BGH, Urteil vom 29.05.2024 – I ZR 145/23 – Unberechtigte Schutzrechtsverwarnung aus Kennzeichenrecht; Verjährung von deliktischen Ansprüchen wegen unberechtigter…
KORE701082024 ECLI:DE:BGH:2024:290524UIZR145.23.0 BGH 1. Zivilsenat 20240529 I ZR 145/23 Urteil § 195 BGB, § 823 Abs 1 BGB, § 4 Nr 4 UWG, § 11 UWG vorgehend OLG Düsseldorf, 19. Januar 2023, Az: I-20 U 143/21vorgehend LG Düsseldorf, 25. August 2021, Az: 2a O 51/18 DEU Bundesrepublik Deutschland Unberechtigte Schutzrechtsverwarnung aus Kennzeichenrecht; Verjährung von deliktischen Ansprüchen wegen unberechtigter Schutzrechtsverwarnung - Verwarnung aus Kennzeichenrecht III Verwarnung aus Kennzeichenrecht III 1. Die Grundsätze, nach denen die unberechtigte Verwarnung aus einem Kennzeichenrecht unter dem Gesichtspunkt eines rechtswidrigen und schuldhaften Eingriffs in das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb zum Schadensersatz verpflichten kann, gelten nicht nur für Verwarnungen, die der Inhaber einer für Waren geschützten Marke gegenüber dem Hersteller von Waren oder seinen Abnehmern mit der Behauptung ausspricht, deren Benutzung eines Zeichens in Bezug auf die von ihnen hergestellten oder vertriebenen Waren verletzten sein Markenrecht, sondern auch für Verwarnungen, die der Inhaber einer für Dienstleistungen geschützten Marke gegenüber dem Anbieter von Dienstleistungen mit der Behauptung ausspricht, dessen Benutzung eines Zeichens in Bezug auf die von ihm angebotene oder erbrachte Dienstleistung verletze sein Markenrecht. Sie gelten grundsätzlich auch für Verwarnungen, die der Inhaber einer solchen Marke gegenüber denjenigen ausspricht, die diese Dienstleistungen als Kunden in Anspruch nehmen.
Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des 20. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 19. Januar 2023 aufgehoben.
Die Berufung des Klägers gegen das Urteil der 2 a. Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf vom 25. August 2021 wird hinsichtlich der Klageanträge I 1 c und I 1 d sowie der hierauf jeweils bezogenen Klageanträge I 2 (Auskunft) und III (Schadensersatz) und der Klageanträge II 1 und II 2 zurückgewiesen.
Im übrigen Umfang der Aufhebung wird die Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.
Von Rechts wegen 1 Der Kläger betreibt unter der Domain www.black-friday.de ein Portal, auf dem er Sonderangebote verschiedener Online-Shops bündelt und Händler ihre Angebote und Werbung gegen eine Gebühr veröffentlichen können. Der Kläger wird außerdem über eine Affiliate-Provision an Umsätzen beteiligt, die die Händler über die auf seiner Internetseite aufgenommenen Verlinkungen auf ihre Online-Shops generieren.
2 Die Beklagte zu 1 ist ein in der Sonderverwaltungszone Hongkong der Volksrepublik China ansässiges IP-Holding-Unternehmen. Sie war seit September 2016 Inhaberin der Wortmarke Nr. 30 2013 057 574 "Black Friday" (im Folgenden: Klagemarke), die mit Priorität vom 30. Oktober 2013 beim Deutschen Patent- und Markenamt für eine Vielzahl von Waren und Dienstleistungen der Klassen 9, 35 und 41 eingetragen war. Das Deutsche Patent- und Markenamt ordnete mit Beschluss vom 27. März 2018 die vollständige Löschung der Klagemarke wegen fehlender Unterscheidungskraft an. Auf die dagegen gerichtete Beschwerde der Beklagten zu 1 bestätigte das Bundespatentgericht die Löschungsentscheidung wegen eines bereits im Zeitpunkt der Markenanmeldung bestehenden Freihaltebedürfnisses lediglich für bestimmte Handelsdienstleistungen und für Werbedienstleistungen und erhielt die Klagemarke im Übrigen aufrecht (BPatG, Beschluss vom 28. Februar 2020 - 30 W (pat) 26/18, juris). Die gegen die Entscheidung über die Teillöschung der Klagemarke eingelegte Rechtsbeschwerde der Beklagten zu 1 blieb ohne Erfolg (BGH, Beschluss vom 27. Mai 2021 - I ZR 21/20, GRUR 2021, 1195 = WRP 2021, 1166 - Black Friday).
3 Die Beklagte zu 2 mit Sitz in Österreich, deren Geschäftsführer der Beklagte zu 3 ist, ist ausschließliche Lizenznehmerin der Klagemarke und betreibt unter www.blackfridaysale.de, www.blackfridaysale.at sowiewww.blackfriday. .de deutschsprachige Werbeplattformen für Verkaufsveranstaltungen von Online-Händlern, die dort Verkaufsangebote präsentieren und auf ihre Angebotsseiten verlinken können.
4 Die Beklagte zu 1 mahnte den Kläger mit anwaltlichem Schreiben vom 27. Oktober 2016 wegen der Verwendung der Klagemarke auf seinem Internetportal, in Android- und iOS-Applikationen, auf Twitter, Instagram und Facebook ab und forderte ihn erfolglos auf, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Außerdem schrieb sie im Oktober und November 2016 sowie am 20. Oktober 2017 - in deutscher und englischer Sprache - mehrere Unternehmen an und machte geltend, sie verletzten die Klagemarke durch die unberechtigte Verwendung der Bezeichnung "Black Friday" und das Setzen von Verlinkungen von ihren Webseiten auf die Webseite www.black-friday.de des Klägers. Die Beklagte zu 1 führte im Oktober und November 2016 die Entfernung der Applikation des Klägers "Black-Friday.de" aus dem Google Play-Store, die Löschung seiner Facebook-Seite "black-friday.de" und die Deaktivierung seines Twitter-Accounts "@black_Friday_DE" herbei. Ihr Versuch, die Applikation des Klägers aus dem Apple App-Store löschen zu lassen, hatte dagegen keinen Erfolg. Die Seite des Klägers bei Facebook wurde am 19. April 2018 reaktiviert.
5 Der Kläger mahnte die Beklagte zu 1 im Hinblick auf deren Vorgehen gegenüber Facebook, Twitter, Google und Apple mit Schreiben vom 3. November 2016 ab und forderte sie erfolglos auf, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben.
6 Nachdem sie im Oktober 2017 von der Beklagten zu 1 eine Anfrage erhalten hatte, ob die in der Anfrage aufgeführten Händler, die im Vorjahr mit der Bezeichnung "Black Friday" geworben hätten, bereits eine Unterlizenz für das Jahr 2017 erworben hätten, schrieb die Beklagte zu 2 im Oktober und November 2017 verschiedene Händler an.
7 Der Kläger sieht in den von den Beklagten an seine Kunden oder potentiellen Kunden versandten Schreiben und in den Handlungen, die auf Sperrung seiner Seiten bei Facebook und Twitter sowie die Entfernung seiner Applikation bei Google und Apple abzielen, unberechtigte Schutzrechtsverwarnungen, die rechtswidrig in seinen eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb eingreifen, sowie eine Kreditgefährdung. Hilfsweise macht er geltend, darin liege eine wettbewerbswidrige Mitbewerberbehinderung und Irreführung.
8 Der Kläger hat eine einstweilige Verfügung vom 30. Oktober 2017 erwirkt, mit der den Beklagten zu 1 und 2 untersagt worden ist, gegenüber Kunden des Klägers schriftlich zu behaupten, die Verwendung der Bezeichnung "Black Friday" in ihrer Werbung und/oder das Einstellen von Verkaufsangeboten auf der Internetseite www.black-friday.de des Klägers stelle eine Verletzung der Klagemarke dar, und/oder gegenüber Dritten, die auf ihren Webseiten Verlinkungen auf die Plattform www.black-friday.de des Klägers setzen, zu behaupten, darin liege eine Verletzung der Klagemarke.
9 Der Kläger hat sodann mit am 21. Februar 2018 bei Gericht eingegangenem Schriftsatz, der der Beklagten zu 1 am 27. Dezember 2018, der Beklagten zu 2 am 8. März 2018 und dem Beklagten zu 3 spätestens am 5. April 2018 zugestellt worden ist, Klage erhoben. Nach mehrfacher Umstellung der Klageanträge und Erweiterung der Klage um die Klageanträge I 1 c, I 1 d und II mit Schriftsatz vom 25. Februar 2019 hat der Kläger erstinstanzlich zuletzt beantragt (Klageantrag I 1), I. die Beklagten zu verurteilen, 1. es unter Androhung näher bezeichneter Ordnungsmittel zu unterlassen,
Für den Fall der Abweisung des Klageantrags zu I 1 a hat der Kläger einen Hilfsantrag gestellt. Außerdem hat er die Beklagten auf Auskunftserteilung (Klageantrag I 2) in Anspruch genommen. Weiter hat er beantragt, die Beklagte zu 1 zu verurteilen, in die Aufhebung der Sperrung seines Twitter-Accounts (Klageantrag II 1) und in die Rückgängigmachung der Löschung seiner App aus dem Google Playstore (Klageantrag II 2) einzuwilligen, und die Schadensersatzpflicht der Beklagten wegen der im Klageantrag I 1 bezeichneten Handlungen festzustellen (Klageantrag III).
10 Das Landgericht hat die Klage hinsichtlich des Klageantrags I 1 a aa (1) (1.1) als unzulässig und im Übrigen als unbegründet abgewiesen. Auf die dagegen vom Kläger eingelegte Berufung hat das Berufungsgericht der Klage in vollem Umfang - dem Klageantrag I 1 a nach dem Hauptantrag und dem Klageantrag I 1 a aa (1) (1.1) in einer geänderten Fassung - stattgegeben.
11 Mit ihrer vom Berufungsgericht zugelassenen Revision, deren Zurückweisung der Kläger beantragt, verfolgen die Beklagten ihren Klageabweisungsantrag weiter.
12 A. Das Berufungsgericht hat die Klage als zulässig und für in vollem Umfang unter dem von dem Kläger in erster Linie geltend gemachten Gesichtspunkt des rechtswidrigen Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb begründet erachtet. Dazu hat es im Wesentlichen ausgeführt:
13 Der in der Berufungsinstanz ohne Änderung des Streitgegenstands umgestellte Klageantrag I 1 a aa (1) (1.1) sei nunmehr zulässig und hinreichend bestimmt. Die mit den Klageanträgen I 1 geltend gemachten Unterlassungsansprüche stünden dem Kläger gegen die Beklagten unter dem Gesichtspunkt des rechtswidrigen Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb zu. Die Beklagten hätten in kollusivem Zusammenwirken gegenüber Kunden des Klägers beziehungsweise gegenüber Kunden des Affiliate-Netzwerks, das mit dem Kläger in Geschäftsbeziehung stehe, unberechtigte Schutzrechtsverwarnungen ausgesprochen. Auch in den gegenüber Facebook, Twitter, Google und Apple behaupteten Verletzungen der Klagemarke seien unberechtigte und rechtswidrige Schutzrechtsverwarnungen zu sehen.
Die unberechtigten Schutzrechtsverwarnungen stellten Eingriffe in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb des Klägers dar, weil sie bei Auslegung nach dem objektiven Empfängerhorizont dazu dienen sollten, die Adressaten von einer Inanspruchnahme der Dienstleistungen des Klägers abzuhalten. Hierdurch seien die Kundenbeziehungen der Adressaten der Schutzrechtsverwarnungen zum Kläger unmittelbar betroffen. Dieser Eingriff, für den Wiederholungsgefahr bestehe, sei nach der anzustellenden Güter- und Interessenabwägung als rechtswidrig anzusehen. Der Beklagte zu 3 hafte hierfür als Geschäftsführer der Beklagten zu 2. Die Beklagten zu 1 und 2 müssten sich aufgrund kollusiven Zusammenwirkens zudem die Handlungen des jeweils anderen zurechnen lassen.
Die Unterlassungsansprüche seien nicht verjährt, weil für Ansprüche wegen eines Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb nicht die sechsmonatige Verjährungsfrist des § 11 UWG gelte, sondern die dreijährige Verjährungsfrist der §§ 195, 199 BGB. Die Beklagten seien auch zur Erteilung von Auskunft und zur Leistung von Schadensersatz verpflichtet. Die Beklagte zu 1 sei darüber hinaus zu verurteilen, in die Aufhebung der Kontensperrung durch Google und Apple einzuwilligen, da der eingetretene Störungszustand noch fortdauere. Auch insoweit sei Verjährung nicht eingetreten.
14 B. Die gegen diese Beurteilung gerichtete Revision der Beklagten hat Erfolg und führt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils. Die Klage ist teilweise unzulässig. Ob die Klage, soweit sie unzulässig ist, auch unbegründet wäre, kann nicht abschließend beurteilt werden; insoweit ist die Sache daher an das Berufungsgericht zurückzuverweisen (dazu B I). Soweit die Klage zulässig ist, ist sie unbegründet; insoweit ist das landgerichtliche Urteil wiederherzustellen (dazu B II).
15 I. Die Klage ist unzulässig, soweit es die mit den Klageanträgen I 1 a und I 1 b geltend gemachten Unterlassungsanträge und die hierauf bezogenen Folgeanträge auf Auskunft (Klageantrag I 2) und Feststellung der Schadensersatzpflicht (Klageantrag III) angeht. Die Unterlassungsanträge sind nicht hinreichend bestimmt. Da nicht abschließend beurteilt werden kann, ob die Klage, soweit sie unzulässig ist, auch unbegründet wäre, ist die Sache insoweit an das Berufungsgericht zurückzuverweisen.
16 1. Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO darf ein Unterlassungsantrag - und nach § 313 Abs. 1 Nr. 4 ZPO eine darauf beruhende Verurteilung - nicht derart undeutlich gefasst sein, dass der Streitgegenstand und der Umfang der Prüfungs- und Entscheidungsbefugnis des Gerichts nicht klar umrissen sind, der Beklagte sich deshalb nicht erschöpfend verteidigen kann und im Ergebnis dem Vollstreckungsgericht die Entscheidung darüber überlassen bleibt, was dem Beklagten verboten ist. Der Mangel der Bestimmtheit ist auch im Revisionsverfahren von Amts wegen zu beachten (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 2. Juni 2022 - I ZR 140/15, BGHZ 234, 56 [juris Rn. 25] - YouTube II, mwN).
17 2. Die Unterlassungsanträge I 1 a und I 1 b genügen den Bestimmtheitsanforderungen nicht, weil der Kläger mit ihnen begehrt, es den Beklagten zu untersagen, wörtlich und/oder "sinngemäß" zu behaupten, in mehreren näher beschriebenen Verhaltensweisen liege eine Verletzung der Klagemarke.
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BGH, GRUR 1991, 254 [juris Rn. 18] - Unbestimmter Unterlassungsantrag I, mwN). Anders liegt es aber dann, wenn die Bedeutung von Begriffen oder Bezeichnungen zwischen den Parteien streitig ist. In solchen Fällen würden, wenn Sinngehalt und Bedeutung der verwendeten Begriffe dahingestellt blieben, Inhalt und Umfang des begehrten beziehungsweise des erkannten Verbots nicht eindeutig feststehen. So hat die höchstrichterliche Rechtsprechung in derartigen Fällen Formulierungen wie "ähnliche Behauptungen", "Eindruck erwecken", "eindeutig", "unübersehbar" und "ähnlich wie" für zu unbestimmt und damit für unzulässig gehalten. Für den Beklagten würde es eine nicht erträgliche Unsicherheit bedeuten, wenn er zur Unterlassung von Handlungen verurteilt würde, die nicht konkret umschrieben sind, um deren sie kennzeichnende Begriffe die Parteien streiten oder die einer bestimmt bezeichneten Rechtsverletzung nur ähneln, und wenn demgemäß erst das Vollstreckungsgericht entscheiden müsste, wie weit das Unterlassungsgebot reicht (vgl.
BGH, GRUR 1991, 254 [juris Rn. 18] - Unbestimmter Unterlassungsantrag I, mwN). So liegt es auch im Streitfall.
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BGH, Urteil vom 3. Februar 1976 - VI ZR 23/72, GRUR 1977, 114 [juris Rn. 17]). So liegt es hier jedoch nicht. Die Parteien streiten darüber, wie die mit den Unterlassungsklageanträgen I 1 a und I 1 b genannten Schreiben und E-Mails der Beklagten zu 1 und 2 auszulegen sind. Sie vertreten unterschiedliche Auffassungen dazu, ob die Beklagten deren Adressaten nach deren Inhalt überhaupt eine Verletzung der Klagemarke vorwerfen. Außerdem bestehen zwischen den Parteien Meinungsverschiedenheiten darüber, ob der mit diesen Schreiben und E-Mails (möglicherweise) erhobene Vorwurf einer Verletzung der Klagemarke sich auf eine (eigene) Verwendung des Zeichens "Black Friday" in Angeboten von Waren und Dienstleistungen der Adressaten, auf das Einstellen von Angeboten auf der Plattform des Klägers www.black-friday.de oder auf eine Verlinkung auf diese Plattform bezieht.
Die Vorinstanzen haben diese Schreiben und E-Mails der Beklagten zu 1 und 2 teilweise voneinander abweichend ausgelegt. Stehen Äußerungen der Beklagten in Rede, die mit den beanstandeten Schreiben und E-Mails nicht wörtlich übereinstimmen, wird der Streit der Parteien über das Verständnis von möglicherweise mehrdeutigen Schreiben und E-Mails und die Frage, ob sie den im Erkenntnisverfahren streitgegenständlichen Schreiben und E-Mails "sinngemäß" entsprechen, in unzulässiger Weise ins Vollstreckungsverfahren verlagert, weil im Antrag und in der Urteilsformel nicht näher umschrieben wird, was unter "sinngemäß" zu verstehen ist und weil die Grenze zwischen "sinngemäß" und "nicht sinngemäß" nicht generell ersichtlich ist (vgl.
BGH, GRUR 1991, 254 [juris Rn. 19] - Unbestimmter Unterlassungsantrag I).
20 3. Im Streitfall führt dieser Mangel nicht zur Teilabweisung der Klageanträge I 1 a und I 1 b nebst Folgeanträgen als unzulässig, sondern insoweit zur Zurückverweisung der Sache an das Berufungsgericht. Der Grundsatz des Vertrauensschutzes und der Anspruch der Parteien auf ein faires Gerichtsverfahren gebieten es bei erstmals in der Revisionsinstanz festgestellten Mängeln des Klageantrags, von einer Abweisung der Klage als unzulässig abzusehen und dem Kläger durch die Wiedereröffnung der Berufungsinstanz Gelegenheit zu geben, den aufgetretenen Bedenken durch eine angepasste Antragsfassung Rechnung zu tragen (st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 11. Februar 2021 - I ZR 227/19, GRUR 2021, 758 [juris Rn. 26] = WRP 2021, 610 - Rechtsberatung durch Architektin). Dies gilt allerdings nicht, wenn bereits feststeht, dass das Rechtsschutzbegehren in der Sache keinen Erfolg haben kann (vgl. BGH, Urteil vom 7. März 2019 - I ZR 53/18, GRUR 2019, 947 [juris Rn. 36 bis 38] = WRP 2019, 1025 - Bring mich nach Hause; Urteil vom 28. Juli 2022 - I ZR 205/20, GRUR 2022, 1447 [juris Rn. 21] = WRP 2022, 1259 - Servicepauschale II). So verhält es sich - bezogen auf die unzulässigen Klageanträge I 1 a und I 1 b und die hierauf bezogenen Folgeanträge - jedoch nicht; aufgrund des festgestellten Sachverhalts kann nicht abschließend beurteilt werden, ob die Klage sich insoweit als unbegründet erweist (vgl. hierzu nachfolgend unter B II).
21 II. Auf der Grundlage der vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen kann nicht abschließend beurteilt werden, ob das Berufungsgericht den Klageanträgen I 1 a und I 1 b und den hierauf bezogenen Folgeanträgen auf Auskunftserteilung (Klageantrag I 2) und Feststellung der Schadensersatzpflicht der Beklagten (Klageantrag III) unter dem vom Kläger in erster Linie geltend gemachten Gesichtspunkt eines rechtswidrigen und schuldhaften Eingriffs in das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb wegen unberechtigter Verwarnungen aus einem Kennzeichenrecht zu Recht stattgegeben hat. Soweit der Kläger sich gegen die Veranlassung der Sperrung seiner Seite bei Facebook und Twitter (Klageantrag I 1 c) und der Löschung seiner App bei Google und Apple (Klageantrag I 1 d) wendet und die Verurteilung der Beklagten zu 1, in die Aufhebung der Sperrung seines Twitter-Accounts (Klageantrag II 1) und in die Rückgängigmachung der Löschung seiner App aus dem Google Playstore (Klageantrag II 2) einzuwilligen, und - bezogen auf die Klageanträge I 1 c und I 1 d - Ansprüche auf Auskunftserteilung (Klageantrag I 2) und Feststellung der Schadensersatzpflicht der Beklagten (Klageantrag III) begehrt, ist die Klage unter dem Gesichtspunkt eines rechtswidrigen und schuldhaften Eingriffs in das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb wegen unberechtigter Verwarnungen aus einem Kennzeichenrecht nicht begründet (dazu B II 1).
Hinsichtlich der zuletzt genannten Ansprüche bestehen auch die vom Kläger hilfsweise geltend gemachten wettbewerbsrechtlichen Ansprüche wegen einer gezielten Behinderung von Mitbewerbern nicht; insoweit ist daher das die Klage abweisende landgerichtliche Urteil wiederherzustellen (dazu B II 2).
22 1. Mit der vom Berufungsgericht gegebenen Begründung kann der Klage auf der Grundlage der bislang getroffenen Feststellungen weder ganz noch teilweise wegen rechtswidriger und schuldhafter Eingriffe in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb des Klägers unter dem Gesichtspunkt unberechtigter Schutzrechtsverwarnungen (§§ 823, 1004 BGB) stattgegeben werden.
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24 Schutzrechtsverwarnungen können zu beanstanden sein, wenn sie sich mangels eines besonderen Rechts oder wegen Fehlens einer Rechtsverletzung als unbegründet erweisen, oder wenn sie wegen ihres sonstigen Inhalts oder ihrer Form nach als unzulässig zu beurteilen sind. In der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist anerkannt, dass die unberechtigte Verwarnung aus einem gewerblichen Schutzrecht unter dem Gesichtspunkt eines rechtswidrigen und schuldhaften Eingriffs in das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb zum Schadensersatz verpflichten kann (§ 823 Abs. 1 BGB). Dem liegt die Erwägung zugrunde, dass der notwendige Ausgleich zwischen dem durch Art. 14 GG verfassungsrechtlich geschützten Interesse des Schutzrechtsinhabers, sein Recht geltend machen zu können, und dem gleichfalls durch das Grundgesetz geschützten Interesse des Wettbewerbs, sich außerhalb des Schutzbereichs bestehender Rechte unter Beachtung der Gesetze frei entfalten zu können, nicht mehr wirksam gewährleistet wäre, wenn es dem Schutzrechtsinhaber gestattet wäre, Schutz in einem Umfang zu beanspruchen, der ihm nicht zusteht, und wenn er den wirtschaftlichen Nutzen aus einer schuldhaften Verkennung des Umfangs des ihm zustehenden Schutzes ziehen dürfte, ohne für einen hierdurch verursachten Schaden seiner Mitbewerber einstehen zu müssen (vgl.
BGH, Beschluss vom 15. Juli 2005 - GSZ 1/04, BGHZ 164, 1 [juris Rn. 15] - Unberechtigte Schutzrechtsverwarnung I; Urteil vom 1. Dezember 2015 - X ZR 170/12 - BGHZ 208, 119 [juris Rn. 15] - Unberechtigte Schutzrechtsverwarnung II; Urteil vom 7. Juli 2020 - X ZR 42/17, GRUR 2020, 1116 [juris Rn. 17] = WRP 2020, 1330 - Unberechtigte Schutzrechtsverwarnung III). Das wird besonders deutlich bei einer Verwarnung von Abnehmern. Bei dieser macht der Schutzrechtsinhaber sein vermeintlich verletztes Recht nicht gegenüber dem unmittelbaren Mitbewerber, sondern - was ihm grundsätzlich freisteht - gegenüber dessen Abnehmern geltend. Das Interesse der Abnehmer, sich sachlich mit dem Schutzrechtsinhaber auseinanderzusetzen, ist typischerweise erheblich geringer als das entsprechende Interesse des mit dem Schutzrechtsinhaber konkurrierenden Herstellers.
Bei dem einzelnen Abnehmer können die Umsätze mit dem vermeintlich verletzenden Erzeugnis nur geringe Bedeutung haben; außerdem steht ihm häufig die Alternative zu Gebote, ohne oder ohne erhebliche Nachteile auf ein entsprechendes Produkt des Schutzrechtsinhabers auszuweichen. Einschneidend getroffen wird in dieser Situation nicht der verwarnte Abnehmer, sondern der ihn beliefernde Hersteller. Ohne das von der Rechtsprechung entwickelte Institut der unberechtigten Schutzrechtsverwarnung ergäbe sich keine wirksame Handhabe, um einem möglicherweise existenzgefährdenden Eingriff in seine Kundenbeziehungen durch die unberechtigte Geltendmachung von Ausschließlichkeitsrechten gegenüber seinen Abnehmern entgegenzutreten (vgl.
BGHZ 164, 1 [juris Rn. 16] - Unberechtigte Schutzrechtsverwarnung I).
25 Diese Grundsätze gelten für Verwarnungen, die der Inhaber einer für Waren geschützten Marke gegenüber dem Hersteller von Waren oder seinen Abnehmern mit der Behauptung ausspricht, deren Benutzung eines Zeichens in Bezug auf die von ihnen hergestellten oder vertriebenen Waren verletzten sein Markenrecht. Sie gelten auch für Verwarnungen, die der Inhaber einer - wie im Streitfall auch - für Dienstleistungen geschützten Marke gegenüber dem Anbieter von Dienstleistungen mit der Behauptung ausspricht, dessen Benutzung eines Zeichens in Bezug auf die von ihm angebotene oder erbrachte Dienstleistung verletze sein Markenrecht. Sie gelten grundsätzlich auch für Verwarnungen, die der Inhaber einer solchen Marke gegenüber denjenigen ausspricht, die diese Dienstleistungen als Kunden in Anspruch nehmen.
Auch in dieser Konstellation besteht die Gefahr eines möglicherweise existenzgefährdenden Eingriffs in die Kundenbeziehung des Dienstleisters. Seine Kunden können sich veranlasst sehen, von einer weiteren Inanspruchnahme seiner Dienstleistungen abzusehen, da ihr Interesse an einer Auseinandersetzung mit dem Markeninhaber typischerweise erheblich geringer ist als das Interesse des mit dem Markeninhaber konkurrierenden Dienstleisters. Allerdings stellt sich bei denjenigen, die eine Dienstleistung in Anspruch nehmen, in besonderer Weise die Frage, ob die ihnen gegenüber ausgesprochene Abnehmerverwarnung berechtigt ist. Daran fehlt es insbesondere, wenn sie das Zeichen nicht selbst im geschäftlichen Verkehr für das Angebot oder die Erbringung einer Dienstleistung benutzen.
Insoweit verhält es sich bei ihnen anders als bei den Abnehmern von Waren, die diese Waren als Händler weitervertreiben und dabei regelmäßig das Zeichen, das der Markeninhaber als rechtsverletzend ansieht, selbst benutzen.
26 Verwarnungen können außerdem, ungeachtet der Frage, ob ein Eingriff in ein bestandskräftiges Schutzrecht gegeben oder zu befürchten ist, aufgrund der Wertungen des Wettbewerbsrechts als unlautere Behinderung von Mitbewerbern (§ 3 Abs. 1, § 4 Nr. 4 UWG) als unzulässig zu beurteilen sein (vgl. BGH, GRUR 1995, 424 [juris Rn. 28] - Abnehmerverwarnung; BGH, Urteil vom 15. Januar 2009 - I ZR 123/06, GRUR 2009, 878 [juris Rn. 12 und 17] = WRP 2009, 1082 Fräsautomat, mwN).
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Ein solches Verlangen liegt in der Regel vor, wenn der Rechtsinhaber die Abgabe einer förmlichen Unterlassungserklärung verlangt und hierfür eine Frist setzt oder er jedenfalls - ob ausdrücklich oder nicht (vgl. BGH, Urteil vom 19. Januar 1979 - I ZR 166/76, GRUR 1979, 332 [juris Rn. 34] = WRP 1979, 361 - Brombeerleuchte; Urteil vom 1. Juni 2006 - I ZR 167/03, GRUR 2007, 164 [juris Rn. 12] = WRP 2007, 67 - Telefax-Werbung II; vgl. auch Großkomm.UWG/Feddersen, 3. Aufl., § 13 Rn. 34 mwN) - darauf hinweist, gewillt zu sein, zur Durchsetzung seines Rechts gerichtlichen Schutz in Anspruch zu nehmen (vgl. BGH, GRUR 1979, 332 [juris Rn. 34] - Brombeerleuchte; GRUR 1995, 424 [juris Rn. 8, 27] - Abnehmerverwarnung).
Ein bloß vorbereitender Meinungsaustausch über die Rechtslage im Hinblick auf das Schutzrecht (sogenannte Berechtigungsanfrage, vgl. Hasselblatt/Witschel in Gloy/Loschelder/Danckwerts, Wettbewerbsrecht, 5. Aufl., § 52 Rn. 177; Köhler/Alexander in Köhler/Bornkamm/Feddersen, UWG, 42. Aufl., § 4 Rn. 4.169) begründet hingegen keine Ansprüche (vgl. BGHZ 38, 200 [juris Rn. 11] - Kindernähmaschinen; BGH, GRUR 1995, 896 [juris Rn. 29] - "Mecki"-Igel III; GRUR 2011, 995 [juris Rn. 29] - Besonderer Mechanismus).
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31 (a) Das Berufungsgericht hat angenommen, das anwaltliche Schreiben der Beklagten zu 1 vom 21. Oktober 2016, auf das der Klageantrag I 1 a aa (1) (1.1) Bezug nimmt, enthalte zunächst einen Hinweis darauf, dass sie Inhaberin der Klagemarke sei. Sodann weise die Beklagte zu 1 darauf hin, dass der Adressat des Schreibens zum Absatz seiner Waren und Dienstleistungen ungenehmigt die Bezeichnung "Black Friday" benutzt habe und hierin eine Verletzung der Klagemarke zu sehen sei. Die in englischer Sprache abgefasste E-Mail der Beklagten zu 1 vom 20. Oktober 2017 - angegriffen mit dem Klageantrag I 1 a aa (1) (1.2) - sei für den Empfänger der E-Mail angesichts von deren Wortlaut zweifelsfrei dahingehend zu verstehen, dass ihm eine Markenverletzung vorgeworfen werde. Auch die E-Mail der Beklagten zu 2 vom 13. Oktober 2017 - angegriffen mit dem Klageantrag I 1 a aa (1) (1.3) - weise den Empfänger darauf hin, dass die im vorangegangenen Jahr erfolgte Werbung mit dem Begriff "Black Friday" ohne Sublizenz der Beklagten zu 2 gegen die Rechte des Markeninhabers verstoßen habe.
32 Gegenstand aller Beanstandungen in den von den Beklagten zu 1 und 2 ausgesprochenen Schutzrechtsverwarnungen seien nicht etwa nur der Inhalt der von den Angeschriebenen selbst gestalteten Werbeanzeigen, sondern gerade die Tatsache, dass sie auf der Plattform des Klägers unter www.black-friday.de ihre Angebote veröffentlicht hätten. Soweit die Beklagte zu 1 Schutzrechtsverwarnungen an Adressaten versendet habe, die in ihrer Werbung die Bezeichnung "Black Friday" überhaupt nicht verwendet hätten, ergebe sich bereits aus diesem Umstand für die Adressaten, dass sich die Schutzrechtsverwarnung einzig auf die Bewerbung auf der Plattform des Klägers beziehen könne. Die Bezugnahme auf die Plattform des Klägers www.black-friday.de werde dabei nicht nur als bloße Nennung des Begehungsorts verstanden, sondern dahingehend, dass sich die beanstandete Verwendung des Begriffs "Black Friday" gerade und einzig aus dem Schalten von Werbeanzeigen auf der Plattform des Klägers ergebe. Sämtliche in den Klageanträgen wiedergegebene Schreiben und E-Mails richteten sich somit auch gegen die Veröffentlichung von Angeboten auf der Plattform des Klägers. Für die Verwarnten sei damit ohne weiteres erkennbar, dass der Kläger als Betreiber der Plattform www.black-friday.de auch als Verletzer der Klagemarke angesehen werde.
33 Einem solchen Verständnis stehe nicht entgegen, dass in der E-Mail der Beklagten zu 2 vom 13. Oktober 2017 lediglich allgemein auf die "Bewerbung einer Aktion unter dem Namen 'Black Friday'" verwiesen werde. Aus der Sicht des Empfängers ergebe sich aus der Beanstandung, dass jedenfalls auch die Bewerbung seiner Produkte oder Dienstleistungen auf der Webseite des Klägers den Erwerb einer Sublizenz voraussetze und ohne eine solche Lizenz die Klagemarke verletzt werde.
34 (b) Die Revision macht ohne Erfolg geltend, die genannten Schreiben der Beklagten zu 1 und 2 beanstandeten - entgegen der Annahme des Berufungsgerichts - die unbefugte Verwendung der Klagemarke für das Angebot von Waren und Dienstleistungen ihrer jeweiligen Adressaten und nicht die Verwendung des Begriffs "Black Friday" im Hinblick auf die Schaltung von Angeboten auf der Plattform des Klägers. Der Adressat der Schreiben der Beklagten zu 1 vom 20. Oktober 2017 und der Beklagten zu 2 vom 13. Oktober 2017 - Klageanträge I 1 a aa (1) (1.2) und I 1 a aa (1) (1.3) - habe die an ihn gerichteten Schreiben als Beanstandung seiner Werbung aus dem Jahr 2015 verstehen müssen, in der er selbst das Zeichen "BLACK FRIDAY" verwendet habe. Mit diesen Ausführungen setzt die Revision ihre Auslegung der Schreiben der Beklagten zu 1 und 2 an die Stelle der tatgerichtlichen Beurteilung des Berufungsgerichts, ohne einen Rechtsfehler aufzuzeigen.
35 Der Einwand der Revision, die mit dem Klageantrag I 1 a aa (1) (1.3) angegriffene E-Mail der Beklagten zu 2 vom 13. Oktober 2017 erwähne die Internetplattform des Klägers oder seine Domain nicht, trifft zwar zu. Dies steht jedoch der Annahme des Berufungsgerichts nicht entgegen, die Adressaten verstünden die Beanstandung der Beklagten zu 2 dahin, dass jedenfalls auch die Bewerbung ihrer Produkte oder Dienstleistungen auf der Internetseite des Klägers den Erwerb einer Unterlizenz voraussetze und ohne eine solche Lizenz die Klagemarke verletzt werde.
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37 (a) Das Berufungsgericht hat die E-Mail der Beklagten zu 1 vom 20. Oktober 2017, die mit dem Klageantrag I 1 a aa (2) (2.1) angegriffen wird, und die E-Mail der Beklagten zu 2 vom 16. Oktober 2017, die Gegenstand des Klageantrags I 1 a aa (2) (2.2) ist, ebenfalls dahingehend ausgelegt, dass deren Adressaten der Vorwurf gemacht wird, die Klagemarke verletzt zu haben. Auch für Adressaten, die in ihrer Werbung die Bezeichnung "Black Friday" verwendet hätten, folge aufgrund der Bezugnahme auf die Plattform des Klägers, dass die Beklagten zu 1 und 2 auch und gegebenenfalls sogar insbesondere deren Nutzung als markenverletzend beanstandeten.
38 (b) Der von der Revision auch in diesem Zusammenhang erhobene Einwand, die mit dem Klageantrag I 1 a aa (2) (2.2) angegriffene E-Mail der Beklagten zu 2 - die mit der mit dem Klageantrag I 1 a aa (1) (1.3) angegriffenen E-Mail der Beklagten zu 2 vom 13. Oktober 2017 identisch ist - erwähne die Internetplattform des Klägers oder seine Domain nicht, steht - wie bereits ausgeführt - der Annahme des Berufungsgerichts nicht entgegen, die Beanstandung der Beklagten zu 2 sei dahin zu verstehen, dass jedenfalls auch die Bewerbung von Waren oder Dienstleistungen auf der Internetseite des Klägers den Erwerb einer Unterlizenz voraussetze und ohne eine solche Lizenz die Klagemarke verletzt werde.
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Gleiches gelte für die in englischer Sprache abgefassten wortgleichen E-Mails der Beklagten zu 1 vom 20. Oktober 2017, auf die mit den Klageanträgen I 1 a aa (1) (1.2), I 1 a aa (2) (2.1) und I 1 a bb Bezug genommen wird. Aus deren Formulierungen ergebe sich für deren Adressaten eindeutig, dass die Beklagte zu 1 ihre Markenrechte im Falle zukünftiger beziehungsweise weiterer Verletzungen der Klagemarke durchsetzen werde. Auch wenn diese E-Mails von der Beklagten zu 1 und nicht von ihren anwaltlichen Vertretern versendet worden seien, seien sie nach ihrem Wortlaut zweifelsfrei dahingehend zu verstehen, dass die Beklagte zu 1 dem jeweiligen Empfänger die Durchsetzung ihrer Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche androhe, sollte dieser die Klagemarke weiterhin verletzen.
Soweit es die englischsprachige E-Mail der Beklagten zu 1 vom 19. Oktober 2017 (Klageantrag I 1 b) an ein Unternehmen angehe, das auf die Plattform des Klägers verlinke, werde dem Adressaten zwar die Möglichkeit eingeräumt, den Hyperlink zu entfernen, gleichzeitig habe die Beklagte zu 1 jedoch darauf hingewiesen, dass zukünftige Verstöße gegen die Klagemarke gerichtlich verfolgt würden. In dieser E-Mail sei deshalb ebenfalls eine Schutzrechtsverwarnung zu sehen.
43 Auch die im Klageantrag I 1 a in Bezug genommenen E-Mails der Beklagten zu 2 würden jeweils als Schutzrechtsverwarnung verstanden. Zwar seien diese erkennbar zurückhaltender formuliert. Durch die Bezugnahme auf die Klagemarke und den Hinweis, dass die Beklagte zu 2 die exklusive Lizenznehmerin der Klagemarke sei, werde mit den E-Mails vom 13. Oktober 2017 - Klageantrag I 1 a aa (1) (1.3) - und vom 16. Oktober 2017 - Klageantrag I 1 a aa (2) (2.2) - jedoch keine Berechtigungsanfrage an die Adressaten gestellt, sondern unmissverständlich darauf hingewiesen, dass nur mit einer von der Beklagten zu 2 zu erwerbenden Unterlizenz mit dem Begriff "Black Friday" geworben werden dürfe. Die Beklagte zu 2 verleihe ihrem Anliegen durch den Hinweis Nachdruck, dass ihre Geschäftsleitung bereits eine Anfrage des Markenrechtsinhabers erhalten habe, ob der Adressat über eine gültige Unterlizenz verfüge. Dem lasse sich nach dem objektiven Empfängerhorizont entnehmen, dass die Markeninhaberin Unternehmen in Deutschland beobachte. Hieraus folge unmissverständlich, dass mit rechtlichen Konsequenzen der Markeninhaberin zu rechnen sei, wenn der Adressat zur Nutzung nicht berechtigt sei.
44 Die gegen diese Beurteilung gerichteten Rügen der Revision greifen nicht durch.
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46 (a) Ist es noch nicht zu einer Verletzungshandlung gekommen, reicht es für die Annahme einer Schutzrechtsverwarnung aus, wenn der Schutzrechtsinhaber ernsthaft und endgültig geltend macht, dass die beabsichtigten Benutzungshandlungen sein Ausschließlichkeitsrecht verletzen, und er für den Fall der Verletzung die Durchsetzung seiner Rechte androht (BGH, GRUR 2011, 995 [juris Rn. 31] - Besonderer Mechanismus). Macht der Schutzrechtsinhaber dem Verwarnten zum Vorwurf, das Schutzrecht bereits verletzt zu haben und verlangt er in dieser Situation nicht die Abgabe einer Unterlassungserklärung, mag dies Zweifel an seinem ernsthaften Willen wecken, sein Schutzrecht tatsächlich durchzusetzen und notfalls gerichtliche Schritte einzuleiten, wenn sich der (vermeintliche) Verletzer nicht unterwirft (BGH, GRUR 2011, 995 [juris Rn. 29] - Besonderer Mechanismus).
Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine unter Fristsetzung erfolgte Forderung nach einer Unterlassungserklärung stets Voraussetzung für eine Schutzrechtsverwarnung ist (vgl. OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 6. Dezember 2005 - 11 U 28/05, juris Rn. 21; OLG Düsseldorf, Urteil vom 15. September 2011 - 2 W 58/10, juris Rn. 10). Es kommt vielmehr auf alle Umstände des Einzelfalls an, ob es sich bei der jeweils in Rede stehenden Geltendmachung des Schutzrechts durch den Schutzrechtsinhaber um ein ernsthaftes und endgültiges Verlangen an den Adressaten handelt, eine als Schutzrechtsverletzung beanstandete Handlung künftig nicht mehr vorzunehmen (vgl. BGH, GRUR 1979, 332 [juris Rn. 34] - Brombeerleuchte, offen gelassen BGH, GRUR 2011, 995 [juris Rn. 29] - Besonderer Mechanismus).
Maßgeblich ist insoweit die objektivierte Sicht des Empfängers der Verwarnung, ob dieser das Anliegen des Schutzrechtsinhabers als ernsthafte und endgültige Forderung verstehen muss, ein bestimmtes Verhalten sofort einzustellen (vgl. BGHZ 208, 119 [juris Rn. 30] - Unberechtigte Schutzrechtsverwarnung II; OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 6. Dezember 2005 - 11 U 28/05, juris Rn. 20; OLG Düsseldorf, Urteil vom 15. September 2011 - 2 W 58/10, juris Rn. 10; OLG Düsseldorf, GRUR-RR 2014, 315 [juris Rn. 37]; zur Abmahnung vgl. Großkomm.UWG/Feddersen aaO § 13 Rn. 34 mwN).
47 (b) Nach diesen Maßstäben hat das Berufungsgericht ohne Rechtsfehler angenommen, dass es sich bei den E-Mails der Beklagten zu 1 vom 20. Oktober 2017 um Schutzrechtsverwarnungen handelt. Die Auslegung dieser E-Mails ist Aufgabe des Tatgerichts. Sie unterliegt im Revisionsverfahren nur einer eingeschränkten Überprüfung im Hinblick darauf, ob gesetzliche Auslegungsgrundsätze, Denkgesetze oder Erfahrungssätze verletzt sind oder ob die Auslegung auf Verfahrensfehlern beruht, etwa weil wesentliches Auslegungsmaterial unter Verstoß gegen Verfahrensvorschriften außer Acht gelassen worden ist (st. Rspr.; vgl. BGHZ 234, 56 [juris Rn. 55] - YouTube II, mwN). Danach begegnet die Auslegung des Berufungsgerichts keinen rechtlichen Bedenken. Soweit die Revision der Ansicht ist, es fehle aus der Sicht der Adressaten der E-Mails der Beklagten zu 1 an der Ernstlichkeit des Unterlassungsverlangens, setzt sie lediglich ihre Beurteilung an die Stelle derjenigen des Berufungsgerichts, ohne einen durchgreifenden Rechtsfehler aufzuzeigen.
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54 (a) Die vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen rechtfertigen bereits nicht die Annahme, die Beklagte zu 1 habe Facebook, Twitter, Google und Apple eine Verletzung der Klagemarke vorgeworfen. Das Berufungsgericht hat lediglich festgestellt, dass die Beklagte zu 1 sich gegenüber diesen Plattformbetreibern auf ihre Inhaberschaft an der Klagemarke berufen und eine Verletzung der Klagemarke durch den Kläger behauptet hat.
55 (b) Nach den vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass in dem jeweiligen Ansinnen der Beklagten zu 1 aus Sicht der jeweiligen Plattformbetreiber ein ernstliches und endgültiges Unterlassungsverlangen zu sehen war. Dass die Beklagte zu 1 die Plattformbetreiber ernsthaft und endgültig zur Unterlassung einer eigenen Nutzung der Klagemarke beziehungsweise zur Unterbindung der Nutzung der Klagemarke durch den Kläger aufgefordert hätte, ergibt sich weder aus den Feststellungen des Landgerichts, auf die im Berufungsurteil Bezug genommen wird, noch aus den vom Landgericht seinerseits in Bezug genommenen Mitteilungen von Google an den Kläger vom 28. Oktober 2016 und aus der Korrespondenz des Klägers mit Facebook vom 27. Oktober 2016.
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64 (a) Mit dem Klageantrag I 1 a bb macht der Kläger der Beklagten zu 1 den Vorwurf, die von ihr ausgesprochene Schutzrechtsverwarnung vom 20. Oktober 2017 sei unberechtigt, weil in dem Einstellen von Verkaufsangeboten auf der Webseite www.black-friday.de des Klägers durch seinen Kunden keine Verletzung der Klagemarke liege. Dieser Vorwurf ist berechtigt. In der Inanspruchnahme eines markenverletzenden Dienstleistungsangebots liegt keine rechtsverletzende Benutzung des Zeichens für diese Dienstleistungen im Sinne von § 14 Abs. 2 MarkenG (vgl. Rn. 25). In diesem Zusammenhang kommt es auf die Löschung der Klagemarke für diese Dienstleistungen nicht an.
65 (b) Der Umstand, dass die Klagemarke auf Grund der Entscheidung des Bundespatentgerichts teilweise gelöscht worden ist, führt dazu, dass die mit dem Klageantrag I 1 b beanstandete Schutzrechtsverwarnung der Beklagten zu 1 vom 19. Oktober 2017 gegenüber einem Unternehmen, das auf die Plattform des Klägers verlinkt, als unberechtigt anzusehen ist. Da der Kläger die Klagemarke durch die Erbringung seiner Dienstleistung infolge der rückwirkenden Teillöschung der Klagemarke nicht verletzt, scheidet die Annahme einer Markenrechtsverletzung des Adressaten der Schutzrechtsverwarnung in Form einer Beteiligung an der Verwendung des Zeichens "Black Friday" durch den Kläger durch das Setzen eines Hyperlinks aus.
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68 (a) Insoweit ist das Berufungsgericht davon ausgegangen, dass die Beklagten zu 1 und 2 mit ihren Schutzrechtsverwarnungen den Adressaten nicht nur den Vorwurf der Verletzung der Klagemarke durch die Nutzung der Plattform des Klägers, sondern auch - wie der Kläger mit diesen Klageanträgen beanstandet - durch die Verwendung des Zeichens "Black Friday" in ihrer Werbung gemacht haben. Das Berufungsgericht hat zwar angenommen, die in diesem Zusammenhang in Rede stehenden Schutzrechtsverwarnungen seien unberechtigt, weil die Adressaten der Schutzrechtsverwarnungen den Begriff "Black Friday" beschreibend und nicht markenmäßig verwendet hätten. Die Revision rügt jedoch mit Recht, dass diese Beurteilung nicht von entsprechenden Feststellungen getragen wird.
69 (b) Nach der Rechtsprechung des Senats ist es erforderlich, die angegriffenen Nutzungshandlungen konkret darauf zu untersuchen, ob der Verkehr die in Rede stehende Verwendung des Zeichens als Herkunftshinweis für die in Frage stehenden Waren oder Dienstleistungen ansieht (vgl. BGH, Urteil vom 10. April 2008 - I ZR 167/05, GRUR 2009, 60 [juris Rn. 24] = WRP 2008, 1544 - LOTTOCARD; BeckOK.Markenrecht/Mielke, 37. Edition [Stand 1. April 2024], § 14 MarkenG Rn. 104 und 107; Hacker in Ströbele/Hacker/Thiering, MarkenG, 14. Aufl., § 14 Rn. 147; zur beschreibenden Verwendung der Klagemarke vgl. ferner KG, Urteil vom 14. Oktober 2022 - 5 U 46/21, juris Rn. 128 und 197). Die Beurteilung, ob eine konkrete Nutzungshandlung vom Verkehr als herkunftshinweisend angesehen wird, ist Aufgabe des Tatgerichts (vgl. BGH, GRUR 2009, 60 [juris Rn. 25] - LOTTOCARD; BGH, Urteil vom 30. März 2017 - I ZR 263/15, GRUR 2017, 1160 [juris Rn. 45] = WRP 2017, 1337 - Bretaris-Genuair). Eine solche Prüfung hat das Berufungsgericht nicht vorgenommen. Es ist nicht festgestellt, in welcher Weise das Zeichen von den Adressaten in der Werbung benutzt worden ist, für welche konkreten Waren oder Dienstleistungen dies erfolgt ist und dass das Zeichen in der konkreten Verwendung nicht als herkunftshinweisend verstanden wird.
70 (c) Aus der Teillöschung der Klagemarke folgt in diesem Zusammenhang nicht, dass die Schutzrechtsverwarnungen unberechtigt sind. Diese Teillöschung hat im vorliegenden Zusammenhang, in dem es um eine eigene Verwendung des Zeichens "Black Friday" durch die Adressaten der Schutzrechtsverwarnungen geht, keine Bedeutung. Die Klagemarke ist lediglich für Handelsdienstleistungen (Klasse 35), die sich auf Waren aus dem Elektro- und Elektronikbereich beziehen, gelöscht worden (BPatG, Beschluss vom 28. Februar 2020 - 30 W (pat) 26/18, juris Rn. 69, 225, 259), sowie für Werbedienstleistungen, nicht dagegen für andere Waren und für Handelsdienstleistungen, die sich auf zahlreiche andere Waren beziehen. Es ist weder vom Berufungsgericht festgestellt noch sonst ersichtlich, dass eine von den Beklagten zu 1 und 2 beanstandete eigene Verwendung des Zeichens "Black Friday" der Adressaten der Schutzrechtsverwarnungen Handelsdienstleistungen für Waren aus dem Elektro- und Elektronikbereich oder Werbedienstleistungen betrafen.
71 (d) Die Schutzrechtsverwarnungen sind auch nicht deshalb als unberechtigt anzusehen, weil die Klagemarke zwischenzeitlich hinsichtlich der Waren und Dienstleistungen rechtskräftig für verfallen erklärt worden ist, für die sie das Bundespatentgericht als unterscheidungskräftig angesehen hat (vgl. BPatG, Beschluss vom 28. Februar 2020 - 30 W (pat) 26/18, juris Tenor zu II). Zwar hat das Kammergericht in einem Rechtsstreit, in dem der Verfall der Klagemarke geltend gemacht worden ist, durch rechtskräftiges Urteil die Klagemarke für alle Waren und diejenigen Dienstleistungen für verfallen erklärt, soweit die Klagemarke nicht bereits durch die Entscheidung des Bundespatentgerichts gelöscht worden war (KG, Urteil vom 14. Oktober 2022 - 5 U 46/21, juris). Die Verfallserklärung entfaltet aufgrund der Festsetzung in der Verfallsentscheidung gemäß § 52 Abs. 1 Satz 2 MarkenG Wirksamkeit jedoch erst ab dem 25. April 2019 (KG, Urteil vom 14. Oktober 2022 - 5 U 46/21, juris Rn. 204 und Tenor). Die vom Kläger beanstandeten Maßnahmen der Beklagten zu 1 und 2 liegen vor diesem Zeitpunkt.
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Bereits die darin liegende Gefahr stellt - unabhängig davon, ob sich der unberechtigt verwarnte Abnehmer fügt oder nicht - eine unmittelbare Beeinträchtigung des Gewerbebetriebs des Herstellers und des Lieferanten dar (BGH, Urteil vom 19. Januar 2006 - I ZR 217/03, GRUR 2006, 433 [juris Rn. 18] = WRP 2006, 579 - Unbegründete Abnehmerverwarnung, mwN). Ein Eingriff in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb des Herstellers scheidet hingegen aus, wenn unter Zugrundelegung der der Verwarnung zu Grunde gelegten Rechtsauffassung nur der Adressat der Schutzrechtsverwarnung, nicht aber der diesen beliefernde Hersteller als Verletzer erscheint (BGH, Urteil vom 30. Januar 2007 - X ZR 53/04, BGHZ 171, 13 [juris Rn. 27 f.] - Funkuhr II, mwN;
OLG München, GRUR-RR 2020, 263 [juris Rn. 31]). Diese Grundsätze gelten entsprechend im Fall einer Verwarnung von Kunden eines Dienstleisters wie vorliegend, wenn der Schutzrechtsinhaber geltend macht, der Dienstleister verletze bei der Erbringung seiner Dienstleistungen seine Marke, und die Kunden auffordert, aus diesem Grund von der Inanspruchnahme dieser Dienstleistungen abzusehen.
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Im Fall einer Abnehmerverwarnung bedarf es bei der gebotenen Abwägung der Interessen des Verwarners und des Lieferanten einer besonders sorgfältigen Prüfung der Rechtslage. Der Abnehmer wird im Allgemeinen - wenn er auf Konkurrenzprodukte ausweichen kann - geneigt sein, sich der Verwarnung zu beugen, ohne deren Berechtigung näher zu prüfen, um damit einem Rechtsstreit aus dem Wege zu gehen. Derartige Verwarnungen bergen für das Unternehmen des Herstellers besondere Gefahren. Die allgemein anerkannte Rechtspflicht eines jeden, sich bei der Verfolgung seiner Rechte unter Berücksichtigung auch der Belange des vermeintlichen Schädigers auf die hierzu notwendigen Mittel zu beschränken, gebietet es, zu der risikoträchtigen Abnehmerverwarnung erst dann zu schreiten, wenn die Herstellerverwarnung erfolglos geblieben ist oder bei verständiger Abwägung der besonderen Umstände des Einzelfalls ausnahmsweise unangebracht erscheint und die vorausgegangene sorgfältige Prüfung der Rechtslage bei objektiver Betrachtungsweise den Verwarnenden davon überzeugen konnte, seine Ansprüche seien berechtigt.
Wird die vorgenommene Prüfung der Rechtslage den gebotenen erhöhten Anforderungen nicht gerecht, verwarnt der vermeintliche Verletzer gleichwohl die Abnehmer und stellt sich die Verwarnung als unberechtigt heraus, trägt er das damit verbundene Risiko (vgl. BGH, GRUR 1979, 332 [juris Rn. 83] - Brombeerleuchte; GRUR 2018, 862 [juris Rn. 92] - Ballerinaschuh). Hiervon ist das Berufungsgericht ausgegangen.
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Vor dem Hintergrund der zunehmenden Benutzung des Begriffs "Black Friday" für Rabattaktionen im November hätten die Beklagten davon ausgehen müssen, dass der Kläger und seine Kunden das Zeichen "Black Friday" nicht markenmäßig, sondern lediglich beschreibend verwendeten. All dies hätte den Beklagten Anlass geben müssen, zunächst die Entscheidung des Deutschen Patent- und Markenamtes über die anhängigen Löschungsanträge abzuwarten und im Hinblick auf mögliche Schutzrechtsverwarnungen zurückhaltend zu agieren.
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Dies steht der Annahme des Berufungsgerichts nicht entgegen, im Zeitpunkt der Verwendung der Schutzrechtsverwarnungen in den Jahren 2016 und 2017 - mehrere Jahre nach der Anmeldung der Klagemarke - sei der Begriff "Black Friday" erkennbar zunehmend, also auch über den Bereich des Handels mit Elektro- und Elektronikwaren und hierauf bezogene Werbedienstleistungen hinaus, beschreibend für Rabattaktionen verwendet worden, so dass die Verwendung dieses Zeichens in einem Angebot oder einer Werbung nicht von vornherein als Herkunftshinweis für angebotene beziehungsweise beworbene Waren oder Dienstleistungen, sondern als beschreibend wahrgenommen werde.
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89 Es kann nicht abschließend beurteilt werden, ob das Berufungsgericht zu Recht oder zu Unrecht den Beklagten zu 1 und 2 ihr Verhalten wechselseitig zugerechnet (dazu B II 2 g aa) oder den Beklagten zu 3 verurteilt hat (dazu B II 2 g bb). Die Klage erweist sich auch nicht im Hinblick auf die von den Beklagten erhobene Verjährungseinrede ganz oder teilweise als unbegründet (dazu B II 2 g cc).
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94 (a) Die Rüge der Revision, entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts hätten die Beklagten zu 1 und 2 ihr Verhalten nicht miteinander abgesprochen, vielmehr habe es eine klare, aus den Schreiben und E-Mails ersichtliche Aufgabenteilung gegeben, wonach die Beklagte zu 1 für die Verteidigung der Klagemarke gegen Rechtsverletzungen Dritter zuständig gewesen sei und die Beklagte zu 2 für die Lizenzierung, hat allerdings keinen Erfolg. Dieses Vorbringen steht der Beurteilung des Berufungsgerichts nicht entgegen, das gemeinsame Vorgehen von Markeninhaber und exklusivem Lizenznehmer sei auf dem Markt, für den der Lizenznehmer zuständig sei, unüblich und weise auf ein abgestimmtes Verhalten hin.
95 (b) Soweit die Revision geltend macht, die Beklagten zu 1 und 2 als voneinander unabhängige juristische Personen könnten nicht aufgrund eines einheitlichen Urteilsausspruchs zur Unterlassung verurteilt werden, weil damit jede Partei auch zukünftig für entsprechendes Verhalten der jeweils anderen Partei hafte, kann sie damit ebenfalls keinen Erfolg haben. Ist von einem kollusiven, das heißt gemeinschaftlichen Vorgehen der Beklagten zu 1 und 2 auszugehen, kann ihnen auch die weitere gemeinschaftliche Tatbegehung untersagt werden.
96 (c) Mit Recht rügt die Revision jedoch, dass das Berufungsgericht von kollusivem Vorgehen der Beklagten zu 1 und 2 ausgegangen ist, ohne den von den Beklagten zu 2 und 3 unter Angebot des Beweises durch Vernehmung von Zeugen gehaltenen Vortrag zu berücksichtigen, dass es zwischen den Beklagten zu 1 und 2 keine Absprache hinsichtlich eines gemeinsamen Vorgehens gegen den Kläger gegeben habe und der Beklagten zu 2 die Schreiben und E-Mails der Beklagten zu 1 nicht bekannt gewesen seien. Die Beklagte zu 1 habe im Herbst 2017 bei der Beklagten zu 2 angefragt, ob letztere einzeln benannten Händlern, die im Jahr 2016 die Klagemarke benutzt hätten, für das Jahr 2017 eine Unterlizenz erteilt habe. Der Beklagten zu 2 sei nicht bekannt gewesen, zu welchem genauen Zweck die Beklagte zu 1 diese Informationen abgefragt habe. Die Beklagte zu 2 habe sodann die von der Beklagten zu 1 genannten Händler angeschrieben und zum Erwerb einer Lizenz aufgefordert. Nur im Falle einer negativen Antwort habe sie an die Beklagte zu 1 zurückgemeldet, dass bisher keine Lizenz erteilt worden sei.
97 Nach diesem Vorbringen der Beklagten zu 2 und 3 hatte die Beklagte zu 2 keine Kenntnis vom Vorgehen der Beklagten zu 1. Da das Berufungsgericht seine Überzeugung, die Beklagten zu 1 und 2 hätten im Zeitraum von Oktober 2016 bis Oktober 2017 ihr Verhalten miteinander abgestimmt und gemeinschaftlich deutsche Kunden des Klägers angeschrieben, maßgeblich darauf gestützt hat, dass ein paralleles Vorgehen von Markeninhaber und exklusivem Lizenznehmer unüblich sei, stand der von ihm nicht berücksichtigte Vortrag der Beklagten zu 2 und 3 einer solchen Annahme entgegen. Es hätte sich hiermit auseinandersetzen und - wenn es hierauf angekommen wäre - hierzu gegebenenfalls Beweis erheben müssen.
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105 (a) Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts und der älteren Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs besteht zwischen wettbewerbsrechtlichen Ansprüchen und solchen aus § 823 Abs. 1 BGB grundsätzlich Anspruchskonkurrenz, so dass diese Ansprüche jeweils ihrer eigenen Verjährung unterliegen (RG, Urteil vom 28. Oktober 1924 - II 685/23, RGZ 109, 272, 279). Danach gilt für einen Anspruch wegen eines schuldhaften widerrechtlichen Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb, der gleichzeitig eine unlautere Wettbewerbshandlung darstellt, nicht die kurze wettbewerbsrechtliche, sondern die längere Verjährungsfrist des Deliktsrecht (BGH, Urteil vom 29. April 1958 - I ZR 56/57, GRUR 1959, 31, 34 - Feuerzeug als Werbegeschenk).
106 (b) Diese Rechtsprechung hat der Bundesgerichtshof aufgegeben (BGH, Urteil vom 22. Dezember 1961 - I ZR 152/59, BGHZ 36, 252 [juris Rn. 11 f.] - Gründerbildnis). Er hat dies damit begründet, dass die meisten Wettbewerbshandlungen in den gewerblichen Tätigkeitsbereich anderer Unternehmen eingreifen und dass weitgehend eine Überschneidung der hierfür geltenden Sondervorschriften mit dem Schutzbereich des Rechts am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb stattfindet. Bei solchen Überschneidungen sind bei Handlungen zu Zwecken des Wettbewerbs die Rechtsfolgen auf sachlich-rechtlichem Gebiet grundsätzlich den wettbewerbsrechtlichen Sondervorschriften zu entnehmen, denen gegenüber das Recht am eingerichteten Gewerbebetrieb nur lückenausfüllenden Charakter hat.
Das gilt insbesondere für die in § 21 UWG aF (§ 11 UWG) vorgesehene Sonderregelung der Verjährung von Ansprüchen aus dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, in der aus beachtenswerten rechtspolitischen Erwägungen eine kürzere Verjährungsfrist vorgesehen ist als für sonstige Ansprüche aus unerlaubten Handlungen. Es soll nicht auf dem Weg über das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb in nahezu allen Fällen des Wettbewerbsverstoßes die Inanspruchnahme der längeren Verjährungsfrist des § 852 BGB aF (§§ 195, 199 BGB) begründet werden können (BGHZ 36, 252 [juris Rn. 11 f.] - Gründerbildnis; BGH, Urteil vom 27. November 1963 - Ib ZR 49/62, GRUR 1964, 218 [juris Rn. 19] - Düngekalkhandel;
Urteil vom 28. September 1973 - I ZR 136/71, GRUR 1974, 99 [juris Rn. 19] - Brünova; Urteil vom 26. Januar 1984 - I ZR 195/81, GRUR 1984, 820 [juris Rn. 26] = WRP 1984, 678 - Intermarkt II; vgl. auch BGH, Urteil vom 23. Januar 1981 - I ZR 48/79, GRUR 1981, 517 [juris Rn. 40] = WRP 1981, 514 - Rollhocker; zur Anwendbarkeit des § 21 UWG aF [§ 11 UWG] auf Unterlassungsansprüche aus einer vertraglichen Unterlassungsverpflichtung vgl. BGH, Urteil vom 12. Juli 1995 - I ZR 176/93, BGHZ 130, 288 [juris Rn. 11] - Kurze Verjährungsfrist; zur längeren Verjährungsfrist für Vertragsstrafeansprüche vgl. BGHZ 130, 288 [juris Rn. 26] - Kurze Verjährungsfrist; BGH, Urteil vom 27. Oktober 2022 - I ZR 141/21, GRUR 2022, 1839 [juris Rn. 27] = WRP 2023, 71 - Vertragsstrafenverjährung).
Der Senat hat außerdem, wenn bei der Inanspruchnahme wettbewerbsrechtlichen Leistungsschutzes auch Ansprüche aus § 826 BGB wegen vorsätzlich-sittenwidriger Schädigung in Betracht kommen, die kurze Verjährungsfrist des § 21 UWG aF (§ 11 UWG) als wettbewerbsrechtliche Sonderregelung angesehen, die der längeren Frist des § 852 BGB aF vorgeht (BGH, Urteil vom 14. Januar 1999 - I ZR 203/96, GRUR 1999, 751 [juris Rn. 36] = WRP 1999, 816 - Güllepumpen). Ist ein Verhalten sowohl wegen der Verletzung eines den Schutz eines anderen bezweckenden Gesetzes als unerlaubte Handlung im Sinne von § 823 Abs. 2 BGB als auch wegen Verstoßes gegen eine Marktverhaltensregelung als unlautere geschäftliche Handlung im Sinne von § 4 Nr. 11 UWG aF (§ 3a UWG) anzusehen, richtet sich die Frage, welche Vorschriften für die Verjährung gelten, danach ob der Schwerpunkt des Unrechtsgehalts der verletzten Norm im Lauterkeitsrecht oder im Deliktsrecht liegt.
Liegt er im Deliktsrecht, greift nicht die kurze Verjährung des Wettbewerbsrechts, sondern die längere des Deliktsrechts ein (BGH, Urteil vom 10. Februar 2011 - I ZR 136/09, BGHZ 188, 326 [juris Rn. 56] - Flughafen Frankfurt-Hahn).
107 (c) Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat die Auffassung vertreten, dass unberechtigte Schutzrechtsverwarnungen aus einem Kennzeichenrecht Ansprüche nicht aus § 823 Abs. 1 BGB, sondern lediglich wettbewerbsrechtliche Ansprüche begründen sollten und hat dem Großen Senat für Zivilsachen die Frage vorgelegt, ob eine unbegründete Schutzrechtsverwarnung Ansprüche aus § 823 Abs. 1 BGB wegen eines Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb oder aber, falls nicht § 826 BGB eingreift, Ansprüche nur aus dem Recht des unlauteren Wettbewerbs auslöst (BGH, Beschluss vom 12. August 2004 - I ZR 98/02, GRUR 2004, 958 [juris Rn. 16 und 30] = WRP 2004, 1366 - Verwarnung aus Kennzeichenrecht I). Der Große Senat für Zivilsachen hat die Frage dahingehend beantwortet, dass die unbegründete Verwarnung aus einem Kennzeichenrecht ebenso wie eine sonstige unberechtigte Schutzrechtsverwarnung unter dem Gesichtspunkt eines rechtswidrigen und schuldhaften Eingriffs in das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb zum Schadensersatz verpflichten kann (BGHZ 164, 1 - Unberechtigte Schutzrechtsverwarnung I).
108 (d) In Rechtsprechung und Literatur wird seitdem die auch vom Berufungsgericht für richtig gehaltene Ansicht vertreten, dass für Ansprüche wegen unberechtigter Schutzrechtsverwarnung die für § 823 Abs. 1 BGB geltende allgemeine Verjährung nach §§ 195, 199 BGB eingreifen sollte (OLG Frankfurt am Main, WRP 2022, 87 [juris Rn. 69]; LG Frankfurt am Main, Urteil vom 24. August 2016 - 2-06 O 426/15, juris Rn. 130; BeckOK.UWG/Eichelberger, 23. Edition [Stand 1. Oktober 2023], § 11 Rn. 30; Köhler/Alexander in Köhler/Bornkamm/Feddersen aaO § 4 Rn. 4.180, § 11 Rn. 1.8; MünchKomm.BGB/Wagner, 9. Aufl., § 823 Rn. 420; MünchKomm.UWG/Jänich, UWG, 3. Aufl., § 4 Nr. 4 Rn. 130; Omsels in Harte-Bavendamm/Henning-Bodewig, UWG, 5. Aufl., § 4 Rn. 512;
Großkomm.UWG/Toussaint aaO § 11 Rn. 33; Götting/Meyer/Vormbrock, Gewerblicher Rechtsschutz, 2. Aufl., § 31 Rn. 55). Zur Begründung wird angeführt, dass sich der Entscheidung des Großen Senats für Zivilsachen entnehmen lasse, dass der Anspruch aus § 823 Abs. 1 BGB gegenüber dem wettbewerbsrechtlichen Anspruch nicht subsidiär sei (BeckOK.UWG/Eichelberger aaO § 11 Rn. 30; Hasselblatt/Witschel in Gloy/Loschelder/Danckwerts aaO § 52 Rn. 165; Köhler/Alexander in Köhler/Bornkamm/Feddersen aaO § 4 Rn. 4.176a). Außerdem liege bei der unberechtigten Schutzrechtsverwarnung der Schwerpunkt der unerlaubten Handlung nicht in einem unlauteren Verhalten, sondern im Erfolg in Form des Eingriffs in den Gewerbebetrieb eines Dritten (Omsels in Harte-Bavendamm/Henning-Bodewig aaO § 4 Rn. 512).
Lasse man beim Zusammentreffen von wettbewerbsrechtlichen Ansprüchen und solchen nach § 823 Abs. 1 BGB die kurze Verjährungsfrist greifen, verjährten Ansprüche wegen einer einfachen Schutzrechtsverwarnung in drei Jahren, während beim Hinzukommen einer Behinderungsabsicht die kurze Verjährungsfrist gelte (MünchKomm.UWG/Jänich aaO § 4 Nr. 4 Rn. 130). Teilweise wird vertreten, die längere Regelverjährung solle gelten, wenn der Eingriff in seinem Unwertgehalt über einen wettbewerbsrechtlichen Verstoß hinausgehe, was insbesondere bei unberechtigten Schutzrechtsverwarnungen der Fall sein soll (BeckOK.UWG/Eichelberger aaO § 11 Rn. 30; Großkomm.UWG/Toussaint aaO § 11 Rn. 33), weil sie mit ihren gravierenden Konsequenzen über einen schlichten Wettbewerbsverstoß hinausreichten (Büscher/Hohlweck aaO § 11 Rn. 24).
109 (e) Demgegenüber wird in Übereinstimmung mit der vor der Entscheidung des Großen Senats für Zivilsachen ergangenen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs die Ansicht vertreten, dass auf Ansprüche aus § 823 Abs. 1 BGB wegen einer unberechtigten Schutzrechtsverwarnung die kurze Verjährung gemäß § 11 UWG anzuwenden sei, wenn das Verhalten des Verwarnenden zugleich einen wettbewerbsrechtlichen Anspruch begründe (OLG Hamburg, GRUR-RR 2003, 257 [juris Rn. 64]; OLG Brandenburg, Urteil vom 12. Juni 2007 - 6 U 122/06, juris Rn. 16; Ahrens/Bornkamm, Wettbewerbsprozess, 9. Aufl., Kap. 33 Rn. 31; Ekey in Ekey/Klippel/Kotthoff/Meckel/Plaß, Wettbewerbsrecht, 2. Aufl., § 11 Rn. 69; Erman/Wilhelmi, BGB, 17. Aufl., § 823 BGB Rn. 61;
Fritzsche, Unterlassungsanspruch und Unterlassungsklage, S. 489 f.; jurisPK.UWG/Müller-Bidinger, Stand 24. Februar 2021, § 4 Nr. 4 Rn. 260; Marx in Götting/Meyer/Vormbrock aaO § 39 Rn. 211; MünchKomm.UWG/Fritzsche aaO § 11 Rn. 69; Großkomm.UWG/Obergfell aaO § 4 Rn. 171; Sosnitza in Ohly/Sosnitza, UWG, 8. Aufl., § 11 Rn. 11; Scheuerl, GRUR 2015, 610, 611; Staudinger/Peters/Jacoby, BGB [2019], § 195 Rn. 34; Teplitzky/Bacher, Wettbewerbsrechtliche Ansprüche und Verfahren, 12. Aufl., Kap. 16 Rn. 17), jedenfalls in analoger Anwendung von § 11 UWG (jurisPK.UWG/Ernst, Stand 21. November 2022, § 11 Rn. 12; Menebröcker in Götting/Nordemann, UWG, 3. Aufl., § 11 Rn. 6; Sack, Unbegründete Schutzrechtsverwarnung, S. 199).
Dies wird einerseits damit begründet, dass das UWG insoweit als lex specialis anzusehen sei (zu § 21 UWG aF OLG Hamburg, GRUR-RR 2003, 257 [juris Rn. 64]; Schulz, WRP 2005, 274, 276; Sack in Festschrift Ullmann, 2006, S. 825, 830) und ferner damit, dass die kurze Verjährungsfrist des § 11 UWG leerlaufe, wenn nach Ablauf der Frist weiterhin konkurrierende Ansprüche aus § 823 Abs. 1 BGB bestünden (Sack in Festschrift Ullmann aaO S. 825, 830). Schließlich bestehe im geschäftlichen Verkehr ein beiderseitiges Interesse der Mitbewerber an einer schnellen Klärung etwaiger Ansprüche (jurisPK.UWG/Müller-Bidinger aaO § 4 Nr. 4 Rn. 260). Die Entscheidung "Unberechtigte Schutzrechtsverwarnung I" des Großen Senats für Zivilsachen stehe dem nicht entgegen, da dieser auf die Frage der Verjährung nicht eingegangen sei (jurisPK.UWG/Müller-Bidinger aaO § 4 Nr. 4 Rn. 260).
110
111 Die Entscheidung "Unberechtigte Schutzrechtsverwarnung I" des Großen Senats für Zivilsachen gibt keinen Anlass, von der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Verjährung von Ansprüchen wegen eines Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb nach § 823 Abs. 1 BGB einerseits und einer damit zugleich verwirklichten Wettbewerbsverletzung andererseits, jeweils in Form einer unberechtigten Schutzrechtsverwarnung oder dieser vergleichbaren Maßnahme, abzuweichen. Der Große Senat für Zivilsachen hat sich zu der Frage der maßgeblichen Frist für die Verjährung von Ansprüchen wegen einer unberechtigten Schutzrechtsverwarnung nicht geäußert.
112 Bei der Abnehmerschutzrechtsverwarnung geht der Wettbewerbsverstoß regelmäßig mit dem Eingriff in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb des Herstellers einher. Die Verwarnung kann dazu führen und dient regelmäßig dazu, dass die verwarnten Abnehmer auf die Produkte des verwarnenden Schutzrechtsinhabers statt derer seines durch die Abnehmerschutzrechtsverwarnung in seinem eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb betroffenen Mitbewerbers zurückgreifen. Dies zeigen auch die Entscheidung des Großen Senats für Zivilsachen (BGHZ 164, 1 [juris Rn. 16] - Unberechtigte Schutzrechtsverwarnung I; vgl. auch BGH, GRUR 2009, 878 [juris Rn. 17] - Fräsautomat) sowie im Streitfall die Feststellungen des Berufungsgerichts zu den E-Mails der Beklagten zu 2, wonach die Möglichkeit bestehe, dass sich die Verwarnten vorsichtshalber dazu entscheiden, die Plattformen der Beklagten zu 2 zu nutzen.
Das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb hat als Auffangtatbestand weiterhin einen lückenausfüllenden Charakter (BGH, Urteil vom 24. Januar 2006 - XI ZR 384/03, BGHZ 166, 84 [juris Rn. 91 und 93]; Urteil vom 3. Juni 2020 - XIII ZR 22/19, NZBau 2020, 609 [juris Rn. 22] - Vergabesperre; Urteil vom 5. November 2020 - I ZR 234/19, GRUR 2021, 497 [juris Rn. 64] = WRP 2021, 184 - Zweitmarkt für Lebensversicherungen I; BeckOGK.BGB/Spindler, Stand: 1. August 2023, § 823 Rn. 206; Ohly in Ohly/Sosnitza aaO Einführung D Rn. 60), auch wenn der Anspruch aus § 823 Abs. 1 BGB nicht durch den wettbewerbsrechtlichen Anspruch verdrängt wird. Der Schwerpunkt der Abnehmerschutzrechtsverwarnung liegt damit nicht außerhalb des Lauterkeitsrechts.
Für Ansprüche im Verhältnis von Wettbewerbern hat sich der Gesetzgeber jedoch mit § 11 UWG unter anderem deshalb für eine kurze Verjährungsfrist entschieden, weil dort ein Bedürfnis besteht, wegen der Schwierigkeiten der tatsächlichen Feststellbarkeit Wettbewerbsstreitigkeiten möglichst bald zum Austrag zu bringen (vgl. BGH, Urteil vom 10. Januar 1968 - Ib ZR 149/65, GRUR 1968, 367 [juris Rn. 42] = WRP 1968, 193 - Corrida; BGH, GRUR 1984, 820 [juris Rn. 26] - Intermarkt II; Köhler in Köhler/Bornkamm/Feddersen aaO § 11 Rn. 1.2 mwN).
113
114 (a) Der Kläger und die Beklagte zu 1 sind Mitbewerber im Sinne von § 2 Nr. 4 UWG. Die Eigenschaft als Mitbewerber gemäß § 8 Abs. 3 Nr. 1 UWG erfordert ein konkretes Wettbewerbsverhältnis im Sinne des § 2 Abs. 1 Nr. 4 UWG. Ein solches liegt vor, wenn beide Parteien gleichartige Waren oder Dienstleistungen innerhalb desselben Endverbraucherkreises abzusetzen versuchen und daher das Wettbewerbsverhalten des einen den anderen beeinträchtigen, das heißt im Absatz behindern oder stören kann (st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 13. Juli 2023 - I ZR 152/21, GRUR 2023, 1299 [juris Rn. 19] = WRP 2023, 1083 - muenchen.de, mwN). Diese Voraussetzung ist hier erfüllt.
115 Zwar hat das Berufungsgericht die Mitbewerberstellung zwischen dem Kläger einerseits und den Beklagten zu 1 und zu 2 andererseits nicht konkret festgestellt. Der Senat kann die Beurteilung auf Grundlage der vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen jedoch selbst vornehmen. Der Kläger und die Beklagte zu 1 sind Mitbewerber. Ein konkretes Wettbewerbsverhältnis besteht regelmäßig auch dann, wenn der Schutzrechtsinhaber die Herstellung oder den Vertrieb eines von diesem Schutzrecht erfassten Produktes lizenziert und der Verletzer gleichartige Produkte anbietet oder vertreibt. Auch in einem solchen Fall stellt sich der Verletzer durch seine Verletzungshandlung in Wettbewerb zu dem Schutzrechtsinhaber und kann sein Wettbewerbsverhalten diesen im Absatz behindern oder stören, da der Absatzerfolg des Lizenzgebers letztlich vom Absatzerfolg des lizenzierten Produkts abhängt (vgl. BGH, Urteil vom 10. April 2014 - I ZR 43/13, GRUR 2014, 1114 [juris Rn. 33] = WRP 2014, 1307 - nickelfrei, mwN). Auch die Beklagte zu 2 und der Kläger sind Mitbewerber. Das Berufungsgericht hat festgestellt, dass die Beklagte zu 2 als ausschließliche Lizenznehmerin der Beklagten zu 1 die größte Konkurrentin des Klägers auf dem deutschen Markt ist.
116 (b) Eine unlautere Behinderung von Mitbewerbern setzt eine Beeinträchtigung der wettbewerblichen Entfaltungsmöglichkeiten der Mitbewerber voraus, die über die mit jedem Wettbewerb verbundene Beeinträchtigung hinausgeht und bestimmte Unlauterkeitsmerkmale aufweist (st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 22. September 2021 - I ZR 192/20, GRUR 2022, 160 [juris Rn. 72] = WRP 2022, 177 - Flying V, mwN). Dies ist auch der Fall, wenn eine Absatzbehinderung durch eine auf Grund der Schutzrechtslage unbegründete Äußerung des Mitbewerbers gegenüber den (potentiellen) Abnehmern des Mitbewerbers über (vermeintliche) Schutzrechtsverletzungen vorliegt, da diese die dem Schutz gewerblicher Schutzrechte gesetzten Grenzen überschreitet und vom Mitbewerber daher nicht hingenommen werden muss (vgl. BGH, GRUR 2009, 878 [juris Rn. 18] - Fräsautomat). So liegt es im Streitfall, soweit die vom Kläger angegriffenen Schutzrechtsverwarnungen der Beklagten zu 1 und 2 als unberechtigt anzusehen sind beziehungsweise sich noch als unberechtigt erweisen sollten.
117
118 (a) Die Ansprüche des Klägers gegenüber der Beklagten zu 2 sind nicht gemäß § 11 Abs. 1 UWG verjährt. Der Kläger greift insoweit Schutzrechtsverwarnungen durch E-Mails vom 13. Oktober 2017 und 16. Oktober 2017 - Klageanträge I 1 a aa (1) (1.2) und I 1 a aa (1) (1.3) und I 1 a aa (1) (2.2) - an. Die am 21. Februar 2018 eingereichte Klageschrift ist der Beklagten zu 2 am 8. März 2018 zu Händen ihrer Prozessbevollmächtigten und damit vor Ablauf der Sechsmonatsfrist gemäß § 11 Abs. 1 UWG zugestellt worden, so dass die Verjährung gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB gehemmt wäre. Auf den Zeitpunkt der Kenntniserlangung von den E-Mails durch den Kläger gemäß § 11 Abs. 2 Nr. 2 UWG kommt es insoweit nicht an.
119 Dies gilt auch, soweit der Beklagten zu 2 - nach erneuter Prüfung durch das Berufungsgericht - die sechs Monate vor dem 8. März 2018 verfassten Schutzrechtsverwarnungen der Beklagten zu 1 wegen kollusiven Zusammenwirkens zugerechnet werden sollten. Einer gesonderten Prüfung bedürfte die Verjährungsfrage, wenn sich die Schutzrechtsverwarnung der Beklagten zu 1 vom 21. Oktober 2016 als unberechtigt erweisen sollte.
120 (b) Ob hinsichtlich der vorgenannten Klageanträge auch eine Verjährung gegenüber dem Beklagten zu 3 eingetreten ist, kann der Senat nicht abschließend beurteilen. Im landgerichtlichen Urteil, auf dessen tatsächliche Feststellungen das Berufungsgericht Bezug genommen hat, heißt es zwar, dass die Klage auch dem Beklagten zu 3 am 8. März 2018 zu Händen seiner Prozessbevollmächtigten zugestellt worden sein soll. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine für das Revisionsverfahren gemäß § 559 Abs. 2 ZPO bindende tatsächliche Feststellung, sondern um das Ergebnis einer - im Streitfall unzutreffenden - rechtlichen Würdigung. Zwar ist die Klageschrift den späteren gemeinsamen Prozessbevollmächtigten der Beklagten zu 2 und 3 am 8. März 2018 zugestellt worden.
Ein für eine förmliche Zustellung unabdingbares Wirksamkeitserfordernis ist es jedoch, dass das Gericht die Zustellung mit Zustellungswillen an einen bestimmten Zustellungsadressaten bewirken wollte. Besondere Bedeutung ist dem Erfordernis eines solchen Zustellungswillens namentlich dann beizumessen, wenn mit der Zustellung eine Notfrist in Gang gesetzt werden (BGH, Beschluss vom 4. Juli 2017 - VIII ZB 85/16, NJW-RR 2017, 1086 [juris Rn. 13]) oder - wie hier - die Verjährung gehemmt werden soll. Das Landgericht hat die Klageschrift den späteren gemeinsamen Prozessbevollmächtigten der Beklagten zu 2 und 3 lediglich als Prozessbevollmächtigten der Beklagten zu 2 zustellen wollen, nur insoweit liegt die für eine wirksame Zustellung gemäß § 166 ZPO erforderliche Zustellabsicht vor.
Eine Zustellung an den Beklagten zu 3 hat das Landgericht zwei Mal gegen Einschreiben gegen Rückschein verfügt. Da die Rückscheine sich nicht bei der Akte befinden, ist angesichts der Verteidigungsanzeige der Prozessbevollmächtigten der Beklagten zu 2 auch für den Beklagten zu 3 am 5. April 2018 davon auszugehen, dass dem Beklagten zu 3 jedenfalls spätestens an diesem Tag die Klageschrift vorgelegen hat (vgl. § 189 ZPO). Dieser Zeitpunkt lag außerhalb der sechsmonatigen Frist des § 11 Abs. 1 UWG.
121 Die Einreichung der Klage am 21. Februar 2018 hat die Verjährung gegenüber dem Beklagten zu 3 gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB deshalb nur gehemmt, wenn die Zustellung der Klageschrift an den Beklagten zu 3 auf den Zeitpunkt ihrer Einreichung gemäß § 167 ZPO zurückwirkt, weil sie demnächst erfolgt ist. Das Berufungsgericht hat die hierzu anzustellende wertende Betrachtung - von seinem Standpunkt aus folgerichtig - nicht vorgenommen. Dem Senat ist insoweit eine eigene Beurteilung versagt (BGH, GRUR 2022, 1839 [juris Rn. 38] - Vertragsstrafenverjährung, mwN).
122 (c) Der Senat kann nicht beurteilen, ob die gegen die Beklagte zu 1 erhobenen Ansprüche verjährt sind.
123 Zwar erfolgte die Einreichung der Klage am 21. Februar 2018 noch innerhalb der Frist des § 11 Abs. 1 UWG, soweit sich der Kläger gegen die Schutzrechtsverwarnungen der Beklagten zu 1 vom 19. Oktober 2017 (Klageantrag I 1 b) und 20. Oktober 2017 (Klageanträge I 1 a aa (1) (1.2) und I 1 a aa (2) (2.1) und I 1 a bb) - wendet. Allerdings ist die Klage der Beklagten zu 1 erst am 27. Dezember 2018 - nach zwei gescheiterten Versuchen, ihr die Klage in der Sonderverwaltungszone Hongkong der Volksrepublik China zuzustellen - öffentlich zugestellt worden. Auch insoweit wird das Berufungsgericht die erforderliche wertende Betrachtung nachzuholen haben, ob die Zustellung der Klage auf den Zeitpunkt ihrer Einreichung gemäß § 167 ZPO zurückwirkt.
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