Verordnung über die Berufsausbildung zum Modisten/zur Modistin
Kurz gesagt
Diese Verordnung regelt die Berufsausbildung zum Modisten/zur Modistin in Deutschland. Sie legt fest, wie die Ausbildung strukturiert ist und welche Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden müssen.
Was es regelt
- Die staatliche Anerkennung des Ausbildungsberufes Modist/Modistin.
- Die Dauer und den Inhalt der Ausbildung.
- Die Durchführung von Zwischen- und Abschlussprüfungen.
- Die Erstellung von Ausbildungsplänen und Berichtsheften.
Wen es betrifft
- Auszubildende, die den Beruf Modist/Modistin erlernen möchten.
- Ausbildungsbetriebe, die Modisten/Modistinnen ausbilden.
Eckpunkte
- Die Ausbildung dauert drei Jahre.
- Auszubildende müssen ein Berichtsheft als Ausbildungsnachweis führen.
- Eine Zwischenprüfung findet vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt.
- Die Gesellen-/Abschlussprüfung besteht aus einem praktischen Teil (Teil A) und einem schriftlichen Teil (Teil B).
- Im Teil A der Prüfung müssen drei Arbeitsaufgaben in insgesamt höchstens 21 Stunden durchgeführt werden, begleitet von einem Fachgespräch von höchstens 30 Minuten.
- Im Teil B der Prüfung gibt es schriftliche Prüfungsbereiche: Entwurf und Gestaltung (120 Minuten), Planung und Fertigung (120 Minuten) und Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten).
Gesetzestext
Verordnung über die Berufsausbildung zum Modisten/zur Modistin Diese Rechtsverordnung ist eine Ausbildungsordnung im Sinne des § 25 des Berufsbildungsgesetzes und des § 25 der Handwerksordnung. Die Au
(+++ Textnachweis ab: 1. 8.2004 +++)
EingangsformelAuf Grund des § 25 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 Satz 1 der Handwerksordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom
- September 1998 (BGBl. I S. 3074), der zuletzt durch Artikel 1 Nr. 26 des Gesetzes vom
- Dezember 2003 (BGBl. I S. 2934) geändert worden ist, und des § 25 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 Satz 1 des Berufsbildungsgesetzes vom
- August 1969 (BGBl. I S. 1112), der zuletzt durch Artikel 184 Nr. 1 der Verordnung vom
- November 2003 (BGBl. I S. 2304) geändert worden ist, verordnet das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung:
§ 1Staatliche Anerkennung des Ausbildungsberufes
Der Ausbildungsberuf Modist/Modistin wird 1.gemäß § 25 der Handwerksordnung zur Ausbildung für das Gewerbe Nummer 21, Modisten, der Anlage B Abschnitt 1 der Handwerksordnung sowie 2.gemäß § 25 des Berufsbildungsgesetzes staatlich anerkannt.
§ 2Ausbildungsdauer
§ 3Zielsetzung der Berufsausbildung
Die in dieser Verordnung genannten Fertigkeiten und Kenntnisse sollen bezogen auf Arbeits- und Geschäftsprozesse vermittelt werden. Sie sollen so vermittelt werden, dass die Auszubildenden zur Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit im Sinne von § 1 Abs. 2 des Berufsbildungsgesetzes befähigt werden, die insbesondere selbständiges Planen, Durchführen und Kontrollieren sowie das Handeln im betrieblichen Gesamtzusammenhang einschließt. Diese in Satz 2 beschriebene Befähigung ist auch in den Prüfungen nach den §§ 9 und 10 nachzuweisen.
§ 4Berufsfeldbreite Grundbildung
Die Ausbildung im ersten Ausbildungsjahr vermittelt eine berufsfeldbreite Grundbildung, wenn die betriebliche Ausbildung nach dieser Ausbildungsverordnung und die Ausbildung in der Berufsschule nach den landesrechtlichen Vorschriften über das Berufsgrundbildungsjahr erfolgen.
§ 5Ausbildungsberufsbild
Gegenstand der Berufsausbildung sind mindestens die folgenden Fertigkeiten und Kenntnisse: 1.Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht, 2.Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes, 3.Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, 4.Umweltschutz, 5.Planen und Vorbereiten von Arbeitsabläufen, 6.Umgang mit Informations- und Kommunikationstechniken, 7.Umgang mit Kunden, 8.Handhaben und Warten von Arbeitsgeräten, Werkzeugen und Maschinen, 9.Entwickeln und Gestalten von Modellentwürfen, 10.Herstellen von Filz- und Strohhüten, 11.Herstellen von Kopfbedeckungen aus anderen Materialien, 12.Ausgestalten von Kopfbedeckungen, 13.Herstellen von Unterformen, 14.Kopieren von Kopfbedeckungen, 15.Aufarbeiten und Ändern von Kopfbedeckungen, 16.Durchführen von qualitätssichernden Maßnahmen.
§ 6Ausbildungsrahmenplan
Die Fertigkeiten und Kenntnisse nach § 5 sollen nach der in der Anlage enthaltenen Anleitung zur sachlichen und zeitlichen Gliederung der Berufsausbildung (Ausbildungsrahmenplan) vermittelt werden. Eine von dem Ausbildungsrahmenplan abweichende sachliche und zeitliche Gliederung des Ausbildungsinhaltes ist insbesondere zulässig, soweit betriebspraktische Besonderheiten die Abweichung erfordern.
§ 7Ausbildungsplan
Die Ausbildenden haben unter Zugrundelegung des Ausbildungsrahmenplanes für die Auszubildenden einen Ausbildungsplan zu erstellen.
§ 8Berichtsheft
Die Auszubildenden haben ein Berichtsheft in Form eines Ausbildungsnachweises zu führen. Ihnen ist Gelegenheit zu geben, das Berichtsheft während der Ausbildungszeit zu führen. Die Ausbildenden haben das Berichtsheft regelmäßig durchzusehen.
§ 9Zwischenprüfung
§ 10Gesellenprüfung/Abschlussprüfung
- im Prüfungsbereich Entwurf und Gestaltung 120 Minuten,
- im Prüfungsbereich Planung und Fertigung 120 Minuten,
- im Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde 60 Minuten.
- Prüfungsbereich Entwurf und Gestaltung 40 Prozent,
- Prüfungsbereich Planung und Fertigung 40 Prozent,
- Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde 20 Prozent.
§ 11Übergangsregelung
Auf Berufsausbildungsverhältnisse, die bei Inkrafttreten dieser Verordnung bestehen, sind die bisherigen Vorschriften weiter anzuwenden, es sei denn, die Vertragsparteien vereinbaren die Anwendung der Vorschriften dieser Verordnung.
§ 12Inkrafttreten
Diese Verordnung tritt am 1. August 2004 in Kraft.
Anlage(zu § 6)Ausbildungsrahmenplan für die Berufsausbildung zum Modisten/zur Modistin(Fundstelle: BGBl. I 2004, 583 - 587) I. Berufliche GrundbildungLfd. Nr.Teil des AusbildungsberufsbildesFertigkeiten und Kenntnisse, die unter Einbeziehung selbständigen Planens, Durchführens und Kontrollierens zu vermitteln sindZeitliche Richtwerte in Wochen im
- Ausbildungsjahr12341Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht (§ 5 Nr. 1)a)Bedeutung des Ausbildungsvertrages, insbesondere Abschluss, Dauer und Beendigung, erklärenwährend der gesamten Ausbildung zu vermittelnb)gegenseitige Rechte und Pflichten aus dem Ausbildungsvertrag nennenc)Möglichkeiten der beruflichen Fortbildung nennend)wesentliche Teile des Arbeitsvertrages nennene)wesentliche Bestimmungen der für den ausbildenden Betrieb geltenden Tarifverträge nennen2Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes (§ 5 Nr. 2)a)Aufbau und Aufgaben des ausbildenden Betriebes erläuternb)Grundfunktionen des ausbildenden Betriebes, wie Beschaffung, Fertigung, Absatz und Verwaltung, erklärenc)Beziehungen des ausbildenden Betriebes und seiner Beschäftigten zu Wirtschaftsorganisationen, Berufsvertretungen und Gewerkschaften nennend)Grundlagen, Aufgaben und Arbeitsweise der betriebsverfassungs- oder personalvertretungsrechtlichen Organe des ausbildenden Betriebes beschreiben3Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (§ 5 Nr. 3)a)Gefährdung von Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz feststellen und Maßnahmen zu ihrer Vermeidung ergreifenb)berufsbezogene Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften anwendenc)Verhaltensweisen bei Unfällen beschreiben sowie erste Maßnahmen einleitend)Vorschriften des vorbeugenden Brandschutzes anwenden, Verhaltensweisen bei Bränden beschreiben und Maßnahmen zur Brandbekämpfung ergreifen4Umweltschutz (§ 5 Nr. 4)Zur Vermeidung betriebsbedingter Umweltbelastungen im beruflichen Einwirkungsbereich beitragen, insbesonderea)mögliche Umweltbelastungen durch den Ausbildungsbetrieb und seinen Beitrag zum Umweltschutz an Beispielen erklärenb)für den Ausbildungsbetrieb geltende Regelungen des Umweltschutzes anwendenc)Möglichkeiten der wirtschaftlichen und umweltschonenden Energie- und Materialverwendung nutzend)Abfälle vermeiden; Stoffe und Materialien einer umweltschonenden Entsorgung zuführen5Planen und Vorbereiten von Arbeitsabläufen (§ 5 Nr. 5)a)Arbeitsaufträge annehmen und auf Umsetzbarkeit prüfen4b)Informationen und Bezugsquellen nutzen, Produkteigenschaften von Werk- und Hilfsstoffen vergleichenc)Arbeitsplatz ergonomisch vorbereiten, Werk- und Hilfsstoffe, Arbeitsmittel und -geräte auswählen und bereitstellend)Arbeitsabläufe dokumentierene)Aufgaben im Team planen und bearbeiten, Ergebnisse der Zusammenarbeit im Team auswerten6Umgang mit Informations- und Kommunikationstechniken (§ 5 Nr. 6)a)Geräte zur Eingabe, Übertragung und Ausgabe von Daten nutzen3b)Organisations- und Bürokommunikationsmittel anwendenc)Informationen beschaffen, auswerten und nutzen7Umgang mit Kunden (§ 5 Nr. 7)a)bei Kundengesprächen, insbesondere bei Beratung, Verkauf und Reklamation, mitwirken6b)Kunden über Leistungen des Betriebes informierenc)Kopfweite ermitteln8Handhaben und Warten von Arbeitsgeräten, Werkzeugen und Maschinen (§ 5 Nr. 8)a)Arbeitsgeräte, Werkzeuge und Maschinen, insbesondere nach Material und Arbeitstechnik, auswählen6b)Arbeitsgeräte und Werkzeuge vorbereiten und einsetzenc)Maschinen einrichten, Zusatzeinrichtungen anbringen, Maschinen einsetzend)Arbeitsgeräte, Werkzeuge und Maschinen pflegen, Funktionen prüfene)Störungen erkennen, beheben, Störungsbeseitigung veranlassen9Entwickeln und Gestalten von Modellentwürfen (§ 5 Nr. 9)a)Anregungen aufnehmen, auswerten und umsetzen5b)Skizzen und Zeichnungen erstellenc)Entwürfe, insbesondere von Garnituren mit unterschiedlichen Materialien, erarbeiten10Herstellen von Filz- und Strohhüten (§ 5 Nr. 10)a)Filzstumpen appretieren und mit Dampf behandeln, Strohrohlinge anfeuchten16b)Stumpen und Strohrohlinge zur Formgebung über Hutformen ziehen und trocknen, Strohhüte appretierenc)Ränder bearbeiten, insbesondere zuschneiden und Blenden gestaltend)Oberflächen bearbeitene)Gefährdungen durch lösemittelhaltige Stoffe und Gefahr von Verbrennungen erkennen, Schutzmaßnahmen ergreifen11Herstellen von Kopfbedeckungen aus anderen Materialien (§ 5 Nr. 11)a)Schnittteile zuordnen, Grundschnitte bestimmen6b)Schnittschablonen erstellen und handhabenc)Werk- und Hilfsstoffe aus textilen Materialien nach Schnittmuster zuschneidend)Einlagestoffe befestigene)Schnittteile zusammenfügenf)Kopfbedeckungen blockeng)Vollfutter herstellen und einarbeiten12Ausgestalten von Kopfbedeckungen (§ 5 Nr. 12)a)Futterbänder einnähen2b)Standardgarnituren, insbesondere Bandgarnituren, befestigen13Durchführen von qualitätssichernden Maßnahmen (§ 5 Nr. 16)a)Ziele, Aufgaben und Bedeutung der betrieblichen Qualitätssicherung unterscheiden4b)Prüftechniken anwenden, Prüfergebnisse bewerten und dokumentierenc)Werk- und Hilfsstoffe sowie Kopfbedeckungen unter Beachtung ihrer Eigenschaften lagernd)Kopfbedeckungen für den Transport vorbereitene)Auswirkungen von Materialfehlern auf Verarbeitung und Produktqualität beurteilenf)Endkontrolle anhand des Arbeitsauftrages durchführen, Ergebnisse dokumentieren II. Berufliche FachbildungLfd. Nr.Teil des AusbildungsberufsbildesFertigkeiten und Kenntnisse, die unter Einbeziehung selbständigen Planens, Durchführens und Kontrollierens zu vermitteln sindZeitliche Richtwerte in Wochen im
- und
- Ausbildungsjahr2312341Planen und Vorbereiten von Arbeitsabläufen (§ 5 Nr. 5)a)Arbeitsschritte unter Berücksichtigung betrieblicher Abläufe und Auftragsunterlagen festlegen, Liefertermine beachten3 b)Werk- und Hilfsstoffe nach Einsatzmöglichkeiten unterscheiden, Arbeitstechnik und -material festlegenc)Qualität und Preise von Werk- und Hilfsstoffen vergleichen; Produktinformationen beurteilen 5d)Aufgaben zeit- und kostenorientiert durchführen2Umgang mit Informations- und Kommunikationstechniken (§ 5 Nr. 6)a)Daten beschaffen, auswerten, bearbeiten und weiterleiten2 b)Daten pflegen und sichern, Vorschriften des Datenschutzes anwenden3Umgang mit Kunden (§ 5 Nr. 7)a)Termine mit Kunden abstimmen3 b)Entwürfe und Modelle präsentierenc)Verkaufsflächen dekorieren und gestaltend)Kundengespräche führen, insbesondere Kundenwünsche ermitteln, mit dem betrieblichen Leistungsangebot vergleichen und daraus Vorgehensweisen für die Kundenberatung ableiten 5e)Reklamationen aufnehmen und bearbeiten4Entwickeln und Gestalten von Modellentwürfen (§ 5 Nr. 9)a)Umsetzbarkeit von Entwürfen prüfen, Mustervorlagen erstellen4 b)Entwürfe unter Berücksichtigung der Farben- und Formenlehre sowie der Materialien erarbeitenc)Entwürfe nach modischen, historischen, funktionalen und technologischen Gesichtspunkten gestalten und ausarbeiten 12d)Entwürfe kundenbezogen ausarbeiten5Herstellen von Filz- und Strohhüten (§ 5 Nr. 10)a)Oberflächen veredeln 7 b)Ränder von Hand ziehen6Herstellen von Kopfbedeckungen aus anderen Materialien (§ 5 Nr. 11)a)Materialbeschaffenheit beim Legen und Schneiden, insbesondere Muster, Fadenlauf und Strichrichtung, berücksichtigen3 b)Materialien miteinander kombinierenc)Schnitte abnehmen, Grundschnitte herstellen 10d)Schnittmuster abänderne)Pelze und Leder zuschneiden und verarbeiten7Ausgestalten von Kopfbedeckungen (§ 5 Nr. 12)a)Garnituren fertigen und befestigen6 b)Hüte in Form bügeln, insbesondere Fassonbügeln sowie mit Knicken und Vertiefungen 10 c)Gestaltungstechniken, insbesondere Nähen, Kleben, Schneiden und Drapieren, anwenden8Herstellen von Unterformen (§ 5 Nr. 13)a)Unterformen, insbesondere aus Vliesstoffen, Mull, Etamin sowie Steiftüll und Draht, herstellen und beziehen3 b)Unterformen nach Verwendungszweck appretieren9Kopieren von Kopfbedeckungen (§ 5 Nr. 14)a)Maße anhand von Bild- und Modellvorlagen 4 b)Kopfbedeckungen nach Bildvorlagen, insbesondere nach gestalterischen und technischen Gesichtspunkten, anfertigen 14c)Kopfbedeckungen nach Modellvorlagen anfertigen10Aufarbeiten und Ändern von Kopfbedeckungen (§ 5 Nr. 15)a)Kopfbedeckungen reinigen, auffrischen und färben2 b)schadhafte Stellen ausbessernc)Kopfbedeckungen, insbesondere nach modischen Gesichtspunkten, ändern und umarbeiten 611Durchführen von qualitätssichernden Maßnahmen (§ 5 Nr. 16)a)Arbeitsabläufe auf Einhaltung der Vorgaben kontrollieren, Qualitätsmerkmale feststellen sowie Qualitätsausfall prüfen 5 b)Ursachen von Qualitätsabweichungen feststellen, Korrekturen und Vorbeugungsmaßnahmen durchführenc)zur kontinuierlichen Verbesserung von Arbeitsabläufen beitragen