Tenor Der Beklagte zu 1 wird verurteilt, es zu unterlassen, die nachfolgenden Passagen zu veröffentlichen oder zu verbreiten: (
- a)»Das hast du fein gemacht, Volksschriftsteller!« »Er ist natürlich einer der Dreckigsten« »Kalt wie ein Fisch …« »Ich bin Bundeskanzler, ich bin Nassrasierer!« »Hauptverderber in Schrift und Ton« »Wenn ich einen Kreisverband habe, nehmen wir einmal an: mit fünfzig Leuten, die die Macher sind: Da gibt es menschliche Strukturen. Die wissen sehr viel voneinander. Die wissen, der hat eine Freundin. Die wissen, der hat Schulden. Die wissen, da hat dem die Kreissparkasse geholfen. Das ist ein ganz normales System.« »den Vater meiner Mutter, der 1930 kurz vor meiner Geburt starb«. (…) (»wir hatten ein ganz ungewöhnlich gutes Verhältnis«), dann sprach er den erlösenden Satz: »Gut, wir machen an dieser Stelle Schluss!«. »Das Buch ist ja noch nicht geschrieben«, klagte er am 2. April 2001, »wo etwas über Helmut Kohl und die Medien und die Verzerrung meines Bildes steht.« »Der Heuss hat Schwäbisch gesprochen, dass man ihn fast nicht verstand«, räsoniert er schon in einem der ersten Gespräche, »aber wer Pfälzisch sprach, musste intellektuell eine Null sein.« »Lange vor der Bundestagswahl begann man das Bild vom Trottel aus Oggersheim aufzubauen.« »Die SPD hat das gemacht. Die hatte eigene Arbeitsgruppen: Wie kann man dem Kohl das Wasser abgraben? ›Der Bauer aus der Pfalz.‹ Es hing an mir: Der ist Provinzler! Und dagegen der Weltbürger Schmidt mit den großen Perspektiven, der ein glänzendes Englisch spricht. Das ist immer weiter kultiviert worden, mit Modifikationen. ›Birne‹ zum Beispiel! All die Beschimpfungen. Das müssen wir meines Erachtens noch ein bisschen herausarbeiten.« »Ich bin sprachlich nicht sehr begabt und gab mir auch keine Mühe. Ich wurde zum Bundeskanzler gewählt und nicht zum Dolmetscher.« (»Bin ich denn wirklich so interessant?«) »Das kannst du später einmal schreiben« »Wir müssen neu denken« »Kein Mensch wird es je erfahren.« »Ich habe Fehler gemacht, ohne es zu wollen, vor allem im psychologischen Bereich. Möglicherweise war aber auch meine schiere Existenz für Wolfgang Schäuble eine Belastung.« »Wir haben dort jeden Ärger mit dem roten Pack erlebt. Nach ein paar Jahren war ich ja Ministerpräsident. Meine Frau kann euch das mit allem Abscheu im Gesicht noch einmal erzählen. Da haben uns die Roten beispielsweise ein, zwei Jahre lang in der Woche mindestens viermal gebrauchte Präservative in den Vorgarten geschmissen mit dem Ergebnis, dass unser großer, wunderschöner Schäferhund aus der Tür rausschoss, die Präservative sofort ins Maul nahm, hin und her schüttelte und damit in der Straße rumlief. Das hat meine Frau immer bis zum Äußersten erregt.« »Über was reden wir denn heut?«, lautete seine Standarderöffnung. »Wann war Ohnesorg und diese Sache? « – »Wann ist Brandt zurückgetreten?« – »Wann bin ich Ministerpräsident geworden?« (…)»Ihr Historiker wisst mal wieder gar nichts!« »Gell, Sie schauen am Samstag vorbei?« »Er war sehr viel älter als seine Frau und starb standesgemäß an einer Austernvergiftung.« »Was ihren Kenntnisstand betrifft, lag sie weit über dem Durchschnitt des oberen Drittels des Deutschen Bundestags.« »blendend aussehenden Frau, einer Blondine mit gewaltiger Mähne« »Im Umfeld unseres Schülermilieus hatte sie den King. Ihr wäre niemand dumm gekommen. Dies ist bis zum heutigen Tag so geblieben. Wer mich verletzen wollte, griff meine Frau an.« »Sie fand es empörend, wie er sich in der Spendenaffäre verhalten hat.« Er selbst, sagt er, sei für die Seine stets »ein Fels in der Brandung« gewesen. »Und jetzt kommt die Liebeserklärung« »Für sie war der Verlust des Haares ein furchtbarer Verlust«, sagt er und macht einen kleinen Scherz, der auf Kosten sowohl seiner als auch meiner Kopflichtung geht: »Wir können da nicht mitreden, Herr A, und ich schon gar nicht, wenn wir uns im Z betrachten.« »Wann hat die Ziege ihn geschlagen?« »Das hast du fein gemacht, Volksschriftsteller!« Ihr Freund aber sagte, sichtlich erbost, nur den einen Satz. »Das stimmt, und das bleibt so!« »Nein, Maike Richter wird nie mehr dabei sein. Aber du kommst bitte in vierzehn Tagen wieder.« »Ich möchte, dass ihr euch vertragt.« »erschien ganz aufgeregt in der Staatskanzlei und sagte, das könne ich doch nicht machen. Er fühle sich von mir persönlich beleidigt. Ich sagte ihm, dass ich meinen Brief nicht zurücknehmen werde. Wenn er mehr geben würde, sei die Sache in Ordnung. Dann gaben sie 100000 D-Mark.« »Die hatten ja nicht zuletzt mit unserer und meiner Unterstützung den großen Lastwagenbetrieb in Wörth gebaut. Das Land hatte viel für sie gemacht.« »Wir mussten Tragödien ausbügeln. Wir hatten ja zum Beispiel mehrmals Selbstmorde, bei denen die Kassenlage der betroffenen Familien katastrophal war und man zu helfen versuchte. Wenn dann die Reifenhändler kommen und sagen: ›Da sind noch 6 000 D-Mark offen von Reifen, die nicht bezahlt wurden!‹ – Was macht man dann? Man kann natürlich sagen, das muss durchkonjugiert werden. Und dann steht man dauernd in der Zeitung. Das hat eine unglaubliche Wahlwirksamkeit.« (…) »Wir waren immer blank.« (…) »mit der klaren Maßgabe, dass ich sie einsetze, wie ich es für richtig halte«. (…) »nicht nachgewiesen werden muss, woher sie kommen. Mit diesen 5Prozent wären all unsere Probleme gelöst gewesen.« (…) »hat der Staatsanwalt das Haus Flick überfallen und alle Akten mitgenommen«. (…) »die Sache dann einen fürchterlichen Geruch gekriegt, weil sich auch dem Eberhard seine Aufzeichnungen« (…) »Eintragungen ›wg. Lambsdorff‹, ›wg. Kohl‹ und ›wg. Strauß‹«. (…) »Hannelore Kohl nun einmal Kaviaresserin ist«. (…) »beim Flick in der Kasse abgerechnet hat«. (…) »Das hat mir furchtbar geschadet damals.« »guten Eberhard« »Ohne mich hätte die Werft die Aufträge nicht bekommen. Das war für die eine ganz große Sache.« »Ich habe dafür nichts bekommen.« »Das ist absolut lächerlich. Ich bin nie wieder dorthin gekommen.« »Von meiner Arbeitszeit gingen 50 oder 60 Prozent ab für die Arbeit als Parteiführer.« »Wenn die Leute dort ein Problem hatten, gingen sie nicht nach Bonn zum Generalsekretär, sondern sie gingen zu Helmut Kohl.« (…), »wo das Fressen und Saufen für die Journalisten stattfand«, (…), »das heißt, ich hätte die Pressekonferenz des Bremer Parteitags eröffnet und hätte nicht sagen können, dass in diesem Moment die Grenzen geöffnet werden«. »Ich habe den Németh angerufen und gesagt, er soll früher aufmachen. Daraufhin haben die das dann zeitgleich gemacht. Und ich bin aufgestanden und habe mitgeteilt: ›In diesem Augenblick wird die ungarische Grenze geöffnet.‹ Das war natürlich ein ungeheures Ereignis auf dem Parteitag. Insofern kann man durchaus die Meinung vertreten: Der war am Arsch des Propheten und war schon gelyncht oder hatte schon den Strick um den Hals. Und jetzt ist er noch einmal vom Galgen heruntergesprungen.« »Ich hatte sicher meine Mängel, aber das größte Arschloch war ich nicht.« »blau angelaufene Füße« »gab es Menschen – und das passierte häufiger als man glaubt –, die einem im Vorbeigehen ans Bein treten«. »Die lächeln dich an und tun dir weh.« »Ich habe vielen Leuten die Zehen ramponiert. Wenn einer trat und ich genügend Raum hatte, stellte ich mich blitzartig mit vollem Gewicht auf die Zehen, was bei meinem Gewicht eine Belastungsprobe war.« »Ich bin unfähig, die andere Wange hinzuhalten.« »Er war mit Recht sehr beliebt.« »dass er nie draufschlug. Der Haifisch, der hat Zähne, direkt im Gesicht. Und die muss man in einer Führungsposition auch zeigen.« »Man muss von Zeit zu Zeit losprügeln, damit Opfer da sind.« »Aus prinzipiellen Erwägungen«, (…) »der Nachwelt hinterlassen, dass ich Opfer bin«. »Der Rechtsstaat ist in Bezug auf mich längst abgeschafft.« »Ich habe mich in der Spendengeschichte nicht gebeugt und habe keine Namen genannt. Ich werde sie auch nie nennen. Und so wie ich in dieser Sache zu meinem Prinzip stehe, stehe ich auch zu meinem Prinzip, dass ich nicht zulasse, dass es in einem Land in Ordnung sein soll, dass die Stasi-Ratten aus der Gruft hervorkriechen und ihren Gestank verbreiten.« »Der entscheidende Fehler ist das total falsche Bild von Helmut Kohl«, (…) »Der Helmut Kohl durfte keinen Erfolg haben.« »Ich hatte keine Freude, Birne zu sein, die Birne, die nichts las und die nichts konnte. Dabei hat Birne in den fünfziger Jahren unter anderem auch Philosophie studiert.« (…) »eine Kreuzung zwischen Einstein und Messias« (…)»Hannelore sagte, dass ich die Feindschaft auf mich ziehe, selbst wenn ich gar nichts mache.« »der Kampf der Berlingegner in Bonn richtete sich nicht gegen Schäuble und Brandt, sondern gegen mich. Die Plakate, die dort hingen, lauteten doch, dass Kohl Bonn zerstören will.« »Dorftrottel« »Die ganze Voreingenommenheit – ›der ist kulturell ein Barbar!‹ – wurde ja systematisch präpariert. Der Weltbürger Schmidt. Der Weltbürger Brandt. Und jetzt kommt dieser Pfälzer, der nicht einmal richtig Deutsch kann.« »Ich habe nicht generell etwas gegen Sozialdemokraten, aber ich weiß, wozu sie fähig sind …« (…)»eigene Arbeitsgruppen« (… )»wie man dem Kohl das Wasser abgraben kann, dem Bauern aus der Pfalz«. (…) »dass die Pfalz nie eine Landschaft war, die einen positiven Appeal hatte«, (…) »Land hinterm Mond galt, in dem die Rüben wachsen, die Meiler glimmen und die Köhler noch Holzkohle machen. Es gab in Rheinland-Pfalz keinen einzigen Köhler, aber das war egal. Das Etikett klebte an mir: Ich war Provinzler. Das ist immer weiter kultiviert worden und im Prinzip über sechzehn Jahre hängen geblieben.« (…) »Vernichtungsfeldzug«. »Das wurde bewusst zur Diffamierung eingesetzt. Der Begriff ›Saumagen‹ hat sich doch hervorragend für einen Depp aus der Provinz geeignet.« (…) »hat ein Vorkommando gehabt, wo da immer mit dem roten Telefon die ganze Garage mit Elektronik vollgestellt wurde. Da stand immer drauf: ›Kanzler Kohl, Oggersheim‹, da stand nie ›Ludwigshafen‹.« (…) »wie Helmut Schmidt glänzendes Englisch spricht«, (…) »aus allen Rohren schießenden Mafia aus Hamburg«. »Minusfigur«, »Depp und Elefant«, »Tollpatsch«, »Trampeltier mit Schuhgröße fünfundvierzig«. »eine Heimsuchung der Existenz. Sie gucken mich an, als käme ich von einem anderen Stern.« »Die Ruhe kommt erst, wenn ich in der Grube liege«, (…) »Wenn ich vor vier Jahren gestorben wäre, wäre heute ganz klar, dass Hans-Dietrich Genscher die deutsche Einheit gemacht hätte, unterstützt von Weizsäcker und einer ganzen Gruppe.« (…) »ungeheuerlich« »Aber schlagartig nach diesem Termin ist die Rede verschwunden.« »Die eine Rede hat nie stattgefunden, und die andere ist eine Bilderbuchrede fürs deutsche Schulbuch. Das ist aus meiner Sicht ein kardinales Beispiel, wie man fälschen kann.« (…) »wer die erste Rede gehalten hat«. »Freiherrn« »Der Franz Josef war ein großer Redner mit wunderbaren Bildern. Aber die Leute haben ihn nicht zum Kanzler gewählt.« »Habt ihr nicht einen gescheiten Menschen bei der Hand, der die beiden Reden vergleichen könnte?« »Rede zum Anlass des 40. Jahrestages der Befreiung des KZs in keinem Deut hinter der Rede des Weißhaarigen zurückgetreten ist«. »Ich hätte sicherlich weniger Streit gehabt, wenn ich nicht auch mit Genuss beleidigt hätte«, »Es war ein Teil meiner Lebensfreude, diese Subjekte zu beleidigen.« »Er ist natürlich einer der Dreckigsten« Von einer traurigen Begegnung mit Konrad Adenauer erzählt Helmut Kohl über die Monate hinweg gleich dreimal. Im Herbst 1963, kurz nach Adenauers nicht eben freiwilligem Rückzug aus dem Kanzleramt, hat er ihm in dessen Bonner Büro einen Besuch abgestattet. »Er stand an der Tür und sagte: ›Sehen Sie, Herr Kohl, man hat mich davongejagt wie einen Hund.‹ Ich sagte daraufhin: ›Herr Bundeskanzler, das können Sie doch so nicht sagen.‹ Doch er wiederholte: ›Man hat mich davongejagt wie einen Hund.‹ Ich sagte: ›Aber das können Sie doch so nicht sagen, Herr Bundeskanzler, Präsident Gerstenmaier hat Sie mit der höchsten Formel des Dankes verabschiedet: Er hat sich um das Vaterland verdient gemacht.‹ Adenauer hat abgewunken. Das war nichts, was ihn hätte beeindrucken können.« »Das Erste, was ich vor 9 Uhr sage, ist: ›Haschke, wieviel Milch hast du heute eingenommen?‹ Und dann erzählt er mir auch noch, dass die Besamungskosten heute oft höher sind als der Verkaufspreis des Kalbes.« (…) »Wir waren beide Ministerpräsidenten, und ich war Parteivorsitzender. Ich saß bei ihm im Landeshaus an der Förde, und er machte überhaupt keine Anstalten, Kaffee oder Ähnliches anzubieten. Er war berühmt, wenn nicht berüchtigt für seinen Geiz.« (…), »in dem zwei ganz reizende Damen saßen, die die bei uns in Rheinland-Pfalz gängige liberalere Tonart nicht kannten, sondern eher verschüchtert waren. Ich war eine Autorität für sie. Ich legte mein Portemonnaie auf den Tisch und fragte, ob nicht jemand in eine Konditorei fahren und einen großen Zwetschgenkuchen kaufen und einen schönen Kaffee kochen könnte. Ich gab der Dame mein Portemonnaie, so wie ich das immer in meinem Büro gemacht habe. Diese Methode bewährte sich, vor allem bei Frauen.« Bisweilen genügte schon ein freundliches Telefonat ohne direkten Anlass: »Ich sagte mir einfach, jetzt möchte ich John Major anrufen und ihm guten Tag und etwas Freundliches sagen. Ich sagte dann: ›Ich freue mich, deine Stimme zu hören.‹ Ich wusste, dass es den anderen nicht immer gut ging.« »Ich hatte immer gute Leute, die mich dabei unterstützt haben. Das Geschenk ist ganz wichtig, jedoch nicht wegen seines Werts, sondern wegen der Zuwendung, die in dem Geschenk liegt. Wenn man weiß, dass jemand dies oder jenes gern isst, und bringt bei Gelegenheit eine Kleinigkeit mit, die ihn möglicherweise an seine Jugend oder sonst was erinnert, müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn in diesem Moment keine Reaktion erfolgt.« »Stoltenberg fragte: ›Wiesö‹ Ich sagte: ›Weil ich das bestellt habe und nicht einsehe, hier zu sitzen ohne Kuchen.‹ Er wusste nicht, ob er ärgerlich oder freundlich sein sollte. In dem Moment gab mir die Dame mein Portemonnaie zurück.« (…) »Wenn ich in diesem Moment den beiden Damen unter den Rock gelangt oder die Brüste betastet hätte, hätte er nicht so bestürzt sein können wie bei der Tatsache, dass ich seinen Sekretärinnen mein Portemonnaie gegeben habe. Das ging nicht in seinen Kopf. Diese Szene habe ich nie vergessen, und die Frau auch nicht, die ich nie mehr getroffen habe. Wenn sie heute Oma ist, wird sie ihren Enkeln die Geschichte erzählen, als Kohl damals in Kiel war.« »Nicht misstrauisch zu sein ist ja ein Akt extremer Dummheit, was ich immer zu vermeiden versuchte. Aber ich hatte das Grundprinzip, den Vertrauensvorschuss vorweg zu geben und ihn erst dann einzusammeln, wenn es schlecht geht.« »Bremer Stadtmusikanten« »Ein Kanzler muss sich in der Schlacht tummeln.« »Ich sagte zu ihm: ›Du hast mit dem Parteitag nichts mehr zu tun.‹ Er schaute mich ungläubig an. ›Du hast mit dem Parteitag nichts mehr zu tun. Nach dem Parteitag bist du kein Generalsekretär mehr. Ich werde dich nicht vorschlagen.‹ Da schrie er auf, packte affenartig seine Sachen zusammen und verließ laut schreiend das Lokal. Von dieser Stunde an trommelte eine Buschtrommel durch Bonn und Deutschland. Ich hatte den Krieg eröffnet.« »In der Presselandschaft gab es großes Röhren.« »Es waren ja seine nächsten Leute, die geputscht haben. Der Typ Geißler. Er wird ganz bitter, wenn er darüber redet.« (…) »aus der Sicht der Parteiarbeit der mit Abstand beste war, wenn ich den Mangel an Loyalität beiseitelasse«. »Ich rede nicht mit dem Z. Ich gebe dem kein Interview. Ich lese den nicht. Und bin übrigens nicht gegen den Z, auch nicht gegen die Müllabfuhr in Bonn, aber ich bleibe trotzdem nicht über Nacht in der Kläranlage.« »Ich habe seine Ablösung betrieben.« »Unglaublich, was der Mann da schreibt. Das ist ein solcher Scheiß!« »Das sind alles Rachebücher.« »Das habe ich doch nie so gesagt. Die Gnade der späten Geburt, der Satz geht doch weiter: dass diejenigen, die die Gnade der späten Geburt haben, Verständnis haben müssen für die, die in diese schicksalhafte Situation geraten sind und den moralischen Auftrag haben, die Kenntnis an die Jüngeren weiterzugeben. Das ist doch aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist das genaue Gegenteil. Er fälscht.« »Was heißt hier ›harter Tobak‹? Warum haben denn die Leute immer den Gleichen gewählt? Das ist furchtbar einfach: Die wollten einen Herrscher haben.« »Z-Mischpoke« »Weizsäcker und seine Mischpoke« »Mischpokenverein um Walther Leisler Kiep«. »Ich habe sehr früh erkannt, dass er eine goldene Hand hatte. Man wusste nicht genau, welche Ausbildung er hatte. Ich fand ihn vor als neuen Star mit Kennedy-Look und 1000er BMW und schwarzer Motorradkleidung, mit der er durch die Höhen und Tiefen des Taunus fuhr. Zu dieser Welt hatte ich gar keinen Zugang. Ich war ein Mensch aus Ludwigshafen, der kaum Kontakt zur eigentlichen Industrie hatte, abgesehen von der Chemie. Aber die Chemieleute fuhren nie die größten Autos. Das waren Typen aus einer Tiefstaplerregion, die einen ganz anderen Lebensstil hatten.« »Der unsägliche Kiep« »Er sprach perfekt Englisch und war in Istanbul zur Schule gegangen.« »Genscher gab ein hinreißendes Englisch von sich und war ganz stolz, dass er perfekt Englisch sprach«. »Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass Kiep im Sinne hat, sich Geld aus der Kasse zu nehmen. Da habe ich sicherlich den gravierendsten Fehler gemacht.« »Das ist für dein viertes Buch, das du in dreißig Jahren machst, wenn du gar keine Haare mehr hast.« »Es geht um die Neugier der Leute, die man befriedigen muss. Neugier heißt: Was ist das für ein Kerl? Wo kommt er her?« »Leute der obersten Garnitur« »intelligenten Seckel« »nachdenklichen Mann«, »bedeutende Figur«, »der intellektuell spritzigsten und interessantesten« »Der war der Lümmel, der auf Ärger aus war.« »Lafontaine hat nicht zu den Vorkämpfern der deutschen Einheit gehört. Aber was ich ihm gar nicht hoch genug anrechnen kann, ist seine europäische Gesinnung. Hier waren wir in vielen Fragen nahezu deckungsgleich. Er hatte tiefe Sympathie für Frankreich, was zwischen uns ein ausgesprochenes Bindeglied war.« »Ich weiß nicht, wer das sagt, weil ich das für einen absoluten Blödsinn halte.« »Ja, wir sind einander ähnlich bei unserer Liebe zum Essen und Trinken, in unserer Lebensfreude und dass wir mit Macht umgehen können.« »Willy Brandt und Helmut Schmidt haben das Ansehen Deutschlands in der europäischen Welt gemehrt. Sie waren hochangesehene Repräsentanten« »hinsichtlich der Menschlichkeit keine besonders anziehende Gestalt war«. »ganz ungemein höflich«. »war das aus meiner Sicht eine der schwierigsten Reden im Bundestag. Ich musste Lebers Rücktritt fordern – und ich war innerlich total dagegen. Ich hielt ihn für einen prima Mann. Aber er war nicht zu halten.« »flog er nach Mallorca, und daraus wurde eine Staatsaktion gemacht, als gäbe es nichts Wichtigeres in den Hirnen der Menschen« »Wir müssen in dem Buch wörtlich schreiben, dass es uns nicht gelungen ist durchzusetzen, dass derjenige, der nicht arbeitet, weniger bekommt als der, der arbeitet. Das eigentliche Ergebnis dieser Jahre ist – ganz brutal ausgedrückt –, dass wir zu viel Geld ausgeben für Leute, die es weder verdient haben noch benötigen, und zu wenig für Leute, die es verdient haben.« »reiner Interessenhascherei« »auch weiterhin für absolut in Ordnung«. »Es war ein großer Sündenfall, sich auf die Lügerei der Gewerkschaften und der Unternehmen einzulassen, dass wir neue Arbeitsplätze schaffen würden, wenn wir die Leute früher in Pension schicken. Das war ein volkswirtschaftlich monströses Tun.« »Das war richtig. Nur der Zeitpunkt, das vor der Wahl zu machen, war falsch. Da bin ich Schäuble aufgesessen. Man kann mit Reformen in Deutschland keine Wahl gewinnen.« »Das war eine Entwicklung des Zeitgeists: Jetzt wollen wir diesen Typ sehen, der Zigarren raucht, elegant daherredet und großer Intellektueller ist. Das zeigt doch die ganze Erbärmlichkeit. Er ist weder ein Intellektueller noch sonst was.« »immer eine Reise zu Freunden waren. Aber ich war auch Türöffner für die Industrie in enormem Umfang.« »Die Schröder-Administration hat keinen Sinn für diese Leute. Aber die Chinesen müssen natürlich wissen, wen sie vor sich haben. Für die ist ein Mann wie der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Exzellenz Josef Fischer, eine absolute Zumutung. Der ist auf der Straße herumgerannt. Der wäre auch auf diesem Platz herumgerannt. Der ist keiner, der Sympathien weckt. Doch die Chinesen wollen verlässliche Leute.« »die Weiber der Grünen«. »Die steht noch für etwas.« »Ich war nie atomkraftsüchtig.« »In der Frage von Ökologie und Tierschutz war ich absolut auf der Höhe.« »In Sachen Luftverunreinigung muss man jemandem, der in der Hohenzollernstraße in Ludwigshafen aufgewachsen ist, keinen Nachhilfeunterricht geben.« »Man hätte hier nie Häuser hinbauen dürfen, wo der Neckar in den Rhein mündet.« »Dass wir den Gruhl damals haben ziehen lassen, war ein ganz schwerer Fehler, der mir unterlaufen ist.« »Er war ein schwieriger Mann«, (…) »aber man hätte ihn richtig pflegen müssen.« »Es ist nun einmal so: Wenn einer, der gegen den Strich bügelt, dafür belohnt und nicht bestraft wird, hat man sofort diejenigen, die sagen: ›Ich bin anständig, und mir hilft niemand.‹« »schweren Verlust«. »hatte nie ein erotisches Verhältnis zu Europa«, »Da habe ich viele Informationen aus der FDP bekommen, weil wir oft zusammensaßen.« »treuen Mischnick«, »Er war in der FDP der Seriöseste.« »immer hervorragende Beziehungen hatte«, »der Akteneinsammler, der mich niemals gewählt hat«. »für den Schriftsteller die große Leier drehten. Der ganze Weltsozialismus heulte auf vor Sympathie mit tränenden Augen.« »der Inbegriff des anständigen Deutschen«. »kein holzschnittartiger Gegner« »Da haben massive politische Kräfte eingewirkt.« »Brandt ist zurückgetreten worden. Ich fand die Art und Weise ganz unerträglich.« »einen regelmäßigen Schoppen« »Er schaute mich nachdenklich an und sagte: ›Herr Kollege Kohl, haben Sie einmal darüber nachgedacht, was aus mir geworden wäre, wenn meine Mutter so wie die Mehrheit meiner Fraktion gedacht hätte?‹« »menschlich auf eine neue Grundlage gestellt«. »Es ging zu Ende. Ich fuhr zu ihm hin. Er war bettlägerig. Aber als ich kam, war er richtig angezogen. Ich sagte: ›Herr Kollege Brandt, warum sind Sie jetzt aufgestanden und quälen sich?‹ Er sagte: ›Wenn mein Bundeskanzler kommt, bleibe ich nicht im Bett liegen.‹« »war ein schwieriges, menschlich sehr bewegendes Gespräch. So nahe waren wir uns ja nicht. Er sprach die ganze Zeit vom Sterben.« »wie er die Totenfeier haben wollte«. »Nicht lange nach meinem Besuch erhielt ich den Anruf, dass er gestorben sei. Ich war plötzlich in der misslichen Lage, dass das Kanzleramt seinen Tod bekanntgeben musste.« »Es war kein faires Buch, es war eine Schande« »Auf den Parteitagen gab es das Ritual, dass die Frau Kohl begrüßt wurde und stürmischer, lang anhaltender Beifall losbrach. Kein Mensch spendete mir Beifall auf den Parteitagen.« »Sie war selten verletzend. Sie war das Gegenstück von mir.« »Sie konnte gut hassen.« »Wir müssen mit dem Hinweis beginnen, dass wir eine lebenslange Beziehung von fünfzig Jahren hatten, was ja ziemlich ungewöhnlich ist.« »eine Frau, die man ansehen kann und die perfekt Französisch spricht. Dass ich miserabel Französisch spreche, wurde dadurch weggewischt.« »sah sie glänzend aus« »Sie war die erste Kanzlerfrau, die voll und ganz im öffentlichen Leben stand. Konrad Adenauer hatte keine Frau mehr. Frau Erhard war kränklich und trat nie in Erscheinung. Frau Kiesinger war eine Matrone. Frau Brandt trat am Anfang sehr an die Öffentlichkeit. Dann gab es private Probleme, und sie trat kaum mehr in Erscheinung. Frau Schmidt trat allenfalls mit der Botanisiertrommel an die Öffentlichkeit. Und meine Frau war in vollem Einsatz. Es gibt in der jüngeren Geschichte kein zweites Beispiel, jedenfalls auf der Ebene der Kanzler, wo Vergleichbares geleistet wurde.« »Nach dem Tod seiner Frau war er ein anderer«, hatte Kohl im April über Franz Josef Strauß gesagt, »das war ein Einschnitt für ihn«. »90Prozent sind Briefe ohne Adresse, einfache Beileidsbekundungen. Unangenehm ist, dass Geld darin ist.« »Sie werden ein Kuvert mit einem Foto vom Trauergottesdienst und dem Sterbebild bekommen. Es bleibt eine dritte Gruppe übrig, bei der ich mich mit einem Einheitstext bedanken werde, angefangen mit dem König von Spanien, der Königin von England und so weiter. Auch die komplette chinesische Führung hat geschrieben.« »richtig beantworten«, »Ich habe nicht die Absicht, mich bei Frau Süssmuth zu bedanken, obwohl sie einen hinreißenden Brief geschrieben hat.« »Das tu ich mir nicht an.« »Nun endlich hatte sie keine Schmerzen mehr. Sie lag im Bett, so friedlich, so entspannt, wie ich sie seit Monaten nicht gesehen hatte.« »Sie wollte auf keinen Fall, dass man sie findet und reanimiert.« »lief sie mit einem ganz ungewöhnlichen Schirm herum. Das war ein Schirm aus einem Stoff, aus dem Ballkleider gemacht werden. Aus diesem Stoff hatte sie auch einen Badeanzug und eine Kappe.« »Das war ein furchtbarer Verlust. Ich glaube, dass man das als Mann nicht nachvollziehen kann.« »Dort lag sie tot mit ihren eigenen Haaren und sah sich dadurch viel ähnlicher.« »Ich lernte sie 1947 in der Tanzstunde kennen. Sie kam mit einer Freundin. Man musste noch Briketts mitbringen, um den Saal zu heizen. Wenn nicht genügend Heizmaterial da war, konnte die Tanzstunde nicht stattfinden. Immerhin, die Währungsreform nahte. Ich lief in die Tanzstunde mit so einem Quäkeranzug, in den ich viermal reinpasste. Sie kam mit einem aus Fahnen zurechtgeschnittenen Tanzkleid.« »Ich hatte ja eine Freundin, also war mit Mädchen gar nichts.« »Natürlich«, (…), »meine Frau hat sie mir doch hinterlassen.« »Ja, so war es. Wenig später ging sie zur BASF, und ich war Student. Sie war natürlich mit eingebunden in meine politische Tätigkeit, die sie aber nicht sonderlich mochte.« »Das war das Signum einer ganzen Generation: ›Wir sind gebrannte Kinder und wollen nie wieder etwas mit Politik zu tun haben!‹« »Er war ein normaler deutscher Ingenieur und Mitläufer, kein großer Nazi. Er war politisch ein Kleinstkind.« »Das hat der Stern dann ganz groß aufgeblasen.« »der Starter war dauernd kaputt und kostete 17,50 D-Mark« »Wer wie ein Bulldog durch die Gegend fuhr, war ich«, »eine Schlampe ganz wundervolle Spaghetti« »Erst als ich Ministerpräsident wurde, war ich in etwa satisfaktionsfähig.« »Mein Schwiegervater hatte ein Dienstauto mit Fahrer.« »Meine Frau kam mit einem klaren sächsischen Akzent hier in die Schule. Sie war unter den Kindern automatisch ein Außenseiter.« »Wenn einer leicht Bayerisch spricht, ist da etwas Urlaubsmäßiges drin. Wenn man aber Sächsisch oder Pfälzisch spricht, gerät man in die Nähe eines Outsiders. Beim Sächsischen kommt Ulbricht noch dazu.« »Meine Heimat ist die Pfalz. Meine Sprache ist das Pfälzische, ob mir das passt oder nicht, ob das vornehm ist oder nicht. Es ist ja die ganze Verklemmtheit der deutschen Germanisten, die so ein Hochsprach-Syndrom haben.« »zwanzig, dreißig pfälzische Schimpfworte kannte«. »Das Thema Heimat war bei ihr ein wichtiger Punkt. Ihre Heimatstadt war Leipzig. Hier [in der Pfalz] entwickelte sie kein Heimatgefühl. Die Heimat war verloren. Sie war keine Pfälzerin im eigentlichen Sinn – und sie war auch nicht scharf darauf.« »Das Haus war schon seit Wochen von Fernsehteams bewacht. Wir fuhren durch die alten Gassen von Oggersheim, damit sie uns nicht folgen konnten. Man stöberte uns dann im Elsass auf. Ich war sehr betroffen, aber sie noch viel mehr. Das hat ihre Seele verletzt.« »Dieser Felsbrocken muss abgeschliffen und zerstückelt werden, bis er in der Grube ist.« »Es ging von vornherein um die Vernichtung meiner Existenz, die sie auch als ihre Reputation empfand.« Das schweißt zusammen. »Meine Frau wurde als Ableger von mir angegiftet.« »Ich werde bestraft für meinen historischen Erfolg«, »Der Etat des Bundeskanzlers für seine Frau war absolut lächerlich. Sie bekam eine Halbtagsschreibkraft, worüber man angesichts des Posteingangs nur lachen konnte. Sie war unter den Kanzlerfrauen ein Unikat. Sie war viel mehr für das Land da als alle ihre Vorgängerinnen, sowohl im Ausland als auch im Inland.« »Sie war evangelisch, aber sie stand zu ihrer Kirche sehr distanziert, weil sie die Angriffe auf mich sehr verletzt hatten, zumal die Demonstrationen häufig vor unserer Haustüre stattfanden. Dann standen dort die evangelischen Pfarrer im Ornat und bei der Nachrüstungsdebatte sogar mit einem Sarg, was zu den übelsten Erinnerungen gehört. Schlimm war der hiesige Pfarrer. Sie wollte regelmäßig aus der Kirche austreten. Ich hielt sie immer davon ab.« »Es ist sehr wichtig, dass man zu Hause Geborgenheit hat, eine Frau, die den Weg mitgeht, die ihn mitgestaltet mit Zuneigung und Liebe zu ihrem Mann, die durch dick und dünn geht, ihn tröstet bei Niederlagen … das ist ein ganz großes Kapital des Mannes.« »Wenn es um die Kinder ging, wurde sie zur wilden Tigerin.« (…), »mit dem Straßenkehrer genauso reden wie mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten«. »Sie war eine hochgeschätzte Landesmutter, schon allein deswegen, weil sie keine Landesgroßmutter, sondern eine junge Mutter war.« (…), »die keine Oma war und rein durch ihre Erscheinung nicht primär mütterliche Gefühle weckte«. (…), »eine Deutsche wie aus dem Bilderbuch«. »Eine Deutsche, die so aussieht, keine germanische Walküre ist und perfekt Französisch spricht! Das war in Frankreich vier Fünftel der Miete.« »Beitz lag ihr zu Füßen. Dort holte sie jährlich völlig selbstverständlich ihre Million ab.« »Über die Noelle konnte man mit Hannelore überhaupt nicht reden. Sie bot ihr Demoskopien an. Aber was sollte sie damit? Hannelore brauchte Bares.« »Ich empfand ihre Tätigkeit als sehr große Hilfe, auch für mich als Bundeskanzler, da einem breiten Publikum gesagt wurde, dass Frau Kohl etwas Gutes machte.« »Prinz Bernhard sprach schwärmerisch über die kommunistischen Führer, vor allem über Breschnew. Seine Tischdame war meine Frau. Sie sagte nach einer Weile ganz rabiat, sie sei überhaupt nicht seiner Meinung: ›Wissen Sie, ich bin Zonenflüchtling. Ich weiß, was die Wachtürme und die kommunistische Diktatur bedeuten. Das können Sie nicht verstehen, Königliche Hoheit. Sie kommen von einem anderen Stern als ich. Aber ich kenne die andere Seite. Und für mich gibt es überhaupt keine Entschuldigung.‹ Danach war der Dialog sehr knapp.« »Hier war ihr Urteil aus den Feuersbrünsten des Lebens geboren. Der Marianne Strauß verübelte sie, dass die Kinder so unglaublich verzogen waren und nicht zur Bundeswehr gingen.« »Sie legte sich beispielsweise mit Bernhard Vogel in Fragen der Schulpolitik an. Dem sagte sie ganz lässig, dass er keine Ahnung habe, da er weder Frau noch Kind habe.« »Sie konnte wahnsinnig burschikos sein. Sie sagte: ›Boris, du trinkst jetzt nichts mehr. Und lass die Finger von den Frauen!‹ Wenn er dennoch tätschelte, sagte sie: ›Lass das!‹ Sie litt unter dem Trieb der Männer, sie anzufassen.« »Da war sie ganz eigen. Und das nahm zu.« »Sie sagte dann: ›Die läuft da rum und lässt das ganze Gesäuge heraushängen!‹ Dass Männer danach guckten, gehörte dazu, weil Männer ihrer Meinung nach ja abartig und auf diesem Gebiet verrückt sind.« »Wer das hörte, musste annehmen, dass sie in der Nähe war. Das stimmte aber nicht«, (…) »überdimensioniert« (…) »von denen sie gelesen oder durch andere gehört hatte, die sie aber persönlich mit Sicherheit nicht erlebt hatte«. »Was die Russen angeht, gab es Lebensängste. Wenn man mit ihr darüber diskutierte, wurde sie böse.« (…) »sehr freundschaftliches«, (…) »ausgesprochen freundschaftliches Verhältnis«, (…) »sehr freundschaftliche Beziehung«. (…) »gehört zu den engsten«, (…) »zu den besten Freunden«. (…) »ganz besonders befreundet«. (…)(»enger Freund von mir«) (…), »einer meiner besten Freunde«. (…)»Wir hatten eine sehr persönliche Beziehung.« (…) »ein wahrer Freund«, (…) »ein alter«, (…) »ein enger« (…) »enge und herzliche Freundschaft«. (…) »eine sehr herzliche und freundliche Beziehung«. (…) »Ein treuer Freund, auch in schwierigen Zeiten.« (…) »meinen Freund«. (…) »sehr befreundet« (…). (…) »wir haben keine Lustehe geführt«, »Wenn man gezwungen war, mit ihm im Bett zu liegen, ohne jeglichen Lustgewinn, ist man kaputtgegangen.« »Ich stand ihm im Weg.« »Ein Schurkenstreich eigener Art. Der Grund war, mich zu verhindern.« (…) »der mit ungeheurer Macht in den Strauß-Wahlkampf ging«, (…) »all der riesigen staatsmännischen Plakate: Franz Josef als neuer Bismarck!« »Die Wahl war vorbei, der Jammer war groß – und der Trottel war noch immer da.« »Unentwegt wollte er den Waffenhandel verstärken. Er wollte, dass wir nach Saudi-Arabien und zugleich nach Israel liefern. Und natürlich müsse die Regierung endlich mehr für das Land Bayern tun. Straßenneubau, der Rhein-Main-Donau-Kanal! Er hatte jede Woche ein Projekt.« »Ich habe alles weggeschmissen. Dokumentenvernichtung.« »Männerfreundschaftliche Gespräche« (…) »Er war ein origineller Denker. Er war keine Reproduktionsnatur, sondern stand auf eigenen Füßen, mit eigener Statur.« (…) – »ein ganz bekannter Name« – (…) »Ich blieb stehen und sagte, dass dort einer sitzt und fotografiert.« (…) »Ich zog ihn aus dem Heu raus und nahm ihm den Film weg.« (…) »Ich sagte zu ihm: ›Wenn Sie jetzt das Geringste machen, kriegen Sie Prügel, wie Sie sie noch nie gekriegt haben. Sie haben keine Zeugen.‹« »Meine Taktik war eine flexible. Den Boxschlägen ausweichen, aber dann auch zurückschlagen, aber nicht jeden Tag. So wie das ein guter Boxer tut: ein bisschen herumtänzeln und den Schlag ins Leere gehen lassen. Das ärgerte ihn wahnsinnig.« »Wir haben rumgeschrien wie die Blöden.« »Der Franz Josef war nicht für den Kiep und den Richard von Weizsäcker, den er für ein Weichei hielt, lauwarm gebadet.« »Strauß war nicht mehr gut zu Fuß. Da habe ich ihn die letzten fünfzig Meter auf dem Buckel durchgeschleppt. Erst später ist mir der Gedanke gekommen, was eigentlich passiert wäre, wenn er mir runtergefallen wäre. Das hätte mir kein Mensch geglaubt. Die hätten alle geschrieben: Der hat ihn runtergeschmissen!« »Ich kann mich an keine Wanderung erinnern, wo wir am Ende mit Krach auseinandergegangen wären.« »Er ist gesprungen, aber auf der anderen Seite nicht gelandet.« (…), »der sich mit seiner Frau sehr daran gewöhnt hatte, König von Bayern zu sein«, (…) »Er hatte immer ein Sortiment von Autos von der Firma Daimler-Benz. Er war immer auf Neuerwerbungen mit soundso viel Zylindern aus. Für mich war das überhaupt nicht interessant.« (…), »so einem Ding aus Glas abgeholt. Damit fährt man zur Jagd und hat eine weite Sicht.« (…) »niedersächsische Spezialakademie« (…). »Das war damals eine Riesenaffäre.« »Er hatte ganz eindeutig einen Komplex als Kind kleiner Leute. Der Vater war Metzger, hatte eine ganz kleine Metzgerei. Die Mutter verkaufte im Geschäft.« (…) »Er hat nie verwunden und die Schuld bei Gott und der Welt, aber nie bei sich selber gesehen, dass ihm die eigentliche Erfüllung seines politischen Lebens, nämlich das Kanzleramt, vorenthalten wurde.« »Der hat die überhaupt nicht geschrieben! Die Hauptarbeit hat doch der Professor gemacht. Michael Stürmer, ein interessanter und sehr eloquenter Mann.« »Das verstehe ich überhaupt nicht. Ich habe da noch nie reingeschaut, ehrlich gesagt. Und der Scharnagl taucht auch nicht auf?« (…) »Nicht als Schreiberling!« (…) »Schreibt der gar nicht, wer daran gearbeitet hat? Das ist arg komisch!« (…) »über die kommunistische Infiltration in Afrika« (…) »Der BND war ein hervorragendes Selbstbefriedigungsinstrument für Franz Josef.« (…) »Seit Z-Affäre war er ein FDP-Geschädigter.« »Mit dem hat er Geschäfte gemacht.« (…) »einer freundschaftlichen Beziehung bis zum heutigen Tag« »Nein, ich war nie neidisch und hatte kein Problem damit. Er konnte deswegen der beliebteste Politiker sein, weil er nie etwas machte. Er schlich sich FDP-mäßig durch.« »Für ihn war es wichtig, dass wir endlich Mitglied des Weltsicherheitsrats wurden. Aber das war Beamtenkram. Er konnte nie begreifen, dass mir das scheißegal war.« (…) »großer Frühstücksmeister« (…) »unglaubliche Journalistenreisen inszeniert«. (…) aber ein hinreißendes Englisch von sich gab.« »Der eigentliche Genscherismus war, wie beherrsche ich ein Unternehmen, in dem ich keine Mehrheit, sondern nur zwei oder drei kleine Aktien habe und trotzdem eine beherrschende Funktion ausübe. Das ist Genscherismus.« »Die FDP lebt von unserer Schwäche, auch wenn Schäuble jedem die Ader aufbeißt, der das sagt.« »Das war ein totaler Flop. Die FDP flog ja bei allen Landtagswahlen raus.« »Das war eine reine Wahlkampfveranstaltung. Ich gönne ihm das alles sehr, zumal er das in Münzen umwandeln kann.« »Ich weiß das nicht.« »Das ist eine Art Freundschaft mit einem eindeutig menschlich begründeten Zug. Hans-Dietrich Genscher und seine Frau waren innerlich im Speyerer Dom anwesend« »Er war immer anständig. Er wusste, wenn man in der Spendenaffäre eine Reihenfolge der Täter aufstellt, dann müsste sie lauten: FDP, SPD, CSU, CDU.« »Mein Abschied von ihm gehört zu den prägenden Erinnerungen. Ich hatte ihn am Morgen zur Straßenbahnhaltestelle begleitet. Beim Einsteigen drehte er sich um und sagte ganz plötzlich, ohne jede Vorwarnung: ›Pass auf dich auf, ich komme nicht wieder. Und kümmere dich vor allem um Mama!‹« »Dass Schäuble mein Nachfolger werden solle, darüber habe ich oft mit ihm gesprochen. Er hat gewusst, wie oft ich ihn leidenschaftlich verteidigt und auch öffentlich gesagt habe, dass er das kann. Diese Meinung ist aus allen Poren gequollen.« »Ich war immer der Meinung, dass das Wägelchen kein Hemmnis ist. Mit dieser Ansicht stand ich freilich ziemlich alleine.« (…) »psychologisch kein Mensch ist, der Streicheleinheiten verteilt«, (…). (…), »die Leute zusammenzuhalten«, (…). »In der FDP- und CSU-Führung gab es eine starke Meinung, dass Schäuble als Kandidat die Stimmen nicht bekommen würde, wenn ich gehe.« (…) »ohne den Euro wären viele der Dinge, die jetzt in Europa laufen, kollabiert«. »Er kannte meine Argumente, warum ich nicht zurückgetreten bin. Aber es ist keine Frage, dass bei ihm in dieser Zeit ein irrationaler Hass entstanden ist, als hätte ich ihm die Erfüllung seines Schicksals damit unmöglich gemacht.« (…) »Er wollte Kanzler werden. Das hat man gerochen.« »Wenn einer durch kluges Nachdenken auf die Namen derer kommen will, die ich nicht nenne, wäre er der Allererste.« (…)»wusste er sehr gut, dass ich in Waffengeschäften aufs Äußerste zurückhaltend war und ich dadurch permanenten Ärger mit Strauß hatte«. (…) »Zug von größter charakterlicher Dreckigkeit«. (...) »Querulanten wie die Süssmuth und den Geißler geschützt« (…). (…) »wusste er doch sehr genau, wie wir leben. Er war in St. Gilgen. Er wusste aus der Nähe, wie wir das Geld zusammenkratzten, als die beiden Buben in Amerika studierten.« (…) »eine Pension bezieht, die weit höher als die meine ist«. (…) »Das ist nur mit Hass zu erklären.« »Das wird nichts mehr mit ihm. Das ist eine richtige Tragödie«, (…). »Meine Neigung ist, eher wenig zu schreiben, seine Arbeit positiv zu würdigen und zu sagen, mit welchem Mut er dieses Attentat überstanden hat.« (…), »dass er – ob durch Unfähigkeit oder Absicht – in der Spendengeschichte alle Feinde eingeladen hat zu diesem Vernichtungsfeldzug, der ihn dann selbst mitgerissen hat«. (…) »hilfreich« (…) »der eine nicht immer nur zuzahlen und der andere immer nur abholen«. (…), »dass man um des Miteinanders willen auch einmal fünfe grade sein lässt, zu Vorleistungen fähig ist und mitdenkt, was man dem anderen zumuten kann und was man selbst nicht zugemutet haben will«. (…) »enge persönliche Beziehung«, (…). »Ja, natürlich« (…) »glühende Kommunistin«. (…) »Meditation am Ende eines politischen Lebens« (…). (…), »der Glücksfall, ein Freund unseres Landes. Und ein persönlicher Freund.« (…) »Er erkannte als Erster, dass der Kommunismus tot und nicht reformierbar ist, und das zu einem Zeitpunkt, als Michail Gorbatschow und vor allem Raissa daran glaubten, dass eine Modernisierung möglich sei.« (…) »Er wollte, dass die alten Strukturen nie mehr an die Macht kommen.« (…) »Inniger, menschlicher« (…). »Das Bild von Boris Jelzin in der Öffentlichkeit halte ich für ganz falsch. Ich halte ihn für einen hochintelligenten Mann mit einer überraschenden politischen Sensibilität beim Zupacken, der in der Wahl seiner Mittel nicht sehr zurückhaltend war. Auf diese Weise zog er sich die Feindschaft vieler zu.« (…) »Er war betrunken besser als andere, die nicht betrunken sind. Genau das soll ja alles weggewischt werden. Jetzt sind wir wieder beim Kern des Buches.« »Zwei höchste KGB-Chargen sorgten für die Aufgüsse« (…). »Es wurde fast ausschließlich über Politik geredet.« (…) »Wenn man nackt auf der Liege liegt und sich über irgendeine Geschichte unterhält, ist das doch etwas anderes, als wenn man geschniegelt mit einer großen Entourage im Konferenzsaal hockt.« (…),»ein großes Bett zu bekommen, in dem ich die Füße ausstrecken konnte«. (…) »politische Landschaft«, (…) »Medienlandschaft« (…) »blühenden Landschaften« (…). »Zwei Dinge wollte ich nie: Minister oder Bundespräsident werden!« »Das war der Zeitpunkt, als ich ohne Hemd und Hose dastand. Da gab es eine Aktivität vom Cäsar Springer: Ich wäre eigentlich der richtige Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, und Frau Kohl wäre die beste Präsidentengattin! Dahinter steckte natürlich sein Freund Franz Josef.« »Springer war sehr ungnädig, als ich ihm sagte, ich denke nicht im Traum daran, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren.« (…) »war doch völlig klar«. (…) »im Zusammenspiel mit Adenauer gewiss ein Glücksfall für die Republik« gewesen, »mit dem hohen menschlichen Respekt vor der Generosität einer alten Generation, die den Wind der Geschichte erlebt hatte«. (…) »Das war eine absolute Zumutung. Drei Viertel der Deutschen konnten ihn doch gar nicht verstehen. Wie oft war er am helllichten Tage betrunken. Fast bei jedem Staatsakt saß er vorne und schlief. Das wurde totgeschwiegen.« »Man kann Heinrich Lübke viel nachsagen, aber seine westfälisch-knorrige Sprache war für jeden Menschen in Deutschland verständlich.« »Ich empfinde es als Schande, dass das Leben von Heinrich Lübke in so barbarischer Weise den Politgangstern der DDR und der Stasi ausgeliefert werden konnte.« (…)»ein aufrechter Mann« (…) »versucht, seinem Land treu zu dienen«. »Mit Gustav Heinemann fing meine erste politische Erinnerung an. Zur Eröffnung des Bundestagswahlkampfes 1949 gab es vor dem Heidelberger Schloss eine zentrale Veranstaltung der CDU. Wir waren von der Partei dort um Hilfe gebeten worden.« »Es kam der Essener Oberbürgermeister von Rhein und Ruhr, Gustav Heinemann, in einem dieser großen Autos, die man damals in einem solchen Amt fuhr. Ich lotste ihn den Heidelberger Schlossberg hinauf, lief neben seinem Wagen her, um Platz zu machen, weil so viele Menschen dort standen.« »Es war ja ein ganz faires Verhalten von ihm. Er nahm nichts mit, weder ein Mandat noch sonst was.« »Die beinahe verleumderische Brutalität«, (…). »Ich war noch kein Ministerpräsident, aber natürlich Strippenzieher.« (…), »er habe schon viele Bundesländer besucht, Rheinland-Pfalz aber sei eines der bestregierten Länder mit seinem jungen Ministerpräsidenten. Dann hielt dieser Mann eine einzige Laudatio auf Hannelore Kohl. Die Roten waren völlig fassungslos, und auch wir waren sprachlos. Das war die beste Wahlversammlung, die man halten konnte.« »Kantig, von herbem Charme und puritanischer Stenge« sei Heinemann gewesen. »Ein Mann, der aller PR-Werbung völlig abhold war. Der Umgang mit ihm war mitunter sehr schwierig. Essen bei ihm in der Villa Hammerschmidt waren deswegen berüchtigt, weil er in affenartiger Geschwindigkeit das Essen in sich hineinschaufelte, während die meisten noch nicht einmal ihre Suppe gegessen hatten. Seine gesellschaftlichen Umgangsformen waren furchtbar.« (…) »Er war nicht intelligent, sondern klug. Er hatte protestantisches Verständnis: ›Hier stehe ich und kann nicht anders!‹ Er besaß eine Mischung aus Mut und Sturheit, so wie er im Dritten Reich Mut bewiesen hatte. Mit einer bestimmten Form des Katholizismus hatte er Probleme, etwa mit dem rheinischen. Das war nicht seine Welt.« »Er war fünf Jahre in der Politik und war Kandidat. Das war doch eine hohe Ehre.« (…) »bewundernswerten Frau Mildred« (…). »Er ist hoch auf dem gelben Wagen durchs Land gefahren.« (…) »Der hat uns in der Opposition mit einer ganz ungewöhnlichen Unfreundlichkeit behandelt.« (…) »zu keinem Zeitpunkt überlegt, die Zeit von Scheel zu verlängern«. »Carstens war einfach der stärkere Kandidat. Die Bundestagsfraktion war ganz eindeutig in ihrer riesigen Mehrheit für ihn. Ebenso die komplette CSU. Carstens behandelte diese Kandidatur sehr pfleglich. Er trat auf einem CSU-Parteitag mit Lederhosen auf. Der hat schon PR gemacht.« (…) »ja weit rechts stand, politisch näher beim Franz Josef als bei mir«, (…) »Er war ein honoriger Mann, ein Herr im Amt. Er führte die Geschäfte ganz untadelig. Er stellte ganz eindeutig seine Person hinter die Sache. Er war, wenn man so will, ein Mann, der diente.« (…) »unglaublich ungeduldig« (…). »Es gab im Innenverhältnis keinen anderen Kandidaten.« (…) »PR-mäßig wegzuwischen«. »Die Tür geht auf – und herein kommt Roman Herzog mit seiner Frau und seinem ältesten Sohn, der einen großen Kuchen auf dem Arm hatte. Das wäre bei Weizsäcker unvorstellbar gewesen.« »Das wollte Weizsäcker nicht. Mit ihm kann man am Ende nie warm werden. Da bleibt eine Kühle und eine Distanz. Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, mit Weizsäcker einen draufzumachen.« »Die Amtszeit meines Freundes Roman Herzog war ein Glücksfall für die Bundesrepublik und das wiedervereinte Deutschland. Er ist eine Persönlichkeit, die in sich ruht, geprägt von einer im besten Sinne liberalen bajuwarischen Gelassenheit und von seinem evangelisch-christlichen Glauben.« (…) »in bemerkenswerter Weise lebt: ›Giovanni, nimm dich nicht so wichtig!‹« »Seine Ansichten waren ungezügelt. Er war kein Happy Boy.« (…) »Heitmann war keine Erfindung von mir. Der Erfinder machte sich in die Büsche davon. Biedenkopf hatte mir Heitmann vorgeschlagen.« »In der charakterlichen und sonstigen Qualifikation war Heitmann dem Friseurkopf von ›Hoch auf dem gelben Wagen‹ turmhoch überlegen.« »Ich wollte immer einen Ossi haben. Wir klapperten alles ab.« »Man machte dann einen Flop und eine Katastrophe daraus, und es wurde wieder – wie alles – mir angelastet. Was mich am meisten ärgerte, war, dass die Ossis mich am wildesten misshandelten.« »Am Rednerpult musst du stehen. Und dann kommt die Rücksichtslosigkeit der Leute dazu. Der Wähler will, dass sich der Stimmensuchende quält. Der Wähler ist nicht unterwegs, um Erbarmen auszuüben.« »Ich redete immer frei am Grab mit ein paar Notizen.« »Ich habe die Rede gehalten, obwohl ich von Natur aus nicht der Totenredner für Axel Springer war.« (…) »wichtigsten Reden in der jüngsten Geschichte gehalten« (…) – »aus der Geschichte beseitigt werden«. (…) »Im letzten Jahr haben sie überhaupt nicht mehr gewusst, dass es mich gibt.« (»Brandt war für den Pöbel die Heiligenfigur, nicht ich«) »Wieso sollte der französische Präsident für die Wiedervereinigung eintreten, wenn der Bürgermeister der geteilten Stadt für Wiedersehen eintritt?« (…), »den größten außenpolitischen Erfolg seiner Karriere«, (…). (…) »richtiger Bonner Abend, an dem sich die Gastronomie an Unfähigkeit überbot. Es wurden Tischreden gehalten, die jedoch ohne Belang waren.« »Das zentrale Ergebnis des Besuchs war: Wir unterstützen den Milliardenkredit – und im Gegenzug musste die Tür für Besuche in Westdeutschland immer mehr aufgedrückt werden.« »Wir kamen allein im Frühjahr 1989 auf 2,6 bis 2,7 Millionen Besucher, weil es mehr Besucher als Leute gab. Es gab ja Personen, die konnten in einem Jahr zwei- oder dreimal reisen.« »Ich bin das lebende Beispiel dafür: Einen Mann mit einer gewissen Reputation kann man nicht einfach durch pausenlose Propaganda ins Zwielicht bringen.« (…) »alles falsch war. Der schlimmste Fehler, den Honecker gemacht hat, war die Erweiterung der Besuchserlaubnis. Das war der Anfang vom Ende und nicht die Kerzen und die Gebete in der Kirche in Dresden.« »Wir wissen ja nicht, wie hoch der Anteil der Stasi war an diesen Friedensgebeten.« (…), »der Heilige Geist sei über die Plätze in Leipzig gekommen und habe die Welt verändert«. (…) »dem Comecon habe sagen müssen: ›Von uns gibt es kein Bimbes mehr. Macht, was ihr wollt!‹« »Wenn Gorbatschow mit Panzern am Checkpoint Charlie herumgefahren wäre, hätten die Hardliner in Ostberlin die Mauer wieder zugemacht.« (…) »ob man das zugibt oder nicht: Niemand auf dieser Erde hätte gesagt, wegen diesen Arschlöchern in Deutschland riskieren wir eine kriegerische Auseinandersetzung.« »Wenn man nicht schießen kann, muss man eben kaufen.« »Die schnelle Hilfe machte großen Eindruck auf Gorbatschow.« (…) »gehörten zum Verhandlungspoker. Am Ende werde die Frage nach Bargeld stehen.« (…) »Das ist reine Mär.« »Gorbatschow und ich waren uns einig, dass wir Hermes-Bürgschaften geben, um Betriebe in der Sowjetunion in die Lage zu versetzen, in einem wiedervereinten Deutschland zu kaufen. Wenn ich mich nicht täusche, lag die Gegensumme der Bürgschaften, die die Bundesregierung garantierte, bei 35 Milliarden.« (…) »Verpflichtung übernommen, Kasernen und Truppenunterkünfte zu bauen, um die sowjetischen Soldaten, die heimkehrten, unterzubringen«. (…) »sich die deutsche Bauindustrie bei diesen Unternehmungen nicht mit Ruhm bekleckerte«. »Das war ja eine verwöhnte Bagage. Sie haben gestohlen wie die Raben. Die Disziplinlosigkeit nahm stark zu. Die Deutschen aber ließen sich nichts mehr gefallen. Sie machten sogar eine Initiative gegen Lärmbelästigung. Noch 1990 hätte niemand mit der Sowjetarmee eine Diskussion wegen Lärmbelästigung begonnen.« (…) »vom Deutschen Wetterdienst eine Expertise geben«. »Dieser Tag wird in Frankreich nicht aus dem Grund gefeiert, weil sie an diesem Tag den König umgebracht haben, sondern weil dieser Tag in der besten Jahreszeit liegt und mit diesem Tag die Ferien beginnen. Man tanzt in Frankreich auf den Straßen. Dieser Tag ist ein Volksfest.« »Diese Frau, ein rasantes Weib, stammte aus Kirchheimbolanden und hatte den älteren, reichen Apotheker von Neustadt geheiratet.« (…) »betätigte sich scheinbar nicht sehr. Jedenfalls hatte Margarete hier und da einen ranken, schlanken, schlagkräftigen, jungen französischen Oberleutnant. Bei den Leuten hieß das sofort, dass sie eine Franzosenhure war.« (…) »Eine Flasche Beaujolais sei vergiftet gewesen. Der Mann habe daraus getrunken und ging hinüber. Der Verdacht war gleich da.« »Sie hielten eisern zur Mutter, was mich unheimlich beeindruckte.« (…), »dass die ganze Geschichte sehr obskur war« (…) »unglaubliche Kunstfehler passierten«. »Aber in meinen Kopf ging das nicht rein: Wenn jemand zwanzig Jahre im Zuchthaus war und zwanzig Jahre bestritten hat, dass er der Mörder ist, dann ist es nicht nachvollziehbar, dass er nun gestehen muss.« (…), »dass sich in dieser Frage keiner so viel Mühe gemacht hatte wie ich«. »Da war ein Flüchtlingsehepaar. Er war an Multipler Sklerose erkrankt. Und sie war eine sehr tüchtige Frau, die einen Wäschesalon betrieb. Dann kam der Steuerprüfer vom Finanzamt, der nicht nur Steuern prüfte, sondern auch anderweitig aushalf.« (…) »auch anderswo Steuern prüfte« (…) »an der anderen Adresse geheiratet hatte«. »Er holte sie ab zu einem Schäferstündchen. Sie schmusten an der Autobahnraststätte Darmstadt. Sie gab ihm die Pralinen zu fressen, und er war hinüber.« »Die habe ich nach zwölf Jahren freibekommen. Die Frau hätte ja niemanden mehr mit Pralinen gefüttert. Bei Männern ist es sehr viel schwieriger. Bei Sexualstraftätern muss man sich fragen, was daraus werden kann.« Kohl spricht vom »System der offenen Tür«. »Selbstbedienungsbetrieb« »Der war ein Lieblingsbruder des DGB« (…) »überhaupt nicht entdecken, dass ohne die Achtundsechziger unser Land eine versumpfte und verkackte Republik geworden wäre«. »Sein Nutzen war nahezu null. Die wussten überhaupt nichts.« (…) »ob Breschnew einen geformten Stuhlgang hat oder ob er laut scheißt«. (…) »Markus Wolf lachte sich doch schief über Klaus Kinkel«. (…) »Sie kontrollieren sich untereinander, mit allen negativen Folgen wie Neid und Missgunst. Das muss doch auch die menschliche Natur verformen.« »Ich zog nie friedlich meines Weges.« (…) »recht lässig« (…). »Es ist mein Leben, meine Existenz.« (…) »normal gegangen. Ich habe das immer nach Nase gemacht.« (…) »Das Gebet meiner Mutter im Himmel ist nützlicher als das ganze BKA.« (…) »pädagogisch herbeigeführt worden, sondern in der brutalen Wirklichkeit am Ende des Kriegs. In Berchtesgaden war eine Einheit des Lebensborns, und die Amerikaner haben dann natürlich nach Art vieler siegreicher Heere jede Chance wahrgenommen.« (…), »dass ein Präservativsuchender in die Drogerie gehen müsse, um beim Lehrmädchen die Präservative zu kaufen, anstatt sie außen am Automaten zu ziehen? Da ist der Saal explodiert. Es gab tosendes Gelächter. Die Leute waren natürlich zu 90 Prozent meiner Meinung, wollten das aber nicht zeigen.« (…) »Idiotenstück«. (…) »Die haben es fertiggebracht, selbst die Klos konfessionell zu machen. Für den katholischen und den evangelischen Teil gab es jeweils eigene Anlagen.« »Da waren alle scharf drauf mitzufliegen, je protestantischer, umso schärfer.« (…) »Dann gingen wir zum alten Abt, mit dem wir die Welt bekakelten und ob der Glaube noch stark ist. Die hatten wunderbaren Wein, und wir tranken meistens zwei, drei Flaschen Trierer Auslese.« »Sie glauben doch nicht im Ernst, dass meine Großmutter dreizehn Kinder bekommen hätte, wenn sie die Pille gehabt hätte.« »Es ging mir auf die Nerven, dass sie mit ihrer Kinderzahl geworben haben. Man hätte ein Referat halten können über Knaus-Ogino und die nichtgewollten Ergebnisse.« »Wenn man Leute dazu bringt, aus welchen Motiven auch immer, dass sie bereit sind, sich umzubringen, und dass sie glauben, dass sie auf diese Art und Weise direkt in den Himmel fahren: hochgebildete Leute, die genau wie wir mit Weibern schlafen, Kinder zeugen, und plötzlich fahren sie an einem Tag gegen die Wand … Zigtausende junger Deutscher sind so in den Krieg gezogen.« »Aufgrund meiner eigenen Erlebnisse fürchte ich nichts mehr als den Krieg.« »Für Israel waren deutsche U-Boote entscheidend. Der Verkauf ging überwiegend zu Lasten des deutschen Steuerzahlers, was ich wegen der besonderen Beziehung zu Israel auch wollte.« »Es ist heute schlimmer, aus einer Nazifamilie zu stammen als aus einer SED-Familie.« »Wir müssen«, (…), »die Menschenketten bringen, Mutlangen, Böll, Lafontaine, B, Albertz, Niemöller«. (…), »Ideologen, Kommunisten, gekaufte Subjekte«. (…) »wertkonservative Mitläufer« (…) »sogenannte Friedensbewegung«, (…) »generalstabsmäßig unterstützt«, (…) »linkspolitische Mafia, von General Bastian über die Kelly bis tief in die SPD hinein – und letztlich bis zu Willy Brandt«. (…) »es war leichter, einem Mädchen unter den Rock zu greifen, als zu fragen, was der Bischof verdient«. (…) »in Rom in Verschiss geriet«. »Denen kommt – das kann man wirklich mit Luther sagen – der fröhliche Furz nicht aus dem Arsch.« (…) »massiv dafür ein, außerhalb der theologischen Fakultät einen neuen Lehrstuhl zu schaffen, damit er seine Vorlesungen auch ohne Erlaubnis der Kirche halten kann«. (…) »Ich habe ein wenig Stimmung gemacht, dass das große Schwert nicht auf ihn fällt«, »Beziehungen und Bindungen sind nun einmal eine eigene Welt.« »Er hat sich saudumm angestellt.« (…) »Man nannte schon Namen, wer jetzt Nachfolger werden würde. Ich wurde begrüßt, die Fernsehkameras standen da, und ich sagte: ›Meine Damen und Herren, ich habe eigentlich nur eine einzige Nachricht für Sie: Bundesminister Wörner bleibt im Amt.‹ Da hob sich fast die Decke ab.« (…) »das habe ich immer so gemacht. Wenn mir Leute gesagt haben: ›Du musst das machen‹, habe ich mehrheitlich gesagt, dass ich es erst recht nicht mache.« (…) »für keinen guten Minister« (…) »Ich bin der Bundeskanzler, ich bin Nassrasierer, ich muss mich im Z angucken. Und was Z über mich schreibt, ist mir scheißegal.« »Bei dem hat der Jüdische Weltkongress eine besonders üble Rolle gespielt.« (…) »himmelschreiendes Unrecht« (…) »Ich bin ein freier Bürger in einem freien Land. Ich muss mich den Ausführungen dieser Waldheim-Gegner nicht fügen. Das sind ja die gleichen Leute, die ohne jede Hemmung jede Denunziation betreiben, wenn es ihnen nützlich ist.« »Bei Filbinger hatte ich praktisch die gleiche Position wie bei dem österreichischen Bundespräsidenten. Ich habe beiden gesagt: ›Sagt doch den Menschen, wie es war!‹ Ich behaupte, dass Filbinger die Sache durchgestanden hätte.« (…), »dass die Soldaten weiterkämpften, um möglichst viele Zivilisten rauszubringen, obwohl sie wussten, dass es chancenlos war. Aber um das zu tun, war Disziplin erforderlich.« (…) »Ich sagte, du musst dich auch dazu bekennen, dass es ein oder zwei Todesurteile gegen Achtzehnjährige gab, die dir heute unendlich leid tun.« (…) »mindestens einstündigen Bericht zur besten Sendezeit« (…). »Und dann erzählst du, wo dein Elternhaus war, und dass es noch andere zehntausend Österreicher gab, die deutsche Offiziere waren. Und du warst einer von ihnen. Du hattest zwar mit diesen Dingen direkt nichts zu tun gehabt, hast aber natürlich gewusst, dass das der barbarischste Kriegsschauplatz im Westen war. Es ist Schreckliches in Jugoslawien passiert, aber auch Schreckliches an deutschen Soldaten. Und sage, es tut dir leid!« »Ich war sozusagen mein eigener Ombudsmann«, sagt er im Rückblick auf seine Zeit in der Pfalz. »Ich bin Anhänger einer qualifizierten europäischen Küche.« »Jeder Besucher, der kam, schüttelte den Kopf, dass der deutsche Bundeskanzler in einem solchen Häuschen Ferien macht.« (…) »wehleidigen Freizeitgesellschaft«, (…): »Man kennt ja die schönen Sprüche: ›Ich bin heute nicht disponiert.‹« »Wir sind ein Land, in dem die Kinder nicht einmal die Nationalhymne lernen. Patriotismus ist da wenig wahrscheinlich.« – »In Wahrheit ist das Hauptproblem: Das Land ist in sich verfettet«, (…) »Ich glaube nicht daran, dass dieses Land reformfähig ist. Es wird nur dann reformfähig sein, wenn das Wasser noch ein wenig höher steht. Das ist jetzt schon so. Aber die Leute merken es nicht.« »Mit dem Auftauchen der Handys ist jede Indiskretion unterwegs.« »Ich glaube, dass es ein Verlust an Menschlichkeit ist, dass man beides zum Abnormalen macht: das Kinderkriegen wie auch das Sterben. Das Sterben wird auf die Intensivstation verlegt. Gleichzeitig ist der Zeitgeist so, dass eine Frau, die ein Kind bekommt, als dumm bezeichnet wird: ›Gerade in solch finsteren Zeiten bekommen Sie ein Kind?‹ Das ist der dümmste Satz, den es in der letzten Zeit gegeben hat.« »Da wird jetzt der Begriff ›Schwester‹ abgeschafft. Jetzt kommen ›Frau Meier‹ oder ›Frau Fischer‹ rein und legen dich trocken.« »Dieser Artikel hat mir furchtbar geschadet. Ich stand kurz vor der Wahl als Dorfdepp da. Die Zeit hat das gemacht im Zuge ihres von da an laufenden Vernichtungsprogramms, was sich bis zum heutigen Tag nicht geändert hat.« (…) »Hamburger Mafia« (…) »sich einbildet, eine intellektuelle Etage drüberzuliegen«. (…) »auf einer Redaktionskonferenz zu Beginn meiner Kanzlerschaft erklärt: ›Wenn wir den in sechs Monaten nicht runtergeschrieben haben, müssen wir schlechte Journalisten sein.‹« (…) »Z-Mischpoke« (…). »Ich kenne niemanden, der vom Z einen Nutzen hatte.« (…) »Ein Mann wie Augstein stieg aus dem Nichts zu einer Superfigur in Deutschland hoch, mit einer Macht und einer Gewalt, dass er Karrieren, Menschen vernichten konnte, weil er sehr frühzeitig alle Imponderabilien moderner Machtausübung wie Superarchive usw. zur Verfügung hatte.« »Für mich existiert Z nicht.« Ob man nicht wenigstens »in Klammern sagen könnte«, bittet er seinen Befrager fast schon verzweifelt, »dass Helmut Kohl der Vorsitzende der Käthe-Kollwitz-Gesellschaft ist?« »Das entsprach dem Schicksal auch meiner eigenen Familie. Der Bruder meiner Mutter war im Ersten Weltkrieg gefallen. Und mein Bruder, der den gleichen Namen trug, fiel im Zweiten Weltkrieg, was ein typisch deutsches Schicksal war.« »Ich setzte mich über alle Bedenken hinweg und stellte die Plastik auf. Es gab einige Wochen Geschrei.« (…) »dieser Hauptmann a. D., von Weizsäcker, große Probleme gehabt«. (…) »all diese intellektuell anspruchsvollen Geister, die über den dummen deutschen Kanzler ihre Köpfe schütteln«, (…) »Das müssen wir alles verwenden!« (…) »der Schweinerei mit dem Kempowski«: (…). »Ich war einer der Hauptbenutzer der Bundestagsbibliothek. Aber das interessiert ja niemanden. Diejenigen, die über mich und andere schreiben, lesen ja selbst überhaupt nicht und sind zu einem beachtlichen Teil intellektuell totale Barbaren. Die meinen, dass ein Grass-Roman Bildung ausmacht.« (…) »pseudointellektuelle Presse« (…). (…) »diesem unbequemen Zeitgenossen« (…). »Kohl-Hasser«. »Der entscheidende Fehler von Honecker war, dass er die Bedeutung des Fernsehens unterschätzt hat.« (…) »hatten wir den Bausch ein halbes Menschenleben lang sitzen«. (…) »Bayerische Rundfunk war immer der Beste«. »Es gibt im WDR keine Putzfrau ohne das Parteibuch. Das weiß jeder. Das ist der gleichgeschaltetste Sender, den es je in Deutschland gab. Er steht ganz unmittelbar und direkt neben dem DDR-Zeitalter.« »Ich wollte Nowottny, der aber nicht wollte.« (…) »keine glückliche Hand« (…) »ganz lakonisch schreiben«. »Ein Manko meiner Amtszeit war die Verkaufspolitik. Ich fand nie den genialen Pressechef«, (…). »Da war immer ein Bundesminister drin, beispielsweise für die FDP Hans-Dietrich Genscher, der an vielen Sitzungen gar nicht teilnahm. Aber weil er Mitglied des Verwaltungsrats war, hat er Zugang zu allen geschaffen, die dann günstige Sendezeiten und Möglichkeiten hatten.« »Diese Geschichten, in denen gesagt wird, dass Leute bestochen wurden, sind absoluter Quatsch. Wenn die bestochen wurden, dann wurden sie in ganz anderer Weise bestochen, nicht mit Geld, sondern mit Sympathie, Loyalität, Vertrauen und Menschlichkeit. Es gab ja auch Probleme. Es kamen Leute zu mir, die wirkliche Sorgen hatten. Es ging zum Beispiel um ihre Schwiegersöhne oder -töchter. Ich kümmerte mich ja um den journalistischen Nachwuchs, wobei ich mir bei den meisten besser in den Hintern gebissen hätte. Sie wurden in meinem Namen beim ZDF untergebracht. Als sie dann soweit waren, hatten sie das natürlich vergessen. Das war mehr als zwanzig Jahre so, und es lebte eine ganze Generation nicht schlecht damit.« »Die Zeit, die ich in den Medienbereich investiert habe, hat sich für mich politisch kaum ausgezahlt. Als ich das ZDF verließ, gab es immerhin sechs Hauptabteilungsleiter, die alle CDU-Mitglieder waren.« (…) »Die CDU-Leute, die dort saßen, hatten immer die Bestrebung, ihre Unabhängigkeit zu beweisen. Zur Unabhängigkeit gehörte, den eigenen Leuten in den Arsch zu treten.« (…) »der Lump Herles«, (…). »Der sagte in seinem Kommentar im ZDF, die CDU-Leute müssten aufgefordert werden, den Mann abzuwählen. Das kam wörtlich im Fernsehen und war absolut unglaublich. In der Presselandschaft gab es ein großes Röhren.« (…), »habe ich betrieben, dass er verschwindet«. »Das war ein Attentat auf den Kohl. Das waren Originalbilder und Originalton.« (…) »irgendeiner idiotischen Jury«(…). (…) »massiv unterstützt. Das war eine selbstverständliche Freundespflicht.« (…) »beschworen, das sein zu lassen«. (…) »Es war eine Sache, die mich tief verletzt hat, weil ich das nicht für möglich gehalten hätte, so wie wir miteinander standen.« »Ich brach damals jede Beziehung zu ihm und, wie das meine Art ist, für den Rest des Lebens. Der ist gestrichen. Der existiert in unserer Familie nicht mehr.« »Das eigentliche System K. war die unendliche Nähe zur Partei. Ohne die Partei kann man keine Politik machen.« »Es kamen viel mehr Leute an mich ran als an jeden meiner Vorgänger.« »Wir fassten ja nie einen Parteitagsbeschluss, ob der Euro eingeführt wurde. Wir verkündeten das.« (…), »es regt sich kein Halm ohne seine Zustimmung«. »Ich war immer neugierig. Ich war nie neugierig zu wissen, wer mit wem schläft. Das hat mich mein Leben lang nicht interessiert. Aber mich haben die Menschen interessiert. Mich hat interessiert, wie die Menschen in ihrer Situation leben.« »Was ist denn an dieser Feststellung erstaunlich? Das ist doch mein Job. Man lebt ja nicht dafür, morgens aufzustehen und zu überlegen, wie man den Leuten in den Bauch tritt, um sie gegen sich einzunehmen.« (…) »Ihr seid ganz auf dem K-Trip von Z und Stern: Hätten Sie die Tendenz, Ihre Frau zu vereinnahmen, als Sie ihr nachgelaufen sind, um mit ihr zu schlafen? ›Vereinnahmung‹: das ist doch ein blödsinniger Begriff!« (…) »Wenn jemandem nachgesagt wird, dass er die Fähigkeit hat, die Menschen für sich zu vereinnahmen, ist das doch ein Pluspunkt, und ich würde sagen, der Mann verdient eine erstklassige Note, wenn er einen Job hat, wo er etwas erreichen muss.« »Gorbatschow war ganz happy, heimzukommen und mir zu zeigen, wo er herkommt, wo er angefangen hatte, wo er Parteisekretär war.« »Ich hatte eigentlich immer ein großes Interesse an Büchern, was bis zum heutigen Tag geblieben ist«, sagt er am 11. März 2002, »ich lese die Buchbesprechungen, schneide sie aus und lasse die Bücher bestellen. Im Moment lese ich die Biographie von Maxie Wander.« »Die Bundesregierung war noch keine zehn Stunden alt, und ich war abends zum Antrittsbesuch bei der Grande Nation.« (…) »Überhaupt nicht. Ich kannte den Mitterrand praktisch gar nicht.« »Nein, ich wollte deutlich machen: Der Mann aus Oggersheim war jetzt Bundeskanzler. Und der galt als brauchbarer Mensch, allerdings sehr abgenutzt zwischen 1976 und 1982.« (…) »Ohne die deutsch-französische Freundschaft und Partnerschaft und deutsch-französische Antriebskraft würde es keinen Fortschritt in Europa geben.« »Als der Oberbürgermeister von Metz, am 3. April 1930 geboren«, (…), »erzählt hat, wie er vom Bürgersteig runtergehen musste, wenn 1943 ein deutscher Offizier kam. Da habe ich gesagt: ›Und wir mussten 1945 vom Bürgersteig runter, wenn ein französischer Offizier kam.‹ Wenn man das heute einem Buben erzählt, sagt der: ›Das kann doch nicht wahr sein!‹ Und das ist das Große an der deutsch-französischen Verständigung.« (…) »achten gelernt«. (…) »Die verstehen etwas von der Kirche und noch viel mehr von der Geschichte. ›Noch ist Polen nicht verloren‹ – so etwas haben die Deutschen nie gesungen.« Ein andermal sagt er: »Es war die stärkste Waffe der Polen, zu singen.« (…), »wenn die Polen nicht angefangen hätten, die Welt zu verändern«. (…) »gewaltigen Gestalt. Der wurde von den Deutschen zwei Jahre ins KZ geworfen und bei den Kommunisten drei Jahre ins Arbeitslager. Ein und derselbe Mann!« (…) »Den Namen des Ministerpräsidenten weiß ich nicht mehr.« (…) »Wenn ich nicht innerhalb einer Stunde Gewissheit habe, dass der Besuch beim Kardinal klappt, fliegen wir zurück. Das mache ich nicht mit.« (…) »Als wir dann zu ihm fuhren, mit einer Kolonne mit weißen Mäusen, wie sich das gehört, dreizehn Stück protokollarisch, stand der alte Mann da, das werde ich nie vergessen, hielt sich fest, weil er so gebrechlich war, und weinte wie ein kleines Kind. Er umarmte mich und sagte dann in gutem Deutsch: ›Sie sind der erste westliche Staatsmann, der mich besucht.‹ Es stellte sich heraus, dass weder de Gaulle noch alle, die dort waren, ihn besucht hatten.« (…) »Ihr braucht uns ökonomisch. Aber solange es mich gibt, wird es gewiss nichts mit uns werden, wenn ihr den alten Tomášek so wie bisher behandelt.« »Ich bin der Meinung, dass Reagan total unterschätzt wurde. Alle hielten Reagan für einen trotteligen Mann, für einen Schauspieler.« »Weil mich die Haltung der Bundesregierung ärgerte, gab ich ihm einen Termin. Dann war er viel länger als geplant bei mir, weil mich der Mann interessierte. Es fiel mir auf, dass er von Europa nichts wusste, aber dass er zuhören konnte. Er hat es mir niemals vergessen, dass ich Zeit für ihn hatte. Als er dann Präsident wurde, war das eine Eintrittskarte für mich.« (…) »die demonstrative Verzagtheit der Amerikaner« (…). »Die einfachen Prinzipien des Ronald Reagan« (…). »Im Umgang mit Breschnew hatte er recht. Er hat ihm einfach zu verstehen gegeben: ›Wenn du weiterrüstest, rüste ich auch. Und dann gehst du kaputt, weil du das wirtschaftlich nicht aushältst.‹« (…) »kenntnisreich, ein richtiger amerikanischer Patriot, ein Herr und ein getreuer Freund: für die Deutschen und für mich ein Glücksfall!« »Man müsse Mut haben, man dürfe nicht zurückweichen, so eine richtige Durchhalteparolen-Rede. Das war eine ziemliche Unverschämtheit.« (…) »Da habe ich dann sehr harsch unsere Position vertreten und ganz direkt zu ihr gesagt: ›Margaret, jetzt lassen wir mal den Bundeskanzler weg, jetzt sage ich etwas zu dir als Helmut Kohl.‹ Dann habe ich die Geschichte erzählt, dass mein Onkel gefallen sei, dass mein Bruder gefallen sei. Es war Totenstille. Dann hat George Bush [damals Vizepräsident unter Reagan] auf seine Tischkarte geschrieben: ›Helmut, a very fine speech‹, und mir das rübergeschickt.« (…) »ein Herz und eine Seele« (…). (…), »er schwamm im Mainstream«. (…), »Bill Clinton an diesem Schlüpfer herumgemacht hatte und sich die Welt nur für diesen Schlüpfer interessierte«. (…) »Ich erinnere mich noch sehr genau an diese kritische Zeit im Zusammenhang mit der Praktikantin. Ich rief ihn regelmäßig ein- oder zweimal in der Woche an und sagte ihm: ›Ich habe dies und jenes gelesen, du musst das durchstehen.‹« »Wir müssen unbedingt schreiben, dass ein Gespräch mit Männern über Mütter einer der erfolgreichsten Schlüssel ist. Ich glaube, dass ein Gespräch über Mütter sehr viel aufschlussreicher ist als ein Gespräch über die eigenen Frauen. Da weiß man nie, wo man gerade hintappt. Bei dem Thema Mutter ist die Gefahr, sich zu vertun, sehr viel geringer, und man betreibt auch charakterlich eine andere Studie.« »Mit dem Handy ist jede Diskretion unterwegs«, (…). »Es wird dauernd telefoniert. Ich erinnere mich an Szenen in der Herrentoilette, wo nahezu jeder, der dort stand, erst pinkelte und dann sein Handy bewegte.« »Ich hätte es am liebsten gehabt, die ganzen Akten wären in den Vesuv geworfen worden.« »Ich sage mir mit Fatalismus: Wenn es passiert, passiert es. Ich kann nicht Tag und Nacht sagen, ich werde abgehört. Primitiv wie ich bin, war mein Hauptmittel, was immer viel Heiterkeit erregte, einfach von einer Telefonzelle der Bundespost aus zu telefonieren. Der Spendenausschuss grübelte immer darüber, wenn die Leute Briefe schrieben, dass sie den Kohl gesehen hätten, wie er da und dort telefoniert hat. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht.« »Nein, natürlich mit dem Tod meiner Frau. Wir können keine Memoiren machen ohne dieses tiefe, einschneidende Ereignis.« »Frau Richter sucht bereits.« (…), »war auch einmal die Rede von Weizsäcker, aber das war keine ernsthafte Sache, da Schröder der starke Kandidat für die Union war«. (
- b)Helmut Kohl und seine Parteifreunde Helmut Kohls politische Gegner Die doppelte Hannelore Fünf Freunde Das ungeliebte Amt – Helmut Kohl und die Bundespräsidenten Helmut Kohl und seine Werte Helmut Kohl, die Schriftsteller und die Journalisten Am Ende des unfassbar langen Dialogs steht die Eigenbilanz eines einmaligen Politikerlebens: von den Anfängen in Rheinland-Pfalz über den Triumph der Einheit bis zum bitteren Parteispenden-Ende. Ausführlicher, meinungsstärker, persönlicher hat sich Kohl niemals über Erfolge und Niederlagen, über Weggefährten, Freunde und Feinde, über seine Familie und die Fundamente seiner Politik geäußert. In den biographischen Erkundungen aber spricht der sechste Kanzler der Republik frei heraus Klartext. Das Ergebnis ist ein »Who is Who« der Zeitgeschichte, das Politiker wie Strauß oder Schäuble, wie Genscher, Geißler oder Gorbatschow auf ganz neue Weise porträtiert. Und das nicht selten überraschend, mitunter auch bitterböse. Da wird der Mauerfall vor fünfundzwanzig Jahren, das Ringen um die deutsche Einheit mit pointierten Worten als ökonomische Zwangsläufigkeit charakterisiert. (…) Tiefeninterviews, mit denen nicht nur Helmut Kohls biographische Daten, seine Rolle als Politiker und seine Sicht auf zeitgeschichtliche Ereignisse, Mitstreiter und Gegner, sondern seine ganze Persönlichkeit erforscht und nachgezeichnet wurden, (…). Wohl kein anderer deutscher Politiker hat so umfassend, so genau, so schonungslos mit Freund und Feind, so nachtragend im wahrsten Sinne des Worts, Bilanz seiner Vita gemacht. Bisweilen sehr bitter und nicht selten unerhört sprachgewaltig – ganz anders, als in den vielen Klischees über den vermeintlich heillos Dumpfen behauptet – kommentiert er rund ein halbes Jahrhundert deutscher Nachkriegsgeschichte: Niemals zuvor und niemals danach hat er das System des eigenen Machterhalts freimütiger beschrieben, das vielbeschworene System Kohl, das die Strukturen des lokalen Parteiklüngels scheinbar nahtlos auf die große Politik übertrug: (…). Dank eines perfekt organisierten Informationssystems war er stets genauestens im Bilde über die Stärken, Nöte und Abgründe der Menschen, mit denen er zu tun hatte. Ob Strauß, Geißler, Genscher oder Gorbatschow: Der geniale Stratege, der nicht ohne Kalkül die Pose des Biedermanns mit der Strickjacke einnahm, wusste genau, wo sie verwundbar waren, wo er sie packen, wie er sie in Abhängigkeit bringen konnte. Letztlich hat er sie alle zu Figuren seines persönlichen Schachspiels gemacht, dessen oberste Regel war, dass kein anderer als Kohl die Partie gewinnen durfte. Dies wird die hier nun, nach reiflicher Überlegung, vorgelegte Dokumentation unserer Gespräche facettenreich zeigen. Da hat er sich an den bodenständigen Bauern Josef Schnur aus dem Hunsrück erinnert, (…). (…) mit einer finalen Bewertung der bisherigen Bundespräsidenten (…). Eine kleine, für manchen gewiss überraschende Verneigung vor dem Sozialdemokraten Gustav Heinemann (…). Helmut Kohl, der darauf brennt, unser Gespräch bereits neun Tage nach dem Tod seiner Frau wieder aufzunehmen, macht vor allem eine vermeintliche »Verfolgungsjagd« durch Journalisten, die im Spendensumpf wühlen, für die todbringende Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes verantwortlich. Aber auch die Absetzbewegung nahezu der gesamten CDU-Prominenz, sagt er, habe ein Gutteil zu Hannelores Tragödie beigetragen. Vor allem seine früheren Weggefährten, von denen er sich seit der Spendenaffäre verraten fühlt, bekommen es ab. Das Mädchen aus der Uckermark und ihr Vertrauter Friedrich Merz? Lothar Späth? Und Norbert Blüm, der alte Haudegen, der seinem einstigen Dienstherrn über Jahre treu diente, bis er, schon lange vor dem CDU-Spendenskandal, in Ungnade fiel? Er hat Kohl, so wie es der Anstand gebietet, zum Tod seiner Frau kondoliert. In der ihm eigenen Schlichtheit. Aber vermutlich von Herzen ehrlich: »Ich bin unendlich traurig. Norbert.« Der Witwer hat für die versöhnliche Geste nur beißenden Spott: (…). Auch der Chemiegigant aus Ludwigshafen hielt es für angezeigt, öffentlich seine Anteilnahme kundzutun. Nun auf einmal spricht er von den Verletzungen, die schon früh ihren Anfang nahmen, 1973, als er Parteivorsitzender wurde, spätestens aber 1976, als er sich, wenn auch äußerst knapp, als Kanzlerkandidat geschlagen geben musste: Und wer ist schuld? Die Roten natürlich, mit denen er sich schon als Mitglied der Jungen Union beim Plakatekleben im Wahlkampf zu prügeln beliebte. Bei einem Treffen in Bonn habe ich ihn dann – eher beiläufig – gefragt, ob er sich nicht vorstellen könne, an seine Memoiren zu gehen, sich in persönlicher Rückschau der Einheit, des Euros, aber auch der oft schwierigen Mitstreiter zu erinnern. Nach kurzem Abwinken, nicht frei von Koketterie (…), schlug er vor, doch einmal Ausschau nach einem geeigneten und solventen Verlag zu halten. Als ich ihm wenig später gleich mehrere Offerten unterbreitete, bat er mich, ihm als Schreiber zur Seite zu stehen. Selbstverständlich werde mein Name auf dem Buchcover genannt. Wir verständigten uns also darauf, dass ich die Autobiographie zunächst als Koordinator und wissenschaftlicher Berater begleiten und auch die Interviews führen würde. So manches, was er mir gern ausufernd erzählte, schien dabei überhaupt nicht für das Memoirenwerk bestimmt. Im »Ping-Pong-Keller« in der Marbacher Straße, dem ausgedienten Tischtennisraum, in dem sich die Schwiegermutter einst trimmte, hatte ich ein provisorisches Tonstudio eingerichtet. Dessen schönstes Teil war eine ausgewuchtete Stativkonstruktion fürs Richtmikrophon, die sich, vor Kohls angestammten Sitzplatz am Holztisch montiert, elegant um den mächtigen Bauch meines Interviewpartners legte. In einem Vorgespräch hatten wir uns schnell auf eine grobe Gliederung verständigt, 800 Druckseiten wurden zunächst einmal ins Auge gefasst, die ersten Gesprächstermine fixiert. Beide Seiten schienen bestens gerüstet. Für Kinkerlitzchen wie das Memoirenschreiben, lässt er mich wissen, hat er jetzt keine Zeit. Aber er möchte sich rechtfertigen. Er sieht sich als Opfer einer Kampagne. Beim politischen Gegner, in der eigenen Partei und erst recht in den Medien. Aus seiner Sicht hat er doch nur der guten Sache, seinem Lebenswerk, der Union, gedient. Ich rede auf ihn ein, dass er, wenn er sich an ein Buch über die Monate seit Bekanntwerden der Affäre mache, dann auch reinen Tisch machen – das bedeutet: die Spender beim Namen nennen – müsse. Alles andere sei Stückwerk, nie und nimmer ein glaubhafter Schritt nach vorn. Hannelore stimmte mir zu. »Herr Bundeskanzler«, sagte ich, wissend, dass er Wert auf diese Anrede legte, »wir schreiben ein Tagebuch.« Natürlich hat er niemals eines geführt. Kohl war höchst angetan. Ich lasse die für ihn bedeutsamen Erlebnisse der vergangenen zwei Jahre Revue passieren: Kohl attestierte anerkennend, ich hätte seinen Duktus getroffen. Das Muster ist zumeist einfach: Schuld sind eigentlich immer die anderen. Der perfide Geißler, der nun die Stunde der Rache an seinem einstigen Gegenspieler gekommen sah. Er habe ihn 1989 schließlich als Generalsekretär geschasst. Rita Süssmuth, sagt er, mache vor allem deswegen Stimmung, weil sie einmal Landesmutter von Thüringen habe werden wollen. Das Ansinnen freilich sei, dem Himmel sei Dank, an seinem Veto gescheitert, weil er instinktiv gespürt habe, dass die Bewerberin nichts tauge. Wer Kohl kritisiert in diesen Tagen, lesen wir, der kocht sein eigenes Süppchen, der nutzt nur die lang ersehnte Gelegenheit, um alte Rechnungen zu begleichen. Richard von Weizsäcker, Angela Merkel: Geschöpfe, einst von Kohl am Busen der Partei genährt – und nun von grobem Undank beseelt. Der politische Gegner kommt nicht besser davon. Burkhard Hirsch, der Altliberale, der hartnäckige Sonderermittler des Bundeskanzleramts: ein ewig Zukurzgekommener, den er, Kohl, aus gutem Grund nicht habe Bundesinnenminister werden lassen – und der ihm das jetzt heimzahle. Franz Müntefering: ein »ideologischer Einpeitscher«, der den »rotgrünen Zug weiter in Richtung Kriminalisierung und Verleumdung von Helmut Kohl und seinen Leuten« steuert. Von Christian Ströbele, für die Grünen mit bekennender Renitenz im Ausschuss, ganz zu schweigen. Eine Unverfrorenheit, dass er überhaupt da sitzt! »1982 verurteilte ihn das Berliner Landgericht wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung zu zehn Monaten Haft. Ausgerechnet dieser Mann also.«2 Einmal mehr: Er hat sich alles gemerkt. Den Bruch mit Wolfgang Schäuble etwa hat er wohl wirklich niemals verwunden. Wenn er von den Stunden am Krankenbett erzählt, damals nach dem Attentat, als der Schwerverletzte dem Tod näher schien als dem Leben, dann scheint das ganze Hauen und Stechen vergessen. Die Freundschaft, die »brüderliche Beziehung«, ist spätestens über der Aufklärung des Spendenskandals zerbrochen für immer. Aber den so lang getreuen Gefolgsmann aus Baden kanzelt er nicht ab. Dem trauert er nach. Er weiß wohl, dass auch er Schuld auf sich geladen hat: (…) Die Einschätzung ist ebenso klug wie ichbezogen. 700 000 D-Mark, beteuert er, habe er aus seinem Privatvermögen beigesteuert, eine Art Ablasszahlung. Jetzt verlangt er Absolution. Er versteht sich als sein eigener Gerichtsherr. Er beansprucht ganz selbstverständlich das Privileg, seinen offenkundigen Rechtsbruch mit einer großzügigen Geste ungeschehen zu machen, mit einem lauthals verkündeten Bußgang zum Wohle der Partei. Der Erfolgsautor will unbedingt weitermachen. »Den Menschen draußen im Lande«, wie er einst gerne sagte, gibt es noch viel zu erklären. Ganz zu Beginn der ersten Sitzung haben wir, chronologisch korrekt, mit dem Elternhaus angefangen, mit Vater Hans aus dem fränkischen Greußenheim, der einer Dreizehnkinderfamilie entstammte. Doch im Nu war mein Gegenüber in seiner Lebensgeschichte auf und davon galoppiert. Ein Helmut Kohl, das wurde schnell klar, lässt sich in kein Erzählkorsett zwängen, der kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, der kämpft sich wild assoziierend durch seine Vita. Gelegentlich haut er mit der Faust auf den Tisch, um das Gewicht seiner Worte zu untermauern. Schon bald ist er bei seinem Aufstieg zum Regierungschef in Rheinland-Pfalz angekommen und redet sich in Rage: Noch nach Jahrzehnten hat er die Eskapaden eines Sozialdemokraten parat, der in den Siebzigern dem Kabinett Schmidt angehörte: (…) Und wehe, Kollege T oder ich hatten nicht augenblicklich die Antwort parat. Dann wurden wir wie Schulbuben abgekanzelt. Umso erstaunter war ich, als mich ein Mann mit gefestigter Stimme auf dem Handy anrief: (…) Es sollte das intensivste, konzentrierteste Gespräch werden, das ich je mit ihm führte. Minuziös blickte er zurück bis weit ins 19. Jahrhundert: Die Großmutter entstammte einer alteingesessenen Patrizierfamilie aus Bremen. Sie ehelichte einen stadtbekannten Notar. Die Verbindung hatte zwei Söhne und zwei Töchter gezeitigt, darunter Irene, die spätere Schwiegermutter, die in jungen Jahren in der Reichshauptstadt als Ansagerin beim Deutschen Rundfunk gearbeitet hatte, bevor sie ihren Mann kennenlernte, Wilhelm Renner aus Mutterstadt, der sich in der Metropole Berlin als Ingenieur bei Siemens verdingte. Die beiden bekamen nur ein einziges Kind: seine Hannelore eben. Und damit ist Kohl, nach einem zwanzigminütigen Prolog, beim Thema. Bei der Partnerin über mehr als vier Jahrzehnte, die er nun über den Klee lobt, nicht zuletzt wegen ihrer Bildung. (…) Das Diktum mag spontaner Ergriffenheit geschuldet sein. Ein Kompliment für das Parlament, das ihn viermal zum Kanzler wählte, ist es nicht. – wir schalten das Tonbandgerät oft über Minuten ab –, gedenkt er einer einst (…), die das Herz des Abiturienten und CDU-Jungaktivisten Kohl mit selbstverfassten Gedichten im Sturm erobert und damit ein richtig großes Los gezogen habe. Jedenfalls zeichnet er das Bild einer Frau, der das Schicksal – aber eben nicht er – oft übel mitgespielt habe. Die grausam schmerzende Lichtallergie; die herzlosen Bonner Beamten, die der karitativ so aktiven Kanzlergattin nicht einmal eine eigene Sekretärin oder eine staatlich subventionierte Haushaltshilfe konzedierten; all die ignoranten Universitätsfakultäten der Republik, die ihr, der unermüdlich für die Versorgung von Hirnverletzten Kämpfenden, gerade einmal einen einzigen Doktortitel honoris causa verliehen, 1995 in Greifswald. Die Spendenknauser in den Chefetagen der reichen Industriekonzerne – und natürlich Richard von Weizsäcker, der ewige Schuft. Und dann, tags darauf, als wir das Gespräch über die Tote fortsetzen, geschieht etwas Ungeheuerliches. Er zieht ein Kuvert aus seinen Unterlagen. Es ist der handgeschriebene Abschiedsbrief seiner Frau. Er liest ihn mir über weite Passagen vor. Er will, dass der Wortlaut publik wird: »Ich habe lange über diesen Schritt nachgedacht, glaube es mir. Es fällt mir sehr schwer, Dich nach über 41 Ehejahren zu verlassen. Aber ein langes Siechtum in Dunkelheit will ich Dir und mir ersparen, zumal die Unheilbarkeit nun leider mehrfach bestätigt wurde. Ich habe viele Jahre um das Natürlichste von der Welt, um Licht und Sonne gekämpft, leider vergebens.« Er würde so gern für die Nachwelt dokumentiert sehen, dass seine Ehe intakt war, dass die gemeinsam zelebrierten Auftritte bei Parteitagen, die trauten, so gern über die Medien verbreiteten Fotos vom Wolfgangsee der Wirklichkeit entsprachen. Der Mythos von Hannelore und Helmut soll weiterleben. (...) , frohlockt er in tiefer Trauer, an deren Aufrichtigkeit ich nicht zweifle: »Ich danke Dir für viel Hilfe, Zuspruch und Deine Versuche, mein Leben zu erleichtern.« In den letzten Monaten ist sie kaum mehr die Treppen hochgekommen. Gezeichnet von starken Medikamenten, die sie seit ihrer schweren Erkrankung 1993 einnahm, waren ihr die Haare ausgefallen, auf deren Pracht sie zeitlebens so stolz war. Sie trug eine blonde Perücke. Wie ist sie damit fertiggeworden? In der dritten Sitzung am 2. April 2001 kam er zum Beispiel empört auf die Ohrfeige zu sprechen, mit der Beate Klarsfeld auf dem CDU-Parteitag Kanzler Kurt Georg Kiesinger wegen dessen NS-Vergangenheit gebrandmarkt hatte, konnte sie nicht recht datieren und bat mich in der ihm eigenen Deutlichkeit um Auskunft: (…)Eigentlich hätte ich die suggestive Frage zurückweisen müssen, denn, Beits der strafrechtlichen Bewertung: Ein gesellschaftlich wichtiges Signal war die Backpfeife der passionierten Nazijägerin ja durchaus. Ich aber bin dem Konflikt, gegen meine Überzeugung, aus dem Weg gegangen und stellte artig unter Beweis, dass ich meine Hausaufgaben gemacht hatte: »Ich glaube, das war 1968.« Die Anfänge der Epoche Adenauer hat er als junger Wilder der CDU begleitet, als Heißsporn in Lederkluft mit dem Motorroller von Versammlung zu Versammlung brausend. Ein Rückblick auf eine Karriere, gespickt mit reichlich Affären, mit »Zores«, wie er gern sagte, im Politischen wie im Privaten. Ob Flick oder Bitburg, ob Kießling/Wörner oder die Tage des Spendenskandals: Alles kommt auf den 200 Bändern ausgiebig zur Sprache. Da offenbarte sich in Selbstzeugnissen die Geschichte eines beispiellosen Aufstiegs und eines jähen Falls. So sprach Kohl mit Gorbatschow, Reagan und Bush, aber auch mit (…). (…), obwohl die Vita bis ins Jahr 2002 abgerufen und dokumentiert ist. Nun aber werden der aussichtslose Kampf gegen Gerhard Schröder, die Abwahl 1998, die Spendenaffäre, der Tod Hannelores vermutlich für immer weiße Flecken bleiben. Kohl bat mich, am nächsten Tag eine promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin in die Durchsicht der Autobiographie einzubinden. Gegen Ende der Sitzung kam das Gespräch auf die Charaktereigenschaften von Hannelore Kohl, ihre Geradlinigkeit, ihr soziales Wesen. Ich hatte all das in meinem Text herausgestellt. Am nächsten Tag rief ich an: »Herr Bundeskanzler, so macht die Arbeit keinen Sinn. Das halte ich nicht aus. Ich werde nicht mehr kommen. Meine Texte schicke ich mit der Post.« Dann könne er das Manuskript mit seiner Freundin daheim bearbeiten. Das traf ihn unerwartet. Doch offenbar hatte es in Oggersheim eine häusliche Aussprache gegeben. Jedenfalls lenkte er ein: (…) Und so geschah es dann auch. Ein paar Wochen davor hat er mir in einem Tonfall, der kaum Widerspruch zuließ, mitgeteilt, dass er selbstverständlich erscheinen und natürlich auch reden würde. Er ließ sich, halbherziger Widerrede zum Trotz, von seinem Vorhaben nicht abbringen. Kohl wollte nun die Erlebnisse jeder Dienstreise, jede parteiinterne Querele aufgenommen wissen. Als wir den ersten Band druckfertig machten, hatte Helmut Kohl noch gesagt, dass – was immer geschehe – jede Folge seiner Erinnerungen mit ein und denselben zwei Worten beginnen werde: »Für Hannelore«. Wir wollen über eine internationale, einbändige Ausgabe der Erinnerungen sprechen. Aber er ist längst nicht mehr Herr seiner selbst. Nach einer halben Stunde breche ich auf. (…) Wir nicken uns mit betretener Miene zu. Im Vorfeld des rheinland-pfälzischen Landtagswahlkampfs 1975 schrieb der amtierende Ministerpräsident einen persönlichen Brief an die Autobauer von Daimler-Benz und bat um eine Spende für seine CDU. Joachim Zahn, der Vorstandsvorsitzende, reagierte prompt und sandte ein Kuvert nebst einem Scheck in Höhe von 50000 D-Mark. Eine diskrete Aufmerksamkeit. Der Empfänger in der Mainzer Staatskanzlei sah indes zu Dankbarkeit keinen Anlass und (…) Kollege Hans Karl Filbinger hatte aus Untertürkheim gerade eine Viertelmillion bekommen. Der Fortgang der kleinen Geschichte ist aufschlussreich. Kohl erzählt sie, als sei sein Spenden-Coup das Normalste der Welt. Ein alter Duzfreund und gelegentlicher Miturlauber am Wolfgangsee, Hanns Martin Schleyer, Vorstandsmitglied des düpierten Konzerns, schaltete sich damals ein, (…). Für Kohl ist das nur recht und billig. (…) Da wird man zum Wohle der eigenen Partei doch ein wenig nachkobern dürfen! Politische Handreichungen sind nicht umsonst. Für Helmut Kohl ist das offenbar ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Wohl selten hat ein führender Repräsentant unseres Gemeinwesens die geschmierte Mechanik des Gebens und Nehmens so ungeniert beschrieben. Und das in Gegenwart eines Journalisten. Auch ganze Landesverbände oder Unterorganisationen der Partei, wie die Sozialausschüsse, klagt der Altkanzler beim Rapport im Ping-Pong-Keller, hätten beständig über ihre Verhältnisse gelebt. Da hilft dann nur noch Schmugeld, bevorzugt in bar, Zuwendungen, gewährt (…). Wie gerne hätte er im Parteiengesetz einen Passus verankert gesehen, dass bei 5 Prozent der Einnahmen (…). Schon damals in der Flick-Affäre, dem ersten großen Skandal seiner Kanzlerschaft, ist ihm, wie er beteuert, im Untersuchungsausschuss und erst recht in den Medien bitter Unrecht geschehen. Er sieht sich als Opfer des Konzernbevollmächtigten und Duzfreundes Eberhard von Brauchitsch, eines notorischen Aufschneiders, der seinem Chef Friedrich Karl habe wöchentliche Erfolgsmeldungen präsentieren müssen. Und eines Tages, Kohls Wortwahl ist vielsagend, (…).. Wegen ebendieses Überfallkommandos habe (…) unter den erbeuteten Dokumenten befanden, penible (…). Aber das seien Fehldeklarierungen eines Geltungssüchtigen gewesen. Auch CDU-Chef Kohl erhielt zur Verwendung nach eigenem Gusto eine Zuwendung von 50 000 Mark. Und die Gattin bekam im Namen des Konzerns zum Geburtstag frei Haus eine große Büchse mit schwarzem Kaviar geliefert, weil, wie der Altkanzler im Gespräch am 2. Juni 2001 treuherzig eröffnet, (…). Unerträglich findet Kohl allerdings, dass der Manager den kostbaren Störrogen (…). So wurde den Kohls der Verzehr gründlich vergällt. (…) Zornig hat er sich dann vom (…) abgewandt. Am 10. März 2002 kommt er im Zuge der Bilanz seiner Erfolge auf die Papenburger Meyer-Werft zu sprechen. Das Unternehmen hat, nach seiner Fürsprache bei der Regierung in Jakarta, hundertzwanzig Fährschiffe nach Indonesien geliefert. (…) Kohl fügt hinzu, als ob sich dies in einem Rechtsstaat nicht von selbst verstünde: (…) Aber mehr als einen warmen Händedruck erwartet er wohl doch. Jedenfalls bittet Hannelore Kohl die Werft um eine Spende für ihren Hilfsfonds, der Verletzten des zentralen Nervensystems zugutekommt. Die Meyer-Werft überweist in den für die christliche Seefahrt wirtschaftlich angespannten Zeiten immerhin 25 000 D-Mark. Helmut Kohl aber rechnet in anderen Größenordnungen. (…) Nehmen wir ein Beispiel: Wer die Regierungsgeschäfte einer der größten Wirtschaftsnationen Europas führt, der hat, sollte man annehmen, einen Fulltime-Job rund um die Uhr zu verrichten. Nebentätigkeiten verbieten sich. Kohl aber macht im Zwiegespräch eine bemerkenswerte Rechnung auf. (…) Und damit ist – in der Hauptsache – keineswegs die oft mühsame Überzeugungsarbeit gemeint, mit der die auf die unterschiedlichsten Flügel verteilten CDU-Parlamentarier auf Linie gebracht werden sollten. Nein, Kohls politische Heimat war nicht die Fraktion, nicht das Kabinett, sondern zuallererst die Partei. Er kannte die Personalstruktur jedes Kreisverbands, der die Keimzelle des vielbeschworenen Systems Kohl war (…). Und der hatte, wenn irgend möglich, ein offenes Ohr. In Plön oder Paderborn Parteikonflikte schlichtend, in Thüringen die Kandidatenfindung für eine Bürgermeisterwahl vorantreibend – so hat der mächtigste Mann der Republik also den Großteil seiner Tage verbracht. Über die Hälfte seiner Anstrengungen galt den eigenen Leuten! Kohl aber, der in seinen Anfängen die Trennung von Kanzlerschaft und CDU-Vorsitz gefordert hatte, ließ Staats- und Parteiamt in bisweilen ans Groteske reichender Manier miteinander verschmelzen. Er benennt das ganz offen, als er zurückschaut auf den Sommer 1989. (…) – kurz bevor er am 10. September 1989, von einem akuten Prostataleiden gepeinigt, zum Schicksalskonvent an die Weser aufbricht –(…). Die sensationelle Nachricht drohte allerdings, wie Kohl fand, um entscheidende Momente zu spät zu kommen. Denn der traditionelle Parteitagspresseabend, (…), begann bereits um acht, (…). Also bitte vier Stunden eher die Schlagbäume hoch! Augenblicklich drängt Kohl auf die Vorverlegung des weltgeschichtlichen Moments, auf seine Integrierung in den Fahrplan des Parteitags. (…). Sogar im Wahlkampf, in den er für sein Leben gern zog, hat er sich schmerzhafte Schrunden und (…) geholt. Beim Bad in der Menge (…). Manche haben ihr Schuhwerk sogar mit Nägeln gespickt. Andere schütteln ihm die Hand und drücken dann martialisch zu. (…) Immer wieder wird er malträtiert von (…). Aber ein Helmut Kohl kassiert Schläge nicht klaglos. Der haut zurück. (…) Das Modell der handgreiflichen Konfliktlösung hat sich bewährt. (…) Freimütig bekennt der praktizierende Katholik: (…) Auch die Bergpredigt und das Gebot christlicher Nächstenliebe stoßen gelegentlich an ihre Grenzen. Wer Kohl provozierte oder gar seine Macht in Frage stellte – so wie es, seiner Auffassung nach, etwa Heiner Geißler, Kurt Biedenkopf, Norbert Blüm oder Richard von Weizsäcker gewagt hatten –, der konnte gewiss sein, irgendwann würde sich Kohl rächen, der sich auf die Kunst der geschickten Attacke bestens verstand. Beim Gespräch am 20. August 2001 kommt Kohl auf Bernhard Vogel zu sprechen, der ihn 1976 als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz beerbte und dort zwölf Jahre später recht kläglich an seiner Partei scheiterte. Er schätzt den alten Studienfreund noch immer. (…) Aber er hatte ein folgenschweres Problem: (…) Und dann sagt Kohl einen fürwahr erhellenden Satz, der zeigt, wie er denkt, wie er funktioniert: (…) Als Täter lebt es sich offenbar besser. Zehn Tage nachdem Hilde Seeber, die altgediente Haushälterin, den Leichnam von Hannelore Kohl im Oggersheimer Schlafzimmer aufgefunden hat, macht sich der Witwer seine Gedanken, in welcher Tonlage seine Autobiographie abzufassen ist, die nun erst recht zu schreiben sei. Vordergründig räsoniert er an diesem Sonntagmorgen nur über die Birthler-Behörde, die angekündigt hat, seine gesammelten Stasi-Unterlagen zur journalistischen und wissenschaftlichen Aufarbeitung freizugeben. Schon bald aber wird er höchst grundsätzlich. (…), gibt der Altkanzler am 15. Juli 2001 zu Protokoll, wolle er (…). In seiner Selbstwahrnehmung ist er, der in der Spendenaffäre das Gesetz, den im Lauf der Jahre fünfmal geleisteten Kanzler-Eid auf die Verfassung gebrochen hat, der Verfolgte: (…) Dabei sieht die Wahrheit – wenn es nach Kohls Selbsteinschätzung geht – so ganz anders aus. Er hat doch nur an seinen innersten Grundsätzen festgehalten. Wer wird das einem Großen der Zeitgeschichte verübeln? Ich lasse all das nicht zu, sagt er, und suggeriert, dass er noch immer der Herr im Ring sei, der das Geschehen kontrolliere. (…), klagt der Altkanzler, der von sich gern in der dritten Person singularis spricht und verstimmt meint: (…) Schon Ende der siebziger Jahre, als er noch Oppositionsführer im Bundestag war, haben ihn (…) bei Staatsempfängen stets am Katzentisch platziert. Er schüttet seinen Gesprächspartnern das Herz aus. Der Versuch einer Gegenwehr wirkt beinahe rührend. Er konzediert ja bereitwillig, er sei, auch wenn ihn seine Schulfreunde »Helle« nannten, nicht unbedingt (…)gewesen. Doch warum nur ist es immer er, der mit Hohn und Spott übergossen wird? Kohl nennt ein Beispiel: die Abstimmung zur Hauptstadtfrage 1991. Ja, er hat damals energisch für Berlin plädiert. Aber da war er nur einer von vielen. Doch (…) Warum immer er? Und warum hört die Treibjagd nicht auf, selbst jetzt, wo er doch schon Jahre nicht mehr Kanzler ist? Die Sozialdemokraten, meint er, haben es besser. Sie regieren nun an der Seite der Grünen und werden von der öffentlichen Meinung, von den verhassten Blättern aus Hamburg, in Watte gepackt: Gerhard Schröder, der – so Kohl – in der Frage der Wiedervereinigung allzu zögerlich war, und erst recht der amtierende Bundespräsident Johannes Rau, dem in der West-LB-Affäre tatsächlich viel Nachsicht zuteilwurde. Kohl findet das rundum ungerecht: (…) Er redet sich in Rage, beginnt, entgegen seiner sonstigen Gepflogenheit, sogar am rechten Rand zu fischen. Hätten nicht wenigstens die Ultras Klartext reden können? Aber (…) Immer ich! Gewiss: Er, der sich nie vorstellen konnte, dem Staat, etwa als Minister, in der zweiten Reihe zu dienen, hat gerne regiert, aber sein öffentliches Erscheinungsbild hat er gehasst. Letztlich seit Übernahme des Kanzleramts im Herbst 1982 fühlt er sich als (…) verhöhnt. Als einer, von dem man – Klaus Staecks Plakat hat er niemals vergessen – bestenfalls einen Gebrauchtwagen kaufen könne. Die Verursacher der Blessuren kennt er genau: die Roten, mit denen er sich schon als Jungunionist in den fünfziger Jahren beim Plakatekleben die Nase blutig geprügelt hat. Das war eine Lehre fürs Leben. (…) Unter anderem dazu, (…) zu gründen, die nur ein einziges Ziel hatten: fiese Methoden zu ersinnen, (…). Niederträchtig habe der politische Gegner fortan mit dem Klischee operiert, (…), sondern als (…) Einerlei, ob es derlei gezielte Desinformationskampagnen jemals gegeben hat oder ob diese Annahme einer gewissen Paranoia geschuldet ist: Der vermeintliche Koloss, der ewige Kanzler, scheint tief getroffen. Er badet in Selbstmitleid und klagt über einen (…). Jeder amerikanische Präsident, der ihn in seinen Bungalowwänden besuchte, (…). Noch Jahre später scheint er zutiefst gekränkt. Er wäre so gerne ein klein wenig Weltbürger gewesen, einer, der (…), auch wenn das Polyglotte, wie er sagt, im Endeffekt nicht den großen Staatsmann ausmache. Im Dialog mit seinem Ghostwriter gefällt er sich in der neuen Rolle seines Lebens: Helmut Kohl, das Opfer undankbarer Parteifreunde, die seit Bekanntwerden der CDU-Spendenpraxis über ihn herfallen, das Opfer der Stasi, die ihm über Jahrzehnte nachgestellt hat, das Opfer der Medien, allen voran von Z, D und P, (…). Er fühlt sich höhnisch verkannt über Jahrzehnte: als (…), als (…), als (…), als (…). Für manchen Fraktionskollegen, dem er in diesen Tagen als einfacher Abgeordneter im Bundestagsfahrstuhl begegnet, ist er – Kohl benennt es im autobiographischen Gespräch freimütig – schlicht (…) Wer hat ihn jemals bewundert, geliebt oder wenigstens in seiner historischen Größe erkannt? Nicht einmal seine CDU habe ihn, beklagt er sich, seinerzeit mit Euphorie erst zum Parteivorsitzenden und später zum Kanzlerkandidaten gewählt. Zumindest in den Anfängen hätten die vermeintlichen Freunde in ihm kaum mehr als einen Notnagel gesehen. Es gab halt keinen, der probater schien. Gleich dreimal zitiert er im Verlauf der autobiographischen Einvernahme den bitter-chauvinistischen Dichtersatz, den er, im Taumel der Enttäuschung, einmal Bertolt Brecht und ein andermal Kurt Tucholsky zuschreibt: »In Ermangelung einer anderen schläft man mit der eigenen Frau.« Er kann sich des Gefühls nicht erwehren: Umworben, begehrt, so richtig gewollt war er nie, man hat ihn allenfalls geduldet. Er fürchtet, dass den Ruhm, der ihm zusteht, eines Tages andere kassieren. (…) prophezeit er beim Gespräch am 22. Oktober 2001 und gefällt sich einmal mehr im Spiegelbild des hartnäckig Verkannten. Man will ihm seinen Platz im Olymp einfach nicht gönnen. (…) Die Reaktionen vor Ort, schwärmt Kohl, seien (…) gewesen. Auch Ignatz Bubis, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, habe ihm Anerkennung gezollt. (…) Er war stolz auf seine Botschaft über den Umgang mit der braunen Vorzeit, aber kaum einer hat die Worte des deutschen Kanzlers wahr- oder ernstgenommen. Alle Welt redete nur über von Weizsäcker, dessen Vortrag der gekränkte Kohl eine »Anbiederungsrede« nennt. Er gibt sich entrüstet: (…) Die Memoiren, hofft er, könnten die Dinge endlich ins Lot bringen und der Nachwelt dokumentieren, (…). Für Helmut Kohl steht der Sieger fest. Nicht frei von Häme erinnert er im ausgedienten Ping-Pong-Keller an das Exempel Strauß: Das Kapitel Bitburg, auf das Kohl im Gespräch beharrlich zurückkommt, gehört zu den besonders schmerzlichen Erfahrungen in seiner an Skandalen nicht armen politischen Vita. Das alles ist bei der Bewertung der Kanzlerworte mitzubedenken, die – aus dem Blickwinkel des Vortragenden – in grobem Undank verkannt wurden. Und als es dann später ans Memoirenprojekt geht, bittet er seine Gesprächspartner eindringlich: (…) Kohl aber versucht – es steht zu vermuten: wider besseres Wissen – beim Gespräch im heimischen Keller Gehör zu finden für die Annahme, dass seine (…). Er mag ihn nicht einmal beim Namen nennen, den Bundespräsidenten, der ihn in den Schatten gestellt hat (und die Bitburger Kanzlerrede in seinen Memoiren mit keiner Silbe erwähnt). »Der Weißhaarige!« Wer Kohl die Schau stiehlt, wird herabgewürdigt; es ist das alte Muster. (…) bekennt er am 22. Juli 2001, noch ganz unter dem Eindruck von Hannelores Tod. (…)Aber die üble Nachrede bereitet noch immer Vergnügen: Zu diesen Subjekten zählte eigentlich jeder, der Helmut, dem Barocken, die Laune verdarb, seine Pläne und Strategiespiele durchkreuzte: der politische Gegner, aber vor allem die Spezies der vermeintlichen Parteifreunde. Von einer traurigen Begegnung mit Konrad Adenauer erzählt Helmut Kohl über die Monate hinweg gleich dreimal. Im Herbst 1963, kurz nach Adenauers nicht eben freiwilligem Rückzug aus dem Kanzleramt, hat er ihm in dessen Bonner Büro einen Besuch abgestattet. Im Parlament hat er nur noch einen wahren Freund. Das ist der sächsische Bauer Gottfried Haschke, der von 1991 bis 1993 einmal Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium war. Das einstige LPG-Mitglied, das nach der Wende seinen alten Familienhof zurückkaufte und nun 110 eigene Kühe hält, versorgt ihn mit Informationen aus erster Hand. Und wenn er einmal zu spät im Plenum eintrifft, bewährt sich der treue Hinterbänkler Haschke, der zu wissen scheint, was er dem Kanzler der Einheit schuldet. »Bis ich komme, hält er einen Platz frei, wo ich immer hinwill, an der Ecke, damit ich die Füße ausstrecken kann.« So müsse er nicht neben irgendwelchen Abgeordneten sitzen, »mit denen ich mich nicht unterhalten will«. Oder, mag sein, auch sie sich nicht mit ihm. Die Partei, die ihm einmal alles war, hat zu weiten Teilen mit dem tief gefallenen Übervater gebrochen. Die Isolation setzt ihm zu. Aber jetzt, da er Lebensbilanz macht, gibt es kein Halten mehr. Die einstigen Unionsgefährten – seien sie nun christlich-demokratisch oder christlich-sozial – werden in ein »Who is Who« verfrachtet, das wie mit Dreschflegeln verfasst zu sein scheint. Die Enzyklopädie der süßen Rache beginnt mit Abelein, Manfred: (…) In diesem Ton geht es geradlinig fort bis zu Zimmermann, Friedrich, den ihm die CSU 1982 ins Kabinett geschickt hatte: (…) In einer Art Blitzüberprüfung durchleuchtet er die Recken aus dem einstigen Parteipräsidium. 1990 war es besonders grausam zusammengesetzt(…) Umzingelt also von einer Schlangenbrut, hat er das Vaterland vereint. In CDU und CSU scheint es kaum jemanden zu geben, mit dem Kohl nicht noch irgendein Scharmützel auszutragen hat. Manche touchiert er nur kurz – mit einem kleinen, schmerzhaften Tritt im Vorbeigehen. Jürgen Rüttgers: (…) Bernhard Jagoda, der langjährige Präsident der Bundesanstalt für Arbeit(…) In diesem Stil geht es weiter. Freiherr Constantin von Heereman, der einmal Präsident des Bauernverbands war und den Kohl kurzzeitig für das Amt des Landwirtschaftsministers im Auge hatte: (…) Matthias Wissmann, 1993 der Shootingstar im Kabinett: (…) Und von Angela Merkel hält er erst recht nichts: (…) Begründungen für die apodiktischen Urteile finden sich selten. Er argumentiert nicht. Er klebt Etiketten. Hannelore Rönsch, drei Jahre Bundesministerin für Familie und Senioren(…) Manches ist originell: (…) Anderes ist kryptisch und wirkt ziemlich abgedreht: (…) Wieder anderes ist schlicht justiziabel. Von Doktor L., einem recht prominenten Fraktionskollegen aus dem Süddeutschen – wir werden seinen Namen nicht nennen –, behauptet der Ex-Kanzler, der sich selbst so beharrlich von Gott und der Welt verleumdet sieht: (…) Auch Gerhard Stoltenberg, in Kohls ersten zehn Kanzlerjahren einer der mächtigsten Minister, zuständig zunächst für die Finanzen, dann für die Verteidigung, wird in wenigen Sätzen zerlegt. Einmal, lang bevor er Bundeskanzler wurde, hat Kohl ihn in Kiel besucht. Ein heißer Sommertag in den siebziger Jahren. (…) Stoltenberg muss für ein paar Minuten in den Landtag. Kohl nimmt derweil im Vorzimmer Platz, (…). Manchmal helfen auch kleine Präsente. Kohl ist ein Virtuose im Schenken. (…) Darum hat auch die Geschichte in Stoltenbergs Dienstresidenz ein glückliches Ende genommen. Als der Ministerpräsident aus dem Landtag zurückkommt, erwarten ihn Berge von Kuchen. Was dann geschah, hat Kohl auch bald dreißig Jahre später noch aufs Genaueste vor Augen. »(…) Der Hausherr erstarrt. Was geht hier vor? Ob aber nicht eher das weitverbreitete Klischee stimme, dass er misstrauisch sei, hat ihn A gefragt. Die Antwort Kohls war salomonisch: (…) Dann allerdings setzt es Prügel. Das haben vor allem die (…) erfahren, die gescheiterten Putschisten vom CDU-Parteitag im September 1989, als die Umfragewerte für die Union tief im Keller waren. In den Memoiren sollen die niedergeschlagenen Meuterer ihre angemessene Würdigung erfahren: Jetzt, beim Verfassen der Lebenserinnerungen, ist für ihn die Stunde der Gegenrechnung gekommen(…) Nicht nur einmal zitiert er diese Weisheit aus dem Volksmund herbei. Heiner Geißler? Hat ihn nicht erst Kohl groß und berühmt gemacht? Und was war der Dank? Widerworte, Intrigen und das Geraune vom neokonservativen Rechtsruck in der Partei. Und am Ende stand die Beteiligung an einer finsteren Verschwörung. Wie oft hat Kohl – wegen Geißlers Alleingängen – Ärger mit der CSU bekommen. Er hat dennoch zu seinem Generalsekretär, diesem (…) gehalten. Aber nach zwölf Jahren war, hier wie dort, die Teamfähigkeit verschlissen. An den Tag, an dem er dem Abtrünnigen – wenige Wochen vor dem Treffen der CDU-Basis in Bremen – den Stuhl vor die Tür gesetzt hat, erinnert sich Kohl mit Erleichterung und spürbarem Genuss. (…) Offenkundig ist die Nichtnominierung Geißlers kein demokratischer Ablösungsprozess, sondern die Niederschlagung eines Staatsstreichs. Viel zu spät habe er den wahren Charakter seines engsten Mitarbeiters durchschaut, mit dem er sich mit Gewissheit nie wieder an einen gemeinsamen Tisch setzen werde. Er schmäht den langjährigen Mitkämpfer persönlich, er stellt ihn sogar auf eine Stufe mit den bis zu den Zähnen bewaffneten Putschisten gegen Gorbatschow im August 1991. Damit dies ja nicht vergessen werde – und natürlich um ein Stück Zeitgeschichte zu sichern –, entwirft der abgetretene Parteifürst mit dem Elefantengedächtnis eine maliziöse Skizze Geißlers. Und dennoch, beim Abschied von Geißler klingt auch eine Portion Wehmut mit. Kohl weiß noch immer um die Qualitäten seines einstigen Generalsekretärs, der (…). Einer seiner vielen verlorenen Söhne. Weit nüchterner sieht er den zweifellos klügsten Kopf im Trupp der Königsmörder. Als er 2001, durchaus mit eigenem Zutun, am Boden liegt, sagt er nur: (…) Und dann kommt ihm eine charakteristische Geschichte aus dem April 1976 in den Sinn. Da hat er, in Österreich Kräfte tankend, mit seinem damaligen Generalsekretär eine Wanderpartie in Schruns unternommen. Die Bundestagswahlen standen bevor. Kohl war Spitzenkandidat, auch wenn das sein ewiger Gegenspieler aus München, Franz Josef Strauß, in keiner Weise goutierte. Den eigentlichen Rädelsführer indes, der im Handstreich den CDU-Bundesvorsitz erobern wollte, möchte Kohl am liebsten nur mit verachtendem Schweigen bestrafen. Das würde ihn, der nicht frei von Eitelkeit ist, gewiss treffen. Lothar Späth ist in der Partei ohnehin jäh gefallen. Die Tiefe seines freien Falls hat beinah Kohlsche Dimensionen. Dann bekommt das Cleverle aus Sigmaringen doch seine Prügel. Der habe, schimpft Kohl, seinen Charakter schon beim Sturz seines Amtsvorgängers Filbinger demonstriert. A fragt nach und will wissen, ob (…) glaube, dass es Späth war, der den einstigen Marinerichter hat fallen lassen. Dampft man die Aussage ein, dann bleibt an Fakten nur dies: Kohl erinnert sich, dass Parteifreund Lothar Dresdens Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer im Dezember 1989 beim Vornamen genannt habe. Mehr hat er nicht in der Hand. Er äußert raunend einen Verdacht. Besonderes Vergnügen gilt einem vielbeachteten Schlüsselroman des vormaligen Pressereferenten und Ghostwriters des Landesvaters, Manfred Zach. (…), wie ihn Kohl nennt, seziert in Monrepos oder Die Kälte der Macht mit viel Insiderkenntnis den eiskalt betriebenen Aufstieg eines Ministerpräsidenten namens Oskar Specht. Aber eben auch dessen »letzte politische Ölung«, die Traumschiffaffäre, die den langjährigen Günstling der Medien über einen von der Industrie bezahlten Luxusurlaub in der Ägäis straucheln ließ. Nun hat sich das Blatt gewendet, und Kohl ergeht sich in Schadenfreude. Das hat er nun davon. Wäre er doch dem Beispiel seines Kanzlers gefolgt Doch Kohl ist unversöhnlich geblieben. Mit jedem der (…) hat er gebrochen. Einmal, im Juli 2001, weist A darauf hin, dass Späth als Topmanager bei Jenoptik, einst VEB Zeiss-Jena, höchst erfolgreich sei. Da knurrt Kohl: (…) Er gönnt ihm nichts. Beinahe hat es den Anschein, als hoffe er, dass der einstige Kontrahent bald wieder ganz unten ist. Mit seiner Prognose sollte sich Helmut Kohl allerdings irren. Manch andere Verwünschung eines Parteifreunds hingegen klingt im Nachhinein fast schon prophetisch. Am 22. Juli 2001 kommt Kohl, eher beiläufig, auf den niedersächsischen CDU-Landesvorsitzenden zu sprechen. Sein Name: Christian Wulff. Auch er, (…), hat sich in letzter Zeit über den Ehrenwortgeber aus Ludwigshafen recht despektierlich geäußert. (…) so wie von Kohl böse geweissagt: (…). Auch lang schon dahingeschiedene Parteigrößen bleiben nicht verschont. Bruno Heck (1917–1989) war der erste Generalsekretär der CDU. (…) Einerlei, ob er nun selber ein guter Ehemann und Familienvater war oder nicht: Wenn er will – und der Drang zum Draufhauen einen Moment erlischt –, kann Kohl ein sensibler und ungemein präziser Beobachter sein. Bernhard Vogel gehört zu den wenigen, von denen er sich nach seinem Abgang als Kanzler nicht mit Häme und Undank verfolgt sieht. Das tut ihm gut. Und doch hat Kohl den Kommilitonen von einst nie so wirklich für voll genommen. Schon 1974 hätte er lieber Heiner Geißler als seinen Nachfolger im Amt als Landesvorsitzender der CDU Rheinland-Pfalz gesehen als den verhinderten Wissenschaftler Vogel. Allein, die Partei wollte es anders – und hat ihm, als Kohl, in Bonn zu höheren Aufgaben berufen, 1976 abtrat, den Weg ins Amt des Ministerpräsidenten geebnet. Aber vermag einer wie Vogel erfolgreich zu regieren? Das Psychogramm, das Kohl von seinem Epigonen zeichnet, verrät einiges darüber, wie er selbst sein politisches Handwerk verstand: (…) Im Memoirengespräch vom 19. März 2001 kommt er auf den eigenen, von vielen Pfälzern schmerzlich bedauerten Rückzug als Ministerpräsident zu sprechen, auch auf die Wahl Bernhard Vogels. Eigentlich aber sagt er, dass ihm sein Nachfolger das Wasser nicht reichen konnte. Auch als ihm am 4. Juni 2001 Markus Schächter in den Sinn kommt. Der war zu dieser Zeit Intendant des ZDF und hat in den siebziger Jahren, zur Amtszeit von Bernhard Vogel, die Öffentlichkeitarbeit im rheinland-pfälzischen Kultusministerium unter besagter Hanna-Renate Laurien geleitet. Kohl ist mit der eindrücklichen, freimütig anstrengenden Frau, von Freund und Feind »Hanna Granata« genannt, lang schon zerstritten. Das verschafft sich dann so Luft: (…) Auch eine junge CDU-Kandidatin aus Hessen, Kristina Köhler, die später als Kristina Schröder bei Angela Merkel Familienministerin werden sollte und dem Altkanzler, einen Fotografen von Bunte im Schlepptau, 2002 die Aufwartung gemacht hatte, wird mit eindeutigen Komplimenten bedacht: (…). Er hält die eigene Isolation vor allem in der eigenen Partei nicht mehr aus, all die Nachgeborenen in der Fraktion, die zu ihm nur noch »Herr Kohl« und nicht mehr »Herr Bundeskanzler« sagen. Er spürt, seine Zeit ist abgelaufen, und sieht sich von Heckenschützen umzingelt. Es gibt so viele, die augenscheinlich noch eine offene Rechnung mit ihm haben. Im Clinch liegt Kohl auch mit dem parteiinternen Dauerrivalen Barzel, den er 1973 – nach einem gescheiterten Anlauf zwei Jahre zuvor – als CDU-Vorsitzenden recht brachial gestürzt hatte. Nun übt er sich in Verbindlichkeit: (…). Anfang Oktober 2001 – das Barzel-Buch ist eben erschienen – wird das Werk im Oggersheimer Souterrain eingehend erörtert. Nein, Kohl hat es noch nicht gelesen und versichert, dass er dies auch niemals tun werde. So hat er es immer gehalten. Missliebige Lektüre über die eigene Person nahm er nicht in die Hand. Und war doch stets haarklein informiert. Früher haben die Referenten penible Zusammenfassungen erstellt. Heute lässt er sich die gemeinsten Passagen im Rahmen der Gespräche über seine Memoiren vorlesen. Manchmal stöhnt er kurz auf: (…) Nach einer kurzen Pause fügt er, auch im Blick auf die Weizsäcker-Memoiren hinzu Besonders ungehalten reagiert Kohl, wenn ihm Barzel etwa vorhält, mit seinem umstrittenen Diktum von »der Gnade der späten Geburt« all diejenigen alleingelassen zu haben, denen diese Gnade nicht zuteilgeworden war. (…) Der Nationalsozialismus als »schicksalhafte Situation«: ob ein solches Dementi die Sache besser macht? Insgesamt gibt sich Kohl in seiner Bewertung Barzels ungewohnt wortkarg, obwohl der auf 440 Buchseiten in die Vollen gegangen ist. Das Zitat muss ihn doch treffen, ist das nicht harter Tobak? Doch Kohl gibt sich gelassen: (…) Diesem Wunsch hat er gerne entsprochen. Als dann der Quälgeist A freilich die erwähnte Barzel-Passage zur Spendenaffäre und dem Artikel 23 Grundgesetz verliest, hat der Alte genug. Tonband aus. Die Arbeit an den Memoiren ist für heute beendet. Bei diesem Reizthema verstummt er, windet sich oder wird heftig. Wer ihn kritisiert, der ist sein Feind und wird auch als solcher behandelt. (…) der gesagt hat, dass es keine Versöhnung geben könne, »solange Kohl einen Gesetzesbruch hinter seinem Ehrenwort verbirgt«, (…). Das kommt für den demissionierten Ehrenvorsitzenden nicht in Frage. Einmal in Fahrt geraten, plaudert Kohl ein wenig aus dem Nähkästchen und gewährt, am Beispiel des Saarlands, einen kleinen Einblick in die verschlungenen Wege der innerparteilichen Geldflüsse. Und keiner hat gefragt, wie sich die Differenz von Soll und Haben in gebotener Diskretion ausgleichen ließ. Er, der Übervater seiner Partei, musste dann persönlich den Karren aus dem Sumpf ziehen, die Drecksarbeit erledigen, für die sich Angela Merkel, seit 2000 CDU-Vorsitzende, natürlich zu fein sei. Ein Helmut Kohl habe wenigstens selber die Ärmel hochgekrempelt. Und jetzt auf einmal zeigen sie alle auf ihn. »Mischpoke«, das schöne jiddische Wort – im Deutschen meist als Synonym für eine familiär-verschworene Bande mit vielen schwarzen Schafen gebraucht –, hat es ihm angetan. Diese Mischpoken machen Kohl das Leben schwer, ganz einerlei, ob es sich nun um die (…) handelt, um (…) oder um den (…). Letzteren, diese vornehm-hanseatische Erscheinung mit besten Kontakten zur Wirtschaft – als langjähriger Schatzmeister der CDU steht er im Zentrum des Spendenskandals –, verabscheut der bodenständige Pfälzer in besonderem Maße. Kiep, schon 1971 unter Barzel im Amt, ist ihm eine rundum zwielichtige Figur, die vor dem Bremer Parteitag in den Reihen der Großindustrie als möglicher Kanzlernachfolger gehandelt wurde. (…) Unter den Tisch fällt bei dieser Übung in Bescheidenheit freilich, dass Kohl sich bekanntlich nicht nur im Kreise der »Badischen Anilin & Soda-Fabrikanten« bewegte, sondern sich auch von Flick und Kirch bezahlen ließ. Kiep erscheint als der leibhaftige Gegenentwurf zum Kohlschen Selbstbild vom volksnahen Aufsteiger, der sich ein Leben lang treu blieb. (…) mit dem silbergescheitelten Haupthaar aber ist ein feiner Pinkel aus besserem Hause, Sohn eines Korvettenkapitäns und Vorstandsmitglieds der »Hamburg-Amerika-Linie Louis Leisler Kiep«. (…)In einer Mischung von Bewunderung und Missgunst kommt Kohl in den Gesprächen immer wieder auf die Weltmännischen in seiner Umgebung zurück, einerlei ob sie nun Kiep, Schmidt oder Wörner hießen, die ihm eines voraushatten: Sie konnten sich in einer Weltsprache verständigen. Selbst (…). Dabei ist so ein lupenreiner Oxford-Sound, wie Kohl am Beispiel Kiep paradigmatisch zu erläutern versucht, noch lange kein Beweis für die Rechtschaffenheit des Eloquenten. Auch ein »native speaker« kann ein abgefeimter Charakter sein. Auf seinen einstigen Schatzmeister ist Kohl jedenfalls verdammt schlecht zu sprechen. Der hat ihm, als über die fatale Spendengeschichte gerade ein wenig Gras zu wachsen begann, noch einmal kräftig in die Suppe gespuckt. Die sogenannte Kiep-Million sorgte im Frühjahr 2001 für wenig vorteilhafte Schlagzeilen. Kohl, der wie kein anderer um die finanziellen Winkelzüge seiner Partei wusste, soll sich erklären – und ist auf dem Höhepunkt der erneuten Affäre entsprechend wütend auf den Parteifreund mit dem einwandfreien englischen Akzent, der die CDU am Nasenring vorführte: (…) Helmut Kohl versteht die Welt nicht mehr. Sein ganzer Kosmos scheint bevölkert von Schurken und Versagern. Dass der maßlose Rückblick im Zorn den Rahmen der Autobiographie sprengt, ist Kohl nicht verborgen geblieben. Aber sein Ghostwriter wird schon die geeignete Verwendung dafür finden, wie Kohl in der ihm eigenen burschikosen Art am 31. August 2001 noch einmal ausdrücklich klarstellt. Eigentlich erzählt er gerade von der Feier zum 60. Geburtstag von Hans-Jochen Vogel, wo der Münchner Großintendant August Everding, so wie er es gern tat, den Jubilar alsbald vergaß und vor allem eine Laudatio auf sich selber hielt. Dann aber fällt ein für die Einordnung der Kohl-Protokolle entscheidender Satz: (…). Der Altkanzler selber hat da einst seinem Befrager ein wesentliches Ziel der eigenen Erinnerungsarbeit anvertraut. Bemerkenswert aber scheint, dass Kohls politische Gegner, von Ausnahmen abgesehen, zumeist glimpflicher davonkommen als die teils lustvoll, teils verbittert gescholtene Riege der eigenen Parteifreunde. Gelegentlich müht er sich sogar mustergültig um Fairness, räumt ein, dass in Willy Brandts sozialliberaler Regierungsrunde mit den Ministern Alex Möller (Finanzen) und Helmut Schmidt (Verteidigung) (…) saßen – und Gregor Gysi nennt er gar einen (…). Das aus seinem Munde ist beinahe schon ein R