r formellen Unwirksamkeit eines Prozessbeenden Vergleiches führt. Es handelt sich um den wesentlich abweichenden Fall, dass die rechtskundigen Beteiligten ausdrücklich auf ihr prozessuales Recht "des nochmaligen Vorspielens der vorläufigen Aufzeichnung" bewusst verzichtet haben. (Rn.26) 2. Mit diesem formalen Erfordernis sollen Missverständnisse und Protokollierungsfehler vermieden werden (Richtigkeitsgewähr, vgl Stadler in Musielak/Voit, ZPO 13. Auflage 2016
Vorliegend kann in keinster Weise von Missverständnissen oder sonstigen Fehlern ausgegangen werden, denn die Beteiligten haben sich gerade auf diesen Inhalt des Vergleiches - nach langen Verhandlungen - verständigt. (Rn.26)
Rn 1 ZPO).
Recht weisen Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann (Kommentar
r Zivilprozessordnung 73. Aufl 2017,
ZPO Rz 1) darauf hin, dass der Formalismus des § 162 ZPO nicht übertreiben sollte. (Rn.27) Verfahrensgang nachgehend Landessozialgericht Hamburg, kein Datum verfügbar, L 3 U 9/17 nachgehend Landessozialgericht Hamburg, kein Datum verfügbar, L 3 U 10/17 nachgehend Landessozialgericht Hamburg,
den Gefahrklassen und die entsprechende Beitragsrelevanz. Randnummer 3 Mit Wirkung
m
r Erledigung des Rechtstreites folgenden Vergleich: Randnummer 5
r Hälfte getragen.
r Erläuterung hat die Beklagte ausgeführt, dass sie nach „reiflicher Überlegung“
m Ergebnis gekommen sei, dass nach eingehender Prüfung des Sachverhaltes der Prozessvergleich das Verfahren nicht wirksam beendet habe.
r Begründung hat die Beklagte weiter vorgetragen, dass sich die Nichtigkeit aus formalen Gründen ergebe. Nach § 160 Abs. 3 Nr. 1 Zivilprozessordnung (ZPO) seien Vergleiche im Protokoll, also auch in der Niederschrift im Sinne des § 101 Sozialgerichtsgesetz (SGG), festzustellen. Nach § 162 Abs. 1 ZPO sei das Protokoll insoweit, als es Feststellungen nach § 160 Abs. 3 Nr. 1 ZPO enthalte, den Beteiligten vorzulesen oder
r Durchsicht vorzulegen. Bei einer vorläufigen Aufzeichnung genüge das Vorlesen oder Abspielen der Aufzeichnung. Wie sich aus dem Protokoll über den Termin vom 6. Februar 2015 ergebe, sei die dortige Vereinbarung nur „laut diktiert und genehmigt“ worden. Auf das Vorlesen sei verzichtet worden. Dies widerspreche der Regelung des § 162 Abs. 1 ZPO. Der Verzicht auf das Vorlesen des Diktats sei gemäß dieser Vorschrift ausschließlich in den Fällen des § 160 Abs. 3 Nr. 4 und 5 ZPO
lässig. Durch die nicht ordnungsgemäße Protokollierung sei insoweit kein prozessbeendender Vergleich geschlossen worden, daher müsse das Verfahren fortgesetzt werden. Weiter hat die Beklagte umfangreich ausgeführt, dass es sich auch nicht um einen außergerichtlichen Vergleich handeln würde, denn dieser sei aufgrund der erforderlichen Schriftform unwirksam. Randnummer 10 Die Beklagte beantragt nach ihrem schriftsätzlichen Vorbringen (sinngemäß gefasst), Randnummer 11 festzustellen, dass das Verfahren nicht durch den Prozessvergleich von
r Niederschrift festgehaltene Vergleich den Rechtsstreit nach § 101 SGG beendet hat. Randnummer 19 Nach § 101 Abs. 1 SGG können die Beteiligten
r Niederschrift des Gerichts oder des Vorsitzenden oder des beauftragten oder ersuchten Richters einen Vergleich schließen, um den geltend gemachten Anspruch vollständig oder
m Teil
erledigen, soweit sie über den Gegenstand der Klage verfügen können. Ein gerichtlicher Vergleich kann auch dadurch geschlossen werden, dass die Beteiligten einen in der Form eines Beschlusses ergangenen Vorschlag des Gerichts, des Vorsitzenden oder des Berichterstatters schriftlich gegenüber dem Gericht annehmen. Randnummer 20 Diese Wirkung ist, nachdem angesichts des Streites über deren Wirksamkeit der Rechtstreit fortgesetzt worden ist, durch Urteil festzustellen. Randnummer 21 Der Prozessvergleich ist wirksam und hat das gerichtliche Ausgangsverfahren beendet. Die Beteiligten konnten wirksam über den Streitgegenstand des Vergleiches verfügen. Randnummer 22 Nach der herrschenden Rechtsprechung und Literatur hat ein gerichtlicher Vergleich eine Doppelnatur. Er ist sowohl ein öffentlich-rechtlicher Vertrag, als auch eine Prozesshandlung der Beteiligten. Aufgrund einer möglichen bestehenden Ungewissheit über den Anspruch der Beteiligten soll durch gegenseitiges Nachgeben – sowohl materieller und oder prozessualer Art – über den Streitgegenstand eine Regelung
r Beendigung des Rechtsstreites getroffen werden. Der Anwendungsbereich eines gerichtlichen Vergleiches im sozialgerichtlichen Verfahren ist sehr umfangreich. Wesentliche Grundvoraussetzung für die wirksame Schließung eines Prozessvergleiches sind, dass die Beteiligten prozessfähig und beteiligten fähig sind, und über den Streitgegenstand verfügen können. Weiter sind prozessrechtliche Voraussetzungen
beachten. Insoweit gelten die Vorschriften der Zivilprozessordnung gemäß § 122 SGG, insbesondere die §§ 160ff ZPO. Randnummer 23 Nach § 162 Abs. 1 ZPO ist das Protokoll insoweit, als es Feststellungen nach § 160 Abs. 1 Nummer 3 enthält, den Beteiligten vorzulesen oder
r Durchsicht vorzulegen. Ist der Inhalt des Protokolls nur vorläufig aufgezeichnet, so genügt es, wenn die Aufzeichnungen vorgelesen oder abgespielt werden. In dem Protokoll ist
vermerken, dass dies geschehen und die Genehmigung erteilt ist oder welche Einwendungen erhoben worden sind. Randnummer 24 Zwar weist die Beklagte
treffend darauf hin, dass die vorläufige Aufzeichnung des protokollierten Vergleiches nicht abgespielt wurde, dies führt jedoch nicht
r formellen Unwirksamkeit des geschlossenen Vergleiches. Bereits aus § 162 Abs. 1 Satz 3 ZPO ergibt sich, dass im Protokoll
vermerken ist, dass dies geschehen ist, und die Genehmigung erteilt ist oder welche Einwendungen erhoben worden sind. Das Gericht hat im Termin am 6. Februar 2015 den gerichtlichen Vergleich als vorläufige Aufzeichnung laut diktiert und sich dieses „laute Diktat“ von den rechtskundigen Beteiligten genehmigen lassen. Die Beteiligten haben auf ausdrückliches Nachfragen des Gerichts auf das Vorspielen der vorläufigen Aufzeichnung ausdrücklich verzichtet. Damit sind gerade keine Einwendungen im Sinne des § 162 Abs. 1 Satz 3 ZPO erhoben worden. Weder die Klägerseite, noch die Beklagte haben hinsichtlich des geschlossenen Vergleiches inhaltliche oder formelle Bedenken geäußert, sondern ausdrücklich auf ein Vorspielen, welches vom Gericht angefragt wurde, verzichtet. Randnummer 25 Dieser ausdrückliche Verzicht kann nach Auffassung der Kammer gerade im vorliegenden Fall nicht dazu führen, dass die Beklagte, als rechtskundiger Beteiligter, nach knapp 15 Monaten (!) „nach reiflicher Überlegung“
dem Ergebnis kommt, sich auf eine Rechtsunwirksamkeit des geschlossenen (Prozess-)Vergleiches
berufen. Randnummer 26 Es handelt sich vorliegend nicht um die bloße „floskelhafte“ Auskürzung „v.u.g.“ bzw. „laut diktiert und genehmigt“, die nach herrschender Auffassung, der sich der Kammer anschließt, regelmäßig
r formellen Unwirksamkeit eines prozessbeendenden Vergleiches führt. Vorliegend handelt es sich um den wesentlich abweichenden Fall, dass die rechtskundigen Beteiligten ausdrücklich auf ihr prozessuales Recht „des nochmaligen Vorspielens der vorläufigen Aufzeichnung“ bewusst verzichtet haben. Mit diesem formalen Erfordernis sollen Missverständnisse und Protokollierungsfehler vermieden werden (Richtigkeitsgewähr) vgl. Stadler in Musielak/Voit, ZPO 13. Auflage 2016
Vorliegend kann in keinster Weise von Missverständnissen oder sonstigen Fehlern ausgegangen werden, denn die Beteiligten haben sich gerade auf diesen Inhalt des Vergleiches – nach langen Verhandlungen – verständigt. Randnummer 27 Sinn und Zweck dieser Vorschrift ist eine „Richtigkeitsgewähr“ mit der Überprüfungsmöglichkeit des wesentlichen Protokollinhaltes durch die Beteiligten (vgl. Stöber in Zöller ZPO-Kommentar 31. Aufl. 2017,
1 ZPO).
Recht weisen Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann (Kommentar
r Zivilprozessordnung 73. Aufl. 2017,
1) darauf hin, dass man den Formalismus des § 162 nicht übertreiben sollte. Dieser Auffassung schließt sich die Kammer an. Gerade der vorliegende Fall zeigt, dass das Berufen auf einen möglichen „formellen Mangel“
schnell in eine Rechtsmissbräuchlichkeit führen kann. Es ist mit der herrschenden Meinung klar darauf abzustellen, dass die Formvorschrift des § 162 ZPO eine Richtigkeitsgewähr mit der Überprüfungsmöglichkeit des wesentlichen Protokollinhaltes durch die Beteiligten in der mündlichen Verhandlung garantieren soll. Nach langen Verhandlungen vor Gericht ist es nicht Sinn und Zweck der (Form-)Vorschrift, dass sich ein Beteiligter lange nach Abschluss eines – schwierigen – Rechtstreites auf formelle Mängel berufen soll, wenn diese tatsächlich nicht vorliegen. Ist ein vorläufig aufgezeichneter Vergleich inhaltlich nicht identisch mit dem, was tatsächlich „Vergleichsgegenstand“ der Prozesserklärung vor Gericht war, dann kann und muss ein Beteiligter das (formelle) Recht haben, den Inhalt und die Form
rügen, wenn der Vergleich nicht vorgespielt wurde und die abgegebene prozessuale Erklärung nicht dem entspricht. So liegt der Fall hier aber nicht. Randnummer 28 Es würde dem Sinn und Zweck der Norm
widerlaufen, wenn ein (möglicher) Formmangel nicht unverzüglich, sondern Wochen oder Monate, sogar Jahre später gerügt und
einer Fortführung eines abgeschlossenen Verfahrens führen würden. Die Kammer folgt einer solchen strengen Auslegung des § 162 Abs. 1 ZPO nicht. Insbesondere wird aus den einschlägigen Kommentierungen
r ZPO nicht klar benannt, welche Sachverhalte konkret dieser strengen Auffassung
Grunde liegen sollen. Der vorliegende Sachverhalt zeigt gerade, dass die Auffassung von Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann (Kommentar
r Zivilprozessordnung 73. Aufl. 2017,
1)
treffend ist, und ein „Formalismus“
prüfen ist, bevor eine formelle Unwirksamkeit festgestellt wird. Randnummer 29 Vorliegend ergibt sich aus dem geschlossenen Vergleich ebenfalls, dass die Beklagte rechtswirksam auf ein „Rücktrittsrecht vom Vergleich“ verzichtet hatte, und sich daher an den Vergleich gebunden hatte. Auch einen Rechtsmittelverzicht gegen den Streitwertbeschluss hatten die Beteiligten erklärt. Entsprechend wirksam konnte die Beklagte, wie auch die Klägerin, auf das formale erforderliche Vorspielen verzichten. Eine unverzügliche Rüge ist nicht erfolgt. Randnummer 30 Ob der Fall möglicherweise anders
beurteilen wäre, wenn sich ein Beteiligter unverzüglich nach Kenntnis eines protokollierten Vergleiches auf die formelle Unwirksamkeit beruft, und insoweit die Fortsetzung des Verfahrens beantragt, braucht vorliegend nicht entschieden
werden, denn ein solcher Fall liegt nach fast 15 Monaten nicht vor. Randnummer 31 Im vorliegenden Fall verstößt es im Übrigen gegen den Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 BGB), wenn sich die Beklagte nach knapp 15 Monaten auf die formelle Unwirksamkeit des Vergleiches beruft. Randnummer 32 Die Kostenentscheidung beruht auf § 197a Abs. 1 Satz 1 SGG i.V.m. den §§ 154 Abs. 1, 162 Abs. 3 Verwaltungsgerichtordnung.
KI-Erklärung auf Basis des amtlichen Gesetzestextes. Orientierend, ersetzt keine Rechtsberatung.