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§ 17 KSchG – Anzeigepflicht

Kündigungsschutzgesetz (KSchG) · Dritter Abschnitt – Anzeigepflichtige Entlassungen

Kurz erklärt

§ 17 KSchG verpflichtet Arbeitgeber, der Agentur für Arbeit Massenentlassungen vor ihrer Durchführung anzuzeigen, wenn innerhalb von 30 Kalendertagen je nach Betriebsgröße eine bestimmte Anzahl oder ein bestimmter Anteil der Beschäftigten entlassen werden soll. Arbeitgeberseitig veranlasste Beendigungen zählen mit. Zuvor ist der Betriebsrat schriftlich über Gründe, Zahl, Berufsgruppen und Auswahlkriterien zu informieren und zu Vermeidungsmöglichkeiten zu beraten. Der Agentur für Arbeit sind eine Abschrift dieser Mitteilung sowie die Stellungnahme des Betriebsrats zu übermitteln. Die Pflichten gelten auch bei Entscheidungen eines beherrschenden Unternehmens. Fristlose Entlassungen bleiben zulässig und werden nicht mitgezählt; bestimmte leitende Organpersonen gelten nicht als Arbeitnehmer im Sinne der Vorschrift.

Verständliche Zusammenfassung. Rechtlich maßgeblich ist allein der Wortlaut der Vorschrift.

(1)Der Arbeitgeber ist verpflichtet, der Agentur für Arbeit Anzeige zu erstatten, bevor er
1.in Betrieben mit in der Regel mehr als 20 und weniger als 60 Arbeitnehmern mehr als 5 Arbeitnehmer,
2.in Betrieben mit in der Regel mindestens 60 und weniger als 500 Arbeitnehmern 10 vom Hundert der im Betrieb regelmäßig beschäftigten Arbeitnehmer oder aber mehr als 25 Arbeitnehmer,
3.in Betrieben mit in der Regel mindestens 500 Arbeitnehmern mindestens 30 Arbeitnehmerinnerhalb von 30 Kalendertagen entläßt. Den Entlassungen stehen andere Beendigungen des Arbeitsverhältnisses gleich, die vom Arbeitgeber veranlaßt werden.
(2)Beabsichtigt der Arbeitgeber, nach Absatz 1 anzeigepflichtige Entlassungen vorzunehmen, hat er dem Betriebsrat rechtzeitig die zweckdienlichen Auskünfte zu erteilen und ihn schriftlich insbesondere zu unterrichten über
1.die Gründe für die geplanten Entlassungen,
2.die Zahl und die Berufsgruppen der zu entlassenden Arbeitnehmer,
3.die Zahl und die Berufsgruppen der in der Regel beschäftigten Arbeitnehmer,
4.den Zeitraum, in dem die Entlassungen vorgenommen werden sollen,
5.die vorgesehenen Kriterien für die Auswahl der zu entlassenden Arbeitnehmer,
6.die für die Berechnung etwaiger Abfindungen vorgesehenen Kriterien.Arbeitgeber und Betriebsrat haben insbesondere die Möglichkeiten zu beraten, Entlassungen zu vermeiden oder einzuschränken und ihre Folgen zu mildern.
(3)Der Arbeitgeber hat gleichzeitig der Agentur für Arbeit eine Abschrift der Mitteilung an den Betriebsrat zuzuleiten; sie muß zumindest die in Absatz 2 Satz 1 Nr. 1 bis 5 vorgeschriebenen Angaben enthalten. Die Anzeige nach Absatz 1 ist schriftlich unter Beifügung der Stellungnahme des Betriebsrats zu den Entlassungen zu erstatten. Liegt eine Stellungnahme des Betriebsrats nicht vor, so ist die Anzeige wirksam, wenn der Arbeitgeber glaubhaft macht, daß er den Betriebsrat mindestens zwei Wochen vor Erstattung der Anzeige nach Absatz 2 Satz 1 unterrichtet hat, und er den Stand der Beratungen darlegt. Die Anzeige muß Angaben über den Namen des Arbeitgebers, den Sitz und die Art des Betriebes enthalten, ferner die Gründe für die geplanten Entlassungen, die Zahl und die Berufsgruppen der zu entlassenden und der in der Regel beschäftigten Arbeitnehmer, den Zeitraum, in dem die Entlassungen vorgenommen werden sollen und die vorgesehenen Kriterien für die Auswahl der zu entlassenden Arbeitnehmer. In der Anzeige sollen ferner im Einvernehmen mit dem Betriebsrat für die Arbeitsvermittlung Angaben über Geschlecht, Alter, Beruf und Staatsangehörigkeit der zu entlassenden Arbeitnehmer gemacht werden. Der Arbeitgeber hat dem Betriebsrat eine Abschrift der Anzeige zuzuleiten. Der Betriebsrat kann gegenüber der Agentur für Arbeit weitere Stellungnahmen abgeben. Er hat dem Arbeitgeber eine Abschrift der Stellungnahme zuzuleiten.
(3a)Die Auskunfts-, Beratungs- und Anzeigepflichten nach den Absätzen 1 bis 3 gelten auch dann, wenn die Entscheidung über die Entlassungen von einem den Arbeitgeber beherrschenden Unternehmen getroffen wurde. Der Arbeitgeber kann sich nicht darauf berufen, daß das für die Entlassungen verantwortliche Unternehmen die notwendigen Auskünfte nicht übermittelt hat.
(4)Das Recht zur fristlosen Entlassung bleibt unberührt. Fristlose Entlassungen werden bei Berechnung der Mindestzahl der Entlassungen nach Absatz 1 nicht mitgerechnet.
(5)Als Arbeitnehmer im Sinne dieser Vorschrift gelten nicht
1.in Betrieben einer juristischen Person die Mitglieder des Organs, das zur gesetzlichen Vertretung der juristischen Person berufen ist,
2.in Betrieben einer Personengesamtheit die durch Gesetz, Satzung oder Gesellschaftsvertrag zur Vertretung der Personengesamtheit berufenen Personen,3.Geschäftsführer, Betriebsleiter und ähnliche leitende Personen, soweit diese zur selbständigen Einstellung oder Entlassung von Arbeitnehmern berechtigt sind.

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Rechtsprechung zu § 17 KSchG

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Verweise auf diese Vorschrift

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Weitere Vorschriften in diesem Abschnitt

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