Tenor 3. Die Beklagte trägt die Kosten des Rechtsstreits. 4. Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 750.000,00 € hinsichtlich des Unterlassungstenors 1
(416)- „Russisches Schaumgebäck“, GRUR 2010, 1103 , - „Pralinenform II“, Tz 28). bb.) Die hier vorliegende dreidimensionalen Marke, die allein aus der Verpackung der Ware besteht, wird vom Verkehr nicht notwendig in gleicher Weise wahrgenommen wie eine herkömmliche Wort- oder Bildmarke, die ein gesondertes Zeichen darstellt und vom Erscheinungsbild der gekennzeichneten Ware unabhängig ist. Gewöhnlich schließen Verbraucher daher aus der Form der Ware oder ihrer Verpackung nicht auf die betriebliche Herkunft (BGH GRUR 2010, 138 - „ROCHER - Kugel“, TZ 24). Für die Beurteilung, ob die Beklagte die angegriffenen Standbeutel markenmäßig benutzt, ist auf das Verständnis des Durchschnittsverbrauchers abzustellen (BGH GRUR 2007, 780 - „Pralinenform“, TZ 26). Dabei ist insbesondere auch festzustellen, ob sich in dem betreffenden Bereich eine dem Verkehr bekannte Gewohnheit entwickelt hat, die Form der Waren herkunftshinweisend zu gestalten (BGH GRUR 2005, 414 , 416 „Russisches Schaumgebäck“). Dabei kann auch zu prüfen sein, welche Kennzeichnungskraft die Klagemarke erreicht hat, da der Grad der Kennzeichnungskraft einer dreidimensionalen Marke Auswirkungen darauf hat, ob der Verkehr dieser Form einen Herkunftshinweis entnimmt, wenn er ihr als Form einer Ware begegnet (BGH GRUR 2007, 780 - „Pralinenform“, TZ 30). Die Beurteilung der Kennzeichnungskraft hat dabei unter Heranziehung aller relevanten Umstände, insbesondere der Eigenschaften, die die Marke von Haus aus besitzt, des Marktanteils der mit der Marke versehenen Waren, der Intensität, geografischen Ausdehnung und Dauer der Benutzung sowie des Werbeaufwands zu erfolgen (BGH GRUR 2007, 780 - „Pralinenform“, TZ 36). cc.) Vorliegend ist zunächst zu berücksichtigen, dass die Klägerin auf dem hier relevanten deutschen Markt - wie den Mitgliedern der Kammer auch aus eigener Erfahrung bekannt ist - die einzige Herstellerin ist, die Standbeutel der geschützten Form verwendet. Dabei hat die Klägerin unbestritten und den Mitgliedern der Kammer als Angehörigen der angesprochenen Verkehrskreise auch insoweit geläufig, vorgetragen, dass sie diese Standbeutel bereits seit 1969 in der Form benutzt, wie sie Gegenstand der klägerischen Marke geworden ist. Dabei gesteht auch die Beklagte ein, dass es der Klägerin gelungen ist, jedenfalls im Getränkebereich Konkurrenten die Verwendung derartiger Standbeutel zu untersagen lassen. Auch dies spricht dafür, dass die Klägerin tatsächlich die einzige Herstellerin von Fruchtsaftgetränken ist, die ihre Getränke in derartigen Standbeuteln abfüllt. Entsprechend ist es der Beklagten daher auch nicht gelungen, die Verwendung von Standbeuteln, die der Marke der Klägerin ähneln, auf dem deutschen Markt für Getränke darzulegen. Soweit Getränke betroffen sind, weisen diese erheblich andere Formen auf, denen kein Bezug zur klägerischen Marke entnommen werden kann (Anlage B 1, Anlage B 3). Die anderen von der Beklagten vorgelegten Standbeutel, die mit anderen Inhaltsstoffen, wie z.B. Lebensmitteln oder auch Reinigungsmitteln gefüllt sind gehören nicht zum relevanten Markt der Fruchtsaftgetränke, so dass sie außer Betracht bleiben. dd.) Die jahrelange Sonderstellung der Klägerin bei der Abfüllung ihrer Getränke in den sogenannten Standbeuteln - die bereits vom Landgericht Hamburg ausgeführt worden ist - wird auch angesichts der Umfrage der XXX-GmbH aus dem Jahr 2012 ersichtlich. Danach geben bei Vorlage des Originalbeutels Capri-Sonne ohne Beschriftung 72,7 % aller Befragten und 77,4 % des engeren Verkehrs an, diese Verpackung im Zusammenhang mit Fruchtsaftgetränken zu kennen. Unter Einbeziehung auch der Antworten i. S. v. „kommt mir bekannt vor“ im Umfang von 17,6 % aller Befragten und 17 % des engeren Verkehrs ergibt sich somit sogar ein Bekanntheitsgrad in Höhe von 90,3 % insgesamt und 94,4 % beim engeren Verkehr. Schließlich ergibt sich bei offener Frage ohne Vorgabe von Unternehmensnamen ein Anteil von 54,2 % aller Befragten und 60,8 % des engeren Verkehrs, die den Beutel der „Capri-Sonne“ oder sogar den „Sisi-Werken“ zuordnen. Hinzuzurechnen sind die 4,4%, die die Verpackung einem bestimmten Unternehmen zurechnen, dessen Namen nicht kennen, bei Nachfrage aber den Namen „Capri-Sonne“ nennen (BGH GRUR 2009, 954 - „Kinder III“, Tz 24). Die - als problematisch bezeichneten (Ingerl/Rohnke, MarkenG,
- Auflg., § 8 Rn 352) - Zuordnungsquoten nach Aufklärungsfragen von 58,6% bzw. von 67,6% bleiben dabei außer Betracht. Auch so liegt der Zuordnungsgrad aber über 50% und somit über dem Prozentsatz, der die untere Grenze für eine Verkehrsdurchsetzung darstellt (BGH GRUR 2009, 954 - „Kinder III“, Tz 24; GRUR 2008, 2510 - „Milchschnitte“, Tz 25: 52% ausreichend). Es ist daher jedenfalls auch von überdurchschnittlicher Kennzeichnungskraft auszugehen. Die Bedenken der Beklagten gegen die Fragestellung können nicht überzeugen: Die Fragstellung entspricht zunächst dem anerkannten dreistufigen Fragemodell gem. DPMA (siehe dazu Ingerl/Rohnke, MarkenG,
- Aufl.g, § 8 Rn 350). Angesichts des nackten Beutels ohne Beschriftung, der keine besonderen Formelemente enthält, ist auch nicht ersichtlich, wie Verbraucher die Frage hätten beantworten sollen, „welche Merkmale“ dazu führen, diesen Beutel der Klägerin bzw. „Capri-Sonne“ zuzuordnen. Die Ausführungen des BGH zur Fragestellung aus der Entscheidung „Pralinenform“ (GRR 2007, 789, Tz 31) sind auf den vorliegenden Fall nicht übertragbar, da dort die Formen von geschützter Marke und Verletzungsform nicht unerheblich voneinander abwichen, während hier die Form der Beutel 1 : 1 übereinstimmt. Schließlich begegnet es auch keinen Bedenken, dass die Form bei der Fragstellung nur isoliert präsentiert wird ohne den im täglichen Verkehr verwendeten Aufdruck „Capri-Sonne“, da hier gerade die Annahme einer Dach - oder Zweitmarke in Betracht kommt (BGH GRUR 2009, 954 - „Kinder III“, Tz 32). ee.) Die Beklagte hat auch nicht erfolgreich darlegen können, dass die Bekanntheit der Standbeutel als Hinweis auf die Klägerin bzw. ihre Marke „Capri-Sonne“ auf einer rechtlichen Monopolstellung beruhe. Zwar weist die Beklagte auf einen von der Klägerin vorgelegten Beitrag unter „www.innoform-coaching.de“ (Anlage B 8) hin, in dem über ein Patent für einen Standbeutel in Frankreich berichtet wird, der 1980 ausgelaufen sein soll. Weiteres zum Inhalt des Patentschutzes hat die Beklagte nicht vorgetragen. Die Klägerin hält entgegen, dass der Patentschutz nicht auf den Beutel als solchen, sondern allein auf die Öffnung i. S. eines „Easy Opening“ gerichtet war. Im Übrigen ist der Patentschutz auch 1980 - und damit vor über 30 Jahren und auch 16 Jahre vor Eintragung der Marke - ausgelaufen. Insoweit hätten andere Getränkehersteller in der Zwischenzeit ohne weiteres Gelegenheit gehabt, ihrerseits derartige Standbeutel für die Verpackung von Flüssigkeiten zu verwenden. Die Bekanntheit des klägerischen Standbeutels beruht daher nicht auf einem gesetzlichen Monopol. ff.) Angesichts der nachgewiesenen Bekanntheit bei den angesprochenen Verkehrskreisen sowie der unstreitigen langen Dauer der Benutzung kommt es auf die weiteren - hier bestrittenen - Umsatzzahlen sowie Werbeaufwendungen nicht mehr an, um von einer überdurchschnittlichen Kennzeichnungskraft ausgehen zu können. gg.) Die markenmäßige Benutzung durch die Beklagte wird auch nicht dadurch gehindert, dass die Beklagte die von ihr produzierten und exportierten Standbeutel mit anderen Aufdrucken, wie z. B. „Fruit-Fris“ versieht. Die zuvor aufgezeigte Bekanntheit des Standbeutels als Herkunftshinweis auf die Klägerin führt jedenfalls zu einer gedanklichen Verbindung mit den Produkten der Klägerin, da der Verkehr daran gewohnt ist, dass sogenannte „Markenhersteller“ auch Zweitmarken verwenden, insbesondere bei Verkauf durch Discounter. hh.) Entsprechend ist auch der Verkauf von Standbeuteln mit dem Aufdruck der Wortmarke „Capri-Sonne“ durch die Klägerin eine ernsthafte Nutzung i.S. von § 26 Abs. 1 MarkenG. Eine Marke muss zwar grundsätzlich in der Form benutzt werden, in der sie eingetragen ist (BGH GRUR 1997, 7444, 746 - „Ecco“), hier somit in „nackter“ Form. Abzustellen ist aber darauf, ob der Verkehr in der benutzten Form dieselbe Marke sieht (BGH GRUR 2009, 772 -„Augsburger Puppenkiste“, Tz 39). Für den vorliegenden Fall der dreidimensionalen Marke ist aber der Bekanntheitsgrad derart hoch, dass der Verkehr bereits in der „nackten“ Beutelform diesen der Marke „Capri Sonne“ zuordnet. Insoweit verändert der Aufdruck der Wortmarke die Marke gerade nicht, sondern der Verkehr sieht auch in der Kombination zwischen dreidimensionaler Marke und Wortmarke weiterhin dieselbe Marke.
- Zwischen der Marke der Klägerin und den von der Beklagten hergestellten und exportierten Standbeuteln besteht auch Verwechslungsgefahr im Sinne von § 14 Abs. 2 Ziffer 2 MarkenG. Das Vorliegen einer markenrechtlichen Verwechslungsgefahr ist unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles umfassend zu beurteilen, wobei eine Wechselwirkung zwischen den in Betracht zu ziehenden Faktoren, insbesondere der Ähnlichkeit der Zeichen und der Ähnlichkeit der damit gekennzeichneten Waren sowie der Kennzeichnungskraft der älteren Marke zu berücksichtigen ist, so dass ein geringerer Grad der Ähnlichkeit der Waren durch einen höheren Grad der Ähnlichkeit der Zeichen oder durch erhöhte Kennzeichnungskraft der älteren Marke ausgeglichen werden kann und umgekehrt (s. z. B. BGH GRUR 2013, 833 - „Culinaria/Villa culinaria“, Tz 30, GRUR 2010, 235 - AIDA/ AIDU). Bei der Feststellung der Markenähnlichkeit ist dabei auf den jeweiligen Gesamteindruck der sich gegenüberstehenden Zeichen abzustellen, wobei insbesondere ihre unterscheidungskräftigen und dominierenden Elemente zu berücksichtigen sind (BGH GRUR 2013, 833 - „Culinaria/Villa culinaria“, Tz 30). Auf Grund der Tatsache, dass der Verbraucher die kollidierenden Marken regelmäßig nicht gleichzeitig nebeneinander wahrnimmt und miteinander vergleicht, ist die Frage der Markenähnlichkeit auch auf Grund des blassen Erinnerungsbildes des Verbrauchers zu beantworten, so dass bei der Prüfung der Verwechslungsgefahr mehr auf die gegebenen Übereinstimmungen der zu vergleichenden Marken abzustellen ist als auf die Abweichungen. Waren des täglichen Bedarfs werden auch flüchtiger erworben als langlebige Güter, so dass der Verkehr ihnen nicht dieselbe Aufmerksamkeit widmet. Vorliegend ist die Form der geschützten Marke und die von der Beklagten verwendeten Standbeutel, was auch die Beklagte nicht in Abrede nimmt - nahezu identisch in Bezug auf ovalen, faltigen Boden, sich verjüngender Keilform sowie der Schweißnähte. Auch die Größenverhältnisse sind übereinstimmend. Auch besteht hier Warenidentität, da sowohl die Klägerin als auch die Beklagte die Standbeutel zur Abfüllung von Fruchtsaftgetränken verwenden. Wie bereits zur markenmäßigen Verwendung ausgeführt, ist auch bei der vorliegenden Gesamtaufmachung der Beklagten mit Aufdruck ihrer Marke darauf abzustellen, welchem Kennzeichen der Verkehr die besondere Prägung nimmt. Auf Grund der zu Gunsten der Klägerin bestehenden Sondersituation, dass diese jahrelang einziger Anbieter von Fruchtsaftgetränken in derartigen Standbeuteln war, wird vom durchschnittlich aufmerksamen Verbraucher bereits allein die Form des Standbeutels mit der Klägerin assoziiert, wie die Verkehrsumfrage mit nacktem Beutel belegt. Dagegen entnimmt der Verbraucher der aufgedruckten - mit z. B. „Fruit Fris“ nicht besonders originellen oder bekannten Marke - keinen weiteren Herkunftshinweis und denkt eher an eine Zweitmarke der Klägerin. Zudem würde es auch dem Schutz der dreidimensionalen Marke widersprechen, wenn allein der Aufdruck einer Wortmarke auf eine dreidimensionale Marke dazu führen würde, dass damit die Verwechslungsgefahr zu verneinen wäre. Da somit auch Verwechslungsgefahr i. S. v. § 14 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG besteht, kann die Klägerin von der Beklagten Unterlassung der beantragten Handlung Handlungsform in Form des „Importieren und Exportieren“ der konkret bezeichneten Standbeutel verlangen. Auf Grund der Aufnahme auch der Inhaltsgröße von 200 ml ist der Antrag hinreichend bestimmt und beschränkt sich auf die geschützte Markenform. II. Der Klägerin steht gegen die Beklagte auch ein Unterlassungsanspruch auf das Exportieren oder Importieren der in Antrag 1 a bb) konkret aufgeführten Umverpackungskartons aus § 14 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG zu. Die Markenverletzung liegt hier darin, dass auf den streitgegenständlichen Umverpackungskartons die geschützte dreidimensionale Form der Klägerin durch Aufdruck auf den Kartons ersichtlich ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dreidimensionale Marken auch durch Verwendung zweidimensionaler Zeichen i. S. v. § 14 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG rechtsverletzend benutzt werden, wenn die Abbildung insgesamt als herkunftsverweisend anzusehen ist. Dies ist vorliegend der Fall, weil auf sämtlichen streitgegenständlichen Umverpackungskartons Standbeutel in ihrer charakteristischen Form dargestellt, die auf die dreidimensionale Ausgestaltung des Beutels schließen lässt. Insoweit nehmen auch die Abbildungen auf den Umverpackungskartons am Kennzeichenschutz teil. Dabei ist ergänzend darauf hinzuweisen, dass sich der Verbotsausspruch nur auf die konkret gestalteten Umverpackungskartons mit Aufdruck der dreidimensionalen Marke der Klägerin bezieht; ein Rechtsanspruch auf Unterlassung der Umverpackungskartons allgemein oder ihrer spezifizierten Größe besteht nicht. Da die Klägerin auf die konkrete Verletzung Bezug nimmt und auch im textlichen Bereich auf die Abbildung des Standbeutels Bezug nimmt, war der Antrag auch hinreichend bestimmt i. S. v. § 253 ZPO. B) Auf Grund der Markenverletzung durch die Beklagte steht der Klägerin gemäß § 19 Abs. 1, Abs. 3, § 19 a MarkenG der beantragte Auskunftsantrag zu; dies gilt auch für den Anspruch auf Auskunft über die betriebene Werbung (Ingerl/Rohnke, MarkenG,
- Auflg., § 19 Rn 65). Der daneben beantragte Rechnungslegungsanspruch beruht auf §§ 242 , 259 BGB (OLG Hamburg GRUR-RR 2005, 271, 274 - „Zestril II“). C) Der Anspruch der Klägerin auf Rückruf der Waren und Entfernung aus den Vertriebswegen folgt aus § 18 Abs. 2 MarkenG. D) Schließlich steht der Klägerin auch der von ihr beantragte Schadensersatzfeststellungsanspruch zu. Nach § 14 Abs. 6 MarkenG ist derjenige dem Inhaber der Marke zu Ersatz des durch die Verletzungshandlung entstandenen Schadens verpflichtet, der eine Verletzungshandlung vorsätzlich oder fahrlässig begeht. Jedenfalls Fahrlässigkeit liegt vor, da der Beklagten die seit Jahren von der Klägerin verwendeten Standbeutel bekannt sein mussten und sie jedenfalls eine Markenrecherche hätten vornehmen müssen. An die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Schadens sind nur geringe Anforderungen zu stellen. Jede Zeichenbenutzung bewirkt zugleich einen Schadenseintritt, da der Verletzte eine Eingriff in sein Kennzeichenrecht nicht ohne Entgeltzahlung hinnehmen muss und insoweit jedenfalls Schadensersatz nach der Lizenzanalogie verlangt werden kann (BGH GRUR 2007, 877 -„Windsor Estate“, Tz 22). Auch der Feststellungsanspruch ist insoweit gerechtfertigt, als die Klägerin ohne die weiter beantragte Auskunft ihren Schaden noch nicht beziffern kann. E) Der Rechtsstreit war auch nicht auf den Antrag der Beklagten hin auszusetzen. Eine Aussetzung kommt nur dann in Betracht, wenn mindestens überwiegende Erfolgsaussichten bestehen, die vom Verletzungsgericht selbständig zu prüfen sind (BGH GRUR 2009, 1040, 1042 - „Kinder I“, OLG Hamburg GRUR-RR 2006, 321 , 322 -„Prismenpackung“, Ingerl/Rohnke, MarkenG,
- Aufl., § 14 Rdnr. 26). Vorliegend stützt die Beklagte ihren bereits angebrachten Löschungsantrag auf das absolute Schutzhindernis des § 3 Abs. 2 Nr. 3 MarkenG, nach dem solche Zeichen dem Markenschutz nicht zugänglich sind, die ausschließlich aus einer Form bestehen, die zur Erreichung einer technischen Wirkung erforderlich ist. Die Bestimmung schließt im öffentlichen Interesse aus, dass der Inhaber des Markenrechts technische Lösungen für sich monopolisieren und dadurch Mitbewerber daran hindern kann, ihre Ware mit diesen technischen Lösungen zu versehen (BGH GRUR 2010, 231 - „Legostein“, Tz 25). Die Beklagte führt in ihrem Löschungsantrag aus, dass sich sämtliche Merkmale der geschützten Marke nur aus deren technischer Funktion ergeben. Die Begründung der Beklagten im Löschungsantrag vermag die Kammer aber nicht von der überwiegenden Wahrscheinlichkeit einer Löschung wegen des Eintragungshindernisses des § 3 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG zu überzeugen. Zwar erfüllt die für die Klägerin geschützte Marke insgesamt - wie jede Verpackung - eine technische Funktion, nämlich zur Aufnahme von Flüssigkeiten. Daraus allein bestimmt sich aber nicht die streitgegenständliche Markenform. So ist es nicht zwingend, dass Standbeutel mit einer ovalen Aufstandsfläche versehen ist; diese könnte auch in anderen Formen gestaltet sein, selbst wenn sich die ovale Grundform besonders gut mit den seitlichen Schweißnähten gestalten lässt, da insoweit an jeder Seite nur eine Schweißnaht erforderlich ist. Gerade die von der Beklagten gezeigten weiteren Standbeutel zeigen aber auch, dass es weitere Gestaltungsmöglichkeiten gibt, ohne die exakte Verwendung der geschützten Markenform. Zu berücksichtigen ist auch, dass die klägerische Marke jedenfalls vom DPMA eingetragen worden ist. Dabei geht die Kammer davon aus, dass bei der Prüfung der Eintragungsfähigkeit auch die Vorschrift des § 3 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG berücksichtigt worden ist und die Marke dennoch eingetragen worden ist. Auch wenn insgesamt nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Marke auf den Antrag der Beklagten hin gelöscht wird, besteht jedenfalls aus Sicht der Kammer keine überwiegende Erfolgsaussicht, so dass dem Aussetzungsantrag nicht zu entsprechen war. Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 Abs. 1 ZPO, die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit aus § 709 S. 1 ZPO. Der Streitwert war gemäß § 3 ZPO nach dem Interesse der Klägerin an den geltend gemachten Anträgen zu bemessen. Dieses hat die Klägerin indiziell mit 1 Mio. € angegeben. Diese Angabe war für die Kammer nachvollziehbar, da es sich bei den Parteien um große Fruchtsaftgetränkeanbieter handelt und erhebliche Marktanteile betroffen sind. Permalink: http://openjur.de/u/680968.html Kommentare