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Oberverwaltungsgericht für das Land Schleswig-Holstein 5. Senat 5 MB 19/22 Beschluss Entziehung der Fahrerlaubnis - Trunkenheitsfahrten, Gutachtenauff

Entziehung der Fahrerlaubnis - Trunkenheitsfahrten, Gutachtenaufforderung Leitsatz

  1. Ein Kraftfahrer muss in einem Fahrerlaubnis-Entziehungsverfahren rechtskräftige strafgerichtliche Entscheidungen oder Bußgeldbescheide gegen sich gelten lassen, sofern sich nicht gewichtige Anhaltspunkte für ihre Unrichtigkeit ergeben. (Rn.4)
  2. Maßgeblicher Zeitpunkt für die Beurteilung der Rechtmäßigkeit des Verwaltungsaktes im Verfahren gemäß § 80 Abs. 5 VwGO ist nicht der Erlass des Ausgangsbescheides, sondern die Entscheidung des Gerichts, wenn wie hier das Widerspruchsverfahren noch anhängig ist. (Rn.5) Orientierungssatz
  3. Vgl. zu Leitsatz 1: BVerwG, Urteil vom
  4. März 1985 – 7 C 26.83 –; Beschluss vom
  5. September 1992 – 11 B 22.92 –; OVG Koblenz, Beschluss vom
  6. Mai 2002 – 7 B 10765/02 –; OVG Bautzen, Beschluss vom
  7. Januar 2003 – 4 B 10/03 –; OVG Münster, Beschluss vom
  8. März 2012 – 16 B 304/12 –; VGH Mannheim, Beschluss vom
  9. Oktober 2015 – 10 S 1491/15 –; OVG Lüneburg, Beschluss vom
  10. Dezember 2016 – 12 ME 142/16 –; OVG Schleswig, Beschluss vom
  11. Februar 2019 – 4 O 46/18 –; VGH München, Beschluss vom
  12. April 2022 – 11 CS 21.2988 –. (Rn.4)
  13. Vgl. zu Leistsatz 2: OVG Schleswig, Beschluss vom
  14. Februar 1993 – 4 M 146/92 –; VGH Kassel, Beschluss vom
  15. Juli 1995 – 12 TG 1800/95 –; VGH München, Beschluss vom
  16. März 2004 – 22 CS 03.3202 –; OVG Bautzen, Beschluss vom
  17. Juli 2015 – 3 B 118/15 –; VGH Mannheim, Beschluss vom
  18. Oktober 2018 – 10 S 1639/17 –. (Rn.5) Verfahrensgang vorgehend Schleswig-Holsteinisches Verwaltungsgericht,
  19. Juli 2022, 3 B 46/22, Beschluss Tenor Die Beschwerde gegen den Beschluss des Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsgerichts –
  20. Kammer, Einzelrichter – vom
  21. Juli 2022 wird zurückgewiesen. Die Antragstellerin trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens. Der Streitwert wird für das Beschwerdeverfahren auf 2.500 Euro festgesetzt. Gründe Randnummer 1 Die Beschwerde hat nach Maßgabe der dargelegten Gründe keinen Erfolg (§ 146 Abs. 4 Satz 6 VwGO). Das Verwaltungsgericht hat es zu Recht abgelehnt, die aufschiebende Wirkung des Widerspruchs gegen den Bescheid vom
  22. Mai 2022 gemäß § 80 Abs. 5 VwGO wiederherzustellen. Das öffentliche Interesse, die Fahrerlaubnis mit sofortiger Wirkung zu entziehen, überwiegt das private Interesse der Antragstellerin, vorläufig weiterhin ein Kraftfahrzeug führen zu dürfen. Die auf § 3 Abs. 1 Satz 1 StVG, § 46 Abs. 1 FeV i.V.m. Nr. 8.1 der Anlage 4 zur FeV gestützte Entziehung der Fahrerlaubnis wegen fehlender Fahreignung infolge Alkoholmissbrauchs ist offensichtlich rechtmäßig. Randnummer 2 Der Antragsgegner hat zu Recht angeordnet, dass ein medizinisch-psychologisches Gutachten beizubringen ist, da wiederholt Zuwiderhandlungen im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss begangen wurden (§ 46 Abs. 3 i.V.m. § 13 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b FeV). Wegen einer Trunkenheitsfahrt am
  23. Juni 2017 (BAK 1,35 ‰) erging der rechtskräftige Strafbefehl des Amtsgerichts Meldorf vom
  24. September 2017 – 305 Js 16883/17 – (Verwaltungsvorgang Bl. 24, 31). Wegen einer weiteren Trunkenheitsfahrt am
  25. Mai 2021 (AAK 0,33 mg/l) ergingt der rechtskräftige Bußgeldbescheid des Antragsgegners vom
  26. Juni 2021 – 5078022835 – (Verwaltungsvorgang Bl. 33). Randnummer 3 Die Antragstellerin wendet ein, am
  27. September 2017 habe sie erst nach Beendigung der Fahrt Alkohol zu sich genommen. Am
  28. Mai 2021 habe sie ein Glas Sekt zu sich genommen. Die Alkoholkonzentration könne dadurch hervorgerufen worden sein, dass sie auf ein Asthmaspray angewiesen sei. Randnummer 4 Diese Darstellung überzeugt nicht. Ein Kraftfahrer muss in einem Fahrerlaubnis-Entziehungsverfahren nach § 4 StVG rechtskräftige strafgerichtliche Entscheidungen oder Bußgeldbescheide gegen sich gelten lassen, sofern sich nicht gewichtige Anhaltspunkte für ihre Unrichtigkeit ergeben (BVerwG, Urteil vom
  29. März 1985 – 7 C 26.83 –, juris Rn. 14; Beschluss vom
  30. September 1992 – 11 B 22.92 –, juris Rn. 3; OVG Koblenz, Beschluss vom
  31. Mai 2002 – 7 B 10765/02 –, NJW 2002, 2581; OVG Bautzen, Beschluss vom
  32. Januar 2003 – 4 B 10/03 –, juris Rn. 3; OVG Münster, Beschluss vom
  33. März 2012 – 16 B 304/12 –, juris Rn. 4; VGH Mannheim, Beschluss vom
  34. Oktober 2015 – 10 S 1491/15 –, juris Rn. 6; OVG Lüneburg, Beschluss vom
  35. Dezember 2016 – 12 ME 142/16 –, juris Rn. 12; OVG Schleswig, Beschluss vom
  36. Februar 2019 – 4 O 46/18 –, juris Rn. 11 ; VGH München, Beschluss vom
  37. April 2022 – 11 CS 21.2988 –, juris Rn. 16; Dauer, in: Hentschel u.a., Straßenverkehrsrecht,
  38. Auflage 2021, § 3 StVG Rn. 56). Die Antragstellerin hat die Richtigkeit der angeführten Entscheidungen nicht substanziiert in Zweifel gezogen. Ihr Vortrag reicht mangels Angabe von Beweismitteln nicht aus, um in eine neue Beweisaufnahme einzutreten. Das Vorbringen zur Tat am
  39. Juni 2017 steht zudem in Widerspruch zu ihren eigenen Angaben gegenüber der Polizei. Danach hat sie bereits vor der Fahrt Alkohol konsumiert und die zur Last gelegte Straftat eingeräumt (Verwaltungsvorgang Bl. 42R, 44, 47R). Die Einlassung zum Vorfall am
  40. Mai 2021 bleibt vage und erscheint spekulativ. Schließlich fehlt es auch an einer Erklärung dafür, warum die Antragstellerin die vorgeworfenen Handlungen erst jetzt – im Beschwerdeverfahren – in Zweifel zieht. Randnummer 5 Der Antragsgegner wird bei Erlass des Widerspruchsbescheides gemäß § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV auf die Nichteignung der Antragstellerin schließen können, da diese das geforderte Gutachten nicht fristgerecht bis zum
  41. Juni 2022 beigebracht hat. Zwar hat der Antragsgegner die Fahrerlaubnis bereits durch Bescheid vom
  42. Mai 2022 und damit vor Fristablauf entzogen. Dies bewirkt jedoch nicht, dass die Entziehung der Fahrerlaubnis rechtswidrig ist. Maßgeblicher Zeitpunkt für die Beurteilung der Rechtmäßigkeit des Verwaltungsaktes im Verfahren gemäß § 80 Abs. 5 VwGO ist nicht der Erlass des Ausgangsbescheides, sondern die Entscheidung des Gerichts, wenn – wie hier – das Widerspruchsverfahren noch anhängig ist (vgl. OVG Schleswig, Beschluss vom
  43. Februar 1993 – 4 M 146/92 –, juris Rn. 12; VGH Kassel, Beschluss vom
  44. Juli 1995 – 12 TG 1800/95 –, juris Rn. 4; VGH München, Beschluss vom
  45. März 2004 – 22 CS 03.3202 –, juris Rn. 14; OVG Bautzen, Beschluss vom
  46. Juli 2015 – 3 B 118/15 –, juris Rn. 6; VGH Mannheim, Beschluss vom
  47. Oktober 2018 – 10 S 1639/17 –, juris Rn. 3, 15; Schoch, in: Schoch/Schneider, VwGO, Stand 2022, § 80 Rn. 421; Hoppe, in: Eyermann, VwGO,
  48. Aufl. 2022, § 80 Rn. 106; Bostedt, in: Fehling u.a., VwGO,
  49. Auflage 2021, § 80 Rn. 164; Funke-Kaiser in: Bader u.a., VwGO,
  50. Auflage 2021, § 80 Rn. 107). Für die Auffassung der Antragstellerin, der Antragsgegner müsse den Bescheid vom
  51. Mai 2022 aufheben und durch einen neuen Bescheid ersetzen, gibt es keine Rechtsgrundlage. Randnummer 6 Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 2 VwGO, die Streitwertfestsetzung beruht auf § 47 Abs. 1, § 53 Abs. 2, § 52 Abs. 1 GKG. Randnummer 7 Dieser Beschluss ist unanfechtbar (§ 152 Abs. 1 VwGO, § 68 Abs. 1 Satz 5, § 66 Abs. 3 Satz 3 GKG). Permalink Diesen Link können Sie kopieren und verwenden, wenn Sie genau dieses Dokument verlinken möchten: https://www.gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de/perma?d=NJRE001530261

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