JURE149014773 BPatG München 29. Senat 20140520 29 W (pat) 121/11 Beschluss § 8 Abs 2 Nr 1 MarkenG DEU Bundesrepublik Deutschland Markenbeschwerdeverfahren – "der-Alltagshelfer Wir helfen, wo wir können. (Wort-Bild-Marke)" – keine Unterscheidungskraft In der Beschwerdesache … betreffend die Markenanmeldung 30 2010 032 875.4 hat der 29. Senat (Marken-Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts im schriftlichen Verfahren am 20. Mai 2014 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Mittenberger-Huber, die Richterin Uhlmann und die Richterin kraft Auftrags Akintche beschlossen: Die Beschwerde wird zurückgewiesen. I. 1 Das Wort-/Bildzeichen (orange, schwarz) Abbildung in Originalgröße in neuem Fenster öffnen 2 ist am 5. Mai 2010 zur Eintragung als Marke in das beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) geführte Register für Dienstleistungen aus den Klassen 35, 39, 41, 44 und 45 angemeldet worden. Das Dienstleistungsverzeichnis lautet zuletzt wie folgt: 3 Klasse 35: 4 organisatorische Planung und Organisationsberatung von personenbezogenen Dienstleistungen; Vermittlung von Verträgen für Dritte, über die Erbringung von Dienstleistungen; Geschäftsführung; Büroarbeiten; Öffentlichkeitsarbeit; Werbung; Merchandising; Marketing; Vermittlung von Fachleuten; Personalvermittlung, Expertenvermittlung (Personalvermittlung); Abrechnung von Dienstleistungen (Büroarbeiten); Beschaffungsdienstleistungen für Dritte, insbesondere Erwerb von Waren und Dienstleistungen für andere Unternehmen; organisatorische Planung, Organisationsberatung und Unternehmensberatung mit dem Ziel der Qualitätssicherung, insbesondere in den Bereichen Verwaltung, Betriebswirtschaft, Qualitätsmanagement, Personal, Fort- und Weiterbildung, Pflege, Hauswirtschaft, Technik; Marketing und Öffentlichkeitsarbeit; 5 Klasse 44: 6 Dienstleistungen im Bereich der Land-, Garten- oder Forstwirtschaft, Grünanlagenpflege im häuslichen Bereich (Hausmeisterdienste) sowie Auskünfte über Beratungsdienstleistungen in diesen Bereichen, Gartenarbeiten, Gartenbauarbeiten, Dienstleistungen eines Gartenbauarchitekten, Dienstleistungen eines Landschaftsarchitekten, Rasenpflege, Schädlings- und Ungeziefervernichtung für landwirtschaftliche Zwecke; medizinische Dienstleistungen für Mensch und Tier; medizinische Beratung; Gesund- heits-, Schönheits-, Kranken- und Altenpflege für Menschen und Tiere; ambulante Pflegedienstleistungen sowie Beratungsdienstleistungen in diesen Bereichen; physiotherapeutische Behandlungen, Durchführung von Massagen, Dienstleistungen eines Visagisten oder Kosmetikers; 7 Klasse 45: 8 von Dritten erbrachte persönliche und soziale Dienstleistungen betreffend individuelle Bedürfnisse sowie diesbezügliche Beratung, insbesondere Unterstützung in der Haushalts- und Lebensführung (Einkaufshilfe, Behördengänge für Dritte); Hüten von Haustieren; Vermittlung von Bekanntschaften; Sicherheits-Begleitung von Dritten; Sicherheitsdienstleistungen zum Schutz von Sachwerten oder Personen, insbesondere Kontrollen zu Sicherheitszwecken, nächtlicher Wachdienst. 9 Mit Beschlüssen vom 10. August 2011 und 8. November 2011, von denen letzterer im Erinnerungsverfahren ergangen ist, hat die Markenstelle für Klasse 35 des DPMA die Anmeldung gemäß §§ 37 Abs. 1, 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG wegen fehlender Unterscheidungskraft zurückgewiesen. Zur Begründung hat sie ausgeführt, das Zeichen setze sich sprach- und werbeüblich aus beschreibenden Bestandteilen zusammen. Die grafisch herausgestellten Begriffe „der-Alltagshelfer“, die auch durch den Bindestrich keine schutzbegründende Bedeutung erlangten, wiesen auf eine Person hin, die im Alltag unterstützend tätig werde bzw. eingreife und dadurch den Alltag erleichtere. Der wesentlich kleiner gestaltete Satz „Wir helfen, wo wir können“ weise in Form eines Slogans darauf hin, dass in jeder Situation und Lage versucht werde, zu helfen. Auch die bildliche Ausgestaltung des Zeichens vermöge die Eintragungsfähigkeit nicht zu begründen, da es sich bei den Gestaltungselementen auch in der Kombination um einfache, absolut werbeübliche Aufmachungen handle. 10 Hiergegen richtet sich die Beschwerde der Anmelder, mit der sie sinngemäß beantragen, 11 die Beschlüsse der Markenstelle für Klasse 35 des DPMA vom 10. August 2011 und 8. November 2011 aufzuheben. 12 Die Beschwerdeführer sind der Auffassung, die Besonderheit des Anmeldezeichens liege darin, dass der Artikel „der“ und das Substantiv „Alltagshelfer“ mit einem Bindestrich verbunden sind. Dies sei verkehrs- und sprachunüblich und führe daher zu einer besonderen Aufmerksamkeit und Kennzeichnungskraft beim Verkehr. Hinzu komme die etikettenartige Aufmachung. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte sowie der Gesamtheit des Anmeldezeichens, so wie es sich darstelle, werde das Wort-/Bildzeichen vom Verkehr als Marke mit Hinweischarakter auf ein Unternehmen verstanden. 13 Den hilfsweise gestellten Antrag auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung haben die Beschwerdeführer mit Schriftsatz vom 20. Juni 2012 (Bl. 20 d.A.) wieder zurückgenommen. 14 Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf den Akteninhalt Bezug genommen. II. 15 Die zulässige Beschwerde hat in der Sache keinen Erfolg. 16 Der Eintragung des angemeldeten Wort-/Bildzeichens als Marke gemäß §§ 33 Abs. 2, 41 MarkenG steht hinsichtlich der beanspruchten Dienstleistungen das absolute Schutzhindernis der fehlenden Unterscheidungskraft gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG entgegen. Die Markenstelle hat der angemeldeten Bezeichnung daher zu Recht die Eintragung versagt. 17 1. Unterscheidungskraft im Sinne des § 8 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG ist die einer Marke innewohnende (konkrete) Eignung, vom Verkehr als Unterscheidungsmittel aufgefasst zu werden, das die in Rede stehenden Waren und Dienstleistungen als von einem bestimmten Unternehmen stammend kennzeichnet und diese Waren oder Dienstleistungen somit von denjenigen anderer Unternehmen unterscheidet (EuGH, GRUR Int. 2012, 914, Rdnr. 23 – Smart/HABM [WIR MACHEN DAS BESONDERE EINFACH]; GRUR 2010, 228, Rdnr. 33 – Audi AG/ HABM [Vorsprung durch Technik]; BGH, GRUR 2013, 731, Rdnr. 11 – Kaleido; BGH, GRUR 2012, 1143, Rdnr. 7 – Starsat; GRUR 2012, 270, Rdnr. 8 – Link economy). Denn die Hauptfunktion der Marke besteht darin, die Ursprungsidentität der gekennzeichneten Waren und Dienstleistungen zu gewährleisten (EuGH, a.a.O. – Audi AG/ HABM [Vorsprung durch Technik]; BGH, GRUR 2009, 949, Rdnr. 10 - My World; GRUR 2008, 710, Rdnr. 12 - VISAGE). Da allein das Fehlen jeglicher Unterscheidungskraft ein Eintragungshindernis begründet, ist ein großzügiger Maßstab anzulegen, so dass jede auch noch so geringe Unterscheidungskraft genügt, um das Schutzhindernis zu überwinden (BGH, GRUR 2009, 778, Rdnr. 11 - Willkommen im Leben; GRUR 2009, 411, Rdnr. 8 - STREETBALL). 18 Maßgeblich für die Beurteilung der Unterscheidungskraft sind einerseits die beanspruchten Waren oder Dienstleistungen und andererseits die Auffassung der beteiligten inländischen Verkehrskreise, wobei auf die Wahrnehmung des Handels und/oder des normal informierten, angemessen aufmerksamen und verständigen Durchschnittsverbrauchers der fraglichen Waren oder Dienstleistungen abzustellen ist (EuGH, GRUR 2008, 608 Rdnr. 67 - EUROHYPO; GRUR 2006, 411, Rdnr. 24 - Matratzen Concord/Hukla; BGH, - WRP 2014, 449, Rdnr. 11 - grill meister; GRUR 2014, 483, Rdnr. 11 - test; GRUR 2010, 1100, Rdnr. 10 - TOOOR!). 19 Von diesen Grundsätzen ist auch bei der Beurteilung von (sloganartigen) Wortfolgen auszugehen, an deren Unterscheidungskraft grundsätzlich keine strengeren Anforderungen als an andere Wortmarken zu stellen sind (EuGH, a.a.O., Rdnr. 36 - Audi AG/HABM [Vorsprung durch Technik]; BGH, GRUR 2013, 522, Rdnr. 9 - Deutschlands schönste Seiten; GRUR 2012, 270 Rdnr.11 - Link economy). Von mangelnder Unterscheidungskraft ist deshalb bei einer Wortfolge lediglich bei beschreibenden Angaben oder Anpreisungen und Werbeaussagen allgemeiner Art auszugehen. Grundsätzlich nicht unterscheidungskräftig werden des Weiteren in der Regel längere Wortfolgen sein (Ströbele/Hacker, MarkenG, 10. Aufl., § 8 Rdnr. 183 m.w.N.). Indizien für die Eignung, die Waren oder Dienstleistungen eines bestimmten Anbieters von denen anderer zu unterscheiden, können dagegen Kürze, eine gewisse Originalität sowie die Prägnanz einer Wortfolge sein. Auch die Mehrdeutigkeit und Interpretationsbedürftigkeit einer Wortfolge kann einen Anhaltspunkt für eine hinreichende Unterscheidungskraft bieten. Dabei dürfen die Anforderungen an die Eigenart im Rahmen der Bewertung nicht überspannt werden. Auch einer für sich genommen eher einfachen Aussage kann nicht von vornherein die Eignung zur Produktidentifikation abgesprochen werden (vgl. EuGH, GRUR Int. 2012, 914 Rdnrn. 25 bis 30 - Smart/HABM [WIR MACHEN DAS BESONDERE EINFACH]; BGH, a.a.O. - Deutschlands schönste Seiten; GRUR 2009, 949 Rn. 12 - My World). 20 2. Diesen Anforderungen an die Unterscheidungskraft genügt das angemeldete Wort-/Bildzeichen Abbildung in Originalgröße in neuem Fenster öffnen nicht. Denn die angesprochenen inländischen Verkehrskreise werden es nur als werbeüblich gestaltete, anpreisende Sachaussage, nicht jedoch als betrieblichen Herkunftshinweis verstehen. 21
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