Gesetz zur Ausführung des Europäischen Übereinkommens betreffend Auskünfte über ausländisches Recht und seines Zusatzprotokolls
Worum geht es in dieser Vorschrift?
Dieses Gesetz regelt, wie deutsche Gerichte Informationen über ausländisches Recht erhalten und wie Deutschland Anfragen anderer Länder zu deutschem Recht beantwortet. Es setzt ein europäisches Abkommen und sein Zusatzprotokoll um, um den Austausch von Rechtsauskünften zwischen Vertragsstaaten zu erleichtern.
Für wen: Gerichte in Deutschland, die ausländisches Recht anwenden müssen; Stellen und Personen in Deutschland, die Auskünfte über deutsches Recht erteilen.
Auf einen Blick
- Land
- Deutschland
- Rechtsgebiet
- Prozessrecht
- Paragraphen
- 11
- Quelle
- gesetze-im-internet.de
- Text abgerufen
- Erklärung aktualisiert
Was regelt diese Vorschrift?
- Das Einholen von Auskünften über ausländisches Recht durch deutsche Gerichte.
- Die Bearbeitung von Anfragen aus anderen Vertragsstaaten zu deutschem Recht.
- Die Kostenabwicklung für die Erteilung von Rechtsauskünften.
- Die Zuständigkeiten von Übermittlungs- und Empfangsstellen für diese Anfragen.
Wen betrifft diese Vorschrift?
- Gerichte in Deutschland, die ausländisches Recht anwenden müssen.
- Stellen und Personen in Deutschland, die Auskünfte über deutsches Recht erteilen.
- Vertragsstaaten des Europäischen Übereinkommens betreffend Auskünfte über ausländisches Recht.
Was sind die Eckpunkte?
- Gerichte können Auskünfte über ausländisches Recht einer Vertragspartei einholen.
- Kosten für Auskünfte werden von der Übermittlungsstelle erstattet, nachdem das ersuchende Gericht den Betrag übermittelt hat.
- Die Empfangsstelle kann Auskunftsersuchen an Rechtsanwälte, Notare, beamtete Professoren der Rechte oder Richter zur Beantwortung weiterleiten.
- Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz nimmt die Aufgaben der Empfangs- und teilweise der Übermittlungsstelle wahr.
Prozessrecht
Gesetzestext
Gesetzestext
EingangsformelDer Bundestag hat mit Zustimmung des Bundesrates das folgende Gesetz beschlossen:
010I.Ausgehende Ersuchen
§ 1
Hat ein Gericht in einem anhängigen Verfahren ausländisches Recht einer der Vertragsparteien anzuwenden, so kann es eine Auskunft nach den Vorschriften des Übereinkommens vom 7. Juni 1968 (BGBl. 1974 II S. 937) einholen. Das Gericht kann die Abfassung des Ersuchens auch den Parteien oder Beteiligten überlassen; in diesem Fall ist dem Auskunftsersuchen des Gerichts die gerichtliche Genehmigung des Ersuchens beizufügen. Das Auskunftsersuchen ist von dem Gericht der Übermittlungsstelle vorzulegen.
§ 2
Eine Mitteilung des anderen Vertragsstaats, daß für die Erledigung des Ersuchens mit Kosten zu rechnen ist (Artikel 6 Abs. 3 des Übereinkommens), leitet die Übermittlungsstelle dem ersuchenden Gericht zu. Das Gericht teilt der Übermittlungsstelle mit, ob das Ersuchen aufrechterhalten wird.
§ 3
Werden für die Erledigung eines Auskunftsersuchens von einem anderen Vertragsstaat Kosten erhoben, sind die Kosten nach Eingang der Antwort von der Übermittlungsstelle dem anderen Vertragsstaat zu erstatten. Das ersuchende Gericht übermittelt den Kostenbetrag der Übermittlungsstelle.
§ 4
Die Vernehmung einer Person, die ein Auskunftsersuchen in einem anderen Vertragsstaat bearbeitet hat, ist zum Zwecke der Erläuterung oder Ergänzung der Antwort unzulässig.
020II.Eingehende Ersuchen
§ 5
Bezieht sich ein Auskunftsersuchen auf Landesrecht, leitet es die Empfangsstelle an die von der Regierung des Landes bestimmte Stelle zur Beantwortung weiter. Bezieht sich ein Auskunftsersuchen auf Bundesrecht und auf Landesrecht, soll es die Empfangsstelle an die von der Regierung des Landes bestimmte Stelle zur einheitlichen Beantwortung weiterleiten. Gilt Landesrecht in mehreren Ländern gleichlautend, so kann die Beantwortung der Stelle eines der Länder übertragen werden.
§ 6
§ 7
Wird die Auskunft von einer privaten Stelle oder rechtskundigen Person erteilt (Artikel 6 Abs. 2 des Übereinkommens, § 6), obliegt die Entschädigung dieser Stelle oder Person der Empfangsstelle. Die Empfangsstelle nimmt die Zahlungen des ersuchenden Staates entgegen. Die Kostenrechnung ist der Empfangsstelle mit der Auskunft zu übersenden.
§ 8
Leitet die Empfangsstelle ein Ersuchen an eine von der Landesregierung bestimmte Stelle weiter, so nimmt diese die Aufgaben und Befugnisse der Empfangsstelle nach den §§ 6, 7 Satz 1, 3 wahr. In den Fällen des § 6 Abs. 2 Satz 3 ist das Amtsgericht am Sitz der von der Landesregierung bestimmten Stelle zuständig. Die von der Landesregierung bestimmte Stelle übermittelt die Antwort der Empfangsstelle. Hatte die von der Landesregierung bestimmte Stelle die Beantwortung übertragen (Artikel 6 des Übereinkommens, § 6), übermittelt die Empfangsstelle die Zahlungen des ersuchenden Staates dieser Stelle.
030III.Sonstige Bestimmungen
§ 9(1) Die Aufgaben der Empfangsstelle im Sinne des Artikels 2 Abs.
1 des Übereinkommens nimmt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz wahr.
§ 10
Die Vorschriften dieses Gesetzes, mit Ausnahme von § 1 Satz 2, sind auf Auskünfte nach Kapitel I des Zusatzprotokolls vom 15. März 1978 (BGBl. 1987 II S. 58) zu dem Übereinkommen entsprechend anzuwenden.
§ 11(1) Dieses Gesetz tritt gleichzeitig mit dem Europäischen Übereinkommen vom 7.
Juni 1968 betreffend Auskünfte über ausländisches Recht in Kraft.
§ 11Dieses Gesetz gilt nach Maßgabe des § 13 Abs.
1 des Dritten Überleitungsgesetzes auch im Land Berlin. Rechtsverordnungen, die auf Grund dieses Gesetzes erlassen werden, gelten im Land Berlin nach § 14 des Dritten Überleitungsgesetzes.