BGH, Beschluss vom 25.02.2026 – I ZB 36/25
KORE704772026 ECLI:DE:BGH:2026:250226BIZB36.25.0 BGH 1. Zivilsenat 20260225 I ZB 36/25 Beschluss vorgehend BGH, 23. Februar 2026, Az: I ZB 36/25, Beschlussvorgehend BGH, 3. November 2025, Az: I ZB 36/25, Beschlussvorgehend BGH, 15. September 2025, Az: I ZB 36/25, Beschlussvorgehend LG Meiningen, 17. März 2025, Az: 3 S 9/25vorgehend AG Sonneberg, 16. Januar 2025, Az: 5 C 171/24nachgehend BGH, 7. April 2026, Az: I ZB 36/25, Beschluss DEU Bundesrepublik Deutschland Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 3. Zivilkammer des Landgerichts Meiningen vom 17. März 2025 wird auf Kosten der Klägerin als unzulässig verworfen.
1 I. Der Beklagte ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und erstellte im Auftrag des Amtsgerichts Sonneberg ein vorläufiges Sachverständigengutachten in einer Familiensache, an der die Klägerin als Beklagte beteiligt ist. Die gegen die Verarbeitung der Daten der Klägerin gerichtete, auf Art. 79 der Verordnung (EU) 2016/679 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und zum freien Datenverkehr (Datenschutz-Grundverordnung, DSGVO) gestützte Klage hat das Amtsgericht abgewiesen. Hiergegen hat die Klägerin, vertreten durch den "A. e.V.", Berufung eingelegt. Das Berufungsgericht hat die Berufung als unzulässig verworfen, weil sich die Klägerin nicht, wie von § 78 Abs. 1 Satz 1 ZPO vorgesehen, durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen habe und sich auch aus Art. 80 Abs. 1 DSGVO keine Postulationsfähigkeit des für sie auftretenden "A. e.V." vor dem Landgericht ergebe. Hiergegen hat die Klägerin, vertreten durch einen beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt, Rechtsbeschwerde eingelegt. Den Antrag der Klägerin auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für das beabsichtigte Rechtsbeschwerdeverfahren hat der Senat mit Beschluss vom 15. September 2025 (NJW-RR 2025, 1406) abgelehnt. Die dagegen gerichtete Anhörungsrüge hat der Senat mit Beschluss vom 3. November 2025 (juris) zurückgewiesen.
2 II. Die nach § 522 Abs. 1 Satz 4, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO statthafte und auch gemäß den Erfordernissen von §§ 575 und 78 Abs. 1 ZPO form- und fristgerecht eingelegte Rechtsbeschwerde ist unzulässig, weil weder die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat noch die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts erfordert (§ 574 Abs. 2 ZPO). Die auf der vom Berufungsgericht vorgenommenen Auslegung von § 78 Abs. 1 Satz 1 ZPO und Art. 80 Abs. 1 DSGVO beruhende Verwerfung der Berufung als unzulässig beruht weder auf einer Verletzung des aus Art. 2 Abs. 1 GG in Verbindung mit dem Rechtsstaatsprinzip folgenden Verfahrensgrundrechts der Klägerin auf effektiven Rechtsschutz, noch ergibt sich daraus eine klärungsbedürftige Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung.
3 1. Nach § 78 Abs. 1 Satz 1 ZPO müssen sich die Parteien vor den Landgerichten und Oberlandesgerichten durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen. Das Berufungsgericht ist daher zu Recht davon ausgegangen, dass der "A. e.V." in dem vor dem Landgericht geführten Berufungsverfahren gemäß § 78 Abs. 1 Satz 1 ZPO nicht postulationsfähig ist.
4 2. Etwas anderes ergibt sich entgegen der Ansicht der Rechtsbeschwerde auch nicht aus Art. 80 Abs. 1 DSGVO. Wie das Berufungsgericht zutreffend erkannt hat, wird das in § 78 Abs. 1 Satz 1 ZPO normierte Erfordernis, dass sich Parteien vor den Landgerichten und Oberlandesgerichten durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen müssen, durch Art. 80 Abs. 1 DSGVO nicht modifiziert (vgl. BGH, Beschluss vom 15. September 2025 - I ZB 36/25, NJW-RR 2025, 1406 [juris Rn. 6]; VG Weimar, LKV 2022, 429 [juris Rn. 31 f.]; Plath/Becker, DSGVO/BDSG/TTDSG, 4. Aufl., Art. 80 DSGVO Rn. 3; Dürbeck, NZFam 2025, 1208; Laue/Nink/Kremer, Datenschutzrecht in der betrieblichen Praxis, 3. Aufl., § 13 Rn. 54; Nemitz in Ehmann/Selmayr, DSGVO, 3. Aufl., Art. 80 Rn. 11; Moos/Schefzig in Taeger/Gabel, DSGVO- BDSG -TDDDG, 5. Aufl., Art. 80 DSGVO Rn. 16; Schaffland/Holthaus in Schaffland/Wiltfang, DS-GVO/BDSG, Stand: Oktober 2025, Art. 80 DSGVO Rn. 6; Werkmeister in Gola/Heckmann, DSGVO - BDSG, 3. Aufl., Art. 80 DSGVO Rn. 8; ähnlich Kreße in Sydow/Marsch, DSGVO/BDSG, 3. Aufl., Art. 80 DSGVO Rn. 11; offenlassend Bergt in Kühling/Buchner, DSGVO BDSG, 4. Aufl., Art. 80 DSGVO Rn. 11a bis c; Halder, Private Enforcement und Datenschutzrecht, 2022 Rn. 112).
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14 3. Eine Vorlage an den Gerichtshof der Europäischen Union nach Art. 267 Abs. 3 AEUV ist nicht veranlasst (vgl. EuGH, Urteil vom 6. Oktober 1982 - 283/81, Slg. 1982, 3415 = NJW 1983, 1257 [juris Rn. 21] - Cilfit u.a.; Urteil vom 1. Oktober 2015 - C-452/14, GRUR Int. 2015, 1152 [juris Rn. 43] - Doc Generici; Urteil vom 6. Oktober 2021 - C-561/19, NJW 2021, 3303 [juris Rn. 32 f.] - Consorzio Italian Management und Catania Multiservizi), da die sich stellende Frage zur Auslegung des Art. 80 Abs. 1 DSGVO zweifelsfrei zu beantworten ist.
15 4. Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.
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