BGH, Beschluss vom 07.12.2023 – V ZB 66/23 – Anwendbarkeit von Vorschrift über nachträgliche Verfügungsbeschränkungen bei zunächst unvollständigem Teilungsantrag Auf den…
KORE615372024 ECLI:DE:BGH:2023:071223BVZB66.23.0 BGH 5. Zivilsenat 20231207 V ZB 66/23 Beschluss § 18 Abs 1 S 2 GBO, § 76 Abs 1 GBO, § 250 Abs 1 S 3 BauGB, § 878 BGB, § 8 Abs 1 WoEigG vorgehend KG Berlin, 17. Oktober 2023, Az: 1 W 283/23vorgehend AG Berlin-Kreuzberg, 1. Februar 2023, Az: 43 TV-6646-80nachgehend BGH, 19. September 2024, Az: V ZB 66/23, Beschluss DEU Bundesrepublik Deutschland Anwendbarkeit von Vorschrift über nachträgliche Verfügungsbeschränkungen bei zunächst unvollständigem Teilungsantrag Auf den Antrag der Beteiligten wird dem Amtsgericht Kreuzberg (Grundbuchamt) untersagt, den Antrag auf Eintragung der Teilung des im Rubrum bezeichneten Grundstücks wegen Nichterledigung von Punkt drei der Zwischenverfügung vom 1. Februar 2023 vor Entscheidung über die Rechtsbeschwerde zurückzuweisen.
I.
1 Die Beteiligte ist Eigentümerin eines bebauten Grundstücks, das sich im Geltungsbereich einer am 7. Oktober 2021 in Kraft getretenen Verordnung gemäß § 250 Abs. 1 Satz 3 BauGB, nach der die Begründung von Wohnungseigentum der Genehmigung bedarf, befindet.
2 Mit notarieller Urkunde vom 18./20. November 2020 teilte die Beteiligte das Grundstück in 51 Wohnungs- und drei Teileigentumseinheiten und bewilligte die Aufteilung. Unter dem 24. November 2020 beantragte sie den Vollzug der Teilung im Grundbuch. Mit Zwischenverfügung vom 11. Mai 2021 wies das Amtsgericht Kreuzberg - Grundbuchamt - unter Bestimmung einer Frist von einem Monat auf das Fehlen der Abgeschlossenheitsbescheinigung hin; die Frist wurde sodann um weitere drei Monate verlängert. Im Anschluss an einen weiteren - erfolglosen - Fristverlängerungsantrag wies das Grundbuchamt den Antrag auf Teilung mit Beschluss vom 22. September 2021 zurück. Dagegen wandte sich die Antragstellerin am 24. November 2021 mit einer Beschwerde und legte im Beschwerdeverfahren eine Abgeschlossenheitsbescheinigung vom 30. November 2021 vor. Das Grundbuchamt half dieser Beschwerde mit Beschluss vom 1. Februar 2023 ab, hob den Zurückweisungsbeschluss auf und erließ eine neue Zwischenverfügung, mit der unter Punkt drei auf das Erfordernis einer Genehmigung nach § 250 BauGB hingewiesen wurde.
3 Die gegen Punkt drei der Zwischenverfügung vom 1. Februar 2023 gerichtete Beschwerde der Beteiligten vom 2. Mai 2023 hat keinen Erfolg gehabt. Mit der von dem Beschwerdegericht zugelassenen Rechtsbeschwerde, über die noch nicht entschieden ist, begehrt die Beteiligte die Aufhebung der Beschwerdeentscheidung, hilfsweise die Zurückverweisung der Sache an das Beschwerdegericht. Nachdem das Grundbuchamt im Anschluss an die Beschwerdeentscheidung und nach Einlegung der Rechtsbeschwerde eine weitere Frist von zwei Monaten für die vollständige Erledigung der Zwischenverfügung vom 1. Februar 2023 gesetzt hat, begehrt die Beteiligte mit dem hier zu bescheidenden Antrag ferner, dem Grundbuchamt zu untersagen, den Antrag auf Eintragung der Teilung wegen Nichterledigung von Punkt drei der Zwischenverfügung vom 1. Februar 2023 vor Entscheidung über die Rechtsbeschwerde zurückzuweisen.
II.
4 Der entsprechend § 76 GBO statthafte (vgl. KEHE/Sternal, Grundbuchrecht, 9. Aufl., § 78 Rn. 73 mwN; s.a. Senat, Beschluss vom 21. Januar 2010 - V ZB 14/10, FGPrax 2010, 97 zu § 64 Abs. 3 FamFG) Antrag ist begründet.
5 1. Das Rechtsbeschwerdegericht hat über die beantragte einstweilige Anordnung nach pflichtgemäßem Ermessen zu entscheiden. Dabei sind die Erfolgsaussichten der zugelassenen Rechtsbeschwerde und die bei Vollziehung drohenden Nachteile für die Beteiligte gegeneinander abzuwägen. Die Untersagung der Zurückweisung eines Teilungsantrags nach Ablauf einer mittels Zwischenverfügung zur Behebung eines Hindernisses gemäß § 18 Abs. 1 Satz 2 GBO bestimmten Frist wird, nachdem die Beschwerde gegen die Zwischenverfügung keinen Erfolg hatte, regelmäßig nur in Betracht kommen, wenn die Rechtsbeschwerde Aussicht auf Erfolg hat oder die Rechtslage zumindest zweifelhaft ist (vgl. Senat, Beschluss vom 21. Januar 2010 - V ZB 14/10, FGPrax 2010, 97; Beschluss vom 31. Oktober 2007 - V ZB 114/07, WuM 2008, 95, 96).
6 2. Letzteres ist hier gegeben.
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