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Hessisches Landessozialgericht 6. Senat L 6 AL 859/96 Urteil Pfändung von Arbeitslosenhilfe - Wirkung des Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses § 54

Pfändung von Arbeitslosenhilfe - Wirkung des Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses Verfahrensgang vorgehend SG Kassel,

  1. Juni 1996, S 7 Ar 154/96 Tenor I. Die Berufung des Klägers gegen den Gerichtsbescheid des Sozialgerichts Kassel vom
  2. Juni 1996 wird zurückgewiesen. II. Die Beteiligten haben einander keine Kosten zu erstatten. III. Die Revision wird zugelassen. Tatbestand Randnummer 1 Es geht in dem Rechtsstreit um die Berechtigung der Beklagten zur teilweisen Einbehaltung und Abführung von Arbeitslosenhilfe aufgrund eines Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses. Randnummer 2 Der 1956 geborene Kläger steht seit Jahren mit Unterbrechungen im Leistungsbezug bei der Beklagten. Randnummer 3 Mit Pfändungs- und Überweisungsbeschluß vom
  3. September 1991 pfändete das Amtsgericht Kassel (261 M 4426/91) die Forderung des Klägers gegen das Arbeitsamt K. auf Arbeitslosengeld/Arbeitslosenhilfe bis zur Abdeckung eines Unterhaltsrückstandes in Höhe von DM 43.030,41 nebst laufendem monatlichen Unterhalt in Höhe von DM 676.–. Vollstreckbare Titel waren Urkunden des Kreisjugendamtes Kassel vom 22.12.1980 (UR 89/1980, 88/1980), des Stadtjugendamtes Kassel vom 4.1.1985 (UR 6/1985, 5/1985) sowie Beschlüsse des Amtsgerichts Hofgeismar vom 31.1.1989 – (2 H 171/88) und vom 5.7.1989 – (2 H 170/88). Als pfandfreier Betrag wurde DM 772,50 ausgewiesen. Ausweislich der Aufstellung der Beklagten vom
  4. November 1996 wurden insgesamt DM 6.100,90 einbehalten und an die Gläubiger abgeführt. Randnummer 4 Mit Bescheid vom
  5. Mai 1995 bewilligte die Beklagte dem Kläger Arbeitslosenhilfe in Höhe von wöchentlich DM 203,40 bis zum
  6. September 1995 bei einem wöchentlichen Abzweigungsbetrag in Höhe von DM 25,
  7. Mit Bescheid vom
  8. September 1995 bewilligte die Beklagte dem Kläger Arbeitslosenhilfe vom 6.9.1995 bis 5.9.1996 in Höhe von wöchentlich DM 206,40 bei einem wöchentlichen Abzweigungsbetrag in Höhe von DM 28,
  9. Beide Bescheide wurden bestandskräftig. Randnummer 5 Mit Bescheid vom
  10. Januar 1996 änderte die Beklagte den wöchentlichen Leistungssatz ab
  11. Januar 1996 entsprechend Leistungsverordnung 1996 auf DM 214,20 bei gleichbleibendem Abzweigungsbetrag in Höhe von DM 28,
  12. Mit Bescheid vom
  13. Januar 1996 hat die Beklagte, nachdem der Kläger die Lohnsteuerkarte 1996 mit einem halben Kinderfreibetrag vorgelegt hatte, unter Berücksichtigung des erhöhten Leistungssatzes bei gleichbleibendem Abzweigungsbetrag den Leistungssatz ab
  14. Januar 1996 auf DM 230,40 erhöht. Gegen die Abzweigung hat der Kläger am
  15. Januar 1996 Widerspruch eingelegt mit dem Hinweis, daß er seit
  16. Februar 1995 verheiratet sei. Mit Bescheid vom
  17. Januar 1996 hat die Beklagte den wöchentlichen Abzweigungsbetrag für die Zeit ab
  18. Januar 1996 auf DM 52,14 erhöht. Mit Widerspruchsbescheid vom
  19. Februar 1996 verwarf die Beklagte den Widerspruch als unzulässig, da die verfahrenstechnisch als Abzweigung vorgenommene Ausführung der Pfändung keinen Verwaltungsakt darstelle, sondern lediglich die Erfüllung ihrer Verpflichtung als Drittschuldnerin ohne hoheitlichen Charakter sei. Ausgehend von dem Pfändungs- und Überweisungsbeschluß vom
  20. September 1991 mit einem zu belassenden Betrag in Höhe von DM 772,50 monatlich ergebe sich die Höhe des pfändbaren Betrages mit DM 28,08 und ab
  21. Januar 1996 mit DM 52,
  22. Randnummer 6 Die hiergegen am
  23. Februar 1996 erhobene Klage hat das Sozialgericht Kassel mit Gerichtsbescheid vom
  24. Juni 1996 abgewiesen im wesentlichen mit der Begründung, die Beklagte sei nicht befugt, über die in § 54 SGB I genannten Pfändungsvoraussetzungen selbst zu entscheiden. Die Wirkung eines Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses bleibe nach § 836 Abs. 2 ZPO ungeachtet seiner möglichen Unzulässigkeit solange bestehen, bis er aufgehoben werde und die Aufhebung zur Kenntnis des Drittschuldners – hier des Leistungsträgers – gelange (vgl. BSG in SozR 3-1200 § 54 SGB I). Es hätte dem Kläger oblegen, beim Amtsgericht die Abänderung geltend zu machen. Randnummer 7 Gegen den ihm am
  25. Juni 1996 zugestellten Gerichtsbescheid hat der Kläger am
  26. Juli 1996 Berufung eingelegt und vorgetragen, daß er von dem ihm belassenen Betrag bei einer Miete von DM 600,– mit seiner Ehefrau nicht leben könne. Es sei unlogisch, daß der Landkreis Unterhalt einklage, obwohl er im Gegenzug teilweise Sozialhilfe der Stadt Kassel beziehe. Randnummer 8 Der im Termin am
  27. Februar 1998 nicht anwesende und nicht vertretene Kläger beantragt sinngemäß, den Gerichtsbescheid des Sozialgerichts Kassel vom
  28. Juni 1996 aufzuheben, sowie die Bescheide der Beklagten vom
  29. Januar 1996, vom
  30. Januar 1996 und vom
  31. Januar 1996 in der Fassung des Widerspruchsbescheides vom
  32. Februar 1996 insoweit aufzuheben, als darin ein Abzweigungsbetrag enthalten ist. Randnummer 9 Die Beklagte beantragt, die Berufung zurückzuweisen, hilfsweise, die Revision zuzulassen. Randnummer 10 Die Beklagte bezieht sich auf den erstinstanzlichen Gerichtsbescheid und hat eine Aufstellung über die an die Gläubiger in der Zeit vom
  33. September 1991 bis
  34. September 1996 zu Lasten des Klägers einbehaltenen und abgeführten Beträge – insgesamt DM 6.100,90 – vorgelegt. Randnummer 11 Wegen des weiteren Vorbringens der Beteiligten wird auf den Inhalt der Verwaltungsakten sowie der Gerichtsakten ergänzend Bezug genommen. Entscheidungsgründe Randnummer 12 Die Berufung ist form- und fristgerecht eingelegt, § 151 Sozialgerichtsgesetz (SGG). Die Berufung ist auch zulässig. Die Berufung ist jedoch unbegründet. Randnummer 13 Der angefochtene Gerichtsbescheid des Sozialgerichts Kassel vom
  35. Juni 1996 ist rechtsfehlerfrei. Randnummer 14 Die angefochtenen Bescheide der Beklagten vom
  36. Januar 1996, vom
  37. Januar 1996 und vom
  38. Januar 1996 in der Gestalt des Widerspruchsbescheides vom
  39. Februar 1996 sind zu Recht ergangen. Randnummer 15 Der Kläger hat gegen die Beklagte keinen Anspruch auf Auszahlung der vollen Arbeitslosenhilfe ohne Abzug der gepfändeten Anteile, die in den angefochtenen Bescheiden als Abzweigung kenntlich gemacht sind. Zutreffend hat die Beklagte auf den Pfändungs- und Überweisungsbeschluß des Amtsgerichts Kassel vom
  40. September 1991 die dem Kläger zustehende Arbeitslosenhilfe insoweit einbehalten und an die Gläubiger abgeführt, als der im Beschluß festgesetzte pfandfreie Betrag in Höhe von DM 772,50 überschritten war, §§ 54 SGB I, 828, 829 Abs. 1 Satz 1, 835 Abs. 1, 836 Abs. 2, 850 bis 850 f ZPO. Randnummer 16 Zur Vermeidung von Wiederholungen verweist der erkennende Senat auf die Entscheidungsgründe des erstinstanzlichen Urteils, § 153 Abs. 2 SGG. Randnummer 17 Es ist noch zu ergänzen, daß auch die im Urteil des BSG vom
  41. Juni 1992 (s.O.) erörterte Frage, ob der Leistungsträger ggf. verpflichtet sei, bei Vorliegen entsprechender Anhaltspunkte selbst beim Vollstreckungsgericht Erinnerung einzulegen, zu keinem abweichenden Ergebnis hinsichtlich des Streitgegenstandes führen kann. Durch die Pfändung einer Geldforderung tritt die Beschlagnahme (Verstrickung) der Forderung ein (hier der DM 772,50 monatlich übersteigende Betrag). Solange der Pfändungsbeschluß des Vollstreckungsgerichts nicht geändert bzw. aufgehoben ist, ist es der Beklagten untersagt, den von der Pfändung erfaßten Teil der Forderung an den Kläger auszuzahlen, der Schuldner ist nicht mehr berechtigter Zahlungsempfänger und darf nicht mehr Zahlung an sich verlangen; eine entsprechende Klage wird teils als unzulässig, teils als unbegründet angesehen (vgl. Baumbach/Hartmann, ZPO,
  42. Aufl. § 835, 5 B). Daß gegen den Beschluß des Vollstreckungsgerichts möglicherweise mit Erfolg Erinnerung eingelegt werden könnte (durch wen auch immer), ändert an dieser Wirkung der Pfändung nichts. Im übrigen war der Kläger spätestens durch Schriftsatz der Beklagten vom
  43. April 1996 darüber informiert worden, daß er Einwände gegen den Pfändungs- und Überweisungsbeschluß gegenüber dem Vollstreckungsgericht geltend machen müsse, ohne daß er erkennbar bisher diesen Weg beschritten hat. Nach Auffassung des erkennenden Senats kann der Kläger gegen die Beklagte jedenfalls für die Zeit keine weitergehenden Ansprüche geltend machen, in der er sich trotz Kenntnis nicht an das Vollstreckungsgericht (Amtsgericht Kassel, 621 M 4426/91) mit dem Ziel der Änderung bzw. Aufhebung des Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses vom
  44. September 1991 gewandt bzw. Erinnerung eingelegt hat. Randnummer 18 Die Kostenentscheidung beruht auf § 193 SGG. Randnummer 19 Die Revision ist vom Senat wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache zugelassen worden, § 160 Abs. 2 Nr. 1 SGG. Permalink Diesen Link können Sie kopieren und verwenden, wenn Sie genau dieses Dokument verlinken möchten: https://www.rv.hessenrecht.hessen.de/perma?d=LARE190007929

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