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SG Dessau-Roßlau 5. Kammer S 5 SB 216/11 Gerichtsbescheid Schwerbehindertenrecht: Zuerkennung des Merkzeichens „G" und „B" bei einer Bewegungseinschrä

Schwerbehindertenrecht: Zuerkennung des Merkzeichens „G" und „B" bei einer Bewegungseinschränkung eines Kindes wegen Taubheit; Voraussetzung des Entzugs eines zuerkannten Merkzeichens bei Erlangung der Volljährigkeit Orientierungssatz Wurden bei einem an Taubheit leidenden Kleinkind (hier: im

  1. Lebensjahr) die Merkzeichen „G“ und „B“ wegen Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr festgestellt, da eine altersbedingte und durch die Behinderung verstärkte Orientierungslosigkeit festzustellen war, so ist mit Eintritt des Betroffenen in das Erwachsenenalter jedenfalls dann eine Änderung der Verhältnisse in Bezug auf die Bewegungseinschränkung festzustellen, wenn neben der Taubheit keine besonderen gesundheitlichen Umstände vorliegen, die weiterhin die Annahme einer erheblichen Störungen der Ausgleichsfunktion begründen können (z.B. Sehbehinderung, geistige Behinderung). Allein bezogen auf die Taubheit begründet dann die Änderung der Verhältnisse eine Aufhebung der zuerkannten Merkzeichen. (Rn.25) Verfahrensgang nachgehend Landessozialgericht Sachsen-Anhalt
  2. Senat,
  3. Februar 2014, L 7 SB 72/12, Urteil Tenor Die Klage wird abgewiesen. Kosten sind nicht zu erstatten. Gründe l. Randnummer 1 Strittig ist, ob die Entziehung der Merkzeichen „G" und „B" mit Wirkung ab
  4. Juli 2011 zu Recht erfolgte. Randnummer 2 Für den 1992 geborenen Kläger wurde erstmals am
  5. Oktober 1994 ein Antrag gestellt nach dem Schwerbehindertengesetz (SchwbG). Randnummer 3 Mit dem Bescheid vom
  6. Januar 1995 stellte der Beklagte einen Grad der Behinderung (GdB) von 100 fest und bezeichnete als Behinderung: Ertaubung beiderseits. Randnummer 4 Zuerkannt wurden die Merkzeichen „B", „H" und „RF“. Randnummer 5 Nach einer erneuten Überprüfung wurde mit dem Bescheid vom
  7. März 2002 der Bescheid vom
  8. Januar 1995 aufgehoben. Es wurde weiterhin ein GdB von 100 festgestellt. Festgestellt wurden weiterhin die Merkzeichen „G", „B", „H" „RF“ und das Merkzeichen „CL" ab
  9. Juli
  10. Randnummer 6 Am
  11. Juli 2010 wurde ein Antrag gestellt auf Feststellung weiterer Behinderungen. Es bestehe hier zudem eine chronische Niereninsuffizienz Stadium Il und ein Bluthochdruck. Beigezogen wurde ein Bericht des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation 'Om
  12. März
  13. Übersandt wurde der Berufsausbildungsvertrag über die Ausbildung im Ausbildungsberuf Zerspanungsmechaniker bei der GmbH. Randnummer 7 Mit dem Schreiben vom
  14. März 2011 teilte der Beklagte mit, es sei beabsichtigt, die Merkzeichen „G" und „B" zu entziehen. Nach dem inzwischen abgeschlossenen Besuch der Gehörlosenschule und der dadurch vermittelten Orientierungsfähigkeit seien die Voraussetzungen für die Feststellung der Merkzeichen „G" und „B" nicht länger gegeben. Randnummer 8 Mit dem Bescheid vom
  15. Juni 2011 hob der Beklagte den Bescheid vom
  16. Januar 1995 auf und entzog mit Wirkung ab
  17. Juli 2011 die Merkzeichen „G" und „B". Als Funktionsbeeinträchtigung bezeichnete der Beklagte: Randnummer 9 Ertaubung beiderseits nach Hirnhautentzündung, Versorgung mit Cochlearimplantaten. Randnummer 10 Die Merkzeichen „H", „RF“, und „GL" bleiben weiter bestehen. Randnummer 11 Mit dem Schreiben vom
  18. Juli 201 1 wurde Widerspruch eingelegt. Es bestehe weiterhin die Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr und damit auch die Notwendigkeit einer Begleitperson. Die Voraussetzungen für die Merkzeichen „G" und „B" seinen weiterhin gegeben. Zudem sei es unzutreffend, dass er eine Gehörlosenschule besucht habe. Randnummer 12 Mit dem Widerspruchsbescheid vom
  19. November 2011 wies der Beklagte den Widerspruch zurück. Die Voraussetzungen für die Anerkennung der Merkzeichen „G" und „B" liegen nicht mehr vor. Im Erwachsenenalter sei das Merkzeichen „G" zuerkennen, wenn bei Hörstörungen (Taubheit oder an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit) in Kombination erhebliche Störungen der Ausgleichsfunktion (zum Beispiel Sehbehinderung, geistige Behinderung) gegeben sind. Derartige Einschränkungen sind indes nicht gegeben, zudem werde nunmehr eine Berufsausbildung absolviert. Auch das Erreichen eines bestimmten Alters stelle eine Änderung in rechtlicher Hinsicht im Sinne des § 48 Sozialgesetzbuch Zehntes Buch (SGB X) dar. Im Erwachsenenalter sei das Merkzeichen „G" anzuerkennen, wenn bei Hörstörungen (Taubheit oder an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit) in Kombination erhebliche Störungen der Ausgleichfunktion (z.B. Sehbehinderung, geistige Behinderung) gegeben sind. Derartige Einschränkungen seien bei dem nunmehr 19 jährigen Kläger nicht ersichtlich. Randnummer 13 Am
  20. Dezember 201 1 wurde Klage erhoben. Der Beklagte gehe von einem falschen Sachverhalt aus. Er habe entgegen der Annahme des Beklagten keine Gehörlosenschule besucht. Bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel könne er zum Beispiel Durchsagen wegen Fahrplanänderungen bzw. Gleisänderungen sowie Ansagen der Haltepunkte weiterhin nicht wahrnehmen, so dass die Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr fortbestehe und damit auch die Notwendigkeit einer Begleitperson gegeben ist. Er absolviere nunmehr seit dem
  21. August 2010 (bis
  22. Februar 2014) eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker Fachrichtung Drehtechnik in der Berufsbildendenschule des Berufsbildungswerkes für Hör- und Sprachgeschädigte. Randnummer 14 Der Kläger beantragt, Randnummer 15 den Bescheid des Beklagten vom
  23. Juni 2011 in der Fassung des Widerspruchsbescheides vom
  24. November 2011 aufzuheben. Randnummer 16 Die Beklagte beantragt, die Klage abzuweisen. Randnummer 17 Zur Begründung verweist er auf die Ausführung in dem Widerspruchsbescheid. Randnummer 18 Beigezogen wurde ein Befundbericht der Kinderärztin Dipl. Med. vom
  25. Februar
  26. Randnummer 19 Wegen der weiteren Einzelheiten wird verwiesen auf den Inhalt der Gerichtsakte sowie der beigezogenen Verwaltungsakte des Beklagten. Diese waren Gegenstand der Entscheidungsfindung. Il. Randnummer 20 Der Rechtsstreit konnte gemäß § 105 Sozialgerichtsgesetz (SGG) durch Gerichtsbescheid entschieden werden. Randnummer 21 Die Klage ist zulässig, jedoch unbegründet. Randnummer 22 Die Klage ist unbegründet, da der Bescheid des Beklagten vom
  27. Juni 2011 in der Fassung des Widerspruchsbescheides vom
  28. November 2011 sich als rechtmäßig erweist und den Kläger nicht in seinen Rechten verletzt (§54 Abs. 2 des Sozialgerichtsgesetzes - SGG). Der Beklagte hat zu Recht den Bescheid vom
  29. Januar 1995 aufgehoben und die Merkzeichen „G" und „B" mit Wirkung ab
  30. Juli 2011 entzogen. Zu Recht hat der Beklagte mit dem auf § 48 Abs. 1 Satz 1 Zehntes Buch Sozialgesetzbuch — Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz (SGB X) gestützten Bescheid vom
  31. Juni 2011 die frühere Feststellung der gesundheitlichen Voraussetzungen für die Merkzeichen „G „ und „B „ mit Wirkung für die Zukunft aufgehoben und festgestellt, dass ein Anspruch auf diese Merkzeichen nicht mehr besteht. Randnummer 23 Gegenstand des Rechtsstreits ist eine isolierte Anfechtungsklage gemäß § 54 Abs. 1 SGG gegen einen belastenden Verwaltungsakt. Dabei ist maßgeblicher Zeitpunkt für die Beurteilung der Rechtmäßigkeit der angegriffenen Bescheide der Erlass des Widerspruchsbescheides am
  32. November 201 1 und damit die Sach- und Rechtslage zu diesem Zeitpunkt (vgl. BSG, Urteil vom
  33. September 2003, B 9 SB 6/02 R, zitiert nach juris). Maßgeblicher Zeitpunkt für die Beurteilung der Rechtmäßigkeit der angegriffenen Bescheide ist der Erlass des Widerspruchsbescheides am
  34. November
  35. Zutreffend ist der Beklagte zu diesem Zeitpunkt von einer wesentlichen Änderung der Verhältnisse ausgegangen. Randnummer 24 Die angefochtenen Bescheide sind formell rechtmäßig. Insbesondere ist die nach § 24 des Zehnten Buchs des Sozialgesetzbuchs - Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz (SGB X) erforderliche Anhörung zu einer beabsichtigten Entziehung der Merkzeichen mit Schreiben vom
  36. März 2011 erfolgt. Materielle Rechtsgrundlage ist § 48 Abs. Satz 1 SGB X. Randnummer 25 Danach ist ein Verwaltungsakt mit Dauerwirkung für die Zukunft aufzuheben, soweit in den tatsächlichen oder rechtlichen Verhältnissen, die bei seinem Erlass vorgelegen haben, eine wesentliche Änderung eintritt. Verwaltungsakt mit Dauerwirkung in diesem Sinne ist der Bescheid vom 31 . Januar 1995, mit dem der Beklagte einen GdB von 100 festgestellt sowie die Merkzeichen „G". „B", „H" und „RF“ zuerkannt hat. Randnummer 26 Der nach § 48 Abs. 1 Satz 1 SGB X maßgebliche Vergleichsbescheid ist derjenige, in dem über die Voraussetzungen, hinsichtlich derer eine wesentliche Änderung eingetreten sein soll, letztmals entschieden wurde (vgl. Steinwedel in Kasseler Kommentar, Stand Juli 2009, § 48 SGB X, Rn. 16), hier also der Bescheid vom
  37. Januar
  38. Mit diesem Bescheid wurden die Merkzeichen „G". „B", „H" und „RF“ bei dem damals zweieinhalb-jährigen Kinde festgestellt. Randnummer 27 Zu vergleichen sind daher die Verhältnisse des Klägers, die dem Verwaltungsakt vom
  39. Januar 1995 zugrunde lagen, mit den Verhältnissen bei Erlass des Aufhebungsbescheids am
  40. Juni 2011 in der Gestalt des Widerspruchsbescheides vom
  41. November
  42. Dieser Vergleich ergibt eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen dahingehend, dass der Kläger nunmehr im Jahre 2010 volljährig geworden ist. Randnummer 28 Der Beklagte weist zutreffend darauf hin, dass nach Vollendung des
  43. Lebensjahres das Merkzeichen „G" nicht mehr anzuerkennen sind. Eine Anerkennung wäre bei der vorliegenden Taubheit des Klägers nur zu gewähren in Kombination mit erheblichen Störungen der Ausgleichfunktion (z.B. Sehbehinderung, geistige Behinderung). Derartige Einschränkungen sind bei dem nunmehr 19 jährigen Kläger nicht ersichtlich. Randnummer 29 Da beim Kläger die gesundheitlichen Voraussetzungen für das Merkzeichen „G „ nicht mehr vorliegen, ist auch die Notwendigkeit ständiger Begleitung (Merkzeichen B) nicht mehr gegeben. Randnummer 30 Die Kostenentscheidung beruht auf § 193 SGG.

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KI-Erklärung auf Basis des amtlichen Gesetzestextes. Orientierend, ersetzt keine Rechtsberatung.