Volljährigkeit des Kindes Orientierungssatz 1. Der Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf (BEA-Freibetrag) folgt nicht zwangsläufig dem Kinderfreibetrag (Rn.45) ; die Voraussetzungen zur Übertragung des Kinderfreibetrags
G sind nicht zwingend gleichlautend mit denen der Übertragung des BEA-Freibetrags gem. § 32 Abs. 6 Satz 8 EStG (Rn.76) .
gehend BFH,
komme oder mangels Leistungsfähigkeit nicht unterhaltspflichtig sei. Sie legte für A eine Bescheinigung über die Teilnahme am Bundesfreiwilligendienst vom
gekommen. Die Kinder würden bei ihr leben und nahezu den gesamten Barunterhalt von ihr erhalten. Der Kläger habe für A keine Leistungen erbracht und für B ab März 2014 monatlich 130,00 € gezahlt. Er sei mangels Leistungsfähigkeit nicht unterhaltspflichtig. Auf das Schreiben des Klägers vom
Angabe der Beigeladenen gebe es keine Unterlagen wie gerichtliche Entscheidungen oder Vergleiche, aus denen sich die Unterhaltsverpflichtungen des Klägers herleiten ließen. Die Höhe des „Taschengelds“ für den Bundesfreiwilligendienst von A wurde nicht
gewiesen. Randnummer 8 Das Finanzamt hat den Kläger zum Verfahren gemäß § 360 Abs. 1 Abgabenordnung (AO) hinzugezogen. Der Kläger widersprach der Übertragung der Kinderfreibeträge für A und B. Da er den Barunterhalt für C allein trage, wäre dieses bei der Berechnung des Barunterhalts für A und B zu berücksichtigen. Randnummer 9 Laut Datenabgleich des Finanzamts beträgt das Gehalt von A für die Zeit vom
G) könne auf Antrag eines Elternteils der Kinderfreibetrag des anderen Elternteils auf ihn übertragen werden, wenn er, nicht jedoch der andere Elternteil, seiner Unterhaltspflicht gegenüber dem Kind im Wesentlichen
komme (zu mindestens 75 %) oder der andere Elternteil mangels Leistungsfähigkeit nicht unterhaltspflichtig sei. Maßgebend sei nicht der (abstrakte) Unterhaltsbedarf des Kindes, sondern die konkrete Höhe der Unterhaltsverpflichtung der Eltern, die sich in erster Linie aus gerichtlichen Entscheidungen, Verpflichtungserklärungen, Vergleichen oder anderweitig aus Verträgen ergebe. Da keine Unterhaltsvereinbarungen für das Streitjahr bestehen würden bzw. nicht vorgelegt worden seien, würden die Zahlen der Düsseldorfer Tabelle vom 1. Januar 2013 zu Grunde gelegt (R.32.13 der EStR). Dafür, dass der Hinzugezogene mangels Leistungsfähigkeit nicht unterhaltspflichtig gewesen sei, würden sich
Aktenlage keine Anhaltspunkte ergeben. Für C berechne er selbst den Unterhalt
der Düsseldorfer Tabelle
der
gewiesen worden sei, in welcher Höhe A ein Taschengeld für den Bundesfreiwilligendienst erhalten habe, werde der Höchstbetrag, der gezahlt werden dürfe, von 372,00 € zu Grunde gelegt. Angerechnet würden daher für A: Randnummer 12 1-7/2014 8-12/2014 Taschengeld 372,00 € Ausbildungsvergütung 685,00 € Mehrbedarf -90,00 € Mehrbedarf -90,00 € 282,00 € 595,00 € je Elternteil 141,00 € je Elternteil 297,50 € Randnummer 13 Es würden sich folgende Unterhaltsansprüche der Kinder bzw. Zahlungen des Klägers ergeben: Randnummer 14 A 1-7/2014 8-12/2014 Unterhalt 488,00 € 488,00 € Anrechnung -141,00 € -297,50 € zu zahlen 347,00 € 190,50 € Überweisung 50,00 € 1/2 Kindergeld 92,00 € gezahlt 142,00 € 142,00 € 142,00 € in % 40,9 % 74,5 % Randnummer 15 Damit sei der Kläger seiner Unterhaltsverpflichtung nicht im Wesentlichen
gekommen. Die Beigeladene erhalte für 2014 für A für zwölf Monate den vollen Kinderfreibetrag. Randnummer 16 Für B sei aufgrund der widersprüchlichen Angaben von Überweisungen für Januar und Februar von 368,37 € und ab März in Höhe von 130,00 € ausgegangen worden: Randnummer 17 B 1+2/2014 ab 3/2014 zu zahlen 426,00 € 488,00 € Überweisung 368,37 € 130,00 € 1/2 Kindergeld 92,00 € 92,00 € gezahlt 460,37 € 222,00 € in % 108,1 % 45,49 % Randnummer 18 Damit sei der Kläger seiner Unterhaltsverpflichtung nur für Januar und Februar im Wesentlichen
gekommen. Die Beigeladene erhalte antragsgemäß für 2014 für B für zehn Monate den vollen und für zwei Monate den halben Kinderfreibetrag. Ab Volljährigkeit sei der Betreuungsfreibetrag an die Gewährung des Kinderfreibetrages gekoppelt. Randnummer 19 Es wurden folgende Freibeträge für die Beigeladene angesetzt: Randnummer 20 Name Kinderfreibetrag BEA-Freibetrag Summe zugerechnetes Kindergeld A 4.368,00 € 2.640,00 € 7.008,00 € 2.208,00 € B 2.184,00 € (12/12) 2.640,00 € 6.644,00 € 2.024,00 € 1.820,00 € (10/12) Randnummer 21 Hiergegen legte der Kläger fristgerecht Klage ein, beantragte die Aufhebung der Einspruchsentscheidung vom 14. Februar 2017, und trägt vor, dass er als Hinzugezogener Klagebefugnis habe (Urteil des Bundesfinanzhofs -BFH- vom 29. April 2009, X R 16/06). Er habe mehr als den auf ihn entfallenden Unterhaltsanteil geleistet. Die Beklagte verkenne, dass für volljährige Kinder grundsätzlich anteiliger Barunterhalt von beiden Eltern
der folgenden Berechnungsformel zu leisten sei: bereinigtes Nettoeinkommen abzüglich Selbstbehalt: beide bereinigte Nettoeinkommen - beide Selbstbehalte x Bedarf Kind = Haftungsanteil. Die diesbezüglichen Berechnungen vom 4. März 2014 habe er der Beklagten mitgeteilt. Stattdessen habe die Beklagte die Berechnungen
dem Muster für minderjährige Kinder vorgenommen. § 32 Abs. 6 Satz 6 EStG räume dem einen Elternteil das Recht auf Übertragung des Kinderfreibetrages ein, wenn der andere „seiner Unterhaltspflicht“ nicht
komme. Abgestellt werde somit auf die konkrete Unterhaltspflicht, wie sie sich
der für die Fallgruppe üblichen Berechnung ergebe. Randnummer 22 Zudem habe die Beklagte in ihren Berechnungen nicht berücksichtigt, dass für das dritte Kind C, der Barunterhalt in 2014 alleine durch ihn erbracht worden sei und dieser Unterhalt eines minderjährigen Kindes für die Berechnung des anteiligen Barunterhalts für volljährige Kinder zuvor in Abzug zu bringen sei (Urteil des Bundesgerichtshofs -BGH- vom
Maßgabe des Ausbildungsstatus berücksichtigt, die insoweit erhaltene Ausbildungsvergütung sei für den Kindergeldanspruch unschädlich. A habe sich seit dem 1. August 2014 im ersten Lehrjahr befunden, damit sei grundsätzlich der Kindergeldanspruch gegeben. Anspruchsberechtigte seien
dem Gesetz die Eltern, die durch das Kindergeld (den Kinderfreibetrag) dabei unterstützt werden sollen, den Lebensunterhalt ihrer Kinder sicherzustellen. Im Rahmen der ESt-Erklärung der Eltern würden das Kindergeld und der Kinderfreibetrag derart gegenüber gestellt, dass für die steuerpflichtigen Eltern das finanziell günstigere Modell berücksichtigt werde. Da für sie aufgrund ihres Einkommens der Freibetrag günstiger gewesen sei, sei dieser zum Zuge gekommen. Wie das Kindergeld, diene der Freibetrag als Ausgleichs- oder Entschädigungsleistung des Staates für die Versteuerung des Einkommens des Steuerpflichtigen und damit des Existenzminimums der Kinder. Sowohl der Kinderfreibetrag als auch das Kindergeld seien als Steuerungsmaßnahme der Familienförderung anzusehen. Da A während der Ausbildung noch bei ihr zu Hause gelebt habe, habe sie A entsprechend Unterhalt geleistet. Dabei sei nur ein kleiner Teil der entstandenen Ausgaben (Wohnung, Kleidung, Ernährung) durch den Freibetrag abgedeckt gewesen, denn die Kosten für ein volljähriges Kind und dessen Bedarf würden um ein Vielfaches den Freibetrag (das Kindergeld) übersteigen. Dies um so mehr, als sie A ihr Auto während der gesamten Lehrzeit zur Verfügung gestellt habe. A habe nicht auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen können, da sie mit diesem nur unter unverhältnismäßigen Zeitaufwand ihre Ausbildungsstätte (ca. 20 km vom Wohnort entfernt) hätte erreichen können. Es sei nicht sachgerecht, dem Vater eines volljährigen Kindes, das in der Ausbildung sei, den hälftigen Freibetrag zu belassen. Wenn ein Elternteil nicht leiste, so dürfe er doch auf Kosten seiner Kinder sich keinen Vorteil verschaffen, nur weil das Kind eine Ausbildungsvergütung erhalte. Randnummer 31 Die Beigeladene trägt mit Schriftsatz vom 19. März 2018 zu der Übertragung von Betreuungsfreibeträgen ergänzend Folgendes vor: Während die Kinderfreibeträge das Existenzminimum abdecken, seien die Bedarfsbeträge für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung im Grunde steuerliche Pauschalen, die tatsächlich angefallene Aufwendungen abgelten sollten und ihrem Zweck
einen bewussten Verzicht auf Einzelnachweise beinhalten würden. Die von der Finanzverwaltung vertretene Auffassung, dass „ab Volljährigkeit der Betreuungsfreibetrag an die Gewährung des Kinderfreibetrages gekoppelt ist“, sei etwas irreführend, da die „Kopplung“ auch schon vor Volljährigkeit bestehe, Freibeträge und Bedarfsbeträge würden grundsätzlich zusammengehören. Der aus Existenzminimum und Zusatzbeträgen zusammengesetzte Kinderfreibetrag entspreche den Beträgen, die als zivilrechtlicher Kindesunterhalt anerkannt seien (Kanzler, FR 2001, 921, 936 f.). Wenn also das rechtliche Existenzminimum zu gering bemessen wäre, würde der zusätzlich für alle Kinder gewährte Gesamtbetrag für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung eine ausreichende Entlastung bewirken (Kanzler, FR 2001, 921, 931). Mit der Berücksichtigung des Erziehungs- und Ausbildungsbedarfs werde im Übrigen ja auch der einheitliche (Sozialhilfe- und Unterhaltsrecht würden altersspezifische und gebietsweise Staffelungen vorsehen) Kinderfreibetrag gerechtfertigt (Bundesverfassungsgericht -BVerfG- vom
einer altersgerechten Abstufung der Kinderfreibeträge diene, so gehe zwingend bei Übertragung des Freibetrages der Betreuungsfreibetrag mit. Von dem Grundsatz, dass Kinderfreibeträge und Betreuungsbeträge zusammen gehörten, mache das Gesetz in § 32 Abs. 6 Satz 8 EStG eine Ausnahme für die minderjährigen Kinder, wenn die Eltern getrennt leben und das Kind nur bei einem Elternteil gemeldet sei (meldebedingte Übertragung). Diese Regelung untermauere die Argumentation, dass die Bedarfsbeträge für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung steuerliche Pauschalen darstellen würden, die tatsächlich angefallene Aufwendungen abgelten sollten. Das Kind erzeuge ja diese Aufwendungen dort, wo es wohne. Diese Vermutung könne der andere Elternteil dann durch konkrete
weise widerlegen, § 32 Abs. 6 Satz 9 EStG, indem er z.B. die Kinderbetreuungskosten trage. Die meldebedingte Übertragung hänge nicht davon ab, dass der andere Elternteil seine Unterhaltspflicht verletze oder der Übertragung zugestimmt habe. Randnummer 33 § 32 Abs. 6 Satz 8 EStG sei nichts anderes als ein gesonderter Übertragungstatbestand, den man dann benötige, wenn beide Eltern leistungsfähig seien, d.h. im Regelfall also der Vater Unterhalt für das minderjährige Kind zahle (halber Kinderfreibetrag bei ihm), aber das Kind nicht bei ihm wohne (halber Kinderfreibetrag bei der Mutter und ganzer Betreuungsfreibetrag). Dieser gesonderte Übertragungstatbestand, der schlicht ohne weitere Anforderungen an den melderechtlichen Status anknüpfe, gelte nicht für die Volljährigen, aber den Umkehrschluss, eine Übertragung der Betreuungsfreibeträge sei bei Volljährigkeit gesetzlich nicht vorgesehen, könne man daraus nicht ableiten. Vielmehr gelte für die Volljährigen bei Übertragung der Freibeträge -auch des Betreuungsfreibetrages- § 32 Abs. 6 Satz 6 EStG: Der grundsätzlich dem anderen zustehende Freibetrag werde übertragen, wenn dieser Elternteil nicht leistungsfähig sei. Auch für die Minderjährigen bräuchte man bei Leistungsunfähigkeit des einen Elternteils (z.B. Vater könne keinen Unterhalt zahlen) im Übrigen den meldebedingten Übertragungstatbestand des § 32 Abs. 6 Satz 8 EStG nicht. Nur ergänzend werde darauf hingewiesen, dass mit der Einführung des BEA-Freibetrages der vormalige Ausbildungsfreibetrag für nicht auswärtig untergebrachte Volljährige (ca. 1.227,00 €) ersatzlos gestrichen und der Ausbildungsfreibetrag für auswärts untergebrachte Volljährige von ca. 2.147,00 € auf 924,00 € gesenkt worden sei. Randnummer 34 Da die Leistungsunfähigkeit des Klägers im Veranlagungszeitraum 2014 unstrittig sei, habe das Finanzamt den Übertragungstatbestand des § 32 Abs. 6 Satz 6 EStG zu Gunsten der Beigeladenen in Bezug auf den Betreuungs- und Ausbildungsbedarf korrekt angewandt und für A und B jeweils 2.640,00 € berücksichtigt. Randnummer 35 Zur Übertragung bei fehlender Unterhaltsbedürftigkeit trägt die Beigeladene weiter vor, dass aufgrund des Steuervereinfachungsgesetzes 2011 die Prüfung der Einkünfte und Bezüge der Kinder bei der ersten Berufsausbildung/eines Erststudium ab 1. Januar 2012 entfallen sei. Aus der Gesetzesbegründung sei erkennbar, dass ab 2012 Kinder so viel Einkommen haben könnten, dass sie wirtschaftlich auf eigenen Beinen stünden, ohne dass der Kindergeldanspruch gefährdet werde. Die Einkommensgrenze von 8.004,00 € im Kalenderjahr sei abgeschafft. Stattdessen werde ein volljähriges Kind grundsätzlich bis zum Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung oder eines Erststudiums kindergeldrechtlich berücksichtigt. Der derzeitige Familienleistungsausgleich sehe, in Verrechnung mit dem Kindergeld, einen Kinderfreibetrag und einen BEA-Freibetrag vor und berücksichtige die Kinder generell, ohne dass es auf das Einkommen der Kinder ankomme. Wenn nun für die Übertragung von Freibeträgen „Unterhaltsbedürftigkeit“ vorausgesetzt werde, komme dieses einem Wiedereinführen der Einkommensrelevanz des Kindes gleich. Volljährige Kinder, die eine Ausbildung absolvieren, würden schlechter gestellt, wenn sie nur einen leistungsfähigen Elternteil hätten, da der andere hälftige Freibetrag, der dem leistungsunfähigen Elternteil verbleibe, dem System „verloren“ gehe. Das könne doch nicht sein. Der Gesetzgeber hätte solche einen Ausschlusstatbestand explizit geschaffen, so wie er auch die Übertragung von Freibeträgen für Zeiträume ausgeschlossen habe, für die Unterhaltsleistungen
dem Unterhaltsvorschussgesetz gezahlt würden. Umkehrschluss: Da für Volljährige kein Ausschlusstatbestand für die Übertragung geschaffen sei, sei diese Übertragung der Freibeträge auf den leistungsfähigen Elternteil auch vorzunehmen (§ 32 Abs. 6 Satz 6 EStG). Entsprechend sei auch der Anspruch auf Kindergeld zuzurechnen. Randnummer 36 Volljährige Kinder in der Ausbildung hätten weit mehr Bedarf, als mit der Ausbildungsvergütung abgedeckt werden könnte, auch wenn das selbstredend bei heutigen Mieten, Lebenshaltungskosten und der für A zu schaffenden Mobilität ohne weiteres auf der Hand liege. Die Schwierigkeiten, die sich ohne Zweifel in der Anwendung des § 32 EStG zeigen, würden damit zusammenhängen, dass die vorliegende Fallkonstellation nicht der „statistischen Normfamilie“ aus der Gesetzesbegründung entspreche. Im Ergebnis aber solle § 32 EStG der Familienförderung dienen und das setze eine konsequente und durchgängige Anwendung des Übertragungstatbestands bei Leistungsunfähigkeit eines Elternteils voraus. Randnummer 37 Die Beteiligten haben sich mit einer Entscheidung der Berichterstatterin anstelle des Senats und ohne mündliche Verhandlung einverstanden erklärt. Entscheidungsgründe Randnummer 38 Die Klage ist zulässig und teilweise begründet. Randnummer 39 I. Die Klage ist zulässig. Randnummer 40 Der Kläger war im Einspruchsverfahren hinzugezogen worden, daher war er klagebefugt und die Beigeladene notwendig beizuladen (BFH-Beschluss vom
deren Volljährigkeit nicht mehr übertragen werden. Eine hälftige Übertragung von BEA-Freibeträgen für die minderjährigen Kinder (C Januar bis Dezember 2014 und B Januar bis Februar 2014) war nicht Gegenstand des Einspruchsverfahrens der Beigeladenen; im Übrigen würde ein Widerspruch des Klägers mangels
gewiesener Betreuungskosten oder wesentlicher Betreuung nicht durchgreifen. Randnummer 43
G in der für das Streitjahr gültigen Fassung wird bei der Veranlagung zur ESt für jedes zu berücksichtigende Kind des Steuerpflichtigen ein Freibetrag von 2.184 € für das sächliche Existenzminimum des Kindes (Kinderfreibetrag) sowie ein Freibetrag von 1.320 € für BEA des Kindes vom Einkommen abgezogen. Randnummer 44 Die Freibeträge für Kinder bilden neben dem Kindergeld die wesentlichen Komponenten des Familienleistungsausgleichs. Das Gesetz unterscheidet zwei verschiedene Arten von Freibeträgen, den Kinderfreibetrag, der das sächliche Existenzminimum abdecken soll und BEA-Freibetrag, der Bedarfslagen jenseits des Existenzminimums ausgleichen soll. Randnummer 45 Das Gesetz ermöglicht in § 32 Abs. 6 Satz 6 EStG auf Antrag eines Elternteils, den Kinderfreibetrag des anderen Elternteil auf ihn zu übertragen, wenn er, nicht jedoch der andere Elternteil seiner Unterhaltspflicht gegenüber dem Kind für das Kalenderjahr im Wesentlichen
kommt oder der andere Elternteil mangels Leistungsfähigkeit nicht unterhaltspflichtig ist. Die Vorschrift betrifft nicht den BEA-Freibetrag, dessen Übertragung in § 32 Abs. 6 Sätze 8, 9 geregelt ist. Der BEA-Freibetrag folgt nicht zwangsläufig dem Kinderfreibetrag (Selder in Blümich, EStG, 140. Aufl. 2018, § 32 Rn. 128). Randnummer 46 1. Kinderfreibeträge Randnummer 47
G (in der Fassung ab 2012) wird bei einem unbeschränkt einkommensteuerpflichtigen Elternpaar, bei dem die Voraussetzungen des § 26 Abs. 1 Satz 1 EStG nicht vorliegen, auf Antrag eines Elternteils der dem anderen Elternteil zustehende Kinderfreibetrag auf ihn übertragen, wenn er, nicht jedoch der andere Elternteil, seiner Unterhaltspflicht gegenüber dem Kind für das Kalenderjahr im Wesentlichen
kommt oder der andere Elternteil mangels Leistungsfähigkeit nicht unterhaltspflichtig ist. Die Übertragung bedarf keiner Zustimmung des anderen Elternteils (Seiler in Kirchhof, EStG, 16. Aufl. 2017, § 32 EStG Rn. 28; H/H/R, § 32 Rn. 170). Randnummer 48 a) Die Unterhaltspflicht im Sinne dieser Vorschrift bestimmt sich
bürgerlichem Recht (K/S/M, § 32 Rn. A 111-117.10). Für den Unterhalt, der den gesamten Lebensbedarf umfasst (§ 1610 Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs -BGB-), haften Eltern als gleich nahe Verwandte ihren Kindern anteilig
ihren Erwerbs- und Vermögensverhältnissen (§ 1606 Abs. 3 Satz 1 BGB; z.B. BFH-Urteil vom 24. März 2006 III R 57/00, BFH/NV 2006, 1815). Eine Übertragung ist hingegen ausgeschlossen, wenn der andere Elternteil seiner Unterhaltspflicht
Maßgabe seiner Leistungsfähigkeit
kommt, selbst wenn sein Beitrag zum Unterhaltsbedarf verhältnismäßig geringfügig ist (BFH-Urteil vom 12. April 2000 VI R 148/97, BFH/NV 2000, 1194). Seiner Barunterhaltsverpflichtung kommt ein Elternteil im Wesentlichen
, wenn er sie mindestens zu 75 % erfüllt (BFH-Urteil vom
damaliger Rechtslage eine Übertragung des Kinderfreibetrags des einen Elternteils nicht in Betracht kam, wenn dieser Elternteil mangels Leistungsfähigkeit nicht unterhaltspflichtig gegenüber dem Kind war (vgl. BTDrucks 17/6146, S. 14; zu der diesbezüglichen Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteile vom
bürgerlichem Recht.
BGB sind Kinder unterhaltsberechtigt, wenn sie außerstande sind, sich selbst zu unterhalten (BFH-Urteil vom 24. März 2006 III R 57/00, BFH/NV 2006, 1815; Grönke-Reimann in Herrmann/Heuer/Raupach, EStG, § 32 Anm. 184 mit weiteren
weisen aus der Rechtsprechung; Jachmann in Kirchhof/Söhn, EStG, § 32 Rn. D 21; Stache in Bordewin/Brandt, EStG, § 32 Rn. 189; Pust in Littmann/Pust, EStG, § 32 Rn. 866; Loschelder in Schmidt, EStG,
Angaben des Klägers und der Beigeladenen bestehen keine zivilrechtlichen Vereinbarungen, vielmehr berechnen sie den Unterhalt
der Düsseldorfer Tabelle und gehen unstreitig davon aus, dass der Kläger nicht leistungsfähig und daher für die volljährigen Kinder B und A nicht (bar-) unterhaltspflichtig ist. Danach ist die Übertragung des hälftigen Kinderfreibetrages für B für die Monate März bis Dezember 2014 und für A für die Monate Januar bis Juli 2014 zu Recht erfolgt. Die freiwilligen Zahlungen des Klägers können nicht berücksichtigt werden. Randnummer 53
der Düsseldorfer Tabelle (Stand
gewiesener Betreuungskosten oder wesentlicher Betreuung nicht durchgreifen (b). Randnummer 57 a)
G in der im Streitjahr geltenden Fassung wird nur bei minderjährigen Kindern der Freibetrag für BEA übertragen. Die Übertragung des Freibetrags für volljährige Kinder ist gesetzlich nicht möglich (vgl. FG Münster, Urteil vom
weis, dass der jeweilige Elternteil tatsächlich dementsprechenden Aufwand getragen hat (BT-Drs. 14/1513, Seite 14; Jachmann in Kirchhof/Söhn/Mellinghoff -KSM-, EStG, § 32 Rdnr. A 43 m.w.N.). Deshalb ist die Grundentscheidung des Gesetzgebers, beiden Elternteilen unabhängig von der Erfüllung der Unterhaltspflichten eine (weitere) steuerliche Entlastung für den BEA zukommen zu lassen,
Ansicht des erkennenden Gerichts folgerichtig und mit dem subjektiven Nettoprinzip vereinbar. Zudem bewegt sich der Gesetzgeber auch noch im Rahmen zulässiger Typisierung, wenn er bei der -ausnahmsweise möglichen- Übertragung des Freibetrags für BEA für Minderjährige an die melderechtliche Erfassung des Kindes anknüpft und hiermit unterstellt, dass der in diesem Lebensabschnitt vordergründig bestehende Betreuungs- und Erziehungsbedarf grundsätzlich von dem Elternteil geleistet wird, in dessen Haushalt das Kind gemeldet ist. Randnummer 59 Im Hinblick darauf, dass die Freibetragsgewährung keine tatsächlichen Unterhaltsaufwendungen voraussetzt, kann dagegen im Rahmen typisierender Betrachtung bei volljährigen Kindern, bei denen der Ausbildungsbedarf in den Vordergrund tritt, eine Übertragung auf den Elternteil, in dessen Wohnung das (volljährige) Kind gemeldet ist, nicht erfolgen. Denn die Bezugnahme auf den melderechtlichen Status lässt -anders als bei Betreuungs- und Erziehungsleistungen- vom Grundsatz her keine Schlüsse darauf zu, welcher Elternteil den Ausbildungsbedarf des Kindes deckt (vgl. FG Münster, Urteil vom 20. September 2013 4 K 4588/11 E, EFG 2013, 1917; Jachmann in K/S/M, EStG, § 32 Rn. D 31 m.w.N.). Auch
den EStR 2014 R 32.13 Abs. 4 Sätze 4 und 6 ist eine Übertragung in dem Kalenderjahr, indem das Kind das 18. Lebensjahr vollendet, nur für den Teil des Jahres möglich, in dem das Kind noch minderjährig ist. Randnummer 60 Folglich kam eine Übertragung des hälftigen BEA-Freibetrages für A für das gesamte Jahr 2014 und für B für die Monate März 2014 bis Dezember 2014 nicht in Betracht. Randnummer 61 b) Zum einen war die Übertragung der hälftigen BEA-Freibeträge für die minderjährigen Kinder (C Januar bis Dezember 2014 und B Januar bis Februar 2014) nicht Gegenstand des Einspruchsverfahrens der Beigeladenen. Zum anderen würde ein Widerspruch des Klägers mangels dargelegter und auch nicht
gewiesener Betreuungskosten oder regelmäßiger und wesentlicher Betreuung nicht durchgreifen. Randnummer 62 aa) Der Kläger hat die Aufhebung der Einspruchsentscheidung beantragt. Durch Einspruchsentscheidung vom 14. Februar 2017 wurde dem Einspruch der Beigeladenen stattgegeben und für A der hälftige Kinderfreibetrag von 2.184 € und der hälftige BEA-Freibetrag von 1.320 € sowie für B der hälftige Kinderfreibetrag ab März 2014 von 1.820 € und der hälftige BEA-Freibetrag von 1.320 € übertragen. Nur diese Änderungen können vom hinzugezogenen Kläger angefochten werden. Randnummer 63 bb)
G wird bei minderjährigen Kindern der dem Elternteil, in dessen Wohnung das Kind nicht gemeldet ist, zustehende BEA-Freibetrag auf Antrag des anderen Elternteils auf diesen übertragen, wenn bei dem Elternpaar die Voraussetzungen des § 26 Absatz 1 Satz 1 nicht vorliegen.
Satz 9 dieser Vorschrift scheidet eine Übertragung
Satz 8 aus, wenn der Übertragung widersprochen wird, weil der Elternteil, bei dem das Kind nicht gemeldet ist, Kinderbetreuungskosten trägt oder das Kind regelmäßig in einem nicht unwesentlichen Umfang betreut.
G wird für jedes zu berücksichtigende Kind ein BEA-Freibetrag von 1.320 € vom Einkommen abgezogen. Der Gesetzgeber typisiert im Rahmen des Familienleistungsausgleichs den Bedarf, der unabhängig von tatsächlich entstandenen Aufwendungen steuerlich berücksichtigt wird (BT-Drs. 14/6160 S. 13). Er geht dabei davon aus, dass der Bedarf jenseits des sächlichen Existenzminimums sich unterschiedlich zusammensetzt und z. B. bei kleinen Kindern mehr als Betreuungs- und Erziehungsbedarf in Erscheinung tritt, während in späteren Lebensjahren die Ausbildung im Vordergrund steht. Der Freibetrag ist für jedes zu berücksichtigende Kind abzuziehen, unabhängig davon, ob ein dadurch auszugleichender Bedarf überhaupt im Ansatz entstehen kann (Selder in Blümich, EStG,
dem BMF-Schreiben vom
Auffassung der Finanzverwaltung ist ein nicht nur gelegentlicher Umgang mit dem Kind maßgebend, der erkennen lasse, dass der Elternteil die Betreuung mit einer gewissen
haltigkeit wahrnehme, d.h. fortdauernd und immer wieder in Kontakt zu dem Kind stehe. Bei nur kurzzeitigem, anlassbezogenem Kontakt (z.B. zum Geburtstag, zu Weihnachten und zu Ostern) liege eine Betreuung in unwesentlichem Umfang vor. Von einem nicht unwesentlichen Umfang der Betreuung eines Kindes sei typischerweise auszugehen, wenn eine gerichtliche oder außergerichtliche Vereinbarung über einen regelmäßigen Umgang an Wochenenden und in den Ferien vorgelegt werde (vgl. BMF-Schreiben vom
Auffassung des BFH kann das Merkmal einer regelmäßigen Betreuung insbesondere dann als erfüllt angesehen werden, wenn sich ein minderjähriges Kind entsprechend eines -üblicherweise für einen längeren Zeitraum im Voraus festgelegten- weitgehend gleichmäßigen Betreuungsrhythmus tatsächlich in der vereinbarten Abfolge bei dem Elternteil, bei dem es nicht gemeldet ist, aufhält (BFH-Urteil vom 8. November 2017 III R 2/16, BFH/NV 2018, 558). Ob dieser Elternteil sein minderjähriges Kind auch in einem nicht unwesentlichen Umfang betreut, erfordert eine Gesamtschau unter Würdigung aller objektiven Umstände des Einzelfalls. Die Beurteilung kann hierbei von einer Vielzahl
Lage des Falles naturgemäß auch unterschiedlich zu gewichtenden Faktoren abhängen. Diese sind insbesondere die Häufigkeit und Länge der Kontakte zwischen dem widersprechenden Elternteil und dem Kind, die ihrerseits durch das Alter des Kindes und die Distanz zwischen den Wohnorten des Elternpaares beeinflusst werden. Aus Gründen der Vereinfachung hat der BFH dabei grundsätzlich keine Bedenken, bei einem zeitlichen Betreuungsanteil von jährlich durchschnittlich 10 % im Regelfall das Merkmal einer Betreuung in einem "nicht unwesentlichen Umfang" als erfüllt anzusehen, wobei weitere Indizien in diesem Fall im Übrigen regelmäßig vernachlässigt werden können (BFH-Urteil vom 8. November 2017 III R 2/16, BFH/NV 2018, 558). Randnummer 68
G nicht zwingend gleichlautend mit denen der Übertragung des Freibetrags für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf gemäß § 32 Abs. 6 Satz 8 EStG sein müssten (BFH-Urteil vom 18. Mai 2006 III R 71/04, BStBl II 2008, 352). Permalink Diesen Link können Sie kopieren und verwenden, wenn Sie genau dieses Dokument verlinken möchten: https://www.gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de/perma?d=NJRE001369478
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