BGH, Urteil vom 13.12.2021 – 5 StR 115/21 – Verhängung einer Jugendstrafe wegen Schwere der Schuld: Berücksichtigung des Erziehungsgedankens bei Bemessung der Strafhöhe Auf…
KORE653182021 ECLI:DE:BGH:2021:131221U5STR115.21.0 BGH 5. Strafsenat 20211213 5 StR 115/21 Urteil § 17 Abs 2 Alt 2 JGG, § 18 Abs 2 JGG, § 25 Abs 2 StGB, § 27 StGB, § 125 Abs 1 Nr 1 Alt 2 StGB, § 125 Abs 1 Nr 2 StGB, § 306 StGB, §§ 306ff StGB vorgehend BGH, 9. Dezember 2021, Az: 5 StR 115/21, Beschlussvorgehend BGH, 25. November 2021, Az: 5 StR 115/21, Beschlussvorgehend BGH, 9. November 2021, Az: 5 StR 115/21, Beschlussvorgehend LG Hamburg, 10. Juli 2020, Az: 617 KLs 35/18 jugnachgehend BGH, 16. August 2023, Az: 5 StR 205/23, Beschlussnachgehend BGH, 21. Mai 2024, Az: 5 StR 205/23, Beschlussnachgehend BGH, 4. Juni 2024, Az: 5 StR 205/23, Urteilnachgehend LG Hamburg, 15. Januar 2025, Az: 627 KLs 16/24 jug, Urteil DEU Bundesrepublik Deutschland Verhängung einer Jugendstrafe wegen Schwere der Schuld: Berücksichtigung des Erziehungsgedankens bei Bemessung der Strafhöhe Auf die Revisionen der Staatsanwaltschaft wird das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 10. Juli 2020, soweit es die Angeklagten S. und H. betrifft, in den Rechtsfolgenaussprüchen mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.
Auf die sofortigen Beschwerden der Staatsanwaltschaft werden die Entschädigungsentscheidungen aufgehoben.
Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Rechtsmittel, an eine andere Jugendkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
I.
2 Das Landgericht hat folgende Feststellungen und Wertungen getroffen:
3 1. Die zum Tatzeitpunkt jugendlichen Angeklagten reisten Anfang Juli 2017 gemeinsam mit zwei zum Tatzeitpunkt bereits erwachsenen früheren Mitangeklagten aus F. nach H. , um an den Protesten gegen den dort stattfindenden G20-Gipfel teilzunehmen. Am Nachmittag des 6. Juli 2017 liefen sie bei der sogenannten Welcome-to-hell-Demonstration mit und waren über die Auflösung dieser Kundgebung durch die Polizei erbost. Neben ihrem generellen Willen zum politischen Protest gegen den G20-Gipfel und die Politik der G20-Staaten waren sie nunmehr durch ihre Wut auf die Polizei zusätzlich motiviert und beschlossen, am frühen Morgen des 7. Juli 2017 gemeinsam zum D. P. zu gehen. Sie hatten erfahren, dass dort der Treffpunkt für eine im Bereich der E. in H. avisierte „Protestaktion“ sein sollte. Die „Protestaktion“ sollte um 7.30 Uhr beginnen und als in Richtung Innenstadt ziehender „Schwarzer Block“ stattfinden. Allein aufgrund der Ankündigung eines „Schwarzen Blocks“ wussten die Angeklagten, dass mit dessen Aufmarsch die Bevölkerung und etwaige Polizeikräfte erheblich eingeschüchtert und die öffentliche Sicherheit beeinträchtigt werden würden. Zudem war ihnen klar, dass jedenfalls einige Teilnehmer der Protestaktion aktiv gewaltbereit sein würden und es als Mittel des „Protests“ aus dem Aufmarsch heraus auch zur Begehung von Gewalttätigkeiten gegen Sachen und gegen die Polizei kommen könnte.
4 Bereits bei der Anfahrt zum D. P. führten die Angeklagten dunkle Kleidung und Utensilien bei sich, um sich wie die anderen Teilnehmer des „Schwarzen Blocks“ zu uniformieren und zu vermummen. Am Treffpunkt angekommen, zogen sie sich um und vermummten sich. Als sich der „Schwarze Block“ in Bewegung setzte, marschierten sie relativ weit vorne, ca. 20 Meter hinter dem vorneweg getragenen Transparent mit. Aus dem Aufmarsch heraus kam es zum Anzünden von Mülltonnen als Straßenbarrikade, dem Einwerfen von Glasscheiben in Geschäftshäusern und im Rathaus A. , dem Beschmieren von Wänden mit Parolen sowie zu einer durch den Aufmarsch vermittelten Bedrohung der Anwohner.
5 Es wurden aber auch weitere Taten begangen: Während ihres Mitmarschierens wurden insgesamt 15 private Pkw angezündet, was die Angeklagten allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt bemerkten, danach aber gleichwohl im „Schwarzen Block“ weiter mitzogen (deshalb hat die Jugendkammer ihnen die erst im Anschluss von anderen Teilnehmern begangenen Brandstiftungen nur betreffend die letzten vier vor ihrem Verlassen des Aufmarsches angezündeten Fahrzeuge zugerechnet). Aus dem hinteren Teil des Aufzugs wurde ein Gelenkbus, der infolge der Straßenbarrikaden hatte anhalten müssen, angegriffen. Mit einem Kuhfuß wurden die gläserne Fahrertür und ein Rückspiegel eingeschlagen. Einige Teilnehmer des Aufmarschs trommelten gegen die Seiten des Busses, wodurch mehrere Fahrgäste in massive Angst gerieten.
Der Busfahrer tröstete diese, erlitt aber später selbst eine posttraumatische Belastungsstörung und war mehrere Monate arbeitsunfähig. Eine Passantin, die den Aufmarsch mit dem Mobiltelefon filmte, wurde lautstark aufgefordert, das zu unterlassen und das Gerät herauszugeben, was sie verweigerte. Daraufhin trat der unbekannt gebliebene Täter sie gegen das Schienbein und schubste sie. Ein unbekannter Teilnehmer des Aufmarschs warf einen 874 Gramm schweren Pflasterstein in ein Küchenfenster einer als solche auch von außen zu erkennenden Privatwohnung, wodurch zwar durch einen glücklichen Zufall niemand getroffen, der dort wohnende Mann aber in Schock versetzt wurde; seine Ehefrau musste sich in psychotherapeutische Behandlung begeben.
6 Den Angriff auf den Gelenkbus, die Passantin und das Wohnhaus hat das Landgericht den Angeklagten nicht zugerechnet, denn sie hätten, auch nachdem sie das Inbrandsetzen von Privat-Pkw mitbekommen hatten, nicht mit tätlicher Gewalt gegen Privatpersonen gerechnet und diese auch nicht gewollt. Nach dem Wurf mit dem Pflasterstein verließen die Angeklagten den Aufmarsch. Es kam danach zu weiteren Gewalttätigkeiten, unter anderem auch zu einem überraschenden tätlichen Angriff auf Polizeibeamte, bei dem mehrere Polizeifahrzeuge beschädigt wurden. Auch diese Taten hat das Landgericht den Angeklagten nicht zugerechnet.
7 Zu ihrem Vorsatz hat die Strafkammer festgestellt, sie hätten damit gerechnet, dass es während des Aufmarsches durch andere Teilnehmer wenigstens zur absichtlichen „Entglasung“ der Fenster und Türen von Büro- und Geschäftsräumen staatlich oder gewerblich genutzter Immobilien (insbesondere von Bankfilialen, Maklerbüros, Behörden und Ladengeschäften) mit erheblichen Sachschäden sowie zum absichtlichen Beschmieren von Fassaden der Büro- und Geschäftsgebäude durch andere Teilnehmer kommen würde; dies hätten die Angeklagten billigend in Kauf genommen. Zudem hätten sie jedenfalls die Androhung solcher Gewalttätigkeiten gegen staatlich und gewerblich genutztes Eigentum unterstützen wollen, um damit ihren Protest gegen den G20-Gipfel und die Politik der G20-Staaten zum Ausdruck zu bringen.
Weiter hätten sie auch damit gerechnet und dies billigend in Kauf genommen, dass sich die (privaten) Anwohner durch den insgesamt martialisch und militant wirkenden „Schwarzen Block“ in ihrem Sicherheitsgefühl hinsichtlich ihres Eigentums und sogar ihrer körperlichen Integrität bedroht fühlen würden, wobei sie Letzteres zwar nicht begrüßt, aber als „Nebenwirkung“ der Protestform des „Schwarzen Blocks“ hingenommen hätten. Zugleich hätten die Angeklagten damit gerechnet, dass sie auch die Begehung von Gewalttätigkeiten gegen Sachen durch eigenhändig handelnde Gewalttäter aus dem „Schwarzen Block“ heraus durch ihre Uniformierung und Vermummung sowie ihr Mitmarschieren und das Bieten von Rückzugsräumen in der vermummten dunkel uniformierten Menge wenigstens fördern würden, und auch dies billigend in Kauf genommen.
Gleiches gelte hinsichtlich der absichtlichen Errichtung von brennenden Straßenbarrikaden (etwa durch Inbrandsetzung von Mülltonnen) durch andere Teilnehmer. Dabei seien die Angeklagten davon ausgegangen, durch die brennenden Straßenbarrikaden einerseits ein Eingreifen der Polizei zu erschweren und andererseits den Verkehrsfluss der Gipfelteilnehmer in Richtung Innenstadt zu behindern. Schließlich hätten die Angeklagten bei einem - sei es auch zufälligen - Aufeinandertreffen eine gewalttätige Auseinandersetzung des „Schwarzen Blocks“ mit der Polizei für möglich gehalten und eine solche billigend in Kauf genommen, auch wenn es dabei durch das Bewerfen etwa mit Steinen und Flaschen zu erheblichen Verletzungen bei den Polizeibeamten kommen würde; diesbezüglich hatten sie bedingten Förderungsvorsatz.
8 Die Angeklagten hätten zwar die von ihnen vorausgesehenen Gewalttätigkeiten und Bedrohungen der Bevölkerung mit solchen aus dem „Schwarzen Block“ heraus billigend in Kauf genommen, hätten aber kein eigenes Interesse an deren Begehung gehabt und sie nicht als eigene gewollt; eigenhändig hätten sie sich nicht an Gewalttätigkeiten und Bedrohungen beteiligen wollen und dies auch nicht getan. Auch an der vom „Schwarzen Block“ ausgehenden generell bedrohlichen und einschüchternden Wirkung auf die privaten Anwohner hätten die Angeklagten kein eigenes Interesse gehabt und diese bloß als Nebeneffekt ihres möglichst lauten und „grellen“ Protestes hingenommen.
9 2. Auf der Grundlage dieser Feststellungen hat das Landgericht die Angeklagten des Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Beihilfe zur Brandstiftung schuldig gesprochen und dabei die Tatbestandsvarianten des § 125 Abs. 1 Nr. 1 Alt. 2 StGB - Gewalttätigkeiten gegen Sachen - und des § 125 Abs. 1 Nr. 2 StGB - Bedrohung von Menschen mit einer Gewalttätigkeit - als erfüllt angesehen. Zu letzterem hat die Strafkammer ausgeführt, die Angeklagten hätten die Androhung von Gewalttätigkeiten gegen „Symbole“ des Kapitalismus und der Staatsgewalt als Teil des „Schwarzen Blocks“ ausdrücklich unterstützen wollen, wenn sie deren Begehung auch nicht als eigene gewollt und nicht als von ihrem Einfluss abhängig dargestellt hätten; jedenfalls hätten sie die Bevölkerung einschüchtern und Gewalttätigkeiten unterstützen wollen.
Viele Anwohner hätten tatsächlich ernstlich damit gerechnet, dass aus dem Aufmarsch heraus Gewalttätigkeiten gegen gewerblich und staatlich genutzte Immobilien, aber auch gegen ihre Sachen wie etwa Mülltonnen begangen werden würden, und zudem die Angst entwickelt, dass es auch zu Gewalttätigkeiten gegen ihre sonstigen Sachen und sogar gegen ihre Person kommen würde. Der Umstand, dass die Angeklagten mit der tatsächlichen Begehung von Gewalttätigkeiten gegen Privatpersonen nicht gerechnet und dies auch nicht billigend in Kauf genommen hatten, stehe der Verwirklichung des § 125 Abs. 1 Nr. 2 StGB durch sie nicht entgegen, weil dafür bereits die Bedrohung von Menschen mit Gewalttätigkeiten gegen Sachen ausreiche und der Androhende die Verwirklichung der Bedrohung mit Gewalttätigkeiten nicht ernstlich wollen müsse; vielmehr genüge es, wenn er den Eindruck der Ernstlichkeit erzeugen wolle.
Allerdings hätten sie den Tatbestand des Landfriedensbruchs nur als Teilnehmer, nicht aber auch als Täter verwirklicht, was sich zwar wegen des Einheitstäterbegriffs in § 125 Abs. 1 StGB auf den Schuldspruch nicht auswirke, aber für die Strafzumessung von Bedeutung sei.
10 3. Im Rahmen der Festsetzung der Rechtsfolgen hat das Landgericht gegen die zur Tatzeit jugendlichen Angeklagten Jugendstrafrecht angewandt, sich an der Verhängung einer Jugendstrafe aber jeweils gehindert gesehen, weil in der Tat weder schädliche Neigungen (§ 17 Abs. 2 Alt. 1 JGG) hervorgetreten seien noch die Schwere der Schuld eine Jugendstrafe erforderlich mache (§ 17 Abs. 2 Alt. 2 JGG); zudem sei eine solche erzieherisch nicht geboten.
II.
11 Die während des Revisionsverfahrens wirksam auf die Rechtsfolgenaussprüche beschränkten Revisionen der Staatsanwaltschaft haben ebenso Erfolg wie die sofortigen Beschwerden gegen die Entschädigungsentscheidungen. Die Strafkammer hat bei beiden Angeklagten sowohl die Ablehnung der Schuldschwere als auch eines Erziehungsbedürfnisses rechtsfehlerhaft begründet.
12 1. Allerdings ist die Strafzumessung Sache des Tatgerichts. Es ist seine Aufgabe, auf der Grundlage des umfassenden Eindrucks, den es in der Hauptverhandlung von der Tat und der Persönlichkeit des Täters gewonnen hat, die wesentlichen zumessungsrelevanten Umstände festzustellen, sie zu bewerten und hierbei gegeneinander abzuwägen. Auch bei der Prüfung, ob eine Jugendstrafe verhängt wird, ist eine ins Einzelne gehende Richtigkeitskontrolle ausgeschlossen (vgl. BGH, Urteil vom 29. August 2018 - 5 StR 214/18, NStZ-RR 2018, 358 mwN).
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16 2. Nach diesen Grundsätzen erweist sich die Entscheidung des Landgerichts, dass die Verhängung einer Jugendstrafe nach § 17 Abs. 2 Alt. 2 JGG nicht in Betracht kommt, als rechtsfehlerhaft.
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20 Zwar waren die Angeklagten nach den getroffenen Feststellungen nicht eigenhändige Täter von Gewalttätigkeiten im Sinne von § 125 Abs. 1 Nr. 1 StGB. Sie beteiligten sich aber täterschaftlich an Bedrohungen von Menschen mit einer Gewalttätigkeit im Sinne des § 125 Abs. 1 Nr. 2 StGB. Die Wertung der Strafkammer, die Angeklagten hätten auch zu der Androhung von Gewalttätigkeiten nur einen unterstützenden Gehilfenbeitrag erbracht, weil sie deren Begehung gerade nicht als eigene gewollt und die Begehung nicht als von ihrem Einfluss abhängig dargestellt sowie hinsichtlich der Androhung der Begehung von Gewalttätigkeiten auch nicht selbst den Eindruck der Ernstlichkeit erzeugt hätten, widerspricht zum Teil den getroffenen Feststellungen, zum Teil verkennt sie die zugrundeliegenden rechtlichen Maßstäbe. Nach diesen ergeben die Feststellungen vielmehr eine durch die Angeklagten täterschaftlich begangene Bedrohung.
21 Eine Bedrohung im Sinne von § 125 Abs. 1 Nr. 2 StGB ist die ausdrücklich oder konkludent erklärte Ankündigung eines Übels, das der Drohende selbst oder kraft seines Einflusses durch einen anderen wirklich oder vorgeblich jemandem zufügen will und kann. Der Täter muss zum Ausdruck bringen, dass die Verwirklichung der angedrohten Gewalttätigkeit in seinem Machtbereich liegt. Es genügt, dass die Bedrohung nach dem mindestens bedingten Willen des Täters als ernstlich aufgefasst wird, mag der Täter sie auch gar nicht ausführen wollen (MüKo-StGB/Feilcke, 4. Aufl., § 125 Rn. 26; LK/Krauß, StGB, 12. Aufl., § 125 Rn. 81; jeweils mwN). Hierfür ist es ausreichend, dass der Adressat der Bedrohung diese unabhängig von der Ausführungsabsicht des Drohenden als ernstlich auffasst; zudem genügt, wenn der Täter die Begehung einer Gewalttätigkeit durch einen Anderen in Aussicht stellt.
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23 Indem sich die Angeklagten in dieser Weise uniformiert und vermummt in den „Schwarzen Block“ eingliederten und dabei das Ziel verfolgten, gemeinsame Militanz zu demonstrieren, bedrohten sie also selbst als Täter die Bevölkerung mit der Begehung von Gewalttätigkeiten. Aufgrund der Einheitlichkeit des militanten Auftritts und der dadurch gesteigerten Bedrohungswirkung, zu der die Angeklagten bewusst beitrugen und die sie unter anderem wegen der größeren Wirkung für ihr Protestziel auch bezweckten, war für die Adressaten der Drohung - auch mit Blick auf den erheblichen Geräuschpegel und die zahlreichen gezündeten Feuerwerkskörper - nicht erkennbar, welcher der ca. 200 mitmarschierenden Teilnehmer Einfluss auf angedrohte Gewalttätigkeiten nehmen konnte oder wollte.
Es kommt deshalb - anders als das Landgericht gemeint hat - nicht darauf an, ob die Angeklagten die Begehung von Gewalttätigkeiten als von ihrem Einfluss abhängig darstellen wollten, denn objektiv trugen sie zu der Wirkung des Aufmarsches bei, dass die Gefahr von Gewalttätigkeiten von jedem Teilnehmer des „Schwarzen Blocks“ ausging und nahmen dies billigend in Kauf. Entgegen der Annahme der Strafkammer ist es deshalb für die täterschaftliche Verwirklichung der Drohungsalternative auch ohne Bedeutung, ob die Angeklagten anderen Teilnehmern des Aufmarschs Anweisungen gaben. Gleichermaßen bedeutungslos ist der Umstand, dass die Angeklagten selbst keine Gewalttätigkeiten begehen wollten und nicht nach außen erkennbar Gegenstände bei sich trugen, mit denen Gewalttätigkeiten begangen werden konnten.
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26 Die Strafkammer hat zwar zutreffend zulasten der Angeklagten berücksichtigt, dass schwere Sachschäden und Angriffe auf Polizeibeamte von ihrem Vorsatz umfasst gewesen seien, weshalb von einer nur geringfügigen Schuld keine Rede sein könne. Allerdings hat das Landgericht die Angriffe auf Polizeibeamte und staatliches Eigentum einer „anderen Unrechtsdimension“ zugeordnet als die Angriffe auf Privatpersonen und deren Eigentum. In der wiederholten schuldmindernden Betonung dieses Umstandes und durch den Hinweis, dass Polizeibeamte im Hinblick auf Angriffe erfahren und geschult seien, kommt zum Ausdruck, dass die Jugendkammer die vom Vorsatz der Angeklagten umfassten Gewalttätigkeiten im Rahmen des sogenannten „Aktionskonsenses“ (Angriffe gegen staatlich genutztes Eigentum sowie tätliche Angriffe auf Polizisten) als weniger schwerwiegend eingeschätzt hat. Dies widerspricht maßgeblichen gesetzgeberischen Wertungen:
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36 Der Hinweis auf eine einseitige Beurteilung wird verstärkt durch den Umgang mit dem Umstand, dass bei den Angeklagten etwa ein Jahr nach der Tat bei der Vollstreckung der Haftbefehle Zwillen aufgefunden und sichergestellt wurden. Warum sie solche Schleuderwaffen im Besitz hatten, lässt sich dem Urteil nicht entnehmen. Die Strafkammer hat lediglich im Zusammenhang mit der Verneinung schädlicher Neigungen ausgeführt, die Zwillen könnten mit den verfahrensgegenständlichen Taten nicht in Zusammenhang gebracht werden; zudem seien seit dem Fund bereits zwei Jahre vergangen. Wie der Generalbundesanwalt zutreffend ausgeführt hat, hätte sich das Landgericht mit diesem Gesichtspunkt näher auseinandersetzen müssen, auch und gerade, weil er keinen unmittelbaren Tatbezug aufweist. Denn für die Beurteilung der Erziehungsbedürftigkeit der beiden Angeklagten könnte es relevant sein, dass sie auch ein Jahr nach der Tat noch Schleuderwaffen in ihrem Besitz hatten, die gemeinhin zum Instrumentarium gewaltbereiter Teilnehmer an Demonstrationen oder Protestkundgebungen gezählt werden (vgl. etwa BGH, Beschlüsse vom 10. März 2021 - 3 ZB 5/20 Rn. 12; vom 30. April 2020 - StB 37/18 Rn. 21; Goertz, Kriminalistik 2020, 534, 538; siehe auch BGH, Urteil vom 24. Januar 1984 - VI ZR 37/82, BGHZ 89, 383, 389; BayObLG, BayObLGSt 1994, 87; VG Aachen, Urteil vom 16. April 2021 - 5 K 3922/18, juris Rn. 5).
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40 3. Die Aufhebung der Rechtsfolgenaussprüche entzieht den Entschädigungsentscheidungen die Grundlage, weshalb die sofortigen Beschwerden der Staatsanwaltschaft ebenfalls Erfolg haben.
41 4. Rechtsfehler zu Lasten der Angeklagten (§ 301 StPO) hat die Überprüfung des Urteils im Anfechtungsumfang nicht ergeben.
Cirener Gericke Mosbacher Resch Werner http://www.rechtsprechung-im-internet.de/jportal/?quelle=jlink&docid=jb-KORE653182021&psml=bsjrsprod.psml&max=true Deutschland deutsch BMJV public