Antrag auf Ratenzahlung (Zahlungserleichterung) an einen Gläubiger

Wer eine Forderung nicht sofort in einem Betrag begleichen kann, sollte dem Gläubiger frühzeitig und schriftlich einen konkreten Ratenzahlungsvorschlag unterbreiten. Ein klar formuliertes Schreiben mit Schuldanerkenntnis und realistischem Rückzahlungsplan erhöht die Chance auf Zustimmung und kann in bestimmten Konstellationen auch Einbringungsmaßnahmen hemmen.
Ratenzahlung beantragen: Muster für Österreich

Warum ein schriftliches Ratenzahlungsersuchen sinnvoll ist

Ein schriftliches Ersuchen dokumentiert, dass der Schuldner zahlungswillig ist und aktiv eine Lösung sucht. Das kann bei künftigen Verhandlungen, aber auch gegenüber Dritten (etwa Inkassobüros oder Gerichten), von Vorteil sein.

Im Abgabenrecht sieht das Gesetz für Ansuchen um Zahlungserleichterungen eine besondere Wirkung vor: Wird ein solches Ansuchen rechtzeitig gestellt, dürfen Einbringungsmaßnahmen bis zur Erledigung des Ansuchens grundsätzlich nicht eingeleitet werden, wie sich aus Bundesabgabenordnung (BAO), § 230 ergibt. Für private Forderungen außerhalb des Abgabenrechts gilt diese Hemmung nicht automatisch, sodass dort allein die Bereitschaft des Gläubigers entscheidet.

Da es sich bei den vorliegenden Grundlagen im Wesentlichen um abgabenrechtliche Bestimmungen handelt, sollten Leser bei privatrechtlichen Forderungen (z. B. gegenüber Vermietern, Lieferanten oder Banken) die einschlägigen zivilrechtlichen Regelungen und die AGB des jeweiligen Gläubigers zusätzlich prüfen.

Schuldanerkenntnis, Zinsen und Zahlungsvorschlag

Besonderheiten bei Abgabenschulden

Bei Forderungen der Finanzverwaltung ist das Ansuchen um Zahlungserleichterungen ein eigener verfahrensrechtlicher Schritt. Wird es vor Ablauf der Zahlungsfrist oder während eines Zahlungsaufschubes eingebracht, dürfen Einbringungsmaßnahmen bis zur Erledigung grundsätzlich nicht eingeleitet werden, außer es handelt sich um eine bloße Nachfrist im Sinn von Bundesabgabenordnung (BAO), § 230.

Wird das Ansuchen erst nach Ablauf dieser Frist eingebracht, kann die Abgabenbehörde dem Ansuchen aufschiebende Wirkung zuerkennen, muss dies aber nicht zwingend tun; auch hierzu regelt Bundesabgabenordnung (BAO), § 230 die Grundsätze.

Abgaben werden grundsätzlich mit Ablauf eines Monats nach Bekanntgabe des Abgabenbescheides fällig, was für die Berechnung des richtigen Zeitpunkts eines Ansuchens um Zahlungserleichterung relevant ist, vgl. Bundesabgabenordnung (BAO), § 210.

Was das Schreiben enthalten sollte

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Forderung und Fälligkeit genau prüfen und die Unterlagen (Rechnung, Mahnung, Bescheid) zusammenstellen.
  2. Realistischen Ratenplan anhand des eigenen Budgets erstellen.
  3. Schreiben mit Schuldanerkenntnis, Ratenvorschlag und Bitte um Zustimmung an den Gläubiger senden.
  4. Bei Abgabenschulden das Ansuchen möglichst vor Ablauf der Zahlungsfrist einbringen, um die Hemmung von Einbringungsmaßnahmen zu nutzen.
  5. Schriftliche Bestätigung des Gläubigers abwarten und Raten fristgerecht zahlen.

Muster: Ersuchen um Ratenzahlung (Zahlungserleichterung)

[Vorname Nachname]
[Straße, Hausnummer]
[PLZ, Ort]
[E-Mail, Telefonnummer]

[Name des Gläubigers / der Behörde]
[Straße, Hausnummer]
[PLZ, Ort]

[Ort], am [Datum]

Betrifft: Ersuchen um Ratenzahlung zu [Rechnungsnummer / Aktenzeichen / Bescheiddatum]

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich nehme Bezug auf die oben genannte Forderung in Höhe von [Betrag in EUR], fällig seit [Datum], und anerkenne diese Forderung dem Grunde und der Höhe nach ausdrücklich als zu Recht bestehend.

Aufgrund meiner derzeitigen wirtschaftlichen Situation bin ich nicht in der Lage, den gesamten Betrag auf einmal zu begleichen. Ich ersuche Sie daher höflich um Zustimmung zu folgendem Ratenzahlungsplan:

- Erste Zahlung (Anzahlung): [Betrag] EUR bis [Datum]
- Monatliche Raten: [Betrag] EUR, jeweils fällig am [Tag] eines jeden Monats, beginnend mit [Datum]
- Gesamtdauer: [Anzahl] Monate

[Optional, falls einschlägig: Ich ersuche gemäß § 212 Abs. 1 BAO um Bewilligung dieser Zahlungserleichterung.]

Ich bitte Sie um schriftliche Bestätigung dieser Ratenzahlungsvereinbarung. Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

[Vorname Nachname]
[Unterschrift, falls postalisch versendet]

Füllen Sie alle eckigen Klammern mit Ihren konkreten Daten aus; den Hinweis auf § 212 BAO verwenden Sie nur bei Forderungen einer Abgabenbehörde und prüfen Sie zuvor die aktuelle Fassung der Bestimmung.

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Häufige Fragen

Muss der Gläubiger einem Ratenzahlungsvorschlag zustimmen?

Bei privaten Forderungen besteht grundsätzlich keine Pflicht des Gläubigers, einem Ratenzahlungsvorschlag zuzustimmen; die Zustimmung liegt in seinem Ermessen. Bei Abgabenschulden entscheidet die Abgabenbehörde über das Ansuchen um Zahlungserleichterung nach den einschlägigen Bestimmungen der Bundesabgabenordnung (BAO), § 230.

Werden Einbringungsmaßnahmen automatisch gestoppt, wenn ich ein Ratenzahlungsersuchen stelle?

Bei Abgabenschulden dürfen Einbringungsmaßnahmen unter den in Bundesabgabenordnung (BAO), § 230 genannten Voraussetzungen bis zur Erledigung des Ansuchens grundsätzlich nicht eingeleitet werden, sofern das Ansuchen rechtzeitig eingebracht wurde. Bei privaten Forderungen gibt es eine solche gesetzliche Hemmung aus den vorliegenden Grundlagen nicht.

Sollte ich die Schuld in meinem Schreiben ausdrücklich anerkennen?

Ja, ein klares Anerkenntnis dem Grunde und der Höhe nach schafft Rechtssicherheit für beide Seiten und ist die Grundlage für einen tragfähigen Ratenzahlungsplan. Die konkreten zivilrechtlichen Wirkungen eines Anerkenntnisses sind jedoch gesondert im anwendbaren Zivilrecht zu prüfen, da hierzu in den vorliegenden Quellen keine Bestimmung enthalten ist.

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