zwischen dem Versicherungsnehmer und dem Begünstigten kann bei der Einräumung einer widerruflichen Bezugsberechtigung ( § 159 Abs. 2 VVG ) auch schon zu Lebzeiten des Versicherungsnehmers zustande kommen. Von dem konkludenten Abschluss eines Schenkungsvertrages ist regelmäßig auszugehen, wenn der Versicherungsnehmer den Dritten über die Bestellung eines Bezugsrechts zu dessen Gunsten informiert hat (vgl. OLG Saarbrücken, 14. Juni 2017, 5 U 23/17 ). (Rn.39) 2. Bis zum Tod des Versicherungsnehmers, mit dem der Versicherungsfall ( § 159 Abs. 2 VVG ) eintritt und die Schenkung vollzogen wird, ist der Schenkungsvertrag nach §§ 518 Abs. 1 Satz 1, 125 Satz 1
formnichtig. Der Versicherungsnehmer kann zu Lebzeiten jederzeit einseitig den Anspruchserwerb verhindern, indem er das Bezugsrecht widerruft. (Rn.40) 3. Nach dem Erbfall steht dem Erben von vornherein kein Widerrufsrecht zu, wenn der Schenkungsvertrag bereits zu Lebzeiten des Erblassers zustande gekommen ist. Mit dem Tod des Erblassers ist der Versicherungsfall ( § 159 Abs. 2 VVG ) eingetreten und der Schenkungsvertrag durch Vollzug der Schenkung nach § 518 Abs. 2
formwirksam geworden. (Rn.47) Tenor Die Klage wird abgewiesen. Auf die Widerklage hin wird die Klägerin verurteilt, die Auszahlung des von der ... zur Versicherungsscheinnummer ... des Versicherungsnehmers ... beim Amtsgericht ... zum Az. ... hinterlegten Betrages in Höhe von 59.175,96 € an die Beklagte zu bewilligen. Die Klägerin trägt die Kosten des Rechtsstreits. Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 70.000,00 € vorläufig vollstreckbar. Beschluss Der Streitwert wird auf 59.675,96 € festgesetzt. Dieser Betrag setzt sich wie folgt zusammen: Antrag zu Ziffer 1): 59.175,96 € Anträge zu Ziffer 2) und 3): 500,00 € Tatbestand Randnummer 1 Die Parteien streiten wechselseitig mit Klage und Widerklage über die Zustimmung zur Freigabe einer Lebensversicherungsleistung. Randnummer 2 Bei der Beklagten handelt es sich um die erste Ehefrau des am 29.03.2023 verstorbenen Erblassers .... Die Klägerin ist die zweite Ehefrau des Erblassers und dessen Alleinerbin (Bl. 2 d.A., Anlage K1). Der Erblasser unterhielt bei der ... unter anderem eine Lebensversicherung mit Todesfallleistung in Höhe von 59.175,96 € zur Versicherungsscheinnummer ... (Bl. 2 d.A., Anlage K6). Die Beklagte war als widerrufliche Bezugsberechtigte für den Todesfall eingesetzt (Bl. 2 d.A.). Randnummer 3 Am 31.03.2023 teilte die Klägerin dem Versicherungsvertreter der ..., dem Zeugen ..., telefonisch den Tod des Erblassers mit. Darüber hinaus wurde mit dem Zeugen ... für den 26.04.2023 ein Termin im Haus der Klägerin vereinbart.Bei diesem Termin übergab die Klägerin die Sterbeurkunde des Erblassers an den Zeugen ... und machte die Auszahlung der Versicherungsleistung geltend. Zudem nahm der Zeuge ... alle Daten für die Auszahlung inklusive der Bankverbindung der Klägerin auf, damit die Auszahlung an die Klägerin erfolgen könne. Im Rahmen dieses Gesprächs avisierte der Zeuge ... die Auszahlung der Todesfallleistung und teilte mit, dass diese bis zu sechs Wochen dauern könne. Zudem leitete der Zeuge ... die Unterlagen an die ... weiter (Bl. 2 d.A.). Nachdem die Auszahlung vonseiten der ... binnen der genannten Sechs-Wochen-Frist nicht erfolgt war, meldete die Klägerin sich bei dieser. Hierauf bekam die Klägerin die Information, dass die Beklagte noch als Begünstigte eingetragen sei (Bl. 3 d.A.). Randnummer 4 Mit Schreiben unter dem 14.06.2023 widerrief die Klägerin gegenüber der ... für die bestehenden Lebensversicherungsverträge den Auftrag auf Übermittlung des Schenkungsangebotes gegenüber der Beklagten (Bl. 3 d.A., Anlage K2). Der Prozessbevollmächtigte der Klägerin wiederholte diesen Widerruf mit Schreiben vom 12.07.2023 (Anlage K3). Daraufhin hinterlegte die ... die Todesfallleistung in Höhe von 59.175,96 € beim Amtsgericht ... zum Az. ... (Anlagen K5 und K6). Die Beklagte forderte die Klägerin persönlich sowie mit anwaltlichem Schreiben vom 26.10.2023 (Anlage K7) den Prozessbevollmächtigten der Klägerin auf, der Freigabe des hinterlegten Betrages zuzustimmen (Bl. 4 d.A.). Randnummer 5 Die Klägerin behauptet, nach der Hochzeit mit ihr habe der Erblasser nie gewollt, dass die Beklagte irgendetwas erhalte. Die Beklagte und die Kinder hätten nichts bekommen sollen. Der Erblasser habe vor seinem Tod Informationen einholen wollen, um die Bezugsberechtigung im Todesfall in der Lebensversicherung zu ändern (Bl. 35 d.A.). Randnummer 6 Die Klägerin meint, die Beklagte und der Erblasser hätten nie einen Schenkungsvertrag über die Lebensversicherungsleistung geschlossen (Bl. 19 d.A.). Insbesondere begründe die bloße Kenntnis vom Bestehen eines widerruflichen Bezugsrechts nicht das Zustandekommen eines Schenkungsvertrages. Gerade der Umstand, dass der Erblasser der Beklagten lediglich ein widerrufliches Bezugsrecht eingeräumt habe, zeige, dass er sich nicht habe binden wollen (Bl. 43 d.A.). Randnummer 7 Die Klägerin hat zunächst beantragt, die Beklagte zu verurteilen, zuzustimmen, dass der von der ... zur Versicherungsscheinnummer ... beim Amtsgericht ... zum Az. ... hinterlegte Betrag in Höhe von 59.175,96 € an die Klägerin ausbezahlt wird. Mit Schriftsatz vom 15.07.2024, der Beklagten zugestellt am 16.07.2024, hat die Klägerin die Klage erweitert (Bl. 64 ff. d.A.). Randnummer 8 Die Klägerin beantragt nunmehr, Randnummer 9 die Beklagte zu verurteilen, Randnummer 10
. Nach dieser Vorschrift ist derjenige, der in sonstiger Weise auf Kosten eines anderen etwas ohne rechtlichen Grund erlangt, dem anderen zur Herausgabe verpflichtet. Diese Voraussetzungen sind hier nicht erfüllt. Randnummer 33 aa) Im Fall der Hinterlegung zugunsten mehrerer Gläubiger (§ 372 S. 2
) steht dem wirklichen Inhaber des Rechts gegen den anderen Forderungsprätendenten ein materiell-rechtlicher Anspruch aus § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2
auf Einwilligung in die Freigabe zu (vgl. BGH, Urteil vom 26.06.2013 – IV ZR 243/12, NJW 2013, 3448 [3449 Rn. 7]; BGH, Urteil vom 21.05.2008 – IV ZR 238/06, NJW 2008, 2702 [2703 Rn. 17]; BGH, Urteil vom 13.11.1996 – VIII ZR 210/95, NJW-RR 1997, 495 [495]; BGH, Urteil vom 26.04.1994 – XI ZR 97/93, NJW-RR 1994, 847 [847]; BGH, Urteil vom 29.11.1989 – VIII ZR 228/88, NJW 1990, 716 [717] = BGHZ 109, 240; BGH, Urteil vom 07.03.1972 – VI ZR 169/70, NJW 1972, 1045 [1045]; BGH, Urteil vom 15.05.1961 – VII ZR 181/59, NJW 1961, 1457 [1458] = BGHZ 35, 165; OLG Schleswig, Urteil vom 16.07.2012 – 5 U 169/11, BeckRS 2013, 12309; Fetzer, in: Münchener Kommentar zum
, Band III, 9. Auflage 2022,
OK
, 70. Edition, Stand: 01.05.2024,
7; Grüneberg, in: Grüneberg, Bürgerliches Gesetzbuch, 83. Auflage 2024,
Einführung vor § 372 Rn. 8; Fest, JA 2009, 258 [263]). Die vermeintliche Gläubigerstellung verschafft dem Prätendenten im Verhältnis zur Hinterlegungsstelle eine Sperrposition („Blockierstellung“). Diese auf Kosten des wahren Gläubigers gehaltene Stellung als Hinterlegungsbeteiligter stellt eine vermögenswerte Rechtsposition dar, welche im Wege der Nichtleistungskondiktion gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2
kondiziert werden kann (vgl. BGH, Urteil vom 07.12.2006 – IX ZR 161/04, NJW-RR 2007, 845 [846 Rn. 9]; BGH, Urteil vom 15.10.1999 – V ZR 141/98, NJW 2000, 291 [294]; BGH, Urteil vom 13.11.1996 – VIII ZR 210/95, NJW-RR 1997, 495 [495]; BAG, Urteil vom 21.02.2008 – 6 AZR 273/07, NZA 2009, 105 [107 Rn. 25]; BAG, Beschluss vom 22.05.2007 – 3 AZR 334/06 (A), NZA 2007, 1169 [1170 Rn. 13]; OLG Schleswig, Urteil vom 16.07.2012 – 5 U 169/11, BeckRS 2013, 12309; Sprau, in: Grüneberg, Bürgerliches Gesetzbuch, 83. Auflage 2024,
OGK
, Stand: 01.04.2022,
S 2009, 421 [422]).Für die Frage der Freigabepflicht ist entscheidend, wer im Verhältnis zum Schuldner Inhaber der Forderung ist, zu deren Erfüllung der hinterlegte Betrag bestimmt ist. Maßgeblich ist die Gläubigerstellung gegenüber dem hinterlegenden Schuldner. Auf Rechtsbeziehungen zwischen den Forderungsprätendenten kommt es dagegen grundsätzlich nicht an (vgl. BGH, Urteil vom 13.11.1996 – VIII ZR 210/95, NJW-RR 1997, 495 [495]). Randnummer 34 bb) Die Beklagte hat die Sperrposition nicht ohne rechtlichen Grund im Sinne des § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2
erlangt. Für die Sperrposition besteht vielmehr ein Rechtsgrund in Gestalt eines zu Lebzeiten des Erblassers geschlossenen Schenkungsvertrages gemäß § 518
. Randnummer 35
), kraft dessen ihr das widerrufliche Bezugsrecht für die Todesfallleistung (§ 159 Abs. 2 VVG) eingeräumt wurde – ist zwischen dem Deckungsverhältnis und dem Valutaverhältnis zwischen dem Zuwendenden und dem Begünstigten – hier der Beklagten – zu unterscheiden.Beide Rechtsverhältnisse unterliegen sowohl hinsichtlich der durch sie begründeten Rechtsbeziehungen als auch mit Blick auf die Anfechtung von Willenserklärungen dem Schuldrecht. Erbrechtliche Bestimmungen, namentlich § 2301
und § 2077
, finden insoweit keine Anwendung (vgl. BGH, Urteil vom 30.01.2018 – X ZR 119/15, NJW-RR 2018, 518 [519 Rn. 15]; BGH, Urteil vom 28.04.2010 – IV ZR 73/08, NJW 2010, 3232 [3234 Rn. 20] = BGHZ 185, 252; BGH, Urteil vom 21.05.2008 – IV ZR 238/06, NJW 2008, 2702 [2703 Rn. 19]; BGH, Urteil vom 26.11.2003 – IV ZR 438/02, NJW 2004, 767 [768] = BGHZ 157, 79; BGH, Urteil vom 01.04.1987 – IV a ZR 26/86, NJW 1987, 3131 [3131]; BGH, Urteil vom 25.04.1975 – IV ZR 63/74, NJW 1975, 1360 [1361]; BGH, Urteil vom 30.10.1974 – IV ZR 172/73, NJW 1975, 382 [383]; BGH, Urteil vom 10.06.1965 – III ZR 71/63, NJW 1965, 1913 [1913 f.]; BGH, Urteil vom 29.01.1964 – V ZR 209/61, NJW 1964, 1124 [1125] = BGHZ 41, 95; OLG Dresden, Urteil vom 01.07.2021 – 8 U 276/21, NJW-RR 2021, 1573 [1573 Rn. 21]; OLG Bamberg, Beschluss vom 24.08.2018 – 3 U 157/17, NJW-RR 2019, 365 [366 Rn. 23]; OLG Saarbrücken, Urteil vom 17.05.2017 – 5 U 35/16, NJW-RR 2018, 35 [36 Rn. 17]; OLG Düsseldorf, Urteil vom 31.05.1996 – 22 U 236/95, NJW-RR 1996, 1329 [1330]; OLG Köln, Urteil vom 31.05.1995 – 2 U 181/94, NJW-RR 1995, 1224 [1224]; Klumpp, in: Staudinger, Neubearbeitung 2020,
5; Weidlich, in: Grüneberg, Bürgerliches Gesetzbuch, 83. Auflage 2024,
17; Dallwig, r+s 2021, 1 [3]; Muscheler, WM 1994, 921 [922]). Randnummer 36 Die von einem Verstorbenen zu Lebzeiten begründete widerrufliche Bezugsberechtigung für die Todesfallleistung aus einer Lebensversicherung verschafft dem Begünstigten im Versicherungsfall gemäß § 159 Abs. 2 VVG eine im Deckungsverhältnis jedenfalls insoweit unentziehbare Rechtsstellung, als die Erben des Versicherungsnehmers die Bezugsberechtigung nicht mehr ändern oder widerrufen können (vgl. BGH, Urteil vom 21.05.2008 – IV ZR 238/06, NJW 2008, 2702 [2703 Rn. 20]; BGH, Urteil vom 14.07.1993 – IV ZR 242/92, NJW 1993, 3133 [3135]; OLG Hamm, Beschluss vom 25.06.2014 – 20 W 14/14, VersR 2015, 1236 [1236]; OLG Hamm, Urteil vom 14.11.1979 – 20 U 7/79, juris Rn. 24 = VersR 1980, 739). Ob der von einer Bezugsberechtigung Begünstigte die Versicherungsleistung im Verhältnis zu den dem Versicherungsnehmer nachfolgenden Erben behalten darf, beantwortet grundsätzlich allein das Valutaverhältnis (vgl. BGH, Urteil vom 21.05.2008 – IV ZR 238/06, NJW 2008, 2702 [2703 Rn. 21]; BGH, Urteil vom 26.11.2003 – IV ZR 438/02, NJW 2004, 767 [768] = BGHZ 157, 79; BGH, Urteil vom 30.11.1994 – IV ZR 290/93, NJW 1995, 1082 [1084] = BGHZ 128, 125; BGH, Urteil vom 01.04.1987 – IV a ZR 26/86, NJW 1987, 3131 [3132]; OLG Dresden, Urteil vom 01.07.2021 – 8 U 276/21, NJW-RR 2021, 1573 [1573 Rn. 22]; Muscheler, WM 1994, 921 [921]). Randnummer 37
in Betracht. Ein solcher Vertrag kann bei einer widerruflich eingeräumten Bezugsberechtigung (§ 159 Abs. 2 VVG) zeitlich nach dem Versicherungsfall zustande kommen (vgl. Schneider, in: Prölss/Martin, Versicherungsvertragsgesetz, 31. Auflage 2021, VVG § 159 Rn. 29). So liegt der Fall namentlich dann, wenn der Versicherungsnehmer dem Begünstigten zu Lebzeiten seine Schenkungsabsicht nicht kundgetan hat (vgl. Muscheler, WM 1994, 921 [922]). Die Erklärung des Versicherungsnehmers gegenüber dem Versicherer, es werde dem Begünstigten eine Bezugsberechtigung für die Todesfallleistung einer Lebensversicherung eingeräumt, ist bezogen auf das Valutaverhältnis zugleich nach §§ 133, 157
als konkludenter Auftrag an den Lebensversicherer auszulegen, ihm nach Eintritt des Versicherungsfalls das Schenkungsangebot des Versicherungsnehmers zu überbringen. Ein insoweit mit Botendiensten beauftragter Versicherer erfüllt diesen Auftrag in der Regel durch Auszahlung der Versicherungssumme an den Begünstigten, weil darin konkludent das Schenkungsangebot des verstorbenen Versicherungsnehmers zum Ausdruck kommt. Dieses Angebot kann der Begünstigte durch Annahme des Geldes konkludent annehmen (vgl. BGH, Urteil vom 21.05.2008 – IV ZR 238/06, NJW 2008, 2702 [2703 Rn. 21 f.]; BGH, Urteil vom 30.10.1974 – IV ZR 172/73, NJW 1975, 382 [383]; OLG Koblenz, Hinweisbeschluss vom 03.12.2019 – 1 U 1594/19, r+s 2020, 416 [416 Rn. 18]; OLG Saarbrücken, Urteil vom 17.05.2017 – 5 U 35/16, NJW-RR 2018, 35 [36 Rn. 19]; Schneider, in: Prölss/Martin, Versicherungsvertragsgesetz, 31. Auflage 2021, VVG § 159 Rn. 29; Muscheler, WM 1994, 921 [922]). Darauf kommt es hier jedoch nicht an. Randnummer 38
zwischen dem Versicherungsnehmer und dem Begünstigten kann bei der Einräumung einer widerruflichen Bezugsberechtigung (§ 159 Abs. 2 VVG) auch schon zu Lebzeiten des Versicherungsnehmers zustande kommen (vgl. OLG Saarbrücken, Urteil vom 14.06.2017 – 5 U 23/17, VersR 2018, 538 [539]; Gottwald, in: Münchener Kommentar zum
, Band III, 9. Auflage 2022,
8; Schneider, in: Prölss/Martin, Versicherungsvertragsgesetz, 31. Auflage 2021, VVG § 159 Rn. 28; Chiusi, in: Staudinger, Neubearbeitung 2021,
P 196 [1996], 313 [385]; Bredemeyer, ZEV 2010, 288 [292]; Hoenicke, r+s 2020, 417 [417]; Dallwig, r+s 2021, 1 [3]). So liegt der Fall hier. Die Beklagte und der Erblasser haben bereits zu Lebzeiten des Erblassers einen Schenkungsvertrag (§ 518
) über die Versicherungsleistung geschlossen. Randnummer 39 (a) Von dem konkludenten Abschluss eines Schenkungsvertrages ist regelmäßig auszugehen, wenn der Versicherungsnehmer den Dritten über die Bestellung eines Bezugsrechts zu dessen Gunsten informiert hat (vgl. OLG Saarbrücken, Urteil vom 14.06.2017 – 5 U 23/17, VersR 2018, 538 [539]; Gottwald, in: Münchener Kommentar zum
, Band III, 9. Auflage 2022,
8; Chiusi, in: Staudinger, Neubearbeitung 2021,
P 196 [1996], 313 [385]; Bredemeyer, ZEV 2010, 288 [292]; Hoenicke, r+s 2020, 417 [417]). Durch die Erklärung über die Einräumung des Bezugsrechts unterbreitet der Versicherungsnehmer dem Dritten gemäß §§ 133, 157
konkludent ein Schenkungsangebot (vgl. OLG Saarbrücken, Urteil vom 14.06.2017 – 5 U 23/17, VersR 2018, 538 [539]; Chiusi, in: Staudinger, Neubearbeitung 2021,
38; Schneider, in: Prölss/Martin, Versicherungsvertragsgesetz, 31. Auflage 2021, VVG § 159 Rn. 28). Der Dritte erklärt sodann durch schlüssiges Verhalten, dass er das Versprechen des Versicherungsnehmers annehme, wobei der Zugang der Annahme regelmäßig gemäß § 151 Satz 1
entbehrlich ist (vgl. OLG Saarbrücken, Urteil vom 14.06.2017 – 5 U 23/17, VersR 2018, 538 [539]; Schneider, in: Prölss/Martin, Versicherungsvertragsgesetz,
P 196 [1996], 313 [385]; Hoenicke, r+s 2020, 417 [417]). Randnummer 40 Entgegen der Rechtsansicht der Klägerin steht dem Abschluss eines konkludenten Schenkungsvertrages nicht entgegen, dass der Erblasser der Beklagten lediglich eine widerrufliche Bezugsberechtigung nach § 159 Abs. 2 VVG eingeräumt hat. Zwar möchte sich der Versicherungsnehmer, der einen Bezugsberechtigten nur widerruflich im Sinne von § 159 Abs. 2 VVG einsetzt, ein jederzeitiges einseitiges Abänderungsrecht vorbehalten. Mit diesem Interesse wäre es nicht vereinbar, im Valutaverhältnis einen bereits zu Lebzeiten verbindlichen – also gemäß § 518 Abs. 1 Satz 1
notariell beurkundeten – Schenkungsvertrag abzuschließen (vgl. Dallwig, r+s 2021, 1 [3]). Formunwirksam kann ein Schenkungsvertrag jedoch auch schon zu Lebzeiten des Versicherungsnehmers ausdrücklich oder konkludent geschlossen werden, ohne dass der Versicherungsnehmer hierdurch einen Nachteil erleidet (vgl. Dallwig, r+s 2021, 1 [3]; Bredemeyer, ZEV 2010, 288 [292]). Denn bis zum Tod des Versicherungsnehmers, mit dem der Versicherungsfall (§ 159 Abs. 2 VVG) eintritt und die Schenkung vollzogen wird, ist der Schenkungsvertrag nach §§ 518 Abs. 1 Satz 1, 125 Satz 1
formnichtig. Der Versicherungsnehmer kann zu Lebzeiten jederzeit einseitig den Anspruchserwerb verhindern, indem er das Bezugsrecht widerruft (vgl. Bredemeyer, ZEV 2010, 288 [292]). Randnummer 41 (
geheilt worden. Bis zum Tod des Erblassers ist der Schenkungsvertrag nach §§ 518 Abs. 1 Satz 1, 125 Satz 1
formnichtig gewesen, da er entgegen § 518 Abs. 1 Satz 1
nicht notariell beurkundet wurde. Der Formmangel ist jedoch im Zeitpunkt des Erbfalls nach § 518 Abs. 2
durch Bewirken der versprochenen Leistung geheilt worden. Mit dem Eintritt des Versicherungsfalles (§ 159 Abs. 2 VVG), dem Tod des Erblassers, hat die Beklagte den Anspruch aus dem Vertrag zugunsten Dritter (§§ 328, 331 Abs. 1
) auf den Todesfall im Wege des „Von-Selbst-Erwerbs“ erlangt (vgl. BGH, Urteil vom 30.01.2018 – X ZR 119/15, NJW-RR 2018, 518 [520 Rn. 17]; BGH, Urteil vom 28.04.2010 – IV ZR 73/08, NJW 2010, 3232 [3234 Rn. 20] = BGHZ 185, 252; BGH, Urteil vom 10.05.1989 – IV a ZR 66/88, NJW-RR 1989, 1282 [1282]; BGH, Urteil vom 05.03.1986 – IVa ZR 141/84, NJW 1986, 2107 [2108]; BGH, Urteil vom 19.10.1983 – IVa ZR 71/82, NJW 1984, 480 [481] = BGHZ 91, 288; BGH, Urteil vom 14.07.1976 – IV ZR 123/75, juris Rn. 9 = WM 1976, 1130; BGH, Urteil vom 29.01.1964 – V ZR 209/61, NJW 1964, 1124 [1125] = BGHZ 41, 95; OLG Dresden, Urteil vom 01.07.2021 – 8 U 276/21, NJW-RR 2021, 1573 [1574 Rn. 22]; OLG Düsseldorf, Urteil vom 31.05.1996 – 22 U 236/95, NJW-RR 1996, 1329 [1330]; OLG Köln, Urteil vom 31.05.1995 – 2 U 181/94, NJW-RR 1995, 1224 [1224]; OLG Koblenz, Urteil vom 22.12.1994 – 5 U 854/94, NJW-RR 1995, 1074 [1074]; OLG Stuttgart, Urteil vom 23.03.1990 – 2 U 170/89, NJW-RR 1990, 924 [925]; Gottwald, in: Münchener Kommentar zum
, Band III, 9. Auflage 2022,
8; Koch, in: Münchener Kommentar zum
, Band IV, 8. Auflage 2019,
17, 27; Grüneberg, in: Grüneberg, Bürgerliches Gesetzbuch, 83. Auflage 2024,
5; Chiusi, in: Staudinger, Neubearbeitung 2021,
38; Schneider, in: Prölss/Martin, Versicherungsvertragsgesetz, 31. Auflage 2021, VVG § 159 Rn. 28; Bredemeyer, ZEV 2010, 288 [289, 291]; Dallwig, r+s 2021, 1 [3]; Fuchs, AcP 196 [1996], 313 [385]). Randnummer 45
noch nicht den konkludenten Widerruf eines Schenkungsangebots des Erblassers gegenüber der Bezugsberechtigten (entgegen OLG Koblenz, Hinweisbeschluss vom 03.12.2019 – 1 U 1594/19, r+s 2020, 416 [416 Ls. 2, 417 Rn. 31]). Eine andere Sichtweise liefe auf eine bloße Fiktion hinaus. Randnummer 47 (b) Jedenfalls wäre ein am 26.04.2023 durch die Klägerin erklärter Widerruf des Schenkungsangebots rechtlich folgenlos geblieben. Gleiches gilt für den am 14.06.2023 und erneut am 12.07.2023 ausdrücklich erklärten Widerruf des Schenkungsangebots. Denn nach dem Erbfall steht der Erbin von vornherein kein Widerrufsrecht zu, wenn der Schenkungsvertrag – wie hier – bereits zu Lebzeiten des Erblassers zustande gekommen ist. Mit dem Tod des Erblassers ist der Versicherungsfall (§ 159 Abs. 2 VVG) eingetreten und der Schenkungsvertrag durch Vollzug der Schenkung nach § 518 Abs. 2
formwirksam geworden (vgl. Schneider, in: Prölss/Martin, Versicherungsvertragsgesetz, 31. Auflage 2021, VVG § 159 Rn. 28). Randnummer 48
ergeben. Im Rahmen einer Rechtsbeziehung trifft den Schuldner nach Treu und Glauben ausnahmsweise eine Auskunftspflicht, wenn der Berechtigte in entschuldbarer Weise über Bestehen und Umfang seines Rechts im Ungewissen ist, er sich die zur Beseitigung der Ungewissheit erforderliche Auskunft nicht auf zumutbare Weise selbst beschaffen kann und der Verpflichtete die Auskunft unschwer zu geben vermag. Die Zubilligung des Auskunftsanspruchs hat unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände des Einzelfalls und unter Wahrung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit zu erfolgen (vgl. BGH, Urteil vom 28.10.1953 – II ZR 149/52, NJW 1954, 70 [71] = BGHZ 10, 385; BGH, Urteil vom 06.02.1962 – VI ZR 193/61, NJW 1962, 731 [731]; BGH, Urteil vom 20.01.1971 – VIII ZR 251/69, NJW 1971, 656 [656] = BGHZ 55, 201; BGH, Urteil vom 13.06.1985 – I ZR 35/83, NJW 1986, 1247 [1247] = BGHZ 95, 285; BGH, Urteil vom 17.05.2001 – I ZR 291/98, GRUR 2001, 841 [842] = BGHZ 148, 26; BGH, Urteil vom 05.11.2002 – IX ZR 381/01, NJW 2003, 582 [584 f.] = BGHZ 152, 307; BGH, Urteil vom 26.06.2013 – IV ZR 39/10, VersR 2013, 1381 [1383 Rn. 24]; BGH, Urteil vom 11.02.2015 – IV ZR 213/14, NJW 2015, 2809 [2811 f. Rn. 24] = BGHZ 204, 172; BGH, Urteil vom 02.12.2015 – IV ZR 28/15, NJW 2016, 708 [710 Rn. 15]; BGH, Urteil vom 27.09.2023 – IV ZR 177/22, NJW 2023, 3490 [3492 Rn. 30]; Krüger, in: Münchener Kommentar zum
, Band II, 9. Auflage 2022,
12; Grüneberg, in: Grüneberg, Bürgerliches Gesetzbuch, 83. Auflage 2024,
4). Randnummer 50 bb) Diese Voraussetzungen liegen hier nicht vor. Die Klägerin ist nicht über Bestehen oder Umfang eines Rechts im Ungewissen. Sie hat gegen die Beklagte keinen Anspruch auf Zahlung der an die Beklagte ausgezahlten Lebensversicherungsleistung der ... aus dem Versicherungsvertrag .... Ein solcher Anspruch ergibt sich weder aus Leistungskondiktion gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1
noch aus Nichtleistungskondiktion gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2
. Randnummer 51
. Nach dieser Vorschrift ist, wer durch Leistung eines anderen etwas ohne rechtlichen Grund erlangt, ihm zur Herausgabe verpflichtet. Leistung ist jede bewusste und zweckgerichtete Vermehrung fremden Vermögens (vgl. BGH, Urteil vom 31.10.1963 – VII ZR 285/61, NJW 1964, 399 [399] = BGHZ 40, 272; BGH, Urteil vom 27.02.2007 – XI ZR 56/06, NJW 2007, 3127 [3130 Rn. 35]; Sprau, in: Grüneberg, Bürgerliches Gesetzbuch, 83. Auflage 2024,
14). Randnummer 52 Diese Voraussetzungen liegen hier nicht vor. Die Beklagte hat die Lebensversicherungsleistung nicht durch Leistung der Klägerin erlangt. Die Klägerin hat das Vermögen der Beklagten nicht bewusst und zweckgerichtet vermehrt. Vielmehr hat die ... die Versicherungsleistung im eigenen Namen und ohne Wissen und Willen der Klägerin an die Beklagte ausgezahlt. Randnummer 53
. Nach dieser Vorschrift ist, wer in sonstiger Weise auf Kosten eines anderen etwas ohne rechtlichen Grund erlangt, ihm zur Herausgabe verpflichtet. „In sonstiger Weise“ im Sinne des § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2
ist die Bereicherung erlangt, wenn die Vermögensverschiebung nicht auf einer Leistung an den Empfänger beruht (vgl. Sprau, in: Grüneberg, Bürgerliches Gesetzbuch, 83. Auflage 2024,
36). Wegen des Vorrangs der Leistungskondiktion bzw. der Subsidiarität der Nichtleistungskondiktion ist stets das Fehlen einer Leistung erforderlich (vgl. BGH, Urteil vom 31.10.1963 – VII ZR 285/61, NJW 1964, 399 [400] = BGHZ 40, 272; BGH, Urteil vom 27.02.2007 – XI ZR 56/06, NJW 2007, 3127 [3130 Rn. 34]; Sprau, in: Grüneberg, Bürgerliches Gesetzbuch, 83. Auflage 2024,
7, 39). Randnummer 54 Diese Voraussetzungen sind hier nicht erfüllt. Die Vermögensverschiebung ist nicht „in sonstiger Weise“ im Sinne des § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2
erfolgt. Der Rückgriff auf die Nichtleistungskondiktion ist aufgrund des Vorrangs der Leistungskondiktion gesperrt. Denn die Beklagte hat die streitgegenständliche Lebensversicherungsleistung durch eine Leistung der ... erlangt. Die ... hat das Vermögen der Beklagten bewusst und zweckgerichtet gemehrt, indem sie die Versicherungsleistung zur Erfüllung (§ 362 Abs. 1
) ihrer Schuld aus dem Versicherungsvertrag gemäß § 159 Abs. 2 VVG an die Beklagte als Bezugsberechtigte ausgezahlt hat. Ob die Zahlung der ... an die Beklagte mit einem Rechtsgrund in Gestalt eines wirksamen Schenkungsvertrages (§ 518
) erfolgte, was aufgrund der Ausführungen unter I. 2.
noch aus Nichtleistungskondiktion gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2
. Zur Vermeidung von Wiederholungen wird auf die Ausführungen unter I. 2. b) verwiesen. Randnummer 56 d) Die auf § 291
gestützte Zinsforderung teilt das Schicksal der Hauptforderung. II. Randnummer 57
. Infolge der Hinterlegung (§ 372 S. 2
) hat die Klägerin die Stellung als Hinterlegungsbeteiligte im Sinne des § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2
in sonstiger Weise auf Kosten der Beklagten ohne rechtlichen Grund erlangt. Die streitgegenständliche Versicherungsleistung steht der Beklagten als Bezugsberechtigter (§§ 328, 331 Abs. 1
, § 159 Abs. 2 VVG) zu, da im Valutaverhältnis zwischen der Beklagten und dem Erblasser ein wirksamer Schenkungsvertrag (§ 518
) über die Versicherungsleistung zustande gekommen ist. Zur Vermeidung von Wiederholungen wird auf die Ausführungen unter I. 2. a) verwiesen. III. Randnummer 61 Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO i.V.m. § 45 Abs. 1 Satz 3 GKG. Randnummer 62 Die Entscheidung zur vorläufigen Vollstreckbarkeit beruht auf § 709 Satz 1 ZPO. Permalink Diesen Link können Sie kopieren und verwenden, wenn Sie genau dieses Dokument verlinken möchten: https://www.gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de/perma?d=NJRE001590261
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