ihrer Einschätzung das Jugendamt des Beklagten gemäß § 86 Abs. 1 Satz 2 SGB VIII für das ungeborene Kind zuständig sei. Es werde daher empfohlen, dass die Klägerin zu 1) einen schriftlichen Antrag auf Hilfe zur Erziehung beim Beklagten stelle. 5 Am
einer Intoxikation im Frühjahr 2015 habe die Klägerin zu 1) unter psychotischer Realitätsverkennung gedroht, sich umzubringen, und sei in das Universitätsklinikum Halle eingewiesen worden. Während des Klinikaufenthalts sei der Unterbringungsbeschluss für ein Jahr ausgesprochen worden, der aufgrund von Rückfällen inzwischen habe verlängert werden müssen. Der Betreuer habe sie sodann im Sozialtherapeuthischen Zentrum H. angemeldet. Die große Entfernung zu ihrer Heimat habe der Stabilisierung der Klägerin zu 1) dienen sollen, um zukünftig wieder ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Sie habe stets Kontakt zu ihrer Familie gehalten und die Rückkehr angestrebt. Nun habe sie in der Nähe ihrer Familie eine geeignete Einrichtung gefunden, die einem Paar mit Suchtproblematik die nötige Unterstützung geben könne, um sich um ein Kind kümmern zu können. Die Klägerin zu 1) habe nun bei Kostenübernahme für das ungeborene Kind jederzeit die Möglichkeit, mit ihrem Freund bei der Beigeladenen zu 3) aufgenommen zu werden. Dies sei hinsichtlich des zeitnahen voraussichtlichen Geburtstermins am 23. Mai 2017 dringlich zu behandeln. 6 Mit Schreiben vom 6. April 2017 teilte der Beklagte dem Betreuer mit, dass der Antrag vom 28. März 2017 an das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport zur Bearbeitung in eigener Zuständigkeit weitergeleitet worden sei. Eine Zuständigkeit des Beklagten
den §§ 86 ff. SGB VIII sei nicht gegeben. Die Klägerin zu 1) habe zu keinem Zeitpunkt die Absicht gehabt, in der Therapieeinrichtung H. einen gewöhnlichen Aufenthalt zu begründen. 7 Am 12. April 2017 stellte der Betreuer der Klägerin zu 1) beim Jugendamt der Beigeladenen zu 2) ebenfalls einen Antrag auf Gewährung von Leistungen der Jugendhilfe
8 Er führte aus, dass für seine Betreute
langer, intensiver Suche mit der Einrichtung U. eine passende Einrichtung gefunden worden sei, die die Aufnahmebereitschaft für diese erklärt habe. Es sei bereits ein Antrag zur Aufhebung des Unterbringungsbeschlusses für die Einrichtung in B. erfolgt. Da der Fachbereich Soziales der Beigeladenen zu 2)
Prüfung der örtlichen Zuständigkeit am
einem Aktenvermerk des Beklagten über ein Gespräch mit der Klägerin zu 1) am
Halle zurückzukehren. Dort sei auch ihre Mutter wohnhaft, zu der sie regelmäßigen Kontakt habe und von der sie laufend unterstützt werde. 13 Am ... 2017 wurde das Kind der Klägerin zu 1) - die Klägerin zu 2) - geboren. Die Vaterschaft wurde vom Partner der Klägerin zu 1) am
GO mit dem Antrag, den Beklagten zu verpflichten, der Klägerin Hilfe zur Erziehung gemäß dem Antrag vom
SGB VIII, wonach derjenige Träger zuständig sei, in dessen Bereich die Eltern bzw. die Mutter ihren gewöhnlichen Aufenthalt hätten. Dabei sei zeitlich auf den Beginn der Leistung abzustellen, welche hier frühestens mit der Geburt des Kindes hätte beginnen können. Die Klägerin zu 1) und demzufolge auch ihre Tochter hätten im Kreisgebiet des Beklagten keinen gewöhnlichen Aufenthalt begründet. Es habe an dem Willen der Klägerin zu 1) gefehlt, im Zuständigkeitsbereich des Beklagten bis auf weiteres, d.h. im Sinne eines zukunftsoffenen Verbleibs, einen gewöhnlichen Aufenthalt und den Mittelpunkt der Lebensbeziehungen begründen zu wollen. Letztlich könne jedoch dahinstehen, ob die Klägerin zu 1) einen gewöhnlichen Aufenthalt in B. begründet habe, da die Begründung eines gewöhnlichen Aufenthalts stets die tatsächliche Aufenthaltsnahme voraussetze. Zum Zeitpunkt des frühestens möglichen Leistungsbeginns mit der Geburt der Klägerin zu 2) habe sich die Klägerin zu 1) jedoch nicht mehr in B., sondern bei der Beigeladenen zu 3) in Gera aufgehalten. 19 Der Betreuer der Klägerin zu 1) wandte sich sodann mit Schreiben vom
SGB VIII verpflichtet gewesen, da die Klägerin zu 1) vor Aufnahme in der Einrichtung H. ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Zuständigkeitsbereich der Beigeladenen zu 2) gehabt habe. Die Beigeladene zu 1) sei bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen grundsätzlich bereit, den Hilfefall in eigener Zuständigkeit fortzuführen. Es gelte dann zu klären, welcher örtliche Träger der Beigeladenen zu 1) in der Folge zur Kostenerstattung verpflichtet wäre. 26 Mit Schriftsatz vom 19. Dezember 2017 nahm die Beigeladene zu 2) zur Klage Stellung.
1 SGB VIII sei dasjenige Jugendamt örtlich zuständig, in dessen territorialem Bereich die Eltern ihren gewöhnlichen Aufenthalt hätten. An die Stelle der Eltern trete die Kindsmutter, wenn die Vaterschaft - so wie es vorliegend der Fall sei - nicht anerkannt worden sei. Die Klägerin zu 1) habe weder zum Zeitpunkt der Antragstellung noch zum Zeitpunkt des möglichen Leistungsbeginns, festgelegt durch die Geburt des Kindes, ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Halle gehabt. Im vorliegenden Fall liege seit dem
wie vor in der Einrichtung lebe. Für den Partner der Klägerin zu 1), welcher zu Beginn der Hilfe mit dieser in die Einrichtung (in ein separates Zimmer) eingezogen sei, sei die Hilfe zum 5. Dezember 2018 (sic) beendet worden. Für diesen bestünde derzeit ein Hausverbot. Seither wohne die Klägerin zu 1) allein mit ihrer Tochter in der Einrichtung. 30 Seit dem Einzug der Familie leiste die Einrichtung sozialpädagogische Erziehungshilfe
SGB VIII und sozialtherapeutische Hilfe im Rahmen der Eingliederungshilfe
Die Leistungen für die Eingliederungshilfe der Klägerin zu 1) würden gegenüber dem Sozialamt H. aktuell mit täglich 5 Fachleistungsstunden abgerechnet werden. Die Hilfeleistung für das Kind werde derzeit nicht vergütet. Vor Aufnahme der Klägerin zu 1) sei aufgrund des hohen Bedarfs mit dem Jugendamt des Beklagten ein Betreuungsumfang von 60 Fachleistungsstunden pro Woche vereinbart worden. Diese Zusage sei jedoch zurückgenommen worden. 31 Der wirtschaftliche Verlust für die Einrichtung als Träger sei signifikant. Die Einrichtung hätte damals die Möglichkeit gehabt, wegen fehlender Kostenzusage die Maßnahme zu beenden. Dies habe sie mit Rücksicht auf die Familie unterlassen, da sich die Klägerin zu 1) in den letzten Tagen der Schwangerschaft befunden habe und keine andere geeignete Einrichtung vorhanden gewesen sei. Würde man die vereinbarte Stundenzahl von 60 Fachleistungsstunden pro Woche ansetzen, ergebe sich für den Zeitraum
34 Mit Schriftsatz vom
SGB VIII sei für die Erbringung der Jugendhilfeleistungen derjenige örtliche Träger zuständig, in dessen Zuständigkeitsbereich der Leistungsempfänger vor Beginn der Leistung seinen gewöhnlichen Aufenthalt habe. Im Hinblick auf die Beteiligung der Beigeladenen zu 1) könne letztlich dahinstehen, ob die Klägerin in der Einrichtung in B. ihren gewöhnlichen Aufenthalt gehabt habe oder ob es sich um einen tatsächlichen Aufenthalt gehandelt habe. Soweit die Klägerin keinen gewöhnlichen Aufenthalt begründet hätte, würde diese Einrichtung dem Schutz der Einrichtungsorte gemäß § 89e SGB VIII unterliegen. Maßgeblich für die Feststellung der örtlichen Zuständigkeit wäre in diesem Fall der gewöhnliche Aufenthalt der Leistungsempfängerin vor Beginn dieser Leistung, welche in der Stadt H. gelegen habe. 37
Anhörung der Beteiligten wurde der Träger der Einrichtung U. mit Beschluss vom
frage des Gerichts teilten der Beklagte und die Beigeladenen zu 1), 2) und 3) sodann mit, auf mündliche Verhandlung zu verzichten. 39 Die Beigeladene zu 2) führte mit Schriftsatz vom
SGB XII hinaus - eine sozialpädagogische Familienhilfe
43 Die Klägerin zu 1) habe ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Halle gehabt. Seit dem 5. Dezember 2015 sei sie in der Einrichtung in B. untergebracht gewesen. Diese Einrichtung unterliege dem Schutz der Einrichtungsorte gemäß § 89e SGB VIII. Demzufolge sei die Beigeladene zu 2) örtlich zuständig. Auch
dem Umzug der Klägerin zu 1)
Gera habe die örtliche Zuständigkeit der Beigeladenen zu 2) fortbestanden, da es sich bei dieser Einrichtung ebenfalls um eine geschützte sonstige Wohnform handle. Soweit die Klägerin zu 1) später, anders als ursprünglich beabsichtigt, einen gewöhnlichen Aufenthalt in Gera begründet hätte, hätte die Beigeladene zu 2) der Beigeladen zu 1)
eine Fallabgabe anzeigen müssen, was jedoch nicht geschehen sei. Auch
Fallabgabe wäre die Beigeladenen zu 2) dann zur Kostenerstattung
44 Mangels Klärung der örtlichen Zuständigkeit zwischen dem Beklagten und der Beigeladenen zu 2) vor Leistungsbeginn hätte der Beklagte gemäß § 86d SGB VIII tätig werden müssen, da sich in dessen Zuständigkeitsbereich das Kind (in diesem Fall die schwangere Klägerin zu 1)) vor Beginn der Leistung tatsächlich aufgehalten habe. Der Gesetzgeber habe das Vorgehen bei strittigen Zuständigkeitsfragen hierdurch konkret geregelt. 45 Des Weiteren liege der Beigeladenen zu 1) kein Antrag für die Jugendhilfeleistung vor. Der Antrag des Betreuers der Klägerin zu 1) vom 14. September 2017 könne einen rechtlich korrekten Antrag der Leistungsberechtigten nicht ersetzen, siehe auch § 6 SGB VIII. Im Übrigen hätte zu diesem Zeitpunkt für ein vorläufiges Tätigwerden der Beigeladenen zu 1)
SGB VIII schon kein Handlungsdruck mehr bestanden, da die Klägerin bereits vier Monate in der Einrichtung U. untergebracht gewesen sei und die notwendigen Leistungen erhalten habe. 46 Mit Schriftsatz vom
GO auszulegende Klage ist teilweise bereits unzulässig, im Übrigen unbegründet. 50 Der Klageantrag ist
sachgerechter Auslegung gemäß § 88 VwGO und entsprechender Bestätigung des Klägerbevollmächtigten mit Schriftsatz vom
Anspruchs zu (vgl. SächsOVG, B.v. 22.10.2020 - 3 A 477/20 - juris Rn. 9; Kunkel/Pattar in: Kunkel/Kepert/Pattar, SGB VIII, 7. Aufl. 2018, § 36a Rn. 3 m.w.N.), hier also bei dem geltend gemachten Anspruch auf Hilfe zur Erziehung
SGB VIII dem Personensorgeberechtigten. Ein Anspruch des Kindes auf die Leistung besteht hingegen
dem unmissverständlichen Wortlaut des § 27 Abs. 1 SGB VIII nicht (vgl. auch Tammen/Trencek in Münder/Meysen/Trenczek, SGB VIII, 8. Aufl. 2019, § 27 Rn. 33), so dass auch keine Klagebefugnis der Klägerin zu 2) gemäß § 42 Abs. 2 VwGO gegeben ist. 52 Die zulässige Klage der Klägerin zu 1) bleibt in der Sache ohne Erfolg. 53 Ein Anspruch der Klägerin zu 1) auf Kostenerstattung gemäß § 36a Abs. 3 SGB VIII gegen den Beklagten besteht nicht. 54 Der Träger der öffentlichen Jugendhilfe ist
3 Satz 1 SGB VIII für den Fall, dass Hilfen abweichend von § 36a Abs. 1 und 2 SGB VIII vom Leistungsberechtigten selbst beschafft werden, zur Übernahme der erforderlichen Aufwendungen nur verpflichtet, wenn (1.) der Leistungsberechtigte den Träger der öffentlichen Jugendhilfe vor der Selbstbeschaffung über den Hilfebedarf in Kenntnis gesetzt hat, (2.) die Voraussetzungen für die Gewährung der Hilfe vorlagen und (3.) die Deckung des Bedarfs bis zu einer Entscheidung des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe über die Gewährung der Leistung oder bis zu einer Entscheidung über ein Rechtsmittel
einer zu Unrecht abgelehnten Leistung keinen zeitlichen Aufschub geduldet hat. § 36a Abs. 3 Satz 1 SGB VIII sichert mit diesen Tatbestandsvoraussetzungen die Steuerungsverantwortung des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe; dieser soll die Leistungsvoraussetzungen sowie mögliche Hilfemaßnahmen unter Zubilligung eines angemessenen Prüfungs- und Entscheidungszeitraums jeweils pflichtgemäß prüfen können und nicht
träglich als bloße Zahlstelle für selbstbeschaffte Maßnahmen fungieren (BayVGH, B.v. 25.6.2019 - 12 ZB 16.1920 - juris Rn. 35). 55 Die Klägerin zu 1) hat ihren Bedarf durch unmittelbare Inanspruchnahme der Beigeladenen zu 3) ohne vorherige positive Entscheidung über die Hilfegewährung durch einen Träger der öffentlichen Jugendhilfe gedeckt und sich daher die Leistung im Sinne des § 36a Abs. 3 SGB VIII selbst beschafft (vgl. zu dieser Definition der Selbstbeschaffung Schmid-Obkirchner in Wiesner, SGB VIII, 5. Aufl. 2015, § 36a Rn. 42). 56 Der Aufwendungsersatzanspruch
3 SGB VIII setzt zudem denknotwendig voraus, dass dem Leistungsberechtigten auch tatsächlich Aufwendungen entstanden sind, deren Ersatz vom Träger der öffentlichen Jugendhilfe verlangt werden kann. Grundsätzlich kann alternativ zu der Entschädigung in Geld jedoch auch die Befreiung von der gegenüber dem Leistungserbringer eingegangenen Verbindlichkeit verlangt werden, vorausgesetzt, die Kosten sind von dem Leistungsberechtigten geschuldet (Stähr in: Hauck/Noftz, SGB VIII, 12/14, § 36a Rn. 44). Vorliegend ist die Klägerin zu 1) mit ihrem Einzug in die Einrichtung U. mit Einverständnis ihres Betreuers - zumindest konkludent - einen zivilrechtlichen Vertrag über Betreuungsleistungen mit dem Leistungserbringer, der Beigeladenen zu 3), eingegangen und schuldet demnach die hierfür fällige Vergütung.
Angaben der Beigeladenen zu 3) im Schriftsatz vom 29. Oktober 2018 hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits ein Zahlungsrückstand von 177.653,83 EUR ergeben. Wenngleich auf eine konkrete Rechnungstellung der Klägerin zu 1) gegenüber mangels Solvenz möglicherweise verzichtet wurde, hat die Beigeladene zu 3) deutlich gemacht, einen entsprechenden Zahlungsanspruch für erbrachte Leistungen jedenfalls gegenüber dem zuständigen Jugendhilfeträger geltend machen zu wollen. 57 Ein Anspruch
3 SGB VIII scheitert vorliegend allerdings daran, dass zumindest gegenüber dem Beklagten im Zeitpunkt der Selbstbeschaffung der Leistung kein Anspruch auf die Gewährung der Hilfe zur Erziehung
58 Allerdings erlaubt sich das Gericht den Hinweis, dass unabhängig von einer abschließenden rechtlichen Zuständigkeit zumindest eine vorläufige Leistung (ggf. mit
folgender Klärung der Zuständigkeit und Kostenerstattungsansprüchen) sei es durch den Beklagten oder die Beigeladenen zu 1) bzw. 2) zu erwarten und angemessen gewesen wäre. Eine Abwälzung des Kostenrisikos auf die - unstreitig hilfebedürftige - Leistungsempfängerin bzw. die Beigeladene zu 3) als freier Träger der Jugendhilfe wie vorliegend widerspricht hingegen den Grundprinzipien der Jugendhilfe. 59 § 27 Abs. 1 SGB VIII gewährt dem Personensorgeberechtigten bei der Erziehung eines Kindes oder Jugendlichen einen Anspruch auf Hilfe zur Erziehung, wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist. Gemäß § 27 Abs. 2 SGB VIII wird die Hilfe insbesondere
Maßgabe der §§ 28 bis 35 SGB VIII gewährt und richtet sich hinsichtlich Art und Umfang
dem erzieherischen Bedarf im Einzelfall. Ein Erziehungsdefizit, wie es § 27 Abs. 1 SGB VIII voraussetzt, ist bei der Klägerin zu 1) angesichts ihrer Suchterkrankung in Verbindung wohl auch mit einer psychischen Erkrankung und der Schilderungen der Beigeladenen zu 3) in ihrem Schriftsatz vom 29. Oktober 2018 wohl gegeben. Dies dürfte zwischen den Beteiligten auch nicht im Streit stehen. Ob sich sodann die Betreuung in der Einrichtung U., wie vom Klägerbevollmächtigten vorgetragen, als konkrete Hilfeform im Rahmen der Hilfe zur Erziehung unter § 31 SGB VIII einordnen lässt oder ob möglicherweise angesichts der stationär erfolgenden Hilfe eine andere, eventuell auch unbenannte Hilfeform vorliegt, kann letztendlich jedoch dahinstehen, da der Wortlaut des § 27 Abs. 2 SGB VIII, wonach Hilfe zur Erziehung „insbesondere“
Maßgabe der §§ 28 bis 35 gewährt wird und sich Art und Umfang der Hilfe
dem erzieherischen Bedarf im Einzelfall richten, auch Raum für die Berücksichtigung neuer atypischer Hilfeformen lässt, auf die bei entsprechendem erzieherischen Bedarf ein Anspruch besteht (vgl. BVerwG, U.v. 12.12.2002 - 5 C 48/01 - juris Rn. 29 f; Schmid-Obkirchner in Wiesner, SGB VIII, 5. Aufl. 2015, § 27 Rn. 29). 60 Eine von der Hilfe zur Erziehung
SGB VIII - insbesondere auch bezüglich der Zuständigkeitsregeln zu unterscheidende - Hilfeleistung
SGB VIII (in der damals maßgeblichen Fassung) scheidet vorliegend - anders als noch im Eilbeschluss angenommen - hingegen aus. 61
1 Satz 1 SGB VIII sollen Mütter oder Väter, die allein für ein Kind unter sechs Jahren zu sorgen haben oder tatsächlich sorgen, gemeinsam mit dem Kind in einer geeigneten Wohnform betreut werden, wenn und solange sie auf Grund ihrer Persönlichkeitsentwicklung dieser Form der Unterstützung bei der Pflege und Erziehung des Kindes bedürfen. Voraussetzung der Hilfe ist demnach, dass ein Elternteil - faktisch - alleine für ein kleines Kind sorgt, unabhängig von dem bürgerlich-rechtlichen Sorgerechtsstatus. Das Zusammenwohnen der leiblichen Eltern schließt eine Hilfe
PK-SGB VIII,
dem SGB VIII nur für Kinder, Jugendliche und junge Volljährige sowie Eltern und andere Bezugspersonen von Kindern und Jugendlichen vorgesehen, Schwangere und das ungeborene Kind sind hingegen grundsätzlich nicht Leistungsadressaten. Auch der Rechtsanspruch auf Hilfe zur Erziehung ist daher an die Inhaberschaft der Personensorge für ein - bereits geborenes - Kind gebunden (vgl. DIJuF-Rechtsgutachten v. 20.9.2018, JAmt 2019, 146; DIJuF-Rechtsgutachten v. 14.9.2018, JAmt 2018, 505). Ausnahmen von diesem Grundsatz stellen Leistungen
1 Satz 3 SGB VIII (Aufnahme einer Schwangeren in eine gemeinsame Wohnform für Mütter/Väter und Kinder), u.U. Leistungen für junge Volljährige
SGB VIII sowie Angebote der vorgeburtlichen Förderung der Erziehungskompetenzen
F-Rechtsgutachten v. 20.9.2018, JAMt 2019, 146). Diese Ausnahmen sind vorliegend jedoch nicht einschlägig. Eine Leistung
SGB VIII kommt entsprechend den obigen Ausführungen mangels Alleinsorge der Klägerin zu 1) vorliegend nicht in Betracht. Auch Leistungen für junge Volljährige scheiden in Hinblick auf die Altersgrenze
1 Satz 2 SGB VIII aus. 64 Ebenfalls nicht einschlägig ist eine sog. „frühe Hilfe“ (vgl. zum diesem Begriff § 1 Abs. 4 BKiSchG)
3 SGB VIII, die - so versteht das Gericht die Ausführungen der Beigeladenen zu 1) in ihrem Schriftsatz vom 24. März 2021 - bereits im Vorfeld der sozialpädagogischen Familienhilfe
1 i.V.m. § 31 SGB VIII entweder vom Beklagten oder von der Einrichtung U. geleistet worden wäre. Eine Hilfe
3 SGB VIII kann allgemeine Informationen für Schwangere und werdenden Väter, aber auch erste praktische Unterstützung wie z.B. Beratung oder ggf. ambulante Hilfen beinhalten; im Bedarfsfall kann sich dabei auch die Einleitung von weiterführenden Hilfen zur Erziehung ergeben (vgl. Telscher in: Schlegel/Voelzke, jurisPK-SGB VIII,
folgenden Hilfen bereits erübrigt hatte. Von einem Übergang einer Hilfe
3 SGB VIII in eine Hilfe zur Erziehung
1 i.V.m. § 31 SGB VIII im Sinne einer einheitlichen Hilfeleistung des Beklagten kann daher nicht ausgegangen werden. Offenbleiben kann vorliegend daher, ob auch bei einer von Hilfen zur Erziehung gefolgten Leistung
3 SGB VIII von einer zuständigkeitsrechtlich einheitlichen Leistung auszugehen ist, die zu einer weiter bestehenden örtlichen Zuständigkeit des zunächst leistenden Jugendhilfeträgers führt (vgl. dazu grundlegend BVerwG, U.v. 29.1.2004 - 5 C 9/03 - juris; BayVGH, U.v. 2.12.2019 - 12 BV 19.1737 - juris Rn. 27 ff. m.w.N.; Lange in: Schlegel/Voelzke, jurisPK-SGB VIII,
67 Eine Zuständigkeit des Beklagten ergibt sich aber auch nicht aus § 86 SGB VIII, welcher als Grundnorm die Zuständigkeit für Jugendhilfemaßnahmen
2 SGB VIII und damit auch für die hier streitgegenständliche Hilfe zur Erziehung regelt. 68 Gemäß § 86 Abs. 1 Satz 1 SGB VIII ist für die Gewährung von Leistungen
dem SGB VIII grundsätzlich der örtliche Träger zuständig, in dessen Bereich die Eltern ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben.
Satz 2 tritt an die Stelle der Eltern die Mutter, wenn und solange die Vaterschaft nicht anerkannt oder gerichtlich festgestellt ist. 69 Die Vaterschaft für die Klägerin zu 2) wurde erst am
der von der Rechtsprechung als allgemeine Legaldefinition auch in der Jugendhilfe herangezogenen Begriffsbestimmung des § 30 Abs. 3 Satz 2 SGB I hat jemand seinen gewöhnlichen Aufenthalt dort, wo er sich unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, dass er an diesem Ort oder in diesem Gebiet nicht nur vorübergehend verweilt. Zur Begründung eines gewöhnlichen Aufenthalts ist ein dauerhafter oder längerer Aufenthalt nicht erforderlich; es genügt vielmehr, dass der Betreffende an dem Ort oder in dem Gebiet tatsächlich seinen Aufenthalt genommen hat, sich dort „bis auf Weiteres“ im Sinne eines zukunftsoffenen Verbleibs aufhält und dort den Mittelpunkt seiner Lebensbeziehungen hat (stRspr, vgl. BVerwG, U.v. 29.9.2010 - 5 C 21/09 - juris Rn. 14, 21 f. m.w.N.). 71 Aus diesen Maßstäben folgt zugleich, dass jemand seinen gewöhnlichen Aufenthalt aufgibt bzw. verliert, wenn er seinen Aufenthaltsort tatsächlich wechselt und die konkreten Umstände erkennen lassen, dass er am bisherigen Aufenthaltsort nicht mehr bis auf Weiteres verbleiben und nicht mehr den Mittelpunkt seiner Lebensbeziehungen haben wird (vgl. BVerwG, a.a.O. Rn. 22). 72 Unter Berücksichtigung der vorstehenden Grundsätze hat die Klägerin zu 1) ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Kreisgebiet des Beklagten - sofern ein solcher dort überhaupt bestand - jedenfalls zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Einrichtung U. aufgegeben. Mit dem Umzug am 2. Mai 2017 hat zum einen der tatsächliche Aufenthalt der Klägerin zu 1) vom Kreisgebiet des Beklagten hin zur Beigeladenen zu 1) gewechselt. Zum anderen steht zur Überzeugung des Gerichts fest, dass die Klägerin zu 1) am bisherigen Aufenthaltsort in B. nicht mehr verbleiben wollte. Anhaltspunkte dafür, dass die Klägerin zu 1)
dem Umzug in die Einrichtung U.
B. oder - angesichts der Tatsache, dass ein Verbleib der Klägerin zu 1) gemeinsam mit ihrer neugeborenen Tochter in der alten Einrichtung wohl nicht möglich gewesen wäre - auch zu einem anderen Ort im Kreisgebiet des Beklagten zurückkehren wollte, bestehen nicht. Der Aufenthalt in der Einrichtung H. war letztlich auf das Zutun des Betreuers der Klägerin zu 1) zurückzuführen, der in der Entfernung der Klägerin zu 1) zu ihrer Heimat eine Chance für deren psychische Stabilisierung sah. Die Klägerin zu 1) hatte jedoch, wie mehrfach dokumentiert, seit Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft den ausdrücklichen Willen geäußert, in ihre Heimatstadt Halle oder zumindest in deren Nähe zurückzukehren, um - gerade auch in Hinblick auf die bevorstehende Mutterschaft - Unterstützung von ihrer Familie zu erfahren. Alles in allem kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass im Kreisgebiet des Beklagten der Lebensmittelpunkt der Klägerin aufrechterhalten werden sollte. Eine örtliche Zuständigkeit des Beklagten begründet § 86 Abs. 1 Satz 2 SGB VIII daher nicht. 73 Auch § 86d SGB VIII, bei dem es sich nicht um eine Zuständigkeitsregelung im engeren Sinne, sondern um eine Leistungspflicht zum vorläufigen Tätigwerden handelt (vgl. OVG NW, B. v. 16.7.2014 - 12 A 717/14 - juris Rn. 9), führt nicht zu einer Zuständigkeit des Beklagten. 74 Steht die örtliche Zuständigkeit nicht fest oder wird der zuständige örtliche Träger nicht tätig, so ist
SGB VIII der örtliche Träger vorläufig zum Tätigwerden verpflichtet, in dessen Bereich sich das Kind oder der Jugendliche, der junge Volljährige oder bei Leistungen
Maßgebliches Anknüpfungskriterium ist danach der tatsächliche Aufenthalt des Kindes vor Beginn der Leistung.
der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist „Beginn der Leistung“ i.S.v. § 86 SGB VIII das Einsetzen der Hilfegewährung und damit grundsätzlich der Zeitpunkt, ab dem die konkrete Hilfeleistung tatsächlich gegenüber dem Hilfeempfänger erbracht wird (vgl. BVerwG, U.v. 19.10.2011 - 5 C 25/10 - juris Rn. 18). Bei selbstbeschafften Leistungen
3 SGB VIII, bei denen die Hilfe nicht vom Jugendhilfeträger gewährt, sondern ohne dessen Zustimmung direkt vom Leistungserbringer bezogen wird, ist analog dazu ebenfalls auf den Zeitpunkt abzustellen, in dem der Leistungsempfänger die Leistung tatsächlich erhält (vgl. OVG BW - B. v. 25.5.2020 - 12 S 3395/19 - juris Rn. 22; VG Freiburg (Breisgau), U.v. 12.3.2015 - 4 K 1734/14 - juris Rn. 30; Kunkel/Kepert, SGB VIII,
75 Auch § 43 Abs. 1 SGB I kann nicht zu einer Verpflichtung des Beklagten führen. Dieser ist von § 86d SGB VIII als lex specialis verdrängt, wenn - wie hier - ausschließlich die örtliche Zuständigkeit zwischen verschiedenen Jugendhilfeträgern streitig ist (vgl. BayVGH, B.v. 8.8.2007 - 12 CE 07.1443 - juris Rn. 19; Lange in: Schlegel/Voelzke, jurisPK-SGB VIII, 2. Aufl. (Stand: 17.08.2020), § 86d Rn. 5 m.w.N.; Loos in: Wiesner, SGB VIII, 5. Aufl. 2015, § 86d Rn. 1). 76 Der Beklagte ist des Weiteren auch nicht
1 Satz 1 SGB VIII zuständig. Wechselt die örtliche Zuständigkeit für eine Leistung, so bleibt
dieser Vorschrift der bisher zuständige örtliche Träger so lange zur Gewährung der Leistung verpflichtet, bis der nunmehr zuständige örtliche Träger die Leistung fortsetzt. Selbst wenn man vorliegend von einer grundsätzlichen Einheit zwischen der Leistung
3 und einer sich anschließenden Hilfe zur Erziehung ausgehen würde (vgl. hierzu obige Ausführungen), scheidet eine Zuständigkeit des Beklagten hiernach aus, da § 86c Abs. 1 Satz 1 eine laufende Leistungserbringung voraussetzt (vgl. Lange in: Schlegel/Voelzke, jurisPK-SGB VIII, 2. Aufl. (Stand: 17.08.2020), § 86c Rn. 18). Eine Leistung wurde vom Beklagten - sowie von den sich ebenfalls nicht in der Zuständigkeit gesehenen Beigeladenen zu 1) und 2) - vorliegend jedoch gerade nicht erbracht. 77 Des Weiteren lässt sich auch aus einer anfänglichen „Kostenzusage“, die der Beklagte der Beigeladenen zu 3)
deren Aussage in ihrem Schriftsatz vom 29. Oktober 2018 vor Einzug der Klägerinnen in die Einrichtung U. gegeben und anschließend wieder zurückgenommen habe, keine Verpflichtung des Beklagten ableiten. Eine solche Zusage ist bereits weder in der vorgelegten Behördenakte dokumentiert noch von der Beigeladenen zu 3) anderweitig belegt worden, so dass hieran erhebliche Zweifel bestehen. Zudem scheidet eine Bindungswirkung des Beklagten diesbezüglich aus. Eine Kostenzusage des öffentlichen Jugendhilfeträgers gegenüber dem Leistungserbringer bezieht sich - den zum sozialhilferechtlichen Dreiecksverhältnis aufgestellten Prämissen folgend (vgl. zur Übertragbarkeit auf das SGB VIII: BGH, U.v. 18.2.2021 - III ZR 175/19 - juris Rn. 19; BayVGH, B.v. 19.6.2018 - 12 C 18.313 - juris Rn. 4) - lediglich auf den Inhalt des im Grundverhältnis (Jugendhilfeträger - Leistungsempfänger) ergangenen Verwaltungsaktes mit Drittwirkung, sprich die Bewilligung einer konkreten Jugendhilfeleistung. Eine solche Leistung wurde der Klägerin zu 1) vom Beklagten jedoch gerade nicht gewährt, was auch eine etwaige Kostenzusage gegenüber dem Einrichtungsträger hinfällig macht. Dafür, dass der Beklagte mit einer möglicherweise zunächst abgegebenen Kostenzusage einen vom Grundverhältnis losgelösten abstrakten Schuldgrund habe schaffen wollen, bestehen keine Anhaltspunkte. Zudem dürfte alleiniger Schuldner eines so entstandenen Zahlungsanspruches allein die Beigeladene zu 3), nicht jedoch die Klägerin zu 1) sein. 78 Der Beklagte war demnach für die Leistung einer Hilfe zur Erziehung an die Klägerin zu 1) örtlich nicht zuständig. Dementsprechend hat die Klägerin zu 1) auch keinen Anspruch auf Aufwendungsersatz gegen den Beklagten. Die Klage war daher abzuweisen. 79 Ohne dass es darauf noch in entscheidungserheblicher Weise ankommen würde, merkt das Gericht an, dass die Zuständigkeit für den Hilfefall gemäß § 86 Abs. 1 Satz 1 SGB VIII wohl bei der Beigeladenen zu 1) lag, in deren Zuständigkeitsbereich die Klägerin zu 1) mit Zuzug in die Einrichtung U. ihren gewöhnlichen Aufenthalt begründet haben dürfte. Dort, in der Nähe ihrer Heimat, beabsichtigte die Klägerin zu 1) wohl mit ihrer Tochter und dem Kindsvater bis auf Weiteres im Sinne eines zukunftsoffenen Verbleibs zu verweilen. Auch
SGB VIII hätte sich eine Zuständigkeit der Beigeladenen zu 1) ergeben, da sich die Klägerin zu 2) dort tatsächlich aufhielt. Die Verweise der Beigeladenen zu 1) auf § 89e SGB VIII gehen offensichtlich fehl, da es sich bei dieser Norm nicht um eine Bestimmung zur örtlichen Zuständigkeit, sondern ausschließlich um eine
geschaltete Regelung zur Kostenerstattung handelt. Insoweit teilt das Gericht jedoch die Ansicht der Beigeladenen zu 1), dass es sich sowohl bei der Einrichtung H. als auch der Einrichtung U. der Beigeladenen zu 3) um geschützte Einrichtungsorte handeln dürfte, so dass dem Beklagten sowie der Beigeladenen zu 1) gegenüber eine Kostenerstattungspflicht der Beigeladenen zu 2) gegeben sein dürfte. Hingegen enthält § 89e SGB VIII keine Durchgriffsregelung, die zu einem Anspruch der Klägerin zu 1) unmittelbar gegen die Beigeladene zu 2) führen kann. Die Ausführungen der Beigeladenen zu 1) im Schriftsatz vom 24. März 2021 zu einem angeblich nicht korrekten Antrag der Klägerin zu 1) durch ihren Betreuer unter Verweis auf § 6 SGB VIII können ebenfalls nicht
vollzogen werden. Gerade eine solche Antragstellung sollte die vom Amtsgericht Laufen angeordnete Betreuung umfassen (vgl. den Beschluss vom
KI-Erklärung auf Basis des amtlichen Gesetzestextes. Orientierend, ersetzt keine Rechtsberatung.