§ 138 ABGB – Kindeswohl
Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB) · Zweytes Hauptstück – Von dem Eherechte
Kurz erklärt
§ 138 ABGB legt fest, dass in allen Angelegenheiten, die ein minderjähriges Kind betreffen, besonders bei Obsorge und persönlichen Kontakten, das Kindeswohl der leitende Gesichtspunkt ist und bestmöglich gewährleistet werden muss. Die Bestimmung nennt wichtige Beurteilungskriterien: angemessene Versorgung und sorgfältige Erziehung, Fürsorge und Schutz der Integrität, Wertschätzung durch die Eltern, Förderung der Fähigkeiten, Berücksichtigung der kindlichen Meinung, Vermeidung von Beeinträchtigungen durch Zwangsmaßnahmen, Vermeidung von Gewalt oder Übergriffen, Schutz vor rechtswidrigem Verbringen, verlässliche Kontakte und sichere Bindungen zu beiden Elternteilen, Vermeidung von Loyalitätskonflikten, Wahrung der Rechte des Kindes sowie seine Lebensverhältnisse und jene seines Umfelds.
Verständliche Zusammenfassung. Rechtlich maßgeblich ist allein der Wortlaut der Vorschrift.
In allen das minderjährige Kind betreffenden Angelegenheiten, insbesondere der Obsorge und der persönlichen Kontakte, ist das Wohl des Kindes (Kindeswohl) als leitender Gesichtspunkt zu berücksichtigen und bestmöglich zu gewährleisten. Wichtige Kriterien bei der Beurteilung des Kindeswohls sind insbesondere 1. eine angemessene Versorgung, insbesondere mit Nahrung, medizinischer und sanitärer Betreuung und Wohnraum, sowie eine sorgfältige Erziehung des Kindes; 2. die Fürsorge, Geborgenheit und der Schutz der körperlichen und seelischen Integrität des Kindes; 3. die Wertschätzung und Akzeptanz des Kindes durch die Eltern; 4. die Förderung der Anlagen, Fähigkeiten, Neigungen und Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes; 5. die Berücksichtigung der Meinung des Kindes in Abhängigkeit von dessen Verständnis und der Fähigkeit zur Meinungsbildung; 6. die Vermeidung der Beeinträchtigung, die das Kind durch die Um- und Durchsetzung einer Maßnahme gegen seinen Willen erleiden könnte; 7. die Vermeidung der Gefahr für das Kind, Übergriffe oder Gewalt selbst zu erleiden oder an wichtigen Bezugspersonen mitzuerleben; 8. die Vermeidung der Gefahr für das Kind, rechtswidrig verbracht oder zurückgehalten zu werden oder sonst zu Schaden zu kommen; 9. verlässliche Kontakte des Kindes zu beiden Elternteilen und wichtigen Bezugspersonen sowie sichere Bindungen des Kindes zu diesen Personen; 10. die Vermeidung von Loyalitätskonflikten und Schuldgefühlen des Kindes; 11. die Wahrung der Rechte, Ansprüche und Interessen des Kindes sowie 12. die Lebensverhältnisse des Kindes, seiner Eltern und seiner sonstigen Umgebung.