszulegen, dass eine Übermittlung personenbezogener Daten an die Religionsgemeinschaften nur von Kirchenmitgliedern zulässig sei. In den Unterlagen der Finanzbehörde sei vermerkt gewesen, dass die Klägerin konfessionslos sei. Dennoch sei unverständlicherweise eine Datenübermittlung an die Kirchensteuerstelle erfolgt. Randnummer 42 Auch die Erhebung von Daten der Klägerin durch Übersendung des Fragebogens zur Feststellung der Zugehörigkeit zu einer öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft durch die Kirchensteuerstelle beim Finanzamt Prenzlauer Berg sei rechtswidrig gewesen. Die Übersendung dieses Fragebogens durch die Kirchensteuerstelle beim Finanzamt Prenzlauer Berg verletzte ihr aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG fließendes Recht auf informationelle Selbstbestimmung, welches durch das Bundesdatenschutzgesetz und die Datenschutzgesetze der Länder konkretisiert werde. Ebenso verletzt seien der Geheimnisschutz der religiösen Privatsphäre und die negative Religionsfreiheit, welche in Art. 4 Abs. 1 GG, Art. 136 Abs. 3 Satz 1 WRV i.V.m. Art. 140 GG verbürgt seien. Die von der Beklagten anlassunabhängig vorgenommenen Ermittlungsmaßnahmen seien unter Verletzung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes erfolgt. Randnummer 43 Der Behördenbegriff in Art. 136 Abs. 3 Satz 2 WRV erfasse nicht Kirchenbehörden, sondern nur staatliche Stellen. Dies gelte selbst dann, wenn die Tätigkeit der Kirchenbehörde den innerkirchlichen Wirkkreis überschreite und Auswirkungen im staatlichen Bereich habe. Dementsprechend dürften nur die Finanzämter Fragebögen zur Feststellung der Religionszugehörigkeit übersenden und die dabei erlangten Informationen dann an die Kirchen weitergeben, nicht hingegen die Kirchen selbst hoheitliche Befugnisse ausüben und ermitteln. Der Staat habe sein Recht,
der Religionszugehörigkeit zu fragen, nicht durch § 7 KiStG auf die Kirchen übertragen. Die Regelung erkläre lediglich die §§ 88, 90 AO im Rahmen der Kirchensteuererhebung für anwendbar.
1 AO ermittle jedoch nicht die „Kirche“, sondern die „Finanzbehörde“ den Sachverhalt von Amts wegen. Überdies sei das vom der Beklagten herausgestellte „differenzierte System der Kirchensteuerverwaltung“ nicht von § 1 Abs. 2 KiStG Bln gedeckt, denn eine nur teilweise Übertragung der Verwaltung der Kirchensteuer sehe das Gesetz nicht vor. Auch die Verwaltungsvereinbarung über die Verwaltung der Kirchensteuern durch die Berliner Finanzbehörden vom 17. November 2011 mit dem Land Berlin enthalte keine Regelung, wonach das staatliche Recht,
der Religionszugehörigkeit zu fragen, im Land Berlin auf die Kirchen übertragen worden sei. Randnummer 44 Im Übrigen wäre die Schaffung einer Regelung, die inhaltlich so ausgestaltet wäre, wie das Fragebogen-Verfahren aktuell praktiziert werde, auch rechtswidrig. Wenn der Staat sein in Art. 136 Abs. 3 Satz 2 WRV i.V.m. Art. 140 GG verbürgtes Fragerecht auf eine nicht-staatliche Entität übertrüge, so dürfte dies nicht zu einem verringerten Grundrechtsschutz führen. Eine Übertragung dieses Fragerechts wäre nur denkbar mit einer gleichzeitigen Verpflichtung der entsprechenden Religionsgemeinschaft zur Einhaltung der staatlichen Datenschutzgesetze als Ausprägungen des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung. Eine solche Verpflichtung enthalte insbesondere Nr. 4 Abs. 1 Buchst. a der genannten Verwaltungsvereinbarung nicht. Im Übrigen wäre eine solche Regelung in Form einer Verwaltungsvereinbarung
der Wesentlichkeitsrechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts wegen eines Verstoßes gegen den Grundsatz des Vorbehalts des Gesetzes auch verfassungswidrig. Auch seien der Verfassung (Art. 137 Abs. 1 und 6 WRV sowie Art. 136 Abs. 4 WRV) klare Hinweise zu entnehmen, dass das staatliche Recht auf Auskunft über die Religionszugehörigkeit überhaupt nicht übertragen werden dürfe. Randnummer 45 Aus dem Vorstehenden folge, dass sie gegenüber der Beklagten keiner steuerrechtlichen Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht unterliege. Sie sei gegenüber der Beklagten nicht verpflichtet, auch nur eine der im Fragebogen formulierten Fragen zu beantworten. Randnummer 46 Unabhängig davon seien die Verwaltungsvereinbarung und die darin geregelte Verwaltung der Kirchensteuer durch die staatlichen Finanzämter und insbesondere auch die Ansiedlung von Kirchensteuerstellen in den Finanzämtern für sich genommen bereits verfassungswidrig, weil sie gegen den Grundsatz der Trennung von Staat und Religion verstießen. Aus Art. 137, 138 i.V.m. Art. 140 GG folge das Verbot organisatorisch-institutioneller und vermögensrechtlicher Verflechtungen staatlicher und kirchlicher Organe. Randnummer 47 Ebenfalls relevant in diesem Zusammenhang sei der Verstoß des Finanzamtes Prenzlauer Berg gegen die in Art. 137 Abs. 1 WRV i.V.m. Art. 140 GG festgeschriebene staatliche Neutralitätspflicht. Indem das Finanzamt der Kirchensteuerstelle Hinweise auf eine möglicherweise ungeklärte Kirchenmitgliedschaft gebe und diese dadurch in die Lage versetze, der Betroffenen unter Verschleierung der kirchlichen Urheberschaft einen Fragebogen zur Klärung der Religionszugehörigkeit zuzusenden und die Unwissenheit der Betroffenen auszunutzen, um von dieser personenbezogene Daten zu erhalten, ermögliche es durch kollusives Zusammenwirken überhaupt erst die sog. Rasterfahndung der Kirchen im Land Berlin. Randnummer 48 Die Übersendung des Fragebogens sei nicht nur formell, sondern auch materiell rechtswidrig gewesen. Randnummer 49 Die öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften seien an die Grundrechte, insbesondere an Art. 1 Abs. 1 GG und das daraus abgeleitete Recht auf informationelle Selbstbestimmung, gebunden. Randnummer 50 Eine eindeutige Exemtion dieser Religionsgemeinschaften enthielten die Datenschutzgesetze nicht, weshalb sie als ein für alle geltendes Gesetz im Sinne von Art.137 Abs. 3 Satz 1 WRV i.V.m. Art. 140 GG zu qualifizieren seien. Die Kirchen unterfielen dem dritten Abschnitt des BDSG für Private. Randnummer 51 Überdies unterliege die Datenverarbeitung kirchlicher Stellen spätestens seit der Umsetzung der Europäischen Datenschutzrichtlinie vom
der speziellen Regelung des § 28 Abs. 9 Satz 3 BDSG sei die Übermittlung der Angaben über eine vermeintliche Mitgliedschaft an Außenstehende von einer qualifizierten Einwilligung des Betroffenen abhängig. Randnummer 62 Ebenfalls nicht eingehalten worden sei die Regelung des § 33 Abs. 1 Satz 2 BDSG bzw. § 10 Abs. 5 DSG Bln. Die Norm sei verfassungskonform dahin auszulegen, dass in dem Fall, in dem die Übermittlung personenbezogener Daten ohne Mitwirkung des Betroffenen stattfinde, dieser bereits vor und nicht nur zeitgleich mit der ersten Übermittlung hierüber zu benachrichtigen sei. Eine entsprechende Benachrichtigung sei nicht erfolgt. Erst Monate
der Übermittlung habe die Beklagte sie mit Schreiben vom 27. März 2012 über die Datenübermittlung informiert. Randnummer 63 Auch ein Verstoß gegen § 39 Abs. 1 BDSG sei zu konstatieren. Aus dem vorliegenden Verwaltungsvorgang sei nicht ersichtlich, dass das Finanzamt Prenzlauer Berg vorliegend in die Übermittlung ihrer personenbezogenen Daten an die Evangelische Kirche in B... ... eingewilligt habe. Randnummer 64 Da die Erhebung der Daten seitens der Beklagten unzulässig gewesen sei, sei auch die Weitergabe an die Evangelische Kirche in B... ... nicht
4 Nr. 1 AO zulässig gewesen. Diese Fernwirkung folge aus einem Rückgriff auf die „fruit of the poisonous tree-doctrine“, wonach auch mittelbare Beweisergebnisse stets einem Verwertungsverbot unterlägen. Randnummer 65 Schließlich sei auch die Übermittlung ihrer Daten durch die Beklagte an die Kirchensteuerstelle beim Finanzamt Prenzlauer Berg rechtswidrig gewesen. Insbesondere sei hierdurch § 33 Abs. 1 Satz 2 BDSG verletzt worden. Randnummer 66 Rechtsfolge unzulässiger Datenverwendung und zu Unrecht unterlassener Informationen sei ein Verwertungsverbot hinsichtlich der gewonnenen Tatsachenerkenntnisse. Randnummer 67 Aus dem in Art. 137 Abs. 1 WRV i.V.m. Art. 140 GG als Grundsatz festgeschriebenen Trennungsprinzip von Staat und Kirche folge zudem, dass die
folgenden Absätze des Art. 137 WRV, insbesondere dessen Absatz 6, eng auszulegen seien. Die verfassungsrechtlich vorgegebene enge Auslegung des Art. 137 Abs. 6 WRV führe ebenfalls dazu, dass die von der Beklagten unter Verletzung datenschutzrechtlicher staatlicher Vorschriften erlangten Erkenntnisse keine Berücksichtigung im Rahmen des staatlichen Verfahrens der Heranziehung zur Kirchensteuer in Form der Lohnsteuer haben könnten. Randnummer 68 Darüber hinaus lasse sich ein Verwertungsverbot auch aus allgemeinen rechtsstaatlichen Erwägungen herleiten: Komme es zu schwerwiegenden, bewussten und systematisch angelegten Verfahrensverstößen, bei denen die grundrechtlichen Sicherungen planmäßig außer Acht gelassen würden (Stichwort: sog. Rasterfahndung), könnten Beweisverwertungsverbote von Verfassung wegen geboten sein. Vorliegend sei durch die unzulässige Beweiserhebung nicht nur ein Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung
1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG, sondern auch in das Recht der Klägerin auf negative Religionsfreiheit
Die Beklagte habe durch ihr Vorgehen zudem gegen die Grundsätze des fairen rechtsstaatlichen Verfahrens
3 GG verstoßen. Zugleich liege auch ein Verstoß gegen Art. 136 Abs. 3 Satz 2 WRV i.V.m. Art. 140 GG vor. Randnummer 69 Überdies habe die Übersendung des sogenannten „Fragebogens zur Feststellung der Zugehörigkeit zu einer öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft“auch die Tatbestände der Amtsanmaßung, des Betrugs in einem besonders schweren Fall und der Urkundenfälschung in einem besonders schweren Fall erfüllt. Randnummer 70 Die Klägerin beantragt, Randnummer 71
der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofs des Landes Berlin eine von der verfassungsrechtlich unbedenklichen Regelung der kirchenmitgliedschaftsbegründenden Taufe abweichende Beurteilung rechtfertigten, seien vorliegend weder vorgetragen noch ersichtlich. Allein der Vortrag, dass die Klägerin in einem sozialistischen und weltlichen Sinne erzogen worden sei und dass das Thema Kirche zu Hause keinerlei Rolle gespielt habe, reiche dafür nicht aus. Schon aus der E-Mail der Klägerin vom 29. März 2012,
der die Klägerin aus Erzählungen ihrer Eltern gewusst habe, dass diese in der DDR aus der Kirche ausgetreten seien, ergebe sich, dass die Klägerin Anhaltspunkte dafür gehabt habe, den Vollzug einer Taufe im Kindesalter in Erwägung zu ziehen. Wegen des vom Verfassungsgerichtshof angelegten objektiven Betrachtungsmaßstabs könnten für den von diesem Gericht in bestimmten Ausnahmefällen als möglich angesehenen Verstoß gegen Art. 29 Abs. 1 Satz 1 VvB nur solche Fallkonstellationen in Betracht kommen, in denen es
der Kindestaufe
weislich dauerhaft zu einer Trennung von dem die Taufe veranlassenden Sorgeberechtigten und dem betroffenen Kind gekommen sei (z.B. durch Tod, Kindeswegnahme oder Freigabe zur Adoption). Randnummer 76
allgemeinen Regeln trage die Klägerin die Beweislast für den Kirchenaustritt. Es seien keine Umstände ersichtlich, die zu einer Beweislastumkehr führen könnten. Es seien keinerlei Gründe erkennbar, aus denen der behauptete, von den Eltern der Klägerin miterklärte Kirchenaustritt durch die staatlichen Organe nicht an die Kirche übermittelt oder von dieser nicht auf der Karteikarte der „Seelenkartei“ (= Mitgliederkartei) B... ..., auf der die Klägerin unter der laufenden Nummer K3 aufgeführt sei, vermerkt worden sein sollte. Für die Aufnahme von Kirchenaustrittserklärungen durch die zuständigen Stellen der DDR hätten Formulare Verwendung gefunden, in denen Kinder, für die ein Austritt habe miterklärt werden sollen, gesondert aufgeführt worden seien. Gerade angesichts des zeitverzögerten Austritts beider Elternteile mute der Verbleib der Klägerin in der Kirche nicht als untypischer Geschehensablauf an. Randnummer 77 Die Klägerin habe nicht dargelegt, im Zusammenhang mit welcher elterlichen Austrittserklärung ihr Austritt miterklärt worden sein solle und in welcher Weise der andere Elternteil daran mitgewirkt habe. Randnummer 78 Bei der Beklagten handle es sich um eine altkorporierte Körperschaft, die bereits vor dem Inkrafttreten der Weimarer Verfassung am 11. August 1919 Körperschaft des öffentlichen Rechts gewesen sei, und dieser Status sei ungeachtet der Nichtanerkennung durch die ehemalige DDR erhalten geblieben. Damit habe sie besagten Status auch im Bereich des Kirchengebiets, das auf dem Gebiet der früheren DDR gelegen habe, nicht neu erwerben müssen. Dies gelte auch für den Bereich des ehemaligen Ostteils von Berlin, auf den das im Westteil Berlins geltende Kirchensteuerrecht ausgedehnt worden sei. Die Kirchen in der ehemaligen DDR hätten ihre Dienstherrenfähigkeit und Organisationsgewalt auch
Inkrafttreten der Verfassung vom
Berlin Mitglied der Beklagten bzw. ihrer Rechtsvorgängerin geworden. Randnummer 79 Ein Beweisverwertungsverbot liege nicht vor. Randnummer 80 Kirchensteuergläubigerin sei nicht der Staat, sondern die steuererhebende Kirche, vorliegend also die Beklagte. Der Staat sei durch Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 6 WRV verpflichtet, den Religionsgemeinschaften mit Körperschaftsstatus das Besteuerungsrecht als hoheitliche Befugnis zu verleihen. Er komme dieser Verpflichtung
, wenn er die rechtlichen Voraussetzungen für das Besteuerungsrecht schaffe und dabei die Möglichkeit zwangsweiser Beitreibung vorsehe. Dem Landesgesetzgeber stehe es dabei frei, ob er sich auf den Erlass von Rahmengesetzen beschränke, das Besteuerungsrecht selbst in allen Einzelheiten regele oder durch Abschluss staatskirchenrechtlicher Vereinbarungen den Rahmen schaffe, den die Religionsgemeinschaften in Wahrnehmung des Rechts, ihre Angelegenheiten selbst zu ordnen und zu verwalten, durch Erlass kirchlicher Steuergesetze ausfüllen könnten. In Ausfüllung dieser Grundsätze lege § 1 Abs. 1 KiStG fest, dass die Kirchen
Maßgabe dieses Gesetzes Steuern aufgrund eigener Steuerordnungen erheben könnten.
StG obliege die Verwaltung der Steuer der steuerberechtigten Religionsgemeinschaft, soweit sie nicht
G den Berliner Finanzbehörden übertragen werde.
G obliege die Verwaltung der Kirchensteuern den Berliner Finanzbehörden, soweit diesen die Verwaltung übertragen worden sei.
G bestimme sich der Umfang der Verwaltung
einer Verwaltungsvereinbarung, die derzeit in der Fassung vom
4 dieses Staatsvertrages seien die Finanzbehörden verpflichtet, den zuständigen kirchlichen Stellen die Auskünfte zu erteilen und Unterlagen zur Verfügung zu stellen, die zur Durchführung der Besteuerung erforderlich seien. Damit bestehe für die Tätigkeit der Kirchensteuerstelle beim Finanzamt Prenzlauer Berg eine hinreichende gesetzliche Grundlage. Wenn den Kirchensteuerstellen auf dieser Grundlage die ansonsten den staatlichen Finanzbehörden obliegenden Feststellungen zur subjektiven Kirchensteuerpflicht als Grundvoraussetzung der Besteuerung zugewiesen worden seien, müssten diese zur Durchsetzung steuerrechtlicher Prinzipien in der Lage sein, Feststellungen zur Kirchenmitgliedschaft zu treffen. Randnummer 81 Für Kirchensteuern gelten
StG grundsätzlich die Vorschriften der Abgabenordnung entsprechend. Somit gelten in Verfahren zur Festsetzung und Erhebung von Kirchensteuern auch die §§ 88 und 90 AO. Wenn in Berlin ein differenziertes System der Kirchensteuerverwaltung zwischen Staat und Kirche vereinbart worden sei,
dem lediglich Teilbereiche der Kirchensteuerverwaltung auf den Staat übertragen worden seien, die Bearbeitung anderer Bereiche, insbesondere die Aufklärung der Frage, ob jemand überhaupt kirchensteuerpflichtig sei, den Kirchen obliege, seien die Kirchen und damit auch die Beklagte bei der Wahrnehmung der ihr
der Aufgabenverteilung obliegenden Aufgaben der Kirchensteuerverwaltung an die Vorschriften der Abgabenordnung gebunden. Randnummer 82 Die kirchlichen Dienststellen seien, soweit sie im Rahmen des Besteuerungsverfahrens tätig seien, in Ausübung hoheitlicher Gewalt jedenfalls insoweit, als der dem Staat zuzuordnende Durchführungsbereich der „gemeinsamen Angelegenheit“ Kirchensteuer betroffen sei, grundrechtsgebunden. Randnummer 83 Insbesondere unterlägen die Kirchen und ihre Mitarbeitenden den Vorschriften des Steuergeheimnisses
3 Nr. 3 AO. Das Steuergeheimnis sei insoweit bereichsspezifische Datenschutzregelung und als solche einfachgesetzliche Umsetzung des informationellen Selbstbestimmungsrechts und gehe in seinem Anwendungsbereich den von der Klägerin angeführten allgemeinen Datenschutzbestimmungen vor. Das Steuergeheimnis untersage nicht jeglichen Gebrauch von im Besteuerungsverfahren bekanntgewordenen Daten, da andernfalls ein Besteuerungsverfahren nicht möglich wäre (vgl. § 30 Abs. 4 Nr. 1 AO). Randnummer 84 Vorsorglich werde darauf hingewiesen, dass die allgemeinen Datenschutzgesetze keine für alle geltenden Gesetze seien, die Kirchen vielmehr durch beredtes Schweigen von deren Anwendungsbereich ausgenommen seien und das Datenschutzrecht eine unter das kirchliche Selbstbestimmungsrecht fallende eigene Angelegenheit der Kirchen sei. Nur im Bereich der Ausübung hoheitlicher Gewalt komme es zu einer wegen der Ganzheitlichkeit kirchlichen Wirkens eingeschränkten, analogen Anwendung der Vorschriften des
der Verwaltungsvereinbarung über die Verwaltung der Kirchensteuern durch die Berliner Finanzbehörden vom 17. November 2011,
der die Kirchen gemäß Nr. 4 Abs. 1 Buchst. a für die Feststellung der subjektiven Kirchensteuerpflicht verantwortlich seien. Insoweit handele es sich also um die Wahrnehmung eigener Angelegenheiten im Rahmen der gemeinsamen Angelegenheit Kirchensteuerrecht, so dass, soweit nicht ohnehin durch § 30 AO verdrängt, auf die Tätigkeit der Kirche das Datenschutzgesetz der EKD Anwendung fände. Im Bereich ihrer eigenen Angelegenheiten sei die Kirche aber nur an den Grundrechtskern bzw. das „Ob“ des Datenschutzes oder das Datenschutzprinzip gebunden und damit zu Datenschutzmaßnahmen zum Würdeschutz verpflichtet. Randnummer 88 Eine darüber hinausgehende Bindung der Kirche und Verpflichtung zur Schaffung ausreichender Datenschutzmaßnahmen bestehe nur in den Fällen, in denen die Kirche vom staatlichen Datenübermittlungsangebot Gebrauch machen wolle. Erforderlich, aber auch genügend sei dann eine dem Schutzzweck des BDSG, dem Schutz des informationellen Selbstbestimmungsrechts, entsprechende Ausgestaltung des kirchlichen Datenschutzrechts. Randnummer 89 Die Beklagte, die innerhalb des Besteuerungsverfahrens im Rahmen der ihr zugewiesenen eigenen Angelegenheiten tätig geworden sei und dabei an die Vorschriften der Abgabenordnung gebunden sei, habe sich durch Übersendung des Fragebogens zur Ermittlung des Sachverhalts (§ 88 AO) entsprechend der Regelung in § 93 Abs.1 AO zunächst an die Klägerin gewandt. Randnummer 90 Ein Beweisverwertungsverbot setze voraus, dass aus der rechtswidrigen Handlung gerade die Tatsachen ermittelt worden seien, die für die Entscheidung herangezogen würden. Die Klägerin habe auf dem von ihr ausgefüllten Fragebogen die (unzutreffende) Angabe gemacht, nicht getauft zu sein. Die weiteren Angaben der Klägerin seien erst im Schriftwechsel mit der Kirchensteuerstelle Berlin erfolgt, von der nicht einmal die Klägerin behaupte, dass sie nicht als kirchliche Dienststelle zu erkennen sei. Die von der Klägerin auf dem Fragebogen getätigten Angaben seien nicht ursächlich für die Feststellung ihrer Kirchenmitgliedschaft infolge der festgestellten Taufe gewesen, denn der Beklagten hätten alle für eine Taufanfrage notwendigen Angaben auch ohne die Angaben der Klägerin im Fragebogen vorgelegen. Da die Tatsachenermittlung sich demgemäß unabhängig von den personenbezogenen Angaben der Klägerin im Fragebogen vollzogen habe, könnten sowohl die behaupteten Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen als auch die behauptete Verwirklichung von Straftatbeständen von vornherein kein Verwertungsverbot begründen. Randnummer 91 Wegen der Einzelheiten des Sachverhalts und des Vorbringens der Beteiligten wird auf den Inhalt der Streitakte und des Verwaltungsvorgangs der Beklagten verwiesen, die vorgelegen haben und Gegenstand der mündlichen Verhandlung waren. Entscheidungsgründe Randnummer 92 Die Klage hat weder mit dem Klagantrag zu 1. (dazu im Folgenden unter A) noch mit dem Klagantrag zu 2. (dazu im Folgenden unter B) Erfolg. Randnummer 93 A. I. Der als Anfechtungsklage (§ 42 Abs. 1 Alt. 1 der Verwaltungsgerichtsordnung – VwGO –) statthafte Klagantrag zu 1. ist auch im Übrigen zulässig. Randnummer 94 1. a) Das
1 Satz 2 des insoweit maßgeblichen, nämlich gegenwärtig geltenden Gesetzes über die Erhebung von Steuern durch öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaften im Land Berlin (Kirchensteuergesetz) vom
Sinn und Zweck der § 9 Abs. 1 KiStG n.F., §§ 68 ff. VwGO entbehrlich. Ein solches Verfahren ist über die gesetzlich ausdrücklich geregelten Fälle hinaus ausnahmsweise entbehrlich, wenn die Zwecke des Vorverfahrens (Selbstkontrolle der Verwaltung, individueller Rechtsschutz und Entlastung der Verwaltungsgerichte) vor der Klageerhebung schon auf andere Weise erreicht worden sind oder die Zwecke des Vorverfahrens nicht mehr erreicht werden können (BVerwG, Urteil vom
1945 aus der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union hervorgegangen sind, sind als rechtlich verselbständigte Teile (Landeskirchen) und Teilrechtsnachfolgerinnen letzterer Kirche, bei der es sich um eineKörperschaft des öffentlichen Rechts gehandelt hat, ebenfalls Körperschaften des öffentlichen Rechts gewesen (vgl. FG Mecklenburg-Vorpommern, Urteil vom
der gesamtdeutschen Verfassungstradition zustehenden öffentlich-rechtlichen Korporationsstatus infolge der Nichtanerkennung dieses Status durch die DDR nicht wahrnehmen konnten, haben sie ihn am
dem Willen der Vertragsparteien diejenigen Religionsgemeinschaften in der DDR, die bereits
5 der Weimarer Reichsverfassung Körperschaften des öffentlichen Rechts gewesen waren, als solche ab dem Steuerjahr 1991 zur Erhebung von Kirchensteuern berechtigt sein sollten (s. §§ 1 , 2 , 20 des Kirchensteuergesetzes der DDR). § 2 des Kirchensteuergesetzes der DDR,
dessen Nr. 1 Buchst. b die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg und
dessen Nr. 1 Buchst. c die Evangelische Kirche des Görlitzer Kirchengebietes Körperschaften des öffentlichen Rechts sind, hat lediglich deklaratorischen Charakter. Dass in Art. 9 EV das Land Berlin nicht erwähnt ist, hat seinen Grund in der Existenz des Kirchensteuergesetzes für Berlin (West), dessen Geltungsbereich durch das Gesetz über die Vereinheitlichung des Berliner Landesrechts vom
StO ev. n.F. ist vor der Erhebung der Klage die Heranziehung zur Kirchensteuer in einem außergerichtlichen Rechtsbehelfsverfahren
zuprüfen, das sich
dem am Wohnsitz des Gemeindemitgliedes geltenden Landesrecht richtet.Im Land Berlin ist der Rechtsbehelf beim Konsistorium anzubringen, soweit durch das Gesetz über die Erhebung von Steuern durch öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaften im Land Berlin nicht anderes bestimmt ist (§ 16 Abs. 3 Satz 1 KiStO ev. n.F.). Anderes ist lediglich durch § 9 Abs. 1 Satz 5 KiStG n.F. bestimmt. Diese Vorschrift lautet: Ist die Verwaltung der Steuern den Berliner Finanzbehörden übertragen worden und richtet sich der Widerspruch gegen die gemäß § 3 Absatz 5 dieses Gesetzes in Verbindung mit § 51 a Absatz 2 des Einkommensteuergesetzes ermittelte Bemessungsgrundlage, so ist Behörde im Sinne der Vorschriften des Satzes 3 die den Einkommensteuerbescheid erlassende Finanzbehörde. Randnummer 107 Für die Entscheidung über den außergerichtlichen Rechtsbehelf, mithin den Widerspruch, der gemäß § 16 Abs. 3 Satz 1 KiStO ev. n.F. beim Konsistorium anzubringen ist, ist das Konsistorium, eine Behörde der Beklagten, zuständig (s. dazu § 16 Abs. 3 Satz 3 KiStO ev. n.F.). Randnummer 108 Im vorliegenden Fall ist der Widerspruch gegen die Heranziehung (der Klägerin) zur evangelischen Kirchensteuer (für das Jahr 2012) und damit gegen die (mit Bescheid vom 8. Oktober 2013 erfolgte) Festsetzung besagter Kirchensteuer beim Konsistorium anzubringen (gewesen). Die Voraussetzungen des § 9 Abs. 1 Satz 5 KiStG n.F. sind hier nicht gegeben. Ein Widerspruch, der sich gegen die Bemessungsgrundlage der festgesetzten Kirchensteuer für das Jahr 2012 richtet, existiert nicht. Vielmehr wendet sich die Klägerin mit ihrem Widerspruch vom 20. September 2013 – und auch mit ihrer Klage – schlechthin gegen ihre Heranziehung zur Kirchensteuer und die Festsetzung von Kirchensteuer für dieses Jahr. Sie macht geltend, – schon dem Grunde
– nicht kirchensteuerpflichtig zu sein. Randnummer 109 bb) Das Konsistorium, das hier – wie oben ausgeführt – Widerspruchsbehörde ist, ist bereits außerhalb eines Widerspruchsverfahrens mit der Sache befasst worden und hat eine sachliche Überprüfung der in dem Bescheid des Finanzamts Prenzlauer Berg vom 8. Oktober 2013 enthaltenen Kirchensteuerfestsetzung, eines Verwaltungsakts, vorgenommen. Ein Widerspruchsverfahren
StG n.F., §§ 68 ff. VwGO ist in Bezug auf diese Festsetzung nicht durchgeführt worden. Das Vor- oder Widerspruchsverfahren beginnt mit der Erhebung des Widerspruchs (§ 69 VwGO). Ein Widerspruch ist gegen die zuletzt genannte Festsetzung nicht erhoben worden. Die Klägerin hat mit Telefax ihres Steuerberaters vom
dem Kirchensteuergesetz des Landes Berlin – wie die hier streitigen Steuern – nicht entsprechend.
StG n.F. sind von der entsprechenden Geltung der Vorschriften der Abgabenordnung für diese Steuern, die in § 7 Satz 1 KiStG n.F. geregelt ist, die Vorschriften u.a. über das außergerichtliche Rechtsbehelfsverfahren (§§ 347 bis 368 der Abgabenordnung), zu denen § 365 Abs. 3 Satz 1 der Abgabenordnung gehört, ausdrücklich ausgenommen. Randnummer 110 Auch hat die Klägerin ihren Widerspruch vom 20. September 2013
Ergehen des Änderungsbescheids vom
StG n. F., §§ 68 ff. VwGO gleichkommt, sachlich überprüft, insbesondere deren Rechtmäßigkeit
geprüft (vgl. dazu § 68 Abs. 1 Satz 1 VwGO). Mit Widerspruchsbescheid ihres Konsistoriums vom
Auffassung der Beklagten gegen diese Festsetzung richtet, als unbegründet zurück. Indem das Konsistorium diesen vermeintlich gegen letztere Festsetzung gerichteten Widerspruch sachlich beschieden, nämlich als unbegründet zurückgewiesen, hat (vgl. BVerwG, Urteil vom
Zustellung des Widerspruchsbescheids erhoben werden (§ 74 Abs. 1 Satz 1 VwGO; s.a. BayVGH a.a.O.). Hier ist der Widerspruchsbescheid am 4.August 2015 zugestellt worden. Die Klage ist am
der Rechtslage in den Veranlagungszeiträumen, mithin in den Jahren 2012 und 2013 (vgl. BVerwG, Urteile vom 27.Oktober 2010 – 6 C 12.09 –, juris Rn. 14, und vom 29. April 2009 – 6 C 28.08 –, juris Rn. 14). In diesen Jahren hat das Kirchensteuergesetz in der zuletzt genannten Fassung gegolten. Randnummer 116
StG a.F. können Kirchen und andere Religionsgemeinschaften, die Körperschaften des öffentlichen Rechts sind,
Maßgabe dieses Gesetzes Steuern auf Grund eigener Steuerordnungen erheben (steuerberechtigte Religionsgemeinschaften). Steuerpflichtig sind alle natürlichen Personen, die einer steuerberechtigten Religionsgemeinschaft angehören und ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Sinne der Steuergesetze im Land Berlin haben ( § 2 Abs. 1 KiStG a.F.). Die Voraussetzungen dieser Vorschriften liegen hier bezogen auf die Jahre 2012 und 2013 vor. Randnummer 117
deren § 2 alle Gemeindemitglieder der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz kirchensteuerpflichtig sind. Randnummer 119 3. Die Klägerin, die ihren Wohnsitz seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Berlin hat, hat der Beklagten in den Jahren 2012 und 2013 angehört. Randnummer 120 a) Wer im Sinne des § 2 Abs. 1 KiStG a.F. Angehöriger einer steuerberechtigten Religionsgemeinschaft ist, bestimmt sich aufgrund des in Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV gewährleisteten Selbstverwaltungsrechts der Kirchen zulässiger Weise grundsätzlich allein
innerkirchlichem Recht (vgl. BVerfG, Beschluss vom
seiner Auflösung 1991 wieder beigetreten sind. Die am 7. November 1974 neu gefasste Grundordnung-EKD hat die Regelung zur Bekenntnisidentität beibehalten (Art. 4 Abs. 1 Nr. 1). Schon im Hinblick auf diese bei der Taufe der Klägerin im Jahr 1953 bestehende bekenntnismäßige Verbindung der Gliedkirche, deren Mitglied die Klägerin durch die Taufe geworden ist, mit der zuletzt genannten Rechtsvorgängerin der Beklagten, in deren Bereich die Klägerin in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts verzogen ist, und der Beklagten sowie der Kontinuität dieser Verbindung bis zu dem Kirchenaustritt der Klägerin im Jahr 2014 ist es unter Beachtung von Art. 4 Abs. 1 und 2 GG verfassungsrechtlich unbedenklich, dass die Klägerin in den Jahren 2012 und 2013 im Sinne eines so genannten Parochialrechtes von der Beklagten, in deren Bereich sie in diesen Jahren ihren Wohnsitz hatte, als Mitglied in Anspruch genommen worden ist (vgl. OVG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 6.September 2006 a.a.O. Rn. 33 m.w.N.; s. zum Erfordernis der Bekenntnisidentität a. BVerwG, Urteil vom 12.April 1991 – 8 C 62.88 –, juris Rn. 14). Demnach muss die Frage nicht beantwortet werden, ob die Mitgliedschaft der Klägerin auch auf der Grundlage des Kirchengesetzes der EKD über die Kirchenmitgliedschaft vom 10.November 1976 (ABl. EKD 1976 S.389), das bei der Taufe der Klägerin noch nicht galt und nicht Teil des Kirchenrechtes des BEK war, in Betracht kommen könnte. Randnummer 123 b) Die Anknüpfung der Kirchensteuerpflicht an eine innerkirchliche Mitgliedschaftsregelung, die – wie Art. 3 GrO – den Erwerb der Kirchenmitgliedschaft auch durch eine Taufe im Kindesalter umfasst, ist weder verfassungswidrig noch ansonsten rechtswidrig. Randnummer 124
dem die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses unverletzlich sind, noch gegen Art. 4 Abs. 2 GG,
dem die ungestörte Religionsausübung gewährleistet wird. Dazu hat das Bundesverfassungsgericht (Beschluss vom 31. Juli 1971 a.a.O. Rn. 20 ff.) ausgeführt: Randnummer 125 Die Anknüpfung der Kirchenmitgliedschaft
dem Recht der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holsteins an Taufe und Wohnsitz verletzt nicht die Grundrechte des Beschwerdeführers auf Religionsfreiheit und auf negative Vereinigungsfreiheit im religiösen Bereich. Randnummer 126 Allerdings verbietet Art. 4 Abs. 1 und 2 GG, als Grundlage für die Kirchensteuerpflicht eine kirchliche Mitgliedschaftsregelung heranzuziehen, die eine Person einseitig und ohne Rücksicht auf ihren Willen der Kirchengewalt unterwirft. Diese Verfassungsbestimmung gewährleistet mit der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit und mit der ungestörten Religionsausübung einen von staatlicher Einflussnahme freien Rechtsraum, in dem jeder sich eine Lebensform geben kann, die seiner religiösen und weltanschaulichen Überzeugung entspricht (BVerfGE 12, 1
Abs.1 GG – unbeschadet einer etwaigen theologischen Legitimierung im innerkirchlichen Bereich – nicht Grundlage der Kirchensteuerpflicht sein. Zunächst ist schon durch die Anknüpfung der Kirchensteuerpflicht an die in einer evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde vollzogene Taufe hinreichend sichergestellt, dass ein Kirchenangehöriger für die Kirchensteuer nicht ohne oder gegen seinen Willen der steuerberechtigten Kirche zugeordnet wird. Für den Regelfall der Kindestaufe erklären die sorgeberechtigten Eltern die Bereitschaft zur Erziehung des Kindes in diesem Bekenntnis. Dabei wissen sie, dass diesem Akt herkömmlich die Bedeutung der Zugehörigkeit zu der entsprechenden Kirche beigemessen wird. Dass damit nicht auf den Willen des noch unmündigen Kindes, sondern seiner sorgeberechtigten Eltern abgehoben wird, beeinträchtigt nicht das Grundrecht des Kindes auf Glaubens- und Bekenntnisfreiheit. Insoweit handeln die Eltern kraft ihrer Elternverantwortung für das Kind, das ihrer Hilfe bedarf, um sich zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit innerhalb der sozialen Gemeinschaft zu entwickeln (vgl. BVerfGE 24, 119
Maßgabe der Vorschriften des bürgerlichen Rechts ist verfassungsrechtlich nicht erforderlich. Das den Kirchen durch Art.137 Abs. 3 Satz 1 WRV in Verbindung mit Art. 140 GG verbürgte Selbstbestimmungsrecht verpflichtet den Staat zur Anerkennung ihrer Mitgliedschaftsordnung für seinen Bereich, auch soweit sie von den staatlichen Regeln für Zusammenschlüsse abweicht. Randnummer 128
Erreichen der Religionsmündigkeit jederzeitige gesetzliche Austrittsmöglichkeit nicht die Rede sein. Der Gesetzgeber darf es bei typisierender und generalisierender Betrachtung (vgl. BVerfG, a. a. O.) aufgrund der gesetzlich gewährleisteten Möglichkeit eines Kirchenaustritts für ausgeschlossen erachten, dass ein religionsmündiger Bürger gegen seinen Willen und seine religiöse Überzeugung Mitglied einer Religionsgemeinschaft oder Kirche bleiben und diese durch die Zahlung von Kirchensteuern unterstützen muss (vgl. BayVerfGH, NVwZ 2001, 916 f.). Er kann und muss dabei nicht berücksichtigen, aus welchen persönlichen Beweggründen ein Kirchenaustritt unterbleibt. Das Verlangen einer förmlichen Austrittserklärung dient dem verfassungsrechtlich legitimen Bedürfnis
eindeutigen und
prüfbaren Tatbeständen als Grundlage der Kirchensteuerpflicht (vgl. BVerfG, NJW 2008, 2978 ff., Rn. 26; BVerfGE 30, 415 <426>). Insoweit zieht Art. 137 Abs. 6 WRV in Verbindung mit Art. 140 GG, der den Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechts das Recht der Steuererhebung gewährleistet, der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit – auch im Geltungsbereich der Verfassung von Berlin (Art. 31 GG) – Grenzen (vgl. BVerfG, a. a. O.). Mit Rücksicht hierauf ist es entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer verfassungsrechtlich auch nicht geboten, eine durch Taufe begründete Kirchenmitgliedschaft dann nicht anzuerkennen, wenn der Betroffene später in keiner Weise – etwa durch Konfirmation, kirchliche Heirat oder entsprechende Angaben in der Steuererklärung – mehr zum Ausdruck bringt, dass er sich fortdauernd zu der Religionsgemeinschaft bekennt (vgl. BVerfG, a. a. O., Rn. 35). Randnummer 130 bb) Die Anwendung der gesetzlichen Regelungen über die Kirchensteuerpflicht im Land Berlin ist auch insoweit grundsätzlich mit Art. 29 Abs. 1 VvB vereinbar, als sie in der ehemaligen DDR geborene und aufgewachsene Personen betrifft. Namentlich besteht kein Anlass, die Freiwilligkeit und Zurechenbarkeit der Entscheidung für eine Taufe deshalb in Zweifel zu ziehen, weil sie in der ehemaligen DDR erfolgte. Ebenso wenig ist es von Verfassungs wegen geboten, eine die Kirchensteuerpflicht begründende und fortbestehende Kirchenmitgliedschaft – anders als in den alten Bundesländern – nur unter der Voraussetzung anzuerkennen, dass der Betroffene seine Bekenntniszugehörigkeit im religionsmündigen Alter durch den Kontakt zu einer Kirchengemeinde, durch freiwillige Kirchenbeiträge oder – ab 1990 – durch Angaben in Steuererklärungen bestätigend zum Ausdruck gebracht hat. Selbst wenn getaufte Bürger der ehemaligen DDR, die keiner Religionsgemeinschaft angehören wollten, vor 1990 keine Veranlassung gesehen haben sollten, von der Möglichkeit eines formalen Kirchenaustritts
dem Recht der ehemaligen DDR (vgl. OVG Berlin-Brandenburg, Urteil vom
der Wiedervereinigung ihren Kirchenaustritt förmlich zu erklären. Dies gilt auch, wenn Steuerpflichtige es nur für möglich gehalten haben, aber keine sichere Kenntnis davon hatten, dass sie im Kindesalter getauft wurden, und aufgrund der Lebensverhältnisse in der ehemaligen DDR keine Veranlassung gesehen hatten, dieser Frage
zugehen. Randnummer 131 cc) Die Heranziehung zur Zahlung von Kirchensteuer aufgrund einer durch Taufe begründeten und nicht durch Austritt beendeten Kirchenmitgliedschaft würde aber dann gegen Art. 29 Abs. 1 Satz 1 VvB verstoßen, wenn eine solche Person bei objektiver Betrachtung aufgrund besonderer Lebensumstände keine Veranlassung hatte, die Möglichkeit einer ihr verschwiegenen und auch sonst nicht bekannt gewordenen Taufe im Kindesalter auch nur in Erwägung zu ziehen, und daher als sicher davon ausgehen durfte, nicht Mitglied einer Kirche und deshalb auch nicht kirchensteuerpflichtig zu sein. Eine durch Art.29 Abs. 1 Satz 1 VvB unbedingt geschützte (freie) Entscheidung über die Beendigung einer Kirchenmitgliedschaft ist demjenigen nicht möglich, der mit der Existenz einer solchen Mitgliedschaft nicht rechnen kann und muss. Von ihm kann daher die Abgabe einer förmlichen Austrittserklärung auch nicht erwartet und verlangt werden. Randnummer 132 Danach verstößt die Heranziehung zur Zahlung von Kirchensteuer im vorliegenden Fall nicht gegen Art. 29 Abs. 1 Satz 1 VvB. Namentlich hat die Klägerin vor ihrem Kirchenaustritt im November 2014 nicht als sicher davon ausgehen dürfen, nicht Mitglied einer Kirche und deshalb auch nicht kirchensteuerpflichtig zu sein. Besondere Lebensumstände, aufgrund derer die Klägerin bei objektiver Betrachtung keine Veranlassung hatte, die Möglichkeit einer ihr verschwiegenen und auch sonst nicht bekannt gewordenen Taufe im Kindesalter auch nur in Erwägung zu ziehen, sind nicht vorhanden. Das Vorbringen der Klägerin, ihre Eltern hätten sie sozialistisch und weltlich sowie im atheistischen und anti-religiösen Sinne erzogen und das Thema Kirche habe zu Hause keinerlei Rolle gespielt, genügt dafür nicht. Bereits aus der E-Mail der Klägerin vom 29. März 2012 ergibt sich, dass die Klägerin Anhaltspunkte dafür gehabt hat, in Erwägung zu ziehen, möglicherweise als Kind getauft worden zu sein.
dieser E-Mail wusste die Klägerin aus Erzählungen ihrer Eltern, dass diese in der DDR aus der Kirche ausgetreten waren, mithin dass diese vor ihrem Austritt Mitglieder einer christlichen Religionsgemeinschaft gewesen waren. Hinzu kommt, dass auch in der ehemaligen DDR allgemein bekannt war, dass sehr viele Christen ihre Kinder im Kindesalter taufen lassen. Demnach hat die Klägerin schon lange vor dem Jahr 2012 mit der Existenz einer Kirchenmitgliedschaft rechnen müssen. Randnummer 133
dieser Vorschrift steht dem Kind
der Vollendung des vierzehnten Lebensjahrs die Entscheidung darüber zu, zu welchem religiösen Bekenntnis es sich halten will. Demgemäß kann das Kind
der Vollendung des vierzehnten Lebensjahrs selbst über seine Zugehörigkeit zu einem religiösen Bekenntnis oder einer Religion entscheiden (J. Lange in Herberger/Martinek/Rüßmann/Weth/Würdinger, jurisPK-BGB,
der Vollendung des vierzehnten Lebensjahres ein dem Betroffenen zurechenbarer Willensakt seiner Sorgeberechtigten und damit ein Unterlassen eines Austritts nicht (mehr) genügt, sondern dass es dafür
diesem Zeitpunkt eines aktiven Tuns des Betroffenen, nämlich einer bewussten Entscheidung desselben für die Mitgliedschaft, bedarf. Eine solche Auslegung dieser Vorschrift ist verfassungsrechtlich schon im Hinblick auf die
Vollendung dieses Lebensjahres jederzeitige gesetzliche Austrittsmöglichkeit nicht geboten (vgl. VerfGH Berlin a.a.O. Rn. 19).Der Gesetzgeber durfte bei typisierender, generalisierender Betrachtung davon ausgehen, dass der Betroffene regelmäßig durch einen eigenen Willensakt oder einen solchen seiner Sorgeberechtigten Mitglied einer Kirche oder einer sonstigen Religionsgemeinschaft des öffentlichen Rechts geworden ist. Bei den großen christlichen Kirchen ist das die Taufe. Dabei handelt es sich um eine eindeutige und vom Kirchenmitglied selbst oder seinen Sorgeberechtigten zu bewirkende Handlung. Diesen Willensakt, namentlich die Taufe muss sich der Betroffene zurechnen lassen (vgl. BVerfG, Beschluss vom 2.Juli 2008 – 1 BvR 3006/07 –, juris Rn. 35). Belastende Rechtsfolgen für das Kind werden an die im Kindesalter erfolgte Taufe in der Regel erst in einem Zeitpunkt angeknüpft, in dem es die Religionsmündigkeit erlangt hat und daher jederzeit durch Austritt seine Mitgliedschaft beenden kann.Wird die Mitgliedschaft gleichwohl aufrechterhalten, so liegt darin ein Element der Freiwilligkeit, das es ausschließt, von einer Zwangsmitgliedschaft zu sprechen. Eine darüber hinausgehende förmliche Beitrittserklärung
Maßgabe der Vorschriften des bürgerlichen Rechts ist verfassungsrechtlich nicht erforderlich (vgl. BVerfG, Beschluss vom 31. Juli 1971 a.a.O. Rn. 22). Randnummer 136 Genauso wenig muss § 5 Satz 1 KErzG aus verfassungsrechtlichen Gründen dahin ausgelegt werden, dass es in einer Fallkonstellation wie der vorliegenden, in der der Betroffene (hier: die Klägerin) – wie oben ausgeführt – vor den Veranlagungszeiträumen nicht als sicher davon hat ausgehen dürfen, nicht Mitglied einer Kirche zu sein, sondern mit der Existenz einer Kirchenmitgliedschaft hat rechnen müssen, keiner förmlichen Kirchenaustrittserklärung bedarf.Das Verlangen einer förmlichen Austrittserklärung dient auch in solchen Fällen dem verfassungsrechtlich legitimen Bedürfnis
eindeutigen und
prüfbaren Tatbeständen als Grundlage der Kirchensteuerpflicht (vgl. BVerfG, Beschluss vom
staatlichem Recht, zumal Anhaltspunkte für einen Kirchenaustritt der Klägerin unmittelbar durch Erklärung gegenüber kirchlichen Stellen nicht vorhanden sind. Randnummer 140
staatlichem Recht der DDR, auf das es für einen Kirchenaustritt in der DDR ankam, war der Kirchenaustritt streng formalisiert. Art. 47 der Verfassung der DDR vom
B-1952 –, die entgegenstehende Bestimmungen außer Kraft setzte (§ 3 Abs. 2), hatten die Amtsgerichte das zuständige Pfarramt von der abgegebenen Kirchenaustrittserklärung umgehend zu unterrichten (Abs. 1) und bei Unklarheit über das zuständige Pfarramt der dem Amtsgericht zunächst gelegenen kirchlichen Dienststelle Mitteilung zu machen.
B-1952 wurde die Austrittserklärung sofort wirksam. Randnummer 141 Seit 1952 waren für die Entgegennahme und Behandlung von Erklärungen über den Austritt aus einer Religionsgemeinschaft „gemäß“ der KiAustrV DDR die Staatlichen Notariate zuständig (§ 3 Abs. 1 Nr. 13 der Verordnung über die Übertragung der Angelegenheiten der Freiwilligen Gerichtsbarkeit vom
Oktober 1949 stand die Entscheidung über die Zugehörigkeit von Kindern zu einer Religionsgemeinschaft bis zu deren vollendetem vierzehnten Lebensjahr den Erziehungsberechtigten zu. Mangels anderweitiger Anhaltspunkte ist davon auszugehen, dass in den hier in Rede stehenden Jahren die Eltern der Klägerin deren Erziehungsberechtigte waren.
Oktober 1949 war die Erziehung der Kinder das natürliche Recht der Eltern. Die elterliche Sorge, die u.a. das Recht umfasste, für die Kinder zu sorgen, sowie das Recht, die Kinder zu vertreten, standen in besagten Jahren beiden Eheleuten gemeinschaftlich zu (§ 16 Abs. 1 des Gesetzes über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau vom
klägerischem Vorbringen im Zusammenhang mit ihm erklärten Kirchenaustritten der Eltern – durch die staatlichen Organe nicht an die Kirche übermittelt oder von dieser nicht auf der genannten Karteikarte vermerkt worden sein soll, sind – worauf die Beklagte zu Recht hinweist – nicht erkennbar. Randnummer 147 Weiter ist die Beklagte – anders als die Klägerin meint – nicht selbst davon ausgegangen, dass entweder die Eltern der Klägerin den Kirchenaustritt auch für die Klägerin erklärt haben oder aber die Klägerin als minderjähriges Kind automatisch vom Austritt beider Eltern umfasst gewesen ist. Greifbare Anhaltspunkte dafür, dass die Beklagte von einem solchen, behaupteten Kirchenaustritt der Klägerin, für den es – wie oben ausgeführt – keine Anzeichen gibt, gewusst hätte, sind nicht vorhanden. Aus den Umständen, dass die Beklagte von der Klägerin vor den hier streitigen Steuern Abgaben nicht erhoben hat und dass die Klägerin offenbar zumindest bis zum Jahr 2011 in einem Mitgliederverzeichnis einer Kirchengemeinde der Beklagten oder in einem anderen Mitgliederverzeichnis der Beklagten nicht als Kirchenmitglied geführt worden ist, folgt nichts anderes (vgl. VG Berlin, Urteil vom 6. Februar 2008 – VG 27 A 5.07 –, S. 7 f. des amtlichen Abdrucks). Im Weiteren wird auf die Begründung unter II. 12. des Widerspruchsbescheids vom 31. Juli 2015, und zwar von „Vor der […]“ (S. 7 unten dieses Bescheids) bis „…enthalten sein.“ (S. 8 oben letzteren Bescheids), Bezug genommen, der das Gericht folgt (§ 117 Abs. 5 VwGO). Randnummer 148 Entgegen der Auffassung der Klägerin kann aus dem Umstand, dass beide Eltern der Klägerin aus der Kirche ausgetreten sind, nicht
den Grundsätzen des Beweises des ersten Anscheins gefolgert werden, dass auch die Klägerin aus der Kirche ausgetreten ist. Die Anscheinsbeweisführung setzt einen Sachverhalt voraus, der
der Lebenserfahrung regelmäßig auf einen bestimmten Verlauf hinweist und es deshalb rechtfertigt, die besonderen Umstände des einzelnen Falles in ihrer Bedeutung zurücktreten zu lassen (BVerwG, Urteil vom
eigenem Vorbringen nicht religiös betätigt hat (z.B. sich nicht hat konfirmieren lassen), sondern von ihren Eltern weltlich sowie im atheistischen und anti-religiösen Sinne erzogen worden ist sowie das Jugendweihe-Gelöbnis abgelegt hat, hat auch in der DDR einen – förmlich zu erklärenden – Kirchenaustritt nicht entbehrlich gemacht (vgl. VG Berlin, Urteil vom
den Umständen des Einzelfalls, insbesondere
der Art des verletzten Verbots und dem Gewicht des Verstoßes zu entscheiden. Zudem darf eine Verwertbarkeit von Informationen, die unter Verstoß gegen Rechtsvorschriften gewonnen würden, nicht bejaht werden, wo dies zu einer Begünstigung rechtswidriger Beweiserhebungen führen würde. Ein Beweisverwertungsverbot kann daher insbesondere
schwerwiegenden, bewussten oder objektiv willkürlichen Rechtsverstößen, bei denen grundrechtliche Sicherungen planmäßig oder systematisch außer Acht gelassen worden sind, geboten sein (VG Oldenburg, Urteil vom
StG a.F. können Kirchen und andere Religionsgemeinschaften, die Körperschaften des öffentlichen Rechts sind,
Maßgabe dieses Gesetzes Steuern auf Grund eigener Steuerordnungen erheben (steuerberechtigte Religionsgemeinschaften). Die Verwaltung der Steuer obliegt der steuerberechtigten Religionsgemeinschaft, soweit sie nicht
des Gesetzes über den Anwendungsbereich der Abgabenordnung in der jeweils geltenden Fassung den Berliner Finanzbehörden übertragen wird ( § 1 Abs. 2 KiStG a.F.).
1 Satz 1 des Gesetzes über den Anwendungsbereich der Abgabenordnungin der hier maßgeblichen Fassung vom 21. Juni 1977 (GVBl. S. 1394), geändert durch das Gesetz vom 28.November 1978 (GVBl. S. 2208), – AOAnwG – obliegt die Verwaltung der Steuern und Beiträge der Körperschaften des öffentlichen Rechts einschließlich der Religionsgemeinschaften, die Körperschaften des öffentlichen Rechts sind, den Berliner Finanzbehörden, soweit der Senator für Finanzen ihnen die Verwaltung dieser Steuern und Beiträge auf Antrag der zuständigen Stellen überträgt. Der Umfang der Verwaltung ist in den Fällen des Absatzes 1 durch den Senator für Finanzen mit den zuständigen Stellen in Form von Verwaltungsvereinbarungen zu regeln ( § 2 Abs. 3 Satz 1 AOAnwG ). Randnummer 156
1 Satz 1 des Vertrages des Landes Berlin mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Evangelischer Kirchenvertrag Berlin) vom
4 Evangelischer Kirchenvertrag Berlin sind die Finanzbehörden verpflichtet, den zuständigen kirchlichen Stellen die Auskünfte zu erteilen und Unterlagen zur Verfügung zu stellen, die u.a. zur Durchführung der Besteuerung erforderlich sind. Randnummer 157 Die Verwaltungsvereinbarung über die Verwaltung der Kirchensteuern durch die Berliner Finanzbehörden zwischen der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg – einer Rechtsvorgängerin der Beklagten –, dem Erzbistum Berlin und dem Land Berlin vom
Maßgabe dieser Vereinbarung die Verwaltung der von den Kirchen von ihren Mitgliedern erhobenen Steuern vom Einkommen, einschließlich der im Lohnabzugsverfahren getrennt
Konfession einzubehaltenden Steuer vom Einkommen (Kirchenlohnsteuer), […] den Berliner Finanzbehörden. Randnummer 159
Maßgabe dieser Vereinbarung die Verwaltung der von den Kirchen von ihren Mitgliedern erhobenen Steuer vom Einkommen, einschließlich der als Zuschlag zur Einkommensteuer (Lohnsteuer, Kapitalertragsteuer) oder
Maßgabe des Einkommens aufgrund eines besonderen Tarifs zu erhebenden Kirchensteuer, […] den Berliner Finanzbehörden (
folgend Finanzämter). Randnummer 167
dem jeweiligen Bedarf unter Beachtung der Belange der Finanzämter bestimmen können. Zu den Aufgaben der Kirchensteuerstellen gehören im Rahmen ihrer allgemeinen Mitwirkung und Unterstützung der Finanzämter bei der Verwaltung der Kirchensteuer insbesondere Randnummer 170
KI-Erklärung auf Basis des amtlichen Gesetzestextes. Orientierend, ersetzt keine Rechtsberatung.