Gesetz zur Überwachung der Finanzstabilität
Worum geht es in dieser Vorschrift?
Dieses Gesetz regelt die Überwachung der Finanzstabilität in Deutschland, um Gefahren für das Finanzsystem frühzeitig zu erkennen und abzuwehren. Es schafft einen Ausschuss für Finanzstabilität und legt die Aufgaben der Deutschen Bundesbank in diesem Bereich fest.
Für wen: Die Deutsche Bundesbank, das Bundesministerium der Finanzen und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bundesanstalt); Finanzielle Kapitalgesellschaften mit Sitz im Inland, die zur Mitteilung von Wirtschafts- und Handelsdaten verpflichtet sein können.
Auf einen Blick
- Land
- Deutschland
- Rechtsgebiet
- Bank-, Versicherungs- und Finanzmarktrecht
- Quelle
- gesetze-im-internet.de
- Text abgerufen
- Erklärung aktualisiert
Was regelt diese Vorschrift?
- Die Wahrung der Finanzstabilität im Inland.
- Die Bildung und Aufgaben eines Ausschusses für Finanzstabilität.
- Die Möglichkeit, Warnungen und Empfehlungen zur Abwehr von Finanzstabilitätsgefahren auszusprechen.
- Die Zusammenarbeit mit europäischen und nationalen Behörden im Bereich der Finanzstabilität.
Wen betrifft diese Vorschrift?
- Die Deutsche Bundesbank, das Bundesministerium der Finanzen und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bundesanstalt).
- Finanzielle Kapitalgesellschaften mit Sitz im Inland, die zur Mitteilung von Wirtschafts- und Handelsdaten verpflichtet sein können.
Was sind die Eckpunkte?
- Die Deutsche Bundesbank analysiert Sachverhalte und identifiziert Gefahren für die Finanzstabilität, bereitet einen jährlichen Bericht vor und schlägt Warnungen und Empfehlungen vor (§ 1 Abs. 1).
- Der Ausschuss für Finanzstabilität besteht aus drei Vertretern des Bundesministeriums der Finanzen, drei Vertretern der Deutschen Bundesbank und drei Vertretern der Bundesanstalt (§ 2 Abs. 3).
- Der Ausschuss kann Warnungen an bestimmte Adressaten aussprechen und Empfehlungen für Maßnahmen zur Abwehr von Gefahren für die Finanzstabilität geben (§ 3 Abs. 1 und 2).
- Adressaten von Warnungen oder Empfehlungen können die Bundesregierung, die Bundesanstalt oder andere öffentliche Stellen im Inland sein (§ 3 Abs. 3).
Bank-, Versicherungs- und Finanzmarktrecht
Bank-, Versicherungs- und Finanzmarktrecht
Gesetzestext
Gesetzestext
FinStabGFinStabG2012-11-28BGBl I2012, 2369FinanzstabilitätsgesetzGesetz zur Überwachung der FinanzstabilitätStandZuletzt geändert durch Art. 4 Abs. 9 G v. 10.7.2020 I 1633 (+++ Textnachweis ab: 1.1.2013 +++) Das G wurde als Artikel 1 des G v. 28. 11.2012 I 2369 vom Bundestag beschlossen. Es ist gem. Art. 5 Abs 3 dieses G am 1.1.2013 in Kraft getreten.
FinStabGInhaltsübersicht§ 1Wahrung der Finanzstabilität§ 2Ausschuss für Finanzstabilität§ 3Warnungen und Empfehlungen§ 4Zusammenarbeit mit dem Europäischen Ausschuss für Systemrisiken§ 5Zusammenarbeit der Deutschen Bundesbank mit der Bundesanstalt§ 6Mitteilungspflichten; Verordnungsermächtigung§ 7Verschwiegenheitspflicht FinStabG§ 1Wahrung der Finanzstabilität(1) Die Deutsche Bundesbank trägt im Inland zur Wahrung der Stabilität des Finanzsystems (Finanzstabilität) bei, indem sie insbesondere 1.für die Finanzstabilität maßgebliche Sachverhalte analysiert und Gefahren identifiziert, welche die Finanzstabilität beeinträchtigen können,2.jährlich einen Bericht über die Lage und die Entwicklung der Finanzstabilität vorbereitet und dem Ausschuss für Finanzstabilität zur Erfüllung seiner Berichtspflicht nach § 2 Absatz 9 zur Verfügung stellt,3.dem Ausschuss für Finanzstabilität die Abgabe von Warnungen gemäß § 3 Absatz 1 und Empfehlungen gemäß § 3 Absatz 2 vorschlägt und4.die Umsetzungsmaßnahmen nach § 3 Absatz 4 Satz 2 bewertet und dem Ausschuss für Finanzstabilität ihre Einschätzung mitteilt.
FinStabG§ 2Ausschuss für Finanzstabilität(1) Zur Stärkung der Zusammenarbeit im Bereich der Finanzstabilität wird beim Bundesministerium der Finanzen ein Ausschuss für Finanzstabilität gebildet.
FinStabG§ 3Warnungen und Empfehlungen(1) Der Ausschuss für Finanzstabilität kann in Warnungen an einen bestimmten Adressaten auf Gefahren hinweisen, welche die Finanzstabilität beeinträchtigen können. Die Warnungen sind eingehend zu begründen.
FinStabG§ 4Zusammenarbeit mit dem Europäischen Ausschuss für Systemrisiken(1) Der Ausschuss für Finanzstabilität arbeitet eng mit dem Europäischen Ausschuss für Systemrisiken und, soweit notwendig, mit den für die Wahrung der Finanzstabilität zuständigen Behörden der anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union zusammen.
FinStabG§ 5Zusammenarbeit der Deutschen Bundesbank mit der Bundesanstalt(1) Die Deutsche Bundesbank und die Bundesanstalt haben sich sämtliche Informationen, insbesondere Beobachtungen, Feststellungen und Einschätzungen, mitzuteilen, die seitens der Bundesanstalt zur Erfüllung ihrer jeweiligen Aufsichtsaufgaben und seitens der Deutschen Bundesbank zur Erfüllung ihrer in diesem Gesetz geregelten Aufgaben erforderlich sind. Die Bundesanstalt und die Deutsche Bundesbank regeln einvernehmlich die Einzelheiten der Übermittlung dieser Informationen. Die in § 9 Absatz 1 Satz 1 des Kreditwesengesetzes, in § 21 Absatz 1 des Wertpapierhandelsgesetzes, in § 19 Absatz 1 des Wertpapierprospektgesetzes, in § 9 Absatz 1 des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes, in § 4 Absatz 1 des Vermögensanlagengesetzes, in § 309 Absatz 1 Satz 1 und 2 des Versicherungsaufsichtsgesetzes, in § 6 des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes, in § 8 des Kapitalanlagegesetzbuchs, in § 32 des Gesetzes über die Deutsche Bundesbank und in § 7 genannten Personen sind insoweit von ihren jeweiligen Verschwiegenheitspflichten befreit.
FinStabG§ 6Mitteilungspflichten; Verordnungsermächtigung(1) Finanzielle Kapitalgesellschaften im Sinne des Anhangs A Kapitel 2 Nummer 2.32 bis 2.67 der Verordnung (EG) Nr. 2223/96 des Rates vom 25. Juni 1996 zum Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen auf nationaler und regionaler Ebene in der Europäischen Gemeinschaft (ABl. L 310 vom 30.11.1996, S. 1) mit Sitz im Inland haben der Deutschen Bundesbank auf Anforderung diejenigen Wirtschafts- und Handelsdaten mitzuteilen, die diese benötigt, um ihre in diesem Gesetz genannten Aufgaben zu erfüllen. Wirtschafts- und Handelsdaten im Sinne des Satzes 1 sind alle Daten, die vertiefte Einblicke in den Stand und die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse der finanziellen Kapitalgesellschaften sowie deren Handelstätigkeit ermöglichen.
Zu diesen Daten gehören insbesondere Bilanzzahlen, Informationen zur außerbilanziellen Geschäftstätigkeit sowohl auf Einzel- als auch auf Konzernebene, Informationen zur Konzernstruktur und Strukturdaten, Informationen zur bilateralen Vernetzung und zum Risikomanagement sowie Solvenz- und Liquiditätszahlen. Diese Daten können auch personenbezogene Daten umfassen, soweit dies zur Erfüllung der in diesem Gesetz genannten Aufgaben zwingend erforderlich ist. Die Deutsche Bundesbank fordert die Daten nur an, soweit sie diese nicht auch durch einen Informationsaustausch mit anderen Behörden erlangen kann. Die Anforderung muss schriftlich ergehen und hat die Rechtsgrundlage, die zu übermittelnden Daten und den Zweck der Datenerhebung anzugeben sowie eine angemessene Frist zur Übermittlung zu setzen.
FinStabG§ 7VerschwiegenheitspflichtDie Mitglieder des Ausschusses für Finanzstabilität und Personen, die im Dienst der im Ausschuss für Finanzstabilität vertretenen Institutionen stehen und zur Durchführung dieses Gesetzes tätig werden, sowie Personen nach § 2 Absatz 4 Satz 3 dürfen die ihnen bei ihrer Tätigkeit bekannt gewordenen Tatsachen, deren Geheimhaltung im Interesse eines Dritten liegt, insbesondere Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse, nicht unbefugt offenbaren oder verwerten, auch wenn sie nicht mehr im Dienst sind oder ihre Tätigkeit oder ihre Mitgliedschaft im Ausschuss für Finanzstabilität beendet ist. Dies gilt auch für andere Personen, die durch dienstliche Berichterstattung Kenntnis von den in Satz 1 bezeichneten Tatsachen erhalten. Im Übrigen gilt § 9 Absatz 1 Satz 4 bis 8 und Absatz 2 des Kreditwesengesetzes entsprechend. § 2 Absatz 6 Satz 1 bleibt unberührt.